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Schistosomiasis

(Bilharziose)

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Quellen zum Thema

Schistosomiasis ist eine Infektion, die von bestimmten Plattwürmern (Saugwürmern) ausgelöst wird, die Schistosomen (Pärchenegel) genannt werden.

  • Menschen ziehen sich Schistosomiasis beim Schwimmen oder Baden in Süßwasser zu, das mit den Saugwürmern kontaminiert ist.

  • Die Infektion kann einen juckenden Ausschlag verursachen und dann nach mehreren Wochen Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit, Bauchschmerzen und später weitere Symptome, je nachdem, welches Organ betroffen ist.

  • Ärzte bestätigen Schistosomiasis als Diagnose, indem sie die Eier in einer Stuhl- oder Urinprobe identifizieren.

  • Die Infektion wird mit Praziquantel behandelt.

Saugwürmer sind parasitär lebende Plattwürmer. Es gibt viele verschiedene Arten von Saugwürmern. Die verschiedenen Arten befallen tendenziell unterschiedliche Körperbereiche. Schistosomiasis ist die häufigste Saugwurminfektion. Sie betrifft mehr als 218 Millionen Menschen in tropischen und subtropischen Regionen in Südamerika, Afrika und Asien. (Siehe auch Überblick über Parasiteninfektionen.)

Fünf Schistosoma-Arten entwickeln sich im Menschen zu adulten Saugwürmern und sind für die meisten Fälle von Schistosomiasis verantwortlich:

  • Schistosoma haematobium befällt die Harnwege (einschließlich der Blase). Diese Art ist auf dem afrikanischen Kontinent weit verbreitet und kommt auch in einigen Gegenden im Nahen Osten, in der Türkei und in Indien vor.

  • Schistosoma mansoni, Schistosoma japonicum, Schistosoma mekongi und Schistosoma intercalatum befallen den Darm und die Leber. Schistosoma mansoni ist in Afrika weit verbreitet und ist die einzige Pärchenegel-Art in der westlichen Hemisphäre (in Teilen von Südamerika und der Karibik). Schistosoma japonicum und Schistosoma mekongi kommen in Asien und Südostasien vor. Schistosoma intercalatum kommt in Zentral- und Westafrika vor.

Keine dieser fünf Schistosoma-Arten führt bei Einwohnern Kanadas oder der Vereinigten Staaten zu Schistosomiasis, auch nicht in Puerto Rico, wo Schistosomiasis früher endemisch war.

Schistosomiasis wird beim Schwimmen, Waten oder Baden in Süßwasser, das mit den Schwärmern des Parasiten kontaminiert ist, übertragen.

Infizierte Personen scheiden die Eier der Pärchenegel im Stuhl oder Urin aus. Im Wasser werden aus den Eiern unreife Larven (sogenannte Miracidia oder Wimpernlarven) freigesetzt, die spezifische Arten von Wasserschnecken befallen, sich vermehren und zu sogenannten Zerkarien heranreifen, die schwimmen können. Die Zerkarien werden freigesetzt und schwimmen frei im Wasser. Wenn sie mit menschlicher Haut in Kontakt kommen, graben sie sich ein und wandern durch die Blutbahn in die Leber, wo sie zu adulten Saugwürmern heranreifen. Die adulten Würmer wandern durch die Blutbahn zu ihrem endgültigen Bestimmungsort in den kleinen Venen in der Blase oder im Darm (je nach Art), wo sie durchschnittlich 3 bis 10 Jahre überleben. Die adulten Saugwürmer legen sehr viele Eier in den Darm- oder Blasenwänden ab. Diese Eier verursachen lokale Gewebeschäden und Entzündungen, was zu Geschwüren, Blutungen und Vernarbung führen kann. Manche Eier werden im Stuhl (Fäkalien) oder Urin ausgeschieden. Wenn der Urin oder Stuhl von infizierten Menschen in Süßwasser gerät, schlüpfen unreife Larven aus den Eiern, worauf der Zyklus in befallenen Schnecken erneut beginnt.

Lebenszyklus von Pärchenegeln

  • 1. Eier des Pärchenegels werden vom Menschen im Stuhl oder Urin ins Wasser abgegeben.

  • 2. Im Wasser schlüpfen aus den Eiern unreife Larven (Miracidia oder Wimpernlarven).

  • 3. Die Wimpernlarven schwimmen und befallen eine Schnecke.

  • 4.–5. In der Schnecke entwickeln sich die Wimpernlarven zu Sporozysten und dann zu einer als Zerkarien bezeichneten, schwimmfähigen Form mit gegabeltem Schwanz. Die Zerkarien werden von der Schnecke ins Wasser abgegeben und durchdringen die Haut von Badenden.

  • 6. Beim Eindringen in die Haut werfen die Zerkarien ihren Schwanz ab und werden zu Schistosomula. Die Schistosomula wandern dann in die Leber, wo sie zu adulten Tieren heranreifen.

