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Veränderungen im Körper beim Älterwerden

Von

Richard W. Besdine

, MD, Warren Alpert Medical School of Brown University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Quellen zum Thema

Der Körper verändert sich beim Älterwerden, weil es zu Veränderungen in einzelnen Zellen und in ganzen Organen kommt. Diese Veränderungen führen zu Veränderungen in der Funktionsfähigkeit und im Aussehen.

Alternde Zellen

Wenn Zellen altern, verlieren sie nach und nach ihre Funktionsfähigkeit. Schlussendlich müssen alte Zellen im Rahmen der normalen Funktionsfähigkeit des Körpers absterben.

Alte Zellen sterben manchmal ab, weil sie dazu programmiert sind. Die Gene in den Zellen programmieren einen Prozess, der nach Auslösung zum Zelltod führt. Dieser programmierte Tod, als Apoptose bezeichnet, ist eine Art Selbstmord der Zelle. Das Altern einer Zelle ist ein Auslöser. Alte Zellen müssen sterben, um Platz für neue Zellen zu machen. Andere Auslöser umfassen eine übermäßige Anzahl an Zellen und möglicherweise eine Schädigung der Zelle.

Alte Zellen sterben auch deshalb, weil sie sich nur begrenzt häufig teilen können. Die Grenze ist durch Gene vorprogrammiert. Wenn sich eine Zelle nicht mehr teilen kann, wird sie größer, existiert noch eine Weile und stirbt dann ab. Der Mechanismus, der die Zellteilung begrenzt, umfasst eine Struktur, die als Telomer bezeichnet wird. Telomere dienen zur Bewegung des Erbmaterials der Zelle als Vorbereitung auf die Zellteilung. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, verkürzen sich die Telomere ein wenig. Irgendwann sind die Telomere so kurz, dass sich die Zelle nicht weiter teilen kann. Wenn sich eine Zelle nicht mehr teilt, wird dies als Seneszenz (Zellalterung) bezeichnet.

Manchmal führt auch eine Zellschädigung direkt zum Zelltod. Zellen können durch schädliche Substanzen geschädigt werden, wie z. B. Strahlung, Sonnenlicht und Chemotherapeutika. Zellen können auch durch bestimmte Nebenprodukte ihrer eigenen normalen Aktivitäten geschädigt werden. Diese Nebenprodukte, die sogenannten freien Radikale, werden freigesetzt, wenn Zellen Energie produzieren.

Wussten Sie ...

  • Erkrankungen, nicht das Altern, sind für gewöhnlich für den Großteil des Funktionsverlusts verantwortlich.

Alternde Organe

Wie gut Organe funktionieren, hängt davon ab, wie gut die Zellen innerhalb von ihnen funktionieren. Ältere Zellen verlieren nach und nach ihre Funktionsfähigkeit. In manchen Organen sterben Zellen auch und werden nicht ersetzt, sodass die Anzahl der Zellen insgesamt sinkt. Die Anzahl von Zellen in Hoden, Eierstöcken, Leber und Nieren nimmt mit zunehmendem Alter des Körpers merklich ab. Sinkt die Anzahl der Zellen zu stark, kann ein Organ nicht mehr normal funktionieren. Deshalb funktionieren die meisten Organe im Alter weniger gut. Jedoch verlieren nicht alle Organe eine große Anzahl an Zellen, darunter z. B. das Gehirn. Gesunde ältere Menschen verlieren nicht viele Gehirnzellen. Erhebliche Verluste sind vorwiegend bei Menschen festzustellen, die einen Schlaganfall hatten oder unter einer Erkrankung leiden, die einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen (neurodegenerative Erkrankungen) verursacht, z. B. die Alzheimer-Krankheit oder Parkinson.

Die Abnahme der Funktion eines Organs, sei es aufgrund einer Erkrankung oder durch den Alterungsprozess an sich, kann Auswirkungen auf die Funktion anderer Organe haben. Wenn zum Beispiel Atherosklerose die Blutgefäße zu den Nieren verengt, funktionieren die Nieren schlechter, da der Blutfluss zu ihnen abnimmt.

Die ersten Zeichen des Alterns betreffen oft den Bewegungsapparat. Die Augen, gefolgt von den Ohren, beginnen sich im frühen mittleren Lebensalter zu verändern. Auch bei den meisten Funktionen im Körperinneren macht sich das Altern bemerkbar. Die meisten Körperfunktionen erreichen kurz vor dem 30. Lebensjahr ihren Höhepunkt und beginnen dann, allmählich, aber kontinuierlich, abzunehmen. Trotz dieser Abnahme ist die Funktion der meisten Organe ausreichend, da die meisten eine erheblich größere Kapazität haben, als der Körper abfordert (Funktionsreserve). Wenn zum Beispiel die Hälfte der Leber funktionsuntüchtig wäre, stünde dem Körper immer noch genügend Lebergewebe für eine normale Funktionsfähigkeit der Leber zur Verfügung. Wenn Organe ausfallen, ist dafür somit weniger der normale Alterungsprozess verantwortlich als vielmehr eine Erkrankung.

Selbst wenn die meisten Funktionen ausreichend bleiben, bedeutet die Abnahme der Funktionsfähigkeit, dass ältere Menschen mit verschiedenen Belastungen schlechter zurechtkommen, darunter anstrengende körperliche Aktivität, extreme Temperaturschwankungen in der Umwelt sowie Erkrankungen. Infolge dieser Funktionsabnahme leiden ältere Menschen auch mit größerer Wahrscheinlichkeit unter Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Manche Organe versagen unter Stress häufiger als andere. Zu diesen Organen zählen das Herz und die Blutgefäße, die Harnorgane (wie z. B. die Nieren) und das Gehirn.

