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Neurogene Blasenentleerungsstörung

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Die neurogene Blase stellt eine durch neurologische Schäden verursachte Blasendysfunktion dar (schlaff oder spastisch). Zu den Symptomen können Überlaufinkontinenz, häufiges Wasserlassen, Harndrang, Dranginkontinenz und Retention zählen. Die Gefahr ernster Komplikationen ist groß (z. B. rezidivierende Infekte, vesikoureteraler Reflux, automatische Reflexblase, Nierenschädigung). Die Diagnostik umfasst bildgebende Verfahren und Blasenspiegelung oder urodynamische Untersuchung. Die Behandlung besteht u. a. in Katheterisierung oder Maßnahmen zur Triggerung einer Miktion.

Jedwede Veränderung, welche die Blase oder die afferenten und efferenten Signale zum Blasenauslass schädigt, kann eine neurogene Blase verursachen. Als Ursache kommen Störungen auf Ebene des zentralen Nervensystems (z. B. Schlaganfall Übersicht zum Schlaganfall Der Begriff „Schlaganfall“ umfasst eine heterogene Krankheitsgruppe, bezeichnet wird eine plötzliche, fokale Unterbrechung des zerebralen Blutflusses, die ein neurologisches Defizit verursacht... Erfahren Sie mehr Übersicht zum Schlaganfall , Rückenmarkverletzung Wirbelsäulentrauma Beim Wirbelsäulentrauma kann es zu Verletzungen von Rückenmark und/oder Wirbeln kommen. Gelegentlich sind auch die Spinalnerven betroffen. Die Anatomie der Wirbelsäule wird in einem anderen... Erfahren Sie mehr Wirbelsäulentrauma , Meningomyelozele, amyotrophe Lateralsklerose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und andere Motoneuronenerkrankungen (MNDs) Amyothrophe Lateralsklerose und andere Motoneuronenerkrankungen sind charakterisiert durch eine stetige, unerbittliche, progressive Degeneration von kortikospinalen Bahnen, Vorderhornzellen... Erfahren Sie mehr ), der peripheren Nerven Überblick über Störungen des peripheren Nervensystems Das periphere Nervensystem bezieht sich auf Teile des Nervensystems außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks. Dazu gehören die Hirn- und die Spinalnerven von ihrem Ursprung bis zu ihrem Endpunkt... Erfahren Sie mehr (z. B. Diabetes Diabetische Nephropathie Die diabetische Nephropathie ist eine glomeruläre Sklerose und Fibrose, die durch metabolische und hämodynamische Veränderungen bei Diabetes mellitus verursacht wird. Sie manifestiert sich in... Erfahren Sie mehr Diabetische Nephropathie , Alkoholintoxikation oder Vitamin-B12-Mangel Vitamin-B12-Mangel Ein ernährungsbedingter Vitamin-B12-Mangel entwickelt sich bei inadäquater Resorption, doch kann er auch Veganer betreffen, die keine Vitaminsupplemente verwenden. Durch den Mangel entsteht... Erfahren Sie mehr , Neuropathien, Bandscheibenvorfall Einklemmung des Nucleus pulposus Eine Einklemmung des Nucleus pulposus ist der Vorfall einer Bandscheibe durch einen Riss im umgebenen Annulus fibrosus. Der Riss verursacht Schmerzen aufgrund der Nerven in der Bandscheibe,... Erfahren Sie mehr Einklemmung des Nucleus pulposus , Schäden durch Beckenchirurgie) oder auf beiden Ebenen in Frage (z. B. Morbus Parkinson M. Parkinson M. Parkinson ist eine langsam fortschreitende degenerative Erkrankung, charakterisiert durch Ruhetremor, Rigor (Steifigkeit), langsame und verminderte Bewegungen (Bradykinesie) und Gang- und/oder... Erfahren Sie mehr , multiple Sklerose Multiple Sklerose (MS) Die multiple Sklerose (MS) ist charakterisiert durch eine verstreute, flickenförmige Demyelinisierung in Gehirn und Rückenmark. Häufige Symptome können visuelle und okulomotorische Anomalien... Erfahren Sie mehr Multiple Sklerose (MS) , Syphilis Syphilis Syphilis wird durch die Spirochäte Treponema pallidum verursacht und ist durch 3 aufeinanderfolgende klinische, symptomatische Stadien charakterisiert, die durch Perioden asymptomatischer latenter... Erfahren Sie mehr Syphilis ). Blasenauslassobstruktion Harninkontinenz ist der unwillkürliche Abgang von Urin. Manche Experten glauben, dass Inkontinenz nur dann vorliegt, wenn der Patient dies als ein Problem betrachtet. Die Krankheit wird viel... Erfahren Sie mehr (z. B. aufgrund von benigner Prostatahyperplasie Benigne Prostatahyperplasie (BPH) Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) stellt eine gutartige adenomatöse Wucherung der periurethralen Prostatadrüse dar. Die Symptome entsprechen denen der Blasenauslassobstruktion: abgeschwächter... Erfahren Sie mehr , Prostatakrebs Prostatakarzinom Das Prostatakarzinom ist meist ein Adenokarzinom. Die Symptome bleiben typischerweise so lange aus, bis das Tumorwachstum eine Hämaturie und/oder Obstruktion mit Schmerzen verursacht. Die Diagnose... Erfahren Sie mehr , Impaktbildung, Harnröhrenstrikturen Urethrastriktur Eine Urethrastriktur ist eine Narbenbildung, die die das vorderen Harnröhrenlumen behindert. Eine Urethrastriktur ist entweder Angeboren Erworben Alles, was das Harnröhrenepithel oder den Corpus... Erfahren Sie mehr ) koexistiert oft und kann die Symptome verschlimmern.

