Das spinozelluläre Karzinom ist ein maligner Tumor der epidermalen Keratinozyten, der die Dermis involviert und für gewöhnlich in sonnenexponierten Bereichen auftritt. Die lokale Zerstörung kann erheblich sein und in fortgeschrittenen Stadien kommt es zu Metastasen. Die Diagnose wird bioptisch gestellt. Die Behandlung hängt von den Tumoreigenschaften ab und umfasst die Kürettage und Elektrodesikkation, operative Exzision, Kryochirurgie sowie gelegentlich Strahlentherapie.
(Siehe auch Maligne Hauttumoren im Überblick.)
Das Plattenepithelkarzinom ist ein Keratinozyten-Hautkrebs und nach dem Basalzellkarzinom mit 1,8 Millionen Fällen jährlich in den Vereinigten Staaten die zweithäufigste Hautkrebsart (1). Es kann sich im normalen Gewebe entwickeln, bei bereits vorhandener aktinischer Keratose, in einem Bereich oraler Leukoplakie oder in einer Brandnarbe. Das Plattenepithelkarzinom tritt häufiger bei Männern auf (1), und das Risiko steigt mit dem Alter dramatisch an (2) (insbesondere bei Patienten über 75 Jahren).
Die Pathophysiologie des Plattenepithelkarzinoms ähnelt der Pathophysiologie des Basalzellkarzinoms und umfasst das Zusammenspiel von Kombinationen aus umweltbedingten und genetischen Faktoren (3). Menschen mit hell pigmentierter Haut sind wesentlich anfälliger für Plattenepithelkarzinome als Menschen mit dunkel pigmentierter Haut, ebenso wie Personen mit chronischer Immunsuppression. Zu den wichtigsten differenzierenden Merkmalen gehören die engere Assoziation mit kumulativer UV-Schädigung (4) sowie Mutationen in zentralen Tumorsuppressorgenen wie TP53 beim Plattenepithelkarzinom, während beim Basalzellkarzinom vor allem der Hedgehog-Signalweg beteiligt ist (5). Seltener können auch andere Signalwege beteiligt sein (z. B. EGFR, RAS, Fyn, p16, NOTCH1, NOTCH2, PI3K) (6). Plattenepithelkarzinome sind zudem aggressiver und neigen eher zur Metastasierung als Basalzellkarzinome, die sich hingegen durch lokale Invasion, aber eine geringe Wahrscheinlichkeit einer metastatischen Ausbreitung auszeichnen. Plattenepithelkarzinome treten zudem häufiger auf Haut auf, die durch chronische Reizungen oder Verletzungen geschädigt ist.
Hinweise
1. The Skin Cancer Foundation. Skin Cancer Facts & Statistics: Nonmelanoma skin cancer. Accessed November 5, 2025.
2. Wysong A. Squamous-Cell Carcinoma of the Skin. N Engl J Med. 2023 Jun 15;388(24):2262-2273. doi: 10.1056/NEJMra2206348. PMID: 37314707.
3. Skin Cancer Foundation. Squamous Cell Carcinoma Risk Factors. Accessed October 29, 2025.
4. Firnhaber JM. Basal Cell and Cutaneous Squamous Cell Carcinomas: Diagnosis and Treatment. Am Fam Physician. 2020 Sep 15;102(6):339-346. PMID: 32931212.
5. Piipponen M, Riihilä P, Nissinen L, Kähäri VM. The Role of p53 in Progression of Cutaneous Squamous Cell Carcinoma. Cancers (Basel). 2021;13(18):4507. Published 2021 Sep 7. doi:10.3390/cancers13184507
6. Boeckmann L, Martens MC, Emmert S. Molecular Biology of Basal and Squamous Cell Carcinomas. Adv Exp Med Biol. 2020;1268:171-191. doi: 10.1007/978-3-030-46227-7_9. PMID: 32918219.