Knochen und Gelenke

Die Knochendichte nimmt zunehmend ab. Ein mäßiger Verlust der Knochendichte wird als Osteopenie bezeichnet, während es sich bei einem starken Verlust der Knochendichte (einschließlich des Auftretens eines Knochenbruchs aufgrund eines Verlusts der Bindungsdichte) um Osteoporose handelt. Bei Vorliegen einer Osteoporose werden die Knochen schwächer und brechen leichter. Bei Frauen beschleunigt sich der Knochendichteverlust nach der Menopause, weil weniger Östrogen produziert wird. Östrogen verhindert, dass im Körper während des normalen Prozesses, d. h. bei der Bildung, dem Abbau und der Neubildung von Knochen, zu viel Knochen abgebaut wird.

Knochen verlieren teilweise auch deshalb an Dichte, weil sie weniger Kalzium enthalten (das den Knochen stärkt). Die Kalziummenge nimmt ab, weil der Körper weniger Kalzium aus der Nahrung aufnimmt. Auch die Menge an Vitamin D, das dem Körper bei der Regulierung des Kalziumspiegels hilft, nimmt leicht ab. Bestimmte Knochen werden dadurch stärker geschwächt als andere. Die am meisten betroffenen sind u. a. das Ende des Oberschenkelknochens (Femur) an der Hüfte, die Enden der Armknochen (Speiche und Elle) am Handgelenk und die Knochen in der Wirbelsäule (Rückenwirbel).

Veränderungen in den Rückenwirbeln am oberen Ende der Wirbelsäule bewirken, dass sich der Kopf nach vorne neigt, wodurch der Hals gestaucht wird. Infolgedessen fällt das Schlucken schwerer und man verschluckt sich schneller. Die Rückenwirbel verlieren an Dichte und das wie ein Polster wirkende Gewebe (Bandscheiben) zwischen ihnen verliert an Flüssigkeit und wird dünner, wodurch sich die Wirbelsäule verkürzt. Deshalb werden ältere Menschen kleiner.

Das Knorpelgewebe, das die Gelenke umgibt, verdünnt sich tendenziell, teilweise aufgrund von jahrelangem Verschleiß durch Bewegung. Die Gelenkoberflächen gleiten eventuell nicht mehr so gut übereinander wie früher und das Gelenk kann etwas anfälliger für Verletzungen werden. Knorpelschäden infolge lebenslanger Gelenknutzung oder aufgrund wiederholter Verletzungen führen häufig zur Osteoarthrose, einer der häufigsten Alterserkrankungen.

Bänder, die die Gelenke miteinander verbinden, und Sehnen, die den Muskel mit dem Knochen verbinden, verlieren tendenziell an Elastizität, wodurch sich die Gelenke verspannt oder steif anfühlen. Diese Gewebearten werden ebenfalls schwächer. In der Folge wird der Mensch weniger beweglich. Bänder und Sehnen reißen tendenziell leichter, und wenn sie reißen, heilen sie langsamer. Zu diesen Veränderungen kommt es, weil die Zellen, aus denen die Bänder und Sehnen aufgebaut sind, weniger aktiv werden.

Muskeln und Körperfett

Die Menge des Muskelgewebes (Muskelmasse) und die Muskelkraft beginnen, im Alter von ungefähr 30 Jahren abzunehmen und diese Tendenz hält für das restliche Leben an. Diese Abnahme wird teilweise durch körperliche Untätigkeit sowie durch einen sinkenden Wachstumshormon- und Testosteronspiegel verursacht, der die Muskelentwicklung stimuliert. Außerdem können sich die Muskeln nicht mehr so schnell zusammenziehen, weil mehr schnell kontrahierende (schnell zuckende) Muskelfasen als langsam kontrahierende (langsam zuckende) Muskelfasern verloren gehen. Jedoch reduzieren die Auswirkungen des Alterns die Muskelmasse und -stärke um nicht mehr als 10 bis 15 % während des Erwachsenenlebens. Ohne Krankheiten ist der Großteil des Verlustes, der über diese 10 bis 15 % hinausgeht, mit regelmäßiger Bewegung vermeidbar. Schwerwiegenderer Muskelschwund (auch als Sarkopenie bekannt, was wörtlich übersetzt „Fleischmangel“ bedeutet) wird durch eine Erkrankung oder extreme Inaktivität, nicht durch Altern allein, verursacht.

Die meisten älteren Menschen haben noch ausreichend Muskelmasse und -stärke, um alle notwendigen Aufgaben auszuführen. Viele ältere Menschen bleiben auch weiterhin sportlich sehr aktiv. Sie nehmen an Sportwettkämpfen teil und erfreuen sich einer vitalen körperlichen Aktivität. Doch auch die Fittesten werden im Alter einen gewissen körperlichen Abbau feststellen.

Wussten Sie ...

  • Um die während einer strengen Bettruhe täglich verlorene Muskelmasse auszugleichen, müssen ältere Menschen eventuell bis zu zwei Wochen trainieren.

Regelmäßige Bewegung zur Stärkung der Muskulatur (Krafttraining) kann zum Teil den Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft verhindern oder deutlich hinauszögern. Beim Muskelaufbautraining ziehen sich die Muskeln gegen den Widerstand durch die Schwerkraft (wie bei Situps oder Liegestützen), Gewichte oder Gummibänder zusammen. Erfolgt dieses Training regelmäßig, können selbst Menschen, die bisher nie trainiert haben, ihre Muskelmasse und -stärke erhöhen. Umgekehrt kann körperliche Inaktivität, insbesondere Bettruhe während einer Krankheit, den Verlust beträchtlich beschleunigen. Während Phasen der Inaktivität verlieren ältere Menschen sehr viel schneller an Muskelmasse und -stärke als jüngere Menschen. Um zum Beispiel die während einer strengen Bettruhe täglich verlorene Muskelmasse auszugleichen, müssen ältere Menschen eventuell bis zu zwei Wochen trainieren.

Im Alter von 75 Jahren hat sich der prozentuale Körperfettanteil im Vergleich zum Wert im jungen Erwachsenenalter üblicherweise verdoppelt. Zu viel Körperfett kann das Risiko für gesundheitliche Probleme wie Diabetes erhöhen. Die Verteilung des Fetts verändert auch die Form des Rumpfes. Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können älteren Menschen helfen, die Zunahme an Körperfett zu minimieren.

Augen

Beim Älterwerden passiert Folgendes:

  • Die Linse wird steifer, sodass naheliegende Objekte schwerer zu erkennen sind.

  • Die Linse wird dichter, was das Sehen im dämmrigen Licht erschwert.

  • Die Pupille reagiert langsamer auf Lichtveränderungen.

  • Die Linse verfärbt sich gelb, wodurch sich die Farbwahrnehmung verändert.

  • Die Anzahl der Nervenzellen nimmt ab, wodurch die Tiefenwahrnehmung beeinträchtigt wird.

  • Die Augen produzieren weniger Flüssigkeit, sodass sie sich trocken anfühlen.

Eine Veränderung der Sehkraft ist häufig das erste unleugbare Anzeichen für das Älterwerden.

Veränderungen der Augenlinse können Folgendes verursachen oder dazu beitragen:

  • Verlust der Nahsicht: Im Alter zwischen 40 und 50 bemerken die meisten Menschen, dass es schwieriger wird, Objekte zu erkennen, die sich im Umkreis von weniger als 60 cm befinden. Zu dieser Veränderung der Sehkraft, als Alterssichtigkeit bezeichnet, kommt es, weil die Augenlinse steifer wird. Normalerweise verändert die Linse ihre Form, um dem Auge zu helfen, Dinge scharf zu sehen. Eine steifere Linse macht es schwieriger, nahe liegende Objekte zu erkennen. Letztendlich leidet nahezu jeder von uns irgendwann an Alterssichtigkeit und benötigt zum Lesen ein Vergrößerungsglas. Menschen, die eine Brille benötigen, um Objekte in der Ferne zu sehen, benötigen eventuell eine Zweistärkenbrille (Bifokalbrille) oder eine Brille mit Gleitsichtgläsern.

  • Bedarf an hellerem Licht: Während Menschen älter werden, fällt ihnen das Sehen in dämmrigem Licht schwerer, weil sich die Linse tendenziell eintrübt. Eine dichtere Linse bedeutet, dass dadurch weniger Licht auf die Netzhaut im hinteren Teil des Auges fällt. Außerdem verliert die Netzhaut, die die lichtsensiblen Zellen enthält, an Lichtempfindlichkeit. Deshalb wird beim Lesen ein helleres Licht benötigt. Im Durchschnitt benötigen 60-Jährige dreimal so viel Licht zum Lesen wie 20-Jährige.

  • Veränderungen in der Farbwahrnehmung: Farben werden anders wahrgenommen, teilweise weil sich die Linse im Alter zunehmend gelb färbt. Farben können weniger scheinend wirken und Kontraste zwischen unterschiedlichen Farben schwerer zu erkennen sein. Blau kann mehr wie grau aussehen und eine blaue Schriftfarbe oder ein blauer Hintergrund kann wie verwaschen wirken. Diese Veränderungen sind für die meisten Menschen weniger von Bedeutung. Allerdings können ältere Menschen Probleme haben, schwarze Schrift auf blauem Grund bzw. blaue Schrift zu lesen.

Die Pupille im Auge reagiert langsamer auf Lichtveränderungen. Die Pupille weitet und verengt sich, um mehr oder weniger Licht einzulassen, abhängig von der Helligkeit in der Umgebung. Eine langsam reagierende Pupille bedeutet, dass ältere Menschen eventuell zunächst nichts sehen können, wenn sie einen dunklen Raum betreten. Oder sie können sich vorübergehend blind fühlen, wenn sie einen hell erleuchteten Bereich betreten. Ältere Menschen können sich auch allgemein leichter geblendet fühlen. Jedoch lässt sich eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber blendendem Licht häufig auf verdunkelte Bereiche in der Linse oder auf eine Linsentrübung (grauer Star) zurückführen.

Wussten Sie ...

  • Die meisten 60-Jährigen benötigen dreimal so viel Licht zum Lesen wie 20-Jährige.

Feine Einzelheiten, einschließlich Unterschiede in Schattierungen und Farbtönen, lassen sich schwerer erkennen. Der Grund dafür ist vermutlich eine Abnahme der Anzahl der Nervenzellen, die visuelle Signale vom Auge ins Gehirn übertragen. Diese Veränderung wirkt sich auf die Tiefenwahrnehmung aus, wodurch es schwieriger wird, Entfernungen einzuschätzen.

Ältere Menschen sehen eventuell mehr winzige schwarze Flecken, die sich über ihr Gesichtsfeld bewegen. Diese Flecken, als „fliegende Mücken“ oder „Mouches volantes“ bezeichnet, sind winzige Mengen normaler Augenflüssigkeit, die sich verfestigt haben. Mouches volantes beeinträchtigen die Sehkraft nicht signifikant. Sofern sich ihre Anzahl nicht plötzlich erhöht, gibt es keinen Grund zur Beunruhigung.

Die Augen werden zunehmend immer trockener. Zu dieser Veränderung kommt es, weil die Anzahl der Zellen, die Flüssigkeit zur Benetzung der Augen produzieren, abnimmt. Die Tränenproduktion kann sich verringern.

Das Aussehen der Augen ändert sich auf mehrere Weisen:

  • Das Weiße im Auge (Sklera) kann sich leicht gelb oder braun färben. Diese Veränderung ist die Folge vieler Jahre Exposition gegenüber UV-Licht, Wind und Staub.

