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Krampfanfälle bei Kindern

Von

Margaret C. McBride

, MD, Northeast Ohio Medical University;


M. Cristina Victorio

, MD, Northeast Ohio Medical University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2018| Inhalt zuletzt geändert Nov 2018
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Quellen zum Thema

Krampfanfälle sind periodische Störungen der elektrischen Aktivität des Gehirns, die in gewissem Maße zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns führen.

  • Wenn ältere Säuglinge oder junge Kinder Krampfanfälle haben, zeigen sie häufig typische Symptome, wie Beben oder Zucken eines Teils oder des ganzen Körpers, aber Neugeborene schmatzen vielleicht nur mit den Lippen, Kauen willkürlich oder verlieren in regelmäßigen Abständen ihre Spannung.

  • Eine Elektroenzephalographie und Analysen von Blut-, Urin- und manchmal Rückenmarkflüssigkeitsproben sowie Aufnahmen des Gehirns helfen Ärzten dabei, die Ursache zu identifizieren.

  • Bei einer Konvulsion sollten die Eltern oder andere Betreuer Folgendes tun, um das Kind vor Schäden zu schützen: zum Beispiel das Kind von Treppen, scharfen Gegenständen und anderen potenziellen Gefahrenzonen fernhalten.

  • Die Behandlung konzentriert sich hauptsächlich auf die Ursache, aber wenn die Krampfanfälle nach der Ursachenbehandlung weiter auftreten, erhalten die Kinder Medikamente zur Vorbeugung (Antiepileptika).

Krampfanfälle sind eine anormale, unkontrollierte elektrische Entladung der Nervenzellen im Gehirn oder in einem Teil des Gehirns. Diese anormale Entladung kann das Bewusstsein verändern oder ungewöhnliche Empfindungen, unfreiwillige Bewegungen oder Konvulsionen verursachen. Konvulsionen sind starke, unfreiwillige, rhythmische Muskelkontraktionen, die einen großen Teil des Körpers betreffen.

Epilepsie ist keine spezifische Störung, sondern bezieht sich auf eine Tendenz, unter wiederkehrenden Krampfanfällen mit oder ohne identifizierbare Ursache zu leiden.

Krampfanfälle bei Kindern sind häufig ähnlich wie Krampfanfälle bei Erwachsenen. Einige Arten von Krampfanfällen, wie Fieberkrämpfe und infantile Spasmen, treten jedoch nur bei Kindern auf.

Gewisse Störungen bei Kindern, wie Atemanhalten und Nachtangst, können einem Krampfanfall ähneln. Da jedoch keine anormale elektrische Hirnaktivität stattfindet, handelt es sich nicht um Krampfanfälle.

Status epilepticus

Mit dem akuten Krampf (Status epilepticus) ist ein langandauernder Krampfanfall gemeint. Krampfanfälle, die länger als etwa 15 bis 20 Minuten dauern, gelten als akute Krämpfe oder Status epilepticus. Bei Status epilepticus können die Krampfanfälle anhaltend sein oder das Kind kann Krampfanfälle haben, die in kurzen Intervallen wiederholt werden, ohne dass das Kind zwischen den Anfällen sein Bewusstsein wiedererlangt. Bei Kindern kann es zu Konvulsionen (Zuckungen und Spasmen der Muskeln im ganzen Körper) und zu starken Muskelkontraktionen kommen. Bei Kindern mit Status epilepticus besteht ein Risiko für Hirn- und andere Organschäden, Atemversagen und sogar Tod, wenn sie nicht sofort behandelt werden.

Ursachen

Bei Neugeborenen werden Krampfanfälle möglicherweise von Folgendem hervorgerufen:

  • Vorübergehende Stoffwechselstörungen (z. B. niedriger Blutzucker)

  • Einer schweren Störung, wie eine Fehlbildung des Gehirns, einer Verletzung des Gehirns während der Schwangerschaft, Sauerstoffmangel während der Geburt oder eine schwere Infektion

  • Erbkrankheiten, die durch Mutationen in einem Gen verursacht werden, wie z. B. eine erbliche Stoffwechselstörung

  • Einnahme bestimmter Medikamente durch die Mutter während der Schwangerschaft

Durch vererbte Stoffwechselstörungen verursachte Krampfanfälle beginnen in der Regel im Säuglings- oder Kindesalter.

