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Diabetes mellitus (DM)

Von

Erika F. Brutsaert

, MD, New York Medical College

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2019| Inhalt zuletzt geändert Mai 2019
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Kurzinformationen
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Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, bei der die Blutzuckerspiegel (Glukosespiegel) ungewöhnlich hoch sind, weil der Körper nicht ausreichend Insulin produziert, um seinen Bedarf zu decken.

  • Die Urinausscheidung und das Durstgefühl sind vermehrt, und es kann ein ungewollter Gewichtsverlust stattfinden.

  • Diabetes schädigt die Nerven und verursacht Empfindungsstörungen.

  • Diabetes mellitus schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall, chronische Nierenerkrankung und Sehverlust.

  • Ärzte diagnostizieren Diabetes durch Messung der Blutzuckerspiegel.

  • Menschen mit Diabetes mellitus müssen sich an eine gesunde Ernährung halten, die wenig einfache Kohlehydrate (einschließlich Zucker), gesättigte Fette und verarbeitete Nahrungsmittel enthält. Außerdem müssen sie Sport treiben und in der Regel Medikamente zur Senkung des Zuckergehalts im Blut einnehmen.

Diabetes mellitus ist eine Krankheit, bei der die Menge an Zucker im Blut erhöht ist. Ärzte verwenden häufig die volle Bezeichnung „Diabetes mellitus“ und nicht nur Diabetes, um diese Krankheit von einer anderen, dem Diabetes insipidus zu unterscheiden. Diabetes insipidus ist ein relativ seltenes Leiden, das sich nicht auf den Blutzuckerspiegel auswirkt, aber wie Diabetes mellitus auch zu erhöhter Urinausscheidung führt.

Blutzucker

Drei Hauptnährstoffe, aus denen die meisten Lebensmittel bestehen sind Kohlehydrate, Proteine (Eiweiße) und Fett. Zucker ist neben Stärke und Ballaststoffen eine von drei Arten von Kohlehydraten.

Es gibt viele Zuckerarten. Je nach Anzahl der Zuckerbausteine unterscheidet man Einfach-, Mehrfach- und Vielfachzucker. Haushaltszucker (Saccharose) besteht aus den beiden Einfachzuckern Glukose und Fruktose. Milchzucker (Laktose) besteht aus Glukose und dem Einfachzucker Galaktose. Die Kohlenhydrate in stärkehaltigem Essen, wie Brot, Nudeln, Reis und ähnlichen Nahrungsmitteln, bestehen aus langen Ketten von verschiedenen Einfachzuckermolekülen. Saccharose, Laktose, Kohlenhydrate und andere komplexe Zuckerarten müssen im Verdauungstrakt durch Enzyme in Einfachzucker zerlegt werden, bevor der Körper sie aufnehmen kann.

Wenn der Körper Einfachzucker aufnimmt, wandelt er sie gewöhnlich alle in Glukose um, eine wichtige Kraftstoffquelle für den Körper. Glukose ist der Zucker, der durch das Blut transportiert und von den Zellen aufgenommen wird. Der Körper kann auch aus Fetten und Proteinen Glukose herstellen. „Blutzucker‟ bedeutet eigentlich Blutglukose.

Wussten Sie ...

  • „Blutzucker‟ bedeutet eigentlich Blutglukose.

Insulin

Insulin, ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse (einem Organ hinter dem Magen, das auch Verdauungsenzyme herstellt) ausgeschüttet wird, regelt die Menge an Zucker (Glukose) im Blut. Glukose im Blut regt die Bauchspeicheldrüse zur Ausschüttung von Insulin an. Dank Insulin kann Glukose vom Blut in die Zellen gelangen. Nach der Aufnahme in die Zellen wird Glukose in Energie umgewandelt, die sofort verwendet wird, oder die Glukose wird als Fett oder Glykogen gespeichert, bis sie benötigt wird.

Die Blutzuckerspiegel verändern sich normalerweise im Verlauf des Tages. Sie steigen nach einer Mahlzeit an und kehren innerhalb von 2 Stunden nach dem Essen wieder auf den Wert vor der Mahlzeit zurück. Mit dem Erreichen der Werte im Blut vor der Mahlzeit nimmt die Insulinproduktion ab. Die Blutzuckerspiegel bewegen sich normalerweise in einem engen Bereich, etwa zwischen 70 und 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) bzw. 3,9 bis 6,1 Millimol pro Liter (mmol/l) Blut bei Gesunden. Nach dem Verzehr großer Mengen an Kohlenhydraten können die Spiegel mehr ansteigen. Menschen über 65 Jahre haben tendenziell leicht höhere Werte, besonders nach dem Essen.

Wenn der Körper nicht genug Insulin produziert, um die Glukose in die Zellen zu bringen, oder wenn die Zelle nicht mehr normal auf Insulin reagiert (wird Insulinresistenz genannt), führen die sich daraus ergebenden hohen Blutzuckerspiegel und die unzureichende Glukosemenge in den Zellen zu den Symptomen und Komplikationen von Diabetes mellitus.

Arten von Diabetes mellitus

Prädiabetes

Prädiabetes ist ein Zustand, bei dem die Blutzuckerspiegel zu hoch sind, um als normal angesehen zu werden, aber nicht hoch genug, um als Diabetes bezeichnet zu werden. Ein Prädiabetes liegt vor, wenn der Nüchternblutzuckerspiegel im Blut zwischen 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und 125 mg/dl (6,9 mmol/l) liegt oder, wenn der Blutzuckerspiegel 2 Stunden nach einem Glukosetoleranztest zwischen 140 mg/dl (7,8 mmol/l) und 199 mg/dl (11,0 mmol/l) beträgt. Mit einem Prädiabetes erhöht sich das Risiko für Diabetes mellitus und für Herzkrankheiten. Eine Reduktion des Körpergewichts um 5 bis 10 Prozent durch Ernährung und sportliche Betätigung kann das Risiko für die Entwicklung eines künftigen Diabetes signifikant senken.

