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Erkrankungen der Nervenwurzeln

(Radikulopathien)

Von

Michael Rubin

, MDCM, New York Presbyterian Hospital-Cornell Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Quellen zum Thema

Nervenwurzelerkrankungen führen zu segmentalen radikulären Defiziten (z. B. dermatombezogene Schmerzen oder Parästhesien, Schwäche der von der Wurzel innervierten Muskeln). Die Diagnose kann eine Bildgebung, eine elektrodiagnostische Testung und die systemische Untersuchung auf zugrunde liegende Krankheiten erforderlich machen. Die Behandlung hängt zwar von der Ursache ab, umfasst aber zur Linderung der Symptome NSAR, andere Analgetika und Kortikosteroide.

Erkrankungen der Nervenwurzeln (Radikulopathien) werden durch akuten oder chronischen Druck auf eine Nervenwurzel innerhalb oder nahe neben der Wirbelsäule ausgelöst (siehe Abbildung Spinalnerv.).

Spinalnerv

Spinalnerv

Ätiologie

Die häufigste Ursache ist

Knöcherne Veränderungen durch rheumatoide Arthritis oder Osteoarthritis, v. a. in den zervikalen und lumbalen Bereichen, können ebenfalls einzelne Nervenwurzeln komprimieren.

Weniger häufig verursacht eine Meningeosis carcinomatosa flickenförmige multisegmentale Wurzelläsionen. Selten können sich spinale Raumforderungen (z. B. epidurale Abszesse und Tumoren, spinale Meningeome, Neurofibrome) in Form von radikulären Symptomen äußern anstatt der häufigeren Symptome von Funktionsstörungen des Rückenmarks.

Diabetes mellitus kann eine Ischämie der Nervenwurzel verursachen und dadurch eine schmerzhafte thorakale oder auf die Extremitäten bezogene Radikulopathie hervorrufen.

Infektionskrankheiten, etwa aufgrund von Mykobakterien (z. B. Tuberkulose), Pilzen (z. B. Histoplasmose) oder Spirochäten (z B. Lyme-Borreliose, Syphilis), betreffen manchmal die Nervenwurzeln. Eine Herpes-Zoster-Infektion verursacht üblicherweise eine schmerzhafte Radikulopathie mit dermatombezogenen sensorischen Ausfällen und einem charakteristischen Exanthem, jedoch kann sie auch eine motorische Radikulopathie mit segmentaler Parese und Reflexverlust hervorrufen. Cytomegalovirus-induzierte Polyradikulitis ist eine Komplikation von AIDS.

Symptome und Beschwerden

Radikulopathien führen tendenziell zu charakteristischen radikulären Symptomen von Schmerz und segmentalen neurologischen Defiziten, die von der spinalen Höhe der betroffenen Wurzel abhängen (siehe Tabelle Symptome häufiger Radikulopathien, nach der Höhe des Rückensegments). Die von der betroffenen motorischen Wurzel innervierten Muskeln werden paretisch und atrophieren; sie können auch schlaff gelähmt sein, mit Faszikulationen. Die Beteiligung einer sensorischen Wurzel verursacht Sensibilitätsstörungen in einem dermatombezogenen Verteilungsmuster. Die korrespondierenden Muskeleigenreflexe können abgeschwächt sein oder fehlen. Stromschlagartige Schmerzen können an der betroffenen Nervenwurzel entlang in das Innervationsgebiet der Nervenwurzel ausstrahlen.

Tabelle
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Symptome häufiger Radikulopathien, nach der Höhe des Rückensegments

Spinale Höhe

Symptome

C4

Schmerzen im Bereich des unteren Halses und des Trapezius mit Parästhesien des unteren Halses und des oberen Schultergürtels

C5

Schmerzen im Nacken, Schulter und dorsalem Arm mit Paresthesien im dorsalen Arm

Schwäche des Deltamuskel, des Bizepses und der Rotatorenmanschette

Verringern Sie den Bizepsreflex

C6

Schmerzen an der Trapezius-Kante und der Schulterspitze, oft mit Ausstrahlung in den Daumen, mit Parästhesien und sensorischer Beeinträchtigung in denselben Arealen

Schwäche des Bizeps

Verminderter Bizeps-brachii- und Brachioradialis-Reflex

C7

Schmerzen in Schulterblatt und Achselhöhle, mit Ausstrahlung in den Mittelfinger

Schwäche des Trizeps

Verminderter Reflex des M. triceps brachii

T (jedes Segment)

Bandförmige Dysthesien um den Brustkorb (z. B. T4 nipple, T10 Umbilicus)

L3

Schmerzen, Taubheitsgefühl und Parästhesien im vorderen und mittleren Oberschenkel und Knie mit Quadrizepsschwäche und vermindertem Patellarreflex

L4

Schmerzen, Taubheitsgefühl und Parästhesien im medialen Unterschenkel und Knöchel

Schwäche des Quadrizeps, Dorsalflexion des Sprunggelenks und verminderter Patellarreflex

