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Bariatrische Operation

Von

Adrienne Youdim

, MD, David Geffen School of Medicine at UCLA

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2020| Inhalt zuletzt geändert Jun 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Eine bariatrische (gewichtsreduzierende) Operation verändert den Magen, den Darm oder beide, um eine Gewichtsabnahme einzuleiten.

In den USA unterziehen sich jährlich 160.000 Menschen einer bariatrischen Operation. Diese Anzahl macht beinahe zwei Drittel der Gesamtzahl bariatrischer Verfahren weltweit aus. Eine bariatrische Operation führt zu einer substanziellen Gewichtsabnahme. Die Patienten können damit mindestens die Hälfte ihres Übergewichts, insgesamt 36 kg bis 72 kg abnehmen. Der Gewichtsverlust tritt anfangs sehr schnell ein, verlangsamt sich aber dann über etwa 1 bis 2 Jahre. Ein mit der Operation erreichtes Gewicht wird oft jahrelang gehalten. Die Gewichtsabnahme verringert deutlich die Tragweite und das Risiko gesundheitlicher Probleme in Zusammenhang mit Übergewicht (wie Schlafapnoe und Diabetes). Sie verbessert die Stimmung, das Selbstwertgefühl, das Erscheinungsbild, den Umfang körperlicher Aktivität sowie die Fähigkeit, mit anderen Leuten zu arbeiten und zu interagieren.

Bei schwerer Adipositas, d. h. bei einem Körpermassenindex (BMI) von 40 oder höher, ist ein chirurgischer Eingriff das Mittel der Wahl. Er eignet sich auch bei Patienten mit einem BMI von 35 oder höher, bei denen schwere gewichtsbedingte Gesundheitsprobleme wie Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe und Herzinsuffizienz vorliegen. Eine bariatrische Operation sollte auch bei Menschen mit einem BMI von 30 bis 34,9 mit Typ-2-Diabetes in Betracht gezogen werden, die eine schlechte glykämische Kontrolle haben, selbst nach entsprechenden Veränderungen der Lebensweise und medikamentöser Behandlung.

Um für einen chirurgischen Eingriff infrage zu kommen, müssen Patienten folgende Anforderungen erfüllen:

  • Verstehen der Risiken und Auswirkungen eines bariatrischen Eingriffs

  • Motivation zeigen, die nach dem chirurgischen Eingriff erforderlichen Änderungen von Ernährung und Lebensstil durchzuführen

  • Bereits weitere Methoden zur Gewichtsreduktion erfolglos versucht haben

  • Körperlich und geistig fähig sein, sich dem chirurgischen Eingriff zu unterziehen

Normalerweise ist das Alter allein kein Faktor, der für die Durchführung eines bariatrischen Eingriffs entscheidend ist. Bei Menschen unter 18 hat die bariatrische Operation gute kurzfristige Ergebnisse gezeigt. Doch liegen für die Operation in dieser Altersgruppe nur begrenzte Erfahrungen vor. Viele Menschen über 65 haben sich bereits einem bariatrischen Verfahren unterzogen, doch waren die Ergebnisse nicht einheitlich, und das Risiko für Komplikationen kann höher sein. Jedoch spielen in dieser Altersgruppe andere Faktoren, beispielsweise ob zusätzliche körperliche oder geistige Beeinträchtigungen vorliegen, eine größere Rolle als das Alter.

Ein chirurgischer Eingriff ist nicht angezeigt, wenn Menschen

  • Eine psychische Störung haben, die nicht behandelt wird (z. B. eine schwere Depression)

  • Alkohol oder Drogen missbrauchen

  • Einen Krebs haben, der nicht geheilt ist oder eine andere lebensbedrohliche Erkrankung

Formen

Es gibt zwei Methoden der bariatrischen Operation:

  • Laparoskopie

  • Offene Operation im Oberbauch

Normalerweise wird eine Laparoskopie verwendet. Für dieses Verfahren wird ein flexibler Betrachtungsschlauch mit Kamera (Laparoskop) über einen kleinen, etwa 2,5 cm langen Schnitt knapp unterhalb des Nabels eingeführt. Vier bis sechs andere chirurgische Instrumente werden dann über ähnlich kleine Schnitte in den Bauchraum (Abdomen) eingeführt. Ob eine Laparoskopie durchgeführt werden kann, hängt von der Art des Verfahrens und der Größe der Person ab.

