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Komplikationen bei Diabetes mellitus

Von

Erika F. Brutsaert

, MD, New York Medical College

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2019| Inhalt zuletzt geändert Mai 2019
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Quellen zum Thema

Menschen mit Diabetes mellitus leiden an vielen ernstzunehmenden, langfristigen Beschwerden, die viele Bereiche des Körpers betreffen, besonders die Blutgefäße, Nerven, Augen und Nieren.

(Siehe auch Diabetes mellitus.)

Es gibt zwei Arten von Diabetes mellitus:

Bei beiden Typen ist der Zucker (Glukose) im Blut erhöht.

Menschen, mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes haben sehr wahrscheinlich Beschwerden, die sich aus den erhöhten Blutzuckerspiegeln ergeben. Allerdings können diese Beschwerden bei Menschen mit Typ-2-Diabetes bereits einige Zeit bestehen, bevor die Krankheit diagnostiziert wird, und daher häufig schwerer und fortgeschrittener sein.

Menschen mit Diabetes mellitus können viele schwere Langzeitkomplikationen entwickeln. Einige dieser Komplikationen beginnen innerhalb weniger Monate nach Auftreten des Diabetes, die meisten entwickeln sich jedoch tendenziell nach einigen Jahren. Die meisten Komplikationen verschlimmern sich schrittweise. Bei Diabetikern macht eine strenge Kontrolle der Blutzuckerspiegel die Entwicklung oder Verschlimmerung dieser Komplikationen weniger wahrscheinlich.

Ursachen

Die meisten Komplikationen bei Diabetes ergeben sich aus den Störungen der Blutgefäße. Über lange Zeit hohe Glukosespiegel verursachen eine Verengung sowohl der kleinen als auch der großen Blutgefäße. Die Verengung mindert den Blutfluss in viele Körperteile, dadurch kommt es zu den Problemen. Es gibt mehrere Ursachen für die Verengung der Blutgefäße. Komplexe, aus Zucker aufgebaute Substanzen reichern sich in den Wänden der kleinen Blutgefäße an, verstärken sie und lassen sie durchlässig werden. Schlecht kontrollierte Blutzuckerspiegel lassen tendenziell auch die Blutfettwerte ansteigen, was zu Atherosklerose und vermindertem Blutfluss in den größeren Blutgefäßen führt.

Arten von Komplikationen bei Diabetes

Blutgefäßerkrankungen bei Diabetes

Atherosklerose führt zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Atherosklerose ist 2 bis 4 Mal häufiger und tritt tendenziell bei Diabetikern in jüngerem Alter auf als bei Nichtdiabetikern.

Mit der Zeit kann die Verengung der Blutgefäße Herz, Gehirn, Beine, Augen, Nieren, Nerven und Haut schädigen und zu Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Schlaganfällen, krampfartigen Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Claudicatio intermittens), Sehschwäche, chronische Nierenkrankheit, Nervenschäden (Neuropathie) und einer Schädigung der Haut führen.

Komplikationen mit Infektionen bei Diabetes

Diabetiker bekommen häufig bakterielle und Pilzinfektionen, typischerweise auf der Haut und im Mund. Bei hohen Blutzuckerspiegeln können die weißen Blutkörperchen Infektionen nicht wirksam bekämpfen. Bei Menschen mit Diabetes sind alle Infektionen tendenziell schwerer und die Heilung dauert länger. Manchmal ist sogar eine Infektion das erste Anzeichen von Diabetes.

Eine solche Infektion ist eine Pilzinfektion, die Kandidose. Candida albicans ist ein Hefepilz, der normalerweise im Mund, im Verdauungstrakt und in der Vagina vorkommt und in der Regel keinen Schaden verursacht. Bei Diabetikern kann Candida auf Schleimhäuten und feuchten Hautbereichen zu stark wuchern und in diesen Bereichen Ausschläge verursachen.

Diabetiker sind vor allem gefährdet, Geschwüre und Infektionen an Beinen und Füßen zu bekommen, weil sie eine schlechte Durchblutung der Haut haben. Häufiger als nicht heilen die Wunden zu langsam oder gar nicht. Wenn die Wunden nicht abheilen, infizieren sie sich normalerweise und können zu Gangrän (Gewebetod) und Knocheninfektion (Osteomyelitis) führen. Es kann sein, dass der Fuß oder ein Teil vom Bein amputiert werden muss.

Augenprobleme bei Diabetes

Schädigungen der Blutgefäße im Auge können zum Verlust der Sehfähigkeit (diabetische Retinopathie) führen. Mit Laseroperationen können blutende Blutgefäße des Auges versiegelt werden, um bleibende Schäden von der Netzhaut abzuwenden. Manchmal können andere chirurgische Eingriffe durchgeführt oder injizierbare Medikamente verabreicht werden. Deshalb sollten Diabetiker ihre Augen jedes Jahr untersuchen lassen, um nach frühzeitigen Zeichen einer Schädigung zu suchen.

Leberschäden bei Diabetes

Es kommt häufig bei Diabetikern vor, dass sie außerdem eine sogenannte Fettleber haben, das sind abnorme Fettablagerungen in der Leber. Eine Fettleber kann manchmal zu einer schwereren Lebererkrankung führen, unter anderem zu einer Zirrhose. Probleme mit der Leber werden diagnostiziert, wenn die Leberbluttests auffällig sind. Die Diagnose wird mit einer Leberbiopsie bestätigt. Gewichtsabnahme, gute Kontrolle des Blutzuckerspiegels und Behandlung von zu hohem Cholesterin können hilfreich sein.

Nierenschäden bei Diabetes

Die Nierenfunktion kann gestört sein, wodurch es zu chronischer Nierenkrankheit kommt, die möglicherweise eine Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich macht. Ärzte kontrollieren üblicherweise den Urin von Diabetikern auf ungewöhnlich hohe Spiegel von Proteinen (Albumin), dabei handelt es sich um ein frühes Zeichen einer Nierenschädigung. Bei den ersten Anzeichen von Nierenkomplikationen erhalten Diabetiker häufig Angiotensin II-konvertierende Enzyme(ACE)-Hemmer, Medikamente, die das Fortschreiten der Nierenschädigung bremsen.

Nervenschäden bei Diabetes

Nervenschäden können sich in unterschiedlicher Weise zeigen. Wenn nur ein einzelner Nerv geschädigt ist, kann plötzlich Schwäche in einem Arm oder Bein auftreten. Sind die Nerven der Hände, Beine und Füße geschädigt (diabetische Polyneuropathie), kann es zu ungewöhnlichen Empfindungen kommen, und kribbelnde oder brennende Schmerzen und Schwäche in Armen und Beinen können sich entwickeln. Eine Schädigung der Hautnerven macht wiederholte Verletzungen wahrscheinlicher, da die Menschen keine Veränderungen von Druck oder Temperatur fühlen können.

Erkrankungen der Füße bei Diabetes

Diabetes ruft viele Veränderungen im Körper hervor. Folgende Veränderungen an den Füßen treten häufig auf und sind schwer zu behandeln.

  • Nervenschäden (Neuropathie) beeinträchtigen die Empfindlichkeit der Füße, sodass Schmerzen nicht mehr empfunden werden. Reizungen und andere Verletzungsformen können unbemerkt bleiben. Eine Verletzung kann bis unter die Haut gehen, bevor Schmerz empfunden wird.

  • Veränderungen der Empfindungsfähigkeit wirken sich darauf aus, wie Diabetiker ihre Füße belasten, dabei wird das Gewicht auf bestimmte Bereiche konzentriert, so bilden sich Schwielen. Schwielen (und trockene Haut) erhöhen das Risiko für Hautschäden.

  • Diabetes kann eine schlechte Durchblutung der Füße bedingen und damit das Risiko erhöhen, dass sich nach Verletzungen der Haut Geschwüre bilden, die langsamer heilen.

Da Diabetes die Fähigkeit des Körpers zur Infektabwehr beeinträchtigen kann, infiziert sich ein Fußulkus nach seiner Bildung schnell. Aufgrund der Neuropathie verursacht die Infektion eventuell erst dann Beschwerden, wenn sie bereits sehr fortgeschritten und schwer behandelbar ist, dann kommt es zur Gangrän. Bei Diabetikern wird mit einer mehr als 30 Mal höheren Wahrscheinlichkeit die Amputation eines Fußes oder Beines notwendig als bei Nichtdiabetikern.

Fußpflege ist sehr wichtig (siehe Fußpflege). Die Füße sollten vor Verletzungen geschützt werden, und die Haut muss durch ein geeignetes Hautpflegemittel feucht gehalten werden. Schuhe sollten gut passen und keine Druckstellen verursachen. Schuhe sollten gepolstert sein, damit sich der Fuß unter der Belastung beim Stehen ausbreiten kann. Barfußlaufen ist unklug. Die regelmäßige Versorgung durch einen Fußpfleger (einen auf Fußpflege spezialisierten Arzt) beispielsweise zum Schneiden der Zehennägel und zur Entfernung von Schwielen kann auch hilfreich sein. Die Empfindungsfähigkeit und die Durchblutung der Füße sollten ebenfalls regelmäßig vom Arzt überprüft werden.

Tabelle
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Komplikationen bei Diabetes

Betroffenes Gewebe oder Organ

Auswirkungen

Komplikationen

Blutgefäße

Fettmaterial (atherosklerotische Plaques) bildet sich und blockiert große oder mittelgroße Arterien im Herzen, im Gehirn, in den Beinen und im Penis.

Die Wände von kleinen Blutgefäßen werden geschädigt, sie transportieren Sauerstoff nicht normal zu den Geweben und können bluten.

Die schlechte Durchblutung sorgt für eine schlechte Wundheilung und kann zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Gangrän an Füßen und Händen, Erektionsstörungen und Infektionen führen.

Augen

Die kleinen Blutgefäße der Netzhaut werden geschädigt, und es bilden sich neue brüchige Blutgefäße, die zu Blutungen neigen.

Die Sehkraft nimmt ab, und schließlich kommt es zu Blindheit.

Nieren

Die Blutgefäße in den Nieren werden dicker.

Eiweiße entweichen in den Urin.

Das Blut wird nicht normal gefiltert.

Die Nieren arbeiten nicht richtig, und schließlich kommt es zu einer chronischen Nierenkrankheit.

Nerven

Die Nerven werden geschädigt, da die Glukose nicht normal verwertet wird und weil die Blutversorgung nicht ausreicht.

Die Beine werden plötzlich oder allmählich schwach.

Es kommt zu verringerter Empfindung, Kribbeln und Schmerzen in Händen und Füßen.

Die Nerven, die die körperinternen Prozesse, wie den Blutdruck und die Verdauung steuern, werden geschädigt.

Starke Schwankungen im Blutdruck treten auf (besonders, wenn die Person aufsteht).

Das Schlucken bereitet Schwierigkeiten.

Die Verdauungsfunktion ist verändert, und manchmal kommt es zu Übelkeit oder Durchfallepisoden.

Es kommt zu Erektionsstörungen.

Haut

Die Durchblutung der Haut ist vermindert und die Empfindung reduziert, dadurch kommt es zu wiederholten Verletzungen.

Es kommt zu wunden Stellen und tiefen Infektionen (diabetischen Geschwüren).

Die Heilung ist schlecht.

Blut

Die Funktion der weißen Blutkörperchen ist gestört.

Die Menschen holen sich schneller Infektionen, besonders der Harnwege und der Haut.

Bindegewebe

Die Glukose wird nicht normal verwertet, dadurch kommt es zur Verdickung oder Kontraktion der Gewebe.

Das Karpaltunnelsyndrom und die Dupuytren-Kontraktur entwickeln sich.

Überwachung und Vorbeugung von Komplikationen von Diabetes

Zum Zeitpunkt der Diagnose und danach mindestens jährlich werden die Personen mit Typ-2-Diabetes auf das Vorliegen von Komplikationen durch Diabetes, wie Schädigungen der Nieren, der Augen und der Nerven hin überwacht. Ärzte beginnen mit den Screening-Tests bei Menschen mit Typ-1-Diabetes 5 Jahre nach der Diagnose. Typische Screening-Tests sind die folgenden:

  • Untersuchung der Füße auf Gefühlsempfindlichkeit und Zeichen einer schlechten Durchblutung (Geschwüre, Haarverlust)

  • Augenuntersuchung (wird von einem Augenarzt vorgenommen)

  • Blut- und Urintests für die Nierenfunktion

  • Bluttests für den Cholesterinspiegel

  • Manchmal ein Elektrokardiogramm

Eine Verschlimmerung der Komplikationen kann durch strenge Kontrolle der Blutglukosewerte oder durch frühzeitige medikamentöse Behandlung verhindert oder verzögert werden. Risikofaktoren für Herzerkrankungen, wie Bluthochdruck und ein hoher Cholesterinspiegel, werden bei jedem Arztbesuch beurteilt und falls nötig mit Medikamenten behandelt. Ein weiteres häufiges Problem bei Diabetikern ist die Zahnfleischentzündung (Gingivitis), daher sind regelmäßige Zahnarztbesuche zur Reinigung und Prävention hier wichtig.

Wussten Sie ...

  • Personen, die ihre Blutzuckerspiegel streng kontrollieren, können die Diabeteskomplikationen eventuell minimieren oder verzögern.

Vorbeugung von Unterzuckerung

Eines der Probleme, die auftreten, wenn man versucht den Blutzuckerspiegel streng zu kontrollieren, ist, dass mit den weit verbreiteten Antidiabetika (wie Insulin oder Sulfonharnstoffe) es zu niedrigen Blutzuckerwerten (Hypoglykämie) kommen kann. Das Erkennen von niedrigen Blutglukosewerten ist wichtig, da die Behandlung einer Unterzuckerung ein Notfall ist. Die Symptome können quälender Hunger, schneller Herzschlag, Zittern, Schwitzen und fehlendes klares Denkvermögen umfassen.

Bei einer starken Hypoglykämie muss Zucker rasch in den Körper gelangen, um dauerhaften Schaden zu vermeiden und die Symptome zu lindern. In den meisten Fällen können die Personen Zucker essen. Fast jede Zuckerform funktioniert, wobei Glukose besser funktioniert als Haushaltszucker (Saccharose ist ein typischer Haushaltszucker). Viele Menschen mit Diabetes haben Glukosetabletten oder Glukose-Gelpacks bei sich. Man kann auch ein Glas Milch (die die Zuckerform Laktose enthält), Zuckerwasser oder Fruchtsaft trinken, oder ein Stück Kuchen, eine Frucht oder ein anderes süßes Nahrungsmittel essen. In ernsteren Situationen kann es erforderlich sein, dass der Notdienst Glukose in eine Vene spritzt.

Bei einer weiteren Behandlung von Unterzuckerung wird Glukagon angewendet. Glukagon kann in den Muskel gespritzt werden und veranlasst die Leber, große Mengen Glukose innerhalb von Minuten freizusetzen. Für Personen, die häufig niedrigen Blutzucker haben, gibt es kleine, transportable Behälter, die eine Glukagonspritze für den Notfall enthalten, wenn kein Zucker über den Mund aufgenommen werden kann.

Weitere Informationen

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