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Bluthochdruck

(Hypertonie)

Von

George L. Bakris

, MD, University of Chicago School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Bluthochdruck (Hypertonie) ist ein dauerhaft hoher Druck in den Arterien.

  • Die Ursache für Bluthochdruck ist oft nicht bekannt, aber manchmal tritt er infolge einer zugrundeliegenden Erkrankung der Nieren oder aufgrund einer Hormonstörung auf.

  • Übergewicht, vorwiegend sitzende Tätigkeiten, Stress, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und eine salzreiche Ernährung können dazu beitragen, dass erblich vorbelastete Menschen Bluthochdruck entwickeln.

  • Die meisten Menschen mit Bluthochdruck haben keine Symptome.

  • Die Diagnose erfolgt durch zwei oder mehr Messungen des Blutdrucks.

  • Den Betroffenen wird geraten, abzunehmen, das Rauchen aufzugeben und weniger Salz und Fett zu essen.

  • Es werden blutdrucksenkende Medikamente gegeben.

Viele Menschen verbinden mit dem Wort Hypertonie die Vorstellung von großer Anspannung, Nervosität und Stress. Aus medizinischer Sicht bedeutet „Hypertonie“, dass der Blutdruck dauerhaft zu hoch ist, unabhängig von der Ursache. Da Bluthochdruck gewöhnlich viele Jahre lang keine Symptome verursacht, bis ein lebenswichtiges Organ Schaden genommen hat, wird er auch „der leise Tod“ genannt. Unkontrollierter Bluthochdruck steigert das Risiko für Probleme wie Schlaganfall, Aneurysma, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und chronische Nierenerkrankung.

Schätzungsweise 75 Millionen Amerikaner haben Bluthochdruck. Bluthochdruck tritt bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe öfter auf – bei 41 Prozent der Amerikaner mit schwarzer Hautfarbe gegenüber 28 Prozent mit weißer Hautfarbe und 28 Prozent mexikanischen Amerikanern. Außerdem tritt Bluthochdruck mit hoher Häufigkeit bei Personen auf, deren Vorfahren aus China, Japan oder anderen Gebieten in Ostasien oder dem Pazifik kommen (z. B. Koreaner, Thailänder, Polynesier, Mikronesier, Philippiner und Maori). Die Folgen von Bluthochdruck sind für Afroamerikaner und Menschen asiatischer Abstimmung gravierender. Bluthochdruck tritt häufiger bei älteren Menschen auf – bei ca. zwei Dritteln der Menschen ab 65 Jahren gegenüber nur ca. einem Viertel der Menschen zwischen 20 bis 74 Jahren. Menschen, deren Blutdruck mit 55 Jahren normal ist, werden mit einem Risiko von 90 Prozent irgendwann in ihrem Leben Bluthochdruck haben. Bei übergewichtigen Menschen tritt Bluthochdruck doppelt so oft auf wie bei nicht übergewichtigen.

In den Vereinigten Staaten ist bei nur 81 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck eine Diagnose gestellt worden. Von den Personen, bei denen Bluthochdruck diagnostiziert wurde, werden 73 Prozent behandelt, und von diesen behandelten Personen ist der Blutdruck von 51 Prozent ausreichend kontrolliert.

Der Alterungsprozess im Visier: Bluthochdruck

Altersbedingte Veränderungen können zur Entstehung von Bluthochdruck führen, ohne dass eine konkrete Ursache vorliegt (primäre Hypertonie). Mit dem Älterwerden versteifen sich die großen Arterien nach und nach, und die kleinen Arterien können teilweise blockiert werden. Manche Fachleute sind der Ansicht, dass diese Versteifung in Kombination mit der Verengung der kleinen Arterien zum Teil erklärt, warum der Blutdruck mit dem Alter steigt.

Bei der Blutdruckmessung werden zwei Werte aufgezeichnet. Der höhere Wert gibt den höchsten Druck an, der in den Arterien erreicht wird, wenn sich das Herz zusammenzieht (während der Systole). Der niedrigere Wert gibt den niedrigsten Druck an, der in den Arterien erreicht wird, kurz bevor sich das Herz erneut zusammenzieht (während der Diastole). Der Blutdruck wird systolisch/diastolisch dargestellt, zum Beispiel 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilber). Man spricht das „120 zu 80“.

Einteilung des Blutdrucks

Der Blutdruck bei Erwachsenen wird als „normal“, „erhöhter Blutdruck“, „(milde) Hypertonie Grad 1“ oder „Hypertonie Grad 2“ eingeteilt.  Je höher jedoch der Blutdruck ist, umso größer ist das Risiko von Komplikationen, selbst innerhalb des Bereichs für normalen Blutdruck. Daher sind diese Grenzwerte etwas willkürlich.

Tabelle
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Einteilung des Blutdrucks bei Erwachsenen*

Klassifizierung

Blutdruck (mmHg)

Normaler Blutdruck

Unter 120/80

Erhöhter Blutdruck

120–129/unter 80

Bluthochdruck Grad 1

130–139 (systolischer Blutdruck)

oder

80–89 (diastolischer Blutdruck)

Bluthochdruck Grad 2

140 (systolischer Blutdruck) oder höher

oder

90 (diastolischer Blutdruck) oder höher

* Bei Betroffenen, die systolische und diastolische Blutdruckwerte aufweisen, die in verschiedenen Kategorien liegen, wird die Einteilung der höheren Blutdruckwerte verwendet.

