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Karies

(Zahnkaries)

Von

Bernard J. Hennessy

, DDS, Texas A&M University, College of Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Quellen zum Thema

Bei Karies handelt es sich um zerstörte Bereiche im Zahn infolge eines Vorgangs, bei dem sich allmählich die harte Zahnoberfläche (Zahnschmelz) auflöst, bis auch das Innere des Zahnes angegriffen wird.

  • Bakterien und Rückstände lagern sich auf dem Zahnschmelz ab, und die Bakterien produzieren Fäulnis verursachende Säuren.

  • Zu Zahnschmerzen kommt es dann, wenn auch das Innere des Zahns angegriffen wird.

  • Durch die regelmäßige Untersuchung der Zähne und Röntgenbilder können Zahnärzte Karies diagnostizieren.

  • Gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnversorgung zusammen mit einer gesunden Ernährung können dazu beitragen, Karies zu vermeiden.

  • Fluoridbehandlungen können den Zahnschmelz remineralisieren. Bei tieferen Läsionen (Löchern) muss der Zahnarzt den beschädigten Zahnbereich jedoch durch Bohren entfernen und dann mit einem Füllmaterial auffüllen.

Neben Erkältungen und Zahnfleischerkrankungen ist Karies (von Bakterien verursacht) eines der häufigsten Leiden des Menschen. Wenn Karieslöcher nicht sachgerecht durch einen Zahnarzt behandelt werden, vergrößern sie sich immer mehr. Durch eine unbehandelte Karies kann es letztlich zu Zahnverlust kommen.

Risikofaktoren für Karies

Für Karies gibt es viele Risikofaktoren:

  • Plaque

  • Zahnstein

  • Schädigungen am Zahnschmelz

  • Zucker- oder säurehaltige Lebensmittel

  • Unzureichendes Fluorid im Zahn

  • Verminderter Speichelfluss (z. B. aufgrund von Arzneimitteln, Strahlentherapie bei Krebs oder systemischen Erkrankungen, die eine Speicheldrüsendysfunktion verursachen)

Unter Zahnbelag (Plaque) versteht man eine Mischung aus Bakterien, Speichel, Speiseresten und toten Zellen, die sich fortwährend auf den Zähnen ablagert.

Als Zahnstein, in Fachkreisen auch Calculus genannt, wird ein erhärteter Zahnbelag bezeichnet. Dieser kann weiß sein, meist ist er jedoch gelb und bildet sich an der Basis der Zähne.

Karies entsteht, wenn der Zahn dafür anfällig ist, wenn säureproduzierende Bakterien vorhanden sind und wenn die Bakterien geeignete Nährstoffe (z. B. Zucker) vorfinden, um sich zu vermehren und Säure produzieren zu können. Ein Zahn ist dann kariesanfällig, wenn der Zahnschmelz relativ wenig Fluorid enthält oder wenn er ausgeprägte Vertiefungen, Rillen und Ritzen (Fissuren) hat, in denen sich bakterieller Zahnbelag (Plaque) ansammeln kann. Eine unzureichende Mundhygiene, die einer Ablagerung des Zahnbelags und Zahnsteins nicht entgegenwirkt, kann diesen Prozess beschleunigen. Im Mund sind zwar viele Bakterien vorhanden, aber nur ganz bestimmte Arten produzieren Säure, die die Zähne schädigt. Am häufigsten wird Karies durchStreptococcus mutans-Bakterien verursacht.

Der Alterungsprozess im Visier: Zahnverlust

Vor nur einer Generation sind die Menschen davon ausgegangen, dass sie im Alter falsche Zähne tragen werden oder überhaupt keine Zähne mehr haben würden. Während der letzten Jahrzehnte hat sich diese Erwartung drastisch geändert. Knapp die Hälfte aller Menschen über 85 besitzen zwar nicht mehr ihr natürliches Gebiss, doch nimmt die Wahrscheinlichkeit, die Zähne im Laufe des Alters zu verlieren, stetig ab. Für diese Veränderung gibt es verschiedene Gründe: verbesserte Ernährung, besserer Zugang zu Zahnversorgung und bessere Behandlung bei Zahnfäule (Karies) und Parodontose.

Bei Zahnverlust ist das Kauen stark eingeschränkt und auch das Sprechen fällt schwerer. Das Aussehen verändert sich durch den Verlust der stützenden Zähne im Bereich der Lippen, Wangen, Nase und Kinn erheblich.

Menschen, die ihre Zähne ganz oder teilweise verloren haben, können immer noch Mahlzeiten zu sich nehmen, jedoch weichen sie meist auf weiche Lebensmittel aus. Hierbei handelt es sich oft um verhältnismäßig kohlenhydratreiche Lebensmittel, die wenig Proteine, Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Lebensmittel mit hohem Anteil an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen, wie z. B. Fleisch, Geflügel, Getreide und frisches Obst und Gemüse, sind in der Regel fester und schwieriger zu kauen. Daraus ergibt sich, dass ältere Menschen, die hauptsächlich weiche Lebensmittel zu sich nehmen, unter einer Mangelernährung leiden.

Die Nährstoffe, die von den Karies verursachenden Bakterien benötigt werden, erhalten sie aus der aufgenommenen Nahrung. Wenn Kleinkinder mit einer Flasche ins Bett gebracht werden, die etwas Anderes als Wasser enthält, sind ihre Zähne längerem Kontakt mit Ersatzmilch, Milch oder Saft ausgesetzt, was das Risiko von Karies erhöht. Eine stark zuckerhaltige Ernährung bietet auch die Nahrungsgrundlage für Bakterien.

Säure in der Ernährung beschleunigt die Zahnfäule. (Beispielsweise Limonaden, Sport- und Energiegetränke sind häufig sauer und fördern Karies.)

Verminderter Speichelfluss, der durch Medikamente oder Erkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom) verursacht wird, erhöht auch das Risiko für Zahnfäule (Karies). Ältere Menschen nehmen oft Medikamente, die den Speichelfluss reduzieren, was die Wahrscheinlichkeit von Karies ansteigen lässt.

Manche Menschen haben besonders aggressive Kariesbakterien im Mund. Eltern können ihre Kinder mit diesen Bakterien anstecken, vermutlich durch Küssen, durch das Vorkosten des Essens des Kindes oder durch gemeinsam benutztes Essbesteck. Die Bakterien vermehren sich im Mund des Kindes, nachdem die ersten Zähne durchbrechen, und können dann Karies verursachen. Wenn innerhalb einer Familie gehäuft Zahnfäule (Karies) auftritt, ist dies also nicht unbedingt ein Zeichen für schlechte Mundhygiene und falsche Ernährung. Diese Bakterien übertragen sich (selten) auch durch gesellige Kontakte mit anderen Menschen außerhalb der Familie.

Zahnfleischschwund erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit von Karies, da es hier zu freiliegenden Zahnwurzeln kommt, die nicht durch eine äußere Zahnschmelzschicht geschützt sind. Somit können die Bakterien leichter in die inneren Schichten des Zahnes eindringen. Zahnfleischschwund und eine Verringerung des Speichelflusses machen ältere Menschen anfällig für Karies an der Zahnwurzel.

Wie Zahnfäule (Karies) entsteht:

Karies im Zahnschmelz, der harten Außenschicht der Zähne, vergrößert sich nur langsam. Wenn die darunterliegende Zahnschicht, das etwas weichere, weniger widerstandsfähige Dentin (Zahnbein), erreicht ist, wird der Schaden rasch größer und betrifft dann auch das Zahnmark (Pulpa), den innersten Teil des Zahnes, in dem sich Nerven und Blutgefäße befinden. Es kann zwar zwei bis drei Jahre dauern, bis die Karies den Zahnschmelz durchdrungen hat, doch vom Dentin bis zum Zahnmark (eine viel größere Strecke) braucht sie nur etwa ein Jahr. Daher kann Zahnhalskaries, die im Dentin beginnt, den Zahn innerhalb kurzer Zeit erheblich schädigen.