Falls eine Laparoskopie sich nicht eignet, wird ein größerer chirurgischer Eingriff im Bauch, ein sogenannter offener abdominaler Eingriff oder eine Laparotomie durchgeführt. Im Vergleich zur offenen abdominalen Chirurgie ist die Laparoskopie wesentlich weniger invasiv, und die Erholung verläuft viel schneller.

Zu den bariatrischen Eingriffen zählen die Folgenden:

  • Eine dauerhafte Verkleinerung des Magens, manchmal eine Umgehung eines Teils des Dünndarms (z. B. Roux-en-Y-Magenbypass)

  • Verwendung eines Bands, um den Magen abzuschnüren (z. B. anpassbares Magenband)

Beide Verfahren begrenzen die Menge an Nahrungsmitteln, die Patienten verzehren können.

In den USA werden am häufigsten der Roux-en-Y-Magenbypass, die Schlauchmagenbildung (Sleeve-Gastrektomie) und der Einsatz eines anpassbaren Magenbands durchgeführt.

Roux-en-Y-Magenbypass

Der Roux-en-Y-Magenbypass kann oft laparoskopisch durchgeführt werden.

Beim Roux-en-Y-Magenbypass wird ein kleiner Teil des Magens vom restlichen Magen abgesondert, es bildet sich ein kleiner Magenbeutel. In der Folge kann nur noch wenig Nahrung auf einmal gegessen werden. Die Magentasche wird mit dem unteren Teil des Dünndarms, dem Jejunum, verbunden. So wird ein großer Teil des Dünndarms umgangen. Diese Anordnung sieht aus wie ein Y – daher der Name des Verfahrens. Der Übergang zwischen dem Beutel und dem Darm wird verengt. So bewegt sich die Nahrung langsam aus dem Beutel in den Darm, und die Patienten fühlen sich länger satt. Da Nahrung den unteren Teil des Magens und den oberen Teil des Dünndarms (Duodenum) umgeht, wo viele Nährstoffe resorbiert werden, ist die resorbierte Menge von Nahrungsmitteln und Kalorien reduziert. Die Verdauungssäfte, darunter Gallensäuren und Enzyme der Bauchspeicheldrüse, vermischen sich nach wie vor mit der Nahrung, jedoch in einem tieferen Teil des Dünndarms. Daher werden die Nahrung verdaut und Nährstoffe einschließlich Vitamine und Mineralstoffe weiterhin resorbiert, sodass sich das Risiko von Nährstoffmängeln verringert.

Ein Magenbypass (und eine Schlauchmagenbildung) führen zu bestimmten hormonellen Veränderungen. Diese Veränderungen lassen das Sättigungsgefühl früher eintreten und tragen zur Gewichtsabnahme bei. Sie verbessern auch die Art, wie der Körper Glukose (eine Zuckerart) verwertet, was möglicherweise den Schweregrad von Diabetes reduziert oder die Krankheit ganz auflöst.

Die meisten Patienten bleiben nach dem Eingriff eine Nacht oder länger im Krankenhaus.

Häufig kommt es bei einem Magenbypass nach dem Verzehr von fettreichen Mahlzeiten und raffiniertem Zucker zum Dumping-Syndrom. Dessen Symptome sind Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Schwitzen, Benommenheit und Schwächegefühl. Das Dumping-Syndrom tritt auf, wenn unverdaute Nahrung aus dem Magen zu schnell in den Dünndarm gelangt.