Typ-1-Diabetes

Beim Typ-1-Diabetes (früher als insulin-abhängiger oder juveniler Diabetes bezeichnet) greift das Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört dauerhaft mehr als 90 Prozent davon. Die Bauchspeicheldrüse stellt deshalb nur wenig oder gar kein Insulin mehr her. Nur etwa 5–10 Prozent aller Menschen mit Diabetes mellitus haben eine Erkrankung vom Typ 1. Die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes bekommen die Krankheit vor dem 30. Lebensjahr, er kann sich jedoch auch im späteren Lebensverlauf entwickeln.

Wissenschaftlich wird angenommen, dass äußere Faktoren – möglicherweise eine Virusinfektion oder ernährungsbedingte Faktoren in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter – das Immunsystem veranlassen, die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zu zerstören. Eine genetische Veranlagung macht einige Menschen für äußere Faktoren empfänglicher.

Typ-2-Diabetes

Beim Typ-2-Diabetes (früher als nicht- insulin-abhängiger Diabetes mellitus oder Altersdiabetes bezeichnet) stellt die Bauchspeicheldrüse weiterhin Insulin her, manchmal sogar mehr als normal, besonders früh im Krankheitsverlauf. Der Körper entwickelt jedoch eine Resistenz gegenüber den Wirkungen des Insulins, daher gibt es nicht genügend Insulin, um den Bedarf des Körpers zu decken. Während die Krankheit des Typ-2-Diabetes fortschreitet, verliert die Bauchspeicheldrüse zunehmend die Fähigkeit, Insulin zu produzieren.

Typ-2-Diabetes war früher bei Kindern und Jugendlichen selten, ist jedoch in letzter Zeit häufiger geworden. Er beginnt jedoch normalerweise bei Menschen über 30 und wird mit zunehmendem Alter häufiger. Etwa 26 Prozent der Menschen über 65 haben Typ-2-Diabetes. Menschen mit bestimmtem rassischem und ethnischem Hintergrund haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes: Afroamerikaner, amerikanische Ureinwohner und Menschen mit einem spanischen oder lateinamerikanischen Migrationshintergrund, die in den USA leben, haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko im Vergleich zu Weißen. Typ-2-Diabetes besitzt außerdem tendenziell eine familiäre Häufung.

Der Hauptrisikofaktor für Typ-2-Diabetes ist Adipositas (Fettleibigkeit), und 80 bis 90 Prozent der Menschen mit dieser Erkrankung sind übergewichtig oder adipös. Da Übergewicht zu einer Insulinresistenz führt, benötigen übergewichtige Menschen sehr große Mengen Insulin, um normale Blutzuckerspiegel aufrechtzuerhalten.

Bestimmte Krankheiten und Medikamente können die Art und Weise beeinflussen, wie der Körper Insulin verwertet, und zu Typ-2-Diabetes führen.

Beispiele für häufige Zustände (Situationen), die zu einer schlechten Insulinnutzung führen sind:

Diabetes kann auch bei Menschen auftreten, die vermehrt Wachstumshormon produzieren (Akromegalie), und bei solchen mit bestimmten hormonfreisetzenden Tumoren. Schwere und wiederholte Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und andere Erkrankungen, die die Bauchspeicheldrüse direkt schädigen, können zu Diabetes mellitus führen.

Symptome

Die zwei Arten von Diabetes mellitus können sehr ähnliche Symptome aufweisen, wenn die Konzentration von Zucker im Blut (Blutglukose) stark erhöht ist.

Zu den Symptomen für hohe Blutzuckerspiegel zählen:

  • Weniger Durst

  • Gesteigerte Urinausscheidung

  • Gesteigerter Hunger

Wenn der Blutzuckerspiegel über 160 bis 180 mg/dl (8,9 bis 10,0 mmol/l) ansteigt, wird mit dem Urin Zucker ausgeschieden. Erhöht sich der Glukosespiegel im Urin noch weiter, scheiden die Nieren zusätzlich Wasser aus, um die große Glukosemenge zu verdünnen. Da die Nieren übermäßig Urin produzieren, scheiden Diabetiker häufig große Mengen Urin aus (Polyurie). Die übermäßige Urinausscheidung führt zu ungewöhnlichem Durst (Polydipsie). Da überschüssige Kalorien im Urin ausgeschieden werden, können die Personen Gewicht verlieren. Als Ausgleich sind die Personen oft sehr hungrig.

Andere Symptome von Diabetes sind:

  • Verschwommenes Sehen

  • Benommenheit

  • Übelkeit

  • Weniger Ausdauer beim Sport

Typ-1-Diabetes

Bei Personen mit Typ-1-Diabetes beginnen die Symptome oft plötzlich und dramatisch. Es kann rasch zu einer schweren Erkrankung namens diabetische Ketoazidose kommen, einer Komplikation, bei welcher der Körper überschüssige Säure produziert. Neben den üblichen Symptomen von Diabetes mellitus, d. h. übermäßigem Durst und übermäßige Urinausscheidung, zählen zu den anfänglichen Symptomen einer diabetischen Ketoazidose Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und – vor allem bei Kindern – Bauchschmerzen. Der Betroffene atmet eher schnell und tief. Damit versucht der Körper, den Säuregehalt des Blutes zu korrigieren (Azidose), und der Atem riecht fruchtig und nach Nagellackentferner. Unbehandelt kann die diabetische Ketoazidose zu Koma und Tod führen, manchmal sehr schnell.

Nachdem Typ-1-Diabetes ausgebrochen ist, haben einige Betroffene aufgrund der teilweisen Wiederherstellung der Insulin-Ausscheidung eine lange, aber vorübergehende Phase von beinahe normalen Blutzuckerwerten („Honeymoon-Phase“).

