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Plötzlicher Hörverlust

Von

Lawrence R. Lustig

, MD, Columbia University Medical Center and New York Presbyterian Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Quellen zum Thema

Ein plötzlicher Hörverlust ist ein mittelschwerer bis schwerer Hörverlust, der sich über wenige Stunden hinweg entwickelt oder beim Erwachen erkannt wird. Ein solcher Hörverlust betrifft typischerweise nur ein Ohr (außer in Fällen, in denen die Ursache ein Arzneimittel ist). Je nach Ursache des plötzlichen Hörverlusts haben Menschen andere Symptome, wie z. B. Pfeifen in den Ohren (Tinnitus), Schwindel oder ein falsches Gefühl der Bewegung oder des Sich-Drehens (Vertigo). Ein plötzlicher Hörverlust tritt bei etwa 1 von 5.000 bis 1 von 10.000 Personen pro Jahr auf. Siehe Schwerhörigkeit für Informationen zu einer sich allmählich entwickelnden Schwerhörigkeit.

Ursachen

Die Ursachen für einen plötzlichen Hörverlust sind in drei allgemeine Kategorien eingeteilt:

  • Eine unbekannte Ursache

  • Ein feststellbares, erklärendes Ereignis (wie z. B. Gehirninfektion oder Kopfverletzung)

  • Zugrunde liegende Erkrankung

Unbekannte Ursache

Bei den meisten Menschen kann für den plötzlichen Hörverlust keine Ursache gefunden werden. Ärzte haben jedoch mehrere Theorien. Zu den möglichen Ursachen gehören Virusinfektionen (insbesondere Infektionen mit Herpes-simplex-Viren), ein Angriff des Innenohrs oder seiner Nerven durch das körpereigene Immunsystem (Autoimmunreaktion) und die Blockierung kleiner Blutgefäße des Innenohrs oder der Blutgefäße der Nerven. Vielleicht gibt es unterschiedliche Ursachen für verschiedene Personen.

Feststellbares Ereignis

Bei vielen anderen Personen ist die Ursache für den plötzlichen Hörverlust feststellbar. Dazu gehören:

Eine Kopfverletzung (wie z. B. Bruch des Schläfenbeins im Schädel oder manchmal schwere Gehirnerschütterungen ohne Bruch) kann das Innenohr beschädigen und zu einem plötzlichen Hörverlust führen.

Starke Druckveränderungen (wie z. B. beim Tauchen oder seltener durch Niederdrücken beim Gewichtheben) können zu einem Loch (Fistel) zwischen Mittel- und Innenohr führen. Manchmal ist eine solche Fistel von der Geburt an vorhanden und kann spontan einen plötzlichen Hörverlust verursachen oder eine Person nach einer Kopfverletzung oder Druckveränderungen für Schwerhörigkeit anfälliger machen.

Ototoxische Arzneimittel sind Arzneimittel, die schädigende Nebenwirkungen auf die Ohren haben. Einige Arzneimittel können schnell zu Schwerhörigkeit führen, manchmal sogar innerhalb eines Tages (insbesondere bei einer Überdosis). Einige wenige Personen leiden unter einer seltenen genetischen Erkrankung, die sie bei der Einnahme von Antibiotika (Aminoglykoside) für Schwerhörigkeit anfälliger macht. Alle Personen, die solche Antibiotika einnehmen, sollten während der Einnahme auf toxische Werte untersucht werden, die einen Hörverlust verursachen können. Bei Patienten, die Arzneimittel wie Aminoglykoside einnehmen, die mit dem Urin ausgeschieden werden, sollte auch die Nierenfunktion überprüft und überwacht werden, um Nierenschäden zu vermeiden.

Zahlreiche Infektionen verursachen einen plötzlichen Hörverlust während oder unmittelbar nach einer akuten Krankheit. Zu diesen Infektionen gehören bakterielle Meningitis, Lyme-Borreliose und viele Virusinfektionen. Die am häufigsten auftretenden viralen Ursachen in Industrieländern sind Mumps und Infektionen des Gehirns durch Herpes simplex. Masern sind selten die Ursache, weil die meisten Personen gegen diese Infektion geimpft sind.

Zugrunde liegende Erkrankungen

Plötzlicher Hörverlust kann in seltenen Fällen das erste Symptom einiger Erkrankungen sein, die in der Regel andere erste Symptome aufweisen. Zu diesen Erkrankungen gehören ein Tumor des Hörnervs (sogenanntes Akustikus-Neurinom, multiple Sklerose, die Menière-Krankheit oder ein leichter Schlaganfall aufgrund einer Blockade der Arterie, die das Gleichgewichtszentrum des Gehirns (Kleinhirn bzw. Cerebellum) versorgt. Manchmal wird eine Syphilis-Infektion bei HIV-positiven Menschen wieder aktiv. Diese Reaktivierung kann einen plötzlichen Hörverlust auslösen.

