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Akute bakterielle Meningitis

Von

John E. Greenlee

, MD, University of Utah School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2019| Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Akute bakterielle Meningitis ist eine sich rapide entwickelnde Entzündung der Gewebsschichten, die das Gehirn und Rückenmark (Hirnhäute) und den flüssigkeitsgefüllten Raum zwischen den Hirnhäuten (Subarachnoidalraum) bedecken, die von Bakterien verursacht wird.

  • Ältere Kinder und Erwachsene entwickeln einen steifen Nacken, für gewöhnlich mit Fieber und Kopfschmerzen, der es schwer oder unmöglich macht, das Kinn auf die Brust zu legen.

  • Kleinkinder entwickeln möglicherweise keinen steifen Nacken, aber sie können sich generell unwohl fühlen, eine hohe oder niedrige Körpertemperatur haben, schlecht säugen oder erregbar oder benommen sein.

  • Bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall und wird so schnell wie möglich behandelt, bevor die Diagnose bestätigt wird.

  • Um Meningitis zu diagnostizieren, nehmen die Ärzte so schnell wie möglich eine Lumbalpunktion vor.

  • Antibiotika sind für gewöhnlich wirksam, wenn sie prompt verabreicht werden, und Dexamethason (ein Kortikosteroid) wird verabreicht, um die Schwellung im Gehirn zu vermindern.

  • Impfungen können einige Arten von bakterieller Meningitis verhindern.

Das Gehirn und das Rückenmark sind von drei Gewebsschichten bedeckt, die Hirnhäute bzw. Meningen genannt werden. Der Subarachnoidalraum befindet sich zwischen der mittleren Schicht und der inneren Schicht der Hirnhäute, welche das Gehirn und das Rückenmark bedecken. Dieser Raum enthält die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, die durch die Hirnhäute fließt, die Räume im Gehirn ausfüllt und dabei hilft, das Gehirn und das Rückenmark abzupolstern.

Tissues Covering the Brain

Innerhalb des Schädels ist das Gehirn von drei Gewebeschichten, den Hirnhäuten (Meningen), überzogen:

  • Dura mater (äußere Schicht)

  • Arachnoidea (mittlere Schicht)

  • Pia mater (innere Schicht)

Zwischen der Arachnoidea und der Pia mater befindet sich der Subarachnoidalraum. Dieser Raum enthält Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, die durch die Hirnhäute fließt, die Räume im Gehirn ausfüllt und dabei hilft, das Gehirn und das Rückenmark abzupolstern.

Tissues Covering the Brain

Komplikationen

Wenn Bakterien in die Hirnhäute und den Subarachnoidalraum eindringen, reagiert das Immunsystem irgendwann auf diese Eindringlinge und die Immunzellen sammeln sich, um den Körper gegen sie zu verteidigen. Das Ergebnis ist eine Entzündung – Meningitis –, die Komplikationen wie die Folgenden verursachen kann:

  • Blutgerinnsel: Bei einem schweren Verlauf kann sich die Entzündung in die Blutgefäße im Gehirn ausbreiten und die Entstehung von Gerinnseln verursachen, welche manchmal einen Schlaganfall zur Folge haben können.

  • Schwellung im Gehirn (Großhirnödem): Die Entzündung kann das Gehirngewebe schädigen, Schwellungen und an kleinen Stellen Blutungen verursachen.

  • Erhöhter Druck innerhalb des Schädels (intrakranieller Druck): Starke Schwellungen können den Druck innerhalb des Schädels erhöhen und die Verlagerung von Teilen des Gehirns verursachen. Wenn diese Teile durch die kleinen Öffnungen in den Geweben gepresst werden, die das Gehirn in seine Bestandteile teilen, resultiert daraus eine lebensbedrohliche Erkrankung, die Gehirnhernie genannt wird.

  • Überschüssige Flüssigkeit im Gehirn: Das Gehirn produziert fortlaufend Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Die Infektion kann deren Fluss durch die Räume innerhalb des Gehirns (Ventrikel) und aus dem Gehirn heraus blockieren. Flüssigkeit kann sich in den Ventrikeln sammeln und dazu führen, dass sich diese vergrößern (eine Erkrankung, die Hydrozephalus genannt wird). Wenn sich überschüssige Flüssigkeit sammelt, kann sie Druck auf das Gehirn ausüben.

  • Entzündung der Hirnnerven: Die Entzündung kann sich auf die Hirnnerven ausweiten, die am Sehen, Hören, Schmecken und der Steuerung der Gesichtsmuskeln und der Drüsen beteiligt sind. Die Entzündung dieser Nerven kann zu Taubheit, Doppelsicht und anderen Problemen führen.

  • Subdurales Empyem: Manchmal sammelt sich Eiter unter der äußeren Schicht (Dura mater) der Hirnhäute, was ein subdurales Empyem verursacht.

  • Körperweite Probleme: Zu diesen Problemen zählen septischer Schock (gefährlich niedriger Blutdruck aufgrund einer bakteriellen Infektion des Blutkreislaufs) und eine disseminierte intravaskuläre Gerinnung (Bildung kleiner Blutgerinnsel im gesamten Blutkreislauf, was letztendlich zu übermäßigen Blutungen führt). Diese Probleme können tödlich sein.

Ursachen

Verschiedene Arten von Bakterien können Meningitis verursachen. Die Bakterien, die die wahrscheinlichste Ursache sind, hängen davon ab

  • Wie alt die Personen sind

  • Wie Meningitis auf sie übertragen wurde (Übertragungsweg)

  • Wie stark ihr Immunsystem ist

Alter

Akute bakterielle Meningitis kann sich bei Kleinkindern und Kindern, besonders in geografischen Gebieten, wo Kinder nicht geimpft werden, entwickeln. Wenn Personen älter werden, kommt akute bakterielle Meningitis häufiger vor.

Bei Neugeborenen und jungen Kleinkindern sind die am meisten verbreiteten Ursachen bakterieller Meningitis

  • Streptokokken der Gruppe B, insbesondere Streptococcus agalactiae

  • Escherichia (E.) coli und verwandte Bakterien (gram-negative Bakterien genannt)

  • Listeria monocytogenes

Wenn Meningitis sich innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt entwickelt, wurde sie für gewöhnlich von der Mutter erworben. Sie kann von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden, wenn das Neugeborene den Geburtskanal passiert. In diesen Fällen ist die Meningitis oft Teil einer ernsten Blutinfektion (Sepsis).

Bei älteren Kleinkindern, Kindern und jungen Erwachsenen sind die am meisten verbreiteten Ursachen

Neisseria meningitidis verursacht manchmal eine rapide, ernste Infektion, die Meningokokkenmeningitis genannt wird und zu einem Koma und zum Tod innerhalb von Stunden führt. Diese Infektion kommt gewöhnlich vor, wenn Bakterien einer Infektion der oberen Atemwege in den Blutkreislauf gelangen. Meningokokkenmeningitis ist hoch ansteckend. Kleine Epidemien von Meningokokkenmeningitis können unter Personen auftreten, die in beengten Wohnräumen leben, wie sie in Militärbaracken oder Studentenwohnheimen vorkommen. Neisseria meningitidis kommt seltener vor, wenn Personen älter werden.

Haemophilus influenzae Typ B ist heutzutage eine seltene Ursache von Meningitis in den Vereinigten Staaten und Westeuropa, weil die meisten Kinder gegen dieses Bakterium geimpft sind. Jedoch sind diese Bakterien eine verbreitete Ursache in Gegenden, in denen der Impfstoff nicht häufig genutzt wird, besonders bei Kindern im Alter von 2 Monaten bis 6 Jahren.

Bei Erwachsenen im mittleren und fortgeschrittenen Alter ist die am meisten verbreiteten Ursache

  • Streptococcus pneumoniae

Mit zunehmendem Alter wird das Immunsystem schwächer, was das Risiko von Meningitis erhöht, die auf andere Bakterien wie Listeria monocytogenes, E. coli oder sonstige gramnegative Bakterien zurückgeführt werden kann.

Staphylococcus aureus verursacht manchmal schwere Meningitis bei Personen in jedem Alter.

Zugangsweg

Bakterielle Meningitis kann auf verschiedene Arten erworben werden, einschließlich:

  • Wenn sich Bakterien durch den Blutkreislauf von einer Infektion in einem anderen Körperteil verbreiten (der am meisten verbreitete Weg)

  • Wenn sich Bakterien von anderen Infektionen, wie einer Nasennebenhöhlenentzündung oder einer Ohrinfektion, im Gehirn auf die Hirnhäute ausbreiten (oft verursacht durch Streptococcus pneumoniae)

  • Nachdem eine Wunde den Schädel oder die Hirnhäute durchbricht (oft verursacht durch Staphylococcus aureus)

  • Wenn ein chirurgischer Eingriff am Gehirn oder dem Rückenmark durchgeführt wird (oft von gram-negativ Bakterien verursacht)

  • Wenn eine Drainage (Shunt), die im Gehirn angebracht wird, um den erhöhten Druck im Schädel zu mindern, infiziert wird

  • Wenn Bakterien durch einen Geburtsfehler im Schädel oder im Rückgrat (wie Spina bifida) eindringen

Das Vorliegen einer der oben genannten Erkrankungen erhöht das Risiko, dass sich bakterielle Meningitis entwickelt.

Stärke des Immunsystems

Welche Bakterien wahrscheinlich Meningitis verursachen, hängt davon ab, ob das Immunsystem normal oder geschwächt ist. Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen, erhöhen das Risiko, dass sich bakterielle Meningitis entwickelt. Solche Erkrankungen schließen Folgendes ein:

Welche Bakterien (oder Pilze) wahrscheinlich Meningitis verursachen, hängt auch davon ab, was das Immunsystem schwächt und welcher Teil des Immunsystems geschwächt ist, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • AIDS oder Hodgkin-Lymphom: Listeria monocytogenes, die Bakterien, die Tuberkulose verursachen, oder Pilze (insbesondere Cryptococcus neoformans)

  • Probleme bei der Antikörperbildung (die dem Körper helfen, Infektionen zu bekämpfen) oder Entfernung der Milz: Streptococcus pneumoniae oder, nicht ganz so oft, Neisseria meningitidis, die eine rasche, schwerwiegende Form der Meningitis verursachen kann

  • Aktuelle Chemotherapie bei Krebserkrankungen: Pseudomonas aeruginosa oder gram-negative Bakterien wie E. coli

Bei sehr jungen Kleinkindern (besonders bei Frühchen) und älteren Personen können bestimmte Teile des Immunsystems schwach sein und das Risiko von Meningitis durch Listeria monocytogenes erhöhen.

Symptome

Die Symptome einer akuten bakteriellen Meningitis sind je nach Alter unterschiedlich.

Bei Neugeborenen und Säuglingen weisen frühe Symptome in der Regel nicht auf eine bestimmte Ursache hin. Zu den Symptomen gehören oftmals

  • Eine hohe oder niedrige Körpertemperatur

  • Probleme beim Säugen

  • Erbrechen

  • Reizbarkeit, wie exzessive Unruhe oder Weinen, das weitergeht oder sich verschlimmert, nachdem das Kind von der Mutter oder einer Betreuerin beruhigt und liebkost wurde

  • Schnalzen der Lippen, unwillkürliches Kauen, Starren in eine andere Richtung oder periodisches Erschlaffen (eine Form eines Anfalls)

  • Schwerfälligkeit und Lustlosigkeit (Lethargie)

  • Weinen in einer hohen Tonlage, die für das Baby untypisch ist

Anders als ältere Kinder und Erwachsene haben die meisten Neugeborenen und Kleinkinder keinen steifen Nacken. Wenn Meningitis sich verschlimmert, können sich die weichen Stellen zwischen den Schädelknochen (Fontanellen genannt), die bei Kleinkindern noch vorhanden sind, bevor die Schädelknochen zusammenwachsen, aufwölben, weil sich der Druck innerhalb des Schädels erhöht.

Bei den meisten Kindern und Erwachsenen, fängt eine akute bakterielle Meningitis mit Symptomen an, die sich von 3 bis 5 Tagen langsam verschlechtern. Diese Symptome können ein generelles Krankheitsgefühl, Fieber, Reizbarkeit und Erbrechen einschließen. Einige Personen haben Halsschmerzen, Husten und eine laufende Nase. Diese vagen Symptome können denen einer Virusinfektion ähneln.

Frühe Symptome, die Meningitis andeuten, schließen ein

  • Fieber

  • Kopfschmerzen

  • Einen steifen Nacken (gewöhnlich)

  • Verwirrtheit oder ein verringertes Aufmerksamkeitsniveau

  • Lichtempfindlichkeit

Ein durch Meningitis verursachter steifer Nacken ist mehr als nur schmerzhaft. Es kann unmöglich sein, das Kinn auf die Brust zu legen. Den Kopf in andere Richtungen zu bewegen ist nicht so schwer. Dennoch haben manche Personen keinen steifen Nacken und einige haben Rückenschmerzen.

Manche Personen haben Symptome eines Schlaganfalls, einschließlich Lähmung. Einige haben Anfälle.

Wenn die Infektion fortschreitet, können Kinder und Erwachsene zunächst gereizt, verwirrt und dann benommen werden. Sie können dann teilnahmslos werden und es kann heftige physische Stimulation erfordern, um sie aufzurütteln. Dieser mentale Zustand wird Stupor genannt.

Erwachsene können binnen 24 Stunden schwer krank werden, und Kinder sogar noch schneller. Meningitis kann zu einem Koma und zum Tod innerhalb von Stunden führen. Bakterielle Meningitis ist eine der wenigen Erkrankungen, bei welcher eine vormals gesunde, junge Person mit milden Symptomen ins Bett geht und nicht wieder aufwacht. Bei älteren Kindern und Erwachsenen resultiert solch ein schneller Tod aus der Schwellung des Gehirns.

Bei Meningokokkenmeningitis sind oft der Blutkreislauf und viele andere Organe infiziert. Eine Blutkreislaufinfektion (Meningokokkämie genannt) kann innerhalb von Stunden gravierend werden. Als eine Folge kann Gewebe gebietsweise absterben und Blutungen können unter der Haut auftreten, was zu einem rötlichen-violetten Ausschlag von winzigen Punkten oder größeren Klecksen führt. Blutungen können im Verdauungstrakt und anderen Organen auftreten. Die Patienten können Blut erbrechen oder der Stuhl kann blutig oder pechschwarz aussehen. Ohne Behandlung fällt der Blutdruck, was zu einem Schock und zum Tod führt. Typischerweise treten Blutungen in den Nebennieren auf, die ihre Funktion einstellen, was den Schock schlimmer macht. Diese Erkrankung, die Waterhouse-Friderichsen-Syndrom genannt wird, ist oft tödlich, wenn sie nicht sofort behandelt wird.

In manchen Situationen sind die Symptome einer bakteriellen Meningitis milder als normal, was es für Ärzte schwieriger macht, die Erkrankung zu erkennen. Symptome sind milder, wenn Personen aus anderen Gründen mit Antibiotika behandelt werden. Zum Beispiel könnten sie wegen einer anderen Infektion behandelt werden (wie einer Ohr- oder Racheninfektion), wenn sich die Meningitis entwickelt, oder die frühe Meningitis könnte mit einer anderen Infektion verwechselt werden und mit Antibiotika behandelt werden.

Die Symptome können bei Betroffenen mit einem Immunsystem, das aufgrund der Anwendung von Arzneimitteln geschwächt ist, mit Krankheiten, die das Immunsystem unterdrücken (wie bei AIDS), bei Alkoholikern und sehr alten Betroffenen leichter sein. Bei älteren Personen kann das einzige Anzeichen eine Verwirrtheit sein.

Wenn sich bakterielle Meningitis nach einer Gehirn- oder Rückenmarksoperation entwickelt, brauchen die Symptome oft Tage, um sich zu entwickeln.

Diagnose

  • Bluttests

  • Spinalpunktion und Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit

Wenn ein 2 Jahre altes oder jüngeres Kind Fieber hat und ein(e) Vater/Mutter spürt, dass das Kind unerklärlich gereizt oder schläfrig ist, sollte der/die Vater/Mutter sofort einen Arzt aufsuchen, besonders, wenn die Symptome nicht nach einer adäquaten Dosis von Paracetamol verschwinden.

Kinder brauchen sofortige medizinische Hilfe, für gewöhnlich in einer Notaufnahme, wenn sie irgendeines der folgenden Dinge tun:

  • Zunehmend reizbar oder unerklärlich schläfrig werden

  • Eine niedrige Körpertemperatur haben

  • Sich weigern zu essen

  • Krampfanfälle haben

  • Einen steifen Nacken entwickeln

Erwachsene brauchen sofortige medizinische Hilfe, wenn sie irgendeines der Folgenden haben:

  • Kopfschmerzen oder einen steifen Nacken, besonders, wenn sie Fieber haben

  • Verwirrtheit oder ein verringertes Aufmerksamkeitsniveau

  • Schwerfälligkeit oder Lustlosigkeit

  • Krampfanfälle

  • Ausschlag mit Fieber oder einen steifen Nacken

Während der körperlichen Untersuchung suchen die Ärzte nach Anzeichen von Meningitis, im Besonderen nach einem steifen Nacken. Sie suchen auch nach einem Ausschlag, speziell bei Kindern, Heranwachsenden und jungen Erwachsenen und nach anderen Symptomen, die eine Ursache andeuten können. Ärzte können bakterielle Meningitis basierend auf Symptomen und Untersuchungsergebnissen stark vermuten, aber Tests sind notwendig, um die Diagnose zu bestätigen und ein spezifisches Bakterium zu identifizieren, das sie verursacht.

Sobald der Arzt eine bakterielle Meningitis vermutet, wird zuerst eine Blutprobe entnommen, um in einem Labor eine Kultur anzulegen (zu kultivieren) und diese zu analysieren. Dann beginnen sie unmittelbar mit der Behandlung mit Antibiotika und Kortikosteroiden, ohne die Testergebnisse abzuwarten, weil Meningitis rapide fortschreiten kann.

Did You Know...

  • Wenn Ärzte eine bakterielle Meningitis vermuten, beginnen sie unmittelbar mit der Behandlung mit Antibiotika, ohne die Testergebnisse abzuwarten, weil Meningitis rapide fortschreiten kann.

Untersuchungen

Wenn einmal mit der Behandlung begonnen wurde, führen die Ärzte zur Bestätigung der Diagnose rasch eine Liquorpunktion (Lumbalpunktion) durch, wenn dies sicher scheint.

Wenn sie jedoch vermuten, dass der Druck innerhalb des Schädels stark erhöht ist (zum Beispiel durch einen Abszess oder Tumor oder eine andere Masse im Gehirn), können zuerst eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden, um auf solche Massen zu prüfen. Eine Spinalpunktion vorzunehmen kann gefährlich sein, wenn der Druck innerhalb des Schädels erhöht ist. Teile des Gehirns können nach unten bewegt werden. Wenn diese Teile durch die kleinen Öffnungen in den Geweben gepresst werden, die das Gehirn in seine Bestandteile teilen, resultiert daraus eine lebensbedrohliche Erkrankung, die Gehirnhernie genannt wird. Nachdem der Druck im Schädel gesenkt oder wenn keine Wucherung gefunden wurde, wird eine Spinalpunktion durchgeführt, und der Arzt passt die Behandlung nach dem Eingang der Ergebnisse nach Bedarf an.

Während der Spinalpunktion wird eine dünne Nadel zwischen zwei Rückenwirbeln des unteren Rückgrats eingeführt und etwas Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit entnommen.

Dann wird Folgendes getan:

  • Genaue Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit: Die Flüssigkeit ist normalerweise klar, kann aber bei Personen mit Meningitis getrübt sein.

  • Die Messung des Drucks im Subarachnoidalraum (der die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit enthält) wird bei der Entnahme der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit vorgenommen: Der Druck bei Meningitis ist für gewöhnlich hoch.

  • Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit in einem Labor: Zucker- und Proteingehalt und die Anzahl und Typen weißer Blutzellen in der Flüssigkeit werden bestimmt. Diese Information hilft Ärzten, Meningitis zu diagnostizieren und zwischen bakterieller und viraler Meningitis zu unterscheiden.

  • Untersuchung der Flüssigkeit unter dem Mikroskop, um sie auf Bakterien zu prüfen und diese zu identifizieren. Dazu wird eine spezielle Färbung (die sogenannte Gram-Färbung) verwendet, um die Bakterien deutlicher zu zeigen und bei ihrer Identifizierung zu helfen.

  • Weitere Tests

Andere Tests können genutzt werden, um bestimmte Bakterien wie Neisseria meningitidis und Streptococcus pneumoniae schnell zu identifizieren. Einige dieser Tests identifizieren spezifische Bakterien, indem sie spezifische Proteine (Antigene) auf der Oberfläche der Bakterien erfassen. Die Polymerase-Kettenreaktions(PCR-polymerase chain reaction)-Technik, welche viele Kopien eines Gens produziert, kann genutzt werden, um die spezifische DNA-Sequenz des Bakteriums zu identifizieren. Manche Tests können schnell große Stränge des genetischen Materials auswerten, wodurch sich Mikroorganismen in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit feststellen lassen, die andernfalls nicht zu finden sind. Allerdings sind solche Tests nicht immer verfügbar.

Die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit wird auch kultiviert (um Bakterien wachsen zulassen). Die Kultur hilft den Ärzten festzustellen, ob Bakterien vorliegen, und wenn das so ist, welche Bakterien vorliegen und welche Antibiotika am wirksamsten sein können. Kulturergebnisse dauern für gewöhnlich 24 Stunden oder länger. Falls in der Kultur oder anderen Tests Bakterien in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit festgestellt werden, ist die bakterielle Meningitis bestätigt.

Bis die Ursache der Meningitis bestätigt ist, können andere Tests an Proben der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit oder Blutproben vorgenommen werden, um auf Viren, Pilze, Krebszellen oder andere Substanzen zu prüfen, die Routinetests nicht identifizieren. Es ist besonders wichtig, auf das Herpes-simplex-Virus zu testen, welches das Gehirn infizieren kann (und Enzephalitis verursacht).

Ärzte nehmen auch Blut- und Urinproben sowie Schleimproben aus der Nase und dem Rachen. Bei Personen, die einen Ausschlag haben, können sie eine kleine Nadel benutzen, um Flüssigkeit aus dem Gewebe unter der Haut zu entnehmen, wo der Ausschlag ist. Diese Proben werden kultiviert und unter dem Mikroskop untersucht, um zu sehen, ob Bakterien vorhanden sind.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Dexamethason (ein Kortikosteroid)

  • Zufuhr von Flüssigkeiten

Weil akute bakterielle Meningitis zu permanenten Gehirn- oder Nervenschäden und zum Tod innerhalb von Stunden führen kann, wird die Behandlung so früh wie möglich aufgenommen, ohne die Ergebnisse der diagnostischen Tests abzuwarten und oft, bevor die Spinalpunktion vorgenommen wird.

An diesem Punkt wissen die Ärzte noch nicht, welche spezifischen Bakterien involviert sind, und können daher nicht wissen, welche Antibiotika am wirksamsten sind. Somit wählen sie Antibiotika, die wirksam gegen die Bakterien sind, die die Infektion am wahrscheinlichsten verursachen, und sie geben für gewöhnlich zwei oder mehr Antibiotika, die wirksam gegen viele Bakterien sind. Die Antibiotika werden intravenös verabreicht. Weil die Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) durch das Herpesvirus der bakteriellen Meningitis ähnelt, wird auch oft ein antivirales Arzneimittel verabreicht, was gegen das Virus wirksam ist. Wenn der infizierende Organismus, für gewöhnlich eine spezifische Bakterienspezies, identifiziert und getestet ist, werden die Antibiotika durch die gegen diesen Organismus wirksamsten Antibiotika ersetzt und unnötige Antibiotika und antivirale Arzneimittel werden abgesetzt.

Dexamethason (ein Kortikosteroid) wird verabreicht, um die Schwellung des Gehirns zu kontrollieren. Es wird 15 Minuten vor oder zur selben Zeit wie die erste Dosis Antibiotika verabreicht, weil die Schwellung sich verschlimmern kann, wenn Antibiotika die Bakterien zersetzen. Dexamethason wird 4 Tage weiter verabreicht. Dexamethason kann auch den Druck im Schädel verringern. Wenn die Nebennieren beschädigt sind (wie beim Waterhouse-Friderichsen-Syndrom), kann Dexamethason oder ein anderes Kortikosteroid die von diesen Drüsen normalerweise produzierten Kortikosteroide ersetzen.

Andere Infektionen, welche von Meningitis verursacht werden oder worden sind, erfordern ebenfalls eine Behandlung. Die Infektionen schließen Sepsis, Pneumonie und eine Herzinfektion, die bakterielle Endokarditis genannt wird, ein.

Durch Fieber, Schwitzen, Erbrechen und verminderten Appetit verlorene Flüssigkeit wird ersetzt, für gewöhnlich durch eine Vene (intravenös).

Weil bakterielle Meningitis oft mehrere Organe beeinträchtigt und ernsthafte Komplikationen verursacht, werden die Betroffenen für gewöhnlich auf die Intensivstation verlegt.

Behandlung von Komplikationen

Die Komplikationen können spezifische Behandlung erfordern.

  • Anfälle: Antiepileptika werden verabreicht.

  • Schock: Es werden zusätzlich Flüssigkeit und manchmal Arzneimittel (intravenös) verabreicht, um den Blutdruck zu erhöhen und den Schock zu behandeln, der beim Waterhouse-Friderichsen Syndrom auftreten kann.

  • Koma: Mechanische Beatmung kann notwendig werden.

  • Gefährlicher erhöhter Druck innerhalb des Schädels (intrakranielle Hypertonie): Das Kopfende des Betts wird aufgerichtet und Kortikosteroide werden angewendet, um den Druck im Schädel zu verringern. Wenn der Druck schnell verringert werden muss, wird mechanisch beatmet. Mechanische Beatmung verringert den Kohlendioxidgehalt im Blut und daher den Druck in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Ebenso kann Mannitol intravenös verabreicht werden. Mannitol bringt die Flüssigkeit im Gehirn dazu, sich in die Blutbahn zu verlagern, und reduziert daher den Druck innerhalb des Schädels. Der Druck innerhalb des Schädels kann mit einem kleinen, mit einer Anzeige verbundenen Schlauch (Katheter) überwacht werden. Der Katheter wird durch eine kleine, in den Schädel gebohrte Öffnung eingeführt. Der Katheter kann auch genutzt werden, um Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit zu entfernen und damit den Druck, wenn nötig, zu verringern.