Typ-2-Diabetes

Typ-2-Diabetiker können jahre- und jahrzehntelang keine Symptome haben, bevor ihre Krankheit diagnostiziert wird. Die Symptome können unauffällig sein. Vermehrte Urinausscheidung und Durst sind anfangs nur leicht ausgeprägt und verstärken sich schrittweise innerhalb von Wochen und Monaten. Schließlich fühlen sich die Betroffenen sehr müde, sehen mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwommen und können dehydrieren.

Manchmal ist im Frühstadium des Diabetes der Blutzuckerspiegel ungewöhnlich niedrig, was als Hypoglykämie bezeichnet wird.

Da Typ-2-Diabetiker ein gewisses Maß an Insulin bilden, entwickelt sich bei ihnen für gewöhnlich keine Ketoazidose, auch dann nicht, wenn die Erkrankung längere Zeit unbehandelt bleibt. In seltenen Fällen können die Blutzuckerspiegel extrem hoch ansteigen (oft über 1.000 mg/dl [55,5 mmol/l]). So hohe Werte resultieren häufig aus zusätzlichen Stressfaktoren wie Infektionen und Anwendung von Medikamenten. Bei sehr hohen Blutzuckerspiegeln kann sich eine schwere Austrocknung (Dehydratation) entwickeln, die zu geistiger Verwirrung, Benommenheit und Krampfanfällen führen kann, ein Zustand, der als hyperosmolarer hyperglykämischer Zustand bezeichnet wird. Aktuell wird bei vielen Typ-2-Diabetikern die Diagnose durch Routinemessungen der Blutglukose gestellt, bevor sie derart stark erhöhte Blutzuckerspiegel entwickeln.

Komplikationen bei Diabetes

Diabetes kann die Blutgefäße schädigen, diese verengen und die Durchblutung behindern. Weil die Blutgefäße im ganzen Körper betroffen sind, können Betroffene an vielen Komplikationen von Diabetes leiden. Viele Organe können betroffen sein, insbesondere aber die folgenden:

Hohe Blutzuckerspiegel verursachen auch Störungen im Immunsystem des Körpers. Daher sind Menschen mit Diabetes mellitus besonders anfällig für bakterielle oder Pilzinfektionen.

Diagnose

  • Messen des Blutzuckergehalts im Blut

Die Diagnose Diabetes wird gestellt, wenn Personen ungewöhnlich hohe Blutzuckerspiegel aufweisen. Ärzte führen Screening-Tests (Früherkennungsuntersuchungen) bei Patienten durch, die ein Risiko für Diabetes tragen, aber keine Symptome zeigen.

Wussten Sie ...

  • Viele Menschen leiden an Typ-2-Diabetes und wissen es nicht.

Blutzuckermessung

Ärzte kontrollieren die Blutzuckerspiegel bei Menschen, die Diabetessymptome wie eine Zunahme von Durst, Urinausscheidung oder Hunger aufweisen. Außerdem können Ärzte Blutzuckerspiegel bei Menschen kontrollieren, die an Erkrankungen leiden, die als Komplikationen von Diabetes auftreten können, z. B. häufige Infektionen, Fußgeschwüre (Fußulzera) und Infektionen mit Hefepilzen.

Zur Messung der Blutzuckerspiegel wird normalerweise eine Blutprobe entnommen, nachdem über Nacht gefastet wurde. Es ist jedoch möglich, Blutproben zu entnehmen, nachdem gegessen wurde. Eine gewisse Erhöhung der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit ist normal, aber selbst nach einer Mahlzeit sollten die Spiegel nicht sehr hoch sein. Die Nüchternglukosespiegel sollten nie über 125 mg/dl (6,9 mmol/l) liegen. Selbst nach einer Mahlzeit sollten die Blutzuckerspiegel nicht über 199 mg/dl (11,0 mmol/l) liegen.

Hämoglobin A1C

Ärzte können auch den Spiegel eines Proteins, Hämoglobin A1c (auch als glykolysiertes oder glykiertes Hämoglobin bezeichnet), im Blut messen. Hämoglobin ist die rote, Sauerstoff transportierende Substanz in roten Blutkörperchen. Wenn Blut über einen gewissen Zeitraum hohen Blutzuckerspiegeln ausgesetzt wird, lagert sich Glukose an Hämoglobin an und bildet glykolysiertes Hämoglobin. Der Spiegel des Hämoglobins A1C (angegeben als prozentualer Anteil des A1C-Hämoglobins) spiegelt Langzeittrends der Blutzuckerspiegel wieder, keine raschen Veränderungen.

Die Messungen des Hämoglobins A1C können zur Diagnose von Diabetes verwendet werden, wenn die Untersuchung von einem zertifizierten Labor durchgeführt wird (nicht von zuhause verwendeten Instrumenten oder in einer Arztpraxis). Menschen mit einem Hämoglobin A1C-Spiegel von 6,5 Prozent oder mehr leiden an Diabetes. Wenn der Spiegel zwischen 5,7 und 6,4 liegt, haben sie Prädiabetes.

Oraler Glukosetoleranztest

In manchen Fällen ist auch ein anderer Bluttest, der orale Glukosetoleranztest, durchzuführen, etwa wenn bei einer schwangeren Frau ein Gestationsdiabetes vermutet wird oder, wenn ältere Menschen zwar Symptome eines Diabetes haben, aber normale Nüchternblutzuckerwerte. Er wird jedoch nicht routinemäßig bei der Untersuchung auf Diabetes durchgeführt, weil der Test sehr aufwendig sein kann.

Für diesen Test bleiben die Personen nüchtern, dann wird eine Blutprobe entnommen, um den Nüchternblutglukosewert zu bestimmen, danach wird eine Lösung mit einer großen Standardmenge Glukose getrunken. Innerhalb der nächsten 2 bis 3 Stunden werden dann mehr Blutproben entnommen und untersucht, um festzustellen, ob die Blutglukose ungewöhnlich hoch angestiegen ist.