Arten von Karies

Die Abbildung links zeigt einen gesunden, kariesfreien Zahn. Rechts ist ein Zahn mit drei verschiedenen Kariesschäden zu sehen.

Arten von Karies

Die Initialkaries an glatten Flächen wächst langsam, dort lässt sie sich am besten verhindern bzw. behandeln. Die Initialkaries zeigt sich dabei zunächst als weißer Fleck, in welchem Bakterien das Kalzium aus dem Zahnschmelz lösen. Initialkaries im Erwachsenengebiss beginnt gewöhnlich zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.

Fissurenkaries und tiefe Zahnkaries beginnt meist schon bei Jugendlichen in den bleibenden Zähnen und betrifft die engen Ritzen in den Kauflächen und an der Wangenseite der Backenzähne. Die Karies schreitet hier sehr schnell fort. Oft lassen sich diese kariesanfälligen Bereiche nur schlecht reinigen, da die Rillen schmaler sind als die Borsten einer Zahnbürste.

Zahnhalskaries bildet sich bei Zahnfleischrückgang, der gewöhnlich in der zweiten Lebenshälfte auftritt, in dem dann frei liegenden knochenähnlichen Gewebe, das die Zahnwurzel umgibt (Wurzelzement). Diese Art Karies entsteht oft durch Schwierigkeiten, die Zahnhälse zu reinigen, durch unzureichenden Speichelfluss, durch zuckerreiche Ernährung oder eine Kombination dieser Faktoren. Zahnhalskaries lässt sich von allen Kariesformen am schwierigsten verhindern und behandeln.

Wussten Sie ...

  • Eltern können ihre Kinder mit Karies verursachenden Bakterien durch Küssen oder gemeinsam benutztes Essbesteck anstecken.

Symptome

Ob Zahnverfall Schmerzen verursacht, hängt davon ab, welcher Teil des Zahnes befallen ist und wie tief sich der befallene Bereich erstreckt. Löcher im Zahnschmelz verursachen meist keine Schmerzen. Erst wenn die Karies das Dentin erreicht hat, setzen Schmerzen ein. Zunächst sind die Zähne oft kälte- oder hitzeempfindlich, oder verursachen Schmerzen, wenn der betroffene Zahn in Kontakt mit süßen Speisen oder Getränken kommt. Diese Art von Schmerz zeigt oft an, dass die Entzündung in der Pulpa reversibel ist. Wenn die Karies in diesem Stadium behandelt wird, kann der Zahnarzt den Zahn in aller Regel retten; höchstwahrscheinlich sind Schmerzen und Schwierigkeiten beim Kauen von da an behoben.

Wenn die Karieslöcher jedoch fast bis zum Zahnmark reichen oder dieses schon angegriffen ist, sind irreversible Schäden die Folge. Die Zahnschmerzen bestehen fort, wenn der Reiz (z. B. kaltes Wasser) nicht mehr vorhanden ist. Selbst ohne äußeren Reiz kann es zu Zahnschmerzen kommen (spontane Zahnschmerzen).

Wird das Zahnmark irreversibel geschädigt und stirbt daraufhin ab, können die Schmerzen vorübergehend abklingen. Der Zahn kann dann beim Zubeißen empfindlich reagieren oder wenn der Betroffene mit der Zunge oder einem Finger auf den Zahn drückt, da sich das Zahnende entzündet hat oder sich eine Infektion an der Zahnwurzel gebildet hat. Durch die Infektion kann es zu einer Eiteransammlung (periapikaler Abszess) kommen, die konstante Schmerzen hervorruft. Der Zahn schmerzt verstärkt beim Zubeißen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Gelegentlich zahnärztliche Röntgenaufnahmen