Bei der schlaffen (hypotonen) neurogenen Blase ist das Fassungsvolumen groß, der Blasendruck gering und Blasenkontraktionen fehlen. Sie kann durch eine Schädigung peripherer Nerven oder durch eine Schädigung des Rückenmarks in Höhe von S2–S4 entstehen. Bei akuter Rückenmarkschädigung kann sich an die anfängliche Schlaffheit eine Langzeitschlaffheit oder Spastizität anschließen, oder aber die Blasenfunktion verbessert sich nach Tagen, Wochen oder Monaten.

Bei spastischer Blase ist die Kapazität normal oder gering, und es kommt zu unwillkürlichen Kontraktionen. Meist entsteht sie durch Hirnschädigung oder Rückenmarkläsionen oberhalb von Th12. Die genauen Symptome variieren je nach Stelle und Schweregrad der Schädigung. Blasenkontraktion und Relaxation des äußeren Schließmuskels sind typischerweise nicht koordiniert (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie).

Gemischte Formen (schlaffe und spastische Blase) können viele Ursachen haben, darunter Syphilis Syphilis Syphilis wird durch die Spirochäte Treponema pallidum verursacht und ist durch 3 aufeinanderfolgende klinische, symptomatische Stadien charakterisiert, die durch Perioden asymptomatischer latenter... Erfahren Sie mehr Syphilis , Diabetes mellitus Diabetes mellitus (DM) Der Diabetes mellitus (DM) beruht auf einer Störung der Insulinsekretion und/oder auf einer peripheren Insulinresistenz unterschiedlichen Ausmaßes, die zur Hyperglykämie führen. Die Frühsymptome... Erfahren Sie mehr , Hirn- und Rückenmarktumoren Überblick über Erkrankungen des Rückenmarks Erkrankungen des Rückenmarks können eine bleibende schwere neurologische Behinderung verursachen. Bei einigen Patienten kann eine solche Behinderung vermieden oder minimiert werden, sofern Abklärung... Erfahren Sie mehr , Schlaganfall Übersicht zum Schlaganfall Der Begriff „Schlaganfall“ umfasst eine heterogene Krankheitsgruppe, bezeichnet wird eine plötzliche, fokale Unterbrechung des zerebralen Blutflusses, die ein neurologisches Defizit verursacht... Erfahren Sie mehr Übersicht zum Schlaganfall , Bandscheibenvorfall Einklemmung des Nucleus pulposus Eine Einklemmung des Nucleus pulposus ist der Vorfall einer Bandscheibe durch einen Riss im umgebenen Annulus fibrosus. Der Riss verursacht Schmerzen aufgrund der Nerven in der Bandscheibe,... Erfahren Sie mehr Einklemmung des Nucleus pulposus und demyelinisierende oder degenerative Störungen (multiple Sklerose Multiple Sklerose (MS) Die multiple Sklerose (MS) ist charakterisiert durch eine verstreute, flickenförmige Demyelinisierung in Gehirn und Rückenmark. Häufige Symptome können visuelle und okulomotorische Anomalien... Erfahren Sie mehr Multiple Sklerose (MS) , amyotrophe Lateralsklerose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und andere Motoneuronenerkrankungen (MNDs) Amyothrophe Lateralsklerose und andere Motoneuronenerkrankungen sind charakterisiert durch eine stetige, unerbittliche, progressive Degeneration von kortikospinalen Bahnen, Vorderhornzellen... Erfahren Sie mehr ).