  • Es können willkürliche Farbtupfer im Weißen im Auge zu sehen sein, insbesondere bei Menschen mit dunklem Teint.

  • Ein grau-weißer Ring (Arcus senilis) kann auf der Augenoberfläche zu sehen sein. Der Ring besteht aus Kalzium und Cholesterinsalzen. Dieser hat keine Auswirkungen auf die Sehkraft.

  • Das untere Augenlid kann eventuell vom Augapfel weghängen, weil die Muskeln um das Auge herum schwächer werden und die Sehnen sich dehnen. Dieser Zustand (Ektropium) kann die Benetzung des Augapfels beeinträchtigen und zu trockenen Augen beitragen.

  • Das Auge scheint in den Kopf zurückzusinken, weil das Fettgewebe um die Augen herum abnimmt.

Ohren

Die meisten Veränderungen beim Hören liegen ebenso an der Exposition gegenüber lauten Geräuschen wie am Älterwerden (siehe auch Schwerhörigkeit). Exposition gegenüber Lärm schädigt mit der Zeit die Hörfähigkeit des Ohrs. Dennoch treten manche Veränderungen beim Hören im Alter unabhängig von der Exposition gegenüber Lärm auf.

Mit zunehmendem Alter fällt das Hören von hohen Tönen schwerer. Diese Veränderung gilt als altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis). So klingt zum Beispiel Geigenmusik weniger hell.

Wussten Sie ...

  • Eine deutliche Aussprache der Konsonanten kann hilfreicher sein, als mit älteren Menschen, die Probleme beim Verstehen von Sprache haben, lauter zu sprechen.

  • Hohe Töne sind für ältere Menschen besonders schwer zu hören.

Die frustrierendste Konsequenz von Presbyakusis kann darin bestehen, dass Wörter schwerer verstanden werden. Folglich haben ältere Menschen den Eindruck, dass andere Personen nuscheln. Selbst wenn andere Personen lauter sprechen, haben ältere Menschen nach wie vor Schwierigkeiten, die Wörter zu verstehen. Der Grund hierfür ist der, dass die meisten Konsonanten (darunter k, t, s, p und ch) hohe Töne und Konsonanten die Laute sind, die Menschen bei der Identifizierung von Wörtern helfen. Da Vokale niedrigere Töne sind, sind sie leichter zu hören. Somit verstehen ältere Menschen eventuell „ag mir genau, wa du behalen möe“ anstatt „Sag mir genau, was du behalten möchtest“. Um hier zu helfen, muss man Konsonanten deutlicher aussprechen, anstatt einfach nur insgesamt lauter zu sprechen. Frauen und Kinder akustisch zu verstehen kann schwieriger sein, als Männer akustisch zu verstehen, weil die meisten Frauen und Kinder hohe Stimmen haben. Allmählich lässt auch die Fähigkeit, niedrigere Töne zu hören, nach.

Viele ältere Menschen haben aufgrund der Geräuschkulisse im Hintergrund mehr Hörprobleme an lauten Orten oder in Menschengruppen. Außerdem bildet sich tendenziell mehr Ohrenschmalz, das das Hörvermögen zusätzlich beeinträchtigt.

Darüber hinaus können auch dicke Haare aus den Ohren wachsen.

Mund und Nase

Nach dem 50.Lebensjahr setzt im Allgemeinen ein langsames Nachlassen des Geschmacks- und Geruchssinns ein. Beide Sinne werden benötigt, um die vollständige Palette an Aromen in Nahrungsmitteln genießen zu können. Die Zunge kann nur fünf grundlegende Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, sauer, bitter, salzig und ein relativ neu entdeckter Geschmack, der als Umami bezeichnet wird (häufig als fleischartig oder herzhaft beschrieben). Der Geruchssinn wird benötigt, um subtilere und komplexere Aromen (wie z. B. Himbeere) zu erkennen.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Empfindlichkeit der Geschmacksknospen auf der Zunge ab. Diese Veränderung wirkt sich mehr auf das Schmecken von süß und salzig als auf das Schmecken von bitter und sauer auf. Die Fähigkeit zu riechen nimmt ab, weil die Nasenschleimhaut dünner und trockener wird und die Nervenenden in der Nase verfallen. Dies ist jedoch nur eine leichte Veränderung und betrifft für gewöhnlich nur subtile Gerüche. Aufgrund dieser Veränderungen schmecken viele Lebensmittel tendenziell bitter und Lebensmittel mit subtilen Aromen eventuell fad.

Der Mund fühlt sich häufiger trocken an, teilweise weil weniger Speichel produziert wird. Ein trockener Mund mindert die Fähigkeit, Nahrungsmittel zu schmecken, noch weiter.

Im Alter geht das Zahnfleisch leicht zurück. Folglich sind die unteren Zahnabschnitte gegenüber Essenspartikeln und Bakterien ausgesetzt. Auch der Zahnschmelz baut sich nach und nach ab. Diese Veränderungen, zusammen mit einem trockenen Mund, machen die Zähne anfälliger für Verfall und Löcher (Karies) und erhöhen somit die Wahrscheinlichkeit für Zahnverlust.

Wenn wir älter werden, wird die Nase länger und größer, und die Nasenspitze senkt sich tendenziell ab.

In der Nase und oberhalb der Oberlippe und am Kinn können dicke Haare wachsen.

Haut

Die Haut wird zunehmend dünner, weniger elastisch, trockener und leicht runzlig. Die jahrelange Exposition gegenüber Sonnenlicht trägt jedoch stark zur Faltenbildung bei und lässt die Haut rau und fleckig werden. Menschen, die die Sonne meiden, sehen häufig viel jünger aus, als sie tatsächlich sind.

