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Übersicht zur gastrointestinalen Blutung

Von

Parswa Ansari

, MD, Hofstra Northwell-Lenox Hill Hospital, New York

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Eine gastrointestinale (GI-)Blutung kann überall im GIT vom Mund bis zum Anus entstehen und sichtbar oder okkult sein. Das klinische Bild hängt von der Lokalisation und dem Ausmaß der Blutung ab. (Siehe auch Krampfadern und Vaskuläre GI-Läsionen.)

Bluterbrechen ist als das Erbrechen von frischem Blut definiert und weist auf eine obere GI-Blutung hin; im Allgemeinen liegt ein Magengeschwür, eine Varizenblutung oder eine Varize zugrunde. Kaffeesatzartiges Erbrechen ist Erbrechen von dunkelbraunem, körnigem Material, das Kaffeesatz ähnelt. Es hat seine Ursache meistens in Sicker- oder bereits zum Stillstand gekommenen Blutungen im oberen GIT, wobei das rote Hämoglobin durch Magensäure in braunes Hämatin verwandelt wurde.

Unter Hämatochezie versteht man einen ausgeprägten Blutabgang aus dem Rektum. Er weist in der Regel auf eine untere gastrointestinale Blutung hin, kann allerdings auch von einer stärkeren Blutung im oberen GIT stammen, wenn eine schnelle Passage des Blutes durch das Intestinum erfolgt ist.

Als Meläna bezeichnet man schwarzen Teerstuhl. Er rührt typischerweise von einer oberen GI-Blutung her, allerdings kann die Blutungsquelle auch im Dünndarm und im rechten Kolon liegen. Ungefähr 100–200 ml Blut im oberen GIT sind zur Entstehung von Meläna notwendig, die auch, nachdem die Blutung zum Stillstand gekommen ist, noch über mehrere Tage weiterbestehen kann. Schwarzer Stuhl, der kein okkultes Blut enthält, kann als Folge einer Aufnahme von Eisen, Wismut oder verschiedenen Nahrungsmitteln auftreten und sollte nicht mit Meläna verwechselt werden.

Chronische okkulte Blutungen können überall im GIT entstehen und durch chemische Testung einer Stuhlprobe entdeckt werden. Akute, schwere Blutungen können ebenfalls überall im GIT auftreten. Patienten können Anzeichen eines Schocks zeigen. Patienten mit ischämischer Herzkrankheit können durch den koronaren Blutverlust Stenokardien oder einen Myokardinfarkt entwickeln.

GI-Blutungen können zur portosystemischen Enzephalopathie oder zu einem hepatorenalen Syndrom (Nierenversagen als Folge von Leberversagen) führen.

Ätiologie

Es gibt viele mögliche Blutungsursachen ( siehe Tabelle: Allgemeine Ursachen von GI-Blutungen), die eingeteilt werden in die des oberen (oberhalb des Treitz-Bandes), die des unteren GIT und die des Dünndarms.

Blutungen jeglicher Ursache treten mit höherer Wahrscheinlichkeit und auch mit höherem Schweregrad bei Patienten mit chronischen Leberkrankheiten (z. B. aufgrund von Alkoholabusus oder chronischer Hepatitis) oder hereditären Blutgerinnungsstörungen auf oder bei denen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Medikamente, die mit GI-Blutungen assoziiert sind, umfassen Antikoagulanzien (z. B. Heparin, Wafarin), jene, die mit der Plättchenfunktion interferieren (z. B. Acetylsalicylsäure und bestimmte andere NSAR, Clopidogrel, SSRI), und jene, die die mukosalen Abwehrmechanismen beeinträchtigen (z. B. NSAR).

