Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Ernährung in der Klinischen Medizin

Von

Adrienne Youdim

, MD, David Geffen School of Medicine at UCLA

Inhalt zuletzt geändert Okt 2016
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Eine Mangelernährung beeinträchtigt oft den Gesundheitszustand, unabhängig davon, ob eine Person erkrankt ist oder nicht. Auch können bestimmte Erkrankungen, z. B. eine Malabsorption, Nährstoffmängel verursachen. Zudem liegen bei zahlreichen Patienten, z. B. bei älteren Menschen, die notfallmäßig eingewiesen wurden, unerwartete Nährstoffmängel vor, die einer Behandlung bedürfen. In vielen medizinischen Zentren gibt es interdisziplinäre Ernährungs-Teams aus Ärzten, Krankenschwestern, Ernährungsberatern und Apothekern, die den Krankenhausarzt dabei unterstützen, verborgenen Nährstoffmängeln vorzubeugen, Ernährungsdefizite zu diagnostizieren und zu behandeln.

Überernährung trägt zu chronischen Störungen und Krankheiten wie Krebs, Hypertonie, Fettleibigkeit, Diabetes mellitus und koronarer Herzkrankheit bei. Diätetische Maßnahmen sind bei zahlreichen erblich bedingten Stoffwechselstörungen wie Galaktosämie oder Phenylketonurie erforderlich.

Beurteilung des Ernährungszustandes

Zu den Indikationen für die Untersuchung der Ernährung gehören folgende:

  • Unerwünschtes Körpergewicht oder Körperzusammensetzung

  • Verdacht auf bestimmte Mängel oder oxizitäten von essentiellen Nährstoffen

  • Bei Kleinkindern und Säuglingen, gehemmte(s) Wachstum oder Entwicklung.

Der Ernährungszustand sollte routinemäßig im Rahmen der klinischen Prüfung bewertet werden

  • Säuglinge und Kinder

  • Ältere Menschen

  • Menschen, die mehrere Medikamente nehmen

  • Personen mit psychiatrischen Erkrankungen

  • Menschen mit systemischen Erkrankungen, die länger als einige Tage andauern

Eine Beurteilung des Ernährungszustandes umfasst die Ernährungsgeschichte, eine körperliche Untersuchung und die Auswertung von Tests. Bei Verdacht auf Unterernährung werden Labortests (z. B. Albuminspiegel) und Tests auf eine verrringerte Hypersensitivität der Haut durchgeführt . Eine Analyse des Körperfettanteils (z. B. Hautfaltenmessung, bioelektrische Impedanzanalyse) wird durchgeführt, um den Prozentsatz an Körperfett zu bestimmen und eine Adipositas zu evaluieren.

Zur Erfassung der Ernährungsgeschichte werden Fakten zur Ernährung, zu Gewichtsveränderungen und Risikofaktoren für Ernährungsdefizite erfragt sowie Körpersysteme im Einzelnen untersucht (siehe Tabelle: Symptome und Anzeichen von Mangelerscheinungen). Ein Ernährungsberater kann sich detaillierter über die Ernährung eines Patienten informieren. Entsprechende Daten werden in der Regel über eine Auflistung der verzehrten Speisen und Lebensmittel in einem 24-h-Intervall und über einen Lebensmittelfragebogen erhoben. Mittels eines Lebensmitteltagebuchs lassen sich sämtliche Nahrungsmittel erfassen, die ein Mensch zu sich nimmt. Dabei besteht die genaueste Form der Dokumentation darin, dass der Patient alle im Rahmen einer Ad-libitum-Diät konsumierten Lebensmittel wiegt und die Daten notiert.

