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Bipolare Störung

(Manisch-depressive Erkrankung)

Von

William Coryell

, MD, Carver College of Medicine at University of Iowa

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Bei der bipolaren Störung (früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung) wechseln sich Depression und Manie (oder eine weniger schwere Form der Manie, genannt Hypomanie) phasenweise ab. Die Manie ist durch übertriebene körperliche Aktivität und äußerste Hochstimmung gekennzeichnet, die in keinem Verhältnis zu einem vorausgegangenen positiven Ereignis steht.

  • Familiäre Veranlagung spielt bei bipolaren Störungen eine Rolle.

  • Phasen von Depressionen und Manie können getrennt oder gemeinsam auftreten.

  • Die Betroffenen haben eine oder mehrere Phasen übermäßiger Traurigkeit und fehlenden Interesses am Leben, und eine oder mehrere Phasen der Hochstimmung, übermäßiger Energie und oft Reizbarkeit, wobei es zwischendurch auch Phasen relativ normaler Stimmung gibt.

  • Ärzte treffen die Diagnose nach dem Symptommuster.

  • Medikamente, die die Stimmung stabilisieren, wie Lithium und bestimmte Antikonvulsiva (Medikamente gegen Anfälle), sowie manchmal Psychotherapie können hilfreich sein.

Bipolare Störungen tragen diesen Namen, weil sie die beiden gegensätzlichen Pole von affektiven Störungen – Depression und Manie – einschließen. Ungefähr 4 Prozent der US-Bevölkerung sind bis zu einem gewissen Grad davon betroffen. Männer und Frauen sind gleichermaßen von bipolaren Störungen betroffen. Bipolare Störungen beginnen normalerweise in der Jugend, zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Bei Kindern kommen bipolare Störungen selten vor.

Die meisten bipolaren Störungen lassen sich wie folgt klassifizieren

  • Bipolar-I-Störung: Die Betroffenen hatten mindestens eine ausgeprägte manische Episode (die einen normalen Alltag nahezu unmöglich macht oder mit Wahnvorstellungen einhergeht) und für gewöhnlich depressive Phasen.

  • Bipolar-II-Störung: Die Betroffenen hatten schwere depressive Phasen, zumindest eine weniger schwere manische (hypomanische) Phasen, jedoch keine ausgeprägten manischen Phasen.

Einige Betroffene haben jedoch Phasen, die denen einer bipolaren Störung gleichen, aber leichter sind und die spezifischen Kriterien für eine Bipolar-I- oder II-Störung nicht erfüllen. Solche Phasen können als eine unspezifische bipolare Störung oder Zyklothymia klassifiziert werden.

Wussten Sie ...

  • Bestimmte körperliche Störungen und Medikamente können Symptome bipolarer Störungen hervorrufen.

  • Menschen, die Manie erleben, denken oft, dass sie in bester Form sind.

Ursachen

Die exakte Ursache von bipolaren Störungen ist nicht bekannt. Familiäre Veranlagung spielt vermutlich bei der Entstehung von bipolaren Störungen eine Rolle. Möglicherweise funktioniert auch die Regulierung bestimmter, vom Körper produzierter Substanzen, wie z. B. der Neurotransmitter Noradrenalin oder Serotonin, nicht richtig. (Neurotransmitter sind Substanzen, die für die Kommunikation der Nervenzellen gebraucht werden.)

Bipolare Störungen beginnen manchmal nach einem stressvollen Ereignis oder eine neue Phase wird durch solch ein Ereignis ausgelöst. Jedoch wurde keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachgewiesen.

Die Symptome der bipolaren Störung – Depression und Manie – können bei bestimmten Störungen vorkommen, beispielsweise bei einem hohen Schilddrüsenhormonspiegel (Schilddrüsenüberfunktion). Die Phasen können auch durch Drogen wie Kokain und Amphetamine ausgelöst werden.

