Überblick über Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

(Kindeswohlgefährdung)

VonAlicia R. Pekarsky, MD, State University of New York Upstate Medical University, Upstate Golisano Children's Hospital
Überprüft/überarbeitet Geändert Nov. 2025
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Kindeswohlgefährdung umfasst alle Arten von Missbrauch und Vernachlässigung eines Kindes unter 18 Jahren durch einen Elternteil, eine Betreuungsperson oder eine andere Person mit Fürsorgepflicht, die zu Schäden, einem möglichen Schaden oder einer Gefahr für das Kind führen. Kindesvernachlässigung bezeichnet das Nichterfüllen der grundlegenden körperlichen und emotionalen Bedürfnisse eines Kindes. Kindesmissbrauch dagegen sind Handlungen, die das Kind schädigen.

  • Einige Faktoren, die das Risiko einer Kindesmisshandlung oder -vernachlässigung erhöhen, sind Eltern, die jung oder allein erziehend sind, die selbst Kindermisshandlungen oder -vernachlässigung erlebt haben oder persönlichen oder familiären Stress haben (wie z. B. unsichere Ernährungssituation, finanzieller Stress, Gewalt durch den Intimpartner, soziale Isolation, psychische Gesundheitsprobleme oder eine Substanzgebrauchsstörung).

  • Kinder, die vernachlässigt oder misshandelt werden, können müde oder hungrig wirken, ungepflegt sein oder körperliche Verletzungen oder emotionale oder psychische Gesundheitsprobleme aufweisen. Sie können aber auch keine offensichtlichen Anzeichen für Misshandlung oder Vernachlässigung zeigen.

  • Von einer Misshandlung sollte ausgegangen werden, wenn Kinder immer wieder Verletzungen aufweisen, die nicht auf Unfälle schließen lassen, wenn die Verletzungen und die Erklärung der Betreuungsperson dafür nicht zusammenpassen oder wenn der Entwicklungsstand der Kinder nicht zu den Verletzungen passt (z. B. kann ein Säugling nicht den Herd einschalten).

  • Kinder sollten vor weiterem Schaden beschützt werden. Dies kann durch eine Beratung für Betreuungspersonen und Kinder, Unterstützung der Familie bei einer sicheren und passenden Versorgung und/oder durch eine Einweisung ins Krankenhaus geschehen. Die Beteiligung des Jugendamts ist angezeigt; auch Strafverfolgungsbehörden können hinzugezogen werden.

Kindeswohlgefährdung umfasst alle Arten von Missbrauch und Vernachlässigung eines Kindes unter 18 Jahren durch eine Person mit Fürsorgepflicht, die zu Schäden, einem möglichen Schaden oder der Androhung eines Schadens für das Kind führen.

Bei der Vernachlässigung werden die physischen, medizinischen, erzieherischen und emotionalen Grundbedürfnisse eines Kindes nicht erfüllt.

Misshandlungen können körperlicher, sexueller und psychischer Natur sein.

Kindesmisshandlung und -vernachlässigung sind häufig nicht voneinander zu trennen und treten gleichzeitig mit anderen Formen der Gewalt in der Familie auf, z. B. Gewalt gegenüber dem Partner.

Kinder können vernachlässigt oder missbraucht werden von Eltern und anderen Betreuungspersonen oder Verwandten, Mitbewohnern oder Personen, die gelegentlich die Fürsorge übernehmen (z. B. Lehrer, Trainer und Geistliche).

Kindeswohlgefährdung betrifft jährlich Millionen von Kindern in den Vereinigten Staaten und Hunderte Millionen weltweit. Die Raten von sexuellem Missbrauch bei Kindern sind bei Mädchen höher als bei Jungen. In Bezug auf körperliche Misshandlung verhält es sich genau umgekehrt. Viele Kinder werden im Alter von 2 Jahren oder jünger Opfer, wenn sie körperlich sehr schutzbedürftig und nicht in der Lage sind, sich verbal zu verteidigen oder um Hilfe zu bitten.

Misshandlung oder Vernachlässigung kann zu Verletzungen, Erkrankungen, Unterernährung, Entwicklungsverzögerungen, psychischen Problemen und sogar zum Tod führen. Neben den unmittelbaren Schäden erhöhen Vernachlässigung und Misshandlung auch das Risiko langfristiger Probleme wie psychischen Erkrankungen und Substanzgebrauchsstörungen. Kindesmisshandlung wird auch mit einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Probleme im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht, wie Adipositas, Herzerkrankungen und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

In den Vereinigten Staaten werden die meisten Berichte über Kindeswohlgefährdung von Fachleuten erstellt, die gesetzlich dazu verpflichtet sind, wie Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer und Sozialarbeiter.