Symptome und Beschwerden

Patienten mit spastischer Blase leiden unter häufigem Wasserlassen, Nykturie und spastischer Lähmung mit sensorischen Defiziten. Die meisten haben intermittierende Kontraktionen der Blase, die Harnverlust und, sofern sie keinen Gefühlsverlust haben, Harndrang verursachen. Bei Patienten mit Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, kann ein Sphinkterspasmus während der Blasenentleerung die komplette Leerung verhindern.

Die üblichen Komplikationen stellen häufige HWI Einführung in die Harnwegsinfektionen (HWIs) Harnwegsinfektionen (HWI) können unterteilt werden in die Nieren betreffende Infektionen des oberen Harntraktes (Pyelonephritis) und solche des unteren Harntraktes, welche Blase (Zystitis),... Erfahren Sie mehr und Harnsteine Harnsteine Harnsteine sind solide Gebilde im Harntrakt. Sie verursachen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Hämaturie und manchmal Schüttelfrost und Fieber aufgrund einer sekundären Infektion. Die Diagnose... Erfahren Sie mehr dar. Hydronephrose mit vesikoureteralem Reflux Vesikoureteraler Reflux (VUR) Der vesikoureterale Reflux ist eine retrograde Passage des Urins von der Blase zurück in den Harnleiter und manchmal auch in das Nieren-Sammelsystem, je nach Schweregrad. Reflux prädisponiert... Erfahren Sie mehr kann vorkommen, weil die große Urinmenge auf die vesikoureterale Verbindung drückt, was zu einer Dysfunktion mit Reflux und in schweren Fällen zu einer Nierenschädigung führt. Patienten mit hoher thorakaler oder zervikaler Rückenmarkläsion sind durch automatische Dysreflexie gefährdet (ein lebensbedrohendes Syndrom mit maligner Hypertonie, Bradykardie oder Tachykardie, Kopfschmerz, Piloerektion oder Schweißausbrüchen, bedingt durch unregulierte sympathische Hyperaktivität). Diese Störung kann durch eine akute (durch Harnretention Harnretention Als Harnretention bezeichnet man die unvollständige Blasenentleerung oder das vollständige Sistieren der Miktion; sie kann sein Akuttherapie Chronisch Ursachen können eine gestörte Blasenkontraktilität... Erfahren Sie mehr bedingte) Blasenüberdehnung oder (durch Obstipation bzw. Koteinklemmung bedingte) Blähung des Abdomens ausgelöst werden.

Diagnose

  • Restharnvolumen

  • Sonographie der Nieren

  • Serumkreatinin

  • In der Regel Zystographie, Zystoskopie und Zystomanometrie mit urodynamischen Untersuchungen.

Die Diagnose wird klinisch gestellt. Üblicherweise wird der Restharn bestimmt, eine Nierensonographie durchgeführt, um eine eventuelle Hydronephrose zu erkennen, und das Serumkreatinin gemessen, um die Nierenfunktion beurteilen zu können.

Weitere Befunde werden oft nicht bei Patienten, die nicht zum Selbstkatheterismus fähig sind oder sich nicht zum Wasserlassen melden können (z. B. stark geschwächte ältere Menschen oder Patienten nach Schlaganfall), erhoben.

Bei Patienten mit Hydronephrose oder Nephropathie, die nicht stark geschwächt sind, werden Zystographie, Zystoskopie und Zystomanometrie mit urodynamischen Untersuchungen in der Regel empfohlen, und können die weitere Therapie leiten.

Therapie

  • Katheterisierung

  • Erhöhte Flüssigkeitszufuhr

  • Arzneimittel

  • Operation, wenn konservative Maßnahmen versagen

Die Prognose ist gut, sofern die Störung frühzeitig diagnostiziert und behandelt wird, bevor die Nieren geschädigt werden.

Spezifische Behandlungen stellen Katheterisierung Blasenkatheterisierung Eine Blasenkatheterisierung wird für Folgendes eingesetzt: Zur Gewinnung von Urinproben zur Untersuchung Zur Messung des Restharnvolumens Erleichterung bei Harnverhalt oder Inkontinenz Zum direkten... Erfahren Sie mehr und Maßnahmen zur Auslösung der Miktion dar. Intermittierende Katheterisierung wird nach Möglichkeit der kontinuierlichen Katheterisierung vorgezogen. Allgemeine Maßnahmen umfassen die Überwachung der Nierenfunktion, Kontrolle auf HWI Einführung in die Harnwegsinfektionen (HWIs) Harnwegsinfektionen (HWI) können unterteilt werden in die Nieren betreffende Infektionen des oberen Harntraktes (Pyelonephritis) und solche des unteren Harntraktes, welche Blase (Zystitis),... Erfahren Sie mehr , erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, um das Risiko eines HWI und von Harnsteinen zu reduzieren (obwohl diese Maßnahme die Inkontinenz verstärken kann), frühzeitige Mobilisation, häufige Lagewechsel und Verminderung der Kalziumaufnahme, um die Steinbildung zu verhindern.

Katheterisierung

Bei schlaffer Blasenlähmung, speziell nach akuter Rückenmarkverletzung, ist ein sofortiger Dauerkatheter oder eine intermittierende Katheterbehandlung notwendig. Die intermittierende Katheterisierung ist gegenüber dem Dauerkatheter wegen des hohen Risikos von HWI und (bei Männern) Urethritis Urethritis Bakterielle Infektionen können Harnröhre, Prostata, Blase oder Nieren befallen. Symptome können gänzlich fehlen oder stellen sich als häufiges Wasserlassen, Harndrang, Dysurie sowie Schmerzen... Erfahren Sie mehr , Periurethritis, Prostataabszess und Harnröhrenfisteln zu bevorzugen. Kann der Patient sich nicht selbst katheterisieren, ist die Anlage eines suprapubischen Katheters sinnvoll.

Medikamenten-und anderen Therapien

Operative Eingriffe

Das letzte Mittel ist eine Operation. Die Indikation zur Operation besteht, wenn die Patienten durch schwere akute oder chronische Komplikationen gefährdet sind oder wenn soziale Umstände, Spastizität, Tetraplegie die permanente oder intermittierende Blasendrainage unmöglich machen. Sphinkterotomie verwandelt bei Männern die Blase in ein offenes Durchlauforgan. Sakrale (S3 und S4) Rhizotomie verwandelt eine spastische Blase in eine schlaffe Blase. Zur Harnableitung sind ein Ileum-Conduit und eine Ureterostomie geeignet.

Sind die Patienten dazu nicht in der Lage, können lebensbedrohliche Situationen (z. B. Nierenversagen, Urosepsis) resultieren. Ein chirurgisch implantierter künstlicher und mechanisch kontrollierter Sphinkter ist eine weitere Option für Patienten, die über eine ausreichende Blasenkapazität und Beweglichkeit ihrer oberen Extremitäten verfügen und die Anweisungen hinsichtlich der Handhabung dieses Hilfsmittels befolgen können.

Wichtige Punkte

  • Schäden an den Nervenbahnen, die die Miktion kontrollieren, können Die Blase schlaff oder spastisch machen.

  • Eine schlaffe Blase neigt dazu, eine Überlaufinkontinenz zu verursachen.

  • Eine spastische Blase neigt dazu, häufiges Wasserlassen, Dranginkontinenz und -insbesondere mit Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie - Retention zu verursachen.

  • Messung des Restharnvolumens, Nierensonographie und Messung des Serumkreatinins sollten durchgeführt werden und bei vielen Patienten auch Zystographie, Zystoskopie und Zystomanometrie mit urodynamischen Untersuchungen.

  • Zur Behandlung der schlaffen Blase gehört auch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme sowie intermittierende Selbstkatheterisierung.

  • Die Behandlung der spastischen Blase erfolgt mit Maßnahmen, die Wasserlassen auslösen und/oder Maßnahmen zur Dranginkontinenz (einschließlich Medikamenten).

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