Die Informationen basieren auf den US-amerikanischen Richtlinien zur Vorbeugung, Erkennung, Beurteilung und Behandlung von Bluthochdruck bei Erwachsenen von 2017 (2017 Guidelines for the Prevention, Detection, Evaluation, and Management of High Blood Pressure in Adults), die vom American College of Cardiology und der American Heart Association herausgegeben wurden.

Eine hypertensive Krise liegt bei einem diastolischen Blutdruck von über 120 mmHg vor, wenn noch kein für den Betroffenen und den Arzt erkennbarer Organschaden eingetreten ist. Eine hypertensive Krise verursacht meist keine Symptome.

Ein hypertensiver Notfall ist eine besonders schwere Form von Bluthochdruck. Der diastolische Blutdruck beträgt mindestens 120 mmHg und es wurde nachweislich mindestens ein lebenswichtiges Organ geschädigt (meist Gehirn, Herz und Nieren), häufig begleitet von einer Vielzahl von Symptomen. Hypertensive Notfälle sind selten, aber die Häufigkeit ist um ein Mehrfaches größer bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe gegenüber Menschen mit weißer Hautfarbe, bei Männern gegenüber Frauen und bei Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten gegenüber sozial höher gestellten Schichten. Unbehandelt kann ein hypertensiver Notfall tödlich verlaufen.

Die Steuerung des Blutdrucks durch den Körper

Der Körper hat zahlreiche Möglichkeiten, den Blutdruck zu regulieren. Der Körper kann Folgendes verändern:

  • Die Menge an Blut, die das Herz pumpt

  • Den Durchmesser der Arterien

  • Das Blutvolumen, das durch den Kreislauf fließt

Um den Blutdruck zu erhöhen, kann das Herz kräftiger und schneller schlagen und somit mehr Blut pumpen. Die kleinen Arterien (Arteriolen) können sich verengen, sodass das Blut bei jedem Herzschlag durch engere Adern fließt. Da in den verengten Arterien weniger Platz für dieselbe Blutmenge ist, erhöht sich der Blutdruck. Venen können sich verengen, damit weniger Blut in ihnen verbleibt und mehr Blut in die Arterien fließt. Dadurch steigt der Blutdruck. Außerdem kann das Blut mehr Flüssigkeit aufnehmen und so das Blutvolumen vergrößern, was den Blutdruck ebenfalls steigen lässt.

Um hingegen den Blutdruck zu senken, kann das Herz weniger stark oder schnell schlagen, Arteriolen und Venen können sich weiten (dilatieren), und dem Blutkreislauf kann Flüssigkeit entzogen werden.

Diese Vorgänge werden vom sympathischen Teil des vegetativen oder autonomen Nervensystems (jenem Teil des Nervensystems, das die inneren Körperfunktionen steuert, die nicht dem Einfluss des Bewusstseins unterliegen) und den Nieren gesteuert. Das sympathische Nervensystem nutzt verschiedene Mechanismen, um den Blutdruck als Kampf-oder-Flucht-Reaktion (die Reaktion des Körpers auf eine Bedrohung) vorübergehend zu erhöhen.

  • Es stimuliert die Nebennieren, mehr von den Hormonen Epinephrin (Adrenalin) und Norepinephrin (Noradrenalin) freizusetzen. Diese Hormone regen das Herz an, schneller und kräftiger zu schlagen, sie veranlassen die meisten Arteriolen, sich zusammenzuziehen, und manche dazu, sich zu erweitern. Die sich erweiternden Arteriolen versorgen Bereiche, die eine vermehrte Blutzufuhr benötigen (wie die Skelettmuskulatur – jene Muskeln, die vom Bewusstsein gesteuert werden).

  • Außerdem werden die Nieren vom sympathischen Nervensystem angeregt, ihre Salz- und Wasserausscheidung zu verringern und damit das Blutvolumen zu vergrößern. Der Körper steuert die Aufnahme und Ausscheidung von Salz in bzw. aus den Zellen, um einen Überschuss an Salz in den Zellen zu verhindern. Zu viel Salz in den Zellen kann dazu führen, dass der Körper übermäßig empfindlich auf die Stimulation durch das sympathische Nervensystem reagiert.

Die Nieren reagieren auch direkt auf Veränderungen des Blutdrucks. Wenn er ansteigt, scheiden die Nieren mehr Salz und Wasser aus, sodass sich das Blutvolumen verringert und der Blutdruck wieder normal wird. Umgekehrt halten die Nieren Salz und Wasser zurück, wenn der Blutdruck sinkt, sodass das Blutvolumen zunimmt und sich der Blutdruck wieder normalisiert. Die Nieren können den Blutdruck ansteigen lassen, indem sie das Enzym Renin abgeben, was wiederum zur Produktion des Hormons Angiotensin II führt.

Angiotensin II hilft folgendermaßen dabei, den Blutdruck zu erhöhen:

  • Führt zu einer Verengung der Arteriolen.

  • Stimuliert den Sympathikus des vegetativen Nervensystems

  • Stimuliert die Freisetzung von zwei anderen Hormonen ( Aldosteron und Vasopressin [auch als antidiuretisches Hormon bezeichnet]), was die Nieren dazu anregt, mehr Natrium und Wasser zu speichern.

In den Nieren werden normalerweise Substanzen gebildet, die die Arteriolen innerhalb der Niere dazu anregen, sich zu weiten. Das trägt zu einem Ausgleich der verengenden Wirkung von Hormonen auf Arteriolen bei.

