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Übersicht über Hirntumoren

Von

Steven A. Goldman

, MD, PhD, University of Rochester Medical Center;


Nimish A. Mohile

, MD, University of Rochester Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Ein Hirntumor ist ein gutartiges (benignes) oder bösartiges (malignes) Geschwulst im Gehirn. Es kann seinen Ursprung im Gehirn haben oder sich von einem anderen Körperteil zum Gehirn hin ausgebreitet haben (metastasiert).

  • Die Symptome können Kopfschmerzen, Persönlichkeitsveränderungen (z. B. plötzliche Depressionen, Angstzustände oder Hemmungslosigkeit), Verlust des Gleichgewichts, Konzentrationsstörungen, Krampfanfälle oder Koordinationsverlust umfassen.

  • Mit bildgebenden Untersuchungen können Hirntumoren oft erkannt werden, doch manchmal ist eine Biopsie des Tumors erforderlich.

  • Mögliche Behandlungsformen sind ein chirurgischer Eingriff, Strahlentherapie, Chemotherapie oder eine Kombination dieser Behandlungen.

Hirntumoren kommen bei Männern etwas häufiger vor als bei Frauen. Nur Meningeome, welche gutartig sind, kommen bei Frauen häufiger vor. Hirntumoren entwickeln sich gewöhnlich im frühen bis mittleren Erwachsenenalter, können jedoch in jeder Altersgruppe auftreten. Sie treten bei älteren Menschen immer häufiger auf.

Hirntumoren – egal ob krebsartig oder nicht – können schwerwiegende Probleme verursachen, da der Schädel fest ist und der Tumor keinen Platz hat, um sich auszubreiten. Wenn Tumoren in der Nähe von Gehirnbereichen entstehen, die lebenswichtige Funktionen kontrollieren, können sie Probleme verursachen, wie Schwäche, Schwierigkeiten beim Gehen, Gleichgewichtsverlust, teilweiser oder vollständiger Verlust des Sehvermögens, Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache oder beim Sprachgebrauch und Probleme mit dem Gedächtnis.

Hirntumoren können auf folgende Arten Probleme bereiten:

  • Tumoren befallen und zerstören das Hirngewebe direkt

  • Tumoren üben auf das umliegende Gewebe direkten Druck aus

  • Tumoren erhöhen den Druck innerhalb des Schädels (intrakranieller Druck), weil sie Platz einnehmen und sich der Schädel nicht ausdehnen kann, um diese unterzubringen

  • Tumoren führen dazu, dass sich Flüssigkeit im Gehirn ansammelt

  • Tumoren verhindern, dass die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit normal durch die Hirnkammern fließen kann

  • Tumoren führen zu Blutungen

Klassifizierung von Hirntumoren

Es gibt zwei Hauptarten von Hirntumoren:

  • Primäre Erythrozytose: Diese Tumoren haben ihren Ursprung in Zellen aus dem Gehirn oder nahe des Gehirns. Sie können gutartig oder bösartig sein.

  • Sekundäre Erythrozytose: Diese Tumoren sind Metastasen. Das bedeutet, dass sie ihren Ursprung in einem anderen Körperteil haben und sich auf das Gehirn ausgebreitet haben. Daher sind sie immer krebsartig.

Primäre Tumoren

Zu den primären Tumoren gehören

Gliome machen 65 % aller primären Hirntumoren aus.

Wussten Sie ...

  • Tumoren, die aus anderen Bereichen des Körpers ins Gehirn streuen (Metastasen bilden), sind etwa zehnmal häufiger als Tumoren, die ihren Ursprung im Gehirn haben.

Die Bezeichnung der verschiedenen gutartigen Tumoren im Gehirn richtet sich nach den Zellen bzw. dem Gewebe, denen sie entstammen. So entstammen z. B. Hämangioblastome Blutgefäßen („Häm“ bezieht sich auf Blutgefäße und Hämangioblasten sind die Zellen, die sich zu Blutgefäßen entwickeln). Manche gutartigen Tumoren entstammen Embryozellen (embryonale Zellen) aus der frühen Entwicklung des Fetus. Solche Tumoren können bei der Geburt vorhanden sein.

Sekundäre Tumoren

Hirnmetastasen treten etwa zehnmal so oft auf wie primäre Tumoren. Mehr als 80 % der Menschen mit Hirnmetastasen haben mehr als eine Metastase.

Die Metastasen aus anderen Körperbereichen bleiben entweder auf einen Gehirnbereich begrenzt oder bilden sich in verschiedenen Bereichen. Viele Krebsarten können ins Gehirn streuen. Hierzu gehört Folgendes:

Lymphome des Gehirns treten bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem (zum Beispiel bei AIDS-Patienten), bei älteren Menschen und, aus unbekannten Gründen, auch bei Menschen mit intaktem Immunsystem immer häufiger auf.

Tabelle
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Einige Tumoren mit Ursprung im Gehirn oder in dessen Nähe*

Art des Tumors

Entstehung

Tumorstatus

%satz aller primären Hirntumoren

Betroffene Personen

Astrozytom (ein Gliomtyp)

Zellen des Gewebes, die die Nervenzellen stützen (Gliazellen)

Bösartig oder gutartig (manche gutartigen Astrozytome werden bösartig)

(Siehe Anmerkung.)

Kinder und Erwachsene

Chordom

Die Zellen des Embryos (embryonale Zellen), die sich im Rückenmark entwickeln

Gutartig, aber invasiv

Weniger als 1 %

Kinder und Erwachsene

Kann bei der Geburt vorhanden sein

Kraniopharyngeom

Embryonalzellen aus der Hypophyse

Meistens gutartig

Weniger als 1 %

Kinder und Erwachsene

Kann bei der Geburt vorhanden sein

Dermoidzysten und Epidermoidtumoren

Embryonalzellen der Haut

Gutartig

Weniger als 1 %

Kinder und Erwachsene

Dermoidzysten: Kann bei der Geburt vorhanden sein

Ependymom

Zellen des Gewebes, das die Hirnkammern (Ventrikel) auskleidet

Meistens gutartig

Etwa 2-3 % (beinahe 10 % der Hirntumoren, die bei Kindern auftreten)

Kinder

Selten bei Erwachsenen

Keimzelltumoren (einschließlich Germinome)

Embryonalzellen nahe der Zirbeldrüse

Bösartig oder gutartig

1 %

Kinder

Germinome: Kann bei der Geburt vorhanden sein

Glioblastom (ein Gliomtyp)

Unreife Gliazellen (werden als Vorläuferzellen bezeichnet)

Bösartig

Etwa 15 %

Erwachsene

Hämangioblastom

Embryonalzellen, die sich zu Blutgefäßen entwickeln

Gutartig

1-2 %

Kinder und Erwachsene

Medulloblastom

Embryonalzellen des Kleinhirns

Bösartig

Beinahe 20 % aller Hirntumoren beim Kind

Kinder und selten Erwachsene

Meningeom

Zellen der Gewebeschichten, die das Gehirn bedecken (Meningen)

Gutartig, Rückfall jedoch möglich

Etwa 35 %

Erwachsene

Oligodendrogliom (ein Gliomtyp)

Zellen (als Oligodendrozyten bezeichnet), die die Nervenfasern im Gehirn umhüllen und die Myelinscheide bilden, und die Zellen, aus denen sie entstammen

Bösartig, aber langsam wachsend (letztendlich wird es zu häufig zu einem anaplastischen Oligodendrogliom)

2–10 Prozent

Kinder und Erwachsene

Zirbeldrüsentumore

Zellen der Zirbeldrüse oder benachbarter Gewebe

Gutartig oder bösartig

Weniger als 1 %

Kinder

Hypophysenadenom

Zellen der Hypophyse

Gutartig

10 %

Kinder und Erwachsene

Primitiver neuroektodermaler Tumor

Unreife Zellen, die die Hirnkammern auskleiden (Ventrikel)

Normalerweise gutartig, werden manchmal aber bösartig

Weniger als 1 %

Kinder und junge Erwachsene

Neurozytom

Unreife Zellen, die die Hirnkammern auskleiden

Normalerweise gutartig, werden manchmal aber bösartig

Weniger als 1 %

Kinder und junge Erwachsene

Der %satz aller primären Hirntumoren ist angegeben, wenn nicht anders darauf hingewiesen.

