Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Lädt...

Lungenembolie (LE)

Von

Victor F. Tapson

, MD, Cedars-Sinai Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2018| Inhalt zuletzt geändert Dez 2018
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Kurzinformationen
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Quellen zum Thema

Bei einer Lungenembolie wird eine Lungenarterie (Pulmonalarterie) durch eine mit dem Blutfluss eingeschwemmte Ansammlung von Feststoffen (Embolus) verschlossen – in der Regel handelt es sich dabei um ein Blutgerinnsel (Thrombus), seltener um andere Substanzen.

  • Die Lungenembolie wird meistens durch ein Blutgerinnsel ausgelöst, obwohl auch andere Substanzen einen Embolus bilden und Arterien verstopfen können.

  • Die Symptome der Lungenembolie sind unterschiedlich, wobei es aber meist zu Kurzatmigkeit kommt.

  • Bei der Diagnose einer Lungenembolie wird oft mithilfe einer Computertomographie(CT)-Angiographie oder Lungenszintigraphie nach einer verstopften Pulmonalarterie gesucht.

  • Antikoagulanzien (die auch Blutverdünner genannt werden) können Patienten mit hohem Risiko zur Vorbeugung von Lungenembolien gegeben werden.

  • Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer) werden eingesetzt, damit sich ein bestehender Embolus nicht vergrößert, während das Gerinnsel im Körper aufgelöst wird. Bei Patienten, die in Lebensgefahr schweben, können noch andere Maßnahmen notwendig sein (wie z. B. Medikamente zur Auflösung von Blutgerinnseln oder auch Operationen).

Die Pulmonalarterien führen Blut vom Herzen zur Lunge. Dort nimmt das Blut Sauerstoff aus der Lunge auf und wird zum Herzen zurückgeführt. Danach wird das Blut aus dem Herzen in den Körper gepumpt, wo es das Gewebe mit Sauerstoff versorgt. Beim Verschluss einer Pulmonalarterie durch einen Embolus kann es sein, dass nicht genügend Sauerstoff ins Blut gelangt. Ein großer Embolus (massive oder Hochrisiko-Lungenembolie) kann zu einer Überanstrengung des Herzens führen, wenn es Blut durch die verbleibenden offenen Pulmonalarterien pumpen muss. Wenn dies geschieht oder wenn das Herz zu wenig Blut pumpen kann, kommt es zu einem Schock mit möglicherweise tödlichen Folgen. Manchmal führt die Durchblutungsstörung zu einem Lungeninfarkt, der starke Schmerzen verursachen kann, aber nicht bleibend (reversibel) ist.

Kleinere Blutgerinnsel löst der Organismus in der Regel rascher auf als größere Gerinnsel und hält dadurch die Schädigung in Grenzen. Größere Gerinnsel lösen sich hingegen viel langsamer auf. Aus noch unbekannten Gründen brechen die Gerinnsel bei einem kleinen Teil der Betroffenen nicht auf und bilden Narben, die dauerhaft Symptome verursachen können.

Von einer Lungenembolie sind in den Vereinigten Staaten jährlich 350.000 Personen betroffen und 85.000 sterben daran. Sie betrifft hauptsächlich Erwachsene.

Ursachen

Die häufigste Art einer Lungenembolie ist ein

  • Blutgerinnsel

Normalerweise entsteht das Blutgerinnsel in einer Bein- oder Beckenvene, wenn sich der Blutfluss verlangsamt oder stoppt, wie dies bei Beinvenen der Fall sein kann, wenn jemand nach einer Verletzung (zum Beispiel einer Hüftfraktur) oder größeren Operation längere Zeit in derselben Position verharrt, oder durch langes Sitzen während einer Reise. Weitere Ursachen sind Erkrankungen, durch die das Blut eher gerinnt, oder das Vorliegen einer fremden Substanz im Blut (zum Beispiel ein intravenöser Katheter).

Manchmal lässt sich nicht feststellen, warum sich in den Venen Blutgerinnsel bilden, aber oft sind die Risikofaktoren, die jemanden dafür anfälliger machen, offensichtlich. Dazu gehören u. a. folgende Erkrankungen:

  • Fortgeschrittenes Alter, insbesondere ab 60 Jahren

  • Blutgerinnungsstörung mit erhöhtem Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln (Hyperkoagulabilität)

  • Krebs

  • Katheter in einer großen Vene zur Verabreichung von Medikamenten oder Nährstoffen (Venendauerkatheter)

  • Bewegungsmangel (z. B. nach einer Operation oder einer Krankheit oder bei einer langen Autofahrt oder bei Flugreisen)

  • Becken-, Hüft- oder Beinverletzungen

  • Eine Nierenerkrankung, das Nephrotische Syndrom

  • Größere Operationen in den vergangenen 3 Monaten

  • Störungen des Knochenmarks, wodurch das Blut zu dick wird

  • Fettleibigkeit (Adipositas)

  • Schwangerschaft und Zeitraum nach der Entbindung

  • Frühere Blutgerinnsel

  • Rauchen

  • Einnahme von Östrogenen, z. B. im Rahmen einer Behandlung von klimakterischen Beschwerden oder zur Empfängnisverhütung (mit besonders hohem Risiko bei Raucherinnen oder Frauen über 35 Jahren)

  • Einnahme von Östrogenrezeptormodulatoren (wie z. B. Raloxifen oder Tamoxifen)

  • Anwendung einer Testosteronbehandlung

Wer lange sitzt, ohne sich zu bewegen (wie z. B. bei Langstreckenflügen), weist ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko auf.

Viel seltener bilden sich Blutgerinnsel in den Armvenen. Gelegentlich befinden sich Blutgerinnsel auf der rechten Herzseite, die in die Lungen wandern. Wenn sich ein Blutgerinnsel löst, wandert es in der Regel mit dem Blut in Richtung Lunge.

Ungewöhnliche Arten von Embolien

Der plötzliche Verschluss einer Lungenarterie wird nicht nur durch Blutgerinnsel verursacht. Auch andere Substanzen können einen Embolus bilden.

  • Bei einem Knochenbruch oder einer Knochenoperation kann Fett aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf gelangen und einen Embolus bilden. Manchmal kann sich Fett auch bei Eingriffen wie Liposuktion und Fetttransplantation ablösen.

  • Fruchtwasser kann während einer komplizierten Geburt in die Beckenvenen gepresst werden und einen Embolus bilden.

  • Krebszellen können ebenfalls als Klumpen in den Blutkreislauf gelangen und einen Embolus bilden.

  • Luftblasen können eine Embolie verursachen, wenn über einen Zentralvenenkatheter versehentlich Luft in den Blutkreislauf gelangt. Luftembolien können auch bei einem chirurgischen Eingriff an einer Vene (beispielsweise beim Entfernen eines Blutgerinnsels) entstehen. Tauchen stellt ebenfalls ein Risiko dar (Dekompressionskrankheit).

  • Auch infektiöse Substanzen können einen Embolus bilden und in die Lunge gelangen. Dafür verantwortlich sind u. a. intravenös verabreichte Drogen oder Medikamente, gewisse Infektionen der Herzklappen und entzündete Venen mit der Bildung von Blutgerinnseln und Infektionen (septische Thrombophlebitis).

  • Körperfremde Substanzen gelangen in der Regel durch das intravenöse Einspritzen von anorganischen Materialien, wie etwa Talk oder Quecksilber bei Drogenabhängigen, in den Blutkreislauf, wo sie einen Embolus bilden und in die Lunge vordringen können.

  • Zement kann gelegentlich nach einem Verfahren namens Vertebroplastie in den Blutkreislauf gelangen.

Symptome

Die Symptome der Lungenembolie hängen immer vom Ausmaß des Verschlusses der Pulmonalarterie sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen ab. So weisen Menschen, die an einer anderen Erkrankung wie z. B. einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung oder einer koronaren Herzkrankheit leiden, möglicherweise stärker behindernde Symptome auf.

Ein kleiner Embolus muss keine Symptome hervorrufen, aber oft treten Symptome sehr plötzlich auf.

Symptome einer Lungenembolie sind unter anderem:

  • Kurzatmigkeit

  • Schmerzen im Brustkorb

  • Benommenheit oder Ohnmacht

Kurzatmigkeit kann das einzige Symptom sein, besonders wenn es nicht zu einem Lungeninfarkt kommt. Häufig beschleunigt sich die Atmung enorm, und die betroffene Person wird unruhig und bekommt Angst.

