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Das Blutspendeverfahren

Von

Ravindra Sarode

, MD, The University of Texas Southwestern Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Quellen zum Thema

Gesunde Menschen spenden eine kleine Menge ihres Blutes für Bluttransfusionen. In der Regel werden etwa 450 Milliliter, etwas weniger als ein Zehntel der Gesamtmenge an Blut im Körper, gespendet und häufig werden die verschiedenen Bestandteile des Blutes (siehe Blutprodukte) voneinander getrennt und verschiedenen Empfängern verabreicht.

Das gesamte Spendeverfahren für Vollblut (d. h. Blut mit allen Bestandteilzellen) dauert ungefähr eine Stunde. Potenzielle Blutspender müssen mindestens 17 Jahre alt sein und mindestens 50 kg wiegen. Außerdem müssen die Spender gesund sein. Ihr Puls, ihr Blutdruck und ihre Temperatur werden gemessen und eine Blutprobe wird auf eine geringe Anzahl der Blutkörperchen (Anämie) untersucht. Ärzte stellen den Spendern einige Fragen über ihre Gesundheit, über Faktoren, die sich auf ihre Gesundheit auswirken können, und über Länder, die sie besucht haben. Gewisse Gesundheitszustände und Faktoren schließen Spender zeitweise oder dauerhaft vom Blutspenden aus. Zum Ausschluss führende Faktoren sind typischerweise diejenigen, die die Spende für den Spender gefährlich machen können oder die ein Risiko beinhalten, eine Krankheit auf den Empfänger zu übertragen. Die Entscheidung für die Annahme oder Ablehnung eines Spenders kann kompliziert sein. Das Rote Kreuz bietet auf seiner Website (siehe Eignungskriterien für die Blutspende) detaillierte Informationen.

Wussten Sie ...

  • Sehr wenige Krankheiten schließen Spender dauerhaft von Blutspenden aus.

  • Die meisten Leute können Blut spenden, selbst wenn sie zuerst nicht dazu befähigt sind, weil die meisten ausschließenden Gesundheitszustände vorübergehend sind.

  • Gespeichertes Blut wird auf viele Infektionen getestet, sodass das Risiko einer Krankheitsübertragung durch gespendetes Blut sehr gering ist.

Tabelle
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Einige Gesundheitszustände, die Spender von Blutspenden ausschließen

Erkrankung

Zeitweiser oder dauerhafter Ausschluss

Anmerkungen

Beteiligung an risikoreichen Aktivitäten

Dauerhaft

Dazu zählen sämtliche positiven HIV-Tests, die je durchgeführt wurden.

Zu risikoreichen Aktivitäten zählt Folgendes:

  • Konsum intravenöser Drogen (jemals)

  • Geschlechtsverkehr gegen Zahlungsmittel (jemals)

Aktivitäten, die das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen

Zeitweise

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat die Richtlinien bestimmter anderer risikoreicher Aktivitäten von dauerhaftem Ausschluss auf einen zeitweisen Ausschluss (von bis zu 12 Monaten) ab dem letzten Zeitpunkt, als solchen Aktivitäten nachgegangen wurde, abgeändert. Zu den Aktivitäten gehören:

  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und Frauen, die Sex mit MSM haben

  • Sexueller Kontakt mit einer Person, die je einen positiven HIV-Test hatte, sich jemals prostituiert oder die je intravenöse Drogen konsumiert hat.

Anämie (ein niedriger Hämoglobingehalt im Blut)

Zeitweise

Patienten können Blut spenden, nachdem ihre Anämie geheilt ist.

Schweres Asthma

Dauerhaft

Blutungserkrankungen, kongenitale

Dauerhaft

Krebs, der die Blutzellen betrifft (z. B. Leukämie, Lymphom oder Myelom)

Dauerhaft

Patienten können auch nach der Heilung kein Blut spenden.

Sonstige Krebsarten

Zeitweise

Patienten können Blut spenden, wenn der Krebs geheilt ist und die Behandlung mindestens vor 12 Monaten abgeschlossen wurde.

Patienten mit leichten, behandelbaren Krebsarten (wie leichter Hautkrebs) können bereits vor Ablauf der 12 Monate spenden.

Gewisse Arzneimittel wie Acitretin, Dutasterid, Etretinat, Finasterid und Isotretinoin

Zeitweise

Wie lange Patienten warten müssen, hängt von dem Arzneimittel ab.

Die meisten Arzneimittel verhindern eine Blutspende nicht.

Schwere Herzerkrankung

Dauerhaft

Hepatitis-Krankheit

Dauerhaft

Leute, die jemals Hepatitis aufgrund eines Virus gehabt haben, dürfen kein Blut spenden.

Ansteckungsgefahr von Hepatitis

Zeitweise

Wenn man einer möglichen Ansteckungsgefahr ausgesetzt war (z. B. das Zusammenleben oder Geschlechtsverkehr mit einem Hepatitis-Patienten, wenn man mehr als 72 Stunden in einem Gefängnis eingesperrt war oder bei einem menschlichen Biss, der geblutet hat), muss man 12 Monate warten.

Zeitweise

Man kann Blut spenden, sobald der Blutdruck unter Kontrolle gebracht wurde.

Mögliche Ansteckungsgefahr von Prionenkrankheiten, wie die Variante Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (auch Rinderwahn genannt)

Dauerhaft

Eine Ansteckungsgefahr kann bestehen, wenn

  • man von Kühen gewonnenes Insulin verwendet hat.

  • man sich nach 1980 eine Zeitlang in Europa aufgehalten hat (zwischen mehr als 3 Monaten und 5 Jahren, je nach Land).