Umgehen eines Teils des Verdauungstrakts

Für den Roux-en-Y-Magenbypass wird ein Teil des Magens vom restlichen Magen abgesondert und zu einem kleinen Magenbeutel geformt. Der Beutel wird mit dem unteren Teil des Dünndarms verbunden, eine Anordnung, die einem Y gleicht. So werden Teile des Magens und Dünndarms umgangen. Jedoch vermischen sich die Verdauungssäfte, also Gallensäuren und Enzyme der Bauchspeicheldrüse, nach wie vor mit der Nahrung, sodass der Körper Vitamine und Mineralstoffe aufnehmen kann und das Risiko für Nährstoffmängel reduziert ist.

Umgehen eines Teils des Verdauungstrakts

Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)

Eine Schlauchmagenbildung wird in den USA zur Behandlung von schwerer Adipositas verwendet. Es führt zu einem substanziellen und anhaltenden Gewichtsverlust.

Ein Teil des Magens wird entfernt, sodass aus dem Magen ein enges Rohr entsteht (Schlauch). Der Dünndarm wird nicht verändert.

Die Schlauchmagenbildung führt zu bestimmten hormonellen Veränderungen, die ein schnelleres Sättigungsgefühl herbeiführen und so zum Gewichtsverlust beitragen. Diese Veränderungen verbessern auch die Art, wie der Körper Glukose verwendet, was möglicherweise den Schweregrad von Diabetes verringert.

Anpassbares Magenband

Ein verstellbares Magenband wird weniger häufig in den USA eingesetzt. Es kann laparoskopisch erfolgen.

Dabei wird ein Band am oberen Ende des Magens angebracht und teilt den Magen in einen kleinen oberen und einen großen unteren Abschnitt. Nahrung gleitet auf dem Weg in den Darm am Band vorbei, doch verlangsamt dieses die Passage. Ein Stück Schlauch ist mit dem Band über eine Vorrichtung verbunden, die am anderen Ende des Schlauches über einen Port Zugang zum Band ermöglicht. Der Port wird direkt unter die Haut gepflanzt, sodass die Ärzte das Band nach dem chirurgischen Eingriff nach Bedarf straffen können. Über den Port können die Ärzte Flüssigkeit in das Band spritzen, um es zu verbreitern und den Durchgang zwischen dem oberen und unteren Teil des Magens zu verkleinern. Oder sie können Flüssigkeit aus dem Band abziehen, um den Durchgang zu erweitern. Ist der Durchgang kleiner, füllt sich der obere Teil des Magens schneller und übermittelt dem Gehirn die Information, dass der Magen voll ist. Folglich verzehren die Patienten kleinere Portionen und verlieren im Lauf der Zeit deutlich an Gewicht.

Einfügen eines Magenbands

Bei verstellbaren Magenband wird ein verstellbares Band um den oberen Teil des Magens geführt. Damit können Ärzte die Größe des Durchgangs für Nahrung durch den Magen nach Bedarf anpassen.

Nach einem kleinen Schnitt durch die Bauchdecke wird ein Schlauch mit Kamera (Laparoskop) eingeführt. Mit Sicht durch das Laparoskop legt der Chirurg das Band um den oberen Teil des Magens. Auf der Innenseite des Bands befindet sich ein aufblasbarer Ring, der über einen kleinen Port auf der gegenüberliegenden Seite mit dem Schlauch verbunden ist. Der Port wird direkt unter die Haut platziert. Durch die Haut kann eine spezielle Nadel in den Port eingeführt werden. Die Nadel wird verwendet, um Salzwasser (Kochsalzlösung) in das Band zu spritzen oder es daraus zu entfernen. Damit kann der Durchgang verengt oder erweitert werden. Wenn der Durchgang verengt ist, füllt sich der obere Teil des Magens schneller. Die Patienten fühlen sich rascher statt und essen deshalb weniger.

Einfügen eines Magenbands

Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch

Biliopankreatische Diversion mit Duodenalswitch macht weniger als 5 Prozent der bariatrischen Eingriffe in den USA aus. Der Eingriff kann manchmal laparoskopisch durchgeführt werden.

