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Niereninfektion

(Pyelonephritis)

Von

Talha H. Imam

, MD, University of Riverside School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2020| Inhalt zuletzt geändert Feb 2020
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Kurzinformationen

Bei einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) sind eine oder beide Nieren mit Bakterien infiziert.

  • Die Infektion kann sich über die Harnwege zu den Nieren ausdehnen oder die Bakterien können in seltenen Fällen über den Blutstrom zu den Nieren gelangen.

  • Beschwerden wie Schüttelfrost, Fieber, Rückenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen können auftreten.

  • Wenn eine Pyelonephritis vermutet wird, werden Urinproben und manchmal Blutproben entnommen und bildgebende Verfahren durchgeführt.

  • Die Infektion wird mit Antibiotika bekämpft.

Ursachen

Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritis) sind bei Frauen häufiger als bei Männern. Die Escherichia coli, eine Bakterienart, die normalerweise im Dickdarm lebt, ist für rund 90 Prozent der Nierenbeckenentzündungen verantwortlich, ausgenommen stationäre Patienten in Kliniken oder Patienten in Pflegeheimen. Die Infektion steigt meistens aus dem Genitalbereich über die Harnröhre zur Blase und weiter durch die Harnleiter zu den Nieren auf. In gesunden Harnwegen verhindert der Harnfluss, dass die Infektion in die Nieren aufsteigt, weil er die Erreger ausspült; außerdem versperren die Harnleiter an ihrer Mündung in die Blase dem Urin den Weg nach oben. Physische Blockierungen (Obstruktionen), z. B. strukturelle Anomalien, Nierensteine, eine vergrößerte Prostata oder wenn Urin aus der Blase in die Harnleiter zurückfließt (Reflux), erhöhen jedoch das Risiko für eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Auch während der Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko zu erkranken. In der Schwangerschaft drückt die vergrößerte Gebärmutter auf die Harnleiter, was zu einer gewissen Harnstauung führen kann. Auch das Risiko, dass der Urin aus der Blase in die Harnleiter zurückfließt, ist erhöht, weil sich die Harnleiter erweitern und die Muskelkontraktionen abnehmen, die den Urin durch die Harnleiter in die Blase transportieren. Manchmal kann ein Verweilkatheter eine Pyelonephritis auslösen, indem Bakterien in die Blase gelangen oder sich dort einnisten.

Bei etwa 5 Prozent der Fälle können Infektionen anderer Körperbereiche über den Blutstrom in die Nieren gelangen. Eine Hautinfektion mit Staphylokokken kann sich beispielsweise über den Blutstrom in die Nieren ausbreiten.

Das Erkrankungsrisiko und das Ausmaß der Pyelonephritis ist bei Menschen mit Diabetes oder mit geschwächtem Immunsystem erhöht (wodurch die Fähigkeit des Körpers, gegen die Infektion anzukämpfen, verringert wird). Die Pyelonephritis wird gewöhnlich durch Bakterien verursacht und ist nur sehr selten die Folge einer Tuberkulose-Infektion (eine seltene bakterielle Ursache der Pyelonephritis), Pilzinfektion oder viralen Infektion.

Einige Menschen entwickeln eine lange andauernde Infektion (chronische Pyelonephritis). Nahezu alle treten überwiegend bei Patienten mit erheblichen Anomalien auf, wie einer Harnwegsobstruktion, großen, hartnäckigen Nierensteinen oder der bei kleinen Kindern häufig auftretende Rückfluss von Urin aus der Blase in die Harnleiter. Bei Patienten mit chronischer Pyelonephritis können Bakterien in den Blutstrom gelangen, wodurch eine Entzündung der gegenüberliegenden Niere oder eines anderen Organs entstehen kann. Ebenfalls selten kann eine chronische Pyelonephritis die Nieren so schädigen, dass sie nicht mehr richtig funktionieren.

Symptome

Die Symptome der Pyelonephritis, wie Schüttelfrost, Fieber, Schmerzen auf einer oder der anderen Seite des unteren Rückens, Übelkeit und Erbrechen setzen oft plötzlich ein.

Etwa ein Drittel der Menschen mit Pyelonephritis hat die gleichen Symptome wie sie bei einer Zystitis (Blaseninfektion) auftreten, darunter auch häufiges, schmerzhaftes Wasserlassen. Eine oder beide Nieren können vergrößert sein und den unteren Rückenbereich auf der betroffenen Seite druckempfindlich machen. Manchmal sind die Bauchmuskeln stark zusammengezogen. Die Krämpfe können auf infektionsbedingten Reizungen oder einem abgehenden Nierenstein beruhen. Wenn die Harnleiter sich verkrampfen, können starke Schmerzattacken auftreten (Nierenkolik). Bei Kindern sind die Symptome einer Niereninfektion oft leicht und deshalb schwieriger zu erkennen. Bei älteren Menschen verursacht die Pyelonephritis möglicherweise keine Symptome, die auf ein Problem der Harnwege deuten. Stattdessen tritt bei älteren Menschen möglicherweise eine Abnahme der geistigen Funktion (Delirium oder Verwirrtheit), Fieber oder eine Infektion des Blutkreislaufs (Sepsis) auf.

Bei einer chronischen Pyelonephritis kann der Schmerz diffus sein, Fieber kann auftreten und verschwinden oder gänzlich fehlen.