Voruntersuchung auf Diabetes

Die Blutzuckerspiegel werden häufig während einer körperlichen Routineuntersuchung kontrolliert. Die jährliche Kontrolle der Blutzuckerspiegel ist besonders bei älteren Menschen wichtig, da Diabetes im späteren Lebensalter so häufig auftritt. Menschen können Diabetes haben, insbesondere Typ-2-Diabetes, ohne dass sie es wissen.

Es gibt keine Routinetests zur Früherkennung (Screening) von Diabetes mellitus vom Typ 1, selbst für Menschen mit einem hohen Risiko für Typ-1-Diabetes (wie z. B. Geschwister oder Kinder von Personen mit Typ-1-Diabetes). Aber es ist wichtig, dass Screening-Tests bei Menschen durchgeführt werden, die ein Risiko für Typ-2-Diabetes tragen, einschließlich Personen, die

  • über 45 Jahre alt sind

  • Prädiabetes haben

  • Übergewicht oder Fettleibigkeit

  • eine bewegungsarme Lebensweise haben

  • Bluthochdruck und/oder eine Fettstörung wie hohes Cholesterin haben

  • eine kardiovaskuläre Erkrankung haben

  • familiär mit Diabetes belastet sind

  • Diabetes während der Schwangerschaft hatten oder ein Baby mit mehr 4,5 kg Geburtsgewicht

  • Afroamerikaner, Lateinamerikaner, asiatische Amerikaner oder amerikanische Ureinwohner sind

Menschen mit diesen Risikofaktoren sollten mindestens einmal alle drei Jahre auf Diabetes getestet werden. Das Diabetesrisiko kann anhand von Risikokalkulatoren eingeschätzt werden. Ärzte können die Nüchternblutzuckerspiegel und den Hämoglobin-A1C-Wert messen oder einen oralen Glukosetoleranztest durchführen. Sind die Testergebnisse grenzwertig, also zwischen normal und auffällig, dann nehmen Ärzte diese Untersuchung mindestens einmal jährlich vor.

Behandlung

  • Ernährung

  • Körperliche Aktivität

  • Gewichtsverlust

  • Ausbildung

  • Bei Typ-1-Diabetes Insulinspritzen

  • Bei Typ-2-Diabetes häufig oral verabreichtes Metformin und manchmal Insulinspritze

Ernährung, sportliche Betätigung und Schulung sind die Eckpunkte der Diabetesbehandlung und häufig die ersten Empfehlungen an Menschen mit leichtem Diabetes. Menschen mit Übergewicht sollten unbedingt abnehmen. Menschen, die trotz einer Umstellung ihrer Lebens- und Ernährungsgewohnheiten immer noch sehr hohe Blutzuckerspiegel haben und Menschen mit Typ-1-Diabetes (unabhängig von ihren Blutzuckerspiegeln) benötigen auch Medikamente.

Da es weniger wahrscheinlich zu Komplikationen kommt, wenn Diabetiker ihre Blutzuckerspiegel streng kontrollieren, soll mit der Diabetesbehandlung vor allem der Blutzuckerspiegel so gut wie möglich im Normalbereich gehalten werden.

Die Behandlung von Bluthochdruck und hohen Cholesterinspiegeln, die zu Kreislaufproblemen beitragen können, kann bei der Vorbeugung von einigen Diabeteskomplikationen ebenfalls hilfreich sein. Bei Personen mit Risikofaktoren für eine Herzerkrankung wird täglich eine niedrige Dosis Aspirin empfohlen. Alle Menschen mit Diabetes mellitus zwischen 40 und 75 Jahren erhalten ein Statin (ein Medikament, das die Cholesterinspiegel senkt), unabhängig von ihren Cholesterinspiegeln. Personen unter 40 und über 75 Jahre mit einem erhöhten Risiko für eine Herzerkrankung sollten ebenfalls ein Statin nehmen.

Diabetiker profitieren davon, einen medizinischen Ausweis (z. B. ein Armband oder ein Anhänger) zu tragen, der Mediziner über das Vorliegen von Diabetes informiert. Diese Informationen ermöglichen es Medizinern, schnell eine lebensrettende Behandlung zu beginnen, insbesondere bei Verletzung oder Veränderung des Geisteszustands.

Die diabetische Ketoazidose und das der hyperosmolare hyperglykämische Zustand sind medizinische Notfälle, die zu Koma und Tod führen können. Die Behandlung beider Störungen ist ähnlich und dreht sich um die intravenöse Verabreichung von Flüssigkeiten und Insulin.

Diabetes-Behandlungsziele

Nach Empfehlung von Experten sollen Betroffene ihre Blutzuckerspiegel bei diesen Werten halten:

  • Zwischen 80 und 130 mg/dl (4,4 und 7,2 mmol/l) nüchtern (vor den Mahlzeiten)

  • 2 Stunden nach den Mahlzeiten unter 180 mg/dl (10,0 mmol/l)

Die Hämoglobin-A1c-Spiegel sollten unter 7 Prozent liegen.

Da eine aggressive Behandlung zum Erreichen dieser Ziele das Risiko für einen eventuell zu starken Abfall der Blutglukose (Hypoglykämie) erhöht, werden diese Ziele für einige Menschen, bei denen eine Unterzuckerung nicht gewünscht ist, beispielsweise bei älteren Menschen, angepasst.

Ein weiteres Ziel ist es, den systolischen Blutdruck unter 140 mmHg und den diastolischen Blutdruck unter 90 mmHg zu halten. Bei Diabetikern mit Herzerkrankungen oder einem hohen Risiko für Herzerkrankungen liegt das Blutdruck-Ziel unter 130/80 mmHg.

