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Gasbrand

(Clostridiale Myonekrose)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2019| Inhalt zuletzt geändert Dez 2019
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Gasbrand ist eine lebensgefährliche Infektion des Muskelgewebes, die vor allem von dem anaeroben Bakterium Clostridium perfringens und mehreren anderen Clostridienarten hervorgerufen wird.

  • Gasbrand kann sich nach bestimmten Arten von Operationen oder Verletzungen entwickeln.

  • Es entstehen Gasblasen in der Nähe des infizierten Bereiches, die mit Fieber, beschleunigtem Herzschlag, rascher Atmung und häufig mit Schmerzen an der Infektionsstelle einhergehen.

  • Die aufgrund der Symptome vermutete Diagnose wird gewöhnlich durch bildgebende Untersuchungen oder Anlegen von Kulturen einer Probe des infizierten Gewebes bestätigt.

  • Die Behandlung umfasst hohe Dosen an Antibiotika und die operative Entfernung des abgestorbenen oder infizierten Gewebes.

Gasbrand ist eine sich rasch ausbreitende Clostridieninfektion des Muskelgewebes, die unbehandelt rasch zum Tode führt.

Jedes Jahr treten in den USA mehrere Tausend Fälle von Gasbrand auf.

Clostridien gedeihen, wenn kein Sauerstoff vorhanden ist. Aus diesem Grund zählen diese Bakterien zu den Anaerobiern. Sie vermehren sich also gut in Weichteilgewebe, das stark geschädigt ist, und in Wunden, die sehr tief sind. Solche Gewebe sind schlecht durchblutet und enthalten daher wenig Sauerstoff.

Die meisten Clostridieninfektionen des Weichgewebes, einschließlich Gasbrand, werden durch Clostridium perfringens verursacht. Clostridieninfektionen des Weichgewebes entwickeln sich gewöhnlich Stunden oder Tage nach einer Verletzung, manchmal kann es aber auch mehrere Tage dauern, bis sie sich bemerkbar machen.

Weitere Clostridieninfektionen des Weichgewebes sind zum Beispiel:

  • Oberflächliche Hautinfektionen (Zellulitis), die möglicherweise nicht sehr schmerzhaft sind

  • Tiefere Infektionen in dem faserigen Gewebe um die Muskeln, den sogenannten Faszien (Fasziitis) oder in den Muskeln (Myositis), die normalerweise schmerzhaft sind

Hautinfektionen breiten sich selten aus und nehmen nur selten einen ernsten Verlauf.

Mitunter bilden die Bakterien im Weichgewebe große Mengen an Gas als Abfallprodukt. Das Gas kann im Gewebe Blasen und Beulen bilden. Häufig blockiert die Infektion kleine Blutgefäße. Infolgedessen stirbt das infizierte Gewebe ab und es bildet sich Wundbrand bzw. eine Gangrän. Durch das abgestorbene Gewebe kann sich die Clostridieninfektion noch schneller ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Gasbrandes ist bei einer Infektion der Muskeln höher als bei einer reinen Hautinfektion.

Ursachen

Gewöhnlich entwickelt sich Gasbrand nach Verletzungen oder Operationen. Verletzungen mit hohem Risiko umfassen Wunden, die:

  • tief und schwer sind

  • Muskeln betreffen

  • mit Schmutz, vermoderten Pflanzenresten oder Exkrementen verunreinigt sind

  • gequetschtes oder abgestorbenes Gewebe enthalten

Hochrisikooperationen sind z. B.:

  • Eingriffe an Dickdarm und Gallenblase

In seltenen Fällen tritt Gasbrand auf, wenn weder eine Verletzung noch ein chirurgischer Eingriff vorliegt – in der Regel bei Menschen mit Dickdarmkrebs, Divertikulitis oder einer Erkrankung, welche die Durchblutung des Darms verringert oder zum Austreten von Stoffen durch die Darmwand führt. Gasbrand kann entstehen, wenn Bakterien, die im Darm leben, austreten. Diese Bakterien können sich weit verbreiten.