Astrozytome, Ependymome, Glioblastoma multiforme, Medulloblastome und Oligodendrogliome sind Gliome, die 65 % aller primären Hirntumoren ausmachen.

Symptome

Symptome entstehen unabhängig davon, ob es sich um einen gutartigen oder bösartigen Hirntumor handelt. Gutartige Tumoren wachsen langsam und können ziemlich groß werden, bevor sie Symptome verursachen.

Ein Hirntumor kann ganz verschiedene Symptome hervorrufen, die plötzlich auftreten oder sich allmählich entwickeln. Welche Symptome sich zuerst entwickeln, und wie das geschieht, hängt von Größe, Wachstumsgeschwindigkeit und Sitz des Tumors ab. In manchen Gehirnbereichen kann sogar ein kleiner Tumor verheerende Auswirkungen haben. In anderen Gehirnbereichen hingegen können Tumoren zu beträchtlicher Größe heranwachsen, bevor sie Symptome auslösen. Wenn der Tumor wächst, drückt er und dehnt sich aus, aber normalerweise beschädigt er kein Nervengewebe, das diese Veränderungen sehr gut kompensieren kann. Daher entwickeln sich anfangs keine Symptome.

Viele Symptome können vom erhöhten Druck innerhalb des Schädels herrühren:

  • Kopfschmerzen

  • Abnahme der geistigen Funktion

  • Probleme infolge des Drucks auf spezifische Strukturen im Gehirn bzw. nahe am Gehirn, wie der Nerv, der zum Auge führt (Sehnerv)

Kopfschmerzen sind das häufigste und oftmals auch das erste Symptom. Manche Menschen mit Hirntumoren haben jedoch keine Kopfschmerzen, und die meisten Kopfschmerzen werden nicht durch Hirntumoren verursacht. Kopfschmerzen, die infolge eines Hirntumors auftreten, treten normalerweise wiederholt und mit der Zeit immer öfter auf. Oft werden sie schlimmer, wenn sich die Betroffenen hinlegen. Die Kopfschmerzen können am intensivsten sein, wenn die Betroffenen aufwachen, und im Laufe des Tages nachlassen. Wenn Kopfschmerzen mit diesen Merkmalen bei Menschen auftreten, die zuvor keine Kopfschmerzen hatten, könnte ein Hirntumor die Ursache sein.

Oft führt der erhöhte Druck innerhalb des Schädels auch zu einem Abfall der geistigen Funktion und zu einer Verschlechterung der Stimmung. Die Persönlichkeit kann sich verändern. Zum Beispiel kann es sein, dass sich Betroffene zurückziehen oder launisch werden, und oft arbeiten sie ineffizient. Sie können sich benommen und verwirrt fühlen und möglicherweise nicht denken. Solche Symptome werden oft von Familienmitgliedern und Kollegen besser wahrgenommen als von der betroffenen Person selbst. Depressionen und Angstgefühle, besonders, wenn sie sich plötzlich entwickeln, können Frühsymptome eines Hirntumors sein. Die Betroffenen benehmen sich möglicherweise ungewöhnlich. Es kann sein, dass sie hemmungslos werden oder sich ganz anders als früher benehmen. Bei älteren Menschen rufen manche Hirntumoren Symptome hervor, die mit den Anzeichen einer Demenz verwechselt werden können.

Später, wenn sich der Druck im Schädel erhöht, können Übelkeit und Erbrechen, Lethargie, stärkere Benommenheit, Fieberschübe und sogar Koma auftreten. Die Sicht kann plötzlich verschwommen sein, wenn Betroffene die Haltung wechseln.