Symptome und Anzeichen von Plattenepithelkarzinom
Das klinische Erscheinungsbild ist äußerst variabel, jedoch sollte jede nicht heilende Läsion an einer sonnenexponierten Stelle den klinischen Verdacht auf ein Keratinozytenkarzinom wecken. Der Tumor kann als roter Papel oder Plaque mit einer schuppigen oder verkrusteten Oberfläche beginnen und kann knotig oder hyperkeratotisch werden, manchmal mit einer warzenartigen Oberfläche. In einigen Fällen kann der Großteil der Läsion unter dem Niveau der umgebenden Haut liegen. Schließlich kann der Tumor ulzerieren und in das darunterliegende Gewebe eindringen.
Läsionen an Kopf, Hals, Händen, Füßen oder im anogenitalen Bereich gelten als Hochrisikoläsionen (d. h. erhöhtes Risiko für Rezidiv und Metastasierung) (1).
Dieses Foto zeigt ein hyperkeratotisches, hautfarbenes Knötchen an einer sonnenexponierten Stelle, das auf ein kutanes Plattenepithelkarzinom hinweist.
Dieses Foto zeigt ein hyperkeratotisches, hautfarbenes Knötchen an einer sonnenexponierten Stelle, das auf ein kutanes
Foto zur Verfügung gestellt von Thomas Habif, M.D.
Diese erythematöse, unregelmäßige Plaque an einer Extremität wurde bei der Biopsie als Plattenepithelkarzinom diagnostiziert.
Diese erythematöse, unregelmäßige Plaque an einer Extremität wurde bei der Biopsie als Plattenepithelkarzinom diagnosti
© Springer Science+Business Media
Das Auftreten von Plattenepithelkarzinomen ist variabel. Diese hyperpigmentierten, schuppigen Läsionen am Ohrläppchen wurden bei der Biopsie als Plattenepithelkarzinom diagnostiziert.
Das Auftreten von Plattenepithelkarzinomen ist variabel. Diese hyperpigmentierten, schuppigen Läsionen am Ohrläppchen w
DR P. MARAZZI/SCIENCE PHOTO LIBRARY
Dieses Plattenepithelkarzinom an der Lippe ist stark keratinisiert; nicht alle Plattenepithelkarzinome an der Lippe sind so stark keratinisiert.
Dieses Plattenepithelkarzinom an der Lippe ist stark keratinisiert; nicht alle Plattenepithelkarzinome an der Lippe sin
Photo courtesy of Gregory L. Wells, MD.
Dieses Foto zeigt ein Plattenepithelkarzinom, das sich als großes, ulzeröses Areal manifestiert und in späteren Stadien auf andere Körperteile übergreift.
Dieses Foto zeigt ein Plattenepithelkarzinom, das sich als großes, ulzeröses Areal manifestiert und in späteren Stadien
DR M.A. ANSARY / SCIENCE PHOTO LIBRARY
Dieses Foto zeigt ein Plattenepithelkarzinom, das sich als großes, ulzeröses Areal manifestiert und in späteren Stadien auf andere Körperteile übergreift.
Dieses Foto zeigt ein Plattenepithelkarzinom, das sich als großes, ulzeröses Areal manifestiert und in späteren Stadien
DR M.A. ANSARY / SCIENCE PHOTO LIBRARY
Hinweise auf Symptome und Zeichen
1. National Comprehensive Cancer Network. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines). Squamous Cell Skin Cancer, version 1.2026. https://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/squamous.pdf. Accessed November 13, 2025.
Diagnose von Plattenepithelkarzinom
Biopsie
Die Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms umfasst die klinische Beurteilung einer verdächtigen Hautveränderung sowie die anschließende Bestätigung durch eine Biopsie und eine histologische Untersuchung. Eine Biopsie, die bis in die Dermis reichen sollte, ist essenziell (1).
Aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung können in einigen Fällen Untersuchungen der regionalen Lymphknoten sowie bildgebende Untersuchungen des betroffenen Bereichs erforderlich sein.
Differenzialdiagnosen
Die Differenzialdiagnose variiert in Abhängigkeit vom Aussehen der Läsion.
