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Krankengeschichte und körperliche Untersuchung bei Erkrankungen des Bewegungsapparats

Von

Alexandra Villa-Forte

, MD, MPH, Cleveland Clinic

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2020| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2020
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Der Bewegungsapparat besteht aus Knochen, Muskeln, Gelenken, Bändern, Sehnen und Schleimbeuteln (siehe Einführung in die Biologie des Bewegungsapparats Einführung in die Biologie des Bewegungsapparats Der Bewegungsapparat gibt dem menschlichen Körper Form, Halt und Beweglichkeit. Er besteht aus den Knochen, die das Skelett bilden, und Muskeln, Sehnen, Bändern, Gelenken, Knorpeln und... Erfahren Sie mehr ). Alle diese Bestandteile können durch Unfälle verletzt oder durch zahlreiche Krankheiten beeinträchtigt werden.

Manche Krankheiten betreffen hauptsächlich die Gelenke (wie etwa bei Osteoarthrose Osteoarthrose (OA) Die Osteoarthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, welche die Gelenkknorpel und das angrenzende Gewebe schädigt. Typische Symptome sind Schmerzen, Gelenkversteifungen und Funktionsverlust... Erfahren Sie mehr Osteoarthrose (OA) ) und verursachen eine Gelenkentzündung. Andere Krankheiten betreffen hauptsächlich die Knochen (z. B. Knochenbrüche Überblick über Knochenbrüche Ein Bruch (Fraktur) ist ein Anriss oder Bruch eines Knochens. Die meisten Brüche (Frakturen) werden durch Gewaltanwendung an einem Knochen verursacht. Frakturen sind in der Regel auf Verletzungen... Erfahren Sie mehr Überblick über Knochenbrüche , Morbus Paget der Knochen Morbus Paget der Knochen Morbus Paget der Knochen ist eine chronische Erkrankung des Skeletts, bei der bestimmte Knochenbereiche einen abnormalen Knochenumbau aufweisen, die zu vergrößerten und weichen Knochen... Erfahren Sie mehr Morbus Paget der Knochen und Tumoren Übersicht über Knochentumoren Bei Knochentumoren haben sich im Knochen veränderte Zellen vermehrt. Knochentumoren können bösartig (maligne) oder gutartig (benigne) sein. Bösartige Tumoren können sich im Knochen entwickeln... Erfahren Sie mehr ) oder die Muskeln und andere Weichgewebe (z. B. Fibromyalgie Fibromyalgie Fibromyalgie wird in der Regel von Schlafstörungen, Erschöpfung, geistiger Trübung sowie Schmerzen und Steifigkeit im Weichteilgewebe, einschließlich der Muskeln, Sehnen... Erfahren Sie mehr und Sehnenentzündungen Sehnen- und Sehnenscheidenentzündung Tendinitis ist die Entzündung einer Sehne. Eine Tendovaginitis bzw. Tendosynovitis ist eine Sehnenentzündung in Verbindung mit einer Entzündung der Schutzhülle um die Sehne... Erfahren Sie mehr ).

Krankengeschichte

Bei einer Beurteilung des Bewegungsapparats erkundigt sich der Arzt nach entsprechenden Symptomen, aber auch z. B. nach Fieber, Schüttelfrost, Gewichtsverlust, Ausschlag, Augenschmerzen oder -rötungen und nach Symptomen von Erkrankungen des Herzens, der Lunge und des Verdauungsapparats. Diese anderen Symptome können von verschiedenen Erkrankungen des Bewegungsapparats verursacht werden bzw. mit diesen im Zusammenhang stehen.

Schmerzen

Schmerz Schmerzen im Bewegungsapparat Schmerz ist das Hauptsymptom der meisten Erkrankungen des Bewegungsapparats. Er kann leicht oder stark sein, akut und von kurzer Dauer oder chronisch und langanhaltend, auf eine Stelle begrenzt... Erfahren Sie mehr ist das Hauptsymptom der meisten Erkrankungen des Bewegungsapparats. Die Patienten werden gebeten, Art, Stelle und Stärke der Schmerzen zu beschreiben. und anzugeben, wann sich die Schmerzen verstärken oder abschwächen und ob es sich um neu aufgetretene oder wiederkehrende Schmerzen handelt. Der Arzt erkundigt sich danach, ob die Schmerzen auftreten, wenn das entsprechende Gelenk in Bewegung gesetzt wird, oder erst nach längerer Bewegung, und ob sie beim Gehen vorhanden sind oder sich erst im Lauf des Tages entwickeln. Der Arzt bittet die Patienten, zu beschreiben, wie sich die Schmerzen anfühlen, z. B. ob sie stechend oder dumpf sind, quälend oder brennend. Der Arzt muss wissen, ob der Schmerz tief im Gelenk sitzt oder ob andere Strukturen des Bewegungsapparats involviert zu sein scheinen. Durch Ermittlung der Art und Stelle der Schmerzen kann der Arzt die Ursache feststellen.

Steifigkeit

Von Erkrankungen des Bewegungsapparats betroffene Personen haben oft steife Gelenksteife Bei Gelenksteife lassen sich die betroffenen Gelenke schwer oder nur eingeschränkt bewegen. Ursache für dieses Gefühl sind nicht Schwäche oder eine Bewegungsvermeidung aufgrund von Schmerzen... Erfahren Sie mehr Gelenke (d. h., sie spüren einen Widerstand, wenn sie ein Gelenk zu bewegen versuchen). Der Arzt bittet die Betroffenen, diese Steifigkeit genauer zu beschreiben, denn viele Leute verwechseln „Steifigkeit“ mit Schwäche oder großer Müdigkeit (Fatigue bzw. Erschöpfung), wo der Ausdruck im medizinischen Sinne für Schwierigkeiten beim Bewegen der Gelenke steht. Steifigkeit wird auch von einer widerwilligen Bewegung des betroffenen Gelenks unterschieden, wenn diese mit Schmerzen verbunden ist.

Der Arzt bittet die Betroffenen auch, zu beschreiben, wann die Steifigkeit auftritt. Bei manchen Gelenkerkrankungen (z. B. bei rheumatoider Arthritis Rheumatoide Arthritis (RA) Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der die Gelenke, darunter meist Hand- und Fußgelenke, entzündet sind. Dadurch entstehen Schwellungen und Schmerzen... Erfahren Sie mehr Rheumatoide Arthritis (RA) und bei Osteoarthrose Osteoarthrose (OA) Die Osteoarthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, welche die Gelenkknorpel und das angrenzende Gewebe schädigt. Typische Symptome sind Schmerzen, Gelenkversteifungen und Funktionsverlust... Erfahren Sie mehr Osteoarthrose (OA) ) liegt die Steifigkeit vor, wenn das betroffene Gelenk nach einer Ruhepause oder nach dem Aufwachen am Morgen wieder bewegt wird. Der Arzt erkundigt sich auch danach, wo die Steifigkeit vorkommt und wie lange sie anhält. Bei entzündlichen Erkrankungen (etwa bei rheumatoider Arthritis Rheumatoide Arthritis (RA) Rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der die Gelenke, darunter meist Hand- und Fußgelenke, entzündet sind. Dadurch entstehen Schwellungen und Schmerzen... Erfahren Sie mehr Rheumatoide Arthritis (RA) ) dauert die Steifigkeit länger an (beispielsweise über eine Stunde), wohingegen sie bei nicht entzündlichen Erkrankungen (etwa bei Osteoarthrose Osteoarthrose (OA) Die Osteoarthrose ist eine chronische Gelenkerkrankung, welche die Gelenkknorpel und das angrenzende Gewebe schädigt. Typische Symptome sind Schmerzen, Gelenkversteifungen und Funktionsverlust... Erfahren Sie mehr Osteoarthrose (OA) ) lediglich kurzzeitig vorliegt (beispielsweise ungefähr 10 Minuten lang), wobei sie sehr ausgeprägt und von anhaltenden Schmerzen begleitet sein kann.

Erschöpfung

Erschöpfung (Fatigue Erschöpfung Fatigue bedeutet, dass eine Person das starke Bedürfnis empfindet, sich hinzulegen und auszuruhen, und so wenig Energie hat, dass es ihr schwerfällt, aktiv zu werden und zu bleiben. Nach körperlicher... Erfahren Sie mehr ) ist ein weiteres Symptom, nach dem sich der Arzt erkundigt. Fatigue bedeutet, dass eine Person das starke Bedürfnis empfindet, sich hinzulegen und auszuruhen, und so wenig Energie hat, dass es ihr schwerfällt, aktiv zu werden und zu bleiben. Dies ist von Schwäche oder der Unfähigkeit zu einer Bewegung zu unterscheiden, und der Arzt untersucht Betroffene genauer, um einfache Müdigkeit auszuschließen. Bei Erschöpfung bzw. Fatigue liegt möglicherweise eine Erkrankung vor, von der mehr als ein Körpersystem betroffen ist und die eine Entzündung verursacht, oder es kann eine Störung vorhanden sein, die Schlafstörungen auslöst Schlafstörungen Schlaf ist für das Überleben und die Gesundheit notwendig. Warum er aber erforderlich ist und wie Menschen von ihm profitieren, ist nicht genau bekannt. Der Schlaf hat einen erholsamen Effekt... Erfahren Sie mehr .

Gelenkinstabilität

Gelenkinstabilität (beispielsweise ein Schlottern oder Einknicken eines Gelenks) deutet auf eine Schwächung der Bänder oder sonstigen Strukturen hin, die das Gelenk stabilisieren sollten. Zu einem Einknicken kommt es am häufigsten im Knie.

Körperliche Untersuchung

Während der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf bestimmte Anzeichen, je nach vermuteter Erkrankung oder Verletzung.

Wenn der Arzt die Knochen auf Brüche Überblick über Knochenbrüche Ein Bruch (Fraktur) ist ein Anriss oder Bruch eines Knochens. Die meisten Brüche (Frakturen) werden durch Gewaltanwendung an einem Knochen verursacht. Frakturen sind in der Regel auf Verletzungen... Erfahren Sie mehr Überblick über Knochenbrüche untersucht, stößt er möglicherweise auf eine Verformung des betroffenen Teils (z. B. des Armes oder Beines), die darauf hinweist, dass die Knochenteile verschoben sind.

Möglicherweise tastet der Arzt die Knochen- und Gelenkoberfläche nach druckempfindlichen Stellen, Wärme, Flüssigkeit im Gelenk oder Verformungen ab, insbesondere wenn er einen Bruch, einen Tumor oder eine Knocheninfektion (Osteomyelitis Osteomyelitis Eine Knocheninfektion (Osteomyelitis) wird gewöhnlich von Bakterien einschließlich Mykobakterien, manchmal aber auch von Pilzen verursacht. Bakterien, Mykobakterien oder Pilze gelangen... Erfahren Sie mehr ) vermutet. Kompressionsfrakturen der Wirbelsäule aufgrund von Osteoporose Osteoporose Bei der Erkrankung Osteoporose werden die Knochen durch eine sich verringerte Dichte schwächer, sodass sie leichter brechen. Die Bestandteile, die für die Dichte und Stärke der Knochen... Erfahren Sie mehr Osteoporose und Belastungsfrakturen können anfänglich sehr schmerzhaft sein, sind aber nicht notwendigerweise durch eine Verformung erkennbar. Auffällige Beulen an Knochen können Anzeichen eines Tumors sein. Bei Verdacht auf eine Osteomyelitis Osteomyelitis Eine Knocheninfektion (Osteomyelitis) wird gewöhnlich von Bakterien einschließlich Mykobakterien, manchmal aber auch von Pilzen verursacht. Bakterien, Mykobakterien oder Pilze gelangen... Erfahren Sie mehr erfolgt eine Fiebermessung.

Klagt der Patient über Muskelschwäche, wird die Muskulatur auf Masse, Spannung (wie entspannt der Muskel ist, wenn er nicht in Gebrauch ist), Stärke und Empfindlichkeit hin untersucht. Bei Muskelzucken und unwillkürlichen Bewegungen muss aber nicht unbedingt eine Erkrankung des Bewegungsapparats vorliegen, sondern sie können auch auf Nervenerkrankungen hinweisen (siehe motorische Nerven Motorische Nerven Bei Verdacht auf eine neurologische Störung begutachtet der Arzt in der Regel während einer körperlichen Untersuchung sämtliche Organsysteme, konzentriert sich dabei jedoch auf das Nervensystem... Erfahren Sie mehr ). Bei Untersuchungen wird auch auf Muskelschwund (Atrophie) geachtet. Der Grund hierfür können Verletzungen des Muskels oder seiner Nerven sein, aber auch mangelnde Beanspruchung (Inaktivitätsatrophie) nach längerer Bettruhe.

Auch Muskelvergrößerungen (Hypertrophie) werden überprüft. Sie treten häufig bei sportlichen Aktivitäten oder Übungen wie Gewichtheben auf, die wiederholt den Muskel belasten. Bei Kranken kann eine Hypertrophie auch vorliegen, wenn ein Muskel mehr arbeitet, um die Schwäche eines anderen auszugleichen. Muskeln können auch größer werden, wenn normales Muskelgewebe durch anormales Gewebe ersetzt wird (der Muskel wird größer, aber nicht kräftiger). Dies ist der Fall bei Amyloidose Amyloidose Amyloidose ist eine seltene Erkrankung, bei der abnorm gefaltete Proteine amyloide Fibrillen bilden, die sich in verschiedenen Geweben und Organen ansammeln und mitunter zu Organfehlfunktionen... Erfahren Sie mehr Amyloidose und bestimmten genetischen Muskelerkrankungen, wie z. B. der Muskeldystrophie vom Typ Duchenne Duchenne-Muskeldystrophie und Becker-Muskeldystrophie Muskeldystrophien sind eine Gruppe von erblichen Muskelerkrankungen, bei denen eines oder mehrere der für den Muskelaufbau und die Muskelfunktion erforderlichen Gene defekt sind, sodass... Erfahren Sie mehr .

Der Arzt versucht herauszufinden, ob und welche Muskeln schwach sind und wie sehr. Begonnen wird meist mit den Gesichts- und Halsmuskeln, dann folgen die Arm- und schließlich die Beinmuskeln. Normalerweise sollte ein Mensch die Arme eine Minute lang ausgestreckt halten können, ohne dass sie heruntersinken, zittern oder sich drehen. Wenn die Arme mit nach innen gedrehten Handflächen nach unten sinken, ist dies ein Zeichen schwacher Muskeln. Der Widerstand wird getestet, indem der Arzt in die eine Richtung zieht oder drückt und der Patient dagegenhält. Die Muskelkraft lässt sich auch durch bestimmte Übungen ermitteln. Dabei wird der Patient z. B. gebeten, auf den Fersen und Zehenspitzen zu gehen, aus der Hocke aufzustehen oder sich 10-mal hintereinander schnell auf einen Stuhl zu setzen und wieder aufzustehen. Der Patient wird gebeten, in alle Richtungen zu schauen; wenn er doppelt sieht, ist möglicherweise mindestens ein Augenmuskel geschwächt.

Bei der Gelenkuntersuchung prüft der Arzt den aktiven Bewegungsraum des Gelenks. Der aktive Bewegungsraum ist der maximale Raum, in den die Betroffenen ein Gelenk ohne Hilfe bewegen können. Ein eingeschränkter Bewegungsraum kann auf Schwäche, Schmerzen oder Steifigkeit sowie auf mechanische Anomalien (z. B. Vernarbungen und Schwellungen) hindeuten. Anschließend wird der passive Bewegungsraum überprüft. Der passive Bewegungsraum ist der maximale Raum, den der Arzt das Gelenk des Patienten bewegen kann, während der Patient vollständig entspannt ist. Mithilfe der passiven Bewegung der Gliedmaße kann der Arzt auch den Muskeltonus prüfen. Wenn der Nerv zum Muskel beschädigt ist, kommt es bei dieser Bewegung möglicherweise zu einem verstärkten Widerstand (passiver Widerstand). Dies kann auch bei einer Verletzung des Rückenmarks oder des Gehirns der Fall sein.

Bei schwachen Patienten klopft der Arzt darüber hinaus mit einem Gummihammer auf die Muskelsehne, um die Reflexe Reflexe Bei Verdacht auf eine neurologische Störung begutachtet der Arzt in der Regel während einer körperlichen Untersuchung sämtliche Organsysteme, konzentriert sich dabei jedoch auf das Nervensystem... Erfahren Sie mehr zu prüfen. Wenn der Nerv zum Muskel verletzt ist, sind die Reflexe unter Umständen langsamer als erwartet. Bei einer Verletzung des Rückenmarks oder des Gehirns sind die Reflexe hingegen schneller.

Ärzte achten darauf, welche Gelenke oder Gliedmaßen betroffen sind. Durch Ermittlung eines bestimmten Musters betroffener Gelenke und Gliedmaßen kann der Arzt die Ursache feststellen.

Der Arzt führt außerdem eine ausführlichere Untersuchung der Gelenke durch. Zum Beispiel wird überprüft, ob sich im Gelenk Flüssigkeit angesammelt hat (Gelenkeffusion). Dazu wird unter Umständen der jeweilige aktive oder der passive Bewegungsraum überprüft. Der Arzt kann auch Zugkraft oder Druckkraft ausüben, um festzustellen, ob das Gelenk stabil ist.

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