Je nachdem, welcher Gehirnbereich betroffen ist (siehe Gehirnschäden nach Gehirnregion), kann ein Tumor eines der folgenden Symptome auslösen:

  • Ein Tumor kann dazu führen, dass ein Arm, ein Bein oder eine Körperseite schwach oder gelähmt ist

  • Ein Tumor kann die Fähigkeit beeinträchtigen, Hitze, Kälte, Druck, eine leichte Berührung oder scharfe Objekte zu spüren

  • Ein Tumor kann dazu führen, dass Betroffene nicht sprechen können oder Sprache nicht verstehen

  • Die Puls- und Atemfrequenz kann sich erhöhen oder verringern, wenn der Tumor auf den Hirnstamm drückt

  • Ein Tumor kann die Aufgewecktheit verringern

  • Ein Tumor kann die Fähigkeit, zu hören, riechen oder sehen, beeinträchtigen (und Symptome wie Doppelsehen und Verlust des Sehvermögens verursachen)

Zum Beispiel kann ein Hypophysentumor auf nahe gelegene Sehnerven (2. Hirnnerven) drücken und so die periphere Sicht beeinträchtigen. Jedes dieser Symptome spricht für eine ernste gesundheitliche Störung und sollte sofort ärztlich abgeklärt werden.

Weitere häufig auftretende Symptome eines Hirntumors sind Schwindel sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Manche Hirntumore, gewöhnlich primäre Tumore, verursachen Anfälle.

Wenn ein Tumor den Fluss der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit durch die Hirnkammern (Ventrikel) blockiert, sammelt sich Flüssigkeit in den Ventrikeln an, wodurch sie sich vergrößern können (eine Störung, die als Wasserkopf, Hydrozephalus, bezeichnet wird). Dadurch erhöht sich der Druck im Schädel. Zusätzlich zu anderen Symptomen eines erhöhten Drucks erschwert ein Hydrozephalus, die Augen nach oben zu richten. Bei Säuglingen und Kleinkindern vergrößert sich der Kopf.

Wenn der Schädelinnendruck stark ansteigt, kann das Gehirn nach unten gedrückt werden, da sich der Schädel nicht ausdehnen kann. Dies kann zu einer Einklemmung des Gehirns führen. Zwei häufige Arten sind

  • Obere Einklemmung: Bei der oberen Einklemmung oder Tentoriumherniation wird der obere Teil des Gehirns (Großhirn) durch die enge Öffnung im relativ festen Gewebe gepresst, das das Großhirn von den unteren Gehirnteilen (Kleinhirn und Hirnstamm) trennt. Bei Menschen mit dieser Art Einklemmung oder Herniation ist das Bewusstsein getrübt. Möglicherweise ist die Körperhälfte, die dem Tumor gegenüberliegt, gelähmt.

  • Untere Einklemmung: Bei einer unteren Einklemmung oder Tonsillenherniation drückt ein Tumor im unteren Teil des Gehirns den am weitesten unten gelegenen Teil des Kleinhirns (Kleinhirntonsillen) durch die Öffnung an der Schädelbasis (Foramen magnum). Dadurch wird der Hirnstamm, der Atmung, Herzfrequenz und Blutdruck kontrolliert, zusammengepresst und funktioniert nicht mehr richtig. Wird eine Tonsillenherniation nicht sofort diagnostiziert und behandelt, führt sie rasch zu Koma und Tod.

Personen mit Hirnmetastasen können auch Symptome aufweisen, die mit der ursprünglichen Krebserkrankung zu tun haben. Wenn zum Beispiel die Krebserkrankung ihren Ursprung in den Lungen hatte, können die Betroffenen blutigen Schleim husten. Bei Metastasen kommt es häufig zu Gewichtsverlust.

Die Symptome verschlimmern sich mit der Zeit, wenn der Tumor nicht behandelt wird. Mit einer Behandlung erholen sich manche Menschen vollständig, insbesondere wenn es sich um gutartige Tumoren handelt. Bei anderen Personen ist die Lebenserwartung jedoch verkürzt, manchmal beträchtlich. Das Ergebnis hängt von der Art und Lage des Tumors ab.