Tabelle
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Einige Ursachen für Krampfanfälle bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern

Art

Erkrankung

Genetische Erkrankungen

Hohem Fieber

Blutvergiftung (Sepsis)

Perinatale Asphyxie (Erhalt von zu wenig Sauerstoff), die während der Wehen oder Entbindung auftreten kann

Erkrankungen, die das Gehirn betreffen

Blutungen (Hämorrhagie) im Gehirn

Infektionen wie Enzephalitis oder Meningitis (Hirnhautentzündung)

Gendefekte, die Nervenfunktionen im Gehirn beeinträchtigen

Tumoren (selten)

Stoffwechselstörungen

Erblichen Erkrankungen, die die Verarbeitung (Verstoffwechselung) von Aminosäuren, Fetten oder Kohlenhydraten beeinflussen

Vorübergehende Anomalien bei den Konzentrationen von Zucker (Glukose), Kalzium, Magnesium, Vitamin B6 oder Natrium im Blut

Arzneimittel

Drogen- oder Arzneimittelmissbrauch (z. B. Kokain, Heroin oder das Beruhigungsmittel Diazepam) der Mutter während der Schwangerschaft, was beim Säugling zu einem Entzug führt

Versehentliches Verschlucken eines Medikaments oder Gifts durch einen Säugling oder Kleinkind

Bei größeren Säuglingen und Kleinkindern kann die Ursache für Krampfanfälle unbekannt sein.

Fieberkrämpfe sind bei Kleinkindern relativ häufig.

Fieberkrämpfe können in Familien gehäuft auftreten.

Symptome

Bei Neugeborenen sind Krampfanfälle möglicherweise schwer erkennbar. Neugeborene können unfreiwillig schmatzen oder kauen, ihre Augen können in verschiedene Richtungen starren oder sie können in regelmäßigen Abständen erschlaffen.

Bei größeren Säuglingen und Kleinkindern kann ein Zittern, Zucken oder Zusammenziehen eines Körperteils oder des gesamten Körpers beobachtet werden. Die Gliedmaßen können sich unkontrolliert bewegen. Die Kinder blicken ggf. starr vor sich hin, sind verwirrt, haben ungewöhnliche Empfindungen (wie z. B. Gefühllosigkeit oder Kribbeln) in Teilen des Körpers oder haben ungewöhnliche Gefühle (z. B. haben grundlos große Angst).

Wussten Sie ...

  • Manchmal verursachen die Krampfanfälle keine Konvulsionen, sondern führen dazu, dass Kinder einfach vor sich hinstarren oder verwirrt wirken.

Prognose

Die Prognose hängt von der Ursache ab.

Ein Krampfanfall selbst scheint das Gehirn nicht zu schädigen oder dauerhafte Probleme zu verursachen, sofern er nicht mehr als eine Stunde lang anhält (die meisten Krampfanfälle dauern nur ein paar Minuten). Jedoch können viele Erkrankungen, die Krampfanfälle verursachen, zu dauerhaften Problemen führen, beispielsweise können einige Erkrankungen die Entwicklung des Kindes beeinflussen. Es wird diskutiert, ob gewisse Arten von wiederkehrenden Krampfanfällen das sich entwickelnde Gehirn schädigen können.

Diagnose

  • Elektroenzephalographie

  • Andere Tests, um nach den Symptomen zu suchen, abhängig von den Symptomen des Kindes und der körperlichen Untersuchung

Kinder mit Krampfanfällen werden sofort auf schwere und solche Ursachen untersucht, die behoben werden können.

Nach einem Krampfanfall erfolgt eine körperliche Untersuchung. Zudem werden die Eltern befragt, ob Familienmitglieder Krampfanfälle haben.

Eine Elektroenzephalographie (EEG – ein Test, der mithilfe von Sensoren auf der Kopfhaut Gehirnwellen misst) wird durchgeführt, um nach einer auffälligen elektrischen Aktivität im Gehirn zu suchen. Die EEG wird durchgeführt, während die Säuglinge oder Kinder wach sind und während sie schlafen.

Die Ärzte führen andere Tests durch, um anhand der Symptome des Kindes und den Testergebnissen die Ursache herauszufinden. Diese Tests können umfassen:

  • Messung des Sauerstoffspiegels im Blut mithilfe eines Sensors am Finger (Pulsoximetrie), um zu prüfen, ob ein niedriger Sauerstoffgehalt vorliegt

  • Tests zur Messung von Blutzucker (Glukose), Kalzium, Magnesium, Natrium und anderen Substanzen, um nach Stoffwechselstörungen zu suchen

  • Eine Spinalpunktion (Lumbalpunktion) für eine Probe der Flüssigkeit um das Gehirn und das Rückenmark (Zerebrospinalflüssigkeit). Diese wird auf Infektionen des Gehirns und andere Erkrankungen untersucht

  • Blut- und Urinkulturen zum Nachweis von Infektionen

  • Tests mit Bildaufnahmen des Gehirns, z. B. mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um nach Fehlbildungen des Gehirns, Blutungen, Tumoren und anderen anatomischen Schädigungen des Gehirngewebes (zum Beispiel einem Schlaganfall) zu suchen

  • Gentests zur Suche nach Gendefekten, die mit Krampfanfällen zusammenhängen könnten

Behandlung

  • Sofortige Maßnahmen zur Vermeidung von Verletzungen

  • Behandlung der Krankheitsursache

  • Antiepileptika

Die Behandlung von Krampfanfällen bei Säuglingen und Kindern konzentriert sich hauptsächlich auf die Ursache der Krampfanfälle. Manchmal erhalten die Kinder Medikamente zur Anfallkontrolle (Antiepileptika).

Sofortige Maßnahmen zur Vermeidung von Verletzungen

Bei einer Konvulsion sollten die Eltern oder andere Betreuer Folgendes tun, um das Kind vor Schäden zu schützen:

  • Das Kind in Seitenlage hinlegen.

  • Das Kind von möglichen Gefahrenquellen (z. B. Treppen oder scharfe Objekte) fernhalten.

  • Dem Kind nichts zwischen die Zähne schieben oder nicht versuchen, die Zunge des Kindes festzuhalten

Wussten Sie ...

  • Entgegen allgemeiner Ratschläge sollte man einer Person, die einen Krampfanfall hat, nichts zwischen die Zähne schieben.

Nach dem Krampfanfall ist Folgendes wichtig:

  • Beim Kind bleiben, bis es wieder bei vollem Bewusstsein ist

  • Überprüfen, ob das Kind atmet, und wenn dies nicht festgestellt werden kann, mit der Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen (wenn das Kind Konvulsionen hat, ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung unnötig und kann das Kind oder den Ersthelfer verletzen)

  • Keine Nahrungsmittel, Flüssigkeiten oder Medikamente über den Mund verabreichen, bis das Kind bei vollem Bewusstsein ist

  • Untersuchung auf Fieber und gegebenenfalls Behandlung

Das Fieber kann durch Acetaminophen als Zäpfchen im Rektum gesenkt werden, wenn das Kind bewusstlos ist oder zu jung, um Medikamente über den Mund einzunehmen. Wenn das Kind bei Bewusstsein ist, können Acetaminophen oder Ibuprofen über den Mund gegeben werden. Zudem sollte dem Kind warme Kleidung ausgezogen werden.

In den folgenden Fällen sollte ein Krankenwagen gerufen werden:

  • Der Anfall dauert länger als 5 Minuten.

  • Das Kind verletzt sich während des Krampfanfalls oder hat nach dem Anfall Schwierigkeiten beim Atmen.

  • Unmittelbar nach dem Krampfanfall tritt ein weiterer auf.