  • 7. Männliche und weibliche Würmer paaren sich und wandern in die Venen im Darm oder in der Blase (je nach Art). Dort bleiben sie, und die weiblichen Würmer beginnen mit der Eiablage.

Lebenszyklus von  <i>Pärchenegeln</i>

Schistosoma mansoni und Schistosoma japonicum siedeln sich typischerweise in den kleinen Venen des Darms an. Manche Eier strömen von dort durch die Blutbahn in die Leber. Die daraus resultierende Entzündung kann zu Vernarbung und erhöhtem Druck in der Vene führen, die Blut zwischen dem Darmtrakt und der Leber transportiert (die Pfortader). Hoher Blutdruck in der Pfortader (portale Hypertonie) kann eine Vergrößerung der Milz und Blutungen aus den Venen in der Speiseröhre verursachen.

Schistosoma haematobium legt seine Eier normalerweise in der Blase ab, wo sie manchmal Geschwüre, blutigen Urin und Vernarbung auslösen. Ein Befall mit Schistosoma haematobium erhöht das Risiko für Blasenkrebs.

Bei allen Formen von Schistosomiasis können andere Organe befallen werden (wie die Lunge, das Rückenmark und das Gehirn). Eier, welche die Lunge erreichen, können Entzündungen und erhöhten Blutdruck in den Arterien der Lunge (pulmonale Hypertonie) auslösen, was zu einer Form von Herzinsuffizienz führen kann, die als Cor pulmonale bezeichnet wird.

Adulte Pärchenegel können 3 bis 7 Jahre alt werden. Weibchen sind etwa 0,6 bis 1,9 cm lang. Männchen sind etwas kleiner.

Badedermatitis

Bestimmte Schistosoma-Arten befallen normalerweise eher Vögel und Säugetiere als den Menschen. Mitunter können die Zerkarien dieser Arten aber auch die Haut des Menschen durchdringen. Weil der Mensch normalerweise keinen Wirt für diese Schistosomen darstellt, können sie nicht von der Haut in andere Organe wandern und dort zu adulten Pärchenegeln heranreifen. Daher ist nur die Haut betroffen, wo intensiver Juckreiz entsteht (der manchmal als Badedermatitis bezeichnet wird). Im Gegensatz zu den fünf Arten, die Schistosomiasis hervorrufen, finden sich einige dieser Schistosoma-Arten in den USA und in Kanada.

Symptome

Die meisten Infizierten haben keine Symptome. Wenn die Schistosomen aber in die Haut eindringen, kann sich zunächst ein juckender Ausschlag an der betreffenden Stelle entwickeln.

Ungefähr 2 bis 4 Wochen später, unter Umständen aber auch erst nach 12 Wochen (wenn die adulten Saugwürmer mit der Eiablage beginnen) kann es zu einer akuten Schistosomiasis mit Fieber, Schüttelfrost, Husten, Muskelschmerzen, Erschöpfung, unbestimmtem Unwohlsein (Krankheitsgefühl), Übelkeit und Bauchschmerzen kommen. Lymphknoten können sich vorübergehend vergrößern und kehren dann in ihren Normalzustand zurück. Diese Symptomgruppe wird Katayama-Fieber genannt.

Wenn die Infektion lange Zeit anhält (sogenannte chronische Schistosomiasis), entwickelt der Körper eine Entzündungsreaktion gegen die Eier, die weitere Symptome und Vernarbung nach sich zieht. Die Symptome hängen von den befallenen Organen ab:

  • Wenn die Blutgefäße des Darms chronisch infiziert sind: Abdominale Beschwerden, Schmerzen und Blutungen (im Stuhl erkennbar), was Anämie auslösen kann

  • Wenn die Leber befallen und der Druck in der Pfortader erhöht ist (portale Hypertonie): Vergrößerte Leber und Milz

  • Wenn die Blase chronisch infiziert ist: schmerzhaftes, häufiges Urinieren, Blut im Urin und ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs

  • Wenn die Harnwege chronisch infiziert sind: Entzündung und letztlich Vernarbung, die den Harnleiter von der Niere zur Blase blockieren kann, sodass sich mitunter Harn rückstaut und die Nieren schädigt

  • Wenn das Gehirn oder das Rückenmark chronisch infiziert ist (selten): Krampfanfälle, Muskelschwäche oder Lähmung

  • Wenn die Lunge chronisch infiziert ist: hoher Blutdruck in den Lungenarterien mit Kurzatmigkeit, Benommenheit und Brustschmerzen infolge einer Herzinsuffizienz, die als Cor pulmonale bezeichnet wird

  • Wenn die Genitalien infiziert sind (bei Männern und Frauen): Unfruchtbarkeit

Diagnose

  • Untersuchung von Stuhl-, Urin- bzw. mitunter Gewebeproben aus dem Darm oder der Blase

  • Mitunter Bluttests

Schistosomiasis wird bei Reisenden, Einwanderern oder Bewohnern von Gegenden vermutet, in denen Schistosomiasis verbreitet ist, wenn diese typische Symptome beschreiben und in Süßwasser geschwommen oder gewatet sind.