Allgemeine Behandlung von Diabetes

Diabetiker profitieren sehr davon, wenn sie etwas über die Erkrankung lernen, wenn sie verstehen, wie Ernährung und körperliche Aktivität ihre Blutzuckerspiegel beeinflussen, und wenn sie wissen, wie sie Komplikationen vermeiden können. Eine für Diabetesschulung ausgebildete Pflegekraft kann Informationen über Ernährung, körperliche Aktivität, Überwachung der Blutzuckerspiegel und die Einnahme von Medikamenten geben.

Diabetiker sollten aufhören zu rauchen und Alkohol nur in moderaten Mengen trinken (höchstens ein Glas pro Tag bei Frauen und zwei bei Männern).

Ernährung für Menschen mit Diabetes

Eine adäquate Ernährung ist bei Betroffenen mit beiden Formen von Diabetes mellitus wichtig. Ärzte empfehlen eine gesunde, ausgewogene Ernährung und Bemühungen, ein gesundes Gewicht zu halten. Diabetiker können von einem Gespräch mit einem Ernährungsberater oder einem Diabetespädagogen profitieren, bei dem ein optimaler Essplan entwickelt wird. In diesem Plan sollten keine Einfachzucker und verarbeiteten Lebensmittel enthalten sein, dafür mehr Ballaststoffe und nur begrenzte Mengen von kohlehydratreichen- und fettreichen Nahrungsmitteln (vor allem gesättigte Fettsäuren). Menschen, die Insulin nehmen, sollten keine großen zeitlichen Abstände zwischen den Mahlzeiten haben, damit ihr Blutzucker nicht zu stark abfällt (Hypoglykämie). Zwar liefern auch Protein und Fett in der Nahrung Kalorien, aber nur die Kalorienzahl aus Kohlehydraten hat eine direkte Wirkung auf die Blutzuckerspiegel. Die US-amerikanische Diabetesgesellschaft (American Diabetes Association) stellt viele hilfreiche Ernährungstipps, darunter auch Rezepte, zur Verfügung. Selbst, wenn Menschen eine gesunde Ernährung befolgen, benötigen sie Cholesterin-senkende Medikamente, um das Risiko für eine Herzerkrankung zu senken.

Menschen mit Typ-1-Diabetes und bestimmte Menschen mit Typ-2-Diabetes können Kohlehydratzähler oder einen Kohlehydratumrechner verwenden, mit dem sie ihre Insulin-Dosis auf die Kohlehydratmenge ihrer Mahlzeit abstimmen können. Das „Zählen“ der Menge an Kohlehydraten in einer Mahlzeit wird zur Berechnung der Menge an insulin verwendet, die eine Person vor der Mahlzeit nehmen sollte. Aber das Verhältnis Kohlehydrate zu Insulin (die Menge an Insulin, die für jedes Gramm Kohlehydrate in der Mahlzeit einzunehmen ist) ist von Person zu Person unterschiedlich, und Menschen mit Diabetes müssen eng mit einem Diät- und Ernährungsberater zusammenarbeiten, der Erfahrung mit Diabetikern hat, um diese Technik zu erlernen. Einige Fachleute raten zur Verwendung des glykämischen Index (ein Messprinzip, das die Auswirkung der über die Nahrung aufgenommenen Kohlehydrate auf den Blutzuckerspiegel misst), um zwischen schnell- und langsam verstoffwechselten Kohlehydraten zu unterscheiden. Aber für dieses Konzept gibt es nur wenig stichhaltige Nachweise.

Sport bei Menschen mit Diabetes

Körperliche Aktivität in angemessenem Umfang (mindestens 150 Minuten pro Woche verteilt über drei Tage), kann den Betroffenen auch helfen, ihr Gewicht zu kontrollieren und den Blutglukosespiegel zu verbessern. Da der Blutglukosespiegel beim Training sinkt, müssen die Betroffenen auf Symptome einer Unterzuckerung achten. Manche Menschen müssen während ausgedehnter körperlicher Aktivität einen kleinen Snack zu sich nehmen, ihre Insulindosis reduzieren oder beides tun.

Gewichtsverlust bei Menschen mit Diabetes mellitus

Viele Menschen, vor allem Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig oder adipös. Einige Typ-2-Diabetiker können die Einnahme von Medikamenten vermeiden oder verzögern, wenn sie ein gesundes Gewicht erreichen und halten. Die Abnahme von Gewicht ist bei diesen Menschen auch deshalb wichtig, weil Übergewicht die Komplikationen von Diabetes mellitus verschlimmert. Wenn es Menschen mit Diabetes mellitus schwerfällt, durch Ernährung und Sport Gewicht zu verlieren, können sie Medikamente zur Gewichtsabnahme erhalten oder sich einer bariatrischen Operation unterziehen (ein chirurgischer Eingriff zur Gewichtsabnahme).

Vorbeugung von Komplikationen durch Diabetes mellitus

Eine richtige Fußpflege und regelmäßige Augenuntersuchungen können dabei helfen, durch Diabetes mellitus bedingte Komplikationen zu vermeiden oder zu verzögern. Diabetiker sollten sich gegen Streptococcus pneumoniae impfen lassen. Ärzte empfehlen eine jährliche Impfung gegen Grippe, da Diabetiker auch ein Risiko für eine Grippeinfektion tragen.

Wussten Sie ...

Medikamentöse Behandlung von Diabetes

Es gibt viele Medikamente zur Behandlung von Diabetes. Diabetiker mit Typ-1-Diabetes benötigen eventuell Insulin-Injektionen, um erhöhte Blutzuckerspiegel zu senken. Die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen oral verabreichte Medikamente zur Senkung der Blutzuckerspiegel. Einige brauchen jedoch zudem Insulin oder andere Medikamente, die gespritzt werden.

