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Hodentorsion

Von

Patrick J. Shenot

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Nov 2017
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Quellen zum Thema

Die Hodentorsion stellt eine Notfallsituation infolge der Rotation des Hodens und der dadurch bedingten Strangulation seiner Blutversorgung dar. Als Symptome treten akute Hodenschmerzen und Hodenschwellung, Übelkeit und Erbrechen auf. Die Diagnose wird durch körperliche Untersuchung gestellt und farbdopplersonographisch gesichert. Die Behandlung besteht in der sofortigen manuellen Detorquierung mit nachfolgender chirurgischer Intervention.

Eine anomale Entwicklung der Tunica vaginalis und des Samenstrangs können zu einer unvollständigen Fixierung der Hoden an die Tunica vaginalis (Glockenklöppel-Missbildung, Eine anomale Hodenfixierung führt zu Torsion.) führen. Diese Anomalität prädisponiert den Hoden zur spontanen oder traumatisch bedingten Verdrehung um seinen Strang. Diese prädisponierende Anomalie liegt bei etwa 12% aller Männer vor. Die Torsion tritt am häufigsten zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr auf, mit einem zweiten Gipfel im Säuglingsalter. Bei Männern > 30 Jahre ist sie eher selten. Sie kommt häufiger beim linken Hoden vor.

Eine anomale Hodenfixierung führt zu Torsion.

Typischerweise werden die vorderen zwei Drittel der jeweiligen Hoden von der Tunica vaginalis, wo sich Flüssigkeiten ansammeln können, abgedeckt. Die Tunica vaginalis heftet sich an die posterolaterale Oberfläche der Hoden und begrenzt deren Bewegung im Skrotum. Wenn die Fixierung zu hoch ist (anterior und kranial), können sich die Hoden freier bewegen und eine Torsion ist wahrscheinlicher. A: Fixierung ist normal. B: Fixierung ist zu hoch, sodass sich die Hoden quer verdrehen können und es zu einer Torsion kommt.

Eine anomale Hodenfixierung führt zu Torsion.

Symptome und Beschwerden

Akutsymptome sind plötzlicher Beginn mit starken Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von skrotalem Ödem und Verhärtung. Fieber und häufiger Harndrang können hinzukommen. Der Hoden ist druckschmerzhaft und kann hoch oder horizontal stehen. Der kontralaterale Hoden kann ebenfalls horizontal sein, weil die anatomischen Defekte gewöhnlich beidseitig vorkommen. Der Kremasterreflex fehlt gewöhnlich auf der betroffenen Seite. Manchmal kann eine Torsion spontan heilen und dann wiederkehren, was ein weniger akutes Auftreten vermuten lässt. Normalerweise ist jedoch die Entstehung und Auflösung von Schmerzen bei jeder Episode sehr schnell.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

  • Oft Farbdopplersonographie

Die Torsion muss schnell erkannt werden. Ähnliche Symptome resultieren hauptsächlich aus einer tEpididymitis. Bei einer Epididymitis, sind Schmerzen und Schwellungen in der Regel weniger akut und treten anfänglich im Bereich der Nebenhoden auf. Jedoch kommt es bei beiden Krankheiten zu generalisierten Schwellungen und Empfindlichkeit, was es schwierig macht, eine Torsion von einer Epididymitis zu unterscheiden. Die klinische Diagnose reicht häufig aus, um therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Eine unklare Diagnose kann durch sofortige bildgebende Verfahren geklärt werden, wenn diese zur Verfügung stehen. Eine Farbdopplersonographie der Hoden wird bevorzugt. Die Radioisotopenuntersuchung des Skrotums kann auch zur Diagnose beitragen, nimmt aber längere Zeit in Anspruch und ist daher weniger nützlich.

Therapie

  • Manuelle Detorsion

  • Operation: Dringend wenn Detorsion erfolglos ist, ansonsten wahlweise

Der Versuch einer sofortigen manuellen Detorsion ohne Bildgebung kann während der ersten Untersuchung unternommen werden; der Erfolg ist unterschiedlich. Da sich Hoden normalerweise nach innen drehen, wird bei der Detorsion der Hoden nach außen gedreht (z. B. erfolgt eine Detorsion beim linken Hoden im Uhrzeigersinn, von der Vorderseite unterhalb der Hoden aus gesehen). Es kann mehr als eine Umdrehung notwendig sein, um die Torsion zu lösen; Schmerzlinderung führt das Verfahren.

Bei Verdacht auf eine Hodentorsion ist ein sofortiger operativer Eingriff angezeigt, weil die Exploration innerhalb von wenigen Stunden die einzige Chance zur Rettung des Hodens darstellt. Die Chance des Hodenerhalts sinkt von 80–100% nach 6–8 h rapide auf nahezu Null nach 12 h. Eine Fixation des kontralateralen Hodens wird auch durchgeführt, um eine Torsion auf dieser Seite zu verhindern. Wenn die manuelle Detorsion erfolgreich ist, erfolgt wahlweise eine bilaterale Fixation der Hoden.

Wichtige Punkte

  • Eine Hodentorsion verursacht typischerweise einen plötzlichen Ausbruch starker skrotaler Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von skrotalem Ödem und Verhärtung.

  • Weder Harnfrequenz noch Fieber schließen eine Hodentorsion aus, aber der Kremasterreflex fehlt in der Regel.

  • Patienten mit klinischen Befunden werden behandelt, bildgebende Verfahren sollten nur bei Fällen mit unklaren Befunden eingesetzt werden.

  • Der betroffene Hoden sollte nach außen gedreht und, wenn dies nicht gelingt, Vorkehrungen für eine sofortige Operation getroffen werden.

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