Tabelle
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Allgemeine Ursachen von GI-Blutungen

Oberer GIT

Duodenalulzera (20–30%)

Magen- oder Duodenalerosionen (20–30%)

Varizen (15–20%)

Magenulzera (10–20%)

Mallory-Weiss-Riss (5–10%)

erosive Ösophagitis (5–10%)

Angiome (5–10%)

Hämobilie

Unterer GIT (die Prozentsätze variieren nach untersuchter Altersgruppe)

Angiodysplasie (vaskuläre Ektasien)

Kolitis: Strahlen-, ischämische, infektiöse

Dünndarmläsionen (selten)

Angiome

Abklärung

Die Kreislaufstabilisierung mit Atemwegssicherung, intravenösem Flüssigkeitsersatz oder Transfusionen ist vor und während der diagnostischen Abklärung essenziell.

Anamnese

Die Anamnese der bestehenden Erkrankung sollte Menge und Häufigkeit des Blutabgangs zu überprüfen versuchen. Allerdings kann es schwierig sein, die Quantität abzuschätzen, da schon geringe Mengen (5–10 ml) Blut das Wasser in einem Toilettenbecken opak-rot einfärben und bescheidene Mengen von erbrochenem Blut einem ängstlichen Patienten als groß erscheinen. Allerdings wissen die meisten zwischen Blutschlieren, ein paar Teelöffeln und Blutgerinnseln zu unterscheiden.

Patienten mit Hämatemesis sollten gefragt werden, ob das Blut von Anfang an mit Erbrechen oder erst nach einem (oder mehrfachem) unblutigen Erbrechen abgesetzt wurde. Darüber hinaus sollte der Arzt spezifische Fragen stellen, um so zwischen Hämatemesis und Hämoptysen zu unterscheiden, da Patienten die beiden Symptome verwechseln können.

Patienten mit rektalen Blutungen sollten gefragt werden, ob reines Blut abgesetzt wurde; ob es mit Stuhl, Eiter oder Schleim vermischt war oder ob das Blut einfach dem Stuhl oder Toilettenpapier anhaftete. Diejenigen mit blutigem Durchfall sollten zu Reisen oder einer anderen möglichen Exposition mit Krankheitserregern des Gastrointestinaltrakts befragt werden.

Eine Übersicht der Symptome sollte das Auftreten von Bauchschmerzen, Gewichtsverlust, leichte Blutungen oder Blutergüsse, vorherige Koloskopie-oder Endoskopiebefunde und Anämieanzeichen (z. B. Schwäche, leichte Ermüdbarkeit, Schwindel) umfassen.

Die Eigenanamnese sollte nach früheren gastrointestinalen Blutungen (diagnostizierten oder nicht diagnostizierten), bekannten entzündlichen Darmerkrankungen, Blutungsneigung und Lebererkrankungen fragen, ebenso wie nach dem Konsum von Drogen, die die Wahrscheinlichkeit von Blutungen oder einer chronischen Lebererkrankung (z. B. Alkohol) erhöhen.

Körperliche Untersuchung

Die allgemeine Untersuchung konzentriert sich auf die Vitalfunktionen und andere Anzeichen von Schock oder Hypovolämie (z. B. Tachykardie, Tachypnoe, Blässe, Schwitzen, Oligurie, Verwirrtheit) und Anämie (z. B. Blässe, Schwitzen). Patienten mit geringer ausgeprägten Blutungen haben nur eine leichte Tachykardie (Herzfrequenz > 100)

Orthostatische Veränderungen bei Puls (eine Änderung von > 10 Schläge/min) oder Blutdruck (eine Änderung von 10 mmHg) entwickeln sich häufig nach einem akuten Verlust 2 Einheiten Blut. Allerdings sind orthostatische Messungen bei Patienten mit schweren Blutungen (die möglicherweise eine Synkope verursachen) unklug, und in der Regel fehlt es ihnen an Sensitivität und Spezifität zur Bestimmung des intravaskulären Volumens, vor allem bei älteren Patienten.

Nach externen Merkmalen für Blutungsstörungen (z. B. Petechien, Ekchymosen) ist zu suchen, ebenso wie nach Anzeichen für eine chronische Lebererkrankung (z. B. Spider-Nävi, Aszites, Palmarerythem) und portale Hypertension (z. B. Splenomegalie, dilatierte Bauchwandvenen).

Eine digitale rektale Untersuchung ist zur Erfassung von Stuhlfarbe, Raumforderungen und Fissuren notwendig. Eine Anoskopie wird durchgeführt, um Hämorrhoiden zu diagnostizieren. Die chemische Testung einer Stuhlprobe auf okkultes Blut komplettiert die Untersuchung, falls kein Blutabgang aufgetreten ist.

Warnhinweise

Mehrere Befunde begründen den Verdacht auf eine Hypovolämie oder einen hämorrhagischen Schock:

  • Synkope

  • Hypotonie

  • Blässe

  • Schwitzen

  • Tachykardie

Interpretation der Befunde

Anamnese und körperliche Untersuchung lassen eine Diagnose bei ca. 50% der Patienten zu, doch die Ergebnisse sind selten diagnostisch und müssen durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.

Epigastrische Beschwerden, die nach Nahrungsaufnahme oder Antazida gelindert werden, lassen an eine Ulkuskrankheit denken. Auf der anderen Seite haben viele Patienten mit blutenden Ulzera keine Schmerzanamnese. Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit mit oder ohne Stuhlveränderung deuten auf eine gastrointestinale Krebserkrankung hin. Das Bestehen einer Zirrhose oder einer chronischen Hepatitis in der Anamnese weist auf eine Ösophagusvarizenblutung hin. Schluckbeschwerden geben einen Hinweis auf ein Ösophaguskarzinom oder eine Striktur. Erbrechen und Würgen vor Auftreten der Blutung lässt an einen Mallory-Weiss-Riss des Ösophagus denken, obwohl ca. 50% der Patienten mit Mallory-Weiss-Riss keine entsprechende Vorgeschichte haben.

Eine Blutungsanamnese (z. B. Purpura, Ekchymosen, Hämaturie) kann auf eine Blutungsdiathese (z. B. Hämophilie, Leberversagen) hinweisen. Blutige Diarrhöen, Fieber und abdominelle Beschwerden sind verdächtig für das Bestehen einer ischämischen Kolitis, einer entzündlichen Darmkrankheit (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) oder für eine infektiöse Kolitis (z. B. Shigella, Salmonella, Campylobacter, Amöbiasis). Eine Hämatochezie weist auf eine Divertikulose oder Angiodysplasie hin. Frisches Blut nur am Toilettenpapier oder an der Oberfläche von geformtem Stuhl verweist auf innere Hämorrhoiden oder Fissuren, während mit dem Stuhl vermischtes Blut auf eine mehr proximal gelegene Blutungsquelle hinweist. Okkultes Blut im Stuhl kann das erste Zeichen eines Kolonkarzinoms oder eines Polypen sein, v. a. bei Patienten > 45 Jahre.

Nasenblutungen lassen eine Blutungsquelle im Nasopharynx vermuten. Spider-Nävi, Hepatosplenomegalie oder Aszites sind mit dem Bestehen einer chronischen Leberkrankheit und dementsprechend mit Ösophagusvarizen vereinbar. Arteriovenöse Fehlbildungen, v. a. in den Schleimhautmembranen, weisen auf die hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (Rendu-Osler-Weber-Syndrom) hin. Teleangiektasien im Nagelbett und im GIT können ein Hinweis für eine Sklerodermie oder eine gemischte Bindegewebekrankheitsein.

Testverfahren

Mehrere Tests werden durchgeführt, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen:

  • Gesamtblutbild, Gerinnungsstatus und oft andere Laboruntersuchungen

  • NGS für alle Patienten mit minimalen rektalen Blutungen

  • Endoskopie bei Verdacht auf Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt

  • Koloskopie bei Blutungen im unteren GIT (es sei denn, sie sind eindeutig durch Hämorrhoiden verursacht)

Ein vollständiges Blutbild ist bei Patienten mit großvolumigem oder okkultem Blutverlust erforderlich. Bei Patienten mit stärkeren Blutungen müssen auch Gerinnungsuntersuchungen (z. B. Thrombozytenzahl, PT, PTT) sowie Bestimmungen von Leberwerten (z. B. Bilirubin, alkalische Phosphatase, Albumin, AST, ALT) durchgeführt werden. Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe sind bei laufender Blutung sofort erforderlich. Die Bestimmung von Hämoglobin und Hämatokrit sollte bei Patienten mit schwerer Blutung ca. alle 6 h wiederholt werden. Darüber hinaus werden meist ein oder mehrere diagnostische Untersuchungsverfahren eingesetzt.

Eine nasogastrische Saug-Spül-Behandlung via Magensonde sollte bei allen Patienten durchgeführt werden, bei denen der Verdacht auf eine obere GI-Blutung (z. B. Hämatemesis, kaffeesatzartiges Erbrechen, Meläna, massive rektale Blutung) besteht. Blut im Magenaspirat weist auf eine aktive Blutung im oberen GIT hin, allerdings zeigen ca. 10% der Patienten mit oberen GI-Blutungen kein Blut in der Magensonde. Kaffeesatzartiges Erbrechen lässt vermuten, dass die Blutung sickert oder bereits zum Stillstand gekommen ist. Wenn keine aktiven Zeichen einer Blutung bestehen, kann die Magensonde entfernt werden, andernfalls wird sie liegengelassen, um eine bestehende oder rezidivierende Blutung zu überwachen. Unblutiger, nichtbilliöser Rückfluss gilt als nichtdiagnostisches Aspirat.

Eine obere Endoskopie (Untersuchung des Ösophagus, Magens und Duodenums) ist bei oberer GI-Blutung erforderlich. Weil die Endoskopie sowohl diagnostisch als auch therapeutisch sein kann, sollte sie bei signifikanten Blutungen rasch ausgeführt werden, kann aber bei zum Stillstand gekommener oder minimaler Blutung für ca. 24 h aufgeschoben werden. Bariumkontrastdarstellungen des oberen GIT spielen keine Rolle bei akuten Blutungen, und das verwendete Kontrastmittel kann nachfolgende Versuche zur Angiographie verschleiern. Die Angiographie ist hilfreich zur Diagnose der oberen GI-Blutung und gestattet grundsätzlich bestimmte therapeutische Maßnahmen (z. B. Embolisation oder Infusion von Vasokonstriktoren).

Eine Sigmoidoskopie oder eine Rektoskopie mit flexiblem Gerät können in der akuten Situation bei Patienten mit typischen Symptomen einer Hämorrhoidalblutung ausreichen. Bei allen anderen Patienten mit Hämatochezie ist eine Koloskopie erforderlich, die – wenn nicht eine laufende Blutung besteht – elektiv nach Routinevorbereitung durchgeführt werden kann. Bei solchen Patienten erlaubt eine schnelle Vorbereitung (5–6 l Polyethylenglykol, verabreicht via NGS über 3–4 h) eine adäquate Sicht bei der Untersuchung. Wenn die Koloskopie die Blutungsquelle nicht darstellen kann und eine starke laufende Blutung vorliegt (> 0,5–1 ml/min), kann man mit einer Angiographie die Blutungsquelle lokalisieren. Einige Angiographeure veranlassen zunächst eine Szintigraphie, um den Blutungsbereich einzugrenzen, weil die Angiographie weniger sensitiv ist als die Szintigraphie. Die guidelines des American College of Gastroenterology von 2016 zur Behandlung von Patienten mit akuten Blutungen des unteren GI schlagen vor, eine CT-Angiographie durchzuführen, um die Blutungsstelle vor einer Angiographie oder Operation zu lokalisieren.

Die Diagnose einer Blutungsquelle bei okkulter Blutung kann schwierig sein, weil Häm-positiver Stuhl von Blutungen irgendwo im GIT herrühren kann. Die Endoskopie ist die bevorzugte Methode, wobei die Symptomatologie bestimmt, ob eine Untersuchung zunächst im oberen oder unteren GIT durchgeführt wird. Ein Doppelkontrasteinlauf mit Barium oder eine Sigmoidoskopie wird zur Untersuchung des unteren GIT immer dann durchgeführt, wenn eine Koloskopie nicht möglich ist oder vom Patienten verweigert wird.

Wenn die Ergebnisse der oberen Endoskopie und der Koloskopie zu keiner Diagnose führen und okkultes Blut im Stuhl persistiert, sollten ein Dünndarmkontrasteinlauf, eine CT-Enterographie, eine Dünndarmendoskopie (Enteroskopie), eine Kapselendoskopie (die eine pillengroße kleine Kamera verwendet, die verschluckt wird), eine Erythrozytenszintigraphie und eine Angiographie in Erwägung gezogen werden. Die Kapselendoskopie ist von begrenztem Wert bei einem aktiv blutenden Patienten.

Therapie

  • Atemwegssicherung, wenn nötig

  • i.v. Flüssigkeitsersatz

  • Bluttransfusion bei Bedarf

  • gelegentlich Medikamente

  • In einigen Fällen endoskopische oder angiographische Hämostase

(Siehe auch das American College of Gastroenterology's practice guidelines on management of the adult patient with acute lower GI bleeding and the practice guidelines on management of patients with ulcer bleeding.)

Hämatemesis, Hämatochezie oder Meläna sollten als Notfall betrachtet werden. Die Aufnahme auf eine Intensiveinheit unter Hinzuziehung von Gastroenterologen und Chirurgen ist bei allen Patienten mit schwerer GI-Blutung empfehlenswert. Die generelle Behandlung zielt auf die Aufrechterhaltung freier Atemwege und Kreislaufstabilität. Blutstillung und weitere Behandlungen hängen von der Ursache der Blutung ab.

Atemwege

Eine Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei Patienten mit aktiven oberen GI-Blutungen stellt die Aspiration von Blut mit folgender respiratorischer Beeinträchtigung dar. Um diese Problem zu vermeiden, sollte eine Intubation bei Patienten mit gestörten Schluckreflexen, die betäubt oder benommen sind, erwogen werden, v. a. auch wenn bei diesen Patienten eine obere Endoskopie durchgeführt werden soll.

Flüssigkeitszufuhr und Blutprodukttransfusion

Der intravenöse Zugang sollte sofort gelegt werden. Kurze, großkalibrige (beispielsweise 14- bis 16-Gauge) IV-Katheter in den Ellenbeugenvenen werden gegenüber einem zentralen Venenkatheter bevorzugt, es sei denn, eine große (8,5 Fr) Hülle wird verwendet. Infusionen werden sofort eingeleitet, wie bei jedem Patienten mit Hypovolämie oder hämorrhagischem Schock ( Intravenöser Flüssigkeitsersatz). IGesunden Erwachsenen werden normale Kochsalzlösungen in 500- bis 1000-ml-Portionen verabreicht, bis sich die Zeichen der Hypovolämie zurückgebildet haben – bis zu einem Maximum von 2 l (bei Kindern 20 ml/kg, was einmal wiederholt werden kann).