Ein Teil des Magens wird entfernt. Im Gegensatz zum Roux-en-Y-Magenbypass ist der Teil des Magens, der übrig ist, normal mit der Speiseröhre und dem Dünndarm verbunden. Das Ventil zwischen Magen und Dünndarm (Magenpförtner) bleibt intakt und kann normal funktionieren. Somit entleert sich der Magen wie üblich. Der Dünndarm wird jedoch geteilt. Der Teil, der mit dem Magen verbunden ist (Duodenum) wird abgetrennt und an den unteren Teil (Ileum) angeschlossen. Dadurch umgeht er den mittleren Teil des Dünndarms (Jejunum). Dies hat zur Folge, dass Verdauungssäfte, also Gallensäuren und Pankreasenzyme, sich nicht mit der Nahrung mischen können, die Resorption somit verringert ist. Daraus ergeben sich oft Nährstoffmängel.

Beurteilung

Vorab wird beurteilt, ob dieser chirurgische Eingriff für einen Patienten hilfreich sein kann. Dazu wird er körperlich untersucht, es werden Tests durchgeführt. Die Tests umfassen Folgendes:

  • Die vor chirurgischen Eingriffen üblichen Tests, um zu prüfen, wie gut die lebenswichtigen Organe arbeiten

  • Bluttests, darunter Lebertests, um festzustellen, wie gut die Leber arbeitet und ob sie beschädigt ist, und Messungen des Blutzuckerspiegels sowie der Cholesterin- und anderer Blutfettwerte (Nüchternwerte)

  • Vitamin-D-, Vitamin-B12-, Folsäure- und Eisenspiegel

  • Eine Elektrokardiographie zur Feststellung einer eventuellen koronaren Herzkrankheit

  • Untersuchung des Verdauungstrakts mit Röntgendarstellung oder endoskopisch

  • Manchmal eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs (Abdomens), einschließlich der Gallenblase

  • Manchmal eine Echokardiographie (Ultraschallsonographie des Herzens)

  • Manchmal Lungenfunktionstests um zu beurteilen, wie gut die Lunge arbeitet – wenn Patienten z. B. unter Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) leiden

  • Manchmal eine Untersuchung des Schlafs (einschließlich Polysomnographie) und diagnostische Tests auf Schlafapnoe

Wenn bestimmte Auffälligkeiten entdeckt werden, folgen Maßnahmen, um diese unter Kontrolle zu bringen und so das Risiko für einen chirurgischen Eingriff zu verringern. Beispielsweise wird ein Bluthochdruck behandelt. Raucher werden angehalten, mindestens 8 Wochen vor dem chirurgischen Eingriff und vorzugsweise überhaupt nicht mehr zu rauchen. Das Rauchen erhöht nach dem chirurgischen Eingriff das Risiko für Atmungsprobleme sowie für Geschwüre und Blutungen im Verdauungstrakt.

Auch psychiatrische und ernährungsbezogene Untersuchungen werden durchgeführt. Patienten sollten ihren Arzt über sämtliche Medikamente oder pflanzliche medizinische Präparate informieren, die sie einnehmen. Einige Medikamente, darunter Antikoagulanzien wie Warfarin und Aspirin, müssen vor dem chirurgischen Eingriff abgesetzt werden.

Nach einer bariatrischen Operation

Nach dem chirurgischen Eingriff werden schmerzstillende Mittel verordnet.