Manche Patienten haben Schmerzen in der Brust. Der Herzschlag beschleunigt sich und/oder wird unregelmäßig.

Insbesondere bei sehr großen Emboli sind die ersten Symptome der Lungenembolie Benommenheit oder Bewusstlosigkeit. Wenn eine Person plötzlich ohnmächtig wird, kann ihr Körper wie bei einem Krampfanfall stark zittern. Der Blutdruck kann bis auf gefährlich niedrige Werte abnehmen (als Kreislaufschock bezeichnet), die Haut kann kalt sein und eine bläuliche Farbe annehmen (Zyanose) und es kann auch plötzlich der Tod eintreten.

Bei älteren Menschen kann Verwirrtheit oder eine Verschlechterung des geistigen Zustands zu den ersten Symptomen der Lungenembolie gehören. Zu diesen Symptomen kommt es in der Regel, wenn das Herz plötzlich nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut zum Gehirn und zu anderen Organen pumpen kann.

Lungeninfarkt

Bei einem Lungeninfarkt stirbt Lungengewebe ab, weil das Lungengewebe nicht ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird. Auf Bildgebungsstudien scheint dieses Gewebe aufgrund der Verstopfung eines Lungenblutgefässes durch eine Lungenembolie abzusterben. Der Embolus, der den Lungeninfarkt auslöst, ist dabei meist klein. Die Symptome eines Lungeninfarkts entwickeln sich innerhalb von Stunden. Bei einem Lungeninfarkt kann es zu Husten mit blutigem Auswurf, stechenden Brustschmerzen beim Einatmen und manchmal auch Fieber kommen. Die Infarktsymptome halten oft einige Tage an, werden aber in der Regel von Tag zu Tag schwächer.

Wiederkehrende Embolien

Bei den wenigen Menschen, deren Emboli teilweise oder vollständig bestehen bleiben, kann der Blutdruck in den Blutgefäßen der Lunge ansteigen. Der Anstieg im Blutdruck kann zu Symptomen wie Kurzatmigkeit, Schwäche und Anschwellen der Knöchel oder Beine, die über Wochen, Monate oder Jahre hinweg zunehmend stärker werden, führen.

Diagnose

  • Pulsoximetrie und Röntgenuntersuchung des Brustkorbs

  • CT-Angiographie, Ultraschalluntersuchung der Beine, Lungenperfusionsszintigraphie oder eine Kombination

Der Verdacht auf eine Lungenembolie stützt sich auf die Symptome und Risikofaktoren der jeweiligen Person – etwa eine kürzlich durchgeführte Operation, längere Bettlägerigkeit oder eine Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln. Große Lungenembolien können relativ leicht diagnostiziert werden, besonders, wenn offensichtliche Vorbedingungen vorliegen, die zu einer Lungenembolie führen können, wie z. B. Anzeichen eines Blutgerinnsels in einem Bein. In vielen Fällen sind die Symptome jedoch minimal oder werden mit Symptomen anderer Erkrankungen, wie Lungenentzündung (Pneumonie), einem Herzinfarkt, Asthma oder sogar Nierensteinen verwechselt. Das ist ein wichtiger Grund, warum eine Lungenembolie oft schwer zu diagnostizieren ist. Es handelt sich bei Lungenembolien gar um eine der am schwierigsten zu erkennenden und zu diagnostizierenden schweren Erkrankungen.

Bestimmte Routinetests können darauf hindeuten, dass eine Lungenembolie aufgetreten ist. Mit diesen Tests kann aber nicht mit Sicherheit festgestellt werden, ob tatsächlich eine Lungenembolie vorliegt.

Tests, die auf eine Lungenembolie hindeuten

Auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs können die Blutgefäße leicht verändert sein und auch Anzeichen eines Lungeninfarkts aufweisen. Allerdings erscheinen die Aufnahmen oft ganz normal, und selbst wenn Veränderungen sichtbar sind, geben sie nur selten Anhaltspunkte für eine sichere Diagnose.

Auf einem Elektrokardiogramm (EKG) können Auffälligkeiten zu sehen sein, welche die Diagnose einer Lungenembolie unterstützen oder auf diese zwar hindeuten, sie jedoch nicht bestätigen können.

Der Sauerstoffspiegel im Blut wird mit einem Sensor an der Fingerspitze gemessen (Oximetrie). Da eine Lungenembolie die Lungenarterien blockiert, kann der Sauerstoffgehalt im Blut niedrig sein. Manchmal wird auch eine Blutprobe entnommen und die Konzentration von Sauerstoff und anderen Gasen bestimmt.

Zunächst wird aufgrund verschiedener Informationen die Wahrscheinlichkeit bestimmt, dass eine Lungenembolie vorliegt. Dazu zählen das individuelle Risiko einer Lungenembolie, der Schweregrad der Symptome und die Ergebnisse früherer Tests (wie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs und Sauerstoffgehalt des Blutes). Vor allem kann es sein, dass offensichtliche Risikofaktoren gänzlich fehlen.

Wenn eine Lungenembolie unwahrscheinlich scheint, wird typischerweise ein Bluttest zur Messung einer Substanz namens D‑Dimer durchgeführt. Dieser Test kann bei diesen Personen der einzige erforderliche Test sein. Wenn der D-Dimer-Spiegel normal ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lungenembolie vorliegt, äußerst gering. Auch wenn hier ein geringer D-Dimer-Wert bedeutet, dass das Vorliegen einer Lungenembolie unwahrscheinlich ist, bedeutet ein hoher Spiegel nicht unbedingt, dass eine Lungenembolie wahrscheinlich ist. Andere Störungen, wie eine Infektion oder Verletzung, können ebenfalls einen hohen D-Dimer-Spiegel bewirken, sodass zur Diagnosebestätigung zusätzliche Tests notwendig sind.

Wenn das Vorliegen einer Lungenembolie wahrscheinlich oder wenn das Ergebnis des D-Dimer-Tests auffällig ist, werden weitere Tests durchgeführt, darunter einer oder mehrere der folgenden:

Tests zur Diagnose einer Lungenembolie

Die CT-Angiographie ist eine Art CT-Aufnahme. Sie ist besonders bei großen Gerinnseln eine schnelle, nichtinvasive und ziemlich präzise Methode. Bei diesem Test wird ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Dieses Mittel gelangt in die Lunge, wo mit einem CT-Gerät das Blut in den Arterien sichtbar gemacht wird, um beurteilen zu können, ob eine Lungenembolie den Blutfluss blockiert. Die CT-Angiographie ist das am häufigsten genutzte bildgebende Verfahren zur Diagnose von Lungenembolien. Die Größe des Herzens kann ebenfalls darauf hinweisen, wie stark das Herz belastet wird.

Eine Lungenventilations- und Lungenperfusionsszintigraphie ist nichtinvasiv und ziemlich zuverlässig, dauert aber länger als eine CT-Aufnahme. Dabei wird eine geringe Menge eines radioaktiven Stoffes in eine Vene gespritzt, von wo aus die Substanz in die Lunge gelangt, wo sie deren Durchblutung (Perfusion) genau erkennen lässt. Unauffällige Szintigramme deuten normalerweise darauf hin, dass bei der betroffenen Person keine wesentliche Obstruktion eines Blutgefäßes vorliegt. Auffällige Szintigramme stützen die Möglichkeit einer Lungenembolie, können aber auch auf die Wahrscheinlichkeit anderer Erkrankungen wie Emphyseme hinweisen, die zu einer Minderdurchblutung des beschädigten Lungengewebes führen können.

In der Regel verbindet man die Perfusionsszintigraphie zur Kontrolle der Lungendurchblutung mit einer Lungenventilationsszintigraphie zur Prüfung der Lungenbelüftung. Bei diesem Test inhaliert die betreffende Person ein harmloses Edelgas mit einer Spur radioaktiver Stoffe, die sich im Gesamtbereich der Lungenbläschen (Alveolen) verteilen. Auf dem Bildschirm werden die Bereiche sichtbar, in denen Kohlendioxid abgegeben und Sauerstoff aufgenommen wird. Wird diese Aufnahme mit der Darstellung der Durchblutung aus der Perfusionsszintigraphie verglichen, kann in der Regel beurteilt werden, ob eine Lungenembolie vorliegt. Die Lungenperfusionsszintigraphie wird manchmal durchgeführt, wenn Nierenprobleme vorliegen, die die Anwendung einer CT-Angiographie verhindern, da das für die CT verwendete Kontrastmittel die Nieren weiter schädigen könnte.