Überwachung der Diabetes-Behandlung

Die Überwachung der Blutzuckerspiegel ist ein entscheidender Bestandteil der Diabetesbehandlung. Bei der Kontrolle der Blutzuckerspiegel werden Informationen erstellt, die benötigt werden, um die Medikamente, Ernährung und körperlichen Aktivitäten entsprechend anzupassen. Wenn man wartet, bis sich Symptome für niedrige oder hohe Blutzuckerspiegel entwickeln, ist das Unglück vorprogrammiert.

Viele Faktoren beeinflussen Veränderungen der Blutzuckerspiegel:

  • Ernährung

  • Körperliche Aktivität

  • Stress

  • Krankheit

  • Arzneimittel

  • Tageszeit

Die Blutzuckerspiegel können hochschnellen, nachdem Menschen etwas gegessen haben, ohne zu wissen, dass es kohlenhydratreich war. Emotionaler Stress, Infektionen und viele Medikamente lassen die Blutzuckerspiegel ansteigen. Aufgrund der natürlichen Hormonausschüttung (Wachstumshormon und Kortisol) steigen bei vielen Menschen die Blutzuckerspiegel in den frühen Morgenstunden an, die Reaktion wird als Dawn-Phänomen bezeichnet. Der Blutzuckerspiegel kann auch in die Höhe schießen, wenn der Körper als Antwort auf niedrige Blutzuckerspiegel bestimmte Hormone ausschüttet (Somogyi-Effekt). Sport kann die Konzentrationen von Zucker im Blut senken.

Überwachung der Blutzuckerspiegel

Blutzuckerspiegel können leicht zuhause oder sonst wo gemessen werden.

Ein Blutzuckertest am Finger wird am häufigsten zur Kontrolle des Blutzuckers verwendet. Die Geräte zur Überwachung der Blutzuckerspiegel (Glukosemessgeräte oder Glukometer) verwenden einen Blutstropfen, der durch den Stich einer kleinen Lanzette in die Fingerkuppe gewonnen wird. Die Lanzette trägt eine winzige Nadel, die in den Finger gestochen werden kann oder in ein Gerät mit Federmechanismus platziert wird, und dringt leicht und schnell durch die Haut. Die meisten Menschen empfinden das Stechen nur wenig störend. Dann wird auf einem Reagenzstreifen ein Blutstropfen platziert. Der Streifen enthält Chemikalien, die sich, je nach Blutzuckerspiegel, ändern. Ein Blutzuckermessgerät liest die Veränderungen auf dem Teststreifen ab und zeigt das Ergebnis digital an. Bei einigen Geräten ist es möglich, die Blutprobe an anderen Stellen zu entnehmen, z. B. an der Handfläche, am Unterarm, am Oberarm, am Oberschenkel oder an der Wade. Blutzuckermessgeräte für Zuhause sind kleiner als ein Satz Spielkarten.

Geräte zur kontinuierlichen Glukoseüberwachung (CGM) verwenden einen kleinen Blutzuckersensor, der unter die Haut platziert wird. Der Sensor misst die Blutzuckerspiegel alle paar Minuten. Es gibt zwei Arten von CGMs mit unterschiedlichem Zweck:

  • Profi

  • Persönlich

Professionelle CGMs erheben laufend über einen bestimmten Zeitraum (72 Stunden bis zu 14 Tage) hinweg Daten zum Blutzuckerspiegel. Medizinische Fachkräfte geben ihre Empfehlungen zur Behandlung auf Basis dieser Daten aus. Professionelle CGMs geben keine Informationen über den Diabetiker selbst aus.

Persönliche CGMs werden vom Diabetiker selbst verwendet. Sie geben Daten zum Blutzucker in Echtzeit auf einem kleinen tragbaren Monitor oder einem angeschlossenen Smartphone aus. Beim CGM-Gerät kann ein hörbarer Alarm eingestellt werden, wenn die Blutzuckerspiegel zu stark fallen oder zu hoch steigen. Das Gerät kann den Menschen also dabei helfen, bedrohliche Veränderungen im Blutzuckerspiegel schnell zu erkennen.

Bisher mussten die CGMs regelmäßig mit einem Blutzuckertest am Finger kalibriert werden. Außerdem waren ihre Ergebnisse nicht genau genug. Daher mussten die Diabetiker immer auch noch ihre Werte am CGM mit einem Blutzuckertest am Finger bestätigen, bevor sie die Dosis Insulin berechnen konnten (z. B. vor den Mahlzeiten oder zur Korrektur eines hohen Blutzuckergehalts). Dank jüngster technischer Fortschritte sind die CGMs mittlerweile viel besser und werden auch in der Zukunft weiter optimiert. Sie können für bis zu 14 Tage getragen werden, müssen häufig nicht kalibriert werden und können für die Insulin-Dosierung ohne Bestätigung des Glukosewerts am Finger verwendet werden. Und schließlich gibt es jetzt auch Systeme, bei denen das CGM-Gerät mit den Insulinpumpen kommuniziert, um entweder die Zufuhr von Insulin zu stoppen, wenn der Blutzucker abfällt (Aussetzschwellwert) oder um täglich Insulin zu verabreichen (hybrides Kreislaufsystem).

GCM-Geräte sind jedoch unter bestimmten Umständen besonders hilfreich, z. B. bei Typ-1-Diabetikern mit häufigen, raschen Veränderungen im Blutzuckergehalt (insbesondere, wenn die Blutzuckerspiegel manchmal stark abfallen), die mit dem Blutzuckertest am Finger schwer zu erkennen sind.

Die meisten Diabetiker sollten ihre Blutzuckerspiegel aufzeichnen und Ihrem Arzt oder Ihrer Pflegekraft berichten, um sich bei der Anpassung der Insulindosis oder der Dosis des oralen Antidiabetikums beraten zu lassen. Viele Menschen können lernen, die Insulindosis selbst nach Bedarf anzupassen. Einige Menschen, die sehr leichten oder einen frühen Typ-2-Diabetes haben, der mit einem oder zwei Medikamenten gut eingestellt ist, müssen ihren Blutzucker anhand eines Blutzuckertests am Finger nur ab und zu testen.