Die Höhe des Blutdrucks verändert sich im Laufe des Lebens. Kinder und Jugendliche haben normalerweise einen viel niedrigeren Blutdruck als Erwachsene. Doch bei nahezu allen Menschen in den Industriestaaten wie den Vereinigten Staaten steigt der Blutdruck mit dem Alter. Bis mindestens zum 80. Lebensjahr erhöht sich der systolische Druck und bis zum Alter von 55 bis 60 Jahren der diastolische Druck. Danach gleichen sich die Werte aus oder fallen sogar. Bei Menschen in einigen Entwicklungsländern erhöht sich mit dem Älterwerden jedoch weder der systolische noch der diastolische Blutdruck. Bluthochdruck gibt es dort praktisch nicht. Das liegt möglicherweise daran, dass dort weniger Salz aufgenommen wird und sich die Menschen mehr bewegen.

Regulation des Blutdrucks: Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

Zum Renin-Angiotensin-Aldosteron-System gehört eine Reihe von Reaktionen, die den Blutdruck regulieren.

  • Wenn der Blutdruck fällt (der systolische auf 100 mmHg oder niedriger), setzen die Nieren das Enzym Renin frei.

  • Renin spaltet Angiotensinogen, ein großes Protein, das im Blut zirkuliert, in seine Bestandteile. Ein Teil davon ist Angiotensin I.

  • Das relativ inaktive Angiotensin I wird vom Angiotensin-konvertierenden Enzym (engl. Angiotensin-Converting-Enzyme, ACE) aufgespalten. Ein Teilprodukt ist das sehr aktive Hormon Angiotensin II.

  • Angiotensin II regt die Muskelwände der kleinen Arterien (Arteriolen) an, sich zu verengen, was den Blutdruck erhöht. Außerdem löst Angiotensin II die Freisetzung des Hormons Aldosteron durch die Nebennieren und Vasopressin (dem antidiuretischen Hormon) durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) aus.

  • Aldosteron und Vasopressin regen die Nieren an, Salz (Natrium) zu speichern. Aldosteron veranlasst zudem die Nieren, Kalium auszuscheiden. Die größere Natriummenge führt zur Speicherung von Wasser und wiederum zur Vergrößerung des Blutvolumens und somit zur Erhöhung des Blutdrucks.

Regulation des Blutdrucks: Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System

Körperliche Aktivität wirkt sich vorübergehend auf den Blutdruck aus. Er ist bei Aktivität höher und in Ruhe niedriger. Außerdem verändert sich der Blutdruck im Laufe des Tages: Am höchsten ist er am Morgen, am niedrigsten während des Schlafs. Diese Unterschiede sind völlig normal. Jedes Mal, wenn der Blutdruck infolge einer Veränderung vorübergehend steigt, wird einer der Mechanismen des Körpers ausgelöst, der dieser Veränderung entgegensteuert und den Blutdruck auf ein normales Maß zurückführt. Wenn beispielsweise das Herz eine größere Blutmenge pumpt und dadurch der Blutdruck eher ansteigt, weiten sich gleichzeitig die Blutgefäße und die Nieren scheiden mehr Salz und Wasser aus, sodass der Blutdruck eher wieder fällt.

Ursachen

Bluthochdruck kann sein:

  • Primär

  • Sekundär

Primäre Hypertonie

Ist die Ursache für den Bluthochdruck nicht bekannt, spricht man von primärer (ehemals essenzieller) Hypertonie. Sie betrifft zwischen 85 Prozent und 95 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck. Verschiedene Veränderungen im Herzen und in den Blutgefäßen wirken beim Anstieg des Blutdrucks vermutlich zusammen. Die Blutmenge, z. B., die das Herz pro Minute pumpt (Herzzeitvolumen), und der Widerstand, der dem Blut entgegengesetzt wird, können durch verengte Blutgefäße erhöht sein. Zusätzlich kann das Blutvolumen vergrößert sein. Die Gründe für diese Veränderungen sind nicht vollständig geklärt. Es scheint aber eine erbliche Anomalie eine Rolle zu spielen, die sich auf die Verengung der Arteriolen auswirkt, die wiederum die Regulierung des Blutdrucks unterstützen. Weitere Veränderungen können zu einem Blutdruckanstieg beitragen, z. B. die Ansammlung von übermäßig viel Salz in den Zellen und eine verminderte Produktion von Substanzen, die die Arteriolen weiten.

Sekundäre Hypertonie

Bluthochdruck mit bekannter Ursache wird sekundäre Hypertonie genannt. Sie betrifft zwischen 5 Prozent und 15 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck.

Bei vielen dieser Menschen ist die Ursache des Bluthochdrucks

  • eine Nierenerkrankung

Viele Nierenerkrankungen können zu Bluthochdruck führen, da die Nieren eine wichtige Aufgabe bei der Blutdruckregulierung haben. Bei einer Nierenschädigung, z. B., kann aufgrund einer Entzündung oder von anderen Erkrankungen die Fähigkeit eingeschränkt sein, dem Körper genügend Salz und Wasser zu entziehen; dies erhöht das Blutvolumen und den Blutdruck. Andere Nierenerkrankungen, die Bluthochdruck verursachen, sind u. a. Nierenarterienstenose (Verengung der Arterien, die eine der Nieren versorgen), zu der es aufgrund einer Atherosklerose kommen kann, Niereninfektion (Pyelonephritis), Glomerulonephritis, Nierentumoren, polyzystische Nierenerkrankung, Verletzung einer Niere und sich auf eine Niere auswirkende Strahlentherapie.