Nach einer bariatrischen Operation sind einige Symptome üblich und weisen nicht auf ein Problem hin. Folgende Symptome erfordern jedoch die telefonische Kontaktaufnahme mit dem Arzt oder einen Praxisbesuch:

  • Anzeichen einer Infektion an der Operationswunde, z. B. Rötung, starke Schmerzen, Schwellung, Geruchsbildung oder Nässen

  • Klaffen von genähten Abschnitten der Operationswunde

  • Kontinuierliche oder zunehmende Bauchschmerzen

  • Dauerhaftes Fieber oder Schüttelfrost

  • Erbrechen

  • Dauerhafte Blutung

  • Anomale Herzschläge

  • Durchfall

  • Dunkler, teerartiger, faulig-riechender Stuhlgang

  • Kurzatmigkeit

  • Schwitzen

  • Plötzliche Blässe

  • Schmerzen im Brustkorb

Patienten können sich unterschiedlich schnell nach einer Operation wieder normal ernähren. In etwa den ersten 2 Wochen besteht die Ernährung hauptsächlich aus Flüssigkost. Die Patienten werden gebeten, häufig, über den Tag verteilt kleine Mengen zu trinken. Sie sollten so viel Flüssigkeit trinken wie verordnet. Der größte Teil der Flüssigkeit sollte aus einem Flüssigproteinpräparat bestehen. In den nächsten 2 Wochen sollten die Patienten weiche Kost zu sich nehmen, die zumeist aus zerdrückten oder pürierten, proteinreichen Nahrungsmitteln und Proteinpräparaten besteht. Nach 4 Wochen kann der Verzehr fester Nahrung beginnen.

Folgende Maßnahmen können Patienten helfen, Verdauungsprobleme und Unannehmlichkeiten zu vermeiden:

  • Nahrung nur in kleinen Portionen zu verzehren

  • Sorgfältig kauen

  • Meiden von fettreichen und zuckerreichen Nahrungsmitteln wie Fast Food, Kuchen und Keksen

  • Bei jeder Mahlzeit nur kleine Mengen verzehren

  • Vermeiden des gleichzeitigen Trinkens beim Verzehr fester Nahrungsmittel

Sich ein neues Essverhalten anzueignen, kann schwierig sein. Beratungs- und/oder Selbsthilfegruppen können Patienten eine Hilfe sein.

Normalerweise können nach dem chirurgischen Eingriff wieder die üblichen Medikamente eingenommen werden. Tabletten müssen jedoch zerdrückt werden, und wenn Patienten lang wirksame oder Retard-Tabletten eines Medikaments verwenden, muss der Einnahmeplan mit sofortiger Wirkung umgeändert werden.

Am Tag nach dem chirurgischen Eingriff sollten Patienten aufstehen oder Beingymnastik machen. Zur Verhinderung von Blutgerinnseln sollten sie nicht längere Zeit im Bett bleiben. Nach einer Woche können die Patienten ihren regelmäßigen Aktivitäten wieder nachgehen und nach wenigen Wochen ihre üblichen sportlichen Unternehmungen wie Kraft- und Ausdauertraining erneut aufnehmen. Bevor Patienten schwere Gegenstände heben und körperlich arbeiten, was üblicherweise 6 Wochen lang vermieden werden sollte, ist der Ratschlag des Arztes einzuholen.

Mögliche Probleme

Schmerzen, manchmal Übelkeit und Erbrechen. Verstopfung ist häufig. Dagegen kann helfen, mehr zu trinken und nicht zu lange durchgehend im Bett zu bleiben.

Schwere Komplikationen wie Probleme an der Operationswunde, Infektionen, Blutgerinnsel, die in die Lunge wandern (Lungenembolie), und Lungenprobleme können nach jeder Operation auftreten ({blank} Operation: Nach einer Operation).

Nach einer bariatrischen Operation können zudem folgende Komplikationen auftreten:

  • Darmverschluss: Bei etwa 2 bis 4 Prozent der Patienten wird der Darm durch Verdrehung oder sich bildendes Narbengewebe blockiert. Ein Verschluss kann sich Wochen bis Monate oder Jahre nach dem chirurgischen Eingriff entwickeln. Symptome dafür sind schwere abdominale Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Probleme bei der Ableitung von Darmgasen und Verstopfung.