  • man als US-Militärpersonal zwischen 1980 und 1996 mehr als 6 Monate auf einer Basis in Europa verbracht hat.

Malaria oder Malariabelastung

Zeitweise

Patienten müssen 1-3 Jahre warten.

Schwangerschaft

Zeitweise

Frauen müssen nach der Geburt 6 Wochen warten.

Kürzlich stattgefundene große Operationen

Zeitweise

Tätowierungen

Zeitweise

Patienten müssen 12 Monate warten.

Transfusionen

Zeitweise oder dauerhaft

Patienten, die eine Transfusion in den USA erhalten haben, müssen 12 Monate warten.

Patienten, die seit 1980 eine Transfusion im Vereinigten Königreich erhalten haben.

Impfungen (einige)

Zeitweise

Wie lange Patienten warten müssen, hängt von der Impfung ab.

Zeitweise

Bei einer aktuellen Zika-Virusinfektion empfiehlt die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA einen Aufschub von 120 Tagen nach dem Abklingen der Symptome oder dem letzten positiven Test, welcher Zeitraum auch immer länger ist.

Die FDA empfiehlt nicht mehr, die Spender auf Risikofaktoren zu untersuchen. Stattdessen muss das Spenderblut auf das Zikavirus hin untersucht werden.

FDA = Food and Drug Administration (US-amerikanische Zulassungsbehörde), HIV = humanes Immunschwächevirus

Ganz allgemein darf man höchstens alle 56 Tage Blut spenden. Die Praxis der Bezahlung für Blutspenden gibt es kaum noch, weil es Bedürftige dazu ermutigte, sich als Spender anzubieten und dann eine Erkrankung zu verschweigen, die sie ausgeschlossen hätte.

Eine zum Blutspenden für geeignet befundene Person sitzt in einem Liegestuhl oder liegt auf einem Bett. Zuerst untersucht das medizinische Personal die Innenseite des Ellenbogens und bestimmt, welche Vene genutzt wird. Nach der Reinigung des Bereiches um die Vene wird eine Nadel in die Vene gestochen und mit einem sterilen Verband fixiert. Der Spender spürt gewöhnlich einen kleinen Stich, danach bleibt der Vorgang schmerzlos. Das Blut gelangt durch die Nadel in den Sammelbehälter. Die tatsächliche Blutentnahme dauert nur etwa 10 Minuten. Der gesamte Prozess von der Krankengeschichte bis zu einer kurzen Ruhepause umfasst dagegen etwa eine Stunde.

Eine Standardspende umfasst einen knappen halben Liter Blut. Das frisch abgenommene Blut wird, versehen mit Konservierungsstoffen und Mitteln, die das Gerinnen verhindern, in Plastikbeutel eingeschweißt. Von jeder Spende wird eine kleine Probe auf bestimmte Infektionserreger getestet.

Testen des gespendeten Blutes auf Infektionen

Bluttransfusionen können ansteckende Organismen aus dem Blut des Spenders übertragen. Darum haben die Gesundheitsbehörden die Befähigung zum Spender eingeschränkt und für gründliche Bluttests gesorgt. Alle Blutspenden werden auf Infektionen mit Organismen untersucht, die Virushepatitis, AIDS, ausgewählte andere Viruserkrankungen (wie Erkrankungen durch das Zikavirus und das Westnil-Virus), die Chagas-Erkrankung und Syphilis verursachen.

Erworbenes Immunschwächesyndrom (AIDS)

Jedes Spenderblut wird auf Antikörper gegen HI-Viren, die Erreger der Immunschwächekrankheit AIDS, geprüft. Der Test ist nicht 100-prozentig genau, weil er in den ersten Wochen nach einer HIV-Infektion nicht positiv ist. Potenzielle Spender werden jedoch im Laufe des Screening-Verfahrens befragt. Die Befrager fragen nach den Risikofaktoren für AIDS – zum Beispiel ob potenzielle Spender oder ihre Sexualpartner Drogen injiziert haben oder ob sie Geschlechtsverkehr mit einem Mann mit männlichen Sexualpartnern hatten. Aufgrund des Bluttests und der Screening-Befragung ist das Risiko einer Ansteckung mit dem HI-Virus bei einer Bluttransfusion in den Vereinigten Staaten extrem niedrig – 1 zu 1.500.000 bis 2.000.000 gemäß neueren Schätzungen.

Virale Hepatitis

Gespendetes Blut wird überprüft, ob es mit den Erregern von Hepatitis B oder C infiziert ist, die bei Bluttransfusionen übertragen werden können.

Mit diesen Tests können nicht alle Fälle infizierten Blutes erkannt werden, aber durch strenge Tests und Spender-Screenings besteht bei einer Transfusion praktisch kein Risiko einer Übertragung von Hepatitis C. Derzeit beträgt das Risiko in den Vereinigten Staaten < 1 Infektion pro 2.000.000 Blutkonserven bei Transfusionen.

Hepatitis B bleibt die häufigste potenziell ernsthafte Erkrankung, die bei Bluttransfusionen übertragen werden kann, wobei das derzeitige Risiko in den Vereinigten Staaten bei ungefähr 1 Infektion auf 1.000.000 Blutkonserven bei Transfusionen beträgt.

Syphilis

Mit Bluttransfusionen wird nur selten Syphilis übertragen. Die Blutspender werden nicht nur gescreent und das Blut auf Organismen untersucht, die Syphilis verursachen, sondern das gespendete Blut wird auch bei sehr niedrigen Temperaturen aufbewahrt, bei denen die infektiösen Organismen sterben.

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