Ansicht des Gehirns

Ansicht des Gehirns

Diagnose

  • Magnetresonanztomographie oder Computertomographie

  • Manchmal Spinalpunktion

  • Mitunter Biopsie

Ärzte ziehen einen Hirntumor bei Personen in Erwägung, die erstmals einen Krampfanfall haben oder charakteristische Symptome aufweisen. Zwar können Ärzte während einer Untersuchung oft eine Störung der Gehirnfunktion feststellen, doch sind andere Verfahren nötig, um einen Hirntumor zu diagnostizieren.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist der beste Test, um Hirntumoren zu erkennen. Die Computertomographie (CT) stellt eine gute Alternative dar. Die meisten Hirntumoren können damit erkannt werden. Vor diesen Tests wird eine Substanz in die Vene injiziert, durch die der Tumor besser sichtbar ist (ein Kontrastmittel bei einer MRT oder ein Röntgenkontrastmittel bei einer CT). Diese Untersuchungen können die Größe und die genaue Lage des Tumors sehr detailliert zeigen. Wenn ein Hirntumor nachgewiesen wird, werden weitere Verfahren durchgeführt, um die Art des Tumors festzustellen.

In einigen Fällen wird eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) durchgeführt, um eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit mikroskopisch zu untersuchen. Dieses Verfahren wird angewendet, wenn Ärzte vermuten, dass der Tumor die Gewebeschichten, die das Gehirn umgeben (Meningen), befallen hat. Solche Tumoren können die Aufnahme der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit verhindern. Die Spinalpunktion kann auch hilfreich sein, wenn die Diagnose oder die Art des Tumors unklar ist. Die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit kann Krebszellen enthalten. Eine Spinalpunktion kann jedoch nicht bei Personen durchgeführt werden, die einen großen Tumor haben, der den Druck innerhalb des Schädels erhöht. Bei diesen Patienten kann die Entnahme von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit dazu führen, dass sich der Tumor bewegt und es zu einer Einklemmung des Hirns kommt.

Spezielle Tests können manchmal bei der Diagnose helfen. Zum Beispiel können Blut und Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit auch untersucht werden, um nach vom Tumor abgesonderte Substanzen (sogenannte Tumormarker) und Genanomalien zu suchen, die für bestimmte Tumoren charakteristisch sind. Das Erkennen bestimmter Genanomalien kann hilfreich sein, um vorauszusagen, welche Behandlungen am wirksamsten sein werden.

Um festzustellen, um was für einen Tumor es sich handelt und ob er bösartig ist, wird bisweilen im Rahmen einer Operation, bei der der Tumor ganz oder teilweise entfernt wird, eine Probe für die mikroskopische Untersuchung entnommen (Biopsie). Eine Biopsie kann während eines chirurgischen Eingriffs durchgeführt werden, bei dem der gesamte Tumor oder ein Teil von ihm entfernt wird. Wenn ein Tumor schwer zu erreichen ist, kann eine stereotaktische Biopsie durchgeführt werden. Bei diesem Verfahren wird ein Rahmen an den Schädel befestigt. Der Rahmen liefert Bezugspunkte, die auf einem MRT oder CT erkannt werden können. Mithilfe dieser Bezugspunkte können Ärzte die Biopsienadel präzise in den Tumor führen.

Behandlung

  • Chirurgischer Eingriff, Strahlentherapie, Chemotherapie oder eine Kombination dieser Behandlungen

  • Bisweilen medikamentöse Druckverringerung im Schädel

Die Behandlung eines Hirntumors richtet sich nach seiner Lage und seiner Art.

Spezielle Behandlungen für Hirntumoren

Behandlungen bei Hirntumoren umfassen unter anderem:

  • Kraniotomie (Hirnoperation)

  • Radiochirurgie

  • Implantate

  • Shunts

  • Stereotaktische Methoden

Wenn möglich, wird eine Kraniotomie (chirurgische Entfernung des Tumors) durchgeführt. Bei diesem Verfahren wird der Schädel geöffnet. Vielfach bleiben nach einer solchen Operation keine oder nur geringe Schäden am Gehirn zurück. Viele Tumoren wachsen jedoch in Bereichen, in die man mit herkömmlichen chirurgischen Verfahren nur schwer oder gar nicht herankommt, ohne lebenswichtige Strukturen zu zerstören.

