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Lungenkrebs

(Lung Carcinoma)

Von

Robert L. Keith

, MD, Division of Pulmonary Sciences and Critial Care Medicine, Department of Medicine, Eastern Colorado VA Healthcare System, University of Colorado

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Lungenkrebs ist von allen Krebsarten bei Männern und Frauen die häufigste Todesursache. Etwa 85 Prozent der Fälle hängen mit Zigarettenrauchen zusammen.

  • Ein häufiges Symptom ist dauernder Husten oder eine Veränderung bei einem chronischen Husten.

  • Die meisten Lungenkrebsarten lassen sich auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs erkennen. Zur Bestätigung der Diagnose sind jedoch auch weitere bildgebende Untersuchungen und Biopsien erforderlich.

  • Operationen, Chemotherapie, gezielte Wirkstoffe, Immuntherapie und Strahlentherapie können zur Behandlung von Lungenkrebs eingesetzt werden.

Im Jahr 2020 werden in den USA schätzungsweise 228.820 neue Fälle von Lungenkrebs diagnostiziert (112.520 bei Frauen und 116.300 bei Männern), und 135.720 Menschen werden an der Krankheit sterben. Die Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen) von Lungenkrebs ist in den letzten 2 Jahrzehnten bei Männern zurückgegangen und beginnt bei den Frauen zurückzugehen. Diese Tendenzen spiegeln die sinkende Zahl von Raucherinnen und Rauchern über die vergangenen 30 Jahre wider.

Primärer Lungenkrebs ist ein Krebs, der von den Zellen der Lunge ausgeht. Ein primärer Lungenkrebs kann in den Atemwegen, die von der Luftröhre zur Lunge hin abzweigen (Bronchien) oder in den Lungenbläschen (Alveolen) entstehen.

Metastasierender Lungenkrebs ist ein Krebs, der sich von anderen Körperorganen auf die Lunge ausbreitet, und zwar meistens von den Brüsten, dem Grimmdarm, der Prostata, den Nieren, der Schilddrüse, dem Magen, dem Gebärmutterhals, dem Mastdarm, den Hoden, den Knochen oder der Haut.

Es gibt zwei Hauptarten von primärem Lungenkrebs:

  • Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Rund 85 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen fallen in diese Kategorie. Dieser Krebstyp entsteht langsamer als das kleinzellige Lungenkarzinom. Dennoch hat sich bei rund 40 Prozent der Betroffenen der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits auf andere Körperteile außerhalb des Brustraums ausgebreitet. Die häufigsten Subtypen des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms sind das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom.

  • Kleinzelliges Lungenkarzinom: Dieser Krebstyp wird manchmal auch Haferzellkarzinom genannt und macht ca. 15 Prozent aller Fälle von Lungenkrebs aus. Er ist enorm aggressiv und breitet sich rasch aus. Zum Zeitpunkt der Diagnose hat sich der Krebs bei den meisten Betroffenen bereits auf andere Körperteile ausgebreitet.

Seltenere Arten von Lungenkrebs:

Ursachen

Zigarettenrauch ist die Hauptursache für Lungenkrebs und trägt zu rund 85 Prozent aller Krebsfälle bei. Das Risiko hängt sowohl von der Anzahl der gerauchten Zigaretten als auch der Jahre ab, in denen geraucht wurde. Doch es gibt auch starke Raucher, die nicht an Lungenkrebs erkranken. Bei Menschen, die das Rauchen aufgeben, sinkt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, aber ehemalige Raucher werden immer noch ein höheres Lungenkrebsrisiko haben als Menschen, die nie geraucht haben.

Rund 15 – 20 Prozent der Patienten, die an Lungenkrebs erkrankt sind, haben nie oder nur sehr wenig geraucht. Bei ihnen ist der Grund für die Erkrankung mit Lungenkrebs nicht bekannt, es werden aber gewisse Genmutationen dahinter vermutet.