Bei einigen Menschen wird eine sekundäre Hypertonie durch eine andere Erkrankung verursacht, wie z. B.:

  • Hormonelle Störungen

  • Verwendung bestimmter Medikamente

Zu den Hormonstörungen, die Bluthochdruck verursachen, zählen der Hyperaldosteronismus (Überproduktion von Aldosteron, häufig durch einen gutartigen Nebennierentumor hervorgerufen), das Cushing-Syndrom (eine Erkrankung, bei der zu viel Kortisol produziert wird), Hyperthyreose (Überfunktion der Schilddrüse) und selten ein Phäochromozytom (ein Nebennierentumor, der die Hormone Epinephrin und Norepinephrin produziert).

Zu den Drogen, die Bluthochdruck verursachen oder verschlimmern können, zählen Alkohol (übermäßiger Konsum), Kokain, Kortikosteroide, nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Verhütungsmittel zum Einnehmen (Antibabypille) und Sympathomimetika (bestimmte abschwellende Mittel in Grippe-Medikamenten wie Pseudoephedrin und Phenylephrin).

Arteriosklerose stört die körpereigene Blutdruckregulierung und erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Arteriosklerose versteift die Arterien und verhindert dadurch, dass sich die Arterien weiten, um den Blutdruck zu normalisieren.

Andere Erkrankungen, die Bluthochdruck verursachen können, sind Aortenisthmusstenose, Präeklampsie, akute intermittierende Porphyrie und akute Bleivergiftung.

Erschwerende Faktoren

Fettleibigkeit (Adipositas), vorwiegend sitzende Tätigkeiten, Stress, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und eine salzreiche Ernährung können dazu beitragen, dass erblich vorbelastete Menschen Bluthochdruck entwickeln. Außerdem kann auch Schlafapnoe die Entstehung von Bluthochdruck begünstigen oder diesen weiter verschlimmern.

Stress lässt zwar den Blutdruck vorübergehend steigen, jedoch normalisiert sich dieser wieder, sobald der Stress vorbei ist. Ein Beispiel dafür ist der „Weißkittel-Hochdruck“, bei dem die Anspannung beim Arztbesuch den Blutdruck soweit ansteigen lässt, dass er als Bluthochdruck diagnostiziert wird, obwohl der Betroffene sonst einen ganz normalen Blutdruck hat. Menschen mit „Weißkittel-Hochdruck“ scheinen ein etwas höheres Risiko zu haben, an dauerhaftem Bluthochdruck zu erkranken; eine Behandlung ist aber wahrscheinlich nur notwendig, wenn ihr Blutdruck in der Arztpraxis sehr hoch ist.

Symptome

Bei den meisten Menschen verursacht Bluthochdruck keine Symptome. Allerdings treten gewisse Symptome gleichzeitig auf, die weit verbreitet, aber fälschlicherweise dem Bluthochdruck zugeschrieben werden: Kopfschmerzen, Nasenbluten, Schwindel, rotes Gesicht und Müdigkeit. Diese Symptome können zwar bei Menschen mit Bluthochdruck auftreten, kommen aber genauso häufig bei normalem Blutdruck vor.

Erheblicher und lange Zeit anhaltender Bluthochdruck, der unbehandelt bleibt, kann Symptome verursachen, da Gehirn, Augen, Herz und Nieren geschädigt werden können. Dadurch können Kopfschmerzen auftreten sowie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kurzatmigkeit und Ruhelosigkeit. Gelegentlich lässt starker Bluthochdruck das Gehirn anschwellen, was zu Übelkeit und Erbrechen, unerträglichen Kopfschmerzen, Benommenheit, Verwirrtheit, Krampfanfällen, Schläfrigkeit und sogar zum Koma führen kann. Dieser Zustand nennt sich hypertensive Enzephalopathie.

Starker Bluthochdruck erhöht die Belastung des Herzens und kann zu Brustschmerzen und/oder Kurzatmigkeit führen. Manchmal hat starker Bluthochdruck zur Folge, dass die große Arterie, die Blut vom Herzen transportiert (die Aorta), reißt, was zu Brust- oder Bauchschmerzen führt. Bei diesen Symptomen liegt ein hypertensiver Notfall vor und eine Notbehandlung ist erforderlich.

Beruht der Bluthochdruck auf einem Phäochromozytom, können starke Kopfschmerzen, Angstzustände, Wahrnehmung eines schnellen oder unregelmäßigen Herzschlags (Palpitationen), heftige Schweißausbrüche, Zittern und bleiches Aussehen auftreten. Diese Beschwerden werden durch hohe Hormonspiegel von Epinephrin und Norepinephrin ausgelöst, die durch das Phäochromozytom ausgeschüttet werden.

Wussten Sie ...

  • Bestimmte Symptome wie Kopfschmerzen, Nasenbluten, Schwindel, rotes Gesicht und Müdigkeit werden häufig Bluthochdruck zugeschrieben, treten aber eigentlich genauso oft bei Menschen auf, die keinen Bluthochdruck haben.

Komplikationen von Bluthochdruck

Langanhaltender Bluthochdruck kann Herz und Blutgefäße schädigen und das Risiko für folgende Erkrankungen erhöhen:

Bei seit langer Zeit bestehendem Bluthochdruck vergrößert sich das Herz und die Herzwand verdickt sich, da das Herz sich so sehr anstrengen muss, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Die verdickten Herzwände sind steifer als normal. Folglich können sich die Herzkammern nicht richtig dehnen und füllen sich schlechter mit Blut, was die Belastung des Herzens weiter steigert. Diese Veränderungen im Herzen können zu Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz führen.