Bei diesem Verfahren wird ein Teil der Kopfhaut rasiert. Danach wird ein Schnitt durch die Haut gemacht. Mit einem Hochgeschwindigkeitsbohrer und einer Spezialsäge wird ein kleines Stück Knochen über dem Tumor entnommen. Der Tumor wird lokalisiert und entfernt. Dafür ist eine der folgenden Methoden möglich:

  • Ein Skalpell kann verwendet werden, um den Tumor herauszuschneiden.

  • Ein Laser kann verwendet werden, um den Tumor zu verdampfen.

  • Ein Gerät, das Ultraschallwellen aussendet, kann verwendet werden, um den Tumor aufzubrechen, damit seine Teile abgesaugt (aspiriert) werden können.

Laser und Ultraschallgeräte werden eingesetzt, um Tumoren zu entfernen, die schwer herausschneidbar sind. Gewöhnlich wird das Knochenstück dann wieder an seinen Platz gesetzt und die Wunde vernäht.

Konventionelle chirurgische Eingriffe können manchmal Hirnschäden verursachen, die zu Symptomen, wie Teillähmungen, Empfindungsstörungen, Schwäche und geistige Behinderungen, führen können. Dennoch muss jede Art von Tumor – egal, ob bösartig oder gutartig – unbedingt beseitigt werden, wenn sein Wachstum wichtige Gehirnstrukturen beeinträchtigt. Selbst wenn eine Heilung unmöglich ist, kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein, um den Tumor zu verkleinern, die Symptome zu lindern und den Ärzten Aufschluss darüber zu liefern, welche anderen Behandlungsoptionen, wie z. B. Strahlentherapie oder Chemotherapie, angebracht sind.

Die Radiochirurgie ist nicht wirklich ein chirurgisches Verfahren, da kein Schnitt erforderlich ist. Eine fokussierte Bestrahlung wird zur Zerstörung des Tumors verwendet. Mehrere Maschinen, u. a. das Gamma-Knife und der Linearbeschleuniger, können diese Art von Strahlung erzeugen.

  • Wird ein Gamma-Knife (ein spezielles Bestrahlungsgerät) eingesetzt, so wird ein Bildgebungsrahmen am Kopf des Patienten befestigt. Der Patient liegt auf einem Gleittisch und über dem Rahmen wird ein großer Helm mit Löchern platziert. Das Kopfende des Gleittisches wird dann in eine Hohlkugel mit radioaktiven Kobaltquellen geschoben. Durch die Löcher im Helm gelangt die Strahlung genau dort ins Gewebe, wo sich der Tumor befindet.

  • Ein Linearbeschleuniger kreist um den Kopf des Patienten, der auf einem Gleittisch liegt. Der Linearbeschleuniger kreist um die Person und richtet die Strahlung aus unterschiedlichen Winkeln präzise auf den Tumor.

Gelegentlich werden Implantate in das Gehirn eingeführt.

Eine Art von Implantaten besteht aus mit einem Chemotherapeutikum getränkten Scheiben. Nachdem der Tumor entfernt ist und bevor der Schädel wieder geschlossen wird, können diese Scheiben dort platziert werden, wo sich der Tumor befand. Wenn sich die Scheiben langsam auflösen, wird das Arzneimittel freigesetzt, um alle eventuell übrig gebliebenen Krebszellen zu zerstören.

Weiterhin gibt es eine radioaktive Art. Radioaktive Implantate werden durch einen dünnen Schlauch (Katheter), der durch einen Schnitt eingeführt wird, direkt in den Tumor eingesetzt. Nach ein paar Tagen oder Monaten können die Implantate entfernt werden oder sie können an Ort und Stelle verbleiben. Anders als Personen, bei denen eine extern applizierte Strahlentherapie durchgeführt wird, sind Personen, die radioaktive Implantate haben, für gewisse Zeit radioaktiv (d. h. sie geben Strahlung ab). Daher müssen sie entsprechend der ärztlichen Empfehlung Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Nach diesem Eingriff ist unter Umständen ein chirurgischer Eingriff nötig, um die toten Krebszellen zu entfernen.