Tabelle
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Einige Ursachen von Manie

Erkrankung

Beispiele

Erkrankungen von Gehirn und Nervensystem

Krampfanfälle im Temporallappen (komplexe partielle Anfälle)

Bindegewebserkrankungen

Infektionen

Enzephalitis aufgrund bestimmter Virusinfektionen

Syphilis (im Spätstadium)

Hormonelle Störungen

Hoher Schilddrüsenhormonspiegel (Schilddrüsenüberfunktion)

Medikamente

Bestimmte Antidepressiva (einschließlich trizyklische Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer)

Bromocriptin

Kortikosteroide

Levodopa

Symptome

Bei bipolaren Störungen wechseln sich symptomatische Phasen mit praktisch symptomfreien Phasen (Remissionen) ab. Die Phasen dauern von wenigen Wochen bis zu 3 bis 6 Monaten. Die Zyklen – d. h. die Zeit vom Beginn einer Phase bis zum Beginn der nächsten Phase – variieren in der Länge. Manche Menschen haben seltener Phasen, vielleicht nur einige wenige während ihres Lebens, wohingegen andere vier oder mehr Phasen pro Jahr erleben („Rapid Cycling“ genannt). Trotz dieser großen Abweichungen ist die Zyklusdauer bei den Einzelnen relativ konstant.

Die Phasen setzen sich zusammen aus Depression, Manie oder der weniger schweren Hypomanie. Nur sehr wenige Menschen schwanken bei jedem Zyklus zwischen Manie und Depression hin und her. Bei den meisten überwiegt eine von beiden in gewisser Weise.

Menschen mit bipolarer Störung können Selbstmord begehen oder es versuchen. Auf das gesamte Leben bezogen haben sie eine mindestens 15 Mal höhere Wahrscheinlichkeit, einen Selbstmord zu begehen, als die Allgemeinbevölkerung.

Depression

Eine Depression bei der bipolaren Störung ähnelt der Depression, die allein auftritt. Die Betroffenen fühlen sich tief traurig und verlieren Interesse an ihren Aktivitäten. Ihr Denken und ihre Bewegungen sind verlangsamt und manche schlafen mehr als gewöhnlich. Der Appetit kann gesteigert oder vermindert sein, und die Betroffenen nehmen möglicherweise an Gewicht zu oder ab. Manche sind überwältigt von Gefühlen wie Hoffnungslosigkeit und Schuld. Möglicherweise können sie sich nicht konzentrieren oder Entscheidungen treffen.

Psychotische Symptome (beispielsweise Halluzinationen und Wahnvorstellungen) sind bei Depressionen im Rahmen bipolarer Störungen häufiger als bei Depressionen allein.

Manie

Die Phasen der Manie enden abrupter als die Phasen der Depression und sind typischerweise kürzer, meist eine Woche oder länger.

Die Betroffenen sind ausgelassen, energiegeladen und freudig erregt oder reizbar. Manche sind übermäßig selbstbewusst, verhalten oder kleiden sich extravagant, schlafen wenig und reden mehr als gewöhnlich. Ihre Gedanken rasen. Sie lassen sich leicht ablenken und wechseln fortwährend von einem Thema oder Unternehmen zum anderen. Sie verfolgen eine Aktivität (z. B. riskante geschäftliche Unternehmungen, Glücksspiel oder gefährliches Sexualverhalten) nach der anderen, ohne an die Folgen zu denken (z. B. Geldverlust oder Verletzung). Die Betroffenen denken jedoch oft, dass sie sich bester psychischer Gesundheit erfreuen.

Sie selbst haben keinen Einblick in ihre Verfassung. Dieser fehlende Einblick plus das große Aktivitätspotenzial kann sie ungeduldig, aufdringlich, zudringlich und leicht erregbar machen, wenn man ihnen widerspricht. Folglich können sie Probleme mit sozialen Beziehungen und das Gefühl haben, ungerecht behandelt oder verfolgt zu werden.

Manche Betroffene haben Halluzinationen und hören und sehen Dinge, die nicht da sind.

Eine manische Psychose ist eine extreme Form der Manie. Die Betroffenen haben Symptome einer Psychose, die einer Schizophrenie ähneln. Sie können unter Größenwahn leiden und beispielsweise glauben, dass sie Jesus sind. Andere fühlen sich verfolgt, beispielsweise durch das FBI. Die Aktivität steigt markant an. Die Betroffenen rennen möglicherweise herum, schreien, fluchen oder singen. Die körperliche und geistige Aktivität kann so fieberhaft sein, dass zusammenhängendes Denken und Verhalten komplett verloren gehen können (deliriöse Manie), was zu extremer Erschöpfung führt. Auf diese Weise Betroffene benötigen sofortige Behandlung.

Hypomanie

Eine Hypomanie ist nicht so schwerwiegend wie eine Manie. Die Betroffenen fühlen sich heiter, brauchen wenig Schlaf und sind geistig und körperlich aktiv.

