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Kongestive Kardiomyopathie

Von

Tisha Suboc

, MD, Rush University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Zur kongestiven Kardiomyopathie zählen Herzmuskelerkrankungen, bei denen sich die Ventrikel (die zwei unteren Herzkammern) vergrößern (Dilatation), aber nicht genügend Blut in den Körper pumpen können; dies führt zu einer Herzinsuffizienz.

  • Häufige Ursachen einer kongestiven Kardiomyopathie sind Virusinfektionen und gewisse Erkrankungen des Hormonsystems.

  • Die ersten Symptome sind oftmals Kurzatmigkeit und Erschöpfung.

  • Die Diagnose einer kongestiven Kardiomyopathie erfolgt mittels Elektrokardiographie, Echokardiographie und Magnetresonanztomographie.

  • Die Ursache der Kardiomyopathie wird in der Regel medikamentös behandelt.

Bei Kardiomyopathie werden Struktur und Funktion der Muskelwände der Herzkammern zunehmend beeinträchtigt. Es gibt drei Hauptarten der Kardiomyopathie. Zusätzlich zur kongestiven Kardiomyopathie gibt es noch die hypertrophe Kardiomyopathie und die restriktive Kardiomyopathie (siehe auch Übersicht über Kardiomyopathie).

Der Begriff Kardiomyopathie wird nur für eine Krankheit verwendet, die den Herzmuskel direkt betrifft. Andere Herzkrankheiten, wie koronare Herzkrankheiten und Erkrankungen der Herzklappen, können ebenfalls letztendlich dazu führen, dass sich die Ventrikel vergrößern und es zu einer Herzinsuffizienz kommt. Die durch diese Erkrankungen verursachten Herzmuskelprobleme werden jedoch nicht als Kardiomyopathie eingestuft.

Es kann in jedem Alter zu einer kongestiven Kardiomyopathie kommen, sie tritt aber häufiger bei unter 50‑Jährigen auf. Etwa 10 Prozent der Patienten sind älter als 65 Jahre. In den Vereinigten Staaten tritt die Krankheit ungefähr dreimal so häufig bei Männern wie bei Frauen auf und dreimal so häufig bei dunkelhäutigen Menschen wie bei Weißen. Jährlich erkranken etwa 5 bis 8 von 100.000 Menschen an einer kongestiven Kardiomyopathie.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen einer kongestiven Kardiomyopathie sind:

  • Virusinfektionen

  • Genetische Störungen (genetische Faktoren spielen in 20 bis 35 Prozent der Fälle eine Rolle)

Manche Virusinfektionen können eine akute Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) verursachen. Man spricht dann von einer Virus-induzierten Kardiomyopathie. In Nordamerika sind die häufigsten Erreger dafür Coxsackie-B-Viren. Eine HIV-Infektion kann ebenfalls eine Kardiomyopathie verursachen. In anderen Teilen der Welt sind es andere Virusinfektionen. Gelegentlich kann auch eine bakterielle Infektion, wie die Chagas-Krankheit, zur kongestiven Kardiomyopathie führen.

Das Virus oder Bakterium befällt und schwächt den Herzmuskel. Das Herz kann dann nicht mehr kräftig genug pumpen. Die beschädigten Herzmuskelzellen werden durch faseriges Narbengewebe ersetzt. Darauf streckt sich der Herzmuskel, was zu einer Vergrößerung der Herzkammern und einer verringerten Pumpfähigkeit führt. Nach diesem Punkt kommt es zu einer Herzinsuffizienz.

Zu den anderen Ursachen einer kongestiven Kardiomyopathie zählen u. a.:

  • Bestimmte chronische Hormonstörungen wie eine langjährige, schlecht kontrollierte Erkrankung an Diabetes mellitus oder eine schlecht kontrollierte Schilddrüsenerkrankungen.

  • Krankhafte Fettleibigkeit

  • Herzrasen (anhaltend)

  • Konsum von Alkohol (wenn dieser übermäßig ist und zudem eine Unterernährung vorliegt), Kokain, einigen Antidepressiva, einigen Antipsychotika und ein paar Chemotherapie-Arzneimitteln

Zu den seltenen Ursachen einer kongestiven Kardiomyopathie gehören Schwangerschaft (peripartale Kardiomyopathie), Eisenüberlastung und Bindegewebserkrankungen, wie rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes (Lupus) und systemische Sklerose. Manchmal kann auch eine extreme Belastung die als Takotsubo-Kardiomyopathie bezeichnete kongestive Kardiomyopathie verursachen. Erkrankungen wie Sarkoidose können ebenfalls eine kongestive Kardiomyopathie verursachen.

Wenn keine genaue Ursache feststellbar ist, spricht man von einer idiopathischen kongestiven Kardiomyopathie.