Patienten, die auf diese Weise nicht ausreichend stabilisiert werden können, erhalten Erythrozytenkonzentrate transfundiert. Die Transfusionen werden fortgesetzt, bis das intravasale Volumen wiederhergestellt ist, anschließend entsprechend dem laufenden Blutverlust. Die Transfusionen bei älteren Patienten oder solchen mit koronarer Herzkrankheit werden beendet, wenn der Hämatokrit bei 30% stabil bleibt und der Patient nicht symptomatisch ist. Jüngere Patienten oder solche mit chronischer Blutung erhalten in der Regel keine Transfusion, es sei denn, der Hämatokrit fällt unter < 23 oder es treten Symptome wie Dyspnoe oder Symptome der koronaren Ischämie auf.

Die Thrombozytenzahl sollte engmaschig überwacht werden, eine Transfusion von Thrombozyten kann bei schweren Blutungen erforderlich werden. Patienten, die Thrombozytenaggregationsshemmer einnehmen (z. B. Clopidogrel, Acetylsalicylsäure), haben eine Plättchendysfunktion, die häufig zu verstärkten Blutungen führt. Plättchentransfusionen sollten erwogen werden, wenn bei Patienten, die diese Medikamente einnehmen, schwere laufende Blutungen persistieren, obwohl residuale Mengen des zirkulierenden Medikaments (v. a. bei Clopidogrel) die transfundierten Plättchen inaktivieren können. Wenn Patienten bei einer kürzlichen kardiovaskulären Indikation einen Thrombozytenaggregationshemmer oder ein Antikoagulans einnehmen, sollte nach Möglichkeit ein Kardiologe konsultiert werden, bevor das Medikament abgesetzt, das Medikament reversiert oder eine Thrombozytentransfusion verabreicht wird.

Wenn eine signifikante Bluttransfusion erforderlich ist, sollten frisches gefrorenes Plasma und Thrombozyten zusammen mit gepackten Erythrozyten gemäß den massiven Transfusionsprotokollen der Einrichtung transfundiert werden. Wenn der Patient eine Koagulopathie hat, sollte eine Korrektur mit frischem gefrorenem Plasma oder Prothrombinkomplex-Konzentrat in Betracht gezogen werden.

Arzneimittel

Bei möglichen Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt sollte mit einem intravenösen Protonenpumpenhemmer (PPI) begonnen werden.

Octreotid (ein synthetisches Analogon von Somatostatin) wird bei Patienten mit Verdacht auf Varizenblutung verwendet. Octreotid wird als 50-mcg-i. v.-Bolus verabreicht, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion von 50 mcg/h.

Hämostase

GI-Blutungen sistieren spontan bei ca. 80% der Patienten. Die übrigen Patienten erfordern eine Intervention. Die Art der Therapie hängt von der Blutungslokalisation ab. Eine frühe Intervention zur Kontrolle der Blutung ist v. a. bei älteren Patienten wichtig, um die Mortalität niedrig zu halten.

Bei peptischen Ulzera werden bestehende oder Rezidivblutungen mit endoskopischer Koagulation (mittels bipolarer Elektrokoagulation, mit Injektion von Sklerosierungsmittel, mit Thermokoagulation, Clips oder Laser) behandelt. Nichtblutende Gefäße, die im Ulkusgrund sichtbar sind, werden ebenfalls behandelt. Wenn die Endoskopie die Blutung nicht sistieren lässt, kann eine angiographische Embolisation des blutenden Gefäßes versucht werden, oder eine Operation ist erforderlich ist, um die Blutungsstelle zu übernähen. Wenn der Patient wegen einer Ulkuskrankheit medizinisch behandelt wurde, aber rezidivierende Blutungen hat, führen Chirurgen gleichzeitig eine säurereduzierende Operation durch.

Eine aktive Varizenblutung kann mit endoskopischer Bändelung, Sklerosierungstherapie oder mit einem transjugulären intrahepatischen Shunt (TIPS) versorgt werden.

