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Taubheitsgefühl

Von

Michael C. Levin

, MD, College of Medicine, University of Saskatchewan

Inhalt zuletzt geändert Jul 2016
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Quellen zum Thema

Der Begriff "Taubheitsgefühl" kann von Patienten gebraucht werden, um verschiedene Symptome, inkl. Verlust von Empfindungen, Missempfindungen und Schwäche oder Lähmung, zu beschreiben. Allerdings ist Taubheit eigentlich der teilweise (Hypästhesie) oder komplette (Anästhesie) Verlust von Empfindungen. Taubheit kann die 3 sensorischen Hauptmodalitäten–leichte Berührung, Schmerz- und Temperatursinn, Lage- und Vibrationssinn–gleich oder unterschiedlich stark betreffen.

Taubheit wird oft von abnormen Kribbelempfindungen (Nadelstiche) begleitet, die nicht in Zusammenhang mit einem sensorischen Stimulus stehen (Parästhesien). Andere Manifestationen (z. B. Schmerz, Schwäche in Extremitäten, nichtsensorische Hirnnervenstörung) können je nach Ursache ebenfalls vorhanden sein.

Unerwünschte Wirkungen von chronischer Gefühllosigkeit umfassen:

  • Schwierigkeiten beim Gehen oder Fahren

  • Erhöhtes Risiko von Stürzen

Darüber hinaus können Infektionen, diabetische Fußulzera und Verletzungen übersehen werden, was eine verzögerte Behandlung nach sich zieht.

Pathophysiologie

Anatomie

Sensorische Areale im Gehirn sind mit Hirnnerven oder sensorischen Bahnen im Rückenmark verbunden. Sensorische Nervenfasern vereinigen sich zu den Hinterwurzeln und treten in das jeweilige Rückenmarksegment ein (Ausnahme: C1– Spinalnerv). Die 30 sensorischen Hinterwurzeln bilden zusammen mit den entsprechenden motorischen Vorderwurzeln die Spinalnerven. Äste der zervikalen und lumbosakralen Nervenwurzeln vereinigen sich weiter distal, bilden Plexus und verzweigen sich dann in Nervenstämme. Die Interkostalnerven bilden keine Plexus; sie korrespondieren mit ihrem Ursprungssegment im Rückenmark. Als peripherer Nerv wird der Teil des Spinalnerven bezeichnet, der distal von Nervenwurzel und Plexus liegt.

Spinalnerv

Spinalnerv

Nervenwurzeln von den am weitesten distal liegenden Rückenmarksegmenten ziehen innerhalb der Wirbelsäule bis unter das Ende des Rückenmarks und bilden die Cauda equina. Die Cauda equina versorgt die Sensorik von Beinen, Scham-, Perineal- und Sakralbereich (Reithosenbereich) sowie die Muskeln des Beckenbodens.

Das Rückenmark ist in funktionelle Segmente (Niveaus) eingeteilt, die ungefähr den 31 Spinalnervenwurzelpaaren entsprechen. Das Hautareal, das vorrangig von einem bestimmten Spinalnerven versorgt wird, ist das Dermatom, das diesem Rückenmarksegment entspricht ( Sensorische Dermatome.).

Sensorische Dermatome.

(Gezeichnet nach Keegan JJ, Garrett FD, Anatomical Record 102:409-437, 1948; verwendet mit Genehmigung von The Wistar Institute, Philadelphia, Pennsylvania).

Sensorische Dermatome.

Mechanismen

Taubheitsgefühle können von Dysfunktionen herrühren, die überall auf dem Weg von den sensorischen Rezeptoren bis hinauf zum Kortex und auch dort lokalisiert sein. Gemeinsame Mechanismen sind:

Ätiologie

Taubheitsgefühle haben viele Ursachen. Trotz einiger Überschneidungen kann die Einteilung der Ursachen nach dem Taubheitsmuster hilfreich sein (siehe Tabelle: Ursachen von Taubheitsgefühlen).