Die Haut verändert sich teilweise, weil Kollagen (ein widerstandsfähiges, faseriges Gewebe, das die Haut straff erscheinen lässt) und Elastin (das die Haut dehnbar macht) chemische Veränderungen durchmachen und weniger geschmeidig werden, aber auch, weil der alternde Körper weniger Kollagen und Elastin produziert. Das führt dazu, dass die Haut leichter einreißt.

Die Fettschicht unter der Haut wird dünner. Diese Schicht dient der Haut wie ein Polster und hilft, sie zu schützen und zu stützen. Die Fettschicht hilft auch, Körperwärme zu speichern. Wird diese Schicht dünner, bilden sich eher Falten und die Toleranz gegenüber Kälte nimmt ab.

Die Zahl der Nervenenden in der Haut verringert sich. Deshalb werden Menschen weniger schmerz-, temperatur- und druckempfindlich und die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen nimmt zu.

Die Anzahl der Schweißdrüsen und Blutgefäße sinkt und der Blutfluss in die tieferen Hautschichten nimmt ab. Folglich kann der Körper schlechter Wärme aus dem Körperinneren durch die Blutgefäße an die Körperoberfläche leiten. Somit verlässt weniger Wärme den Körper und dieser kann sich selbst schlechter kühlen. Das Risiko für hitzebedingte Erkrankungen, wie z. B. Hitzschlag, steigt. Bei geringerem Blutfluss verheilt die Haut außerdem tendenziell langsamer.

Die Anzahl der Pigment produzierenden Zellen (Melanozyten) nimmt ab. Dadurch ist die Haut weniger gegen UV-Strahlung, wie z. B. bei Sonnenlicht, geschützt. Es bilden sich große braune Flecken (Altersflecken) auf der Haut, die dem Sonnenlicht ausgesetzt war, vermutlich weil die Haut Abfallprodukte schlechter abbauen kann.

Die Haut kann schlechter Vitamin D bilden, wenn sie gegenüber Sonnenlicht ausgesetzt ist. Daher besteht ein erhöhtes Risiko für Vitamin-D-Mangel.

Gehirn und Nervensystem

Die Anzahl der Nervenzellen im Gehirn nimmt für gewöhnlich ab. Allerdings kann das Gehirn diesen Verlust zum Teil auf verschiedene Weisen kompensieren:

  • Während die Zahl der Nervenzellen abnimmt, werden zwischen den verbliebenen Nervenzellen neue Verbindungen geknüpft.

  • In einigen Gehirnregionen können sich selbst in hohem Alter möglicherweise noch neue Nervenzellen bilden.

  • Das Gehirn verfügt über mehr Zellen, als es braucht, um die meisten Aktivitäten auszuführen (als Redundanz bezeichnet).

Die Konzentrationen der chemischen Stoffe, die an der Übertragung von Signalen an das Gehirn beteiligt sind, nehmen tendenziell ab, doch einige nehmen hingegen zu. Nervenzellen verlieren eventuell einige Rezeptoren für diese chemische Signalübertragung. Die Durchblutung des Gehirns sinkt. Aufgrund dieser altersbedingten Veränderungen funktioniert das Gehirn möglicherweise etwas schlechter. Ältere Menschen reagieren etwas langsamer und führen auch Aufgaben etwas langsamer aus, wenn man ihnen jedoch Zeit gibt, wird alles sorgfältig erledigt. Manche geistigen Funktionen, wie z. B. Wortschatz, Kurzzeitgedächtnis, die Fähigkeit, neue Inhalte zu lernen und sich Wörter zu merken, können im Alter über 70 Jahren etwas vermindert sein.

Ab einem Alter von ungefähr 60 beginnt die Anzahl der Zellen in der Wirbelsäule abzunehmen. Für gewöhnlich wirkt sich diese Veränderung nicht auf die Muskelkraft oder die Sinneswahrnehmung aus.

Wussten Sie ...

  • Das Gehirn hat Methoden entwickelt, um den beim Älterwerden auftretenden Verlust der Nervenzellen zu kompensieren.

Im Alter leiten die Nerven Signale unter Umständen langsamer weiter. Gewöhnlich ist diese Veränderung aber so gering, dass man sie gar nicht merkt. Nerven reparieren sich selbst eventuell auch langsamer und unvollständig. Deshalb können bei älteren Menschen mit geschädigten Nerven die Sinneswahrnehmung und die Muskelkraft verringert sein.

Herz und Blutgefäße

Herz und Blutgefäße werden steifer. Das Herz füllt sich langsamer mit Blut. Die steiferen Arterien weiten sich schlechter, wenn mehr Blut durch sie hindurchgepumpt wird. Dadurch kommt es häufiger zu Bluthochdruck.

Trotz dieser Veränderungen funktioniert ein gesundes altes Herz nach wie vor gut. Unterschiede zwischen jungen und alten Herzen werden nur dann deutlich, wenn das Herz schwer arbeiten und mehr Blut pumpen muss, z. B. während körperlicher Anstrengung oder einer Krankheit. Ein älteres Herz kann den Herzschlag nicht so schnell beschleunigen oder so schnell oder so viel Blut pumpen wie ein jüngeres Herz. Deshalb sind ältere Sportler nicht mehr so leistungsfähig wie jüngere. Jedoch kann regelmäßiges aerobes Training die sportliche Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen verbessern.

Lunge und Atemmuskulatur

Die beim Atmen beanspruchten Muskeln, also das Diaphragma und die Zwischenrippenmuskeln, werden tendenziell schwächer. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Lungenbläschen (Alveolen) und der Kapillaren in der Lunge ab. Somit wird etwas weniger Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft aufgenommen. Die Lunge verliert an Elastizität. Bei Menschen, die nicht rauchen und keine Lungenerkrankung haben, wirken sich diese Veränderungen nicht auf gewöhnliche tägliche Aktivitäten aus, können jedoch sportliche Aktivitäten erschweren. Auch in großer Höhe (wo die Luft weniger Sauerstoff enthält) kann die Atmung schwerer fallen.