Risikofaktoren für Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

Die Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern sind die Folge einer komplexen Mischung aus persönlichen, familiären, gesellschaftlichen und sozialen Faktoren. Eltern mit finanziellen Problemen oder instabilen Versorgungsverhältnissen, einer Substanzgebrauchsstörung, psychischen Problemen (wie einer Persönlichkeitsstörung oder geringem Selbstwertgefühl) oder einer Kombination dieser Faktoren, neigen eher dazu, ein Kind zu vernachlässigen oder zu misshandeln. Je mehr Risikofaktoren bei einem Elternteil vorliegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Kindeswohlgefährdung kommt.

Erwachsene, die als Kind emotional oder körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht wurden, neigen außerdem eher dazu, ihre eigenen Kinder zu misshandeln. Eltern, die zum ersten Mal ein Kind haben, Eltern im Jugendalter und Eltern, die mehrere Kinder unter 5 Jahren haben, tragen ebenfalls ein höheres Risiko, ihre Kinder zu misshandeln.

Manchmal entsteht zwischen den Eltern und Kindern keine starke emotionale Bindung. Diese fehlende Bindung besteht bei Frühgeburten oder kranken Säuglingen, die früh von ihren Eltern getrennt wurden, oder auch bei biologisch nicht verwandten Kindern (zum Beispiel bei Stiefkindern) häufiger und erhöht das Risiko einer Misshandlung.

Formen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

Es gibt verschiedene Formen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Sie treten manchmal gleichzeitig auf. Die vier Haupttypen sind

Die Betroffenen können zudem absichtlich Krankheitssymptome eines Kindes verursachen, Lügen erzählen oder übertreiben, was zu schädlichen medizinischen Untersuchungen und Interventionen führt, auch medizinische Kindesmisshandlung genannt.

Vernachlässigung

Vernachlässigung bezeichnet das Nichterfüllen der grundlegenden körperlichen, emotionalen, erzieherischen sowie medizinischen Bedürfnisse eines Kindes. Eltern oder andere Betreuungspersonen lassen ein Kind womöglich in der Obhut einer Person, von der sie wissen, dass sie gewalttätig ist, oder sie lassen ein kleines Kind unbeaufsichtigt. Es gibt viele Formen der Vernachlässigung.

Bei der körperlichen Vernachlässigung versorgen die Eltern oder andere Betreuungspersonen das Kind nicht ausreichend mit Nahrung, Kleidung, Wohnung, Aufsicht sowie Schutz vor möglichen Schäden.

Bei der emotionalen Vernachlässigung werden dem Kind womöglich keine Zuneigung, Liebe oder andere Arten emotionaler Unterstützung zuteil. Sie werden ignoriert, zurückgewiesen oder von der Interaktion mit anderen Kindern oder Erwachsenen abgehalten.

Von medizinischer Vernachlässigung spricht man, wenn die Eltern oder andere Bezugspersonen keine angemessene Versorgung für ihr Kind in Anspruch nehmen, zum Beispiel notwendige Behandlungen bei Verletzungen sowie für körperliche oder psychische Gesundheitsstörungen. Oder Eltern suchen nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe, wenn das Kind krank ist, und nehmen dadurch eine Verschlimmerung der Krankheit oder den Tod des Kindes in Kauf.

Bei der erzieherischen Vernachlässigung wird das Kind eventuell nicht in der Schule angemeldet oder es wird nicht dafür gesorgt, dass es in einer entsprechenden Umgebung geschult wird, wie in einer öffentlichen oder privaten Schule oder auch zu Hause.

Vernachlässigung unterscheidet sich von Misshandlungen in der Regel dahingehend, dass die Eltern und Betreuungspersonen die ihnen anvertrauten Kinder nicht vorsätzlich schädigen möchten.

Sie resultiert meist aus einer Kombination aus schlechten elterlichen erzieherischen Fertigkeiten, schlechtem Umgang mit Stress, fehlenden unterstützenden Familienverbänden sowie stressigen Lebensumständen. Vernachlässigung kommt häufig in Familien vor, die unter finanziellem und gesellschaftlichem Druck stehen, insbesondere, wenn die Eltern zusätzlich an psychischen Gesundheitsstörungen (typischerweise Depression, bipolare Störung oder Schizophrenie) leiden, die nicht behandelt werden, an einer Substanzgebrauchsstörung leiden oder über beschränkte intellektuelle Fähigkeiten verfügen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Armut kein Verbrechen ist. Kinder in Haushalten mit Herausforderungen aufgrund sozialer Faktoren der Gesundheit (z. B. alleinerziehende Familien, finanzieller Druck, instabile Versorgungs- und Wohnverhältnisse) können einem höheren Risiko für Vernachlässigung ausgesetzt sein, weil weniger Ressourcen verfügbar sind.