Wenn Karies behandelt wird, bevor Schmerzen auftreten, ist es weniger wahrscheinlich, dass das Zahnmark beschädigt worden ist, und es kann ein größerer Teil des Zahnes erhalten werden. Um Zahnschäden frühzeitig zu entdecken, fragt der Zahnarzt nach Schmerzen, begutachtet die Zähne, untersucht sie mit speziellen Instrumenten und macht möglicherweise Röntgenaufnahmen. Manche Ärzte setzen auch spezielle Kontrastmittel, faseroptische Lichtquellen und/oder neue Geräte, die Karies durch Änderungen in der elektrischen Leitfähigkeit oder Laserreflektivität feststellen. Eine zahnärztliche Untersuchung sollte alle 3–12 Monate erfolgen, abhängig von der Anfälligkeit für Karies und den Empfehlungen des Zahnarztes. Nicht bei jeder Untersuchung werden Röntgenaufnahmen gemacht, aber Röntgenaufnahmen sind dennoch wichtig, um Karies (auch unter vorhandenen Füllungen) zu erkennen und die Tiefe dieser Löcher zu bestimmen. Die Beurteilung der Zähne durch den Zahnarzt bestimmt, wie oft Röntgenaufnahmen durchgeführt werden sollten. (Sie werden bei Patienten mit geringem Risiko für neue Karies seltener vorgenommen.)

Wussten Sie ...

  • Das Trinkwasser bei mehr als der Hälfte der Menschen in den USA enthält Fluorid. Viele Menschen nehmen jedoch nicht genug davon zu sich, um Zahnfäule (Karies) wesentlich zu vermindern.

Vorbeugung

Es gibt einige wichtige allgemeine Strategien zur Vorbeugung von Karies:

  • Gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnversorgung

  • Gesunde Ernährung

  • Fluorid (im Wasser, in Zahnpasta oder beidem)

  • Unter Umständen Kauflächenversiegelung mit Fluorid und antibakterielle Behandlung

Mundhygiene

Zu einer guten Mundhygiene gehört es, die Zähne vor und nach dem Frühstück sowie vor dem Zubettgehen zu putzen und täglich Zahnseide zu verwenden. Dadurch wird der Zahnbelag entfernt und es kann wirksam Initialkaries vorgebeugt werden. Das Putzen mit der Zahnbürste verhindert die Kariesbildung an den Zahnoberflächen und -seiten, mit Zahnseide kommt man auch in die Zahnzwischenräume, die mit der Bürste nicht erreichbar sind.

Elektrische und Ultraschallzahnbürsten sind ausgezeichnet, aber eine gewöhnliche Zahnbürste reicht bei richtigem Gebrauch völlig aus. Richtiges Zähneputzen sollte etwa drei bis vier Minuten dauern. Dabei sollte nicht zu viel Zahnpasta benutzt werden, insbesondere solche mit schleifenden Substanzen, da dies zu Zahnabrieb führen kann (insbesondere wenn die Zähne direkt nach dem Kontakt mit säurehaltigen Getränken geputzt werden). Zahnseide wird vorsichtig in die Zahnzwischenräume eingeführt und dann am Zahnfleischsaum in C-Form um den Zahnhals gelegt. Durch dreimaliges Auf- und Abbewegen der Zahnseide können Zahnbeläge und Essensreste entfernt werden. Es gibt auch vielerlei kleine Sticks, die Zahnstochern ähneln und Interproximalbürsten genannt werden, und die mit Borsten oder Plastikspitzen versehen sind, um die Zahnzwischenräume zu säubern. Diese Sticks sind ebenfalls wirksam, können allerdings nur verwendet werden, wenn die Zahnzwischenräume entsprechend groß genug sind. Sie sind in vielen verschiedenen Größen erhältlich und können allein oder in Kombination mit verschiedenen Zahnpasten und Spülungen verwendet werden.