L5

Schmerzen in Gesäß, hinterem seitlichem Oberschenkel, Wade und Fuß

Fallfuß mit Schwäche der vorderen und hinteren Schien- und Wadenbeinmuskulatur

Sensorischer Verlust über den anterolateralen Unterschenkel und das Dorsum des Fußes

S1

Schmerzen an der Hinterseite des Beins und dem Gesäß entlang

Schwäche des medialen M. gastrocnemius mit eingeschränkter Plantarflexion

Ausfall des Achillessehenreflexes

Sensorische Ausfälle über der seitlichen Wade und dem Fuß

Der Schmerz kann verschlimmert werden durch Bewegungen, die über den Subarachnoidalraum Druck auf die Nervenwurzel übertragen (z. B. Bewegungen der Wirbelsäule, Husten, Schnäuzen, Ausführen des Valsalva-Manövers).

Läsionen der Cauda equina, die mehrere lumbale und sakrale Wurzeln betreffen, verursachen radikuläre Symptome in beiden Beinen und können die Sphinkteren und die Sexualfunktion beeinträchtigen.

Befunde, die eine Kompression des Rückenmarks anzeigen, sind die folgenden:

  • Ein sensibles Niveau (abrupte Änderung in der Sensibilität unterhalb einer horizontalen Linie durch die Wirbelsäule)

  • Schlaffe Para- oder Tetraparese

  • Reflexanomalien unterhalb der Kompressionsstelle

  • Früh beginnende Hyporeflexie, später gefolgt von Hyperreflexie

  • Sphinkter-Dysfunktion

Diagnose

  • Neuroradiologische Bildgebung

  • Manchmal elektrodiagnostische Testung

Radikuläre Symptome erfordern eine MRT oder CT des betroffenen Areals. Eine Myelographie ist nur erforderlich, wenn eine MRT kontraindiziert (z. B. wegen eines implantierten Schrittmachers oder anderer Metallteile) und eine CT nicht schlüssig ist. Der darzustellende Bereich richtet sich nach der Symptomatik; wenn die Höhe unklar ist, sollte mittels elektrodiagnostischer Testung eine Lokalisierung der betroffenen Wurzel erfolgen, jedoch kann durch diese die Ursache nicht identifiziert werden.

Wenn die Bildgebung keine anatomischen Anomalien aufdeckt, wird eine Liquoranalyse durchgeführt, um auf infektiöse oder entzündliche Ursachen zu untersuchen, und die Nüchtern-Plasmaglukose wird bestimmt, um Diabetes mellitus auszuschließen.

Behandlung

  • Behandlung der Ursache und drs Schmerzen

Spezifische Ursachen von Nervenwurzelerkrankungen werden behandelt.

Akuter Schmerz erfordert eine angemessene Analgetikagabe (z. B. Paracetamol, NSAR, manchmal Opioide). NSAR sind besonders nützlich bei Erkrankungen, die mit einer Entzündung verbunden sind. Muskelrelaxanzien, Sedativa und topische Behandlungen bringen selten einen zusätzlichen Nutzen. Werden die Symptome durch Nichtopioidanalgetika nicht gelindert, können Kortikosteroide systemisch oder als epidurale Injektion verabreicht werden; die Analgesie ist jedoch eher moderat und vorübergehend. Methylprednisolon, das über 6 d ausgeschlichen wird, kann gegeben werden: Beginn mit 24 mg/d p.o., Dosisreduktion um 4 mg/d.

Die Behandlung chronischer Schmerzen kann schwierig sein ; Paracetamol und NSAR sind häufig nur teilweise wirksam, und ihr chronischer Gebrauch birgt substanzielle Risiken. Opioide sind mit einem hohen Abhängigkeitsrisiko verbunden. Trizyklische Antidepressiva und Antikonvulsiva können, ebenso wie Physio- und Psychotherapie, wirksam sein. Bei wenigen Patienten können bei Versagen aller anderen Behandlungen alternative medizinische Therapiestrategien (z. B. transdermale elektrische Nervenstimulation, spinale Manipulation, Akupunktur, medizinische Kräutertherapie) versucht werden.

Wichtige Punkte

  • Ziehen Sie eine Nervenwurzelerkrankung in Betracht bei Patienten mit segmentalen Defiziten wie dermatonbezogene sensorische Anomalien (z. B. Schmerzen, Parästhesien) und/oder motorischen Anomalien (z. B. Schwäche, Atrophie, Faszikulationen, Hyporeflexie) auf der Höhe einer Nervenwurzel.

  • Nehmen Sie bei Patienten mit einem sensorischen Niveau, einer beidseitigen schlaffen Schwäche und/oder einer Sphinkter-Dysfunktion eine Rückenmarkksompression an.

  • Legen die klinischen Befunde eine Radikulopathie nahe, führen Sie eine MRT oder CT durch.

  • Setzen Sie bei akuten Schmerzen Analgetika und manchmal Kortikosteroide ein, und erwägen Sie andere Medikamente und andere Behandlungen sowie Schmerzmittel zur Behandlung chronischer Schmerzen.

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