Körperlicher Missbrauch

Von körperlicher Misshandlung spricht man, wenn ein Kind geschlagen oder verletzt wird, auch wenn es sich dabei um übermäßige körperliche Bestrafung handelt. Typische Beispiele sind schütteln, fallen lassen, beißen und verbrennen (zum Beispiel durch Verbrühen oder Zigarettenglut). Diese Art von Misshandlung gehört zu den 10 häufigsten Todesursachen bei Kindern in den Vereinigten Staaten.

Kinder jeden Alters können körperlich misshandelt werden, aber Säuglinge und Kleinkinder sind besonders anfällig für wiederholte Misshandlungen, da diese Kinder nicht für sich selbst sprechen können. Während dieser Phasen sehen sich die Betreuungspersonen außerdem mit Herausforderungen konfrontiert, sind frustriert und verlieren die Kontrolle über ihre Impulse. Umstände, die frustrierend sein können, sind Trotzanfälle, Toilettentraining, unregelmäßige Schlafmuster sowie Koliken.

Körperliche Misshandlungen sind die häufigste Ursache schwerer Kopfverletzungen bei Säuglingen. Verletzung des Bauchraums aufgrund körperlicher Misshandlungen sind bei Kleinkindern jedoch häufiger als bei Säuglingen. Säuglinge und Kleinkinder haben auch ein erhöhtes Risiko für Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen, weil ihr Kopf im Verhältnis zu ihrem Körper sehr groß ist und weil sie im Verhältnis dazu schwächere Nackenmuskeln haben.

Elternschaft von Personen, die arm und jung sind oder alleinerziehend, steht mit einem höheren Risiko von körperlicher Misshandlung im Zusammenhang. Die familiäre Belastung spielt hierbei eine große Rolle. Stressauslöser sind Arbeitslosigkeit, häufige Umzüge von einem Zuhause in das nächste, fehlende Nähe zu Freunden oder Angehörigen und ständige Gewalt in der Familie. Die Eltern werden möglicherweise schneller frustriert und werden daher auch schneller körperlich gewalttätig gegenüber Kindern, die verhaltensauffällig sind (reizbar, anspruchsvoll oder hyperaktiv) oder spezielle Bedürfnisse haben (Entwicklungsstörungen oder körperliche Behinderungen).

Die Tat wird oft durch eine Krise ausgelöst, die mit einer anderen Stresssituation zusammenfällt. Mögliche Auslöser sind der Verlust des Arbeitsplatzes, ein Todesfall in der Familie oder ein Erziehungsproblem. Wenn die Eltern an einer Substanzgebrauchsstörung leiden, kann ihr Verhalten gegenüber den Kindern impulsiv und unkontrolliert sein. Auch bei psychischen Störungen der Eltern steigt das Risiko einer Misshandlung.

Eltern, die als Kinder selbst vernachlässigt oder misshandelt wurden, fehlt es möglicherweise an emotionaler Reife oder sie leiden an einem geringen Selbstwertgefühl. Gewalttätige Eltern sehen ihre Kinder als Quelle unbegrenzter und bedingungsloser Zuneigung und erwarten von ihnen die Unterstützung, die sie selbst nie bekommen haben. Als Folge haben sie möglicherweise unrealistische Erwartungen an ihre Kinder, sie sind schnell frustriert, haben sich schlecht unter Kontrolle und können das nicht geben, was sie selbst nie bekommen haben.

Sexueller Missbrauch

Jede Handlung an einem Kind, die der sexuellen Befriedigung eines Erwachsenen oder eines wesentlich älteren (gemäß seiner Entwicklung oder seines Alters) oder stärkeren Kindes dient (dies wird manchmal als ein Altersunterschied von 4 Jahren definiert), gilt als sexueller Missbrauch (siehe Pädophilie).