Zahnbelag ist anfangs recht weich, und wenn er mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden mit einer weichen Zahnbürste und Zahnseide entfernt wird, entsteht wahrscheinlich keine Karies. Wenn die Beläge jedoch verkalken, ein Vorgang, der nach 72 Stunden beginnt, lassen sie sich nicht mehr so leicht entfernen.

Ernährung

Alle Kohlenhydrate können in gewissem Maße Zahnfäule (Karies) verursachen, am schlimmsten ist aber Zucker. Einfache Zucker wirken alle gleich auf die Zähne, egal, ob es sich um Haushaltszucker (Saccharose), Zucker in Honig (Fruchtzucker und Traubenzucker), Obst (Fruchtzucker) oder Milch (Milchzucker) handelt. Immer wenn Zucker und Plaque zusammenkommen, produzieren die Streptococcus mutans-Bakterien im Zahnbelag Säure. Wie viel Zucker man zu sich nimmt, spielt eine weniger große Rolle als die Häufigkeit, denn wichtig ist nur, wie lange die Zähne dem Zucker ausgesetzt sind. Es ist also schädlicher, eine Stunde lang an einem zuckerhaltigen Getränk zu nippen, als innerhalb von fünf Minuten einen Schokoriegel aufzuessen, auch wenn dieser mehr Zucker enthält. Kleinkinder abends mit einem Fläschchen ins Bett zu legen, selbst wenn dieses nur Milch oder Milchersatz enthält, erhöht auch das Kariesrisiko. Die Abendflaschen sollten nur Wasser enthalten.

Wer zu Karies neigt, sollte nur selten Süßigkeiten essen. Den Mund nach dem Verzehr von Süßigkeiten auszuspülen, entfernt den Zucker teilweise, aber Zähneputzen ist effektiver. Diät-Getränke, die mit Süßstoff gesüßt sind, können eine Alternative sein, allerdings enthalten die meisten dieser Softdrinks Säure, die Zahnfäule (Karies) begünstigen kann. Tee und Kaffee ohne Zucker zu trinken, schützt ebenfalls vor Karies, vor allem bei freiliegenden Zahnhälsen.

Fluorid

Fluorid kann die Zähne, vor allem den Zahnschmelz, widerstandsfähig gegenüber der Säure machen, die zur Entstehung von Karies beiträgt. Während die Zähne wachsen und aushärten, ist die Einnahme von Fluorid wirksam. Fluoridhaltiges Wasser ist die effektivste Möglichkeit, Kinder mit Fluorid zu versorgen, und das Trinkwasser bei mehr als der Hälfte der Menschen in den USA enthält mittlerweile Fluorid. Viele Menschen nehmen jedoch nicht genug davon zu sich, um Zahnfäule (Karies) wesentlich zu vermindern. Umgekehrt können die Zähne fleckig werden und sich verfärben (Fluorose), wenn das Wasser übermäßig viel Fluorid enthält. Enthält die Wasserversorgung bei Kindern nicht genug Fluorid, kann der Arzt Natriumchloridtropfen oder -tabletten verschreiben. Kinder beginnen mit der Einnahme dieser Tropfen oder Tabletten im Alter von etwa 6 Monaten und können sie bis zum 16. Lebensjahr einnehmen. Der Zahnarzt kann bei Menschen jeden Alters, die zu Zahnfäule (Karies) neigen, Fluorid direkt auf die Zähne auftragen, oder eine angepasste Fluorid-Mundschiene verschreiben, die nachts getragen wird. Fluoridhaltige Zahnpasta ist ebenfalls sowohl für Erwachsene als auch für Kinder nützlich.