Infolge von Bluthochdruck werden die Wände der Blutgefäße dicker, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich Arterien verhärten (Atherosklerose), nimmt zu. Menschen mit verdickten Blutgefäßwänden und Atherosklerose tragen ein höheres Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt, vaskuläre Demenz und Niereninsuffizienz. Schlaganfälle und Herzinfarkte werden als atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (atherosclerotic cardiovascular disease, ASCVD) angesehen.

Diagnose

  • Blutdruckmessung

Für die genauesten Messwerte, jene, die für die Diagnose von Bluthochdruck verwendet werden und nicht solche für eine lockere Überprüfung, muss die Blutdruckmessung einem genauen Vorgang folgen (siehe Blutdruckmessung). Der Blutdruck wird gemessen, nachdem die Person fünf Minuten gesessen hat. Die Person darf sich mindestens 30 Minuten vor der Messung nicht körperlich betätigt, Koffein zu sich genommen oder geraucht haben. Ein Wert von 130/80 mmHg oder mehr gilt als hoch, aber die Diagnose kann sich nicht auf eine einzige Messung stützen. Manchmal reichen nicht einmal mehrere Messungen mit hohen Werten aus, beispielsweise wenn die Werte sehr unterschiedlich ausfallen. Zeigt die erste Messung einen hohen Blutdruck, sollte während desselben Arztbesuchs noch einmal gemessen werden und zusätzlich noch mindestens an zwei darauffolgenden Tagen, um sicherzugehen, dass es sich um dauerhaften Bluthochdruck handelt.

Blutdruckmessung

Der Blutdruck lässt sich mit mehreren Geräten schnell und mit wenigen Unannehmlichkeiten messen. Normalerweise wird ein Sphygmomanometer verwendet. Es besteht aus einer weichen Gummimanschette, die mit einem Ball aus weichem Gummi verbunden ist. Mithilfe des Gummiballs wird die Manschette mit Luft aufgepumpt. Ein Messgerät misst dabei den Druck der Manschette. Das Messgerät kann aus einem Ziffernblatt oder einer Glasröhre mit Quecksilber bestehen. Die Maßeinheit des Blutdrucks wird in Millimeter Quecksilber ausgedrückt (mmHg), da das erste Blutdruckmessgerät eine Quecksilbersäule war.

Wenn der Blutdruck mit einem Sphygmomanometer gemessen wird, sitzt der Patient in einem Stuhl (nicht auf dem Untersuchungstisch) und seine Beine sind nicht übereinandergelegt, die Füße sind auf dem Boden und der Rücken ist angelehnt. Ein Arm wird freigemacht (wenn ein Ärmel hochgekrempelt wird, ist darauf zu achten, dass er nicht zu fest auf den Arm drückt), angewinkelt und auf einem Tisch so abgelegt, dass er mit dem Herzen ungefähr auf gleicher Höhe ist. Die Manschette wird um den Arm gewickelt. Es ist wichtig, dass die Größe der Manschette für die Größe des Arms geeignet ist. Ist die Manschette zu klein, fällt das Messergebnis zu hoch aus. Ist die Manschette zu groß, fällt das Messergebnis zu niedrig aus.

Ein Stethoskop wird auf die Arterie unter der Manschette gelegt, die Manschette wird durch Zusammendrücken des Balls aufgeblasen, bis die Manschette fest genug auf die Arterie drückt, um den Blutfluss vorübergehend zu stoppen. Meist ergibt sich dabei ein Wert, der etwa 30 mmHg höher liegt als der systolische Druck (der Druck, der entsteht, wenn das Herz schlägt), den der Patient normalerweise hat. Danach wird die Luft langsam aus der Manschette abgelassen. Der Druck, bei dem der erste pulsierende Ton in der Arterie hörbar ist, wird als systolischer Druck bezeichnet. Wenn die Manschette weiter erschlafft, hört an einem bestimmten Punkt das Fließgeräusch des Blutes auf. Der Druck, der zu diesem Zeitpunkt herrscht, ist der diastolische Druck (der Druck, der entsteht, wenn das Herz zwischen zwei Schlägen erschlafft).

Es gibt Geräte, die den Blutdruck automatisch, ohne Stethoskop und Gummiball messen. Sie können am Oberarm, Finger oder am Handgelenk angelegt werden. Bei Menschen über 50 Jahren ist die Blutdruckmessung am Oberarm am genauesten. Manchmal ist eine besonders präzise Blutdruckmessung erforderlich, beispielsweise bei Patienten auf einer Intensivstation. In diesen Fällen kann der Blutdruck mit einem Katheter, der in eine Arterie eingeführt wird, direkt gemessen werden.

Es gibt Blutdruckmessgeräte im Handel, die von Personen mit Bluthochdruck zu Hause verwendet werden können.

Blutdruckmessung

Bestehen immer noch Zweifel, kann ein 24-Stunden-Blutdruckmonitor zur Anwendung kommen. Dazu dient ein batteriebetriebenes Gerät, das an der Hüfte getragen wird und mit einer Blutdruckmanschette am Arm verbunden ist. Der Monitor zeichnet über einen Zeitraum von 24 bis 48 Stunden tagsüber und in der Nacht wiederholt Blutdruckwerte auf. Die erhaltenen Werte machen nicht nur klar, ob ein Bluthochdruck besteht, sondern auch, wie schwerwiegend er ist.