Die Lunge kann Infektionen schlechter abwehren, teilweise weil die Zellen, die Schmutz mit Mikroorganismen aus den Atemwegen abtransportieren, diese Funktion schlechter ausführen können. Husten, der auch hilft, die Lunge von Schleim zu befreien, ist tendenziell schwächer.

Verdauungssystem

Das Verdauungssystem ist im Großen und Ganzen weniger vom Älterwerden betroffen als die meisten anderen Teile des Körpers. Die Muskeln der Speiseröhre ziehen sich weniger stark zusammen, jedoch wirkt sich dies nicht auf die Bewegung der Nahrung durch die Speiseröhre aus. Nahrung wird geringfügig langsamer aus dem Magen entleert und dieser kann wegen sinkender Elastizität insgesamt nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen. Bei den meisten Menschen sind diese Veränderungen jedoch zu geringfügig, als dass sie bemerkt werden.

Bei manchen Menschen verursachen bestimmte Veränderungen Probleme. Der Verdauungstrakt produziert eventuell weniger Laktase, ein Enzym, das der Körper für die Verdauung von Milch benötigt. Infolgedessen entwickeln ältere Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Intoleranz gegenüber Milchprodukten (Laktoseintoleranz). Menschen mit Laktoseintoleranz können nach dem Konsum von Milchprodukten unter Völlegefühl, Blähungen oder Durchfall leiden.

Der Transport durch den Dickdarm verlangsamt sich. Bei manchen Menschen führt diese Verlangsamung zu Verstopfung.

Die Leber schrumpft, weil die Anzahl der Zellen abnimmt. Weniger Blut fließt hindurch und Leberenzyme, die dem Körper beim Abbau von Arzneimitteln und anderen Substanzen helfen, arbeiten weniger effizient. Das führt dazu, dass die Leber eventuell etwas schlechter beim Abbau von Arzneimitteln und anderen Substanzen im Körper hilft. Wirkungen von Arzneimitteln, gewünschte als auch unerwünschte, halten deshalb länger an.

Nieren und Harnwege

Die Nieren schrumpfen, weil die Anzahl der Zellen abnimmt. Weniger Blut fließt durch die Nieren und ab einem Alter von ungefähr 30 Jahren beginnen sie, auch weniger Blut zu filtern. Mit den Jahren werden Abfallprodukte schlechter aus dem Blut beseitigt. Unter Umständen scheiden sie zu viel Wasser und zu wenig Salz aus, was die Wahrscheinlichkeit einer Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) erhöht. Dennoch funktionieren sie nahezu immer gut genug, um die Anforderungen des Körpers zu erfüllen.

Bestimmte Veränderungen in den Harnwegen können die Harnkontrolle erschweren:

  • Die Höchstmenge an Urin, welche die Blase halten kann, nimmt ab. Deshalb kann es bei älteren Menschen zu vermehrtem Harndrang kommen.

  • Die Blasenmuskulatur kann sich unvorhersehbar zusammenziehen (überaktiv werden), unabhängig davon, ob die Person urinieren muss oder nicht.

  • Die Blasenmuskulatur ist geschwächt. Folglich kann sie die Blase nicht so gut entleeren und nach dem Wasserlassen bleibt in der Blase mehr Urin zurück.

  • Der Muskel, der den Durchlass von Urin aus dem Körper (Harnblasensphinkter) kontrolliert, schließt sich weniger fest und es kommt häufiger zum Austritt von Urin. Deshalb fällt es älteren Menschen schwerer, das Wasserlassen hinauszuzögern.

Diese Veränderungen sind ein Grund dafür, warum im Alter Harninkontinenz (unkontrollierbarer Urinverlust) häufiger auftritt.

Bei Frauen verkürzt sich die Harnröhre (die Röhre, durch die der Urin den Körper verlässt) und ihre Schleimhäute werden dünner. Die Abnahme des Östrogenspiegels, die mit der Menopause einhergeht, kann zu dieser und zu anderen Veränderungen in den Harnwegen beitragen.

Bei Männern kommt es tendenziell zu einer Vergrößerung der Prostata. Bei vielen Männern vergrößert sie sich dermaßen, dass der Durchlass von Urin beeinträchtigt und eine vollständige Blasenentleerung verhindert wird. Daraus folgt, dass ältere Männer mit zunehmend weniger Druck urinieren, es länger bis zum Urinstrahl dauert, am Ende des Strahls Urin nachtröpfelt und insgesamt häufiger uriniert werden muss. Bei älteren Männern ist es auch wahrscheinlicher, dass sie gar nicht urinieren können, obwohl sie eine volle Blase haben (als Harnverhaltung bezeichnet). Diese Krankheit erfordert umgehende medizinische Versorgung.

Geschlechtsorgane

Frauen

Die Auswirkungen des Alterns auf den Sexualhormonspiegel sind bei Frauen offensichtlicher als bei Männern. Bei Frauen stehen die meisten dieser Wirkungen mit der Menopause in Verbindung, wenn der Spiegel der weiblichen Hormone (insbesondere von Östrogen) drastisch sinkt, die Menstruation endgültig endet und eine Schwangerschaft nicht länger möglich ist. Das Sinken des Spiegels der weiblichen Hormone führt dazu, dass die Eierstöcke und die Gebärmutter (Uterus) schrumpfen. Das Scheidengewebe wird dünner, trockener und weniger elastisch (atrophische Vaginitis). Bei schweren Fällen können diese Veränderungen zu Juckreiz, Blutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und plötzlichem Harndrang (akuter Harndrang) führen.

Die Brust verliert an Festigkeit, das Bindegewebe wird faseriger und die Brust sackt tendenziell ab. Diese Veränderungen erschweren das Auffinden von Knoten in der Brust.

