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Weinen

Von

Deborah M. Consolini

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Quellen zum Thema

Alle Säuglinge und Kleinkinder weinen als eine Form der Kommunikation, es ist für sie das einzige Mittel, um ihre Bedürfnisse auszudrücken. So ist den meisten Fällen Weinen ein Ausdruck für Hunger, Unwohlsein (z. B. eine nasse Windel) oder Trennung und es hört auf, wenn die Bedürfnisse erfüllt werden (z. B. durch füttern, trockenlegen, zärtliches umarmen). Das Weinen ist normal und verringert sich in Dauer und Häufigkeit nach ca. 3 Monaten. Allerdings sollte ein Kind, das auch nachdem alle Bedürfnisse gestillt wurden, weiterhin andauernd weiterschreit, untersucht werden, damit eine Ursache herausgefunden werden kann.

Ätiologie

Ursache des Schreiens ist

  • Organisch bei < 5% der Fälle

  • Funktional bei 95% der Fälle

Organische Ursachen

Organische Ursachen von Schreien müssen immer berücksichtigt werden, auch wenn sie selten sind. Kardiologische, gastrointestinale, infektiöse und traumatische Ursachen sind zu auszuschließen (siehe Tabelle: Einige Ursachen von Weinen). Davon sind Befunde wie Herzinsuffizienz, Invagination, Darmverschlingung, Volvulus, Meningitis (siehe auch Bakterielle Meningitis bei Kindern über 3 Monaten und Neonatale Bakterielle Meningitis) und intrakranielle Blutungen wegen Kopfverletzungen potenziell lebensbedrohlich.

Kolik äußert sich in exzessivem Schreien, das bei Säuglingen im Alter von ≤ 4 Monaten auftritt und keine erkennbare organische Ursache hat. Meist dauert es mindestens 3 h am Tag bei > 3 Tage in der Woche über eine Dauer von > 3 Wochen.

Tabelle
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Einige Ursachen von Weinen

Grund

Verdächtige Befunde

Diagnostisches Vorgehen

Herz

Verminderte oder fehlende Pulse der Femoralarterien

Tachypnoe

Husten

Schwitzen

Schlechte Ernährung

Systolisches Austreibungsgeräusch, systolischer Klick

Röntgenaufnahme des Brustkorbs

EKG

Sonographie

Tachypnoe

Husten

Schwitzen

Schlechte Ernährung

Galopprhythmus (S3)

Röntgenaufnahme der Brust

EKG

Echokardiographie

Supraventrikuläre Tachykardie

Tachypnoe

Husten

Schwitzen

Schlechte Ernährung

Herzschlag > 180 Schläge/min (in der Regel 220–280 Schläge/min bei Säuglingen; 180–220 Schläge/min bei älteren Kindern)

Röntgenaufnahme der Brust

EKG

Gastrointestinaltrakt

Analrisse oder Fissuren

Vorgeschichte mit verminderter Stuhlfrequenz und harten Stühlen

Aufgeblähter Bauch

Klinische Bewertung

Auffällige Darmgeräusche

Weiche, häufige Stühle

Klinische Bewertung

Vorgeschichte mit Spucken, Verkrümmung oder Weinen nach dem Stillen

Beobachtung des Schluckens

Untersuchung mit Ösophagus-pH- oder Impedanzsonde

Schwere kolikartige Bauchschmerzen abwechselnd mit ruhigen schmerzfreien Perioden

Lethargie

Erbrechen

Geleeartige Stühle

Röntgenaufnahme des Bauchraums

Lufteinlauf

Kuhmilcheiweißintoleranz (Milchproteinallergie)

Erbrechen

Durchfall oder Verstopfung

Schlechte Ernährung

Gedeihstörung

Test auf okkultes Blut im Stuhl

Volvulus

Biliöses Erbrechen

Druckdolenter, aufgeblähter Bauch

Blutige Stühle

Keine Darmgeräusche

Röntgenaufnahme des Bauchraums

Bariumeinlauf

Druckdolente, gerötete Raumforderung in der Leistengegend

Klinische Untersuchung

Infektion

Fieber

Trostlosigkeit, Reizbarkeit

Lethargie

Wulstige anteriore Fontanelle bei Säuglingen (siehe Neonatale Bakterielle Meningitis)

Nackensteifigkeit (Meningismus) bei älteren Kindern (siehe Bakterielle Meningitis bei Säuglingen älter als 3 Monate)

Lumbalpunktion für Liquortests

Fieber

Ziehen an den Ohren oder Beschwerden von Ohrenschmerzen

Erythematöses, eingetrübtes, wulstiges Trommelfell

Klinische Bewertung

Infektionen der Atemwege (Bronchiolitis, Lungenentzündung)

Fieber

Tachypnoe

Manchmal Hypoxie

Manchmal Keuchen, Rasseln oder verminderte Atemgeräusche bei der Auskultation

Röntgenaufnahme der Brust

Fieber

Mögliches Erbrechen

Urinuntersuchung und Urinkultur

Trauma

Hornhautabschürfung

Weinen ohne andere Symptome

Fluorescein-Test

Fraktur (Missbrauch)

Bereich der Schwellung und/oder Ekchymosen

Begünstigung einer Gliedmaße

Röntgenaufnahme des Skeletts zur Überprüfung von aktuellen und alten Frakturen

Haarmanschette

Geschwollene Spitze einer Zehe, eines Fingers oder des Penis mit einem darum herumgeschlungenen Haar in der Nähe der Schwellung

Klinische Bewertung

Schädeltrauma mit intrakraniellen Blutungen

Untröstliches, schrilles Schreien

Lokalisierte Schwellung am Schädel mit zugrunde liegender Deformierung

CT des Kopfes

Missbräuchliches Kopftrauma (Shaken-Baby-Syndrom)

Untröstliches, schrilles Schreien

Lethargie

Anfallsaktivität

CT des Kopfes

Untersuchung der Netzhaut

Skelett-Untersuchung

Andere

Erkältungsmedikamente

Vor kurzem durchgeführte medikamentöse Behandlung einer Erkältung

Klinische Bewertung

Geschwollener, geröteter, asymmetrischer Hodensack; fehlender Kremasterreflex

Doppler-Sonographie oder nuklearmedizinische Diagnostik der Hoden

Impfreaktion

Vor kurzem durchgeführte Impfung

Klinische Bewertung

S3= 3. Herzton

Abklärung

Anamnese

Der Verlauf der aktuellen Krankheit umfasst den Beginn des Weinens, die Dauer, sowie die Reaktionen des Kindes auf Versuche, es zu trösten. Ferner werden die Häufigkeit oder die Besonderheit der Schreiepisoden festgehalten. Eltern sollten nach damit im Zusammenhang stehenden Ereignissen oder Situationen gefragt werden, wie z. B. vor kurzem durchgeführte Impfungen, Verletzungen oder Stürze, Interaktionen mit einem Geschwister, Infektionen oder Medikamenteneinnahme. Es sollte auch nachgefragt werden, ob das Weinen in Relation mit Fütterungen oder Darmentleerungen steht.

Eine Überprüfung der Organsysteme konzentriert sich auf die ursächliche Symptome der Erkrankungen, einschließlich Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Körperverkrümmung, explosionsartige Darmentleerungen, blutige Stühle (gastrointestinale Erkrankungen), Fieber, Husten, Atemnot, verstopfte Nase und Atembeschwerden (Infektion der Atemwege) sowie offensichtliche Schmerzen beim Baden oder wickeln (Trauma).

Die Anamnese der Vorgeschichte sollte frühere Episoden von Weinen ebenso erfassen wie bestimmte Bedingungen, die möglicherweise dazu führen könnten, wie z. B. eine Herzerkrankung oder eine Entwicklungsverzögerung.

Körperliche Untersuchung

Die Untersuchung beginnt mit einer Überprüfung der Vitalfunktionen wie Anzeichen für Fieber und Tachypnoe. Eine erste Beobachtung beurteilt den Säugling oder das Kind auf Anzeichen von Apathie oder Leidensdruck und beobachtet, wie die Eltern mit dem Kind umgehen.

Der Säugling oder das Kind wird ausgezogen und auf Anzeichen von Atemnot untersucht (z. B. superclaviculare und subkostale Einziehungen, Zyanose). Die gesamte Körperoberfläche wird auf Schwellungen, Blutergüsse und Schürfwunden abgesucht.

Die auskultatorische Prüfung sucht nach Anzeichen einer Infektion der Atemwege (z. B. Keuchen, Rasseln, verminderte Atemgeräusche) und kardiologische Störungen (z. B. Herzrasen, Herzstolpern, holosystolisches Herzgeräusch, systolischer Klick). Es wird abgetastet, ob die Bauchdecke weich ist. Die Windel wird zur Untersuchung der Genitalien und des Anus entfernt, um Anzeichen auf Hodentorsion (insbesondere rot-ecchymatöser Hodensack, Schmerzen beim Abtasten), Haarmanschette am Penis, Leistenbruch (insbesondere Schwellungen in der Leistengegend oder am Hodensack) oder Analfissuren zu erkennen.

Die Extremitäten werden auf Anzeichen von Frakturen untersucht, insbesondere Schwellung, Rötung, Weichheit, Schmerz mit passiver Beweglichkeit. Finger und Zehen werden auf Haarmanschetten überprüft.

Die Ohren werden auf Anzeichen von Traumata (insbesondere Blut im Gehörgang oder hinter dem Trommelfell) oder Infektion (insbesondere rotes, pralles Trommelfell) untersucht. Die Hornhäute werden mit Fluorescein gefärbt und mit blauen Licht überprüft, um Hornhautabschürfungen auszuschließen. Der Augenhintergrund wird mit einem Ophthalmoskop auf Anzeichen von Blutungen untersucht. Wenn Netzhautblutungen vermutet werden, ist eine Untersuchung durch einen Augenarzt angeraten. Der Mund-Rachenraum wird auf Anzeichen von Soor oder mündliche Abschürfungen abgesucht. Der Schädel wird sanft auf Anzeichen von Frakturen abgetastet.

Warnhinweise

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Atemnot

  • Blutergüsse und Schürfwunden

  • Extreme Reizbarkeit

  • Fieber und Untröstlichkeit

  • Fieber bei einem Säugling, der 8 Wochen alt ist

Beurteilung der Befunde

Eine hohe Aufmerksamkeit ist bei der Beurteilung von Weinen angebracht. Elterliche Sorge ist ein wichtiger Hinweis. Wenn die elterliche Besorgnis groß ist, sollte der Arzt sie ernst nehmen auch wenn es keine eindeutigen Befunde gibt, weil Eltern unbewusst auf feine, aber wesentliche Änderungen reagieren können. Umgekehrt kann bei Eltern, die sehr wenig Besorgnis zeigen, ein Bonding-Problem oder die Unfähigkeit zugrunde liegen, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und angemessen mit ihnen umzugehen. Dies kann vor allem dann der Fall sein, wenn eine Interaktion zwischen Kind und Eltern fehlt. Wenn die Vorgeschichte inkonsistent und die klinischen Befunde entsprechend sind, sollte über einen möglichen Missbrauch nachgedacht werden.

Es ist hilfreich, den Bereich genau zu differenzieren, der Anlass zur Sorge gibt. So ist bei Fieber die wahrscheinlichste Ätiologie eine Infektionskrankheit, während Atemnot ohne Fieber auf eine kardialiologische Ätiologie oder Schmerzen hinweist Vorhergehende Auffälligkeiten beim Stuhlgang oder Bauchschmerzen während der Untersuchung stehen dagegen im Einklang mit einer gastrointestinalen Ätiologie. Spezifische Befunde deuten auf bestimmte Ursachen (siehe Tabelle: Einige Ursachen von Weinen).

Auch der Zeitrahmen kann bei der Diagnose wichtig sein. Intermittierend auftretendes Schreien, dass über eine Reihe von Tagen anhält ist weniger bedenklich als ein plötzliches, pausenloses Schreien. Die Information, ob das Schreien an einem bestimmten Zeitpunkt bei Tag oder Nacht auftritt, kann ebenfalls von Bedeutung sein. So kann ein erst vor kurzem aufgetretenes Weinen in der Nacht bei einem ansonsten fröhlichen, gesunden Säugling oder Kind Hinweis auf Trennungsangst oder schlafassoziierte Schwierigkeiten sein.

Die Art des Weinens kann ebefalls aufschlussreich sein. Eltern können häufig unterscheiden, ob das Kind aus Schmerz oder Angst weint. Es ist auch wichtig, den Grad der Dringlichkeit zu bestimmen. Ein untröstlicher Säugling oder ein untröstliches Kind ist besorniserregender als ein Säugling oder Kind, das wohl aussieht und gut getröstet werden kann.

Tests

Die Tests werden je nach der vermuteten Ursache gezielt durchgeführt (siehe Tabelle: Einige Ursachen von Weinen). Dabei wird besonders auf mögliche lebensbedrohliche Anzeichen geachtet, es sei denn die Anamnese und die körperliche Untersuchung sind für die Diagnose ausreichend. Wenn es nur wenige oder keine spezifischen klinischen Befunde gibt und keine Tests angezeigt sind, ist eine Folgeuntersuchung und eine Neubewertung zu empfehlen.

Behandlung

Die zugrunde liegende körperliche Ursache sollte behandelt werden. Unterstützung und Ermutigung sind für Eltern wichtig, wenn der Säugling oder das Kind keine erkennbare Erkrankung hat. Pucken kann bei einen Säugling in den ersten 4 Lebensmonaten hilfreich sein. Einen Säugling oder ein Kind auf den Arm zu nehmen, hilft dabei, die Dauer des Weinens zu verringern. Es ist auch sinnvoll, Eltern, die erschöpft und frustriert sind, dazu zu ermutigen, ihr Schreibaby für ein paar Minuten auf eine sichere Unterlage abzulegen und eine Pause zu machen. Eltern zu beraten und ihnen die Erlaubnis zu geben, eine Pause zu machen, kann hilfreich sein, um eine mögliche Misshandlung zu verhindern. Anlaufstellen für Schreibabys und andere Möglichkeiten der Unterstützung für Eltern, die überfordert sind, tragen zum Schutz der Kinder bei.

Wichtige Punkte

  • Weinen ist Teil der normalen Entwicklung und tritt ist am häufigsten in den ersten 3 Lebensmonaten auf.

  • Übermäßiges Schreien organischen Ursprungs muss von Koliken unterschieden werden.

  • Weniger als 5% der Fälle von Weinen liegt eine organische Ursache zugrunde.

  • Wenn keine organische Ursache identifiziert wird, sind es die Eltern, die Unterstützung brauchen können.

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