Symptome

Gewöhnlich sind die ersten Anzeichen einer kongestiven Kardiomyopathie Kurzatmigkeit bei körperlicher Aktivität und schnelle Ermüdung. Zu diesen Symptomen kommt es, wenn das Herz in seiner Pumpleistung geschwächt ist. Dies wird als Herzinsuffizienz bezeichnet. Manche Menschen haben Brustschmerzen.

Bei einer infektiösen Kardiomyopathie können die ersten Anzeichen plötzliches Fieber und grippeähnliche Symptome sein.

Komplikationen

Wenn der Herzschaden schwerwiegend genug ist, kann es ungeachtet der Ursache der kongestiven Kardiomyopathie zu einer Herzinsuffizienz kommen. Bei einer Herzinsuffizienz sammelt sich Flüssigkeit in den Beinen und im Bauch an (führt zu Schwellungen) und die Lungen füllen sich mit Flüssigkeit (das führt bei körperlicher Aktivität und flachem Liegen zu Kurzatmigkeit). Bei einer schweren Herzinsuffizienz kann der Blutdruck aufgrund der Herzschwäche niedrig sein.

Es kann zu Problemen mit den Herzklappen kommen. Wenn das Herz vergrößert ist, können die Herzklappen nicht mehr richtig schließen, wobei das Blut oftmals in die Herzkammer zurückfließt, anstatt in die nächstliegenden Blutgefäße oder Kammern zu gelangen (dies wird als Regurgitation oder Insuffizienz bezeichnet). Die am häufigsten betroffenen Herzklappen sind die Mitralklappe, die sich zwischen dem linken Vorhof (obere Herzkammer) und dem linken Ventrikel (untere Herzkammer) befindet, und die Trikuspidalklappe, die zwischen dem rechten Vorhof und dem rechten Ventrikel sitzt. Die undichten Stellen verursachen Herzgeräusche, die der Arzt mit dem Stethoskop hören kann.

Eine Schädigung und Streckung des Herzmuskels kann zu Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) führen. Diese können ein Empfinden unregelmäßiger Herzschläge (Palpitationen) verursachen oder plötzlich zum Tod führen. Die undichten Herzklappen und die Herzrhythmusstörungen können zusätzlich die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigen.

Es kann zu Blutgerinnseln auf den Wänden der Herzkammern kommen, da sich das Blut im vergrößerten Herzen sammeln kann. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Ventrikel sehr erweitert sind und sich nur schlecht zusammenziehen. Die Gerinnsel können aufbrechen und Emboli bilden, die vom Herz in die Blutgefäße im ganzen Körper wandern und sie schließlich verstopfen können. Dies hätte eine Schädigung der betroffenen Organe zur Folge. Wird dadurch die Blutversorgung des Gehirns unterbunden, kann dies zum Schlaganfall führen.

Diagnose

  • Bildgebende Verfahren wie Echokardiographie oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens

  • Manchmal eine Biopsie des Herzmuskels

  • Manchmal Untersuchung hinsichtlich der Ursache und/oder Komplikationen

Die Diagnose einer kongestiven Kardiomyopathie stützt sich auf die Symptome und auf die Ergebnisse einer körperlichen Untersuchung des Patienten sowie auf zusätzliche Tests. Es wird nach anderen Ursachen eines erweiterten Herzens gesucht, wie z. B. vorausgegangener Herzinfarkt, chronischer Bluthochdruck oder Herzklappenschaden.

Wird eine Infektion als Ursache vermutet, werden Bluttests für häufige Viren durchgeführt, die eine kongestive Kardiomyopathie verursachen können.

Mit einer Elektrokardiographie (EKG) lassen sich Störungen im elektrischen Reizleitungssystem des Herzens feststellen. Diese sind aber meist noch keine verlässliche Grundlage für eine Diagnose.

Aufnahmen des Herzens

Eine Echokardiographie, die mittels Ultraschallwellen ein Bild des Herzens liefert, ist das hilfreichste Verfahren, weil sich damit die Größe des Herzens und seine Pumpleistung feststellen lassen.

Eine kardiale Magnetresonanztomographie (MRT), die sehr genaue Bilder des Herzens liefert, wird eher verwendet, um die Diagnose zu bestätigen (und in manchen Fällen die Ursache zu ermitteln).

Biopsie und Herzkatheterisierung

Wenn die Diagnose weiterhin zweifelhaft ist, kann eine Herzkatheterisierung, ein invasiver Eingriff, bei dem ein Katheter über ein Blutgefäß im Arm, Hals oder Bein in das Herz eingeführt wird, zusätzliche Informationen zu der Pumpleistung des Herzens liefern. Während der Herzkatheterisierung kann auch eine Biopsie durchgeführt werden (eine Gewebeprobe wird aus dem Herzinneren für die mikroskopische Untersuchung entnommen). Zudem kann der Druck in den Herzkammern gemessen und eine koronare Herzkrankheit ausgeschlossen werden.