Wussten Sie ...

  • Da sich die Brust im Alter verändert, könnte es schwerer sein, Knoten festzustellen, die auf Krebs hindeuten.

Einige der Veränderungen, die mit der Menopause beginnen (wie z. B. ein niedrigerer Hormonspiegel und Scheidentrockenheit), können sich auf die sexuelle Aktivität auswirken. Bei den meisten Frauen beeinträchtigt das Älterwerden jedoch nicht die Freude an sexueller Aktivität. Sich keine Sorgen darüber machen zu müssen, eventuell schwanger zu werden, kann die sexuelle Aktivität und die Freude daran sogar noch steigern.

Männer

Bei Männern treten Veränderungen der Sexualhormonspiegel weniger plötzlich auf. Der Spiegel des männlichen Hormons Testosteron sinkt, was zu vermindertem Sperma und einem verringerten Sexualtrieb (Libido) führt, wobei die Abnahme jedoch allmählich erfolgt. Obwohl der Blutfluss zum Penis tendenziell abnimmt, können die meisten Männer ihr ganzes Leben lang Erektionen und Orgasmen haben. Die Erektionen dauern jedoch vielleicht nicht so lange, sind eventuell weniger steif oder können zur Aufrechterhaltung mehr Stimulation erfordern. Bis zur nächsten Erektion muss eventuell mehr Zeit vergehen. Erektile Dysfunktion (Impotenz) tritt bei Männern im Alter häufiger auf und ist oft die Folge einer Erkrankung, die für gewöhnlich die Blutgefäße betrifft (wie z. B. eine Gefäßerkrankung), oder von Diabetes.

Endokrines System

Der Spiegel und die Aktivität einiger der von endokrinen Drüsen produzierten Hormone sinken.

  • Der Wachstumshormonspiegel sinkt, wodurch die Muskelmasse abnimmt.

  • Der Aldosteronspiegel sinkt, wodurch Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) wahrscheinlicher wird. Dieses Hormon signalisiert dem Körper, Salz zu speichern und damit Wasser.

  • Insulin, das den Blutzuckerspiegel im Blut kontrolliert, ist weniger effektiv und insgesamt wird eventuell weniger Insulin produziert. Insulin bewirkt, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen wandert, wo es in Energie umgesetzt werden kann. Die Veränderungen bei Insulin bedeuten, dass der Blutzuckerspiegel nach einer üppigen Mahlzeit stärker ansteigt und es länger dauert, bis er wieder auf einen Normalwert sinkt.

Für die meisten Menschen haben die Veränderungen im endokrinen System keine merkliche Auswirkung auf den Gesundheitszustand. Bei manchen erhöhen die Veränderungen jedoch das Risiko für gesundheitliche Probleme. Die Veränderungen beim Insulin erhöhen zum Beispiel das Risiko für Typ-2-Diabetes. Somit werden körperliche Bewegung und Ernährung, die die Wirkung von Insulin verbessern können, im Alter wichtiger.

Blutproduktion

Die Menge des aktiven Knochenmarks, dem Produktionsort der Blutzellen, nimmt ab. Deshalb werden weniger Blutzellen produziert. Dennoch kann das Knochenmark für gewöhnlich ein Leben lang ausreichend Blutzellen produzieren. Zu Problemen kann es kommen, wenn der Bedarf an Blutzellen stark erhöht ist, zum Beispiel wenn der Körper eine Blutarmut oder Infektion entwickelt oder Blutungen auftreten. In diesen Fällen ist das Knochenmark weniger in der Lage, die Produktion der Blutzellen zu erhöhen, um auf die Bedürfnisse des Körpers zu reagieren.

Immunsystem

Die Zellen des Immunsystems arbeiten langsamer. Diese Zellen identifizieren und zerstören fremde Substanzen, wie z. B. Bakterien, andere infektiöse Mikroorganismen und vermutlich Krebszellen. Die Verlangsamung der Immunreaktion erklärt teilweise die verschiedenen altersbezogenen Erkenntnisse:

  • Krebs kommt bei älteren Menschen häufiger vor.

  • Impfstoffe bieten älteren Menschen tendenziell einen geringeren Schutz. Impfstoffe gegen Grippe, Lungenentzündung und Gürtelrose sind dennoch unerlässlich und bieten einen gewissen Schutz.

  • Manche Infektionen, wie z. B. Lungenentzündung (Pneumonie) und Grippe, kommen bei älteren Menschen öfters vor und führen häufiger zum Tod.

  • Der Schweregrad von Allergiesymptomen nimmt eventuell ab.

Während sich die Immunreaktion verlangsamt, treten Autoimmunerkrankungen eventuell seltener auf.

Tabelle
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So altert der Körper: Einige normale Veränderungen

Was passiert?

Warum?

Geistige Fähigkeiten

Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern oder das richtige Wort zu finden

Konzentrationsschwierigkeiten

Schwierigkeiten beim Lernen neuer Inhalte

Die Nervenzellen im Gehirn setzen unterschiedliche Mengen an bestimmten chemischen Botenstoffen frei (die Impulse von Zelle zu Zelle senden), und die Anzahl der Rezeptoren auf den Nervenzellen kann abnehmen. Folglich sendet das Gehirn Impulse weniger gut bzw. verarbeitet diese schlechter oder langsamer.

Körperliche Aktivität

Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsverlust

Strukturen im Innenohr, die beim Gleichgewicht helfen, werden steifer und verfallen langsam.

Der Teil des Gehirns, der für die Gleichgewichtskontrolle verantwortlich ist (Kleinhirn) degeneriert.

Schwindel oder Benommenheit beim Stehen

Das Herz pumpt zu wenig Blut in den Kopf, weil es schlechter auf Positionsveränderungen reagiert.

Das Nervensystem signalisiert dem Herzen weniger effektiv, den Blutfluss zu erhöhen.