Für manche Menschen stellt die Hypomanie eine sehr produktive Phase dar. Sie haben eine Menge Energie, fühlen sich kreativ und selbstbewusst und funktionieren oft gut in gesellschaftlichen Situationen. Sie möchten möglicherweise in diesem angenehmen Zustand verharren. Andere Personen mit Hypomanie sind hingegen leicht abgelenkt und erregbar, was gelegentlich zu Wutausbrüchen führt. Sie gehen oft Verpflichtungen ein, die sie nicht einhalten können, oder beginnen Projekte, die sie nicht zu Ende bringen. Ihre Stimmung ändert sich sehr schnell. Sie können solche Auswirkungen möglicherweise erkennen und fühlen sich durch diese, genau wie die Menschen in ihrer Umgebung, belästigt.

Gemischte Phasen

Wenn Depression und Manie oder Hypomanie in einer Phase vorkommen, können die Betroffenen inmitten eines Hochgefühls weinerlich werden, oder ihre Gedanken beginnen inmitten einer Depression zu rasen. Oft gehen die Betroffenen am Abend mit einer Depression ins Bett und fühlen sich beim Erwachen freudig erregt und energiegeladen.

Das Selbstmordrisiko ist bei gemischten Phasen besonders hoch.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Gelegentlich Blut- und Urintests, um andere Erkrankungen auszuschließen

Die Diagnose einer bipolaren Störung basiert auf der jeweiligen Liste von Symptomen (Kriterien). Menschen mit Manie sind jedoch möglicherweise nicht in der Lage, ihre Symptome zu beschreiben, da sie glauben, mit ihnen sei alles in Ordnung. Deshalb müssen die Ärzte oft weitere Familienmitglieder befragen. Die Betroffenen und ihre Familienmitglieder können einen kurzen Fragebogen anwenden, der ihnen hilft, das Risiko einer bipolaren Störung zu beurteilen (siehe Fragebogen zur affektiven Störung).

Die Patienten werden auch gefragt, ob sie in irgendeiner Weise an Selbstmord denken.

Die Ärzte prüfen die eingenommenen Medikamente, um zu sehen, ob eines davon zu den Symptomen beitragen könnte. Es wird auch nach Anzeichen für weitere Störungen gesucht, die möglicherweise zu den Symptomen beitragen. Beispielsweise können Blutuntersuchungen bei vermuteter Schilddrüsenüberfunktion und Blut- und Urintests zur Untersuchung hinsichtlich eines Medikamenten- bzw. Drogenmissbrauchs durchgeführt werden.

Die Ärzte stellen fest, ob die Betroffenen gerade in einer Phase der Manie oder der Depression sind, sodass die richtige Behandlung erfolgen kann.

Behandlung

  • Medikamente

  • Psychotherapie

  • Aufklärung und Unterstützung

Schwere Manie oder Depression erfordert oft eine stationäre Behandlung. Selbst, wenn die Manie weniger schwerwiegend ist, müssen die Betroffenen in eine Klinik eingewiesen werden, wenn sie selbstmordgefährdet sind, versucht haben, sich oder andere zu verletzen, wenn sie nicht für sich selbst sorgen können oder andere schwere Probleme haben (z. B. Alkohol- oder Drogenmissbrauch). Die meisten Patienten mit Hypomanie können ambulant behandelt werden. Die Behandlung von Menschen mit Rapid Cycling gestaltet sich schwieriger. Ohne Behandlung treten bipolare Störungen bei den meisten Betroffenen immer wieder auf.

Die Behandlung kann folgendes umfassen:

  • Medikamente zur Stabilisierung der Gemütsverfassung (Stimmungsstabilisatoren) wie Lithium und einige Antikonvulsiva (Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von Anfällen angewendet werden)

  • Antipsychotika

  • Bestimmte Antidepressiva

  • Psychotherapie

  • Aufklärung und Unterstützung

  • Elektrokrampftherapie, die manchmal angewendet wird, wenn Phasenprophylaktika die Depression nicht lindern

  • Phototherapie, die bei saisonaler bipolarer Störung hilfreich sein kann

Lithium

Lithium kann die Symptome von Manie und Depression lindern. Lithium kann bei vielen Betroffenen mit bipolarer Störung Stimmungsschwankungen verhindern. Da Lithium 4 bis 10 Tage braucht, um zu wirken, wird oft ein schneller wirkendes Medikament wie z. B. ein Antikonvulsivum oder ein neueres Antipsychotikum (der zweiten Generation) verabreicht, um erregte Gedanken und Aktivitäten zu beherrschen.