Ein Arzt kann Schistosomiasis als Diagnose bestätigen, indem er Stuhl- oder Urinproben auf Eier untersucht. Normalerweise werden mehrere Proben benötigt. Wenn im Stuhl oder Urin keine Eier gefunden werden, aber die Symptome und Umstände auf Schistosomiasis hinweisen, untersucht der Arzt mitunter eine Gewebeprobe des Darms oder der Blase unter dem Mikroskop auf Vorhandensein von Eiern. In der Frühphase der Infektion – d. h. kurz nach dem Eindringen der Parasiten durch die Haut bzw. bei Katayama-Fieber (akute Schistosomiasis) – sind im Stuhl bzw. Urin keine Eier feststellbar.

Es gibt Bluttests, mit denen festgestellt werden kann, ob jemand mit Schistosoma mansoni oder anderen Arten infiziert ist, aber diese Tests sagen nichts über die Schwere der Infektion aus, wie lange sie schon vorliegt oder ob lebende adulte Würmer vorhanden sind. Bei Menschen, die keine endemischen Gebiete bewohnen, sollten Bluttests 6 bis 8 Wochen nach dem letzten Kontakt mit Süßwasser in Gebieten durchgeführt werden, wo Schistosomiasis auftritt.

Nach der Diagnose von Schistosomiasis wird häufig Ultraschall eingesetzt, um den Schweregrad der Erkrankung in den Harnwegen oder der Leber zu bestimmen. Auch eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) kann durchgeführt werden.

Vorbeugung

Die besten Maßnahmen zur Vorbeugung von Schistosomiasis:

  • Kein Schwimmen, Baden oder Waten in Süßwasser in Gegenden, wo bekanntlich Schistosomen vorkommen

  • Benutzung von Latrinen oder Toiletten zum Entleeren von Blase und Darm

  • Einsatz von Chemikalien zum Abtöten von Schnecken (Molluskizide) in Süßwasser, das bekanntlich Schistosomen enthält

Süßwasser zum Baden sollte mindestens 1 Minute lang abgekocht werden (vor dem Baden abkühlen lassen). Wasser, das sich bereits mindestens 1 bis 2 Tage lang in einem Wassertank befunden hat, ist vermutlich jedoch auch ohne Abkochen sicher.

Personen, die versehentlich Kontakt mit möglicherweise kontaminiertem Wasser hatten (z. B. weil sie in einen Fluss gefallen sind), sollten sich mit einem Handtuch kräftig trocken reiben, um zu versuchen, etwaige Parasiten vor dem Eindringen in die Haut zu entfernen.

Der Einsatz von Molluskiziden in Süßwasser, das Schistosomen enthält, kann zur Vorbeugung von Schistosomiasis wirksam sein, aber diese Maßnahme kann auch schwierig durchführbar, teuer und ökologisch bedenklich sein. Eine flächendeckende Behandlung mit Praziquantel (ein Mittel gegen Wurminfektionen) in Dörfern oder Schulen sowie Aufklärungsprogramme werden zur Kontrolle von Schistosomiasis in endemischen Gebieten eingesetzt.

Behandlung

  • Praziquantel (Arzneimittel gegen Parasiten)

Zur Behandlung von Schistosomiasis werden je nachdem, welche Schistosoma-Art die Infektion auslöst, 2 oder 3 Dosen Praziquantel über einen Tag hinweg eingenommen. Wenn der Stuhl oder Urin anfangs lebende Eier enthalten hat, kann der Arzt nach 1 bis 2 Monaten erneut eine Probe untersuchen, um festzustellen, ob die Behandlung erfolgreich war. Wenn nach wie vor lebende Eier vorhanden sind, wird die Behandlung mit Praziquantel wiederholt.

Praziquantel ist wirksam gegen adulte Pärchenegel, aber nicht gegen unreife Lebensformen, die in der Frühphase der Infektion vorliegen. Bei Reisenden wird die Behandlung mit Praziquantel daher um 6 bis 8 Wochen nach der letzten Exposition gegenüber dem Parasiten hinausgezögert, um den unreifen Formen genug Zeit zu geben, zu erwachsenen Tieren heranzureifen.

Bei starken Symptomen einer akuten Schistosomiasis (Katayama-Fieber) können Kortikosteroide helfen.

Bei Badedermatitis ist keine medikamentöse Behandlung zum Abtöten der Schistosomen erforderlich. Kalte Umschläge, Natron, Lotionen gegen Juckreiz und/oder kortikosteroidhaltige Cremes oder Salben können helfen, den starken Juckreiz zu lindern.

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