Windpocken

(Varizellen)

VonKenneth M. Kaye, MD, Harvard Medical School
Überprüft vonChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Überprüft/überarbeitet Geändert Jan. 2026
v818883_de
DIE AUSGABE FÜR MEDIZINISCHE FACHKREISE ANSEHEN
Kurzinformationen

Windpocken sind eine hoch ansteckende Virusinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus, das einen charakteristischen juckenden Ausschlag verursacht, der aus kleinen, erhabenen Blasen oder verkrusteten Flecken besteht.

  • Meist sind Kinder davon betroffen, durch den Impfstoff konnte die Anzahl der Fälle jedoch deutlich reduziert werden.

  • Bevor der Ausschlag auftritt, haben die Kinder leichte Kopfschmerzen und mäßiges Fieber, sind appetitlos und fühlen sich allgemein krank.

  • Die Diagnose wird anhand der Symptome, insbesondere anhand des Ausschlags gestellt.

  • Die meisten Kinder werden wieder ganz gesund, doch bei manchen Kindern verläuft die Krankheit sehr schwer und sie können sogar sterben.

  • Im Normalfall müssen nur die Symptome behandelt werden.

  • Eine Routineimpfung kann Windpocken verhindern.

Windpocken sind eine Infektionskrankheit, von der in erster Linie Kinder betroffen sind. Sie wird durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen, wobei es sich um ein Herpesvirus handelt (Herpesvirus Typ 3).

Vor der Einführung des Windpockenimpfstoffs traten Windpockenepidemien alle 3 bis 4 Jahre im Winter und im frühen Frühjahr auf.

Ansteckungsgefahr besteht bei Windpocken ab zwei Tagen vor dem Auftreten des Ausschlags, infizierte Personen bleiben jedoch ansteckend, bis die letzten Bläschen verkrustet sind.

Wussten Sie ...

  • Ansteckungsgefahr besteht bei Windpocken ab zwei Tagen vor dem Auftreten des Ausschlags, infizierte Personen bleiben jedoch ansteckend, bis die letzten Bläschen verkrustet sind.

Bei Kindern mit normalem Immunsystem verlaufen die Windpocken selten schwer. Die meisten Menschen, die an Windpocken erkranken, haben lediglich wunde Stellen auf der Haut und im Mund, doch manchmal befällt das Virus auch die Lunge, das Hirn, das Herz oder die Leber. Solche schwerwiegenden Infektionen treten häufiger bei Neugeborenen, Erwachsenen und Personen mit geschwächtem Immunsystem auf (wie z. B. bei Personen, die mit HIV leben oder die Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems oder hohe Dosen von Steroiden [manchmal auch als Glukokortikoide oder Kortikosteroide bezeichnet] einnehmen).

Eine Windpockenerkrankung verleiht lebenslange Immunität, diese Person kann daran nicht erneut erkranken. Das Varizella-Zoster-Virus bleibt jedoch nach der Windpockenerkrankung passiv (latent) im Körper. Wird es später reaktiviert, was mitunter geschehen kann, verursacht es Gürtelrose. Für ältere Menschen gibt es einen Impfstoff gegen Gürtelrose. Dieser Impfstoff verringert das Risiko, später einmal an Gürtelrose zu erkranken.

Übertragung von Windpocken

Windpocken werden wie folgt übertragen:

  • Über Tröpfchen in der Luft, die das Varizella-Zoster-Virus enthalten

  • Durch Kontakt mit dem durch Windpocken oder Gürtelrose hervorgerufenen Ausschlag

  • Von einer Schwangeren auf den Fötus oder das Neugeborene

Symptome der Windpocken

Die Symptome der Windpocken beginnen im Schnitt 14 bis 16 Tage (volle Zeitspanne umfasst 10 bis 21 Tage) nach der Ansteckung. Hierzu gehören:

  • Leichte Kopfschmerzen

  • Mittelstarkes Fieber

  • Appetitlosigkeit

  • Ein allgemeines Krankheitsgefühl (Malaise)

Bei kleineren Kindern zeigen sich diese Symptome häufig nicht, bei Erwachsenen fallen sie häufig schwerer aus.

Windpocken sind ab 2 Tagen vor dem Auftreten des ersten Ausschlags so lange ansteckend, bis auch die letzte Wundstelle verkrustet ist. Nach Einsetzen der ersten Symptome entsteht ein Ausschlag aus kleinen, flachen, geröteten Punkten. Der Ausschlag zeigt sich im Allgemeinen zunächst am Oberkörper und im Gesicht, später sind auch Arme und Beine betroffen. Manche Menschen haben nur wenige Flecken. Andere haben sie beinahe am ganzen Körper, selbst auf der Kopfhaut und im Mund.

Innerhalb von 6 bis 8 Stunden entwickeln sich aus den flachen Flecken erhabene, juckende, kreisförmige und mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen mit roten Höfen, die schließlich verkrusten. Einige Tage lang treten immer wieder neue Läsionen auf, die letztlich auch verkrusten. Ein Kennzeichen von Windpocken ist, dass der Ausschlag gestaffelt auftritt, sodass sich an jeder betroffenen Stelle Flecken in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden. In sehr seltenen Fällen infizieren sich die Läsionen mit Bakterien, wodurch eine schwere Hautinfektion (Zellulitis oder nekrotisierende Fasziitis) hervorgerufen wird.

Etwa ab dem fünften Tag bilden sich keine neuen Hautläsionen mehr, am sechsten Tag sind die meisten verkrustet, und die meisten Krusten sind nach höchstens 20 Tagen verschwunden.

Mitunter treten die Windpocken auch bei geimpften Kindern auf. Bei diesen Kindern ist der Ausschlag in der Regel schwächer, Fieber ist seltener und die Krankheit insgesamt von kürzerer Dauer. Die Krankheit ist aber bei Anfassen der Läsionen ansteckend.

Die Bläschen im Mund platzen schnell auf und hinterlassen Geschwüre, die beim Schlucken oft Schmerzen verursachen können. Solche Hautveränderungen können auch auf den Augenlidern, in den oberen Atemwegen, im Mastdarm und in der Scheide auftreten. Die akute Phase der Erkrankung dauert meist 4 bis 7 Tage.

Komplikationen

Die Gefahr, dass bei Windpocken Komplikationen entstehen, ist bei Neugeborenen, Erwachsenen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder bestimmten Erkrankungen größer.

Eine Lungeninfektion (Pneumonie) mit Husten und Atembeschwerden kann bei Erwachsenen, Säuglingen und Menschen mit einem schwachen Immunsystem zu einer schweren Windpockeninfektion führen. Die Lungenentzündung entwickelt sich bei jüngeren Kindern mit normalem Immunsystem nur selten.

Eine Infektion des Gehirns (Enzephalitis) ist noch seltener und führt zu unsicherem Gang, Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit und Krampfanfällen. Bei Erwachsenen kann eine Enzephalitis lebensbedrohlich sein.

Zudem kann es zu einer Leberentzündung und Blutgerinnungsproblemen kommen.

Das Reye-Syndrom ist eine seltene, aber sehr ernste Komplikation, die fast nur Personen unter 18 Jahren nach der Anwendung von Aspirin betrifft. Daher sollte Kindern mit Windpocken kein Aspirin verabreicht werden. Das Reye-Syndrom kann 3 bis 8 Tage nach dem Einsetzen des Ausschlags auftreten.

Bei schwangeren Frauen, die sich mit Windpocken infizieren, besteht ein Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie z. B. Pneumonie, die tödlich verlaufen können. Windpocken können auch auf den Fötus übertragen werden, besonders wenn sich die Erkrankung im ersten oder frühen zweiten Schwangerschaftsdrittel entwickelt, oder auf das Neugeborene während oder nach der Geburt. Eine solche Infektion kann zu Vernarbungen auf der Haut, Geburtsfehlern, niedrigem Geburtsgewicht oder zu einer Erkrankung des Neugeborenen führen.

Diagnose der Windpocken

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Selten Bluttests oder Untersuchung einer Probe aus einer Wundstelle auf der Haut (z. B. mittels PCR-Test)

Windpocken lassen sich anhand des charakteristischen Ausschlags und der Symptome meist sicher diagnostizieren.

Nur selten ist es erforderlich, Bluttests durchzuführen, um die Konzentration der Antikörper im Blut zu ermitteln und die Art des Virus im Labor festzustellen (meist anhand einer Abschabungsprobe aus einer Läsion). (Antikörper werden vom Immunsystem gebildet, um den Körper gegen einen bestimmten Angreifer wie etwa das Varizella-Zoster-Virus zu schützen.)

Behandlung der Windpocken

  • Bei leichter Erkrankung symptomlindernde Maßnahmen

  • Bei Menschen mit einem Risiko für mittelschwere bis schwere Symptome, antivirale Medikamente

Bei einem leichten Verlauf der Windpocken müssen bei Kindern nur die Symptome behandelt werden. Feuchte Kompressen auf der Haut helfen, den oft heftigen Juckreiz zu lindern und das Kratzen zu verhindern, durch das sich die Infektion ausbreiten kann und Narben entstehen. Aufgrund des Risikos einer Bakterieninfektion ist es sinnvoll, die Haut häufig mit Seife und Wasser zu waschen, die Hände sauber zu halten, die Kleidung sauber und trocken zu halten und die Nägel zu schneiden, um das Kratzen zu minimieren. Bei starkem Juckreiz können juckreizlindernde Medikamente, wie z. B. Antihistaminika, eingenommen werden. Auch Bäder mit kolloidalen Haferflocken können helfen.

Wenn eine bakterielle Erkrankung hinzukommt, wird diese mit Antibiotika behandelt.

