Lungenabszess

VonSanjay Sethi, MD, University at Buffalo, Jacobs School of Medicine and Biomedical Sciences
Überprüft vonRichard K. Albert, MD, Department of Medicine, University of Colorado Denver - Anschutz Medical
Überprüft/überarbeitet Geändert März 2025
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Ein Lungenabszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum in der Lunge, umgeben von entzündetem Gewebe. Die Ursache ist eine Infektion.

  • Ein Lungenabszess wird in der Regel durch Bakterien verursacht, die normalerweise im Mundraum vorkommen und in die Lunge eingeatmet werden.

  • Symptome umfassen Müdigkeit, Appetitlosigkeit, nächtliche Schweißausbrüche, Fieber, Gewichtsverlust und einen von Auswurf begleiteten Husten.

  • Die Diagnose wird in der Regel anhand einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs gestellt.

  • Die meisten Patienten müssen während mehrerer Wochen Antibiotika einnehmen, bis sich der Lungenabszess bessert.

Ursachen eines Lungenabszesses

Ein Lungenabszess wird in der Regel durch Bakterien verursacht, die normalerweise im Mundraum oder im Hals vorkommen und in die Lunge eingeatmet (inhaliert) werden, wo sie eine Infektion auslösen. Häufig stammen die Bakterien, die einen Lungenabszess verursachen, aus Erkrankungen des Zahnfleischs (Parodontitis).

Der Körper verfügt über verschiedene Abwehrmechanismen (wie z. B. Husten), damit keine Bakterien in die Lunge gelangen. Infektionen kommen hauptsächlich dann vor, wenn eine Person aufgrund von Alkohol- oder Freizeitdrogenkonsum, Verwendung von Medikamenten, Beruhigungsmitteln, einer Narkose oder einer Krankheit des Nervensystems bewusstlos oder stark benommen ist und infolgedessen die eingeatmeten Bakterien schlechter abhusten kann.

Bei Menschen mit schlechtem Immunsystem können Lungenabszesse auch durch Organismen ausgelöst werden, die normalerweise nicht im Mundraum oder im Rachen vorkommen, wie z. B. durch Pilzinfektionen oder das Mycobacterium tuberculosis (den Erreger von Tuberkulose). Weitere Bakterien, die zu Lungenabszessen führen können, sind Streptokokken und Staphylokokken, darunter das Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), eine schwere Infektion.

Wenn die Atemwege verlegt (blockiert) sind, kann dies auch zur Bildung von Abszessen führen. Wenn die Verästelungen der Atemwege (die Bronchien) durch einen Tumor oder einen Fremdkörper verlegt sind, kann sich zum Beispiel ein Abszess bilden, weil sich hinter der Blockade Sekrete (Schleim) ansammeln. Darin können sich Bakterien vermehren. Die Verengung verhindert, dass das mit Bakterien belastete Sekret durch die Luftröhre abgehustet werden kann.

Seltener entsteht ein Abszess aufgrund von Bakterien oder infizierten Blutgerinnseln, die über den Blutkreislauf von einer anderen infizierten Körperstelle in die Lunge geraten (septische Lungenembolie). Manchmal kann die Ausbreitung von lokalen Infektionen in der Lungenschleimhaut (Pleura) auch eine Infektion des nahe gelegenen Lungengewebes verursachen. Dieses Gewebe wird dann abgekapselt, sodass daraus ein Abszess entstehen kann.

Normalerweise bildet sich infolge der Einatmung eines Fremdkörpers oder der Verengung der Atemwege nur ein einzelner Lungenabszess. Sollten sich doch mehrere Abszesse entwickeln, erfolgt dies in der Regel im gleichen Lungenflügel. Wenn eine Infektion über den Blutkreislauf in die Lunge gelangt, können sich hingegen in beiden Lungenflügeln zahlreiche verstreute Abszesse bilden. Dieses Problem tritt am häufigsten bei Drogensüchtigen auf, die beim Spritzen unsterile Methoden verwenden (z. B. unsaubere Nadeln).

Einige Abszesse platzen schließlich in Richtung eines Atemwegs auf und produzieren eine Menge Auswurf (Sputum), der abgehustet wird. Ein geplatzter Abszess lässt einen Hohlraum in der Lunge zurück, der mit Luft und Flüssigkeit gefüllt ist. Manchmal platzt ein Abszess auch im Raum zwischen den beiden Hautschichten, welche die Lunge und den Brustkorb auskleiden, und füllt diesen sogenannten Pleuraraum mit Eiter (Empyem).