Kauflächenversiegelung

Gelegentlich werden von den Ärzten Versiegelungen vorgenommen, um schwer zu reinigende Vertiefungen und Fissuren, insbesondere in den Backenzähnen, zu schützen. Nachdem der Zahnarzt den Bereich gründlich gereinigt hat, wird der Zahnschmelz mit einer Säurelösung aufgeraut, damit die Versiegelung besser am Zahn haften kann. Dann wird ein flüssiger Kunststoff in die Vertiefungen und Fissuren der Zähne gefüllt und auf deren Oberfläche aufgetragen. Die ausgehärtete Flüssigkeit bildet eine effektive Barriere; die Nahrung kann dann nicht mehr in die Vertiefungen oder Fissuren gelangen, und dort eventuell vorhandene Bakterien können keine Säure mehr produzieren. Bei etwa 90 Prozent der Menschen ist sie nach einem Jahr noch intakt und bei 60 Prozent noch nach zehn Jahren. Gelegentlich muss sie allerdings ausgebessert oder ersetzt werden. Dies kann bei der regelmäßigen Zahnuntersuchung festgestellt werden.

Antibakterielle Behandlung

Menschen, die besonders anfällig für Zahnfäule (Karies) sind, benötigen möglicherweise eine antibakterielle Behandlung. Der Zahnarzt beseitigt zunächst die Karies in allen Vertiefungen und Fissuren in den Zähnen. Dann verschreibt der Zahnarzt ein starkes antiseptisches Mundwasser (Chlorhexidin), das zwei Wochen lang angewendet wird, um die verbliebenen Bakterien in den Karies verursachenden Zahnbelägen zu beseitigen. Vom Zahnarzt kann auch eine lang wirksame Form von Chlorhexidin angewendet werden. Hierbei hofft man, dass weniger gefährliche Bakterien die Kariesbakterien verdrängen. Mit Kaugummi oder Bonbons, die Xylitol (ein Süßstoff, der die Karies verursachenden Bakterien im Zahnbelag hemmt) enthalten, kann das Bakterienwachstum begrenzt werden.

Antibakterielle Mundspülungen können von Schwangeren angewendet werden, die besonders anfällig für ausgeprägte Karies sind. Schwangere, die antibakterielle Therapien nicht vertragen, können wie oben beschrieben Xylitol verwenden. Xylitol wird von der Geburt des Kindes bis hin zu dem Zeitpunkt angewendet, an dem die Mutter das Essen des Kindes nicht mehr vorkostet. Es trägt dazu bei, dass die Bakterien der Mutter nicht an das Kind übertragen werden.

Behandlung

  • Fluorid

  • Zahnfüllungen

  • Wurzelbehandlung oder Zahnextraktion

Wenn Karies gestoppt wird, bevor die Oberfläche des Zahnschmelzes abgebaut ist, kann sich der Zahnschmelz mithilfe einer Fluoridtherapie (durch Remineralisierung) selbst reparieren. Eine Fluoridbehandlung erfordert eine verschreibungspflichtige Zahnpasta mit hohem Fluoridanteil und viele Fluoridanwendungen beim Zahnarzt. Sobald auch das Dentin betroffen ist und ein Loch im Zahn entsteht, muss die kariöse Zahnsubstanz durch Bohren entfernt und durch eine Füllung (Plombe) ersetzt werden. Wenn Karies möglichst früh behandelt wird, bleibt der Zahn kräftig, und es ist unwahrscheinlich, dass das Zahnmark beschädigt wird.

Zahnfüllungen

Füllungen bestehen aus verschiedenen Materialien und können in einen Zahn oder um ihn herum eingebracht werden.

Für Füllungen in Backenzähnen wird am häufigsten Amalgam (eine Mischung aus Silber, Quecksilber, Kupfer, Zinn und gelegentlich Zink, Palladium oder Indium) verwendet, da hier die Belastbarkeit wichtig ist und die silberne Farbe kaum auffällt. Amalgamfüllungen sind vergleichsweise preiswert und halten durchschnittlich 14 Jahre. Wenn die Füllung vorsichtig mit einer Gummimanschette eingesetzt wird, und bei guter Mundhygiene können es auch mehr als 40 Jahre sein. Die winzigen Mengen Quecksilber, die sich aus dem Amalgam lösen, sind zu gering, um die Gesundheit zu gefährden. Die Verwendung von Amalgamprodukten nimmt ab, weil Verbundharze kosmetisch attraktiver sind und im Gegensatz zu Amalgam nicht mit Bedenken hinsichtlich einer Umweltgefährdung in Verbindung stehen. Zahnärzte empfehlen es nicht, das Amalgam auszutauschen, da der Eingriff teuer ist, die Zahnstruktur beschädigt und die Menge an Quecksilber, welcher der Betroffene ausgesetzt wird, sogar ansteigt.

Goldfüllungen (Inlays) sind hervorragend, aber teuer. Sie erfordern mindestens zwei Zahnarztsitzungen, bis sie dauerhaft eingesetzt werden.

Für die Schneidezähne verwendet man lieber Verbundharzfüllungen, da das silberne Amalgam hier auffallen würde. Aber auch Backenzähne werden immer häufiger mit diesen Materialien gefüllt. Obwohl sie den Vorteil haben, dass sie der Farbe der Zähne ähneln und der Zahnarzt mehr von der Zahnstruktur erhalten kann als mit Amalgamfüllungen, sind Verbundharze teurer als Amalgam, und zudem kommt es möglicherweise um die Ränder eher wieder zu Karies. Das liegt daran, dass das Verbundharz schrumpft, wenn es härtet. Verbundharze halten oft nicht so lange wie Amalgam, vor allem in den Backenzähnen, wo sie den Kaukräften standhalten müssen. Verbesserungen bei Verbundharzen haben das Schrumpfen etwas eingeschränkt, das mit einigen früheren Versionen des Materials einherging.

Glas-Ionomer, ein zahnfarbenes Füllmaterial, ist chemisch so zusammengesetzt, dass es Fluorid an den Zahn abgibt, sobald es angebracht wurde. Es ist vor allem für Menschen nützlich, die für Zahnfäule (Karies) anfällig sind. Mit diesem Material werden auch Schäden aufgrund einer übereifrigen Putztechnik behoben. Eine Mischung aus Harz- und Glas-Ionomer-Materialien ist ebenfalls erhältlich und bietet bessere kosmetische Ergebnisse als herkömmliche Glas-Ionomere.

Wurzelkanalbehandlung und Zahnextraktion

Wenn die Zahnfäule (Karies) so weit fortgeschritten ist, dass bleibende Schäden am Zahnmark entstanden sind, lassen sich die Schmerzen nur noch durch Entfernen des Zahnmarks mittels Wurzelbehandlung (endodontischer Behandlung) oder Ziehen des Zahnes (Zahnextraktion) beheben.

Der Zahn wird betäubt (empfindungslos gemacht), worauf eine Gummimanschette um den Zahn gelegt wird, die ihn von Bakterien im übrigen Mund abschirmt. Bei Backenzähnen wird dann eine Öffnung in die Kaufläche und bei Schneidezähnen in die der Zunge zugewandten Seite gebohrt.

Als Nächstes wird der Wurzelkanal gesäubert und von der Öffnung bis zum Ende der Wurzel wird ein kegelförmiger Hohlraum freigelegt. Durch die Öffnung werden dünne Instrumente in die Pulpahöhle eingeführt und das restliche Zahnmark wird komplett entfernt. Der Wurzelkanal wird dann mit einem flexiblen Material (Guttapercha) verschlossen.

Die Lücke, die ein gezogener Zahn hinterlässt, sollte so bald wie möglich geschlossen werden. Andernfalls schieben sich die benachbarten oder gegenüberliegenden Zähne in die Lücke hinein, was den Biss beeinträchtigt. Für den Ersatz des gezogenen Zahnes gibt es eine Vielzahl von Optionen (siehe Dentalapparaturen).

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