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nosokomial erworbene Lungenentzündung

Von

Sanjay Sethi

, MD, University at Buffalo SUNY

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2019| Inhalt zuletzt geändert Apr 2019
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Quellen zum Thema

Eine nosokomial erworbene Lungenentzündung ist eine Lungenentzündung, die bei stationär im Krankenhaus untergebrachten Patienten auftritt, normalerweise nach mindestens zweitägigen Krankenhausaufenthalten.

  • Zahlreiche Bakterien-, Viren- und sogar Pilzinfektionen können bei Krankenhauspatienten eine Lungenentzündung auslösen.

  • Das häufigste Krankheitssymptom ist Husten mit Auswurf, aber auch Brustschmerzen, Schüttelfrost, Fieber und Kurzatmigkeit sind verbreitet.

  • Die Diagnose basiert auf den Symptomen des Patienten und den Ergebnissen einer Röntgenaufnahme oder einer Computertomographie (CT) des Brustkorbs.

  • Antibiotika, antivirale oder antimykotische Medikamente werden je nach der wahrscheinlichen Ursache für die Lungenentzündung (Pneumonie) eingesetzt.

Eine nosokomial erworbene Lungenentzündung ist meist schwerer als eine ambulant erworbene Lungenentzündung (Pneumonie), da hier die Erreger eher aggressiver sind. Außerdem sprechen sie meist nicht so gut auf Antibiotika an (als Resistenz bezeichnet) und sind somit schwieriger zu behandeln. Hinzu kommt, dass die betroffenen Personen in Krankenhäusern für gewöhnlich auch ohne Lungenentzündung bereits krankheitsanfälliger sind und demzufolge eine Infektion weniger gut bekämpfen können.

Risikofaktoren

Schwer kranke Patienten im Krankenhaus, besonders, wenn sie eine andere Krankheit haben und deshalb mit einem Beatmungsgerät künstlich beatmet werden müssen, weisen das höchste Risiko für eine Lungenentzündung (Pneumonie) auf. Weitere Risikofaktoren:

  • Frühere Behandlungen mit Antibiotika

  • Begleiterkrankungen wie Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenstörungen

  • Älter als 70 Jahre

  • Vor Kurzem erfolgter chirurgischer Eingriff am Bauch oder im Brustraum

  • Möglicherweise die Anwendung von Protonenpumpenhemmern (Omeprazol, Esomeprazol, Lansoprazol oder Pantoprazol) zur Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit

  • Entkräftung

Erreger, die normalerweise bei gesunden Menschen keine Lungenentzündung verursachen, können bei geschwächten Personen oder Krankenhauspatienten eine Lungenentzündung auslösen, weil viele von ihnen ein schwächeres Immunsystem haben. Die wahrscheinlichste Krankheitsursache hängt davon ab, welche Erreger im jeweiligen Krankenhaus verbreitet sind, und manchmal auch davon, an welchen anderen Erkrankungen die betreffende Person leidet.

Ursachen

Eine nosokomial erworbene Lungenentzündung wird am häufigsten durch folgende Bakterien verursacht:

MRSA, P. aeruginosa und andere gramnegative Darmbakterien sind oft resistent gegen bestimmte Antibiotika.

Symptome

Die Symptome sind allgemein die gleichen wie bei der ambulant erworbenen Lungenentzündung:

  • Ein allgemeines Schwächegefühl (Malaise)

  • Husten mit Auswurf (fester oder verfärbter Schleim)

  • Kurzatmigkeit

  • Fieber

  • Schüttelfrost

  • Schmerzen im Brustkorb

Wenn die Lungenentzündung in einem Krankenhaus erworben wurde, könnte dies schwieriger festzustellen sein als bei Lungenentzündungen, die ambulant erworben wurden. Viele stationär im Krankenhaus behandelte Menschen, die sich dort eine Lungenentzündung zuziehen (wie z. B. ältere Menschen, an Beatmungsschläuche angeschlossene Patienten, Demenz- oder Schwerkranke), können zum Beispiel Symptome wie Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und Schwäche nicht beschreiben. In diesen Fällen wird die Lungenentzündung oft aufgrund von Fieber und einem Anstieg der Atem- und Herzfrequenz vermutet.

Ältere Menschen mit einer Lungenentzündung können auch verwirrt sein, an Appetitlosigkeit, Unruhe und Aufregung, Stürzen und Inkontinenz (einen unfreiwilligen Harnverlust) leiden.

Wussten Sie ...

  • Eine Lungenentzündung, die sich jemand im Krankenhaus zuzieht (nosokomial erworbene Pneumonie), verläuft meist weit schwerwiegender als ambulant erworbene Lungenentzündungen.

Diagnose

  • Eine Beurteilung der Symptome durch den Arzt

  • Röntgenaufnahme oder Computertomographie (CT) des Brustkorbs

  • Manchmal Blutkulturen

  • Manchmal eine Bronchoskopie oder Thorakozentese

Die Diagnose einer nosokomial erworbenen Lungenentzündung stützt sich auf die Symptome des Patienten und die Ergebnisse einer Röntgen- oder CT-Aufnahme des Brustkorbs. Der Arzt nimmt für gewöhnlich Blut ab und schickt es ins Labor, damit dort das Bakterium gezüchtet (Kultur) und die Bakterien identifiziert werden können.

Patienten mit nosokomial erworbener Lungenentzündung (Pneumonie) können schwer krank sein; daher muss der für die Lungenentzündung verantwortliche Erreger identifiziert werden, um festzustellen, was die beste Behandlungsmöglichkeit wäre. Aus diesen Gründen wird manchmal Folgendes durchgeführt: Bronchoskopie um zur Identifizierung des Erregers Proben aus der Lunge selbst zu entnehmen. Bei einer Bronchoskopie wird ein flexibler Schlauch in die Luftröhre und die Lunge eingeführt. Eiter-, Sekret- oder auch Lungengewebeproben können zur Untersuchung entnommen werden. Wenn keine Sekrete sichtbar sind, kann ein Bereich der Lunge mit einer Flüssigkeit gespült werden, die anschließend zu Analysezwecken wieder abgesaugt wird (ein Verfahren namens bronchoalveoläre Lavage). Wenn sich Flüssigkeit in der Lungenschleimhaut angesammelt hat (sogenannter Pleuraerguss), können Ärzte eine Nadel in die Brust einführen, um Flüssigkeit für eine Kultur zu entnehmen (ein Verfahren, das Thorakozentese genannt wird).

Prognose

Trotz bester Behandlungsmethoden sterben eine hohe Zahl der Betroffenen an einer nosokomial erworbenen Lungenentzündung (Pneumonie). Der Tod hängt jedoch oft mit den zugrundeliegenden gesundheitlichen Problemen zusammen, die zur Entwicklung einer Lungenentzündung führten (z. B. stark gestreuter Krebs).

Der Alterungsprozess im Visier: Lungenentzündung (Pneumonie)

Lungenentzündungen treten häufiger bei älteren als bei jüngeren Menschen auf und sind tendenziell auch ernster. Bei vielen älteren Menschen breitet sich die Infektion über die Lunge hinweg aus.

Ältere Menschen haben geschwächte Abwehrmechanismen gegen Infektionen. Die Mechanismen, mit denen Mikroorganismen aus den Atemwegen entfernt werden, sind bei älteren Menschen nicht mehr so wirkungsvoll wie bei jüngeren. Da sie schwächer sind, können sie nicht mehr so energisch husten. Mit zunehmendem Alter wird auch das Immunsystem immer schwächer. Ältere Menschen weisen in folgenden Fällen ein erhöhtes Risiko einer Lungenentzündung auf:

  • Wenn ihre Lunge vom Rauchen (Rauchen reizt die Auskleidung der Lunge und lähmt die Zellen, die normalerweise für die Reinigung der Atemwege zuständig sind) oder durch eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung geschädigt ist

  • Wenn ihre Lunge kürzlich durch eine leichte Infektion wie z. B. eine Erkältung oder insbesondere eine Grippe gereizt worden ist

  • Wenn sie einen schlechten Hustenreflex haben, z. B. aufgrund eines vorhergehenden Schlaganfalls, oder zu schwach sind, um energisch zu husten (oder, wenn sie aufgrund einer Operation oder eines Unfalls Schmerzen haben)

  • Wenn sie Infektionen weniger gut bekämpfen können, wie z. B. bei einer Unterernährung

  • Wenn sie bestimmte Medikamente wie z. B. Kortikosteroide einnehmen

  • Wenn sie unter bestimmten Krankheiten wie z. B. Herzinsuffizienz oder Diabetes leiden

  • Wenn sie eine Krebserkrankung in den Atemwegen oder in der Lunge haben (der Tumor kann die Atemwege blockieren, wodurch sich Mikroorganismen in den Lungenbläschen anhäufen können)

  • Wenn sie gelähmt sind (z. B. wegen einer Rückenmarkverletzung oder eines Schlaganfalls)

  • Wenn sie nicht ganz bei Bewusstsein sind (zum Teil, weil sie dann nicht husten können)

Mit Impfstoffen kann einigen Infektionen aufgrund von Mikroorganismen, die Lungenentzündungen verursachen, vorgebeugt werden. Ärzte empfehlen zum Beispiel, dass sich Menschen ab 65 Jahren mit einer Pneumokokken-Impfung schützen. Personen unter 65 Jahren mit einem Gesundheitszustand, durch den sie ein höheres Risiko für eine Lungenentzündung haben, sollten ebenfalls geimpft werden. Ebenfalls speziell für ältere Leute wird die jährliche Grippeimpfung empfohlen, weil das Influenzavirus auch eine Lungenentzündung verursachen oder dazu beitragen kann.

Die meisten älteren Leute, die sich eine Lungenentzündung zuziehen, werden im Krankenhaus mit intravenös verabreichten Antibiotika behandelt. Lungenentzündungen können sich bei älteren Menschen sehr rasch verschlimmern, und sie sprechen auch weniger gut auf oral einzunehmende Antibiotika an.

Behandlung

  • Antibiotika

Die nosokomial erworbene Lungenentzündung (Pneumonie) wird mit Antibiotika behandelt, die auf Basis der wahrscheinlichsten Erreger und anhand der spezifischen Risikofaktoren der jeweiligen Person ausgewählt werden. Sehr schwer kranke Patienten können auch auf die Intensivstation verlegt und an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Die Behandlung umfasst intravenös verabreichte Antibiotika, Sauerstoff und intravenös verabreichte Flüssigkeit.

Eine Reihe von Antibiotika können eingesetzt werden, unter anderem:

  • Aztreonam

  • Cefepim

  • Ceftazidim

  • Gemifloxacin

  • Gentamycin

  • Imipenem

  • Levofloxacin

  • Linezolid

  • Meropenem

  • Moxifloxacin

  • Piperacillin und Tazobactam

  • Tobramycin

  • Vancomycin

Diese Medikamente werden einzeln oder in Kombination verabreicht.

Palliativmedizinische Aspekte bei schwerer Lungenentzündung

Manche Patienten mit nosokomial erworbener Lungenentzündung sind schwer krank. Eine Lungenentzündung wird oft mit starken Antibiotika und, falls erforderlich, künstlicher Beatmung behandelt. Menschen, die ohnehin kurz vor dem Tod stehen, können daher eine derart aggressive Behandlung ablehnen. Patienten mit schweren oder unheilbaren Erkrankungen sollten mit ihren Ärzten und Familienangehörigen beim Eintritt in ein Krankenhaus besprechen, wie eine etwaige Lungenentzündung oder andere schwere Komplikationen zu behandeln sind.

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