Ärzte verschreiben in der Regel antivirale Medikamente wie Aciclovir, Valaciclovir und Famciclovir (siehe die Tabelle ) zur Einnahme für ansonsten gesunde Menschen mit einem Risiko für mittelschwere bis schwere Erkrankungen. Dies umfasst die folgenden Personengruppen:

  • Personen ab 12 Jahren, die nicht geimpft sind (Famciclovir ab 18 Jahren)

  • Patienten mit Hauterkrankungen wie z. B. Ekzem

  • Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung

  • Einnahme von Salizylaten (eine Art von Medikamenten, zu denen zum Beispiel Aspirin gehört) über einen langen Zeitraum

  • Einnahme von Steroiden oder anderen Therapien, die das Immunsystem unterdrücken

  • Wer sich von jemandem, mit dem er zusammenlebt, mit Windpocken angesteckt hat, da diese Fälle in der Regel schwerer verlaufen als eine primäre Infektion

Bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem kann Aciclovir intravenös (über die Vene) verabreicht werden.

Antivirale Medikamente können Schweregrad und Dauer der Symptome reduzieren, sollten aber nach Möglichkeit innerhalb von 24 Stunden nach Ausbruch der Infektion verabreicht werden.

Weil Schwangere einem hohen Risiko schwerer Komplikationen durch Windpocken ausgesetzt sind, raten manche Experten dazu, an Windpocken erkrankte Schwangere mit Aciclovir oder Valaciclovir zu behandeln.

Prognose bei Windpocken

Ansonsten gesunde Kinder erholen sich meist problemlos von Windpocken. Vor dem Aufkommen der Routineimpfung traten in den USA jährlich ungefähr 4 Millionen Windpockenfälle auf, von denen etwa 100 bis 150 aufgrund von Komplikationen verstarben.

Bei Erwachsenen verlaufen Windpocken schwerer, und das Mortalitätsrisiko ist höher.

Windpocken verlaufen besonders schwer bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Bei gegen Windpocken Geimpften verläuft die Krankheit schwächer, und die Sterberate ist geringer.

Vorbeugung gegen Windpocken

  • Impfungen

  • Manchmal Immunglobulin

Impfungen

Alle gesunden Kinder sollten 2 Dosen des Varizella-Impfstoffs erhalten, der ein geschwächtes, lebendes Varizella-Virus enthält (siehe Varizella-Impfstoff).

Ältere Kinder und Erwachsene (insbesondere Personen im gebärfähigen Alter und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen), die weder an Windpocken erkrankt waren noch dagegen geimpft wurden, können die Impfung nachholen. Ihnen werden zwei Dosen im Abstand von 4 bis 8 Wochen gegeben.

Die Impfung ist besonders wichtig für Frauen im gebärfähigen Alter, für Frauen mit hohem Risiko für Exposition und für Frauen, die Kontakt mit Personen haben, die ein höheres Risiko für eine schwere Erkrankung aufweisen. Dazu gehören medizinische Fachkräfte, Lehrer, Kinderbetreuer sowie Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen oder anderen Einrichtungen (z. B. Justizvollzugsanstalten), insbesondere wenn sie keinen Nachweis für eine Immunität erbringen können. Jede in dieser Gruppe, die dem Varizella-Virus ausgesetzt war, sollte so schnell wie möglich geimpft werden und 21 Tage lang vom Dienst freigestellt bleiben.

Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie Schwangere oder Personen, die eine Schwangerschaft innerhalb von 3 Monaten planen, sollten nicht geimpft werden.

Verhinderung der Übertragung von Windpocken

Eine Übertragung der Infektion auf Personen, die noch keine Windpocken hatten, lässt sich verhindern, indem man den Erkrankten isoliert. Kinder sollten erst wieder zur Schule und Erwachsene erst wieder zur Arbeit gehen, wenn die letzten Bläschen verkrustet sind.

Nach Exposition gegenüber Windpocken

Anfällige Personen, bei denen ein hohes Komplikationsrisiko besteht und die möglicherweise mit einer an Windpocken erkrankten Person in Kontakt waren, können Antikörper gegen das Varizella-Virus erhalten (Varizella-Zoster-Immunglobulin). Dazu gehören die folgenden Personengruppen:

  • Patienten mit Leukämie oder einem geschwächten Immunsystem ohne Nachweis der Immunität

  • Schwangere, die bisher weder an Windpocken erkrankt waren noch dagegen geimpft wurden

  • Neugeborene, deren Mütter 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt sind

Die Behandlung mit Varizella-Zoster-Immunglobulin kann die Infektion verhindern oder ihre Schwere mindern.

Wenn ansonsten gesunde Menschen Windpocken ausgesetzt waren und noch nicht dagegen geimpft worden sind, kann eine Impfung innerhalb von 3 bis 5 Tagen eine Erkrankung verhindern oder ihre Schwere mindern.

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!