Tabelle
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Ursachen von Taubheitsgefühlen

Grund

Verdächtige Befunde

Diagnostisches Vorgehen

Einseitige Taubheit beider Gliedmaßen (Hemihypästhesie)*

Kortikale Dysfunktion (z. B. Schlaganfall, Tumor, multiple Sklerose, degenerative Gehirnerkrankungen)

Einseitiger Verlust von Gesichts- und Körperempfindungen plus Ausfall der kortikalen Sensorik (z. B. Agraphästhesie, Astereognosis, Extinktion)

Üblicherweise nichtsensorische neurologische Defizite (z. B. Schwäche, Hyperreflexie, Ataxie)

MRT oder CT

Dysfunktion von oberem Hirnstamm oder Thalamus (z. B. Schlaganfall, Tumor, Abszess)

Einseitiger Verlust von Gesichts- und Körperempfindungen

Oft Hirnnervenausfälle (z. B. Okulomotorius-Lähmung auf der zur Taubheit kontralateralen Seite bei einigen Insulten im oberen Hirnstamm)

MRT (vorzugsweise bei Hirnstammdysfunktion) oder CT

Dysfunktion desunteren Hirnstamms (z. B. Schlaganfall, Tumor, degenerative Gehirnerkrankungen)

Verlust von Gesichts- und Körperempfindungen auf der jeweils kontralateralen Seite (überkreuzte Gesicht-Körper-Verteilung)

Oft Hirnnervenausfälle

MRT

Bilaterales Taubheitsgefühl in Gliedmaßen oder Rumpf

Transversale Myelopathie (z. B. Rückenmarkkompression, Querschnittsmyelitis)

Verlust der sensorischen, motorischen und Reflexfunktion unterhalb eines bestimmten Wirbelsäulensegments

Autonome Dysfunktion (z. B. Darm, Blase und erektile Dysfunktion; Anhidrose)

MRT

Dysfunktion in den Hintersträngen (z. B. multiple Sklerose, Vitamin-B12-Mangel, Tabes dorsalis)

Dysproportionierter Ausfall von Vibrations- und Lagesinn

Bei Vitamin-B12-Mangel bilaterale und symmetrische Befunde (in der Regel aufgrund der Rückenmarkdysfunktion, obwohl eine periphere Neuropathie beteiligt sein kann)

MRT

Vitamin-B12-Spiegel, Zellzahl- und Eiweißbestimmung sowie Blutuntersuchungen auf Syphilis im Liquor

Kompression der Cauda equina–auch Cauda-equina-Syndrom genannt (z. B. durch Bandscheibenvorfall oder Metastasen in Rückenmark oder Wirbelsäule)

Taubheitsgefühle beeinflussen in erster Linie das Perineum (Reithosenbereich)

Oft Harnverhalt, Stuhlinkontinenz und/oder Verlust der Sphinkterreflexe (z. B. Analreflex, Bulbocavernosusreflex)

MRT

  • Axonale Polyneuropathien (z. B. assoziiert mit Arzneimitteln, Diabetes, chronischer Nierenerkrankung, Stoffwechselstörungen)

  • Demyelinisierende Polyneuropathien (z. B. Guillain-Barré-Syndrom, chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie, toxische oder arzneimittelbedingte demyelinisierende Polyneuropathie)

Bilaterale, weitgehend symmetrische, meist distale Parästhesien und sensorische Ausfälle (Strumpf-Handschuh-Verteilung)

Manchmal Schwäche und Hyporeflexie (z. B. bei demyelinisierenden Polyneuropathien)

Elektrodiagnostische Tests

Durch die vermutete Störung begründete Laboruntersuchungen

Multiple Mononeuropathie–auch Mononeuritis multiplex genannt (z. B. im Zusammenhang mit Bindegewebserkrankungen, Infektionen oder Stoffwechselstörungen wie Diabetes)