Nicht heilenden Ulzera von Pyoderma gangraenosum und Ulcus cruris venosum unterschieden werden.
Nodulare und hyperkeratotische Läsionen sollten von Keratoakanthomen (wahrscheinlich selbst Plattenepithelkarzinome) und Verrucae vulgares differenziert werden.
Schuppende Plaques sollten von Basalzellkarzinom, aktinischer Keratose, Verruca vulgaris, seborrhoischer Keratose, Psoriasis und nunmulärer Dermatitis (Diskoides Ekzem) unterschieden werden.
Diagnosehinweis
1. National Comprehensive Cancer Network. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines). Squamous Cell Skin Cancer, version 1.2026. https://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/squamous.pdf. Accessed November 13, 2025.
Behandlung von Plattenepithelkarzinom
Gewöhnlich lokal destruktive Techniken
Die Behandlung des squamösen Zellkarzinoms ist ähnlich wie diejenige beim Basalzellkarzinom und umfasst Kürettage und Elektrodesikkation, chirurgische Exzision, Kryochirurgie, topische Chemotherapie (Imiquimod oder 5-Fluorouracil) und die photodynamische Therapie oder gelegentlich Strahlentherapie (1). Behandlung und Nachsorge müssen engmaschig überwacht werden, da das Plattenepithelkarzinom ein höheres Metastasierungsrisiko aufweist als das Basalzellkarzinom.
Das spinozelluläre Karzinom der Lippe und andere Schleimhautübergänge werden exzidiert; gelegentlich ist eine Heilung schwierig.
Die chirurgische Exzision erfolgt bei Läsionen mit geringem Risiko als Standardexzision mit 4 bis 6 mm breiten Sicherheitsrändern und bei Läsionen mit hohem Risiko als progressive Exzision mit breiteren Sicherheitsrändern. Es kann auch eine mikrographische Operation nach Mohs durchgeführt werden, die bei Hochrisikoläsionen bevorzugt wird. Eine Strahlentherapie kann als Ergänzung zur Operation oder bei Patienten durchgeführt werden, die nicht für eine Operation in Frage kommen (d. h. bei Patienten mit positiven Resektionsrändern, Rezidiven oder einer ausgedehnten perineuralen Invasion) (1). Rezidive und große Tumoren sollten aggressiv mit der mikrographischen Chirurgie nach Mohs behandelt werden.
Die metastatische Erkrankung spricht auf eine Strahlentherapie an, sofern die Metastasen aufgefunden werden und isoliert sind. Weit verbreitete Metastasen sprechen auf konventionelle chemotherapeutische Schemata nicht gut an. Cetuximab (ein monoklonaler Antikörper, der den EGFR blockiert) hat sich bei gleichzeitiger Anwendung mit einer Operation oder Bestrahlung als mäßig wirksam erwiesen (2). Inhibitoren des programmierten Zelltodrezeptors 1 (PD‑1) (z. B. Cemiplimab, Pembrolizumab) sind Patienten mit inoperabler, fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung vorbehalten (3, 4).
Literatur zur Behandlung
1. National Comprehensive Cancer Network. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines). Squamous Cell Skin Cancer, version 1.2026. https://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/squamous.pdf. Accessed November 13, 2025.
2. Trodello C, Higgins S, Ahadiat O, et al. Cetuximab as a Component of Multimodality Treatment of High-Risk Cutaneous Squamous Cell Carcinoma: A Retrospective Analysis From a Single Tertiary Academic Medical Center. Dermatol Surg.2019 Feb;45(2):254-267. doi: 10.1097/DSS.0000000000001755. PMID: 30672860.
3. Rischin D, Porceddu S, Day F, et al. C-POST Trial Investigators. Adjuvant Cemiplimab or Placebo in High-Risk Cutaneous Squamous-Cell Carcinoma. N Engl J Med. 2025 Aug 21;393(8):774-785. doi: 10.1056/NEJMoa2502449.