Zu den selteneren Erkrankungen gehört das Cogan-Syndrom, bei dem eine Autoimmunreaktion das Innenohr (sowie die Augenoberfläche) angreift, bestimmte Erkrankungen, die mit einer Entzündung der Blutgefäße einhergehen (Vaskulitis), sowie Bluterkrankungen wie z. B. Waldenströms Makroglobulinämie, Sichelzellanämie und einige Formen von Leukämie.

Beurteilung

Die folgenden Informationen können helfen, zu klären, wann man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Plötzlicher Hörverlust an sich ist ein Warnsignal.

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Personen, die an plötzlichem Hörverlust leiden, sollten sofort einen Arzt zurate ziehen, da einige Ursachen schnell behandelt werden müssen. Wenn neben dem Hörverlust weitere Symptome einer Störung des Nervensystems auftreten, kann der Hörverlust ein Symptom einer Funktionsstörung der Nerven oder des Gehirns sein.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Das Ergebnis der Krankengeschichte in Kombination mit dem Ergebnis der körperlichen Untersuchung kann auf eine Ursache des plötzlichen Hörverlusts und die eventuell durchzuführenden Tests schließen lassen.

Ärzte notieren, ob ein oder beide Ohren von der Schwerhörigkeit betroffen sind und ob es ein besonderes Ereignis gegeben hat, wie z. B. eine Kopfverletzung, ein Tauchunfall oder eine infektiöse Krankheit. Sie fragen nach Begleiterscheinungen bezüglich des Ohrs (wie z. B. Pfeifen oder Ausfluss), des Gleichgewichtszentrums (wie z. B. Orientierungsstörung im Dunkeln oder Schwindel) und anderer Teile des Gehirns und Nervensystems (wie z. B. Kopfschmerzen, Schwäche oder anormaler Geschmackseindruck). Sie versuchen herauszufinden, ob momentan irgendwelche ototoxischen Arzneimittel eingenommen werden oder kürzlich eingenommen wurden.

Bei der körperlichen Untersuchung werden hauptsächlich die Ohren und das Gehör geprüft. Eine Untersuchung des Nervensystems wird ebenfalls durchgeführt.

Tabelle
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Einige Ursachen und Eigenschaften eines plötzlichen Hörverlusts

Ursache

Häufige Merkmale*

Tests

Unbekannt

Taubheit auf nur einem Ohr

Keine anderen Symptome

MRT mithilfe eines Kontrastmittels (Gadolinium)

Feststellbare Ursachen

Akute Infektion (wie z. B. bakterielle Meningitis, Lyme-Borreliose, Mumps oder Herpes simplex)

Taubheit auf einem oder beiden Ohren

Bei Menschen mit einer schweren, akuten Krankheit

Häufig Kopfschmerzen und Verwirrtheit

Bei Lyme-Borreliose folgt Taubheit auf einen typischen Ausschlag und erkältungsähnliche Symptome

Bei Mumps sind es Schmerzen in den Wangen beim Schlucken

Wenn nicht bereits durchgeführt, Bluttests und eine Lumbalpunktion

Audiogramm

Normalerweise Taubheit auf nur einem Ohr

Manchmal tritt Flüssigkeit (blutig, mit Blut durchsetzt oder klar) aus dem betroffenen Ohr aus

CT und/oder MRT

Druckveränderungen (wie es beim Tauchen der Fall sein kann)

Taubheit auf einem oder beiden Ohren

Plötzlich einsetzender Beginn während der ursächlichen Aktivität (z. B. Gerätetauchen, rascher Sinkflug) oder nach einem Schlag auf das Ohr

Manchmal in Begleitung mit Schmerzen, einem explosiven Klang, Schwindelgefühl oder Pfeifen im Ohr

Tympanometrie (Platzieren eines Gerätes im Ohr, um zu messen, wie gut der Schall durch das Ohr kommt)

Gleichgewichtstest mittels Elektronystagmographie (Test zum Aufzeichnen unwillkürlicher Bewegungen des Auges, die durch Nystagmus verursacht werden)

CT oder MRT

Arzneimittel, die das Ohr beschädigen (ototoxische Arzneimittel), einschließlich

  • Aspirin

  • Aminoglykoside (wie z. B. Gentamycin und Tobramycin)

  • Vancomycin

  • Cisplatin

  • Furosemid

  • Ethacrynsäure

  • Chinin

Taubheit auf beiden Ohren

Manchmal Schwindel und Gleichgewichtsverlust

Bei Menschen, die kürzlich mit der Einnahme eines ototoxischen Arzneimittels begonnen oder kürzlich ein solches Arzneimittel eingenommen haben

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Medikamentenspiegel im Blut

Versteckte Erkrankungen

Akustikus-Neurinom (akustischer Nerventumor)