Die Blutgefäße ziehen sich nicht ausreichend zusammen, um im Stehen einen normalen Blutdruck aufrechtzuerhalten.

Verlust der Muskelkraft

Die Anzahl und Größe der Muskelfasern nehmen ab.

Der Körper produziert weniger Wachstumshormone und (bei Männern) weniger Testosteron, das die Aufrechterhaltung der Muskeln unterstützt.

Probleme mit der Beweglichkeit

Weniger Flexibilität

Es wird weniger Gelenkflüssigkeit produziert.

Der Knorpel zwischen den Knochen in den Gelenken wird steifer und kann erodieren.

Sehnen und Bänder werden steifer und schwächer.

Muskelgewebe geht verloren, wird durch Fett- oder fibröses Gewebe ersetzt, was die Muskelkraft mindert und zu Muskelversteifung führt.

Schwierigkeiten bei anstrengender körperlicher Aktivität

Das Herz kann dem vermehrten Blutbedarf bei körperlicher Aktivität nicht nachkommen. Es kann den Herzschlag nicht mehr so schnell beschleunigen oder so schnell pumpen wie früher, teilweise weil das Herz und die Blutgefäße steifer und weniger elastisch werden. Außerdem reagiert das Herz nicht so schnell oder so gut auf chemische Botenstoffe, die es normalerweise zum Beschleunigen stimulieren.

Die Lunge kann dem Sauerstoffbedarf bei körperlicher Aktivität nicht nachkommen. Mit jedem Atemzug wird weniger Luft eingeatmet und die Lunge nimmt nicht mehr so viel Sauerstoff auf.

Die Sinnesorgane

Benötigen einer Lesebrille

Die Augenlinse wird steifer, sodass naheliegende Objekte schwerer zu erkennen sind.

Schwierigkeiten beim Sehen in dämmrigem Licht

Die Netzhaut im Auge wird weniger lichtempfindlich.

Die Augenlinse trübt sich ein.

Schwierigkeiten beim Anpassen an Lichtveränderungen

Die Pupillen reagieren langsamer auf Lichtveränderungen.

Verdunkelte Bereiche in der Augenlinse erhöhen die Empfindlichkeit gegenüber blendendem Licht.

Die Anzahl der Zellen, die Flüssigkeit zur Benetzung der Augen produzieren, nimmt ab.

Die Tränendrüsen produzieren weniger Tränen.

Schwierigkeiten, die Äußerungen anderer zu verstehen

Es entwickelt sich altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis), der häufig hauptsächlich die hohen Frequenzen betrifft (dazu gehören Konsonanten – die Töne, die dabei helfen, Wörter zu identifizieren).

Es entwickelt sich altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis).

Ohrenschmalz sammelt sich.

Verlust des Geschmackssinns

Die Geschmacksknospen werden weniger empfindlich.

Menschen nehmen Gerüche weniger gut wahr, weil die Nasenschleimhaut dünner und trockener wird und die Nervenenden in der Nase verfallen.

Es wird weniger Speichel produziert.

Essprobleme

Der Mund ist trocken.

Die beim Schlucken beteiligten Muskeln werden schwächer und die Koordination ist beeinträchtigt.

Menschen kauen das Essen eventuell nicht ausreichend, weil die Zähne fehlen oder Zahnprothesen nicht gut sitzen. Dann können die Essensstücke zu groß zum Schlucken sein.

Die Knochen am oberen Ende der Wirbelsäule verändern sich, sodass sich der Kopf nach vorne neigt und dadurch der Hals gestaucht wird.

Appetitlosigkeit

Der Geschmackssinn lässt nach und Essen wird weniger schmackhaft.

Der Geruchssinn lässt nach und Essen wird weniger schmackhaft.

Der Mund ist trocken, was zu Geschmacksverlust führt.

Kauen kann schwierig sein, weil Zähne fehlen, die Kiefermuskeln schwach sind oder Zahnprothesen nicht gut sitzen.

Das Schlucken fällt schwer.

Haut und Haar

Falten

Die Haut reißt leichter ein

Die Fettschicht unter der Haut, die als Polster dient, wird dünner.

Der Körper produziert weniger Kollagen und Elastin, die die Haut fest und elastisch machen.

Die Drüsen in der Haut produzieren weniger Öl.

Blutergüsse und verletzte Blutgefäße

Die Blutgefäße in der Haut werden brüchiger.

Wundheilung verlangsamt

Die Zahl der Blutgefäße in der Haut verringert sich.

Für die Wundheilung verantwortliche Zellen arbeiten langsamer und ihre Zahl nimmt ab.

Schwierigkeiten beim Anpassen an Temperaturveränderungen

Die Fettschicht unter der Haut, die dabei hilft, Körperwärme zu speichern, wird dünner.

Die Anzahl der Schweißdrüsen nimmt ab und diese produzieren weniger Schweiß. Schweiß hilft, den Körper zu kühlen.

Die Anzahl der Blutgefäße sinkt und der Blutfluss in die tieferen Hautschichten nimmt ab. Folglich kann der Körper Wärme aus dem Körperinneren schlechter nach außen leiten.

Verminderte Wahrnehmung von und Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen

Die Zahl der Nervenenden in der Haut verringert sich.

Graue oder weiße Haare

Die Haarfollikel produzieren weniger Pigment (Melanin).

Haare werden dünner und fallen aus.

Haare, die regelmäßig ersetzt werden müssen, wachsen langsamer und manche Haarfollikel hören auf, neues Haar zu produzieren.

Sexualfunktion

Scheidentrockenheit

Es wird weniger Östrogen produziert.

Erektionen, die kürzer andauern, sind weniger steif oder es dauert länger, um diese zu erreichen

Es wird weniger Testosteron produziert.

Die Durchblutung des Penis sinkt.

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