Zwar kann auch der Urin auf das Vorhandensein von Glukose getestet werden, die Urinkontrolle ist jedoch keine gute Lösung, um die Behandlung zu überwachen oder anzupassen. Die Urinuntersuchung kann irreführend sein, da die Glukosemenge im Urin eventuell nicht den aktuellen Blutzuckerspiegel widerspiegelt. Blutzuckerspiegel können ohne Veränderung der Glukosespiegel im Urin sehr stark fallen oder ziemlich ansteigen.

Hämoglobin A1C

Die Ärzte können die Behandlung mithilfe eines Bluttests, dem Hämoglobin-A1c-Test, überwachen. Wenn das Blut lange Zeit viel Glukose enthält, verändert sich das Hämoglobin, also das Protein, das im Blut den Sauerstoff transportiert. Diese Veränderungen stehen im direkten Verhältnis zu den Blutzuckerspiegeln über einen längeren Zeitraum. Je höher der Hämoglobin-A1c-Gehalt ist, umso höher war der Blutzuckerspiegel des Betroffenen. Somit zeigt die Hämoglobin A1C-Messung, anders als die Blutglukosemessung, bei der der Spiegel zu einem bestimmten Zeitpunkt angezeigt wird, ob die Blutglukosespiegel in den vergangenen Monaten kontrolliert worden sind.

Diabetiker haben einen Hämoglobin A1C-Zielwert von weniger als 7 %. Es ist nicht einfach, diesen Wert zu erreichen, aber je niedriger der Hämoglobin A1C-Wert, desto weniger wahrscheinlich kommt es zu Komplikationen. Ärzte können bei bestimmten Menschen, abhängig von ihrer individuellen gesundheitlichen Verfassung, ein leicht höheres oder niedrigeres Ziel empfehlen. Werte über 9 Prozent zeigen allerdings eine schlechte Kontrolle, und Werte über 12 Prozent eine sehr schlechte Kontrolle. Die meisten auf Diabetes spezialisierten Ärzte empfehlen, das Hämoglobin A1C alle 3 bis 6 Monate zu messen.

Fructosamin

Fructosamin, eine an Glukose gebundene Aminosäure, ist ebenfalls zur Messung der Blutglukosekontrolle über einen Zeitraum von einigen Wochen geeignet und wird allgemein verwendet, wenn die Hämoglobin A1C-Ergebnisse nicht verlässlich sind, beispielsweise bei Menschen mit veränderten Hämoglobinformen.

Bauchspeicheldrüsentransplantation

Menschen mit Typ-1-Diabetes erhalten manchmal eine Transplantation der gesamten Bauchspeicheldrüse oder nur des Teils mit den Insulin produzierenden Zellen aus einer Spender-Bauchspeicheldrüse implantiert. Mit diesem Verfahren können Menschen mit Typ-1-Diabetes einen normalen Blutzuckerspiegel aufrechterhalten. Allerdings müssen sie immununterdrückende Medikamente nehmen, damit ihr Körper die transplantierten Zellen nicht abstößt. Die Transplantation der Bauchspeicheldrüse wird in der Regel nur bei Menschen mit schweren Komplikationen aufgrund der Diabeteserkrankung oder bei Menschen, die ein anderes Organ (wie eine Niere) transplantiert bekommen und ohnehin immununterdrückende Medikamente nehmen müssen, vorgenommen.

Menschen, die Probleme bei der Aufrechterhaltung gesunder Blutzuckerspiegel haben

Der Begriff „labiler Diabetes“ wurde verwendet, um Menschen zu bezeichnen, die immer wieder starke Schwankungen in den Blutzuckerspiegeln haben, häufig, ohne offensichtlichen Grund. Aber dieser Begriff wird nicht mehr verwendet. Menschen mit Typ-1-Diabetes haben häufiger starke Schwankungen in den Blutzuckerspiegeln, weil sie selbst überhaupt kein Insulin bilden. Infektionen, träge Beförderung der Nahrung zum Magen und andere Hormonstörungen können ebenfalls zu starken Schwankungen im Blutzuckerspiegel führen. Bei allen Menschen, die Probleme bei der Kontrolle ihres Blutzuckerspiegels haben, suchen Ärzte nach anderen Störungen, die möglicherweise Probleme verursachen. Sie können Betroffenen auch gezielt anleiten, wie man seinen Diabetes richtig überwacht und die Medikamente einnimmt.

Ältere Personen mit Diabetes

Ältere Menschen müssen die gleichen allgemeinen Prinzipien der Diabetesbehandlung – Schulung, Ernährung, körperliche Betätigung und Medikamente – wie jüngere Menschen befolgen. Allerdings kann die strikte Kontrolle der Blutzuckerspiegel zu Hypoglykämie (einem niedrigen Blutzuckerspiegel) führen, was bei Menschen, die mehrere Leiden haben, tatsächlich schädlich sein kann.

Bei älteren Menschen kann es schwieriger sein, den Diabetes zu kontrollieren. Schlechte Augen machen es ihnen eventuell schwer, die Glukometer und die Dosisskalen auf den Insulinspritzen abzulesen. Sie können Probleme mit der Handhabung der Spritze haben, weil sie an Arthritis oder Parkinson-Krankheit leiden oder einen Schlaganfall erlitten haben.

Ausbildung

Ältere Menschen müssen nicht nur etwas über Diabetes selbst lernen, sondern auch, wie die Behandlung des Diabetes zu ihrer Behandlung anderer Erkrankungen passt. Es ist besonders wichtig, zu lernen, wie Komplikationen wie etwa eine Dehydratation, Hautschädigung und Durchblutungsprobleme vermieden und wie Faktoren behandelt werden können, die zu Komplikationen von Diabetes beitragen, wie z. B. Bluthochdruck und hoher Cholesterinspiegel. Diese Probleme werden im Alter häufiger, unabhängig davon, ob Diabetes vorliegt oder nicht.