4. Hughes BGM, Munoz-Couselo E, Mortier L, et al. Pembrolizumab for locally advanced and recurrent/metastatic cutaneous squamous cell carcinoma (KEYNOTE-629 study): an open-label, nonrandomized, multicenter, phase II trial. Ann Oncol. 2021 Oct;32(10):1276-1285. doi: 10.1016/j.annonc.2021.07.008. Epub 2021 Jul 20. Erratum in: Ann Oncol. 2022 Aug;33(8):853. doi: 10.1016/j.annonc.2022.05.517. PMID: 34293460.
Prognose für Plattenepithelkarzinom
Allgemein ist die Prognose von kleinen Läsionen, die frühzeitig adäquat entfernt werden, ausgezeichnet. Die 5-Jahres-Überlebensrate für kutane Formen des Plattenepithelkarzinoms beträgt in der Allgemeinbevölkerung etwa 98 %; bei Patienten mit Hochrisikomerkmalen oder invasiver beziehungsweise metastasierter Erkrankung ist sie jedoch deutlich niedriger (1). Regionale und Fernmetastasen von Plattenepithelkarzinomen auf sonnen-exponierter Haut sind selten, treten jedoch v. a. bei schlecht differenzierten Tumoren auf. Zu den Eigenschaften von aggressiveren Tumoren gehören:
Größe > 2 cm im Durchmesser
Eindringtiefe von > 2 mm
Perineurale Invasion
Sitz in der Nähe des Ohres oder der zinnoberroten Grenze
Im End-Stadium der Erkrankung, wenn umfangreiche Operationen erforderlich sein können, sind Metastasen wahrscheinlicher. Es breitet sich zunächst regional auf die umgebende Haut und Lymphknoten und letztendlich auf umliegende Organe aus. Krebserkrankungen, die in der Nähe der Ohren oder der Zinnobergrenze, in Narben oder mit perineuraler Invasion auftreten, sind eher metastasierend. In einer retrospektiven Längsschnitt-Kohortenstudie wies das kutane Plattenepithelkarzinom über einen Zeitraum von 10 Jahren ein Metastasierungsrisiko von 3,7 % und ein krankheitsspezifisches Sterberisiko von 2,1 % auf (2).
Literatur zur Prognose
1. National Comprehensive Cancer Network. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines). Squamous Cell Skin Cancer, version 1.2026. https://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/squamous.pdf. Accessed November 13, 2025.
2. Schmults CD, Karia PS, Carter JB, et al. Factors predictive of recurrence and death from cutaneous squamous cell carcinoma: a 10-year, single-institution cohort study. JAMA Dermatol. 2013 May;149(5):541-7. doi: 10.1001/jamadermatol.2013.2139. PMID: 23677079.
Prävention von Plattenepithelkarzinomen
Da das Plattenepithelkarzinom mit der Exposition gegenüber ultravioletter (UV‑)Strahlung assoziiert ist, werden zahlreiche Maßnahmen empfohlen, um die Exposition zu begrenzen (z. B. Sonnenvermeidung, Schutzkleidung, Verwendung von Sonnenschutzmitteln). Für detailliertere Informationen siehe Prävention der Auswirkungen von Sonnenexposition.
Wichtige Punkte
Aufgrund seines häufigen Auftretens und seines äußerst variablen Erscheinungsbildes sollte ein Plattenepithelkarzinom bei jeder nicht heilenden Läsion in einem sonnenexponierten Bereich in Betracht gezogen werden.
Metastasen sind selten, aber wahrscheinlicher bei Krebserkrankungen der Zungen- oder Schleimhautoberfläche, die in der Nähe der Ohren, der Zinnobergrenze oder bei Narben auftreten oder bei denen eine perineurale Invasion vorliegt.
Die Behandlung geschieht in der Regel durch lokal destruktive Methoden, manchmal auch mit Strahlentherapie (z. B. bei großen oder rezidivierenden Tumoren, oder bei perineuraler Infiltration).
PD‑1‑Inhibitoren wie Cemiplimab und Pembrolizumab oder EGFR‑Inhibitoren wie Cetuximab können bei Patienten mit fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung hilfreich sein.