Schwere, anhaltende niedrigere GI-Blutungen, die durch Divertikel oder Angiome verursacht werden, können manchmal koloskopisch durch Clips, Elektrokauterisation, Koagulation mit einer Heizsonde oder Injektion mit verdünntem Adrenalin kontrolliert werden. Polypen können mittels einer Schlinge oder Kauterisierung entfernt werden. Sollten diese Methoden ineffektiv oder unmöglich sein, kann eine Angiographie mit Embolisation oder eine Infusion von Vasopressin zum Erfolg führen. Da jedoch die kollaterale Blutversorgung im Darm begrenzt ist, stellen angiographische Techniken ein signifikantes Risiko hinsichtlich einer Darmischämie oder Infarzierung dar, es sei denn, superselektive Kathetertechniken kommen zum Einsatz. In den meisten Studien beträgt die Rate von ischämischen Komplikationen < 5%. Mit Vasopressininfusionen liegt die Chance auf eine Blutstillung bei ca. 80%, allerdings kommt es bei ca. 50% der Patienten zu Rezidivblutungen. Darüber hinaus besteht das Risiko einer Blutdrucksteigerung und einer koronaren Ischämie. Darüber hinaus kann die Angiographie zur Lokalisierung der genauen Blutungsquelle eingesetzt werden.

Ein operatives Eingreifen kann bei Patienten mit laufenden Blutungen im unteren Gastrointestinaltrakt (die > 6 Transfusionseinheiten benötigen) erforderlich sein; die Lokalisierung der Blutung ist in diesen Fällen besonders bedeutend. Wenn die Blutungsquelle nicht lokalisiert werden kann, wird eine subtotale Kolektomie empfohlen. Eine blinde Hemikolektomie (ohne präoperative Identifikation der Blutungsquelle) stellt ein wesentlich höheres Mortalitätsrisiko dar als eine gezielte Segmentresektion und entfernt nicht die Blutungsstelle; die Rate an Rezidivblutungen beträgt 40%. Allerdings müssen die Untersuchungsmaßnahmen schnell durchgeführt werden, um den operativen Eingriff nicht unnötig zu verzögern. Bei Patienten, die > 10 Einheiten Erythrozytenkonzentrate erhalten haben, liegt die Mortalitätsrate bei etwa 30%.

Akute oder chronische Blutungen infolge von inneren Hämorrhoiden sistieren in der Regel spontan. Patienten mit rezidivierenden Blutungen werden anoskopisch mit Gummibandligatur, Injektion, Koagulation oder operativ versorgt.

Geriatrische Essentials

Bei älteren Patienten sind Hämorrhoiden und Darmkrebs die häufigste Ursachen für kleinere Blutungen. Ulkuskrankheit, Divertikelkrankheit und Angiodysplasie sind die häufigsten Ursachen für schwere Blutungen. Varizenblutung ist weniger verbreitet als bei jüngeren Patienten.

Eine massive GI-Blutung wird von älteren Patienten nur schlecht toleriert. Die Diagnose muss schnell gestellt werden, und die Behandlung muss früher beginnen als bei jüngeren Patienten, die wiederholte Blutungsepisoden besser tolerieren.

Wichtige Punkte

  • Rektale Blutungen können von oberen oder unteren GI-Blutungen herrühren.

  • Orthostatische Veränderungen der Vitalparameter sind unzuverlässige Marker für schwere Blutungen.

  • Hämatemesis, Hämatochezie oder Meläna sollten als Notfall betrachtet werden.

  • Die intravenöse Flüssigkeitsreanimation sollte sofort beginnen und eine Transfusion mit Blutprodukten erforderlich machen.

  • Bei etwa 80% der Patienten sistiert die Blutung spontan; verschiedene endoskopische Techniken sind in der Regel die erste Wahl für die übrigen Fälle.

Weitere Informationen

  • The American College of Gastroenterology’s practice guidelines on management of patients with acute lower GI bleeding

  • The American College of Gastroenterology’s practice guidelines on management of patients with ulcer bleeding

  • The American College of Gastroenterology's practice guidelines on diagnosis and management of small bowel bleeding

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