Ventile (Shunts) können chirurgisch eingesetzt werden, wenn ein Tumor den Druck im Schädel erhöht. Dabei handelt es sich um einen dünnen Schlauch, der in eine der Hirnkammern (Ventrikel) oder manchmal in den Raum um das Rückenmark, der die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit enthält (Subarachnoidalraum), eingesetzt wird. Das andere Ende des Schlauches wird vom Kopf unter der Haut normalerweise in die Bauchhöhle geführt. Überschüssige Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit wird aus dem Gehirn abgesaugt, in die Bauchhöhle geleitet und dort resorbiert. Der Shunt enthält ein Rückschlagventil, das sich öffnet, wenn sich zu viel Flüssigkeit im Gehirn befindet. Shunts können vorübergehend (bis zur Entfernung des Tumors) oder dauerhaft eingesetzt werden.

Stereotaktische Methoden werden genutzt, um die Tumoren sehr genau zu lokalisieren. Computer werden verwendet, um ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Das dreidimensionale Bild erhält man, indem man einen leichten Bildgebungsrahmen aus Metall mit einer Reihe von Stäben am Schädel des Patienten anbringt. Der Bereich wird örtlich betäubt und dann werden Nadeln an den Schädel befestigt, die die Haut durchbohren. Die Stäbe erscheinen auf der Computertomographie (CT) als Punkte und dienen als Referenzpunkte, mit deren Hilfe die Lage des Tumors bestimmt werden kann. Bei einem ähnlichen Verfahren kommen ein Kunststoffrahmen und eine Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz, um zu zeigen, wo sich der Tumor befindet.

Alternativ können Techniken verwendet werden, die keine Befestigung eines Rahmens erfordern. Zum Beispiel können spezielle Marker auf den Schädel geklebt werden, um Bezugspunkte darzustellen. Die Stelle dieser Marker wird in einen Computer eingegeben, der Bilder des Hirntumors enthält.

Stereotaktische Methoden können eingesetzt werden, um

  • Eine Stelle für eine Biopsie zu lokalisieren

  • Tumoren während des chirurgischen Eingriffs zu lokalisieren

  • Zu bestimmen, wo Implantate oder Laser eingesetzt werden sollten, um Tumorzellen zu zerstören

Stereotaktische Methoden können auch zur Unterstützung der Diagnose eingesetzt werden.

Gutartige Tumoren

Die chirurgische Entfernung ist oft sicher und heilt den Patienten. Sehr kleine Tumoren und Tumoren bei älteren Menschen lässt man jedoch unter Umständen in Ruhe, solange sie keine Symptome hervorrufen. Manchmal schließt sich an den chirurgischen Eingriff eine Strahlentherapie an, um möglicherweise verbliebene Tumorzellen zu zerstören.

Radiochirurgie ist bei der Behandlung von gutartigen Tumoren, wie Meningeomen und Akustikus-Neurinomen, wirksam. Daher wird bei diesen Tumoren häufig die Radiochirurgie statt eines herkömmlichen chirurgischen Eingriffs verwendet. Radiochirurgie richtet eine stark konzentrierte radioaktive Strahlung präzise auf den Tumor. Dabei wird kein Schnitt vorgenommen. Um die Bestrahlung genauer zu bündeln, verwenden Ärzte oft stereotaktische Methoden, die manchmal das Anbringen eines Rahmens an den Kopf erfordern, damit Bezugspunkte vorhanden sind.

Bösartige Hirntumore

Normalerweise wird eine Kombination aus chirurgischem Eingriff, Strahlentherapie und Chemotherapie eingesetzt. Man entfernt so viel Tumorgewebe wie möglich und dann wird mit einer Strahlentherapie begonnen. Die Strahlentherapie wird über einen Zeitraum von mehreren Wochen durchgeführt. Die Radiochirurgie wird eingesetzt, wenn ein herkömmlicher chirurgischer Eingriff nicht möglich ist, insbesondere bei der Behandlung von Metastasen.

Bei sehr aggressiven Tumoren wird die Chemotherapie zusammen mit der Strahlentherapie durchgeführt. Die Kombination der Strahlen- und Chemotherapie führt selten zur Heilung, doch kann sie einen Tumor so weit verkleinern, dass er viele Monate, wenn nicht sogar Jahre, beherrscht werden kann.

Nach der Strahlentherapie wird eine kontinuierliche Chemotherapie eingesetzt, um bestimmte bösartige Gehirntumorarten zu behandeln. Die Chemotherapie scheint bei der Behandlung von anaplastischen Oligodendrogliomen besonders wirksam zu sein.

Erhöhter Druck im Schädel

Dieser äußerst ernstzunehmende Zustand erfordert eine sofortige medizinische Behandlung. Wenn die Betroffenen in einem Koma sind oder Schwierigkeiten beim Atmen haben, kann sich eine Einklemmung entwickeln. Um diesen Personen beim Atmen zu helfen, führen Ärzte einen Plastikschlauch durch die Nase oder den Mund in die Luftröhre (Trachea) ein und verbinden diesen mit einem Beatmungsgerät (ein Verfahren, das als endotracheale Intubation bezeichnet wird). Dieses Verfahren trägt auch dazu bei, den Druck innerhalb des Schädels zu senken, bis andere Behandlungen durchgeführt werden können. Gewöhnlich spritzt man Arzneimittel, wie Mannitol oder Kortikosteroide, um den Druck zu verringern und eine Einklemmung zu verhindern. Sie verringern die Schwellung um den Tumor. Innerhalb von Tagen, manchmal auch innerhalb von Stunden, können Kortikosteroide oft die aufgrund des Tumors verloren gegangenen Funktionen wiederherstellen und die Kopfschmerzen lindern, selbst wenn der Tumor groß ist.

Wenn der Tumor den Fluss der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit durch die Hirnkammern blockiert, kann man einen Apparat einsetzen, mittels dessen man die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit ablaufen lässt, um so das Risiko einer Einklemmung zu verringern. Dieser Apparat besteht aus einem dünnen Schlauch (Katheter), der an ein Messgerät angeschlossen ist, dass den Druck im Schädel misst. Der Katheter wird durch eine winzige, in den Schädel gebohrte Öffnung eingeführt. Dies wird mit einer örtlichen Betäubung (normalerweise in Kombination mit einem Beruhigungsmittel) durchgeführt, oder es kann auch eine Vollnarkose eingesetzt werden. Nach ein paar Tagen wird der Katheter wieder entfernt oder in eine dauerhafte Drainagevorrichtung (Shunt) umgewandelt. In dieser Zeit wird der gesamte Tumor oder ein Teil davon entfernt, oder man setzt Radiochirurgie oder Strahlentherapie ein, um die Größe des Tumors zu verringern und so die Blockade so zu mindern.

Metastasen

Die Behandlung hängt weitgehend davon ab, wo der Krebs seinen Ursprung hat. Oft werden Hirnmetastasen mit Strahlentherapie behandelt. Eine chirurgische Entfernung vor der Strahlentherapie kann dann sinnvoll sein, wenn nur eine einzige Metastase vorhanden ist. Manchmal wird Radiochirurgie eingesetzt.

Entscheidungen zum Lebensende

Personen mit bösartigen Hirntumoren haben eine begrenzte Lebenserwartung und es ist wahrscheinlich, dass sie später keine Entscheidungen zu ihrer medizinischen Versorgung treffen können. Daher ist es ratsam, eine Vorausverfügung (Patientenverfügung) zu erstellen. Patientenverfügungen können einem Arzt dabei helfen, zu entscheiden, welche Art der Versorgung Menschen wünschen, wenn sie keine Entscheidungen zu ihrer medizinischen Versorgung treffen können. Eine Behandlung, die sich auf eine möglichst vollständige Linderung der Symptome anstelle der Heilung konzentriert (palliative Versorgung), kann eher angebracht sein.

Viele Krebszentren, insbesondere die mit Hospizeinrichtungen, bieten Beratungs- und Heimpflegedienste an.

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