Andere mögliche Risikofaktoren sind Luftverschmutzung, Belastung durch Zigarrenrauch oder Marihuanarauch und Passivrauchen sowie Belastung durch Kontakt mit oder Inhalation von krebserregenden Substanzen am Arbeitsplatz wie Asbest, Strahlung, Radon, Arsen, Chromate, Nickel, Chlordimethylether, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Senfgas oder Kokereigasen, aber auch die ausschließliche Verwendung von offenem Feuer zum Kochen und Heizen. Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist größer bei Personen, die den genannten Belastungen ausgesetzt sind und zusätzlich Zigaretten rauchen.

Das Risiko von Lungenkrebs im Zusammenhang mit Nikotin aus elektronischen Abgabesystemen wie E-Zigaretten ist noch nicht geklärt, aber Ärzte sind der Meinung, dass die durch Verbrennen von Tabak entstandenen Substanzen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu Krebs führen als das Nikotin selbst.

Ob und wie sehr der Kontakt mit Radon im Haushalt das Risiko von Lungenkrebs erhöht, ist umstritten. Viele Berichte legen jedoch nahe, dass der Kontakt mit Radon einen Risikofaktor für Lungenkrebs darstellt.

In seltenen Fällen kommt Lungenkrebs bei Menschen vor, in deren Lunge sich durch andere Erkrankungen wie Tuberkulose Narben gebildet haben. Dann treten vor allem das bronchioloalveoläre Karzinom (eine Art Adenokarzinom, das auch Adenokarzinom in situ genannt wird) auf. Auch Raucher, die Betacarotin-Präparate zu sich nehmen, weisen möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs auf.

Wussten Sie ...

  • Obwohl Rauchen für die meisten Fälle verantwortlich ist, können auch Menschen, die nie geraucht haben, an Lungenkrebs erkranken.

Symptome

Die Symptome von Lungenkrebs hängen von der Art und der Lage ab sowie davon, wie er sich innerhalb der Lunge, in Bereiche nahe der Lunge oder in andere Bereiche des Körpers ausgebreitet hat. Manche Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose keine Symptome.

Eines der häufigeren Symptome ist hartnäckiger Husten oder bei Menschen mit chronischem Husten eine Veränderung der Eigenschaft dieses Hustens. Einige Patienten husten Blut hoch oder haben blutdurchzogenen Auswurf (Hämoptyse). Wenn ein Lungentumor in benachbarte Blutgefäße einwächst, kann es zu schweren Blutungen kommen, was aber selten vorkommt.

Weitere unspezifische Symptome eines Lungentumors sind Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Brustschmerzen und Schwäche.

Komplikationen bei Lungenkrebs

Der Tumor kann die Atemwege verengen, was zu Keuchatmung führt. Verschließt ein Tumor einen Atemweg, kann der Teil der Lunge kollabieren, der durch dem Atemweg versorgt wird (Atelektase). Weitere Folgen des Verschlusses eines Atemwegs sind Kurzatmigkeit und Lungenentzündung (Pneumonie), was von Husten, Fieber und Brustschmerzen begleitet sein kann.

Wenn der Tumor die Brustwand angreift, können dauerhafte unablässige Brustschmerzen auftreten. Eine Flüssigkeit mit Krebszellen kann sich im Raum zwischen der Lunge und der Brustwand ansammeln (bösartiger Pleuraerguss). Diese Flüssigkeit kann in großer Menge zu Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust führen. Wenn sich der Krebs in der Lunge ausbreitet, nimmt der Sauerstoffgehalt im Blut ab, was zu Kurzatmigkeit und schließlich zu einer Vergrößerung der rechten Herzseite sowie möglicherweise zu einer Herzinsuffizienz führt (eine Erkrankung namens Cor pulmonale).

Lungenkrebs kann in bestimmte Nerven im Halsbereich einwachsen und dadurch ein hängendes Augenlid, verengte Pupille und geringere Schweißsekretion auf einer Gesichtsseite verursachen – zusammen werden diese Symptome als Horner-Syndrom bezeichnet. Tumore in den Lungenspitzen können die Nerven angreifen, die den Arm versorgen, was zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche in Arm oder Schulter führt. Krebs, der an diesem Ort entsteht, wird oft Pancoast-Tumor genannt. Wenn der Tumor in die Nerven in der Mitte des Brustkorbs wächst, kann der Nerv zum Kehlkopf geschädigt werden. Dadurch klingt die Stimme heiser. Auch der Nerv zum Zwerchfell kann beschädigt werden, was zu Kurzatmigkeit und niedrigen Sauerstoffwerten im Blut führt.

Lungenkrebs kann in die Speiseröhre hineinwachsen, was Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Schlucken verursacht.

Auch in den Herzmuskel oder in den mittleren Brustbereich (Mediastinum) kann der Lungenkrebs einwachsen, was zu Herzrhythmusstörungen, zur Blockierung des Blutflusses zum Herzen oder zu einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikard) führen kann.

Der Tumor kann in die den Brustkorb durchlaufende obere Hohlvene eindringen oder auf sie drücken (Vena cava superior). Dieser Zustand wird als Vena-cava-superior-Syndrom bezeichnet. Bei einer Blockierung der oberen Hohlvene staut sich Blut in den Venen der oberen Körperteile. Die Venen in der Brustwand vergrößern sich. Im Gesicht, am Hals und an der oberen Brustwand – auch an den Brüsten – treten schmerzhafte Schwellungen und Rötungen auf. Der Zustand kann auch Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel und Benommenheit verursachen. Die Symptome verstärken sich in der Regel, wenn sich der Betroffene vorbeugt oder hinlegt.

Lungenkrebs kann sich auch mit dem Blut auf andere Körperteile ausbreiten und greift dabei meistens Leber, Gehirn, Nebennieren, Rückenmark und Knochen an. Vor allem das kleinzellige Lungenkarzinom kann schon im Frühstadium Metastasen bilden. Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Knochenschmerzen können bereits auftreten, bevor sich Lungenprobleme bemerkbar machen, was die Früherkennung erschwert.

Paraneoplastische Syndrome sind Begleitsymptome einer Krebserkrankung, die aber abseits des Tumorherds auftreten, wie zum Beispiel in Nerven und Muskeln. Diese Syndrome beziehen sich nicht auf die Größe oder den Ort des Tumors und bedeuten auch nicht, dass der Krebs außerhalb des Brustraums Metastasen gebildet hat. Sie beruhen auf Substanzen, die vom Krebs freigesetzt werden (etwa Hormone, Zytokine und verschiedene andere Proteine bzw. Eiweißstoffe). Häufige paraneoplastische Auswirkungen von Lungenkrebs sind

Diagnose

  • Bildgebende Verfahren

  • Mikroskopische Untersuchung der Tumorzellen

  • Genetische Untersuchung des Tumors

  • Stadieneinteilung

Die Möglichkeit eines Lungenkarzinoms wird vor allem bei Rauchern abgeklärt, die unter hartnäckigem oder sich verschlimmerndem Husten, anderen Lungensymptomen (wie z. B. Kurzatmigkeit oder blutigem Auswurf) oder auch Gewichtsverlust leiden. Der Verdacht auf Lungenkrebs besteht auch, wenn die Patienten eine Lungenentzündung hatten, die aber nach Gabe von Antibiotika immer noch auf dem Röntgenbild zu sehen ist.

Bildgebende Verfahren

Eine Röntgenaufnahme der Brust ist für gewöhnlich der erste Test. Im Röntgenbild lassen sich die meisten Lungentumore erkennen, ausgenommen besonders kleine. Gelegentlich wird auf einem Röntgenbild des Brustkorbs, das aus einem anderen Grund gemacht wurde (z. B. vor einer Operation), ein Schatten erkannt, der das erste Anzeichen, wenn auch noch lange keinen schlüssigen Nachweis einer Krebserkrankung darstellt.

Als Nächstes kann eine Computertomographie(CT) gemacht werden. Die CT kann charakteristische Muster darstellen, die für die Diagnose hilfreich sind. Sie kann auch auf kleinere Tumore hinweisen, die auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs nicht erkennbar sind, und Aufschluss darüber geben, ob die Lymphknoten im Brustraum vergrößert sind.

Neuere Techniken, wie z. B. Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die PET-CT-Aufnahme, bei der die PET- und CT-Technologie in einer Maschine kombiniert ist, werden zunehmend verwendet, um Patienten mit Verdacht auf Krebs zu beurteilen. Häufig wird sie zur Feststellung von Erkrankungen eingesetzt, die sich außerhalb des Brustkorbs ausgebreitet haben. Auch die Magnetresonanztomographie (MRT) kann eingesetzt werden, wenn CT- oder PET/CT-Geräte den Ärzten nicht genügend Informationen liefern.

Mikroskopische Untersuchung

Mit einer mikroskopischen Untersuchung von verdächtigem Lungengewebe wird die Diagnose in der Regel bestätigt. Bisweilen liefert eine Probe von abgehustetem Sputum genügend Material für eine Untersuchung (Sputumzytologie). Wenn der Krebs einen bösartigen Pleuraerguss verursacht hat, kann es auch ausreichen, die Pleuraflüssigkeit abzusaugen und zu testen. In der Regel muss die Gewebeprobe (Biopsie) jedoch direkt aus dem Tumor entnommen werden. Eine Möglichkeit, an die Gewebeprobe zu kommen, besteht in einer Bronchoskopie. Dabei wird der Atemweg des betroffenen Patienten mit einem flexiblen Beobachtungsschlauch direkt eingesehen, und Proben des Tumors können entnommen werden. Mit Bronchoskopen, die Ultraschallgeräte enthalten, können Gewebe entdeckt und biopsiert werden, die mit einem normalen Bronchoskop nicht zu sehen sind, einschließlich Lymphknoten in der Mitte des Brustkorbs (Mediastinum). Damit kann das Krankheitsstadium bestimmt und über die Maßnahmen zur Behandlung entschieden werden.

Falls der Krebs zu weit von den großen Atemwegen entfernt ist, als dass er mit einem Bronchoskop erreicht werden könnte, wird die Probe in der Regel durch Einführen einer Nadel durch die Haut gewonnen. Dieser Eingriff ist eine sogenannte perkutane Biopsie. Manchmal kommt für die Entnahme der Gewebeprobe nur ein chirurgischer Eingriff infrage, und zwar eine Thorakotomie. Im Falle einer Mediastinoskopie werden Proben von vergrößerten Lymphknoten (per Biopsie) aus der Brustmitte entnommen und untersucht, um zu beurteilen, ob eine Entzündung oder eine Krebserkrankung für die Vergrößerung verantwortlich ist.

Genetische Untersuchung

Genetische Untersuchungen der Gewebeproben ergeben, ob der Krebs aufgrund einer Mutation entstanden ist und mit Medikamenten behandelt werden kann, die auf die Auswirkungen der Mutation abzielen.

Stadieneinteilung

Nachdem die Krebsdiagnose unter dem Mikroskop bestätigt worden ist, werden in der Regel Tests durchgeführt, um zu beurteilen, ob sich der Krebs ausgebreitet hat. Mittels PET/CT-Aufnahmen und einer CT- oder MRT-Untersuchung des Gehirns kann festgestellt werden, ob der Lungenkrebs bereits Metastasen gebildet hat, vor allem in der Leber, in den Nebennieren oder im Gehirn. Wenn kein PET/CT-Gerät zur Verfügung steht, werden CT-Aufnahmen des Brustkorbs, des Bauchraums, des Beckens und der Knochen gemacht. Die Aufnahme der Knochen kann Knochenmetastasen anzeigen.

Krebserkrankungen werden nach folgenden Kriterien eingeteilt

  • Wie groß der Tumor ist

  • Ob er sich auf nahe gelegene Lymphknoten ausgebreitet hat

  • Ob er sich auf entfernte Organe ausgebreitet hat

Die verschiedenen Kategorien dienen zur Einteilung des Krebses in sogenannte Stadien. Das jeweilige Krebsstadium legt die angemessenste Behandlungsmethode nahe und ermöglicht es den Ärzten, eine individuelle Prognose zu stellen.

Screening auf Lungenkrebs

Screening-Tests sind Tests, die bei Hochrisikopatienten ohne Symptome durchgeführt werden, um nach Hinweisen auf eine Erkrankung zu suchen, die bereits in einem frühen Stadium auftreten. Bei Lungenkrebs hängen Screening-Tests mit CT-Scans in niedriger Dosierung zusammen.

Ein Screening für alle (also danach, ob Risikofaktoren vorliegen oder nicht), hat das Risiko für den Tod durch Lungenkrebs nicht nachweislich herabgesetzt und wird daher nicht empfohlen. Die Tests können sehr teuer sein und die Untersuchten zu Unrecht beunruhigen, wenn falsch positive Ergebnisse fälschlicherweise auf eine Krebserkrankung hinweisen. Auch das Gegenteil kommt vor. Ein Screening-Test kann negativ ausfallen, wenn eigentlich eine Krebserkrankung vorliegt.

Das Screening von Personen mit hohem Risiko jedoch wird empfohlen. Man versucht, das Krebsrisiko jedes Patienten korrekt zu beurteilen, bevor Screening-Tests durchgeführt werden. Gruppen, bei denen ein solches Screening auf Lungenkrebs nützlich sein könnte, sind starke Raucher oder ehemalige langjährige Raucher im mittleren und fortgeschrittenen Alter. Aktuelle Richtlinien empfehlen ein Screening für Personen im Alter von 55–80 Jahren, die über 30 Jahre lang geraucht haben (berechnet durch Multiplikation der Raucherjahre mit der Anzahl der Packungen pro Tag), die noch rauchen oder innerhalb der letzten 15 Jahre aufgehört haben. Eine alljährliche CT-Untersuchung mit geringerer Strahlungsintensität als normal scheint genügend heilbare Krebserkrankungen aufzudecken, um Menschenleben retten zu können. Röntgenuntersuchungen des Brustkorbs und Sputumuntersuchungen im Rahmen des Screenings werden für diese Hochrisikopersonen allerdings nicht empfohlen.

Vorbeugung

Zu den vorbeugenden Maßnahmen zur Vorbeugung vor Lungenkrebs gehört, das Rauchen einzustellen und den Kontakt mit potenziell krebserregenden Stoffen zu vermeiden. Auch das Radon im Haushalt kann reduziert werden. Andere mögliche Wirkstoffe zur Prävention sollten nur im Rahmen einer klinischen Studie eingesetzt werden.

Behandlung

  • Operation

  • Strahlentherapie

  • Chemotherapie

  • Gezielte Therapien

Sowohl für kleinzellige als auch nichtkleinzellige Lungenkarzinome werden verschiedene Behandlungsmethoden eingesetzt. So können chirurgische Eingriffe, Chemo- und Strahlentherapie jeweils einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Die genaue Kombination der Behandlung hängt von folgenden Faktoren ab

  • Krebsart

  • Lage des Krebses

  • Schwere des Krebses

  • Das Ausmaß, in dem sich der Krebs ausgebreitet hat

  • Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten

So besteht die Behandlung bei einigen Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom in einem fortgeschrittenen Stadium aus Chemotherapie und Strahlentherapie vor, während oder anstelle einer operativen Entfernung des Tumors.

Chirurgischer Eingriff bei Lungenkrebs

Ein chirurgischer Eingriff ist das Mittel der Wahl bei einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom, das noch nicht über die Lunge hinaus gestreut hat (Frühstadium). Chirurgische Eingriffe werden im Allgemeinen nicht bei kleinzelligen Lungenkarzinomen im Frühstadium vorgenommen, weil dieser aggressive Krebs mit Chemo- und Strahlentherapie angegangen werden muss. Ein chirurgischer Eingriff ist nicht möglich, wenn sich der Krebs schon über die Lunge hinaus ausgebreitet hat, wenn er zu nahe an der Luftröhre sitzt oder wenn andere schwerwiegende Krankheiten vorliegen (wie z. B. eine schwere Herz- oder Lungenerkrankung).

Vor dem chirurgischen Eingriff wird eine Lungenfunktionsprüfung vorgenommen, damit beurteilt werden kann, ob die nach der Operation verbleibende Lungensubstanz noch eine hinreichende Atmung mit ausreichender Sauerstoffaufnahme gewährleisten kann. Wenn die Testergebnisse darauf hinweisen, dass die Entfernung der Krebsgeschwülste aus der Lunge zu einer unzureichenden Lungenfunktion führt, ist die Operation nicht möglich. Wie viel Lungengewebe tatsächlich entfernt werden muss, liegt im Ermessen des Chirurgen und kann von einem kleinen Teil eines Lungensegments bis hin zu einem ganzen Lungenflügel reichen.

Auch wenn nichtkleinzellige Lungenkarzinome operativ entfernt werden können, führt dies nicht in jedem Fall zu einer Heilung. Ergänzende (adjuvante) Chemotherapie nach dem chirurgischen Eingriff kann die Überlebensrate steigern und wird in fast jedem Fall außer bei sehr kleinen Tumoren durchgeführt. Manchmal wird vor der Operation eine Chemotherapie (was als neoadjuvante Therapie bezeichnet wird) durchgeführt, um den Tumor vor der Operation zu schrumpfen.

Gelegentlich werden Lungenmetastasen operiert, die sich von einem Tumor aus einem anderen Körperbereich (beispielsweise dem Dickdarm) ausgebreitet haben, nachdem der ursprüngliche Tumor entfernt worden ist. Dieses Vorgehen wird in seltenen Fällen empfohlen, wenn Tests ergeben haben, dass der Krebs außerhalb der Lunge noch keine anderen Metastasen gebildet hat.

Strahlentherapie bei Lungenkrebs

Strahlentherapie wird sowohl bei nichtkleinzelligen als auch bei kleinzelligen Lungenkarzinomen eingesetzt. Sie kann bei Patienten durchgeführt werden, die sich nicht operieren lassen wollen, die wegen eines anderen Leidens (etwa einer schweren koronaren Herzkrankheit) nicht operiert werden können oder deren Krebsgeschwulst benachbarte Gewebe wie Lymphknoten befallen hat. Obwohl Strahlentherapie eine Behandlungsmöglichkeit gegen Krebserkrankungen darstellt, kann sie den Krebs normalerweise nur etwas verkleinern oder sein Wachstum verlangsamen. Die Überlebenschancen von Betroffenen erhöhen sich, wenn die Bestrahlung mit Chemotherapie kombiniert wird.

Bei einigen Patienten mit einem kleinzelligen Lungenkarzinom, die auf die Chemotherapie gut angesprochen haben, kann eine Kopfbestrahlung nützlich sein, um zu verhindern, dass der Krebs Metastasen im Gehirn bildet. Ist dies bereits geschehen, wird die Strahlentherapie häufig eingesetzt, um Symptome wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Krampfanfälle zu lindern.

Die Strahlentherapie ist auch geeignet, um Komplikationen zu verhindern, die häufig mit Lungenkrebs einhergehen, wie etwa Bluthusten, Knochenschmerzen, das Vena-cava-superior-Syndrom und eine Rückenmarkskompression.