Lithium kann Nebenwirkungen verursachen. Es kann Benommenheit, Verwirrung, unwillkürliches Zittern (Tremor), Muskelzuckungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Durst, häufigen Harndrang und Gewichtszunahme hervorrufen. Oft verschlimmert sich Akne oder Schuppenflechte. Diese Nebenwirkungen sind jedoch normalerweise kurzzeitig und lassen oft nach, wenn vom Arzt die Dosis angepasst wird. Manchmal muss die Einnahme von Lithium aufgrund von Nebenwirkungen gestoppt werden, die anschließend verschwinden.

Die Ärzte überwachen den Lithiumspiegel im Blut mithilfe regelmäßiger Blutuntersuchungen, denn wenn die Werte zu hoch sind, ist das Auftreten von Nebenwirkungen wahrscheinlicher. Die längere Einnahme von Lithium kann zu einem niedrigen Spiegel des Schilddrüsenhormons (Hypothyreose) führen und die Nierenfunktion beeinträchtigen. Deshalb muss die Funktion der Schilddrüse und der Nieren durch regelmäßige Blutuntersuchungen beobachtet werden und es darf nur die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden.

Wenn der Lithiumspiegel im Blut sehr hoch ist, kommt es zu Lithiumtoxizität. Ein sehr hoher Lithiumspiegel im Blut kann anhaltende Kopfschmerzen, geistige Verwirrtheit, Benommenheit, Krampfanfälle und Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Eine Toxizität tritt wahrscheinlicher bei folgenden Menschen auf:

  • Ältere Menschen

  • Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion

  • Menschen, die durch Erbrechen, Durchfall oder Verwendung von Diuretika (die die Nieren zur Ausscheidung von mehr Natrium und Wasser im Urin anregen) viel Natrium verloren haben

Frauen, die schwanger werden wollen, müssen die Einnahme von Lithium unterbrechen, da Lithium bei einem sich entwickelnden Fetus in seltenen Fällen Herzfehler verursachen kann.

Antiepileptika

Die Antikonvulsiva, Valproat und Carbamazepin, sorgen für eine Stabilisierung der Stimmung. Sie können beim ersten Auftreten von Manie verwendet werden oder wenn Depression und Manie gemeinsam auftreten (Mischzustand). Im Gegensatz zu Lithium werden die Nieren bei diesen Medikamenten nicht geschädigt. Carbamazepin kann jedoch stark die Anzahl roter und weißer Blutkörperchen reduzieren. In seltenen Fällen wird durch Valproinsäure die Leber geschädigt (vor allem bei Kindern), oder es kommt zu schweren Schädigungen der Bauchspeicheldrüse. Bei aufmerksamer Beobachtung durch einen Arzt kann diesen Problemen rechtzeitig vorgebeugt werden. Valproinsäure wird Frauen mit bipolarer Störung üblicherweise nicht verschrieben, wenn sie schwanger oder im gebärfähigen Alter sind, da das Medikament das Risiko für Fehlbildungen des Hirns oder des Rückenmarks des Fötus (Neuralrohrdefekte), für Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung sowie für Autismus zu erhöhen scheint. Valproinsäure und Carbamazepin können besonders dann hilfreich sein, wenn die Patienten auf andere Behandlungen nicht angesprochen haben.

Lamotrigin wird manchmal zur Kontrolle von Stimmungsschwankungen und während depressiver Phasen verwendet. Lamotrigin kann schweren Hautausschlag hervorrufen. In seltenen Fällen entwickelt sich aus dem Hautausschlag das lebensbedrohliche Stevens-Johnson-Syndrom. Personen, die Lamotrigin nehmen, sollten auf folgende Symptome achten: Hautausschlag (vor allem im Rektal- und Genitalbereich), Fieber, geschwollene Drüsen, Blasenbildung, wunde Stellen im Mund oder an den Augen sowie Schwellungen der Lippen oder der Zunge. Diese Symptome sollten dem Arzt gemeldet werden. Um das Risiko eines Auftretens dieser Symptome zu senken, befolgen die Ärzte sorgfältig den empfohlenen Plan zur Dosiserhöhung. Die Behandlung beginnt mit einer relativ niedrigen Dosis des Medikaments, die sehr langsam (über einen Zeitraum von Wochen) gesteigert wird, bis die empfohlene Erhaltungsdosis erreicht ist. Falls die Verabreichung für 3 oder mehr Tage unterbrochen wird, muss die schrittweise Erhöhung der Dosis erneut beginnen.

Antipsychotika

Plötzliche manische Phasen werden zunehmend mit Antipsychotika der zweiten Generation behandelt, da diese eine schnelle Wirkung haben und die Wahrscheinlichkeit schwerer Nebenwirkungen niedriger ist als bei anderen Medikamenten, die zur Behandlung von bipolaren Störungen zur Anwendung kommen. Solche Medikamente sind beispielsweise Aripiprazol, Lurasidon, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon und Ziprasidon.

Bei der bipolaren Depression sind möglicherweise bestimmte Antipsychotika die beste Wahl. Einige davon werden zusammen mit einem Antidepressivum verabreicht.

Langfristige Nebenwirkungen können Gewichtszunahme und das metabolische Syndrom sein. Das metabolische Syndrom zeigt sich in überschüssigem Bauchfett mit reduzierter Wirkung von Insulin ( Insulinresistenz), einem hohen Blutzuckerspiegel, einem anormalen Cholesterinspiegel und Bluthochdruck. Das Risiko dieser Symptome ist geringer bei Aripiprazol und Ziprasidon.

Antidepressiva

Bestimmte Antidepressiva werden gelegentlich angewendet, um eine schwere Depression bei Personen mit bipolarer Störung zu behandeln, ihre Anwendung ist jedoch umstritten. Deshalb werden diese Medikamente nur kurzzeitig verabreicht und normalerweise mit einem stimmungsstabilisierenden Medikament oder einem Antipsychotikum kombiniert.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie wird oft bei Menschen empfohlen, die stimmungsstabilisierende Medikamente einnehmen. In den meisten Fällen geschieht dies, damit diese ihre medikamentöse Behandlung wie angeordnet durchführen können.

Eine Gruppentherapie hilft oft Betroffenen und deren Partnern oder Angehörigen, die bipolare Störung und deren Auswirkungen zu verstehen.

Eine individuelle Psychotherapie kann den Betroffenen helfen, besser mit ihren Alltagsproblemen umzugehen.

Aufklärung und Unterstützung

Informationen über die Wirkung der verabreichten Medikamente zur Behandlung der Störung können den Betroffenen helfen, diese nach Anweisung einzunehmen. Manche Patienten sträuben sich gegen die Einnahme dieser Medikamente, weil sie glauben, dadurch weniger wachsam oder kreativ zu sein. Eine geringere Kreativität ist jedoch relativ ungewöhnlich, da Phasenprophylaktika Patienten normalerweise befähigen, bei der Arbeit, in der Schule wie auch in Beziehungen und im künstlerischen Schaffen besser zu funktionieren.

Die Betroffenen sollten lernen, wie man Symptome gleich am Anfang erkennt und wodurch man diese verhindern kann. Beispielsweise kann das Vermeiden von Aufputschmitteln (wie Koffein und Nikotin) und Alkohol helfen, ebenso ausreichender Schlaf.

Ärzte und Therapeuten können mit den Patienten über die Folgen ihrer Handlungen reden. Wenn die Betroffenen beispielsweise zu sexuellen Exzessen neigen, werden sie darüber informiert, wie sich ihre Handlungen auf ihre Ehe auswirken können und welche gesundheitlichen Risiken ihre sexuelle Freizügigkeit birgt, insbesondere AIDS. Wenn die Betroffenen finanziell zur Verschwendung neigen, kann ihnen empfohlen werden, ein vertrauenswürdiges Familienmitglied mit der Verwaltung ihres Geldes zu beauftragen.

Für Familienmitglieder ist es wichtig, dass sie verstehen, worum es sich bei einer bipolaren Störung handelt, dass sie an der Behandlung beteiligt werden und den Betroffenen unterstützen.

Selbsthilfegruppen (zum Beispiel die Depression and Bipolar Support Alliance – siehe DBSA) helfen durch die Bereitstellung eines Forums, in dem gemeinsame Erfahrungen und Gefühle ausgetauscht werden können.

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