Taubheit auf nur einem Ohr

Häufig Schwindel oder eine ein falsches Gefühl der Bewegung oder des Sich-Drehens (Vertigo) und Gleichgewichtsverlust

Manchmal herabhängende Gesichtsmuskeln und/oder Taubheit im Gesicht und abnormaler Geschmackseindruck

MRT mithilfe eines Kontrastmittels (Gadolinium)

Autoimmunerkrankungen, wie z. B. gewisse Bluterkrankungen, sowie Erkrankungen, die zu Vaskulitis und dem Cogan-Syndrom führen

Taubheit auf einem oder beiden Ohren

Manchmal Gelenkschmerzen oder Ausschlag

Bluttests

Taubheit auf nur einem Ohr bei etwa 75 % der Menschen

Manchmal Schwindel und/oder Pfeifen im Ohr

MRT mithilfe eines Kontrastmittels (Gadolinium)

Taubheit auf nur einem Ohr

Manchmal Schwäche oder Taubheit, die kommt und geht und die in verschiedenen Körperteilen auftritt

MRT mithilfe eines Kontrastmittels (Gadolinium)

Manchmal Spinalpunktion

Schlaganfall (beeinträchtigt das Cerebellum)

Taubheit auf nur einem Ohr

Manchmal Schwierigkeit mit Gleichgewicht oder Koordinierung

MRT mithilfe eines Kontrastmittels (Gadolinium)

Neuaktivierung von Syphilis bei Personen mit HIV-Infektion

Taubheit auf einem oder beiden Ohren

Manchmal Risikofaktoren für Geschlechtskrankheiten (wie z. B. ungeschützter Geschlechtsverkehr, mehrere Partner)

Bluttests

Manchmal Lumbalpunktion

*Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf. Eigenschaften und Ursachen können sich überlappen.

Alle Betroffenen sollten sich einem Audiogramm unterziehen.

Es kommt selten vor, dass plötzlicher Hörverlust das erste Symptom einer Erkrankung ist, bei der normalerweise zuerst andere Symptome auftreten. Die für diese Erkrankungen typischen Symptome müssen nicht unbedingt auftreten. Jedoch ignorieren manche Menschen leichte Symptome, die durch präzises Befragen und Untersuchen festgestellt werden könnten.

CT = Computertomographie; MRT = Magnetresonanztomographie.

Tests

Typischerweise sollte ein Audiogramm durchgeführt werden (ein Hörtest). Wenn Ärzte nicht davon ausgehen können, dass es sich klar um eine akute Infektion oder Medikamententoxizität handelt, wird in der Regel ebenfalls eine Magnetresonanztomographie (MRT) mit Gadolinium oder eine Computertomographie (CT) durchgeführt, insbesondere dann, wenn die Schwerhörigkeit auf einem Ohr ausgeprägter ist als auf dem anderen. Weitere Tests werden auf Grundlage der möglichen Ursache durchgeführt. Bei Personen mit einer Kopfverletzung sollte zum Beispiel eine MRT durchgeführt werden. Bei möglichen Geschlechtskrankheiten sollte Blut auf HIV und Syphilis geprüft werden.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der bekannten Ursache des plötzlichen Hörverlusts. Wenn die Ursache unbekannt ist, verschreiben viele Ärzte Kortikosteroide mit antiviralen Arzneimitteln, die gegen Herpes simplex wirken (wie z. B. Valaciclovir oder Famciclovir), auch wenn es keinen gesicherten Nachweis gibt, dass antivirale Arzneimittel wirksam sind.

Wenn die Ursache unbekannt ist, gewinnt etwa die Hälfte der Patienten ihr normales Hörvermögen zurück, während die anderen ihr Hörvermögen teilweise zurückerlangen. Eine Verbesserung tritt gegebenenfalls innerhalb von 10 bis 14 Tagen ein. Die Erholung von einem ototoxischen Arzneimittel hängt weitgehend von dem Arzneimittel und der Dosierung ab. Bei manchen Arzneimitteln (wie z. B. Aspirin und Diuretika) kehrt das Hörvermögen innerhalb von 24 Stunden wieder zurück. Antibiotika und Arzneimittel für Chemotherapien verursachen bei Überschreiten der sicheren Dosierung häufig eine permanente Schwerhörigkeit.

Wichtigste Punkte

  • Warum ein plötzlicher Hörverlust auftritt, weiß man gewöhnlich nicht.

  • Wenige Patienten haben eine feststellbare Ursache (wie z. B. eine schwere Kopfverletzung oder Infektion oder die Einnahme von Arzneimitteln, die das Gehör beschädigen können).

  • Bei sehr wenigen Patienten ist ein plötzlicher Hörverlust das erste Zeichen einer zugrunde liegenden Erkrankung.

Weitere Informationen

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