Chemotherapie bei Lungenkrebs

Chemotherapie wird sowohl bei nichtkleinzelligen als auch bei kleinzelligen Lungenkarzinomen eingesetzt. Bei kleinzelligen Lungenkarzinomen ist Chemotherapie die wichtigste Behandlung, manchmal in Kombination mit Strahlentherapie. Dieser Ansatz wird bevorzugt, weil kleinzellige Lungenkarzinome so aggressiv sind und sich zum Zeitpunkt der Diagnose oft schon auf andere Bereiche des Körpers ausgebreitet haben. Durch eine Chemotherapie haben Patienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien eine verlängerte Überlebenschance. Ohne Behandlung beträgt die mittlere Überlebensdauer nur etwa 6 bis 12 Wochen.

Bei nichtkleinzelligen Lungenkarzinomen ist durch eine Chemotherapie in der Regel auch eine Verlängerung der Überlebenschance mit Symptombehandlung möglich. Bei Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom, das sich auf andere Bereiche des Körpers ausgebreitet hat, erhöht sich die mittlere Überlebensdauer mit einer Behandlung auf 9 Monate. Auch gezielte Therapien können die Überlebenschancen von Krebspatienten verbessern.

Gezielte Therapien bei Lungenkrebs

Manche Patienten mit nichtkleinzelligen Lungenkarzinomen überleben wesentlich länger, wenn sie einer Chemotherapie, einer Strahlentherapie oder einer der neueren gezielten Krebstherapien unterzogen werden. Gezielte Therapien bestehen aus Medikamenten wie etwa biologischen Wirkstoffen, die spezifisch auf Lungentumore gerichtet sind. In neueren Studien sind Proteine in Krebszellen und Blutgefäßen identifiziert worden, die den Stoffwechsel der Krebszellen anregen. Diese Proteine könnten eine Rolle bei der Ausbreitung und Metastasenbildung des Krebses spielen. Es wurden Medikamente entwickelt, welche speziell die krankhafte Proteinexpression beeinflussen und dadurch die Krebszellen möglicherweise abtöten oder ihr Wachstum hemmen. Medikamente mit einem solchen Wirkmechanismus sind u. a. Bevacizumab, Gefitinib, Erlotinib, Crizotinib, Vemurafenib und Dabrafenib.

Eine neuere Arzneimittelklasse, die als Immuntherapeutika bezeichnet wird (unter anderem Nivolumab, Pembrolizumab, Durvalumab, Ipilimumab und Atezolizumab), unterstützt das körpereigene Immunsystem bei der Krebsabwehr. Diese Medikamente können anstelle der normalen Zytostatika, in Kombination mit herkömmlicher Chemotherapie oder nach dem vergeblichen Versuch einer konventionellen Behandlung eingesetzt werden.

Lasertherapie bei Lungenkrebs

Gelegentlich wird auch mittels Lasertherapie versucht, Lungentumore zu entfernen oder zu verkleinern. Ein energiereicher Strahl (Hochfrequenzablation) oder Kälte (Kryoablation) wird manchmal eingesetzt, um Tumorzellen bei Patienten mit kleineren Tumoren oder bei denjenigen, für die ein chirurgischer Eingriff nicht infrage kommt, zu zerstören.

Andere Therapien

Oft sind für Patienten mit Lungenkrebs auch andere Behandlungsformen notwendig. Viele dieser sogenannten palliativen Behandlungen zielen auf eine Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität statt auf eine Heilung der Krebserkrankung ab.

Da sich die Lungenfunktion bei vielen Lungenkrebspatienten erheblich verschlechtert – ob sie nun behandelt werden oder nicht –, kann ihre Atmung sowohl mit Sauerstofftherapie als auch mit Bronchodilatatoren (die Atemwege erweiternde Medikamente) unterstützt werden.

Auch Schmerzen müssen oft behandelt werden. Zur Schmerzlinderung werden oft Opioide eingesetzt, die jedoch Nebenwirkungen wie Verstopfung auslösen können, die ebenfalls einer Behandlung bedürfen.

Prognose

Lungenkrebs hat eine schlechte Prognose. Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom überleben ohne Behandlung im Durchschnitt 6 Monate. Auch bei einer Behandlung haben Patienten mit einem ausgedehnten kleinzelligen oder einem fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Lungenkarzinom ziemlich schlechte Aussichten: Die Fünfjahresüberlebensrate beträgt weniger als 1 Prozent. Bei einer frühen Diagnose verbessern sich die Überlebenschancen. Bei Patienten mit einem nichtkleinzelligen Lungenkarzinom im Frühstadium beträgt die Fünfjahresüberlebensrate 60–70 Prozent. Patienten, deren Lungenkrebs im Frühstadium erfolgreich behandelt wurde und die weiterhin rauchen, haben ein hohes Risiko, erneut an Lungenkrebs zu erkranken.

Überlebende müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen mit Röntgen- und CT-Aufnahmen des Brustkorbs durchführen lassen, um sicherzustellen, dass der Krebs nicht zurückgekommen ist. Ein Rückfall tritt in der Regel innerhalb der ersten zwei Jahre ein. Eine Überwachung in kurzen Abständen wird jedoch während fünf Jahren nach einer Behandlung für Lungenkrebs empfohlen, wonach die Betroffenen für den Rest ihres Lebens jährlich untersucht werden sollten.

Da viele Patienten an Lungenkrebs sterben, ist es in der Regel notwendig, eine Sterbebegleitung einzuplanen. Fortschritte in der Palliativmedizin – insbesondere die Erkenntnis, dass Patienten mit unheilbarem Lungenkrebs häufig unter Angstzuständen und Schmerzen leiden und dass diese Symptome mit angemessenen Medikamenten gelindert werden können – haben dazu geführt, dass immer mehr Patienten mit oder ohne Sterbebegleitung friedlich zu Hause sterben können.

Weitere Informationen

Im Folgenden finden Sie Informationen zu Informationsquellen in englischer Sprache, die Patienten und deren Betreuungspersonen Informationen und Unterstützung bieten. Das MANUAL ist nicht für den Inhalt dieser Quellen verantwortlich.

  • American Cancer Society: Allgemeine Informationen zu allen Formen von Krebs, einschließlich Vorbeugung, Tests, Behandlungen und Informationen für Patienten, die mit Krebs leben, und für ihre Betreuungspersonen

  • American Cancer Society: Lungenkrebs: Spezifischere Informationen von ACS zu Lungenkrebs, einschließlich Formen von Krebs, Screening und Behandlungen

  • American Lung Association: Allgemeine Informationen zu allen Lungenerkrankungen, einschließlich Lungenkrebs und Raucherentwöhnung

  • American Lung Association: Lungenkrebs: Spezifischere Informationen von der American Lung Association (ALA) zu Lungenkrebs, unter anderem, was nach einer Lungenkrebsdiagnose zu tun ist

  • CancerCare: Allgemeine Informationen zu allen Formen von Krebs, unter anderem mit Beratungshilfen und Selbsthilfegruppen

  • CancerCare: Lungenkrebs: Spezifischere Informationen von CancerCare für Menschen mit Lungenkrebs, einschließlich Dienstangebote zur Unterstützung und Links zu weiteren Hilfsmitteln

  • National Cancer Institute: Informationsseiten der US-amerikanischen Regierung zu Krebs, einschließlich aktuelle Nachrichten aus der Forschung und Informationen über klinische Studien

  • National Cancer Institute: Lungenkrebs: Spezifischere Informationen von der NCI zu Lungenkrebs, insbesondere zu Fortschritten in der Behandlung und den neuesten Ergebnissen aus der Forschung

  • National Coalition for Cancer Survivorship: Befürworter einer qualitativ hochwertigen Versorgung für alle Menschen mit Krebs

  • Consumer's Guide to Radon Reduction: Leitfaden der US Environmental Protection Agency zur Prüfung von und Reduzierung der Belastung von Radon in der häuslichen Umgebung

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
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