Bei Menschen mit sehr steifen Arterien (meist bei älteren Menschen) kommt es zu einer Pseudohypertonie, einem hohen gemessenen Blutdruckwert, obwohl der Druck normal ist. Dazu kommt es, wenn die Arterie im Arm so unflexibel ist, dass die Blutdruckmanschette sie nicht ausreichend zusammendrücken und den Blutdruck nicht exakt messen kann.

Maskierte Hypertonie tritt auf, wenn der die Blutdruckmessung einen normalen Wert ergibt, der Blutdruck jedoch hoch ist. Die maskierte Hypertonie betrifft bis zu 10 % der Menschen mit Bluthochdruck. Die Erkennung einer solchen Form von Bluthochdruck ist eventuell nur dann möglich, wenn er zuhause gemessen wird oder wenn ein Verdacht auf eine Komplikation besteht (z. B. bei Herzinsuffizienz), die durch Bluthochdruck verursacht wird.

Wenn Bluthochdruck festgestellt wurde, untersucht der Arzt, ob die wichtigsten Organe, insbesondere Blutgefäße, Herz, Gehirn, Augen und Nieren, durch den Bluthochdruck bereits Schaden genommen haben. Außerdem wird nach der Ursache für den Bluthochdruck gesucht. Welche und wie viele Untersuchungen durchgeführt werden, um Ursache und Auswirkungen des Bluthochdrucks auf die Organe zu bestimmen, ist von Person zu Person verschieden. Im Allgemeinen wird bei allen Bluthochdruckpatienten die medizinische Vorgeschichte erfragt, es wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, eine Elektrokardiographie (EKG) aufgezeichnet, das Blut wird untersucht (einschließlich Hämatokritwert [der Anteil des Gesamtblutvolumens, der aus roten Blutkörperchen besteht], Kalium- und Natriumspiegel und Überprüfung der Nierenfunktion), und eine Urinuntersuchung wird durchgeführt.

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Rumpf im Bereich des Bauchs über den Nieren auf Druckempfindlichkeit abgetastet und mit einem Stethoskop auf dem Bauch werden die Arterien, die die Nieren versorgen, auf typische Geräusche hin abgehört, die entstehen, wenn das Blut durch verengte Arterien fließt.

Mit einem Ophthalmoskop wird die Netzhaut beider Augen untersucht. Die Netzhaut ist der einzige Ort des Körpers, an dem der Arzt die Auswirkungen von Bluthochdruck auf die Arteriolen direkt sehen kann. Man geht davon aus, dass die Veränderungen an den Arteriolen der Netzhaut denen der anderen Arteriolen und Blutgefäße im Körper entsprechen, beispielsweise in den Nieren. Der Grad der Netzhautschädigung (hypertensive Retinopathie) sagt etwas darüber aus, wie schwer der Bluthochdruck die anderen Organe geschädigt hat.

Die Herztöne werden mit einem Stethoskop abgehört. Ein unnatürlicher, so genannter vierter Herzton ist eine der frühesten Folgeerscheinungen von Bluthochdruck am Herzen. Dieser Ton entsteht, wenn der linke Vorhof erhöhte Kraft beim Zusammenziehen aufwenden muss, um die vergrößerte und unflexibler gewordene linke Herzkammer mit Blut zu füllen, die den gesamten Körper, außer der Lunge, mit Blut versorgt.

Meist wird eine Elektrokardiographie (EKG) aufgezeichnet, um Veränderungen am Herzen zu erkennen, insbesondere eine Verdickung (Hypertrophie) des Herzmuskels oder eine Herzvergrößerung. Bei Verdacht auf eine Herzvergrößerung kann eine Echokardiographie durchgeführt werden.

Eine Nierenschädigung kann anhand von Urin- und Blutuntersuchungen erkannt werden. Mit Urinuntersuchungen lassen sich Hinweise auf eine Nierenschädigung frühzeitig erkennen. Der Gehalt an Blutzellen und Albumin (das am häufigsten im Blut vorkommende Eiweiß) im Urin kann auf eine solche Schädigung hinweisen. Symptome einer Nierenschädigung (wie Lethargie, Appetitlosigkeit und Müdigkeit) treten gewöhnlich erst dann auf, wenn die Schädigung der Nierenfunktion 70 bis 80 Prozent beträgt.

Ursachenfindung

Je höher der Blutdruck und je jünger der Patient ist, desto gründlicher wird nach möglichen Ursachen geforscht, auch wenn das bei weniger als 10 Prozent der Betroffenen erfolgreich ist. Dann werden möglicherweise Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen sowie eine Szintigraphie der Nieren und ihrer Blutversorgung und eine Röntgenaufnahme der Brust durchgeführt. Anhand der Blut- und Urinuntersuchungen wird die Konzentration bestimmter Hormone wie Epinephrin, Aldosteron und Kortisol bestimmt.

Anormale Ergebnisse der körperlichen Untersuchung oder die Symptome können Hinweise auf die Ursache liefern. Beispielsweise ist bei einem ungewöhnlichen Fließgeräusch in der zu einer Niere führenden Arterie der Verdacht auf Nierenarterienstenose (Verengung einer Arterie, die die Nieren versorgt) naheliegend. Die Kombination verschiedener Symptome lässt einen erhöhten Spiegel der Hormone Epinephrin und Norepinephrin als Folge eines Phäochromozytoms vermuten. Ein Phäochromozytom liegt vor, wenn Stoffwechselprodukte der genannten Hormone im Urin nachgewiesen werden. Andere seltene Ursachen für Bluthochdruck können bei bestimmten Routineuntersuchungen gefunden werden. Zum Beispiel kann die Bestimmung des Kaliumspiegels im Blut Hinweise auf einen Hyperaldosteronismus liefern.

Behandlung

  • Diät und Sport

  • Medikamente zur Senkung des Blutdrucks

Eine primäre Hypertonie kann nicht geheilt werden, aber sie kann so unter Kontrolle gebracht werden, dass keine Komplikationen auftreten. Alle Menschen, die an erhöhtem Blutdruck oder einem Stadium der Hypertonie leiden, sollten ihre Lebensweise ändern. Die Entscheidung, Medikamente zu verschreiben, basiert auf dem tatsächlichen Blutdruck-Messwert und darauf, ob der Patient an einer atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankung (ASCVD) leidet oder ein Risiko von über 10 % aufweist, in den nächsten 10 Jahren an dieser zu erkranken.

Tabelle
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Behandlung des Bluthochdrucks

Blutdruck (mmHg)

Geringes ASCVD-Risiko*

Hohes ASCVD-Risiko*

Vorliegen einer ASCVD*

Erhöhter Blutdruck (systolischer Druck von 120–129; diastolischer Druck von unter 80)

Änderung der Lebensweise

Erneute Untersuchung in 3–6 Monaten

Änderung der Lebensweise

Erneute Untersuchung in 3–6 Monaten

Änderung der Lebensweise

Erneute Untersuchung in 3–6 Monaten

Bluthochdruck Grad 1 (systolischer Druck von 130–139; diastolischer Druck von 80–89)

Änderung der Lebensweise

Erneute Untersuchung in 3–6 Monaten

Behandlung mit 1 blutdrucksenkenden Medikament†

Erneute Untersuchung in 1 Monat

Behandlung mit 1 blutdrucksenkenden Medikament†

Erneute Untersuchung in 1 Monat

Bluthochdruck Grad 2 (systolischer Druck von 140 oder darüber ODER diastolischer Druck von 90 oder mehr)‡

Behandlung mit 2 blutdrucksenkenden Medikamenten

Erneute Untersuchung in 1 Monat

Behandlung mit 2 blutdrucksenkenden Medikamenten

Erneute Untersuchung in 1 Monat

Behandlung mit 2 blutdrucksenkenden Medikamenten

Erneute Untersuchung in 1 Monat

* ASCVD = atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung, einschließlich koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall

Ein Wert von unter 10 % gilt als geringes Risiko. Ein Wert von 10 % oder mehr gilt als hohes Risiko.

† Eine Änderung der Lebensweise wird allen empfohlen, die medikamentös behandelt werden.

‡ Patienten mit Blutdruckwerten von 140–159/90–100 werden zur anfänglichen Behandlung zwei Medikamente (unterschiedlicher Klassen) verschrieben und sie werden regelmäßig erneut untersucht.

Bluthochdruckpatienten wird häufig empfohlen, ihren Blutdruck zu Hause selbst zu beobachten. Dies motiviert wahrscheinlich, die Behandlungsempfehlungen des Arztes zu befolgen.

Behandlungsziele

Mit den blutdrucksenkenden Mitteln soll bei den meisten Patienten ein Blutdruck unter 130/80 mmHg erreicht werden. Wenn eine Absenkung des Blutdrucks unter 130/80 mmHg zu Problemen wie Ohnmacht, Benommenheit, Gedächtnisverlust oder Schwindel führt, kann ein höherer Blutdruckwert angestrebt werden, der jedoch nicht über 140/90 mmHg liegen sollte. Bei manchen Menschen, z. B. bei Personen mit einem hohen Risiko für eine Herzerkrankung, kann eine Absenkung des systolischen Blutdrucks angestrebt werden.

Änderung der Lebensweise

Übergewichtigen Personen mit Bluthochdruck wird geraten abzunehmen. Schon eine Gewichtsabnahme von 4,5 Kilogramm kann den Blutdruck senken. Bei Menschen mit Übergewicht oder Diabetes mellitus oder hohen Cholesterinwerten ist eine Ernährungsumstellung (auf eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und fettarmen Milchprodukten, mit wenig gesättigten Fetten und insgesamt geringem Fettgehalt) besonders wichtig, um dem Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen vorzubeugen.

Die Einschränkung des Konsums von Alkohol und Natrium (wenn gleichzeitig ausreichend Kalzium, Magnesium und Kalium aufgenommen wird), kann manchmal eine medikamentöse Behandlung überflüssig machen. Der tägliche Alkoholkonsum sollte 2 Getränke am Tag (insgesamt ca. 1 Liter Bier, ca. 240 Milliliter Wein oder ca. 60 Milliliter Whiskey oder andere Spirituosen mit ca. 50 Vol.-%) bei Männern und 1 Getränk am Tag bei Frauen nicht überschreiten. Die tägliche Aufnahme von Natrium sollte auf unter 2,5 Gramm bzw. die Aufnahme von Natriumchlorid (Kochsalz) auf 6 Gramm reduziert werden.

Maßvolles aerobes Training ist hilfreich. Menschen mit primärer Hypertonie brauchen ihre körperliche Aktivität nicht einzuschränken, solange ihr Blutdruck unter Kontrolle ist. Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Blutdruck senken, hilft abzunehmen und sorgt für eine gute Herzfunktion und allgemeines Wohlbefinden (siehe Der Nutzen sportlicher Betätigung).