Alle Kinder sollten bei ihrem ersten Krampfanfall in die Notaufnahme eines Krankenhauses gebracht werden. Wenn bereits bekannt ist, dass ein Kind unter Anfallkrankheiten leidet, sollten die Eltern rechtzeitig mit dem Arzt besprechen, wann, wo und wie dringend eine Abklärung bei einem weiteren Krampfanfall erforderlich ist.

Ärzte geben in der Regel Medikamente, um einen Anfall zu beenden, der 5 Minuten oder länger dauert. Krampfanfälle, die 15 Minuten oder länger dauern (Status epilepticus), sind ein Notfall. Medikamente, die Krampfanfälle beenden können, sind unter anderem das Sedativum Lorazepam oder die Antiepileptika Fosphenytoin oder Levetiracetam, die über die Vene (intravenös) verabreicht werden. Wenn ein Medikament nicht intravenös verabreicht werden kann, kann Diazepam-Gel am Rektum aufgetragen werden oder flüssiges Midazolam in die Nase (intranasal) verabreicht werden. Diazepam und Midazolam sind Sedativa, die Krampfanfälle stoppen können. Kinder mit Status epilepticus werden engmaschig auf Probleme mit der Atmung und dem Blutdruck überwacht.

Wenn die Krampfanfälle bei Kindern nach der Ursachenbehandlung weiter auftreten, erhalten sie intravenös Antiepileptika. Diese Neugeborenen werden dann engmaschig überwacht, damit mögliche Nebenwirkungen, wie z. B. verlangsamte Atmung, entdeckt werden.

Wenn die Krampfanfälle durch die Antiepileptika kontrolliert wurden, können diese abgesetzt werden, bevor die Neugeborenen aus der Neugeborenenstation oder dem Krankenhaus entlassen werden. Ob die Antiepileptika abgesetzt werden, hängt von der Ursache der Krampfanfälle, deren Schwere und den Ergebnissen der EEG ab.

Langzeitbehandlung

Zur Langzeitbehandlung können gehören

  • Antiepileptika

  • Eine ketogene Ernährung

  • Operation

Wenn Kinder nur einen Krampfanfall erlitten haben, müssen sie normalerweise kein Antiepileptikum einnehmen ( Krampfanfälle bei Kindern mit Medikamenten behandeln). Antiepileptika werden eingesetzt, wenn die Krampfanfälle bestimmt oder wahrscheinlich immer wieder auftreten werden.

Wenn die Krampfanfälle mit der Standarddosis nicht ausreichend kontrolliert werden können, wird die Antiepileptikum-Dosis normalerweise erhöht. Auch wenn die Kinder wachsen und an Gewicht zunehmen, kann die Dosis angepasst werden. Zusätzlich oder als Ersatz kann auch ein weiteres Antiepileptikum zum Einsatz kommen, wenn das erste nur teilweise wirksam war oder zu störenden Nebenwirkungen geführt hat. Antiepileptika können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Daher sollten Eltern den Arzt des Kindes über alle Medikamente und Ergänzungsmittel informieren, die das Kind erhält.

Bei manchen Antiepileptika werden Bluttests durchgeführt, um den Spiegel des Medikaments zu bestimmen. So kann festgestellt werden, ob das Kind die richtige Dosis erhält. Diese Tests werden auch manchmal wiederholt, wenn die Dosis geändert oder wenn ein neues Medikament verschrieben wird.

Ob und wie lang Antiepileptika eingenommen werden müssen, hängt von der Ursache der Krampfanfälle sowie der anfallsfreien Zeit ab. Die meisten Kinder erhalten die Antiepileptika, bis sie 2 Jahre lang anfallsfrei sind. Das Risiko eines Krampfanfalls nach 2 anfallsfreien Jahren liegt bei unter 50 Prozent. Eine weitere Erkrankung, die sich auf das Gehirn und die Nerven auswirkt (wie Zerebralparese), erhöht das Risiko eines erneuten Krampfanfalls.