Prognose

Es große Unterschiede bei der Prognose einer kongestiven Kardiomyopathie, die von vielen Faktoren abhängig sind. Im Allgemeinen wird die Prognose umso ungünstiger, je mehr sich das Herz vergrößert und je schlechter es funktioniert. Auch bei Herzrhythmusstörungen fällt die Prognose weniger gut aus. Insgesamt überleben Männer halb so lang wie Frauen und dunkelhäutige Menschen halb so lang wie Weiße.

Etwa 40 bis 50 Prozent der Todesfälle treten plötzlich auf, was vermutlich auf Herzrhythmusstörungen oder einen Embolus, der die Blutversorgung eines wichtigen Organs unterbindet, zurückzuführen ist. Zusätzliche Faktoren sind Ursache und Schweregrad der Kardiomyopathie, Alter und Fähigkeit, ärztlichen Rat zu befolgen, Zugang zu Spezialbehandlungen, mangelnde Therapietreue bei der medikamentösen Behandlung, salzreiche Ernährung und ambulante Besuche. In den letzten Jahren hat sich die Gesamtprognose angesichts der aktuellen Behandlungsmöglichkeiten jedoch verbessert, insbesondere nach Einführung der implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren, der kardialen Resynchronisationstherapie und anderer Verfahren.

Behandlung

  • Medikamente

  • Manchmal Behandlung mit einem Defibrillator und/oder Schrittmacher

Wenn möglich, wird die Erkrankung behandelt, die die kongestive Kardiomyopathie verursacht. Zum Beispiel können Immunsuppressiva wie Kortikosteroide zur Behandlung einer Bindegewebserkrankung angewendet werden, die eine kongestive Kardiomyopathie verursachte.

Zu den allgemeinen Behandlungsmaßnahmen gehören die Vermeidung von Stress, eine salzarme Ernährung und Ruhephasen, in denen sich das Herz erholen kann, insbesondere bei akuter oder schwerer Kardiomyopathie.

Arzneimittel zur Behandlung einer kongestiven Kardiomyopathie

Zur Behandlung einer Herzinsuffizienz angewendete Arzneimittel, wie Hemmstoffe des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (ACE-Hemmer), Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, Betablocker, Neprilysin-Hemmer, Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton oder Eplerenon), die Kombination von Hydralazin und Nitraten, und Ivabradin, verbessern die Pumpleistung des Herzens, verlängern die Lebensdauer und helfen bei der Linderung dauerhafter Symptome.

Diuretika (harntreibende Arzneimittel) dienen zur Verringerung überschüssiger Flüssigkeit in der Lunge und zur Linderung der Symptome von Schwellungen aufgrund von Flüssigkeitseinlagerungen, sie verlängern jedoch nicht die Lebensdauer.

Digoxin kann die Pumpleistung des Herzens unterstützen und die Anzahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinsuffizienz verringern, verlängert jedoch nicht die Lebensdauer.

Antiarrhythmika können zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen verwendet werden. Die meisten dieser Arzneimittel werden anfänglich in niedrigen Dosen verordnet. Die Dosen werden dann in kleinen Schritten erhöht, da zu hohe Dosen von Antiarrhythmika die Herzrhythmusstörungen verschlimmern oder die Pumpleistung des Herzens herabsetzen können.

Arzneimittel, die Blutgerinnsel verhindern, wie Warfarin oder Aspirin, können angewendet werden, insbesondere wenn die Ventrikel sehr geweitet sind und sich schlecht zusammenziehen.

Spezielle Vorsichtsmaßnahmen sind erforderlich, wenn Medikamente Frauen mit peripartaler Kardiomyopathie verabreicht werden, da einige der Medikamente, die für gewöhnlich zur Behandlung von Kardiomyopathie verwendet werden, in die Muttermilch übergehen und dem Säugling schaden können.

Behandlung mit einem medizinischen Hilfsmittel

Bei manchen Menschen ist das elektrische Reizleitungssystem des Herzens gestört. In solchen Fällen kann ein künstlicher Herzschrittmacher hilfreich sein, der erst die Vorhöfe und dann beide Ventrikel stimuliert (kardiale Resynchronisationstherapie). Bei geeigneten Patienten hilft diese Schrittmacherart, das Kontraktionsmuster des Herzens wieder zu normalisieren und dessen Funktion zu verbessern.

Bei Patienten mit dauerhaft schlechter Herzfunktion und erhöhtem Risiko für zum plötzlichen Tod führenden Herzrhythmusstörungen kann auch ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator in Erwägung gezogen werden.

Herztransplantation

Die bei einer kongestiven Kardiomyopathie auftretende Herzinsuffizienz kann eine fortschreitende Erkrankung sein und letztendlich tödlich verlaufen. Aufgrund dieser schlechten Prognose ist eine kongestive Kardiomyopathie der häufigste Grund für Herztransplantationen oder ein mechanisches linksventrikuläres Herzunterstützungssystem. Mit einer erfolgreichen Herztransplantation wird die Krankheit geheilt, jedoch bringt auch diese Komplikationen und Einschränkungen mit sich.

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