Ernährung

Viele ältere Menschen haben Probleme damit, sich an eine gesunde, ausgeglichene Ernährung zu halten, mit der die Blutzuckerspiegel und das Gewicht kontrolliert werden können. Eine Änderung von lange befolgten Nahrungsmittelpräferenzen und Ernährungsgewohnheiten kann schwierig sein. Manche älteren Menschen leiden an anderen Erkrankungen, die durch die Ernährung beeinflusst werden können, und sie verstehen eventuell nicht, wie sie die Ernährungsempfehlungen für ihre verschiedenen Erkrankungen einbinden sollen.

Manche älteren Menschen können nicht kontrollieren, was sie essen, da für sie gekocht wird – zuhause, im Pflegeheim oder in einer anderen Einrichtung. Wenn Diabetiker nicht selbst kochen, müssen die für sie einkaufenden und kochenden Personen auch die Ernährung verstehen, die erforderlich ist. Ältere Menschen und ihre Betreuer profitieren häufig von einem Treffen mit einem Ernährungsberater zur Entwicklung eines gesunden, im Bereich des Möglichen liegenden Essplans.

Körperliche Aktivität

Ältere Menschen können Probleme damit haben, körperliche Aktivität in ihren Alltag einzubringen, insbesondere, wenn sie nicht aktiv gewesen sind oder wenn sie an einer Erkrankung wie z. B. Arthritis leiden, die ihre Bewegung einschränkt. Es kann jedoch möglich sein, die körperliche Bewegung in die Alltagsroutine einzubringen. Sie können beispielsweise laufen, anstatt zu fahren oder Treppen steigen, anstatt den Fahrstuhl zu benutzen. Viele Gemeinschaftsorganisationen bieten außerdem Bewegungsprogramme an, die für ältere Menschen entwickelt wurden.

Arzneimittel

Die Einnahme der Medikamente zur Diabetesbehandlung, insbesondere von Insulin, kann für einige ältere Menschen problematisch sein. Für Personen mit Sehproblemen oder anderen Schwierigkeiten, die die Genauigkeit beim Befüllen einer Spritze erschweren, kann ein Betreuer die Spritzen vorher vorbereiten und im Kühlschrank lagern. Personen mit stabiler Insulindosis können Fertigspritzen kaufen. Insulin-Fertigpens können für Personen mit körperlichen Einschränkungen einfacher sein. Einige dieser Geräte haben große Zahlen und leicht drehbare Scheiben.

Überwachung der Blutzuckerspiegel

Schlechte Augen, eingeschränkte manuelle Geschicklichkeit durch Arthritis, Tremor oder Schlaganfall oder andere körperliche Einschränkungen können die Überwachung der Blutzuckerspiegel für ältere Menschen schwieriger machen. Es gibt jedoch spezielle Monitore. Manche haben große numerische Anzeigen, die leichter abgelesen werden können. Manche liefern hörbare Anweisungen und Ergebnisse. Manche Monitore lesen die Blutzuckerspiegel durch die Haut ab und benötigen keine Blutprobe. Man kann einen Diabetes-Pädagogen befragen, um festzustellen, welches Messgerät am besten geeignet ist.

Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Die häufigste Komplikation bei der Behandlung von hohen Blutzuckerspiegeln sind niedrige Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie). Das Risiko ist für ältere, gebrechliche Menschen am größten, die so krank sind, dass sie häufig ins Krankenhaus aufgenommen werden müssen, oder die mehrere Medikamente einnehmen. Von allen erhältlichen Medikamenten zur Behandlung von Diabetes verursachen langwirksame Sulfonylharnstoffe am wahrscheinlichsten niedrige Blutzuckerspiegel bei älteren Menschen. Wenn sie diese Medikamente einnehmen, haben sie auch wahrscheinlicher ernste Symptome wie Ohnmacht und Stürze sowie Probleme beim Denken oder bei der Verwendung von Körperteilen aufgrund eines niedrigen Blutzuckerspiegels.

Hypoglykämie kann bei älteren Menschen weniger augenscheinlich sein als bei jüngeren. Die durch eine Unterzuckerung hervorgerufene Verwirrung kann fälschlich auf eine Demenz oder die sedierende Wirkung von Medikamenten zurückgeführt werden. Außerdem sind Menschen, die Kommunikationsprobleme haben (z. B. nach einem Schlaganfall oder aufgrund von Demenz) vielleicht nicht in der Lage, jemanden auf ihre Symptome aufmerksam zu machen.

Vorbeugung

Typ-1-Diabetes

Keine Behandlung kann das Ausbrechen von Diabetes mellitus Typ 1 verhindern. Einige Medikamente können einen frühen Typ-1-Diabetes bei einigen Menschen wieder rückgängig machen, wahrscheinlich, weil sie das Immunsystem davon abhalten, die Bauchspeicheldrüsenzellen zu zerstören. Aber diese Medikamente haben Nebenwirkungen und können nur begrenzt eingesetzt werden.

Typ-2-Diabetes

Typ-2-Diabetes, hingegen, kann durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten verhindert werden. Menschen, die übergewichtig sind und nur 7 Prozent ihres Körpergewichts verlieren und körperlich aktiver werden (z. B. in dem sie 30 Minuten täglich zu Fuß gehen) können ihr Risiko für Diabetes mellitus um mehr als 50 % senken. Metformin und Acarbose, Medikamente zur Behandlung von Diabetes mellitus, können das Risiko für Diabetes bei Menschen mit beeinträchtigter Glukoseregulation reduzieren.

Weitere Informationen

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