Die Ultraschalluntersuchung der Beine ist nichtinvasiv und es können Gerinnsel in den Beinen erkannt werden, die in der Regel für eine Lungenembolie verantwortlich sind. Wenn mit dieser Methode keine Gerinnsel gefunden werden, kann eine Lungenembolie aber nicht ausgeschlossen werden. Falls aber Blutgerinnsel durch die Ultraschalluntersuchung aufgedeckt werden, und der Patient nur an geringfügigen Symptomen der Lunge leidet, wird mitunter ohne weitere Tests die Behandlung einer Lungenembolie eingeleitet, da beide Krankheiten gleich behandelt werden.

Eine Angiographie der Pulmonalarterien ist selten notwendig, um eine Lungenembolie zu diagnostizieren.

Tests auf schwere oder wiederauftretende Embolien

Mit einer Echokardiographie kann festgestellt werden, ob im rechten Vorhof oder in der rechten Herzkammer des Herzens ein Blutgerinnsel ist. Die Ergebnisse dieses Tests können bei der Bestimmung des Schweregrads der Embolie hilfreich sein, denn sie zeigen, dass die rechte Herzseite beim Versuch, Blut am Gerinnsel vorbeizupumpen, überbelastet wird.

Bei Personen, die keine offenkundigen Risikofaktoren für Blutgerinnsel oder wiederkehrende Gerinnsel haben, können zudem die Proteine im Blut gemessen werden, um zu bestimmen, ob eine Blutgerinnungsstörung die Ursache sein könnte.

Prognose

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Lungenembolie zu sterben, ist enorm gering, aber eine massive kann durchaus plötzlich zum Tod führen. Die meisten Todesfälle treten ein, bevor diese Diagnose vermutet wird – oftmals innerhalb von ein paar Stunden nach der Bildung des Embolus. Wichtige Faktoren für eine Prognosestellung sind:

  • Die Größe des Embolus

  • Die Größe der verschlossenen Lungenarterien

  • Die Anzahl der verschlossenen Lungenarterien

  • Die Wirkung auf die Pumpleistung des Herzens

  • Der allgemeine Gesundheitsstatus

Faktoren, die bei der Bestimmung der Prognose helfen, umfassen Indikatoren zur Reaktion des Körpers, wie Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt und ob Medikamente eingenommen werden, die den Blutdruck erhöhen können.

Wer ein schweres Herz- oder Lungenproblem hat, weist auch das größere Risiko auf, aufgrund einer Lungenembolie zu sterben. Personen mit normaler Herz- und Lungenfunktion überleben in der Regel, sofern der Embolus nicht mehr als die Hälfte der Pulmonalarterien verstopft.

Wussten Sie ...

  • Die Lungenembolie ist eine der häufigsten Ursachen für ungeklärte Todesfälle.

Vorbeugung

Angesichts der Gefahr von Lungenembolien und der eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten wird versucht, die Bildung von Blutgerinnseln in den Venen von Risikopatienten zu verhindern. Besonders denjenigen von ihnen mit einer erhöhten Gerinnungsneigung wird im Allgemeinen geraten, aktiv zu bleiben und sich so viel wie möglich zu bewegen. Bei längeren Flugreisen beispielsweise sollten sie mindestens alle 2 Stunden aufstehen und sich bewegen.

Die Ärzte wählen Antikoagulanzien, Maßnahmen zur mechanischen Vorbeugung oder eine Kombination aus Maßnahmen auf der Basis der Gründe, warum der Betroffene ein Risiko für eine Lungenembolie hat und anhand seines Gesundheitszustands aus.

Antikoagulanzien bei einer Lungenembolie

Manchen Patienten werden Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien, die auch als Blutverdünner bezeichnet werden) gegeben.

Meist wird Heparin verabreicht, das in zwei Formulierungen zur Verfügung steht:

  • Herkömmliches Heparin

  • Niedermolekulares Heparin

Das herkömmliche und niedermolekulare Heparin scheinen gleich wirksam zu sein. Heparin ist das am weitesten verbreitete Medikamente zur Senkung des Risikos einer Bildung von Gerinnseln in den Wadenvenen nach einer großen Operation, insbesondere nach einem chirurgischen Eingriff an den Beinen. Es wird in geringer Dosis meist innerhalb von 6 bis 12 Stunden nach einer Operation unter die Haut gespritzt, worauf idealerweise weitere Dosen gegeben werden, bis der betroffene Patient wieder auf den Beinen ist und gehen kann.

Patienten im Krankenhaus, die ein hohes Risiko für eine Lungenembolie aufweisen (wie z. B. bei Herzinsuffizienz, Bewegungsunfähigkeit oder krankhaftem Übergewicht oder früheren Blutgerinnseln), profitieren von niedrig dosiertem Heparin auch dann, wenn sie keinen chirurgischen Eingriff vor sich haben. Niedrig dosiertes Heparin erhöht die Häufigkeit von Komplikationen durch schwere Blutungen nicht, kann aber dazu führen, dass Wunden etwas mehr nässen.

Warfarin, ein oral einzunehmender Gerinnungshemmer wird heute sehr viel seltener verabreicht, da der Patient bei Einnahme von Warfarin regelmäßig Bluttests zur Überwachung der Wirkung von Warfarin benötigt, Warfarin eine Wechselwirkung mit vielen anderen Medikamenten eingeht, die der Patient möglicherweise einnimmt, und neuere Medikamente sicherer und wirksamer sind. Niedermolekulares Heparin ist kalkulierbarer als die Standardform von Heparin und wird häufig zur Vorbeugung von Blutgerinnseln bei Patienten eingesetzt, die ein hohes Risiko für Gerinnsel haben, z. B. aufgrund von Hüft- oder Kniegelenkersatz.

Zu den neueren direkt oral verabreichten Antikoagulanzien zählen unter anderem Fondaparinux, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban und Dabigatran, die die Bildung von Substanzen hemmen, die Gerinnsel begünstigen. Diese Medikamente sind bei der Vorbeugung wirksam und generell sicherer als Warfarin. Dennoch gilt Warfarin immer noch als die beste Wahl für manche Menschen, zum Beispiel für Patienten mit metallischen Herzklappen.

Physikalische Therapien

Bei Personen, die sich einem chirurgischen Eingriff unterzogen haben - insbesondere ältere Menschen - kann das Risiko von Gerinnselbildungen folgendermaßen reduziert werden:

  • Systeme mit intermittierender pneumatischer Kompression (IPK) oder Tragen von Kompressionsstrümpfen

  • Übungen für die Beine durchführen

  • Nach dem Aufstehen so bald wie möglich bewegen

Es gibt Geräte, die auf die Beine rhythmisch Druck ausüben und so das Blut in den Beinen im Fluss halten. Allerdings reichen diese Produkte allein nicht aus, um die Bildung von Blutgerinnseln bei Patienten zu verhindern, die sich bestimmten Hochrisikooperationen unterziehen mussten, wie zum Beispiel einer Hüft- oder Knieoperation.

Kompressionsstrümpfe üben Druck auf die Blutgefäße der Beine aus, damit diese gut durchblutet werden. Sie sind wahrscheinlich weniger wirksam als IPK-Systeme, können aber dennoch helfen, das Risiko von Blutgerinnseln in den Beinen zu verringern.

Wenn ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie besteht und aufgrund eines Blutungsrisikos keine Antikoagulanzien verwendet werden können, kann ein Filter in eine große Vene zwischen dem Herz und der unteren Hohlvene, die das Blut aus dem unteren Teil des Körpers zurück ins Herz transportiert, eingesetzt werden (ein sogenannter Vena-cava-Filter). Ein Filter kann Emboli auffangen, bevor sie die Lunge erreichen.

Vena-cava-Filter: Eine Art der Vorbeugung von Lungenembolie

Um einer Lungenembolie vorzubeugen, setzen Ärzte normalerweise Arzneimittel ein, die die Blutgerinnung einschränken. Für manche Menschen können die Ärzte aber auch das dauerhafte oder vorübergehende Einsetzen eines Filters, früher als Schirm bezeichnet, in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) empfehlen. Dieser Filter wird typischerweise empfohlen, wenn Medikamente, die die Blutgerinnung einschränken, nicht verwendet werden können – z. B. wenn eine Person gleichzeitig unter Blutungen leidet. Der Filter kann die Emboli auffangen, bevor sie das Herz erreichen, lässt das Blut aber ansonsten ungehindert passieren. Die abgefangenen Emboli lösen sich manchmal von selbst wieder auf.