Symptome eines Lungenabszesses

Die Symptome entwickeln sich meistens langsam, können aber je nach Ursache des Abszesses auch plötzlich auftreten. Zu den frühen Symptomen zählen:

  • Erschöpfung

  • Appetitlosigkeit

  • Nächtliches Schwitzen

  • Fieber und Schüttelfrost

  • Husten mit Auswurf

Der Auswurf (Sputum) kann einen fauligen, üblen Geruch haben (weil Bakterien aus dem Mundraum oder Rachen häufig eher schlecht riechen) oder Blutspuren aufweisen. Betroffene können unter Mundgeruch leiden. Beim Atmen können auch Schmerzen im Brustkorb auftreten, besonders wenn das Lungenfell und das Brustfell (Pleura) entzündet sind, wie bei einer Pleuritis (auch als Brustfellentzündung bekannt). Viele Betroffene weisen diese Symptome bereits Wochen oder Monate auf, bevor sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Diese Patienten haben chronische Abszesse und verlieren zusätzlich zu den übrigen Symptomen erheblich an Gewicht und haben tagsüber Fieber und Schweißausbrüche in der Nacht. Im Gegensatz dazu können Lungenabszesse aufgrund von Staphylokokken (Staphylococcus aureus) oder MRSA innerhalb von Tagen oder gar Stunden tödlich verlaufen.

Diagnose eines Lungenabszesses

  • Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs

  • Manchmal Computertomografie (CT) des Brustkorbs

  • Laborproben

Auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs sind Lungenabszesse fast immer als mit Flüssigkeit und Luft gefüllte Hohlräume zu erkennen. Ein solches Erscheinungsbild kann jedoch auch durch andere Erkrankungen verursacht werden, etwa durch Krebs oder Lungenbläschen (dünne Luftaussackungen, die sich normalerweise auf der Außenseite der Lunge bilden). Manchmal wird der Abszess nur erkannt, wenn eine CT des Brustkorbs erstellt wird.

Ärzte können eine Sputumprobe entnehmen und versuchen, den Erreger, der den Abszess verursacht, in einer Kultur heranzuzüchten und die Erreger unter dem Mikroskop zu untersuchen. Sie können auch Blutproben zur Kultivierung entnehmen.

Jede infizierte Flüssigkeit im Pleuraraum (Empyem) wird entnommen und zur Kultivierung an ein Labor geschickt.

Eine Bronchoskopie kann durchgeführt werden, um Proben des Lungensekrets oder Lungengewebes für eine Kultur zu erhalten, wenn zum Beispiel,

  • Antibiotika nicht zu wirken scheinen

  • Eine Verengung der Atemwege angenommen wird (zum Beispiel Blockierung der Bronchien durch einen Tumor)

  • Das Immunsystem der Person geschwächt ist

Wenn das Immunsystem geschwächt ist, können Organismen, die normalerweise keine Lungenabszesse verursachen, zu einem Abszess führen. Ungewöhnliche Organismen müssen so schnell wie möglich bestimmt werden, da sie anders behandelt werden müssen als gewöhnliche Organismen, die einen Lungenabszess verursachen.

Behandlung eines Lungenabszesses

  • Antibiotika

  • Manchmal chirurgische Drainage

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Antibiotika werden anfangs meist über eine Vene (intravenös, i.v.) gegeben; später, wenn es dem Patienten etwas besser geht und das Fieber zurückgegangen ist, wird auf Mittel zum Einnehmen umgestellt. Die antibiotische Behandlung muss fortgesetzt werden, bis die Symptome verschwunden sind und eine Röntgenaufnahme zeigt, dass der Abszess sich verbessert hat. Bis zu einer solchen Verbesserung ist für gewöhnlich eine 3- bis 6-wöchige Antibiotikatherapie notwendig, manchmal auch länger, je nach Krankheitsursache und Ansprechen des Patienten.

Wenn der Verdacht besteht, dass der Abszess durch einen Tumor oder einen Fremdkörper verursacht wird, der die Atemwege verlegt, kommt zur Behandlung manchmal eine Bronchoskopie zum Einsatz, um beispielsweise den Fremdkörper zu entfernen.

Gelegentlich müssen ein Abszess, der auf Antibiotika nicht anspricht, oder ein Empyem durch einen Schlauch abgeleitet (dräniert) werden, der durch die Brustwand oder die Nase eingeführt wird. Der Schlauch kann mithilfe einer Bronchoskopie oder durch eine Operation eingesetzt werden. In seltenen Fällen muss infiziertes Lungengewebe operativ entfernt werden. Dabei kann es vorkommen, dass ein ganzer Lappen eines Lungenflügels oder auch ein ganzer Lungenflügel entfernt wird.

Die meisten Patienten werden geheilt. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung ist weniger hoch bei Patienten, die bereits geschwächt sind oder ein beschädigtes Immunsystem haben oder wenn ein Bronchus durch einen Tumor blockiert wird.

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