Taubheitsgefühl mit oder ohne Schmerz

Üblicherweise motorische Dfizite und Reflexabschwächung im Innervationsgebiet mehrerer peripherer Nerven, die sequenziell bestimmte Nerven beeinträchtigen können (klinische Unterscheidung von einer Strumpf-Handschuh-Verteilung kann unmöglich sein)

elektrodiagnostische Tests und Laboruntersuchungen entsprechend der vermuteten Ursache

Taubheitsgefühl in einer Teilextremität

Radikulopathie (z. B. Bandscheibenvorfall, Knochenkompression durch Osteoarthritis oder rheumatoide Arthritis, karzinomatöse Meningitis, infektiöse Radikulopatie)

Schmerz (manchmal wie ein Stromschlag), sensorische und oft motorische und/oder reflektorische Defizite im Innervationsgebet einer Nervenwurzel (siehe Tabelle: Symptome häufiger Radikulopathien, nach der Höhe des Rückensegments)

Der Schmerz wird durch Bewegen des Wirbels oder ein Valsalva-Manöver möglicherweise verschlimmert

MRT oder CT

Manchmal elektrodiagnostische Untersuchungen

Plexopathie (z. B. brachiale oder lumbale Plexopathie, brachiale Neuritis, Schultergürtel-Kompressionssyndrom)

Sensibilitätsstörungen, Schmerz und motorische Defizite in einer Teilextremität (manchmal im Großteil der Extremität), die in ihrer Ausbreitung über eine Mononeuropathie oder Radikulopathe hinausgehen

Elektrodiagnostische Tests

MRT, mit Ausnahme von Trauma oder vermuteter brachialer Neuritis als Ursache

Einfache Mononeuropathie (z. B. Karpal-, Kubital-, Radial- und Tarsaltunnelsyndrom; ulnare, radiale und peroneale Nervenlähmungen)

Taubheit (mit oder ohne Schmerz) und motorische und reflektorische Defizite im Innervationsgebet eines einzelnen peripheren Nerven

Klinische Untersuchung

Manchmal elektrodiagnostische Untersuchungen

* Nur ein Bein kann beeinträchtigt sein; der Rumpf kann betroffen sein.

Conus-medullaris-Syndrom ist eine Querschnittsmyelopathie ca. auf Höhe L1. Ähnliche Befunde wie bei Cauda-equina-Syndrom.

Die Befunde können beidseitig auftreten.

OA = Osteoarthritis.

Bewertung

Da Taubheitsgefühle durch zahlreiche Störungen verursacht werden können, erfolgt eine sequenzielle Abklärung.

  • Zuerst wird das Taubheitsverteilungsmuster zur Lokalisation des beiteiligten Teils des Nervensystems genutzt.

  • Weitere klinische Merkmale–insbesondere Beginn, assoziierte neurologische Symptome und Beschwerden und Symmetrie–engen die Differenzialdiagnose ein und führen somit zu weiteren Fragen und Tests zum Nachweis spezifischer kausaler Störungen.

Obwohl in der Praxis bestimmte Elemente der Anamnese normalerweise selektiv erfragt werden (z. B. werden typische Schlaganfallpatienten nicht ausführlich nach Risikofaktoren für eine Polyneuropathie gefragt–und umgekehrt), werden hier mehrere potenziell relevante Anamnesefragen zur Information vorgestellt.

Historie

Bei der Anamneseerhebung zur bestehenden Erankung sollte der Patient mit einer offenen Frage darum gebeten werden, das Taubheitsgefühl zu beschreiben. Symptombeginn, Dauer und Verlauf sollten ermittelt werden. Am wichtigsten sind

  • Die Lage der Taubheit

  • Dazugehörige neurologische Symptome (z. B. Parese, Dysästhesie, Sphinkter-Dysfunktion wie Inkontinenz oder Retention, Dysphasie, Sehverlust, Diplopie, Dysphagie, kognitiver Abbau).

Mögliche Ursachen werden gesucht (z. B. Kompression einer Extremität, Trauma, kürzlich stattgehabte Intoxikation, ungünstige Schlafposition, Symptome einer Infektion).

Bei der Überprüfung der Organsysteme sollten Symptome ursächlicher Erkrankungen identifiziert werden. Einige Beispiele sind

  • Rücken und/oder Nackenschmerzen: Osteoarthritis- oder RA-assoziierte Diskushernie oder Kompression des Rückenmarks

  • Fieber und/oder Hautausschlag: Infektiöse Neuropathie, infektiöse Radiculopathie, Gehirn-Infektion oder rheumatische Erkrankungen

  • Kopfschmerzen: Hirntumor, Schlaganfall oder Enzephalopathie

  • Gelenkschmerzen: Rheumatische Erkrankungen

  • Unterernährung: Vitamin B12-Mangel

  • Zu hohe Aufnahme von stark Quecksilber-belasteten Meeresfrüchte: Polyneuropathie

Bei der Anamnese sollten bekannte Störungen erkannt werden, die Gefühllosigkeit verursachen können, insbesondere die Folgenden:

  • Diabetes oder chronische Nierenerkrankung: Polyneuropathie

  • Infektionen wie HIV, Syphilis oder Lyme-Borreliose: Infektiöse periphere Neuropathie oder Gehirninfektion

  • CAD, Vorhofflimmern, Atherosklerose oder Rauchen: Schlaganfall

  • Osteoarthritis oder RA: Radiculopathie

Die Familienanamnese sollte Informationen über alle familiären neurologischen Störungen beinhalten. Die Arzneimittel- und Sozialanamnese sollten den Gebrauch aller Arzneimittel und Substanzen sowie die berufliche Exposition gegenüber Toxinen einschließen.

Körperliche Untersuchung

Eine vollständige neurologische Untersuchung wird durchgeführt mit Schwerpunkt auf der Lokalisation und den neurologischen Arealen derReflex-, motorischen und sensorischen Funktionsdefizite. Generell stellt die Reflexprüfung die objektivste Untersuchungsmethode dar, die sensorischen Tests sind die subjektivsten; oft können sensorische Ausfälle nicht präzise definiert werden.

Warnhinweise

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Plötzliches Auftreten von Taubheit (z. B. innerhalb von Minuten oder Stunden)

  • Plötzliches oder rasches Einsetzen von Schwäche (z. B. innerhalb von Stunden oder Tagen)

  • Dyspnoe

  • Zeichen von Cauda-equina- oder Konussyndrom (z. B. Reithosenanästhesie, Inkontinenz, Ausfall des Analreflexes)

  • Neurologische Defizite unterhalb eines Rückenmarksegments

  • Sensorischer Ausfall sowohl im Gesicht als auch auf dem Körper (ipsi- oder kontralateral)

Interpretation der Befunde

Das anatomische Symptommuster legt den Ort der Läsion nahe, ist aber oft nicht spezifisch, Allgemeines

  • Taubheit einer Teilextremität: Läsion des peripheren Nervensystems

  • Einseitige Taubheit beider Extremitäten (Hemihypästhesie)(mit oder ohne Beteiligung des Rumpfes): Gehirnläsion

  • Bilaterale Taubheit unterhalb eines bestimmten Dermatoms: Querschnittsmyelopathie (Rückenmarkläsion)

  • Bilaterale Taubheit, die nicht mit einem bestimmten Dermatom korrespondiert: Polyneuropathie, multiple Mononeuropathie oder flickenförmig verteilte Rückenmark- oder Gehirnerkrankung

Spezifischere Lokalisationsmuster sind:

  • Strumpf-Handschuh-Verteilung: Bei minimalen oder fehlenden motorischen Zeichen liegt in der Regel eine axonale Polyneuropathie vor; zusammen mit Schwäche und Spastik (z. B. Hyperreflexie, erhöhter Tonus, Plantarextension) handelt es sich manchmal um eine zervikale Spondylose, demyelinisierende Polyneuropathie oder demyelinisierende Rückenmarkläsion

  • Lokalisation im Einzeldermatom: Nervenwurzelläsion (Radikulopathie)

  • Einzelextremität, mehr als ein Nerv oder eine Nervenwurzel sind betroffen: Plexusläsion (Plexopathie)

  • Mehrere zusammengehörige oder getrennte periphere Nerven: Mononeuropathia multiplex

  • Sensorischer Ausfall mit überproportionalem Einfluss auf Lage und Vibration: Dysfunktion des Hinterstrangs oder demyelinisierende periphere Neuropathie

  • Lokalisation im Reithosenbereich: Conus-medullaris-Syndrom oder Kompression der Cauda equina (Cauda-equina-Syndrom)

  • Überkreuzte Gesicht-Körper-Verteilung (d. h., Gesicht und Körper sind auf verschiedenen Seiten betroffen): Läsion des unteren Hirnstamms

  • Ipsilaterale Gesicht-Körper-Verteilung: Läsion von oberem Hirnstamm, Thalamus oder Kortex

Befunde, die eine Beteiligung von mehreren anatomischen Arealen anzeigen (z. B. Gehirn- und Rückenmarkläsionen), sprechen für das Vorliegen von mehr als einer Läsion (z. B. multiple Sklerose, metastasierende Tumoren, multifokale degenerative Gehirn- oder Rückenmarkerkrankungen) oder mehr als einer Krankheitsursache.

Das Tempo bei Symptombeginn hilft bei der Annahme einer wahrscheinlichen Pathophysiologie:

  • Nahezu augenblicklich (in der Regel Sekunden, gelegentlich Minuten): Ischämisch oder traumatisch

  • Stunden bis Tage: Infektiös oder toxisch-metabolisch

  • Tage bis Wochen: Infektiös, toxisch-metabolisch oder immunvermittelt

  • Wochen bis Monate: Neoplastisch oder degenerativ

Der Grad der Symmetrie liefert ebenfalls Anhaltspunkte. Eine stark symmetrische Beteiligung deutet auf eine systemische Ursache hin (z. B. metabolisch, toxisch, arzneimittelassoziiert, infektiös oder postinfektiös; Vitaminmangel). Eine deutlich asymmetrische Beteiligung lässt auf eine strukturelle Ursache schließen (z. B. Tumor, Trauma, Schlaganfall, periphere Plexus- oder Nervenkompression, fokale oder multifokale degenerative Erkrankung).

Nach Bestimmung der Lokalisation der Läsion, ihres Einsetzens und des Grades der Symmetrie verkürzt sich die Liste der möglichen Diagnosen, sodass die Fokussierung auf klinische Merkmale, die zwischen diesen differenzieren, machbar ist (siehe Tabelle: Ursachen von Taubheitsgefühlen). Deutet z. B. die erste Einschätzung auf eine axonale Polyneuropathie hin, richtet sich die weitere Beurteilung auf die Eigenschaften der vielen potenziellen Wirkstoffe, Toxine und Störungen, die diese Polyneuropathie hervorrufen können.

Testing

Tests sind generell erforderlich, außer bei Vorliegen einer klinisch offensichtlichen Diagnose und Wahl einer konservativen Behandlung (z. B. in einigen Fällen von Karpaltunnelsyndrom, bei Bandscheibenvorfall oder traumatischer Neurapraxie). Die Auswahl der Tests basiert auf der anatomischen Lage der vermuteten Ursache:

  • Periphere Nerven oder Nervenwurzeln: Untersuchung der Nervenleitung und Elektromyographie (elektrodiagnostische Testung)

  • Gehirn oder Rückenmark: MRT

Elektrodiagnostische Tests können zur Differenzierung zwischen Neuropathien, Plexopathien (Läsionen distal der Nervenwurzel) und proximalen Läsionen (z. B. Radikulopathien) sowie zwischen verschiedenen Arten von Polyneuropathien (z. B. axonal, demyelinisierend, erblich, erworben) beitragen.

Sollten die klinischen Befunde auf eine strukturelle Läsion von Gehirn oder Rückenmark oder eine Radikulopathie hindeuten, ist in der Regel eine MRT indiziert. Eine CT ist üblicherweise die zweite Wahl, sie kann aber insbesondere dann hilfreich sein, wenn eine MRT nicht schnell genug verfügbar ist (z. B. in Notfällen).

Nach Lokalisation der Läsion können sich anschließende Tests auf spezifische Störungen konzentrieren (z. B. metabolische, infektiöse, toxische, Autoimmun- oder weitere systemische Erkrankungen). Zeigen die Befunde z. B. eine Polyneuropathie an, umfassen die nachfolgenden Tests typischerweise Blutbild, Elektrolyte, Nierenfunktionstests, TPHA-Suchtest und Messungen der Nüchtern-Plasmaglukose, HbA1C, Vitamin B12, Folsäure und TSH. Einige Untersucher schließen eine Serumelektrophorese mit ein.

Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Störung, die das Taubheitsgefühl verursacht.

Patienten ohne Gefühl in den Füßen, v. a. bei beeinträchtigter Zirkulation, sollten Schutzmaßnahmen ergreifen, um Verletzungen zu verhindern bzw. diese zu erkennen. Beim Gehen sind Socken und gut sitzende Schuhe erforderlich; vor dem Tragen muss nachgeschaut werden, ob sich versteckte Fremdkörper in den Schuhen befinden. Die Füße sollten häufig auf Geschwüre und Anzeichen einer Infektion untersucht werden. Patienten mit gefühllosen Händen oder Fingern müssen beim Umgang mit möglicherweise heißen oder scharfen Gegenständen aufpassen.

Patienten mit diffusen Sensibilitätsstörungen oder Ausfall des Lagesinns sollten zum Gangtraining an einen Physiotherapeuten verwiesen werden. Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Stürzen sollten getroffen werden.

Die Fahrtüchtigkeit sollte überwacht werden.

Wichtige Punkte

  • Verwenden Sie eine offene Frage, mit der Sie die Patienten bitten, ihre Taubheit zu beschreiben.

  • Das anatomische Muster und der zeitliche Verlauf der Symptome hilft, die möglichen Diagnosen einzugrenzen.

  • Ziehen Sie bei Taubheit einer Teilextremität die Läsion eines peripheren Nerven, Plexus, oder einer Nervenwurzel in Betracht.

  • Sind beide Gliedmaßen auf einer Seite gefühllos, mit oder ohne Taubheitsgefühl des Rumpfes auf derselben Seite, erwägen Sie eine Hirnverletzung.

  • Bei bilateraler Taubheit unterhalb eines bestimmten Rückenmarksegments, insbesondere mit motorischen und Reflexdefiziten, gehen Sie von einer transversalen Myelopathie aus.

  • Korrespondiert die bilaterale Taubheit nicht mit einem Rückenmarksegment, nehmen Sie eine Polyneuropathie, multiple Mononeuropathie oder eine flickenförmig verteilte Rückenmark- oder Gehirnläsion an.

  • Zeigt die Taubheit eine Strumpf-Handschuh-Verteilung, besteht der V. a. axonale Polyneuropathie.

  • Bei beinahe plötzlich auftretender Taubheit ohne Trauma, ist ein akutes ischämisches Ereignis anzunehmen.

  • Ziehen Sie elektrodiagnostische Studien bei V. a. Ursachen im peripheren Nervensystem in Betracht, bzw. eine MRT bei Ursachen im ZNS.

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