Vena-cava-Filter: Eine Art der Vorbeugung von Lungenembolie

Behandlung

  • Unterstützende Therapie

  • Antikoagulation

  • Manchmal Vena-cava-Filter

  • Manchmal thrombolytische (Gerinnsel zerstörende) Therapie

Die Behandlung einer Lungenembolie beginnt mit einer Behandlung der Symptome. Sauerstoff wird gegeben, wenn der Sauerstoffspiegel im Blut niedrig ist. Eventuell müssen gegen Schmerzen Analgetika eingenommen werden. Bei niedrigem Blutdruck wird intravenös Flüssigkeit gegeben, manchmal auch zusammen mit blutdrucksteigernden Medikamenten. Künstliche Beatmung (mit einem Beatmungsschlauch) kann notwendig werden, wenn sich eine respiratorische Insuffizienz einstellt.

Antikoagulation

Gerinnungshemmende Medikamente werden zur Blutverdünnung und besseren Durchblutung verabreicht und verhindern dadurch, dass sich bestehende Blutgerinnsel vergrößern und zusätzliche Gerinnsel gebildet werden. Mögliche Medikamente sind Heparin, Fondaparinux, neuere Antikoagulanzien wie Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran oder gelegentlich Warfarin.

Heparin wird intravenös verabreicht, wirkt schnell und seine Wirkung kann schnell wieder rückgängig gemacht werden. Allerdings muss Heparin regelmäßig mit Bluttests auf seine Wirkung hin überwacht werden und der Patient stationär in einem Krankenhaus bleiben. Niedermolekulares Heparin und Fondaparinux werden ein- oder zweimal täglich unter die Haut (subkutan) gespritzt. Aufgrund dieses Vorteils können diese Medikamente auch verabreicht werden, wenn der Patient aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Bevor Edoxaban oder Dabigatran jedoch verabreicht werden kann, muss in den ersten fünf bis zehn Tagen mit Heparin behandelt werden (über die Vene oder als Injektion unter die Haut), was manchmal einen Krankenhausaufenthalt erforderlich macht. Bei Rivaroxaban oder Apixaban ist dagegen manchmal keine Heparin-Therapie notwendig, wenn die Gerinnsel in der Lunge klein sind. Wenn eine Warfarin-Therapie gewählt wird, werden in den ersten 5 bis 10 Tagen der Behandlung Heparin und Warfarin gegeben, anschließend Warfarin allein.

Bei einer Warfarin-Therapie muss das Blut regelmäßig kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass es dünn genug ist, um Blutgerinnsel zu verhindern, jedoch nicht so dünn, dass die Blutungsneigung steigt (als übermäßige Gerinnungshemmung bezeichnet). Basierend auf den Ergebnissen der Bluttests wird die Warfarin-Dosis häufig angepasst. Zudem kommt es zu einer Wechselwirkung von Warfarin mit verschiedenen Nahrungsmitteln und anderen Medikamenten, was ein zu dünnes oder zu dickes Blut verursachen kann. Wenn die Blutgerinnung übermäßig gehemmt wird, können schwere Blutungen in verschiedenen Körperorganen auftreten.

Da recht viele Medikamente eine Wechselwirkung mit Warfarin eingehen können, sollten Patienten, die Antikoagulanzien einnehmen, unbedingt ihren Arzt konsultieren, bevor sie ein anderes Mittel einnehmen. Dies gilt auch für Medikamente, die ohne Rezept erhältlich sind (rezeptfreie Arzneimittel), wie z. B. Paracetamol oder Aspirin, Kräuterpräparate und Nahrungsergänzungsmittel. Lebensmittel, die viel Vitamin K enthalten (d. h., die einen Einfluss auf die Blutgerinnung haben), wie z. B. Brokkoli, Spinat, Grünkohl und anderes grünes Blattgemüse, Leber, Grapefruit und Grapefruitsaft sowie Grüntee, müssen entweder in sehr konsistenten Mengen verzehrt oder ganz vermieden werden.

Die neueren Antikoagulanzien wie Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran bieten gegenüber Heparin oder Warfarin viele Vorteile. Wie Heparin können diese Medikamente über den Mund eingenommen werden, Dosisanpassungen und Tests zur Überwachung des Gerinnungsspiegels sind jedoch nicht notwendig. Zudem haben diese Medikamente im Vergleich zu Warfarin kaum Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln oder anderen Medikamenten und die Wahrscheinlichkeit schwerer Blutungen ist geringer. Rivaroxaban sollte immer zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Es ist nicht klar, ob diese Medikamente von Menschen eingenommen werden sollten, die schwerer als 120 kg sind.

Wie lange Antikoagulanzien angewendet werden, richtet sich nach der Situation der Betroffenen. Wurde die Lungenembolie etwa durch einen vorübergehenden Risikofaktor wie z. B. einen chirurgischen Eingriff verursacht, wird die Behandlung 3 Monate fortgesetzt. Handelt es sich bei der Ursache um ein längerfristiges Problem, wie anhaltende Bettlägerigkeit, muss die Behandlung 6 bis 12 Monate, manchmal aber auch auf unbestimmte Zeit fortgeführt werden. Wer zum Beispiel aufgrund einer vererbten Blutgerinnungsstörung oder einer Krebserkrankung wiederholt Lungenembolien hat, muss in der Regel unbegrenzt Antikoagulanzien einnehmen. Neuere Forschungsstudien haben gezeigt, dass bei vielen Patienten, bei denen Rivaroxaban oder Apixaban nach sechs Monaten weitergegeben werden, eine Senkung der Dosis auch das Risiko für Blutungen senkt, aber immer noch wiederkehrenden Blutgerinnseln vorbeugt.

Thrombolytische Behandlung

Thrombolytische (Gerinnsel zerstörende) Medikamente wie Alteplase lösen Blutgerinnsel allmählich auf. Da diese Medikamente zu gefährlichen oder tödlichen Blutungen führen können, werden sie nur eingesetzt, wenn die Gefahr besteht, dass der Patient an der Lungenembolie sterben könnte. Außer in absoluten Notfällen werden diese Medikamente nicht an Patienten verabreicht, die in den vergangenen 2 Wochen operiert wurden, schwanger sind, vor kurzer Zeit einen Schlaganfall hatten oder zu hartnäckigen Blutungen neigen.

Physikalische Therapien

In manchen Kliniken wird bei einer massiven Lungenembolie mit Lebensgefahr für den Patienten versucht, den Embolus mithilfe eines in die Pulmonalarterie eingeführten Katheters aufzubrechen.

Bei manchen Fällen einer schweren Embolie kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, bei dem der Embolus operativ aus der Pulmonalarterie entfernt wird. Auch längere Zeit bestehende Blutgerinnsel in einer Pulmonalarterie, die anhaltende Kurzatmigkeit und pulmonale Hypertonie (hohen Blutdruck in der Pulmonalarterie) verursachen, werden operativ entfernt.

Ein Filter kann chirurgisch in die Hauptvene im Bauchraum eingesetzt werden, die das Blut aus den Beinen und dem Becken zur rechten Herzkammer zurückführt. Ein solcher Filter kann angebracht sein, wenn trotz der Behandlung mit Gerinnungshemmern immer wieder Embolien auftreten oder wenn Antikoagulanzien nicht eingesetzt werden können oder schwere Blutungen auslösen. Da Gerinnsel meist in den Beinen oder im Beckenraum entstehen, kann der Filter in der Regel verhindern, dass sie in die Pulmonalarterien transportiert werden. Neuere Filter lassen sich auch wieder entfernen. Dies beugt Komplikationen vor, die bei einem permanenten Einsatz eines solchen Filters entstehen können.

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Flexible Bronchoskopie: Einführen des Bronchoskops
Video
Flexible Bronchoskopie: Einführen des Bronchoskops
Bei einer Bronchoskopie wird ein biegsamer Glasfaserschlauch durch ein Nasenloch oder durch...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Atemdynamik
3D-Modell
Atemdynamik

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN