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Meningokokken-Infektionen

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Quellen zum Thema

Meningokokken-Infektionen werden durch das BakteriumNeisseria meningitidis hervorgerufen und umfassen Hirnhautentzündung (Meningitis) sowie Blutvergiftung (Sepsis).

  • Übertragen wird die Infektion durch direkten Kontakt mit Nasen- und Rachensekreten.

  • Die Betroffenen verspüren ein allgemeines Krankheitsgefühl und haben je nach infizierter Körperregion weitere, oft schwere Symptome.

  • Die Identifizierung der Bakterien mithilfe einer Probennahme des infizierten Gewebes bestätigt die Diagnose.

  • Es müssen so schnell wie möglich intravenös Antibiotika und Flüssigkeit verabreicht werden.

Bei mehr als 90 Prozent aller Meningokokken-Infektionen handelt es sich um Folgendes:

  • Meningitis (Hirnhautentzündung): Infektion der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen)

  • Sepsis: Infektion in der Blutbahn (sogenannte Meningokokkämie, wenn Meningokokken die Erreger sind)

Infektionen der Lunge, der Gelenke und des Herzens kommen weniger häufig vor.

In gemäßigten Klimazonen treten die meisten Meningokokken-Infektionen im Winter und Frühling auf. Lokale Krankheitsausbrüche können auftreten, vor allem in Afrika südlich der Sahara zwischen Senegal und Äthiopien. Diese 26 Länder umfassende Gegend wird auch als Meningitisgürtel bezeichnet.

Meningokokken befinden sich bei manchen Menschen im Rachen und in der Nase, ohne irgendwelche Symptome hervorzurufen. Diese Menschen gelten als Träger der Bakterien. Nach Ausbrüchen werden Menschen oft zu Trägern. Gewöhnlich tritt die Infektion bei Menschen auf, die noch keinen Meningokokkenerregern ausgesetzt waren, und nicht bei Trägern. Übertragen wird die Infektion durch direkten Kontakt mit den Nasen- und Rachensekreten infizierter Personen (einschließlich Träger).

Am häufigsten betroffene Bevölkerungsgruppe:

  • Kinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren

Weitere Bevölkerungsgruppen, die häufig betroffen sind:

  • Jugendliche

  • Militärrekruten

  • Hochschulstudenten im ersten Studienjahr, die im Studentenwohnheim leben

  • Reisende in Gegenden, wo Meningokokken-Infektionen weit verbreitet sind

  • Personen mit bestimmten Erkrankungen des Immunsystems

  • Personen, deren Milz entfernt oder beschädigt wurde

  • Patienten unter Eculizumab (Medikament zur Hemmung des Komplementsystems)

  • Mikrobiologen, die mit Meningokokken arbeiten

Meningokokken-Infektionen kommen unter AIDS-Kranken häufiger als in der Allgemeinbevölkerung vor. Ebenfalls zu einem erhöhten Infektionsrisiko beitragen kann es, wenn man sich eine Virusinfektion einfängt, auf engem Raum mit anderen Personen zusammenwohnt, an einer chronischen Erkrankung leidet, raucht oder Zigarettenrauch ausgesetzt ist (Passivrauchen).

Ausbrüche machen nur einen kleinen Teil der Fälle aus und betreffen tendenziell eher Personen, die enge soziale Kontakte haben oder auf engem Raum zusammenwohnen – zum Beispiel in Studentenwohnheimen oder Tagesstätten.

Symptome

Die meisten Betroffenen fühlen sich bei einer Meningokokken-Infektion sehr krank.

Eine Meningitis (Hirnhautentzündung) ruft häufig Fieber, Kopfschmerzen, einen roten Ausschlag und Genickstarre hervor. Sie kann auch Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit verursachen. Säuglinge haben möglicherweise Probleme bei der Nahrungsaufnahme, schreien nur schwach und sind reizbar und träge.

Eine Blutvergiftung kann einen Ausschlag mit roten oder lilafarbenen Flecken hervorrufen. Bei einer schweren Infektion kann es zu gefährlich niedrigem Blutdruck (Kreislaufschock), einer Blutungsneigung und Fehlfunktionen (Versagen) vieler Organe (wie Nieren und Leber) kommen.

Insgesamt verlaufen Meningokokken-Infektionen bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen trotz Behandlung tödlich. Bis zu 40 Prozent der Patienten mit einer schweren Blutvergiftung sterben. Von den Patienten, die überleben, erleiden 10 bis 15 Prozent schwere Komplikationen wie z. B. dauerhaften Hörverlust, kognitive Defizite, Krampfanfälle oder den Verlust von Fingern, Zehen oder ganzen Gliedmaßen infolge von Gangrän.

In seltenen Fällen entwickelt sich die Infektion langsamer und verursacht schrittweise leichtere Symptome.

Diagnose

  • Untersuchung und Kultur von Blutproben oder Proben anderer infizierter Gewebe, u. a. der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Entnahme durch Lumbalpunktion)

Vermutet werden Meningokokken-Infektionen bei Vorhandensein typischer Symptome, insbesondere wenn diese während eines Ausbruchs vorkommen.

Zur Bestätigung der Diagnose werden Blutproben oder Proben von infiziertem Gewebe entnommen, oder es wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, wobei eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) entnommen wird. Die Proben werden unter dem Mikroskop nach entsprechenden Bakterien untersucht. Außerdem werden die Proben ins Labor geschickt, wo zur Identifizierung der Bakterien Kulturen angelegt oder andere Laboruntersuchungen vorgenommen werden.

Mitunter werden Bluttests durchgeführt, um Antikörper gegen die Bakterien oder die sie umhüllenden Kapseln nachzuweisen. Die entsprechenden Ergebnisse müssen jedoch durch eine Kultur bestätigt werden.

Die Bakterien können auch untersucht werden, um zu bestimmen, welche Antibiotika wirksam sind (ein Prozess, der als Resistenzprüfung bezeichnet wird).

Vorbeugung

Meningokokken-Impfungen schützen vor spezifischen Serotypen, welche die meisten Meningokokken-Infektionen auslösen: Serotypen A, B, C, W und Y.

In den USA gibt es zwei Impfstoffe gegen Meningokokken:

  • MenACWY-Impfstoff: Dieser Impfstoff schützt vor den Meningokokken-Serotypen A, C, W und Y und kann Kindern ab 2 Monaten verabreicht werden.

  • MenB-Impfstoff: Dieser Impfstoff schützt vor dem Meningokokken-Serotyp B und kann Patienten ab 10 Jahren verabreicht werden.

Für Routineimpfungen wird MenACWY verwendet. Geimpft werden damit die folgenden Personen:

  • Alle Kinder im Alter von 11 bis 12 Jahren, mit einer Auffrischungsimpfung im Alter von 16 Jahren

Ebenfalls in Betracht gezogen werden sollte eine Impfung aller gesunden Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 23 Jahren mit dem MenB-Impfstoff (vorzugsweise im Alter von 16 bis 18 Jahren), um einen kurzfristigen Impfschutz in demjenigen Lebensalter zu erreichen, in dem das Risiko einer Infektion mit dem Serotyp B am höchsten ist.

Kindern und Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für Meningokokken-Infektionen (einschließlich jener, die Reisen in den Meningitisgürtel unternehmen) kann je nach Alter, Risikofaktoren und bereits durchgeführten Meningokokken-Impfungen eine oder beide Impfungen verabreicht werden.

Der MenACWY-Impfstoff wird folgenden Bevölkerungsgruppen empfohlen:

  • Bewohner eines von einer Epidemie mit den Serotypen A, C, W oder Y betroffenen Gebiets (zur Eindämmung der Epidemie)

  • Militärrekruten

  • Hochschulstudenten im ersten Studienjahr, die in einem Wohnheim leben

  • Reisende, die in häufig betroffene Gebiete reisen, wie Afrika südlich der Sahara während der Trockenzeit von Dezember bis Juni und Saudi-Arabien während des Hadsch

  • Menschen, die mit Meningokokken im Labor oder in der Industrie arbeiten

  • Personen ab einem Alter von 2 Monaten mit gewissen Erkrankungen des Immunsystems

  • Personen, deren Milz entfernt oder beschädigt wurde (was z. B. bei Patienten mit Sichelzellanämie vorkommen kann)

  • Personen, die Eculizumab einnehmen

  • Personen mit einer HIV-Infektion

Eine Impfung mit dem MenB-Impfstoff wird Personen ab 10 Jahren mit erhöhtem Risiko für Meningokokken-Infektionen empfohlen, so u. a. den folgenden Bevölkerungsgruppen:

  • Personen, die mit einem Ausbruch von Meningokokken-Infektionen des Serotyps B konfrontiert sind

  • Menschen, die mit Meningokokken im Labor oder in der Industrie arbeiten

  • Personen, die unter bestimmten Erkrankungen des Immunsystems leiden

  • Personen, deren Milz entfernt oder beschädigt wurde (was z. B. bei Patienten mit Sichelzellanämie vorkommen kann)

  • Personen, die Eculizumab einnehmen

Nach Exposition gegenüber Meningitiserregern

Familienmitglieder, in der Medizin tätiges Personal und andere Menschen, die in engem Kontakt zu Patienten mit einer Meningokokken-Infektion stehen, sollten zur Vorbeugung der Infektion ein Antibiotikum erhalten. Antibiotika können oral oder als Injektion verabreicht werden. Die meisten empfohlenen Antibiotika sind als Einzeldosis oder höchstens in zwei Behandlungsschritten zu verabreichen.

Bei einem Ausbruch werden auch Personen geimpft, die engen Kontakt mit Meningokokken-Infizierten haben. Die Impfung erfolgt ergänzend zur Gabe von Antibiotika.

Behandlung

  • Intravenöse Antibiotika

  • Intravenös verabreichte Flüssigkeit

  • Möglicherweise Kortikosteroide

Die Betroffenen werden gewöhnlich auf die Intensivstation verlegt, wo sie so schnell wie möglich in intravenöser Form Antibiotika und Flüssigkeit verabreicht bekommen. Dies geschieht noch, bevor die Kulturergebnisse zur Identifizierung des ursächlichen Infektionserregers vorliegen. Wenn die Meningokokken-Infektion bestätigt wird, wird die Antibiotikatherapie auf solche Präparate umgestellt, die gegen die Bakterien am wirksamsten sind, typischerweise intravenöses Ceftriaxon oder Penicillin.

Kindern oder Erwachsenen, die unter Meningitis (Hirnhautentzündung) leiden, werden unter Umständen auch Kortikosteroide verabreicht. Diese können einem Hirnschaden entgegenwirken.

Weitere Informationen

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