Medikamentöse Therapie

Medikamente, die für die Behandlung von Bluthochdruck bestimmt sind, werden Antihypertensiva oder Antihypertonika genannt. Mit der großen Auswahl von Antihypertensiva lässt sich bei fast allen Menschen der Bluthochdruck wirksam behandeln. Die Behandlung muss jedoch auf den Patienten individuell eingestellt sein. Sie ist am wirkungsvollsten, wenn Patient und Arzt gut miteinander reden können und bei der Therapie zusammenarbeiten.

Die verschiedenen Antihypertensiva senken den Blutdruck auf unterschiedliche Weise; deshalb sind verschiedene Behandlungsstrategien möglich. Manchmal wird hinsichtlich der medikamentösen Therapie ein Stufenplan angewendet: Es wird mit einem Antihypertensivum begonnen und bei Bedarf werden andere Antihypertensiva hinzugezogen. In anderen Fällen wird ein sequenzieller Behandlungsplan bevorzugt: Dabei wird zunächst ein Antihypertensivum verschrieben, und wenn dieses nicht wirkt, wird es abgesetzt und auf ein anderes Antihypertensivum umgestellt. Bei einem Blutdruck ab 140/90 mmHg wird meist mit zwei Medikamenten gleichzeitig begonnen. Bei der Auswahl des Antihypertensivums werden folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft der Person

  • Schweregrad des Bluthochdrucks

  • Vorliegen anderer Erkrankungen wie Diabetes oder hoher Cholesterinspiegel

  • Potenzielle Nebenwirkungen, die je nach Medikament unterschiedlich sind

  • Die Kosten der Medikamente und Tests, die zur Prüfung auf bestimmte Nebenwirkungen benötigt werden

Die Mehrheit der Betroffenen (über 74 Prozent) braucht zwei oder mehr Medikamente, um ihren angestrebten Blutdruck zu erreichen.

Die meisten Menschen vertragen die blutdrucksenkenden Medikamente gut. Aber Antihypertensiva können auch Nebenwirkungen verursachen. Wenn sich Nebenwirkungen einstellen, sollte daher der Arzt informiert werden. Er kann dann die Dosis anpassen oder den Patienten auf ein anderes Mittel umstellen. Blutdrucksenkende Medikamente müssen normalerweise lebenslang eingenommen werden, um den Blutdruck unter Kontrolle zu halten.

Behandlung der sekundären Hypertonie

Wenn möglich, wird die Ursache des Bluthochdrucks behandelt. Wird eine Nierenerkrankung behoben, kann sich der Blutdruck in manchen Fällen wieder normalisieren oder zumindest so weit gesenkt werden, dass eine Behandlung mit blutdrucksenkenden Mitteln wirksamer ist. Eine verengte Nierenarterie kann geweitet werden, indem ein Katheter mit einem Ballon an der Spitze eingeführt und der Ballon aufgeblasen wird (Angioplastie). Die Versorgung der Niere kann auch durch einen Bypass in dem verengten Teil der Arterie wiederhergestellt werden. Häufig wird durch einen solchen chirurgischen Eingriff auch der Bluthochdruck geheilt. Wenn der Bluthochdruck durch einen Tumor verursacht wird, z. B. durch ein Phäochromozytom, wird dieser meist operativ entfernt.

Wenn der Blutdruck trotz Einnahme von drei verschiedenen Medikamente immer noch zu hoch ist, wird manchmal ein Katheter in die Arterie jeder Niere eingesetzt. Der Katheter erzeugt Radiowellen, die die sympathischen Nerven entlang der Nierenarterien zerstören. Die ersten Studien zu diesem Verfahren schienen zu zeigen, dass dies zu einer Blutdrucksenkung führt. Allerdings bewies eine viel größere und umfangreichere Studie, dass das Verfahren nicht funktioniert. Die Behandlung ist in den USA nicht verfügbar.

Ein anderes Verfahren zur Behandlung von Bluthochdruck wird „Schrittmacher-Therapie“ genannt. Bei diesem Verfahren wird eine Elektrode in den Hals implantiert, wo diese jene Nervenenden stimuliert, die bei der Regulierung des Blutdrucks mitwirken. Diese Behandlung ist zwar sehr effektiv, aber noch nicht in den USA verfügbar, nur in Europa und Kanada.

Die Behandlung hypertensiver Krisen und Notfälle

Bei einem hypertensiven Notfall muss der Blutdruck schnell gesenkt werden. Hypertensive Notfälle werden auf Intensivstationen von Krankenhäusern behandelt. Die meisten Medikamente zur schnellen Senkung des Blutdrucks, wie Fenoldopam, Nitroprussid, Nicardipin oder Labetalol, werden intravenös verabreicht.

Prognose

Ein unbehandelter Bluthochdruck erhöht das Risiko für Herzkrankheiten (z. B. Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und plötzlicher Herztod), Niereninsuffizienz oder Schlaganfall in jungem Alter. Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfälle. Hinsichtlich Herzinfarkt ist er außerdem einer der drei wichtigsten Risikofaktoren, auf den der Mensch Einfluss nehmen kann (die anderen beiden sind Rauchen und ein hoher Cholesterinspiegel im Blut).

Eine blutdrucksenkende Behandlung verringert die Gefahr für Schlaganfall und Herzinsuffizienz erheblich. Sie kann auch das Risiko für Herzinfarkt senken, wenn auch nicht im gleichen Maß.

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