  • Subdurales Empyem: Ein Chirurg könnte veranlasst sein den Eiter abfließen lassen, um eine erfolgreiche Erholung sicherzustellen.

Prognose

Bei frühzeitiger Behandlung erholen sich die meisten Patienten mit Meningitis gut. Wenn aber die Behandlung verspätet erfolgt, sind permanente Gehirn- oder Nervenschäden wahrscheinlicher, besonders bei sehr jungen Kindern und Personen über 60.

Bei manchen Personen erfordern die von Meningitis verursachten Anfälle eine lebenslange Behandlung.

Die Patienten mit Meningitis können Probleme wie permanente geistige Behinderung, Probleme mit ihrem Erinnerungsvermögen oder ihrer Konzentration, Lernbehinderungen, Verhaltenserkrankungen, Lähmung, Doppelsehen oder teilweisen oder kompletten Gehörverlust haben.

Vorbeugung

Personen mit akuter bakterieller Meningitis (besonders mit Meningokokkenmeningitis) werden in der Regel isoliert, bis die Infektion kontrolliert ist und sie die Infektion nicht mehr verbreiten können, gewöhnlich für ungefähr 24 Stunden.

Gegen verschiedene Formen der bakteriellen Meningitis sind Impfstoffe erhältlich.

Meningokokkenmeningitis

Ein Impfstoff (Meningokokken-Impfstoff) kann bei der Vorbeugung einer Meningokokkenmeningitis helfen. Die folgenden Personen sind zu impfen:

  • Kinder im Alter von 2 Monaten bis 10 Jahren, falls ihr Immunsystem geschwächt ist (wenn sie zum Beispiel eine Immunschwächekrankheit haben) oder falls sie keine funktionierende Milz haben

  • Alle Kinder im Alter zwischen 11 und 12 Jahren und eine Auffrischung mit 16 Jahren

  • Ältere Kinder und Studenten, die in Wohnheimen wohnen, wenn sie nicht schon geimpft wurden

  • Militärrekruten, wenn sie nicht schon geimpft wurden

  • Personen, die in Gebiete reisen, wo die Infektion weitverbreitet ist oder dort leben

  • Personen, die den Bakterien wiederholt ausgesetzt waren, wie zum Beispiel Laborpersonal

Der Impfstoff wird auch benutzt, wenn eine Epidemie auftritt oder wenn eine Epidemie in einer Gruppe von Personen droht, die zusammen in beengten Verhältnissen lebt.

Meningitis verursacht durch Streptococcus pneumoniae

Ein Impfstoff, der dabei hilft, gegen diese Infektion zu schützen (Pneumokokken-Impfstoff), wird Kindern routinemäßig verabreicht (siehe Abbildung mit Impfschema bei Säuglingen und Kindern).

Meningitis verursacht durch Haemophilus Influenzae

Kinder werden jetzt routinemäßig mit dem Haemophilus-influenzae-Typ-B-Impfstoff geimpft (siehe Abbildung mit Impfschema bei Säuglingen und Kindern). In Industrieländern hat dieser Impfstoff die einst meistverbreitete Ursache der Meningitis bei Kindern faktisch ausgerottet.

Vorbeugung nach Kontakt mit einer Meningitis

Familienmitglieder, medizinisches Personal und andere, die im engen Kontakt mit Patienten, die Meningokokkenmeningitis haben, stehen, sollten als vorbeugende Maßnahme ein Antibiotikum verabreicht erhalten (wie orales Rifampin oder Ciprofloxacin oder per Injektion verabreichtes Ceftriaxon). Vorbeugende Antibiotika werden in der Regel nur bei einer Meningokokkenmeningitis und bei einer Meningitis benötigt, die durch Haemophilus influenzae verursacht wurde.

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