Symptome

Gasbrand führt zu starken Schmerzen im infizierten Bereich. Dieser sieht zunächst geschwollen und bleich aus, verfärbt sich dann aber rot oder bronzefarben und schließlich schwärzlich-grün. Der Bereich ist fest und berührungsempfindlich. Oft bilden sich große Blasen. Innerhalb der Blase können Gasbläschen sichtbar sein oder unter der Haut ausgemacht werden, was gewöhnlich der Fall ist, wenn die Infektion fortgeschritten ist. Die aus der Wunde fließende Flüssigkeit hat einen verwesungsartigen Geruch.

Die Betroffenen bekommen rasch Fieber, fangen an zu schwitzen und werden unruhig. Möglicherweise kommt es zum Erbrechen. Herzschlag und Atmung werden oft schneller. Bei manchen Betroffenen färbt sich die Haut gelb, was ein Anzeichen für Gelbsucht ist. Diese Auswirkungen werden durch von Bakterien produzierten Toxinen verursacht.

Normalerweise bleiben die Betroffenen bei Bewusstsein, bis sich die Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, in dem es zu gefährlich niedrigem Blutdruck (Kreislaufschock) und Koma kommen kann. Dies kann zu raschem Nierenversagen und zum Tode führen.

Ohne Behandlung tritt der Tod bei 100 Prozent der Infizierten auf, gewöhnlich innerhalb von 48 Stunden. Selbst bei einer Behandlung stirbt etwa einer von vier Patienten.

Diagnose

  • Untersuchung und Kultur der Wundflüssigkeit

  • Mitunter forschende Operation oder Biopsie zur Entnahme einer Gewebeprobe

Der Verdacht auf Gasbrand stützt sich auf die Symptome und das Ergebnis der körperlichen Untersuchung.

Es wird eine Röntgenuntersuchung zur Ermittlung von Gasbläschen im Muskelgewebe oder eine Computertomographie (CT) bzw. eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Überprüfung auf Bereiche mit abgestorbenem Muskelgewebe durchgeführt. Diese Befunde bestätigen die Diagnose. Jedoch können Gasbläschen auch bei anderen anaeroben Infektionen vorkommen.

Die Wundflüssigkeit wird unter dem Mikroskop auf Clostridien untersucht und in ein Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angelegt und untersucht werden können. Mit Kulturen kann das Vorhandensein von Clostridien bestätigt werden. Jedoch leiden nicht alle Menschen mit Clostridien an Gasbrand.

Eine Bestätigung der Diagnose kann einen forschenden operativen Eingriff oder die Entnahme einer Gewebeprobe zur mikroskopischen Untersuchung (Biopsie) erforderlich machen, um nach charakteristischen Veränderungen im Muskel zu suchen.

Vorbeugung

Folgende Dinge können getan werden, um Gasbrand vorzubeugen:

  • Sorgfältiges Reinigen von Wunden

  • Entfernen von Fremdkörpern und totem Gewebe aus der Wunde

  • Intravenöse Verabreichung von Antibiotika vor, während und nach Bauchoperationen, um Infektionen zu verhindern

Es gibt keinen Impfstoff zur Verhinderung einer Clostridieninfektion.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Operation zur vollständigen Entfernung von totem und infiziertem Gewebe

Wenn Gasbrand vermutet wird, muss sofort mit der Behandlung begonnen werden.

Es werden hohe Dosen Antibiotika, typischerweise Penicillin und Clindamycin, verabreicht und abgestorbenes sowie infiziertes Gewebe muss vollständig operativ entfernt werden. Bei etwa einem Fünftel der Patienten mit Gasbrand an einer Gliedmaße ist eine Amputation erforderlich.

Die Behandlung mit einer hyperbaren Sauerstofftherapie (Sauerstoff im Überdruck) kann unterstützend sein, aber solche Sauerstoffkammern sind nicht immer verfügbar.

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