Tabelle
icon

Symptome und Anzeichen von Mangelerscheinungen

Gebiet/System

Symptom oder Anzeichen

Mangel

Allgemeines Erscheinungsbild

Abmagerung

Energie

Aussehen

Ausschlag

viele Vitamine, Zink, essenzielle Fettsäuren

Ausschlag bei Sonnenlichtexposition

Niacin (Pellagra)

schnelle Hämatombildung

Haare und Nägel

dünnes Haar oder Haarausfall

Protein

frühzeitiges Ergrauen es Haars

Löffelnägel

Augen

Nachtblindheit

Keratomalazie (Austrocknung und Trübung der Hornhaut)

Vitamin A

Mund

Cheilosis und Glossitis

Riboflavin, Niacin, Pyridoxin, Eisen

Zahnfleischbluten

Vitamin C, Riboflavin

Extremitäten

Ödeme

Protein

Nervensystem

Parästhesien oder Taubheitsgefühl in einer Strumpf-Handschuh Verteilung

Thiamin (Beriberi)

Tetanie

Kognitive und sensorische Defizite

Thiamin, Niacin, Pyridoxin, Vitamin B12

Demenz

Thiamin, Niacin, Vitamin B12

Haltungs- und Bewegungsapparat

Muskelabbau

Protein

Knochendeformitäten (z. B. O-Beine, X-Beine, Skoliose)

Vitamin D, Kalzium

zarter Knochenbau

Vitamin D

Gelenkschmerzen oder -schwellungen

Vitamin C

Gastrointestinaltrakt

Diarrhoe

Protein, Niacin, Folsäure, Vitamin B12

Diarrhoe und Dysgeusie

Zink

Dysphagie oder Odynophagie (aufgrund Plummer-Vinson-Syndrom)

Eisen

endokrines System

Schilddrüsenvergrößerung

Jod

Es sollte stets eine vollständige körperliche Untersuchung, inkl. der Bestimmung von Körpergröße, Gewicht und der Verteilung des Körperfetts durchgeführt werden. Der Body Mass Index (BMI, Gewicht in kg/Körpergröße in m2), der das ideale Gewicht entsprechend der Körpergröße bestimmt (siehe Tabelle: Body-Mass-Index (BMI)), ist genauer als Größen- und Gewichtstabellen. Für das Wachstum und die Gewichtszunahme von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen wurden Normwerte festgelegt ( Körperliches Wachstum von Säuglingen und Kindern).

Tabelle
icon

Body-Mass-Index (BMI)

Gewichtskategorie

BMI:)

Normal* (18.5–24)

Übergewicht (25-29)

Fettleibige (30–34)

Fettleibige (35–39)

Extrem Adipös (40-47)

Extrem Adipös (48-54)

Größe (cm)

Körpergewicht (kg)

60–61

97–127

128–153

153–180

179–206

204–248

245–285

62–63

104–135

136–163

164–191

191–220

218–265

262–304

64–65

110–144

145–174

174–204

204–234

232–282

279–324

66–67

118–153

155–185

186–217

216–249

247–299

297–344

68–69

125–162

164–196

197–230

230–263

262–318

315–365

70–71

132–172

174–208

209–243

243–279

278–338

334–386

72–73

140–182

184–219

221–257

258–295

294–355

353–408

74–75

148–192

194–232

233–272

272–311

311–375

373–431

76

156–197

205–238

246–279

287–320

328–385

394–443

* Ein BMI unterhalb der angegebenen Werte weist auf Untergewichtigkeit hin.

Die Berechnungen erfolgen mit metrischen Einheiten (kg, m), aber die Tabelle wird für US-Leser in Zoll und Pfund dargestellt.

Die Verteilung des Körperfetts ist von Bedeutung. Unproportionale Fettleibigkeit am Körperstamm, d. h. ein Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang > 0,8 wird häufiger mit kardiovaskulären und zerebrovaskulären Erkrankungen, Hypertonie und Diabetes mellitus verbunden als Fettgewebe, das anderswo platziert ist. Die Messung des Taillenumfangs bei Patienten mit einem BMI von < 35 hilft festzustellen, ob eine Stammfettsucht vorliegt und das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorherzusagen. Das Risiko erhöht sich, wenn der Taillenumfang > 102 cm (> 40 Zoll) bei Männern bzw. > 88 cm (> 35 Zoll) bei Frauen beträgt.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Roux-en-Y-Magenbypass
Video
Roux-en-Y-Magenbypass
Die Verdauung beginnt im Mund, indem durch Kauen und Speichel Nahrung zerkleinert wird. Im...

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN