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Ohrenschmerzen

(Otalgie; Otalogie)

Von

David M. Kaylie

, MS, MD, Duke University Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Ohrenschmerzen treten in der Regel nur in einem Ohr auf. Einige Menschen leiden auch unter Ohrausfluss oder seltener unter Schwerhörigkeit.

Ein Blick ins Ohr

Ein Blick ins Ohr

Ursachen

Schmerzen können die Folge einer Erkrankung im Ohr selbst oder eines benachbarten Körperteils sein, das dieselben Nerven zum Gehirn nutzt wie das Ohr. Zu diesen Körperteilen gehören Nase, Nebenhöhlen, Rachen und Kiefergelenk.

Bei akuten Schmerzen (Schmerzen über weniger als 2 Wochen) sind die häufigsten Ursachen:

Infektionen des Mittel- und Außenohrs verursachen schmerzhafte Entzündungen. Eine Mittelohrentzündung verursacht außerdem einen Druckanstieg hinter dem Trommelfell (Membrana tympani). Dieser Druckaufbau ist schmerzhaft und bewirkt, dass sich das Trommelfell wölbt. Wenn sich das Trommelfell wölbt, kann es platzen, wobei eine kleine Menge Eiter und/oder Blut aus dem Ohr austritt. In seltenen Fällen breitet sich eine Mittelohrentzündung auf den Warzenfortsatz aus, einem Knochen hinter dem Ohr (was zu Mastoiditis führt).

Bei Patienten mit Diabetes und Personen mit einem geschwächten Immunsystem (wegen einer HIV-Infektion oder einer Chemotherapie gegen Krebs) kann sich eine besonders schwere Form der Otitis externa entwickeln, die als bösartige (maligne) oder nekrotisierende Otitis externa bezeichnet wird.

Druckänderungen auf Flügen und beim Tauchen können zu Ohrenschmerzen führen (siehe auch Barotrauma des Ohrs). Solche Ohrenschmerzen treten auf, wenn die Röhre, die das Mittelohr und den hinteren Nasenbereich verbindet (eustachische Röhre), verstopft ist oder nicht normal funktioniert. Eine Blockade oder Fehlfunktion verhindert, dass sich der Druck im Mittelohr an den Außendruck angleicht. Aufgrund der Druckdifferenz wölbt sich das Trommelfell nach außen oder innen, was Schmerzen verursacht. Druckänderungen können auch dazu führen, dass das Trommelfell platzt.

Bei chronischen Schmerzen (Schmerzen über mehr als 2 bis 3 Wochen) sind die häufigsten Ursachen:

  • Chronische Dysfunktion der eustachischen Röhre

  • Chronische Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Eine weniger häufige Ursache chronischer Schmerzen sind Erkrankungen, die den Kehlkopf betreffen, einschließlich Krebs (sogenannte übertragene Schmerzen).

Beurteilung

Die folgenden Angaben können Personen mit Ohrenschmerzen bei der Entscheidung behilflich sein, wann eine ärztliche Untersuchung nötig ist, und liefern Gewissheit darüber, was bei einer solchen Beurteilung durch den Arzt zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Ohrenschmerzen sind bestimmte Symptome und Merkmale Anlass zu Besorgnis:

  • Diabetes oder geschwächtes Immunsystem

  • Rötung und Schwellung hinter dem Ohr

  • Starke Schwellung an der Öffnung des Gehörgangs

  • Ausfluss aus dem Ohr

  • Chronische Schmerzen, vor allem bei Patienten mit weiteren Symptomen an Kopf und Hals (z. B. Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder verstopfte Nase)

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Sofern chronische Schmerzen nicht das einzige Warnzeichen sind, sollten Personen mit den oben genannten Warnzeichen oder mit Ausfluss aus dem Ohr so rasch wie möglich einen Arzt aufsuchen. Bei chronischen Schmerzen schadet eine Verzögerung von etwa einer Woche in der Regel nicht. Patienten mit akuten Schmerzen sollten innerhalb von wenigen Tagen einen Arzt aufsuchen, bei starken Schmerzen auch früher.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Der Arzt führt dann eine körperliche Untersuchung mit den Schwerpunkten Ohren, Nase und Rachen durch. Was er bei der Anamnese und der Untersuchung vorfindet, enthüllt oft die Ursache für die Ohrenschmerzen und zeigt die erforderlichen Tests an (siehe Tabelle mit Ursachen und Merkmalen von Ohrenschmerzen).

Neben dem Vorliegen von Warnzeichen sind die Ergebnisse der Ohruntersuchung von Bedeutung. Erkrankungen des Mittel- und Außenohrs verursachen Anomalien, die in Kombination mit den Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten normalerweise auf die Ursache schließen lassen.

Wenn die Ohruntersuchung keine Auffälligkeiten ergibt, kann eine andere Ursache für die Ohrenschmerzen vorliegen, z. B. eine Mandelentzündung. Wenn während der Ohruntersuchung keine Anomalien festgestellt werden, die für die chronischen Schmerzen verantwortlich sein könnten, vermutet der Arzt manchmal eine Erkrankung des Kiefergelenks als Ursache für die Ohrenschmerzen. Dennoch sollte bei Patienten mit chronischen Schmerzen mithilfe einer sorgfältigen Untersuchung von Kopf und Hals (einschließlich einer faseroptischen Untersuchung) eine Krebserkrankung oder ein Tumor in den Nasengängen und dem oberen Rachen (Nasenrachenraum, Nasopharynx) ausgeschlossen werden.

Tabelle
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Ursachen und Merkmale von Ohrenschmerzen

Ursache

Häufige Merkmale*†

Diagnose‡

Mittelohr

Akute Verstopfung/Verengung der eustachischen Röhre (z. B. aufgrund einer Erkältung oder Allergie)

Leichte bis mäßige Beschwerden

Gurgelnde, knisternde oder schnalzende Geräusche, mit oder ohne verstopfte Nase

Hörschwäche im betroffenen Ohr

Ärztliche Untersuchung

Druckänderungen (Barotrauma)

Starke Schmerzen

Kürzlich erfolgte schnelle Luftdruckänderung (wie beim Fliegen oder Tauchen)

Oft Blut auf oder hinter dem Trommelfell sichtbar

Ärztliche Untersuchung

Kürzlich erfolgte Mittelohrentzündung

Rötung und Druckschmerzen hinter dem Ohr

Oft Fieber und/oder Ohrausfluss

Ärztliche Untersuchung

Manchmal CT-Scan

Manchmal Audiometrie

Akute oder chronische Mittelohrentzündung (Otitis media)

Starke Schmerzen, oft mit Erkältungssymptomen

Gewölbtes, gerötetes Trommelfell

Bei Kindern häufiger

Manchmal Ohrausfluss

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Audiometrie

Infektiöse Myringitis (Trommelfellinfektion)

Starke Schmerzen

Entzündetes Trommelfell

Kleine Blasen auf der Oberfläche des Trommelfells

Ärztliche Untersuchung

Starke Schmerzen

Blasen oder Pusteln am Außenohr

Mögliche Begleitsymptome sind Hörverlust oder Gesichtsschwäche

Ärztliche Untersuchung

Außenohr

Sichtbar während der ärztlichen Untersuchung

Fremdkörper fast immer bei Kindern

Ärztliche Untersuchung

Normalerweise bei Patienten, die versuchen, ihre Ohren zu reinigen

Sichtbar während der ärztlichen Untersuchung

Ärztliche Untersuchung

Akute oder chronische Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Juckreiz und Schmerzen (vorwiegend Juckreiz und nur leichte Beschwerden bei chronischer Otitis externa)

Oft Schwimmsport oder regelmäßiges Eindringen von Wasser in der Vorgeschichte

Manchmal übelriechender Ausfluss

Äußerer Gehörgang gerötet und geschwollen sowie mit eiterähnlichem Material gefüllt

Ärztliche Untersuchung

CT-Scan bei Verdacht auf maligne Otitis externa

Ursachen liegen in ohrnahen Strukturen§

Krebs an Rachen, Mandeln, Zungengrund, Kehlkopf (Larynx) oder Nasengängen und oberem Rachen (Nasopharynx)

Chronische Beschwerden

Oft lange Vorgeschichte mit Tabak- und oder Alkoholkonsum

Manchmal vergrößerte, nicht schmerzhafte Lymphknoten im Nacken

Normalerweise bei älteren Patienten

Gadolinium-verstärkte MRT

Faseroptische Endoskopie mit Entfernung und Untersuchung (Biopsie) sichtbarer Läsionen

Infektion (Mandeln, Peritonsillarabszess)

Schmerzen beim Schlucken sehr viel stärker

Sichtbare Rötung von Rachen und/oder Mandeln

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Anlegen einer Kultur

Neuralgie (entzündeter Nerv, z. B. entzündeter Nervus glossopharyngeus)

Sehr starke, häufige, scharfe Schmerzen mit einer Dauer von weniger als 1 Sekunde

Ärztliche Untersuchung

Schmerz verschlimmert sich bei Kieferbewegung

Keine gleichmäßige Kiefergelenkbewegung

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Panorama-Röntgenuntersuchung oder CT-Scan

* Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

† Viele Patienten mit Erkrankungen des Mittel- und Außenohrs erleiden einen Hörverlust.

‡ Obwohl eine ärztliche Untersuchung immer durchgeführt wird, wird sie in dieser Spalte nur erwähnt, wenn die Diagnose manchmal nur durch eine ärztliche Untersuchung ohne Tests gestellt werden kann. Mit anderen Worten: Es sind möglicherweise keine zusätzlichen Tests erforderlich.

§ Ein häufiges Merkmal ist eine unauffällige Ohruntersuchung.

CT = Computertomographie; MRT = Magnetresonanztomographie.

Tests

Meistens führt die ärztliche Untersuchung zur Diagnose, sodass keine weiteren Untersuchungen erforderlich sind. Falls jedoch die Ohruntersuchung keine Auffälligkeiten ergibt, sollten insbesondere Patienten mit chronischen oder wiederkehrenden Schmerzen auf Krebs untersucht werden. Dazu gehören normalerweise die Untersuchung von Nase, Rachen und Kehlkopf (Larynx) mit einem flexiblen Beobachtungstubus (Endoskop) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) von Kopf und Hals.

Behandlung

Ohrenschmerzen werden am besten dadurch behandelt, dass die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wird.

Patienten können Schmerzmittel über den Mund einnehmen. Normalerweise ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) oder Paracetamol geeignet. Einige Patienten jedoch, vor allem diejenigen mit einer schweren Infektion des Außenohrs, müssen möglicherweise über mehrere Tage hinweg ein Opioid wie Oxycodon oder Hydrocodon einnehmen. Bei einer schweren Infektion des Außenohrs saugt der Arzt oft Eiter oder andere Absonderungen aus dem Ohrkanal ab und legt einen kleinen Schaumstoffstab ein. Dieses Stäbchen kann mit Antibiotikum und/oder Kortikosteroid-Ohrentropfen getränkt werden.

Ohrentropfen, die Schmerzmittel enthalten (z. B. Kombinationen von Antipyrin und Benzocain), sind meist nicht sehr wirksam, können jedoch über einige Tage hinweg verwendet werden. Diese Tropfen (und alle anderen Ohrentropfen, wie etwa die zum Entfernen von Ohrenschmalz) dürfen nicht von Patienten mit perforiertem Trommelfell angewendet werden. Deshalb sollte vor Gebrauch dieser Tropfen ein Arzt konsultiert werden.

Wussten Sie ...

  • Auf jeden Fall sollte vermieden werden, mit irgendwelchen Gegenständen im Gehörgang zu hantieren, ganz gleich, wie weich dieser Gegenstand sein mag.

Auf jeden Fall sollte vermieden werden, mit irgendwelchen Gegenständen im Gehörgang zu hantieren, ganz gleich, wie weich dieser Gegenstand sein mag und wie vorsichtig er gehandhabt wird. Außerdem sollte nicht versucht werden, die die Ohren selbst zu spülen. Dies sollte nur auf ärztlichen Rat hin geschehen, und auch dann nur sehr vorsichtig. Eine Munddusche, wie sie zur Zahnreinigung verwendet wird, darf niemals ins Ohr gehalten werden.

Wichtigste Punkte

  • Die meisten Ohrenschmerzen sind auf eine Infektion des Mittel- oder Außenohrs zurückzuführen.

  • Normalerweise reicht eine ärztliche Untersuchung für die Diagnose aus.

  • Falls das Ohr bei der Untersuchung unauffällig ist, sucht der Arzt nach einer Erkrankung in den Strukturen in Ohrnähe.

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