Wenn ein Antiepileptikum abgesetzt werden soll, wird die Dosis schrittweise über einen bestimmten Zeitraum gesenkt und nicht die ganze Dosis auf einmal.

In einigen Situationen verordnet der Arzt eine ketogene Ernährung. Ein Arzt und ein Ernährungsberater müssen die Diät überwachen. Diese strenge Diät ist sehr kohlenhydratarm und fettreich. Wenn der Körper Fette zur Energiegewinnung aufspaltet, entstehen Substanzen namens Ketone. Bei manchen Kindern können die Krampfanfälle durch Ketone kontrolliert werden. Die ketogene Diät muss sorgfältig überwacht und die Nahrungsmenge genau abgemessen werden. Selbst wenn nur ein verbotenes Lebensmittel probiert wird, kann dies einen Krampfanfall auslösen. Kinder haben möglicherweise Probleme, eine solche strenge Ernährung einzuhalten. Geht es Kindern mit einer ketogenen Diät erheblich besser, wird diese häufig mindestens 2 Jahre lang fortgesetzt. Nebenwirkungen können ein niedriger Blutzuckerspiegel, Teilnahmslosigkeit (Lethargie) und Gewichtsverlust sein. Manchmal kommt stattdessen die Atkins-Diät zur Anwendung. Sie ist eine weniger strenge Form der ketogenen Ernährung.

Wenn die Krampfanfälle andauern, obwohl das Kind mindestens zwei Antiepileptika erhält oder, wenn die Nebenwirkungen der Medikamente unerträglich sind, kann eine Epilepsiechirurgie eine Option darstellen. Der Eingriff beinhaltet die operative Entfernung eines Teils des Gehirns. Er wird normalerweise nur durchgeführt, wenn die Krampfanfälle von nur einem Bereich des Gehirns verursacht werden und wenn dessen Entfernung keine erheblichen Folgen für die Körperfunktionen des Kindes hat. Manchmal reduziert dieser Eingriff die Anzahl der Krampfanfälle beträchtlich. Es können Tests durchgeführt werden, um den Bereich des Gehirns, der die Krampfanfälle auslöst, zu bestimmen. Diese Tests umfassen das Folgende:

  • MRT zur Bestimmung der Funktionen in den Gehirnbereichen um den Bereich herum, der die Krampfanfälle hervorruft (funktionelle MRT genannt)

  • Fortlaufende Video-EEG (bei der die Gehirnwellen und ein Video des Kindes gleichzeitig aufgezeichnet werden)

Vor einer Operation werden die Risiken und Nutzen des Eingriffs von einem Neurochirurgen und Neurologen erklärt. Selbst wenn die Häufigkeit und Schwere der Krampfanfälle durch die Operation reduziert werden, müssen viele Kinder dennoch weiterhin Antiepileptika nehmen. Gewöhnlich kann jedoch die Dosis oder die Anzahl der Medikamente reduziert werden.

Durch die Stimulation des Vagusnervs (den 10. Hirnnerv) kann die Anzahl der Krampfanfälle manchmal reduziert werden. Man nimmt an, dass der Vagusnerv indirekte Verbindungen zu Gehirnbereichen hat, die bei der Auslösung von Krampfanfällen häufig eine Rolle spielen. Dieses Verfahren kann bereits bei Kindern ab 4 Jahren zum Einsatz kommen. Sie wird in Erwägung gezogen, wenn die Antiepileptika nicht wirksam sind und eine Epilepsiechirurgie nicht möglich ist.

Zur Stimulation des Vagusnervs wird ein Gerät, das einem Herzschrittmacher ähnelt, unter dem linken Schlüsselbein eingepflanzt und durch einen Draht, der unter der Haut verläuft, mit dem Vagusnerv im Hals verbunden. Äußerlich sichtbar ist eine kleine Erhebung unter der Haut. Die Operation kann ambulant erfolgen und dauert ein bis zwei Stunden. Das Gerät schaltet sich durchgehend an und aus und stimuliert dadurch regelmäßig den Vagusnerv. Der Arzt kann einfach und schmerzlos Änderungen an den Einstellungen für die Stimulierung des Nervs vornehmen, indem er einen magnetischen Stab über das Gerät hält. Wenn das Kind oder ein Familienmitglied bemerkt, dass ein Krampfanfall zu beginnen droht, kann das Gerät zudem durch einen Magneten (häufig als Armband getragen) so eingestellt werden, dass es den Nerv häufiger stimuliert.

Eine Vagusstimulation wird zusätzlich zu Antiepileptika eingesetzt. Zu den möglichen Nebenwirkungen der Stimulation gehören Heiserkeit, Husten und ein Tieferwerden der Stimme. Die Kinder werden dadurch munterer, was die Aufmerksamkeit verbessern kann, sich manchmal aber auch auf den Schlaf auswirkt.

Krampfanfälle bei Kindern mit Medikamenten behandeln

Wenn ein Kind einen Krampfanfall erlitten hat, sind seine Eltern oft besorgt, dass ihr Kind zur Kontrolle der Krampfanfälle ein Medikament benötigt (ein Antiepileptikum). Eltern machen sich Sorgen über Nebenwirkungen und wissen, dass es schwierig ist, ein Kind zur regelmäßigen Einnahme eines Medikaments zu bewegen. Indem sich Eltern über Antiepileptika informieren, können sie sich besser an Entscheidungen über die Behandlung ihres Kindes beteiligen.

Positives:

  • Die meisten Kinder, die nur einen Krampfanfall erlitten haben, müssen keine Antiepileptika einnehmen.

  • Die Ärzte können bei ihrer Suche nach einem für das Kind passenden Antiepileptikum aus mehr als 20 Medikamenten auswählen.

  • Antiepileptika können die Krampfanfälle bei 80 Prozent der Kinder stoppen oder lindern.

  • Die meisten Kinder müssen nur ein Antiepileptikum nehmen.

  • Die meisten Kinder können irgendwann mit der Einnahme von Antiepileptika aufhören.

Negatives:

  • Die meisten Antiepileptika haben Nebenwirkungen, darunter Schwindel, Übelkeit, Gangunsicherheit, Benommenheit, Doppeltsehen oder Ausschlag.

  • Einige Antiepileptika können die Aufmerksamkeitsspanne, das Gedächtnis und die schulische Leistung beeinträchtigen, während die Kinder das Medikament einnehmen.

  • Kinder, die bestimmte Antiepileptika einnehmen, müssen sich regelmäßig Blut für Tests abnehmen lassen, damit festgestellt werden kann, ob sie die richtige Dosis erhalten oder um auf Nebenwirkungen zu kontrollieren (wie z. B. ein chemisches Ungleichgewicht im Blut).

  • Bestimmte neuere Antiepileptika wurden nicht an kleinen Kindern geprüft (obwohl diese Medikamente häufig bei kleinen Kindern eingesetzt und die Ergebnisse dieser Erfahrungen publiziert werden).

Beim Abwägen der Vor- und Nachteile sollten Eltern bedenken, dass es wichtig ist, weitere Krampfanfälle zu verhindern. Denn je weniger Krampfanfälle ein Kind hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich diese bis zum Erwachsenenalter zurückbilden. Durch Vorbeugung von Krampfanfällen können auch Verletzungen und Unfälle im Zusammenhang Krampfanfällen verhindert werden.

Um eine regelmäßige Einnahme der Medikamente zu gewährleisten, können Eltern Folgendes tun:

  • Verwenden Sie einen Tablettenbehälter (mit Fächern für die einzelnen Wochentage und/oder verschiedene Tageszeiten).

  • Erneuern Sie Rezepte, bevor sie ablaufen.

  • Ermuntern Sie das Kind, die Verantwortung für die Einnahme des Medikaments selbst zu übernehmen. Sie sollten dies jedoch weiterhin überwachen, bis das Kind zuverlässig ist.

  • Besprechen Sie vorzeitig mit Ihrem Arzt, was zu tun ist, wenn das Kind eine Dosis verpasst.

Weitere Informationen

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