  • Leckagen: Bei etwa 1 bis 3 Prozent der Patienten ist die neue Verbindungsstelle zwischen Magen und Darm undicht. Leckagen treten gewöhnlich innerhalb von 2 Wochen nach dem chirurgischen Eingriff auf. Infolgedessen können Mageninhalte in die Bauchhöhle fließen und dort zu schweren Infektionen führen (Peritonitis). Symptome dafür sind ein schneller Puls, Bauchschmerzen, Fieber, Kurzatmigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl.

  • Blutung: Eine Blutung kann an der Verbindungsstelle zwischen Magen und Darm, an einer anderen Stelle im Verdauungstrakt oder in der Bauchhöhle auftreten. Patienten erbrechen dann blutig oder setzen blutigen Durchfall oder dunklen, teerartigen Stuhl ab.

  • Gallensteine: Bei erfolgreichem Absolvieren einer Diät zur raschen Gewichtsreduktion entwickeln sich oft Gallensteine. Zur Verringerung dieses Risikos nach einer bariatrischen Operation werden ergänzend Gallensalze verabreicht. Diese reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass Gallensteine entstehen, verhindern sie jedoch nicht immer. Etwa 15 Prozent der Patienten mit einer bariatrischen Operation müssen sich später ihre Gallenblase herausnehmen lassen.

  • Nierensteine: Der Roux-en-Y-Magenbypass erhöht das Risiko für Nierensteine leicht, weil sich im Urin Oxalat sammelt. Ein hoher Oxalatgehalt im Urin führt zur Bildung von Kalziumsteinen. Damit sich keine Steine bilden, sollten die Betroffenen nach dem chirurgischen Eingriff keine Nahrungsmittel essen, die Oxalat enthalten. An Oxalat reichhaltige Nahrungsmittel sind unter anderem Spinat, Rhabarber, Mandeln, Ofenkartoffeln mit der Haut, Maisgrütze und Sojamehl.

  • Gicht: Adipositas erhöht das Risiko für die Entwicklung von Gicht. Bei Menschen mit Gicht können Gichtattacken nach der bariatrischen Operation häufiger auftreten.

  • Nährstoffmangel: Wenn die Patienten nicht konzentrierte Anstrengungen unternehmen, ausreichend Eiweiß zu verzehren, kann sich ein Proteinmangel entwickeln. Vitamine und Mineralstoffe wie die Vitamine B12 und D, Kalzium und Eisen können nach dem chirurgischen Eingriff nicht mehr so gut resorbiert werden. Besteht über lange Zeit fortgesetztes Erbrechen, kann ein Thiaminmangel auftreten. Patienten müssen, abhängig von der Art des chirurgischen Eingriffs, für den Rest ihres Lebens Vitaminpräparate, manchmal auch Mineralstoff- und andere Ergänzungspräparate einnehmen.

  • Fortpflanzungsfähigkeit: Die Fruchtbarkeit bei Frauen im gebärfähigen Alter kann sich nach der Operation verbessern. Diese Frauen sollten vor und nach bariatrischen Eingriffen Verhütungsmittel in Erwägung ziehen und vor sowie 12 bis 18 Monate nach der Operation eine Schwangerschaft vermeiden.

  • Tod: In speziell zugelassenen Kliniken sterben etwa 0,2 bis 0,3 Prozent der Patienten während des ersten Monats nach dem chirurgischen Eingriff. Das Risiko für Tod und schwere Komplikationen kann in anderen Krankenhäusern höher sein. Zu den Todesursachen gehören Blutgerinnsel, die in die Lungen wandern, schwere Infektionen aufgrund einer Leckage an einer der Verbindungsstellen im Magen oder Darm, Herzinfarkt, Lungenentzündung (Pneumonie) oder Verschluss des Dünndarms. Das Risiko ist für Patienten höher, die bereits Blutgerinnsel hatten, an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden oder bereits vor dem chirurgischen Eingriff nicht ganz gesund waren. Bei Patienten mit extremer Adipositas, bei Männern oder bei fortgeschrittenem Alter ist das Todesrisiko erhöht. Das Sterberisiko ist bei dem Roux-en-Y-Magenbypass höher als bei anpassbaren Magenbändern, und bei einem offenen abdominalen Eingriff (2,1 %) höher als bei einer Laparoskopie (0,2 %).