Als sexueller Missbrauch zählt Folgendes:

  • Eindringen in die Scheide, den Anus oder den Mund des Kindes

  • Berühren des Kindes ohne Penetration, jedoch mit sexuellen Absichten (Belästigung)

  • Zurschaustellen der Geschlechtsorgane oder Darbieten von Pornografie in Gegenwart eines Kindes

  • Sexuell aufgeladene Nachrichten oder Fotos (gewöhnlich über ein Mobiltelefon) teilen, Sexting, oder Teilen von Bildern eines Kindes

  • Zwingen eines Kindes zu sexuellen Handlungen mit einer anderen Person

  • Herstellung von Kinderpornografie

Sexueller Missbrauch hat nichts mit sexuellen Spielen zu tun. Sexuelle Spiele werden typischerweise als normales Verhalten angesehen, wenn diese zwischen ungefähr gleichaltrigen und gleich weit entwickelten Kindern geschehen, die den Genitalbereich des jeweils anderen ohne Zwang oder Einschüchterung betrachten oder berühren. Bei der Einschätzung, ob es sich bei einer bestimmten Situation zwischen Kindern um sexuellen Missbrauch handelt, müssen die unterschiedlichen Fähigkeiten und Machtverhältnisse unbedingt bewertet werden, wie Alter, Kraft, Größe und Beliebtheit. Je größer der Altersunterschied, desto größer ist in der Regel der Unterschied bezüglich geistiger Reife und sozialem Status zwischen den Kindern. Ab einem gewissen Punkt (vom Gesetz in manchen Gerichtsbarkeiten als ein Altersunterschied von 4 Jahren definiert) sind die Unterschiede dann so groß, dass rechtlich nicht mehr von einer „Einwilligung“ des jüngeren Kindes zur sexuellen Aktivität gesprochen werden kann.

Emotionaler Missbrauch

Als emotionaler Missbrauch gilt der Gebrauch von Wörtern oder Handlungen, die dem Kind psychisch schaden sollen. Kinder, die emotional missbraucht werden, haben ein geringes Selbstwertgefühl, fühlen sich minderwertig, ungeliebt, ungewollt, gefährdet oder erleben nur dann Anerkennung, wenn sie die Bedürfnisse eines anderen Menschen erfüllen.

Emotionaler Missbrauch umfasst u. a.

  • Extremes Schimpfen durch Brüllen oder Schreien

  • Verhöhnen der Fähigkeiten und Leistungen des Kindes

  • Ermutigung zu abweichendem oder kriminellem Verhalten, wie Straftaten zu begehen und Alkohol oder Drogen konsumieren

  • Mobbing, Drohen oder Angst einjagen

Emotionaler Missbrauch findet normalerweise über einen langen Zeitraum statt.

Besondere Aspekte

Medizinische Kindesmisshandlung

Die medizinische Kindesmisshandlung (die früher als Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, heute als auf andere übertragene artifizielle Störung bezeichnet wird) ist eine seltenere Form der Kindesmisshandlung, die auftritt, wenn ein Elternteil oder eine Betreuungsperson Ärzte glauben machen möchte, dass ein gesundes Kind krank ist. Typischerweise gibt die Betreuungsperson falsche Informationen über die Symptome des Kindes an, beispielsweise dass sich das Kind erbrochen hat oder über Schmerzen klagt, wenn dies gar nicht der Fall war. Manchmal tun Betreuungspersonen aber etwas, um die Symptome zu verursachen, zum Beispiel indem sie dem Kind Medikamente geben, die nicht angezeigt sind oder verschrieben wurden. In anderen Fällen mischen sie Blut oder andere Substanzen unter Proben, die im Labor ausgewertet werden sollen, damit das Kind krank erscheint.

Opfer dieser Art von Kindesmisshandlung erhalten unnötige und schädliche oder potenziell schädliche Untersuchungen, Tests und Behandlungen, einschließlich Verfahren oder Operationen.

Kulturelle Faktoren

Kulturelle Normen variieren, und eine Person kann sich an den Normen einer oder mehrerer Kulturen orientieren, die nach Region, Land, Stadt, sozialer Gruppe, Altersgruppe, nationaler Herkunft, Religion oder anderen Faktoren definiert sind. Die Unterscheidung zwischen gesellschaftlich akzeptiertem Verhalten und Missbrauch variiert in verschiedenen Kulturen. Kulturelle Normen dürfen jedoch nicht als Grund dafür dienen, beliebig alle Verhaltensweisen zu entschuldigen, obwohl es schwierig sein kann, zu verstehen, was normales Verhalten im Vergleich zu Kindeswohlgefährdung ist.

In unterschiedlichen Kulturen gibt es unterschiedliche Wege, die Kinder zu disziplinieren. In manchen Kulturen sind körperliche Bestrafungen normal. Dazu zählen alle Bestrafungen, die sich auf den Körper richten und Schmerzen verursachen. Schwere körperliche Bestrafungen, unter anderem Peitschen, Verbrennen oder Verbrühen, gelten als körperliche Misshandlung. Bei leichteren Formen der körperlichen Bestrafung, wie den Hintern versohlen, verläuft die Grenze zwischen gesellschaftlich akzeptiertem Verhalten und Misshandlung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Normen fließend.

Einige Praktiken, die als Teil kultureller oder religiöser Traditionen oder Rituale akzeptiert und geschätzt werden, gelten außerhalb der Kultur, in der diese Praktiken ihren Ursprung haben, als Missbrauch (z. B. weibliche Genitalverstümmelung). Bestimmte volksheilkundliche Behandlungen (wie das Gua Sha und das Schröpfen), die zu Blutergüssen oder leichten Verbrennungen führen können, können von manchen als Missbrauch angesehen werden.

Zu den Überzeugungen mancher religiöser oder kultureller Gruppen gehört, dass sie keine medizinische Behandlung in Anspruch nehmen, bestimmte Arten von medizinischen Behandlungen ablehnen (z. B. Bluttransfusion, Impfung) oder dass sie etwas als eine religiöse oder spirituelle Manifestation betrachten anstatt als eine Krankheit (z. B. Krampfanfälle). Mitglieder dieser Gruppen haben es bisweilen versäumt, eine lebensrettende Behandlung in Anspruch zu nehmen (z. B. bei diabetischer Ketoazidose oder Hirnhautentzündung), was zum Tod des Kindes führte. Ein solches Verhalten wird typischerweise als Vernachlässigung eingestuft, ungeachtet der Überzeugungen der Eltern oder Betreuungspersonen. Wenn Kinder krank und ungesund sind, führt die Ablehnung einer medizinischen Behandlung manchmal zu einer rechtlichen Intervention, einschließlich einer gerichtlich angeordneten Behandlung. Ob die Ablehnung einer Impfung oder einer anderen vorbeugenden medizinischen Versorgung vom Gesetz als medizinische Vernachlässigung eingestuft wird, hängt von der jeweiligen Gerichtsbarkeit ab.

Symptome von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

Die jeweiligen Symptome hängen von der Art und der Dauer der Vernachlässigung oder der Misshandlung, vom Kind und von den jeweiligen Umständen ab. Neben sichtbaren körperlichen Verletzungen können emotionale, verhaltensbezogene und geistige Probleme auftreten. Solche Probleme können sofort oder verzögert auftreten und Dauerschäden verursachen.

Körperliche Vernachlässigung

Kinder, die körperlich vernachlässigt werden, können unterernährt, müde oder ungepflegt aussehen, sind womöglich unzureichend gekleidet oder haben Wachstumsstörungen. Ein weiterer Hinweis kann häufiges Fehlen in der Schule sein. In Extremfällen lebt das Kind auf sich allein gestellt oder mit Geschwistern ohne die Aufsicht eines Erwachsenen. Unbeaufsichtigte Kinder können krank werden oder sich verletzen. Die körperliche und emotionale Entwicklung kann verzögert sein. Bisweilen können vernachlässigte Kinder auch verhungern oder erfrieren.

Körperlicher Missbrauch

Einige Merkmale körperlicher Misshandlung sind blaue Flecke, Verbrennungen, Striemen, Bissmale und Kratzer. Diese Flecke und Striemen können die Form der Objekte haben, mit denen sie verursacht wurden, z. B. ein Gürtel mit Schnalle, ein Lampen- oder Verlängerungskabel. Die Haut des Kindes kann Handabdrücke oder runde Male von Fingerspitzen aufweisen, die durch Schläge, Festhalten oder Schütteln entstehen. An Armen, Beinen oder anderen Körperteilen können durch Zigarettenglut verursachte Verbrennungen oder auch Verbrühungen zu sehen sein. Kinder, die geknebelt wurden, können an den Mundwinkeln verdickte Haut oder Narben aufweisen. Wurde den Kindern an den Haaren gezogen, können Haarbüschel fehlen oder die Kopfhaut kann geschwollen sein. Daneben können schwere Verletzungen an Mund, Augen, Gehirn oder anderen inneren Organen vorliegen, die von außen nicht sichtbar sind.

Die Anzeichen körperlicher Misshandlung sind jedoch häufig subtil. Beispielsweise können auf Gesicht und/oder Hals kleine blaue Flecken oder rötliche Punkte zu sehen sein. Das Kind kann Spuren alter Verletzungen aufweisen, z. B. heilende Knochenbrüche. Manchmal führen die Verletzungen zu Entstellungen.

Kleinkinder, die absichtlich in heißes Wasser getaucht wurden (z. B. in der Badewanne), weisen Verbrühungen auf. Solche kreisförmigen Verbrühungen befinden sich in der Regel am Gesäß. An den Körperstellen, die nicht mit dem Wasser in Berührung gekommen sind oder die auf den kühleren Boden der Badewanne gepresst wurden, sind keine Verbrennungen zu sehen. Heiße Wasserspritzer können kleinere Verbrühungen an anderen Stellen des Körpers verursachen.

Bei Säuglingen kann es zu Hirnverletzungen kommen, die durch ein sogenanntes „nichtakzidentelles Schädel-Hirn-Trauma“ entstehen, das durch heftiges Schütteln und/oder Schlagen des Kopfes des Kindes gegen einen festen Gegenstand verursacht wird. Der Begriff „Shaken Baby Syndrome“ (Schütteltrauma) wurde im Englischen durch „Abusive Head Trauma“ ersetzt, da nicht nur Schütteln die Ursache sein kann. Symptome des nichtakzidentellen Schädel-Hirn-Traumas bei Säuglingen sind Weinen oder Erbrechen, möglicherweise entstehen jedoch keine sichtbaren Anzeichen der Verletzung und die Kinder scheinen tief zu schlafen. Diese Schläfrigkeit wird durch die Verletzung und das Anschwellen des Gehirns verursacht, ausgelöst durch eine Blutung zwischen dem Gehirn und Schädel (subdurales Hämatom). Ferner kann es bei Säuglingen zu Blutungen der Netzhaut im hinteren Teil des Auges kommen. Rippen und andere Knochen (oder die Knochenenden, die ein Gelenk bilden) können gebrochen sein.

Kinder, die über einen langen Zeitraum hinweg misshandelt werden, können ängstlich und reizbar wirken. Häufig leiden sie an Schlafstörungen und Manchmal scheinen misshandelte Kinder Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufzuweisen und werden fälschlicherweise mit dieser Störung diagnostiziert. Sie können depressiv und ängstlich sein und zeigen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie neigen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu gewalttätigem Verhalten und äußern Selbstmordgedanken.

Sexueller Missbrauch

Ein häufiges Anzeichen für sexuellen Missbrauch sind Verhaltensveränderungen. Sie können plötzlich auftreten und extreme Ausmaße annehmen. Kinder können aggressiv werden oder sich zurückziehen oder Phobien oder Schlafstörungen entwickeln. Kinder, die sexuell missbraucht werden, legen ein problematisches sexuelles Verhalten an den Tag, wie übermäßiges Anfassen oder unangebrachtes Anfassen Anderer. Kinder, die von einem Elternteil oder einem anderen Familienmitglied misshandelt werden, können widersprüchliche Empfindungen haben. Sie können beispielsweise ein enges emotionales Verhältnis zum Täter haben und sich dennoch verraten fühlen.

Sexueller Missbrauch kann körperliche Verletzungen nach sich ziehen. Kinder können Blutergüsse, Risse, Blutungen, wunde Stellen, Beulen und Reizungen in und um die Geschlechtsorgane, den After (Anus) und den Mund haben. Verletzungen im Genital- oder Rektalbereich können zunächst zu Schwierigkeiten beim Gehen oder Sitzen führen. Bei Mädchen kann es zu Ausfluss, Juckreiz, Blutergüssen oder Blutungen im Bereich der Scheide (Vagina) kommen. Jungen können Blutergüsse, Blutungen und Reizungen um die Geschlechtsorgane haben.  Sexuell übertragbare Infektionen wie Gonorrhö, Chlamydien, eine Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV) oder andere Infektionen können ebenfalls vorliegen. Es kann zu einer Schwangerschaft kommen.

Emotionale Misshandlung und Vernachlässigung

Kinder, die emotionale Misshandlung erleben, sind im Allgemeinen unsicher und ängstlich in ihren Beziehungen zu anderen Menschen, da ihre Bedürfnisse nicht konsequent und vorhersehbar erfüllt wurden. Andere Ergebnisse fallen unterschiedlich aus und hängen von der Art der emotionalen Misshandlung ab. Die Kinder können unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden. Eingeschüchterte oder bedrohte Kinder können ängstlich und verschlossen wirken. Sie sind häufig unsicher, misstrauisch, schüchtern und auffällig bemüht, es Erwachsenen recht zu machen. Sie wenden sich möglicherweise auf unangebrachte Weise an Fremde. Kinder, die keine Kontakte mit Anderen pflegen dürfen, verhalten sich unbeholfen im Umgang mit anderen Menschen und können Schwierigkeiten haben, normale Beziehungen aufzubauen. Andere begehen möglicherweise Straftaten oder entwickeln eine Substanzgebrauchsstörung. Ältere Kinder gehen eventuell nicht regelmäßig zur Schule, erzielen keine guten Leistungen oder haben Probleme im Umgang mit Lehrern und Mitschülern.

