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Akute Perikarditis

Von

Brian D. Hoit

, MD, Case Western Reserve University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Die akute Perikarditis ist eine Entzündung des Herzbeutels (die bewegliche, zweiblättrige Umhüllung des Herzens), die plötzlich beginnt, häufig schmerzhaft ist und Flüssigkeit sowie Blutbestandteile wie Fibrin und rote und weiße Blutkörperchen in den Perikardraum eindringen lässt.

  • Infektionen und andere Umstände, die den Herzbeutel entzünden, verursachen Perikarditis.

  • Zu den üblichen Symptomen gehören Fieber und stechende Brustschmerzen, die sich je nach Position und bei Bewegung verändern und sich gelegentlich wie ein Herzinfarkt anfühlen können.

  • Die Diagnose stützt sich auf die Symptome und manchmal auf ein typisches Geräusch, das beim Abhören des Herzschlags mit dem Stethoskop zu hören ist.

  • Betroffene Menschen werden ins Krankenhaus eingewiesen und erhalten Medikamente zur Linderung der Schmerzen und Behandlung der Entzündung

In manchen Fällen führt die Entzündung zu übermäßigem Flüssigkeitseintritt in den Perikardraum (Perikarderguss). Bei dieser Flüssigkeit kann es sich bei Perikarditis aufgrund einer Verletzung, einer Herzoperation oder aufgrund von Krebs manchmal auch um Blut handeln.

Ursachen

Zu den Ursachen für eine akute Perikarditis zählen:

Bei AIDS-Kranken kann eine Reihe von Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose oder Aspergillose zur Perikarditis führen. Perikarditis aufgrund von Tuberkulose (tuberkulöse Perikarditis) macht weniger als 5 Prozent der Fälle von akuter Perikarditis in den Vereinigten Staaten aus, allerdings mehr als die Hälfte der Fälle in manchen Gebieten Indiens oder Afrikas.

Nach einem Herzinfarkt tritt bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen während des ersten oder zweiten Tages eine akute Perikarditis auf, bei 1 bis 3 Prozent nach 10 Tagen bis 2 Monaten (subakute Perikarditis). Die subakute Perikarditis wird von den gleichen Störungen verursacht wie die akute Perikarditis.

Symptome

Meistens treten bei der akuten Perikarditis Fieber und stechende Brustschmerzen auf, die oft in die linke Schulter und manchmal auch in den linken Arm ausstrahlen. Die Schmerzen ähneln jenen bei einem Herzinfarkt, verschlimmern sich aber beim Hinlegen, Schlucken von Speisen, Husten und sogar beim tiefen Atmen. Die angestaute Flüssigkeit oder das angestaute Blut im Perikardraum übt Druck auf das Herz aus und beeinträchtigt die Pumpleistung. Wird der Druck zu groß, kann eine Herzbeuteltamponade, eine potenziell tödliche Krankheit, entstehen. In manchen Fällen verursacht die akute Perikarditis keine Symptome.

Eine Perikarditis durch Tuberkulose beginnt schleichend, manchmal ohne ersichtliche Anzeichen einer Lungeninfektion. Sie kann zu Fieber und Symptomen eines Herzversagens (einer sog. Herzinsuffizienz) führen, darunter Schwäche, Müdigkeit und Schwierigkeiten beim Atmen. Es kann zu einer Herzbeuteltamponade kommen.

Eine akute Perikarditis, die durch eine Virusinfektion verursachte wurde, ist zwar vorübergehend schmerzhaft, löst aber keine anhaltenden Probleme aus.

Wenn es am ersten oder zweiten Tag nach einem Herzinfarkt zu einer akuten Perikarditis kommt, werden die Symptome der Perikarditis selten wahrgenommen, da der Herzinfarkt im Vordergrund steht.

Eine Perikarditis, die etwa zehn Tage bis zwei Monate nach einem Herzinfarkt auftritt, geht für gewöhnlich mit dem Postmyokardinfarkt-Syndrom (Dressler-Syndrom) einher, das Fieber, Perikarderguss (überschüssige Flüssigkeit im Perikardraum), pleuritische Schmerzen (Schmerzen aufgrund der Entzündung der Pleura, d. h. der Membranen, die die Lungen umgeben), Pleuraerguss (Flüssigkeit zwischen den beiden Schichten der Pleura) und Gelenkschmerzen verursacht.

Bei 15 bis 25 Prozent der Patienten mit idiopathischer Perikarditis treten die Symptome monate- oder jahrelang immer wieder auf (sog. rezidivierende Perikarditis).

Diagnose

  • Elektrokardiographie

  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs

  • Echokardiographie

  • Tests zur Klärung der Ursache

Ärzte stellen die Diagnose bei akuter Perikarditis meistens aufgrund der Beschreibung der Schmerzen durch den Patienten und anhand der Töne, die im Stethoskop hörbar sind. Bei der Perikarditis kann ein knirschendes Geräusch, ähnlich dem Knarren eines Lederschuhs, oder ein scharrender Ton wie bei raschelnden trockenen Blättern (Perikardreiben) entstehen. Der Arzt kann eine Perikarditis oft Stunden oder Tage nach einem Herzinfarkt anhand dieser Geräusche diagnostizieren.

Normalerweise wird eine Elektrokardiographie (EKG) durchgeführt, die Anomalien aufgrund der Perikarditis zeigen kann. Im Anschluss daran suchen Ärzte mithilfe einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs und einer Echokardiographie (ein Verfahren, bei dem Ultraschallwellen ein Bild des Herzens erzeugen) nach Anzeichen eines Perikardergusses.

Tests bei Perikarditis als Ursache

In manchen Fällen ist die Ursache einer Perikarditis klar ersichtlich, wie zum Beispiel bei einem erst kurz zurückliegenden Herzinfarkt. In anderen Fällen erweist sich der Grund als weniger eindeutig.

Eine Echokardiographie kann auf die Ursache hinweisen. Das auf dem Echokardiogramm dargestellte Bild kann beispielsweise auf Krebs hindeuten.

Blutuntersuchungen weisen auf einige der anderen Ursachen für Perikarditis hin, beispielsweise Leukämie, AIDS, andere Infektionen, rheumatisches Fieber und überhöhte Spiegel von Harnstoff im Blut wegen Niereninsuffizienz.

Bleibt die Ursache der Perikarditis unbekannt, entnehmen die Ärzte möglicherweise mithilfe einer durch die Brustwand eingeführten Nadel eine Probe der Herzbeutelflüssigkeit und/oder des Herzbeutelgewebes (Perikardpunktion). Die Flüssigkeit und das Gewebe werden für Untersuchungen an ein Labor gesendet.

Prognose

Die Prognose für Menschen, die an Perikarditis leiden, hängt von deren Ursache ab. Bei Verursachung durch ein Virus oder bei nicht erkennbarer Ursache dauert der Genesungsprozess etwa 1 bis 3 Wochen. Komplikationen oder Rückfälle können die Genesung verzögern. Krebspatienten, bei denen sich der Krebs in den Herzbeutel ausgedehnt hat, überleben kaum länger als 12 bis 18 Monate.

Behandlung

  • Entzündungshemmende Medikamente wie etwa nichtsteroidale Medikamente oder Colchicin

  • Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung, wie Krebs

  • Manchmal operative Behandlung wie eine Perikardiotomie

Unabhängig von der Ursache werden Patienten mit Perikarditis manchmal ins Krankenhaus eingewiesen, insbesondere Personen mit Hochrisikomerkmalen (Fieber, subakutes Einsetzen der Krankheit, Anwendung von Immunsuppressiva, kürzliches Trauma, orale Antikoagulanzientherapie, keine Verbesserung durch Verwendung von Aspirin und anderen nichtsteroidalen Antirheumatika [NSAR], Myoperikarditis [Entzündung des Herzbeutels, die auch den Herzmuskel betrifft] und mäßige bis große Perikardergüsse). Der Patient wird auf Komplikationen, insbesondere Herzbeuteltamponaden, hin überwacht.

Entzündungshemmende Mittel

In der Regel spricht eine akute Perikarditis auf Colchicin oder oral eingenommene NSAR (wie Aspirin und Ibuprofen) an. Nach Linderung der Schmerzen und der Entzündungssymptome wird die Dosis der Medikamente schrittweise verringert. Auch Colchicin verringert die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens der Perikarditis. Bei starken Schmerzen ist eventuell ein Opioid wie Morphin erforderlich. Prednison, ein Kortikosteroid, verringert die Schmerzen nicht direkt, lindert sie aber, indem es die Entzündung bekämpft. Es wird jedoch nicht bei allen Patienten eingesetzt, da es eine Virusinfektion (an der die Patienten möglicherweise ebenfalls leiden) noch verschlimmern kann. Zudem erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass die Perikarditis zu einem späteren Zeitpunkt zurückkehrt.

Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung

Die weitere Behandlung der akuten Perikarditis richtet sich nach der Ursache. Bei Menschen mit Niereninsuffizienz bessert sich die Erkrankung gewöhnlich, wenn die Dialyse häufiger durchgeführt wird.

Medikamente, die eine Perikarditis verursachen können, werden nach Möglichkeit abgesetzt.

Bei Krebspatienten kann durch Chemotherapie oder Strahlentherapie eine Besserung erzielt werden.

Bei durch eine Virusinfektion, eine Verletzung oder eine unbekannte Störung verursachter wiederauftretender Perikarditis können Aspirin oder Ibuprofen, manchmal zusammen mit Colchicin, Linderung verschaffen. Zeigen diese Medikamente keine Wirkung, können Ärzte Kortikosteroide verschreiben (solange die Ursache keine Infektion ist). Manchmal werden die Kortikosteroide in den Perikardraum injiziert. Schlägt die medikamentöse Behandlung nicht an, kann der Herzbeutel operativ entfernt werden.

Ist die Ursache eine bakterielle Infektion, besteht die Behandlung in der Einnahme von Antibiotika und operativer Ableitung des Eiters aus dem Herzbeutel.

Operation

Die Flüssigkeit kann aus dem Herzbeutel abgleitet werden, indem ein dünner Katheter in den Perikardraum eingeführt wird (Perikardiozentese).

Ein Katheter mit einem Ballon an der Spitze wird über die Haut eingeführt. Der Ballon wird dann aufgeblasen und bildet ein Loch (Fenster) im Herzbeutel. Diese sogenannte perkutane Ballonperikardiotomie wird vornehmlich als Alternative zu Operationen bei Ergüssen angewendet, die durch Krebs verursacht wurden oder erneut auftreten.

Alternativ wird ein kleiner Schnitt unterhalb des Brustbeins gemacht und ein Stück des Herzbeutels entfernt. Danach wird ein Röhrchen in den Perikardraum eingeführt. Diese sogenannte subxyphoidale Perikardiotomie wird oft bei bakteriell bedingten Ergüssen durchgeführt. Für beide Methoden benötigt man eine örtliche Betäubung. Sie können am Krankenbett durchgeführt werden, sind wirksam und ermöglichen eine dauerhafte Drainage der Flüssigkeit.

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