Gewichtsverlust

Nach einem chirurgischen Eingriff hängt die Gewichtsabnahme vom jeweiligen Verfahren ab. Der Gewichtsverlust wird in der Regel in Prozent des verlorenen Übergewichts beschrieben. Übergewicht ist definiert als die Differenz zwischen dem tatsächlichen Gewicht und dem Idealgewicht einer Person.

Für das laparoskopisch operierte anpassbare Magenband beträgt die Gewichtsabnahme

  • nach 3 bis 6 Jahren 45 % bis 72 %

  • nach 7 bis 10 Jahren 14 % bis 60 %

  • nach 15 Jahren bis zu 47 %.

Wie viel Gewicht abgenommen wird, hängt davon ab, wie häufig nach dem chirurgischen Eingriff der Arzt besucht und wie oft das Band erneut angepasst wird. Patienten mit einem niedrigeren BMI vor dem chirurgischen Eingriff verlieren tendenziell mehr Gewicht. Einige Patienten müssen erneut operiert werden.

Bei der Schlauchmagenbildung (Sleeve-Gastrektomie) beträgt die Gewichtsabnahme

  • nach 2 Jahren 33 % bis 58 %

  • nach 3 bis 6 Jahren 58 % bis 72 %.

Beim Roux-en-Y-Magenbypass beträgt die Gewichtsabnahme

  • nach 2 Jahren 50 % bis 65 %.

Auch wenn die meisten Menschen wieder etwas zunehmen, kann die Gewichtsabnahme größtenteils bis zu 10 Jahre aufrechterhalten werden, insbesondere beim Roux-en-Y-Magenbypass.

Nachkontrolle

Arztbesuche werden während der ersten paar Monate nach einer Roux-en-Y-Magenbypass- oder einer Magenschlauch-Operation für gewöhnlich alle 4 bis 12 Wochen anberaumt – das entspricht dem Zeitraum, in dem die Gewichtsreduktion am schnellsten stattfindet. Im Anschluss erfolgen die Arztbesuche alle 6 bis 12 Monate. Nachdem ein verstellbarer Magenbypass laparoskopisch durchgeführt wurde, sind im anschließenden ersten Jahr mindestens sechs Arztbesuche geplant. Dabei werden Gewicht und Blutdruck gemessen sowie Ernährungsgewohnheiten besprochen. Die Patienten sollten alle vorliegenden Probleme ansprechen. In regelmäßigen Abständen werden Bluttests durchgeführt. Nach dem Roux-en-Y-Magenbypass oder der Schlauchmagenbildung wird die Knochendichte meist mit der Dual-Energie-Röntgenabsorptiometrie (DEXA) gemessen, um einen Knochenverlust aufgrund eines Vitamin-D-Mangels festzustellen.

Ärzte prüfen auch, ob Patienten nach dem chirurgischen Eingriff anders auf bestimmte Medikamente ansprechen. Dazu zählen Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck (Antihypertensiva), Diabetes (hypoglykämische Präparate und Insulin) oder von hohen Cholesterinwerten (Lipidsenker).

Weitere Vorteile

Viele vor dem Eingriff bestehende Krankheiten werden nach der bariatrischen Operation geheilt oder bessern sich. Krankheiten dieser Art sind Herzprobleme, Diabetes, obstruktive Schlafapnoe, Arthritis und Depressionen. Diabetes war bei bis zu 62 Prozent der Patienten 6 Jahre nach einem Roux-en-Y-Magenbypass geheilt.

Das Todesrisiko senkt sich um 25 Prozent, hauptsächlich deshalb, weil das Risiko, an Herzproblemen oder Krebs zu sterben, zurückgeht.

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