Diagnose

  • Urinuntersuchung

  • Urinkultur

  • Manchmal bildgebende Diagnostikverfahren

Die typischen Symptome einer Pyelonephritis veranlassen Ärzte zwei gängige Labortests durchzuführen, um festzustellen, ob die Nieren entzündet sind: (1) die Untersuchung einer Urinprobe unter dem Mikroskop, um die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen und der Bakterien zu bestimmen, und (2) das Anlegen einer Urinkultur, um die Anzahl und Art der Bakterien zu ermitteln. Dafür werden Bakterien einer Urinprobe im Labor gezüchtet (siehe auch Urinuntersuchung und Urinkultur). Zudem wird mittels Bluttests nach einer erhöhten Konzentration von weißen Blutkörperchen (die auf Infektionen hindeuten können), nach Bakterien im Blut oder einer Nierenschädigung gesucht.

Zusätzlich werden bildgebende Verfahren durchgeführt, wenn Nierenkoliken starke Rückenschmerzen verursachen, wenn der Patient auf Antibiotika nicht innerhalb von 72 Stunden anspricht und wenn die Symptome kurz nach dem Absetzen der Antibiotika wieder auftreten, bei chronischen oder häufig wiederkehrenden Nierenbeckenentzündungen, bei Nachweis einer Nierenschädigung durch die Bluttests und bei Männern, da sie nur selten eine Pyelonephritis bekommen. Mittels Ultraschalluntersuchungen oder Spiralcomputertomographien können Nierensteine, strukturelle Anomalien oder andere Ursachen für Obstruktionen der Harnwege festgestellt werden.

Prognose

Die meisten Menschen erholen sich vollständig. Ein verzögerter Genesungsprozess und ein erhöhtes Komplikationsrisiko sind wahrscheinlicher bei stationären Patienten, wenn der Organismus resistent gegen die gängigen Antibiotika ist oder eine Immunschwäche vorliegt (wie bei bestimmten Krebsarten, Diabetes mellitus oder AIDS) oder bei Patienten mit Nierensteinen.

Vorbeugung und Behandlung

  • Antibiotika

  • Gelegentlich chirurgischer Eingriff (um Auffälligkeiten der Harnwege zu korrigieren)

Antibiotika werden eingesetzt, sobald eine Nierenbeckeninfektion vermutet wird und Proben des Betroffenen für Labortests vorliegen. Die Wahl des Medikaments und dessen Dosierung können geändert werden, wenn die Testergebnisse (einschließlich Ergebnisse der Bakterienkultur) dies nahelegen, je nachdem, wie stark der Betroffene erkrankt ist und wenn die Infektion im Krankenhaus begann, wo Bakterien in der Regel resistenter gegen Antibiotika sind. Andere Faktoren, die die Wahl oder Dosis des Medikaments beeinflussen können, sind ein möglicherweise geschwächtes Immunsystem und eine Auffälligkeit der Harnwege (z. B. eine Verengung).

Eine ambulante orale Antibiotikabehandlung verspricht gewöhnlich Erfolg, wenn:

  • Keine Übelkeit oder Erbrechen auftritt

  • Keine Anzeichen einer Dehydratation vorliegen

  • Keine anderen Krankheiten bestehen, die das Immunsystem schwächen, wie bestimmte Krebsarten, Diabetes mellitus oder AIDS

  • Keine Anzeichen einer sehr schweren Infektion vorliegen, wie niedriger Blutdruck oder Verwirrtheit

  • Schmerzen auftreten, die mit Schmerztabletten kontrolliert werden

Andernfalls wird der Patient zunächst stationär behandelt. Wenn ein stationärer Aufenthalt und eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich sind, werden die Antibiotika 1 oder 2 Tage intravenös verabreicht und anschließend in Tablettenform.

Zur Behandlung der Pyelonephritis erfolgt eine 5- bis 14-tägige Antibiotikatherapie, damit die Infektion nicht erneut auftritt. Die Antibiotikabehandlung kann jedoch bei Männern, deren Infektion durch eine schwerer therapierbare Prostatitis verursacht wurde, bis zu sechs Wochen andauern. Eine letzte Harnprobe wird meist kurz nach dem Absetzen der Antibiotika untersucht, um sich zu vergewissern, dass die Erreger eliminiert wurden.

Ein chirurgischer Eingriff ist nur selten notwendig, wenn gezeigt wird, dass die Harnwege chronisch verengt sind, z. B. durch eine Strukturabweichung oder einen besonders großen Stein. Bei Menschen mit chronischer Pyelonephritis, die im Begriff sind, sich einer Nierentransplantation zu unterziehen, ist womöglich eine Entfernung der betroffenen Niere erforderlich. Das Risiko der Ausbreitung einer Infektion ist bei transplantierter Niere besonders hoch, da die betroffene Person Immunsuppressiva erhält, um einer Abstoßung des transplantierten Organs vorzubeugen; hierbei werden jedoch auch die körpereigenen Abwehrkräfte geschwächt.

Menschen, die häufig Nierenbeckenentzündungen haben und deren Infektionen nach dem Absetzen der Antibiotika wieder auftreten, können langfristig kleine Dosen Antibiotika einnehmen. Wie lange eine solche Therapie im Idealfall dauert, ist nicht bekannt. Tritt die Infektion erneut auf, kann die Prophylaxe auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Einnahme von Antibiotika darauf achten, nicht schwanger zu werden, oder den Arzt konsultieren, um abzuklären, ob ein während der Schwangerschaft sicheres Antibiotikum eingesetzt werden sollte.

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