Emotional vernachlässigte Säuglinge gedeihen häufig schlecht und können emotionslos oder nicht an ihrer Umgebung interessiert wirken. Dieses Verhalten kann fälschlicherweise für eine geistige Behinderung oder für eine körperliche Störung gehalten werden. Emotional vernachlässigten Kindern fehlen manchmal bestimmte soziale Fähigkeiten oder ihre sprachliche Entwicklung ist verlangsamt.

Wussten Sie ...

  • Die meisten Opfer von sexuellem Missbrauch kennen den Täter.

Diagnose von Kindesvernachlässigung und -misshandlung

  • Medizinische Vorgeschichte und ärztliche Untersuchung

  • Fotos der Verletzungen

  • Bei einer körperlichen Misshandlung, manchmal Labortests und bildgebende Tests, wie Röntgenbilder und CT-Scans (Computertomografie)

  • Bei sexuellem Missbrauch bisweilen Test auf Infektionen und manchmal Entnahme von Proben (Körperflüssigkeiten, Haare usw.) zu gerichtlichen Beweiszwecken

Vernachlässigung und Misshandlung sind oft nur dann eindeutig festzustellen, wenn das Kind stark unterernährt ist, sichtbare Verletzungen aufweist oder wenn es Zeugen für das Geschehen gibt. Häufig bleibt Derartiges jedoch jahrelang unentdeckt.

Es gibt viele Gründe, warum Vernachlässigung und Missbrauch nicht erkannt werden. Kinder, die missbraucht werden, können das Gefühl entwickeln, dass die Gewalt ein normaler Teil des Lebens sei, und sprechen deshalb nicht darüber. Kinder, die körperlich und sexuell missbraucht werden, scheuen oft davor zurück, sich zu offenbaren, weil sie Scham empfinden, durch Drohungen eingeschüchtert wurden oder gar das Gefühl haben, sie hätten die Misshandlung verdient. Kinder, die körperlich misshandelt werden und die sprechen können, identifizieren häufig den Täter und beschreiben das Geschehene, wenn sie direkt darauf angesprochen werden. Kinder, die sexuell missbraucht werden, müssen dem Täter möglicherweise schwören zu schweigen. Oder sie sind so traumatisiert, dass sie über den Missbrauch nicht sprechen können oder diesen sogar leugnen, wenn sie direkt danach gefragt werden.

Vermutet ein Arzt eine Vernachlässigung oder irgendeine Form von Misshandlung, sucht er nach Anzeichen für andere Formen von Kindeswohlgefährdung. Außerdem wird untersucht, welche körperlichen, emotionalen, sozialen und seine Umwelt betreffenden Bedürfnisse das Kind hat. Ärzte versuchen auch, das Verhalten zwischen dem Kind und seinen Betreuungspersonen so oft wie möglich zu beobachten. Sie halten die Geschichte des Kindes fest, indem sie Zitate aufschreiben, sollte das Kind etwas preisgeben, sowie Bilder von möglichen Verletzungen machen.

Vernachlässigung und emotionale Misshandlung

Das ein Kind vernachlässigt wird, erkennen Ärzte und Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen womöglich im Rahmen einer Beurteilung, die mit dem Fall nichts zu tun hat, z. B. bei einer Verletzung, Krankheit oder einem Verhaltensproblem. Einem Arzt kann auffallen, dass sich ein Kind körperlich oder emotional nicht normal entwickelt oder Impftermine und Untersuchungen versäumt. Vernachlässigung wird meist zuerst von Lehrern und Sozialarbeitern bemerkt. Lehrer erkennen ein Kind, das vernachlässigt wird, unter Umständen daran, dass es häufig unentschuldigt fehlt.

Emotionale Misshandlung wird häufig während der Beurteilung eines anderen Problems, wie einer schlechten schulischen Leistung oder einem Verhaltensproblem, erkannt. Emotional misshandelte Kinder werden auf körperlichen oder sexuellen Missbrauch hin beurteilt. Der Arzt erfasst die Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Diese kann, muss aber nicht eine Untersuchung der äußeren Geschlechtsorgane mit einem Kolposkop umfassen (einem speziellen Medizininstrument, mit dem der Arzt eine vergrößerte Ansicht des Genitalgewebes gewinnt).

Körperlicher Missbrauch

Körperliche Misshandlung wird in der Regel vermutet, wenn ein Säugling, der noch nicht selbstständig laufen kann (sich beim Gehen an Möbeln festhält), blaue Flecke oder schwere Verletzungen aufweist. Säuglinge, die ungewöhnlich schläfrig oder lethargisch sind, werden auf Hirnverletzungen untersucht. Eine Misshandlung kann vermutet werden, wenn ein Kleinkind oder ein etwas größeres Kind blaue Flecken an ungewöhnlichen Stellen, wie etwa auf der Rückseite der Beine oder am Gesäß aufweist. Kinder im Lauflernalter haben häufig blaue Flecke, jedoch treten diese normalerweise an exponierten knochigen Stellen wie den Knien, den Schienbeinen, dem Kinn und der Stirn auf.

Ein Verdacht auf Misshandlung kann auch gegeben sein, wenn die Eltern wenig über die Gesundheit ihres Kindes wissen oder eine schwere Verletzung scheinbar ignorieren oder deswegen übermäßig beunruhigt sind. Eltern, die ihr Kind misshandeln, erzählen dem Arzt oder Freunden vielleicht nur ungern, wie es zu der Verletzung gekommen ist. Manchmal passt die Darstellung des Hergangs nicht zum Alter des Kindes oder zur Art der Verletzung, oder die Eltern erzählen immer wieder etwas anderes. Wenn Eltern ihr Kind misshandeln, lassen sie es bei Verletzungen möglicherweise nicht sofort behandeln.

Wenn ein Arzt vermutet, dass ein Kind körperlich misshandelt wird, lässt er für gewöhnlich Fotos der äußeren Verletzungen (z. B. der blauen Flecke) anfertigen. Es kann eine Bildaufnahme des Gehirns (Computertomografie [CT-Scan] oder Magnetresonanztomografie [MRT]) angeordnet werden. Manchmal wird mithilfe von Röntgenaufnahmen nach Spuren früherer und/oder aktueller Verletzungen gesucht. Bei Kindern unter 2 Jahren macht man häufig Röntgenaufnahmen aller Knochen, um eventuelle Knochenbrüche feststellen zu können.

Rippenfrakturen bei einem Baby
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Dieses Röntgenbild zeigt Rippenfrakturen (rot markiert) bei einem Baby, die auf Kindesmissbrauch hinweisen.

PHOTOSTOCK-ISRAEL/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Sexueller Missbrauch

Ein Fall von sexuellem Missbrauch kommt häufig dadurch ans Licht, dass das Kind oder ein Zeuge den Vorfall schildert. Viele Kinder reden jedoch nur widerwillig über sexuellen Missbrauch, weil sie sich schämen oder sich vor dem Täter oder anderen Konsequenzen fürchten, wenn sie es jemandem erzählen. Eine Misshandlung kann nur vermutet werden, wenn sich das Verhalten des Kindes ändert. Hat ein kleines Kind eine sexuell übertragbare Infektion, sollte der Arzt von sexuellem Missbrauch ausgehen.

Wenn der Arzt vermutet, dass ein Kind sexuell missbraucht wurde, veranlasst er in der Regel, das Kind von einer entsprechend geschulten Fachkraft (in den USA sogenannte Sexual Assault Nurse Examiner) untersuchen zu lassen, auch wenn es dafür in eine andere Einrichtung verlegt werden muss. Dort sammelt die Fachkraft rechtskräftige Beweise für einen möglichen sexuellen Kontakt, wie Abstriche von Körperflüssigkeiten und Hautoberflächen. Diese Beweissammlung wird häufig als Spurensicherungsset für Sexualdelikte („Rape Kit“) bezeichnet. Sichtbare Verletzungen werden durch Fotos dokumentiert. Auch werden Tests auf sexuell übertragbare Infektionen sowie gegebenenfalls ein Schwangerschaftstest durchgeführt.

Behandlung von Kindesvernachlässigung und -misshandlung

  • Behandlung von Verletzungen

  • Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit des Kindes, einschließlich der Meldung an die zuständigen Behörden und manchmal Herausnehmen aus dem Elternhaus

Körperliche Verletzungen und Erkrankungen werden nach Bedarf behandelt. Einige Kinder werden zur Behandlung von Verletzungen, starker Unterernährung oder anderen Störungen ins Krankenhaus eingewiesen. Bei besonders schweren Verletzungen kann eine Operation notwendig sein. Säuglinge mit Schütteltrauma werden für gewöhnlich stationär behandelt. Auch gesunde Kinder werden manchmal ins Krankenhaus eingewiesen, um sie vor weiteren Misshandlungen zu schützen, bis eine sichere Unterbringungsmöglichkeit gefunden wurde. Körperliche Misshandlung, insbesondere ein Trauma am Kopf, kann langandauernde Auswirkungen auf die Entwicklung haben. Alle Kinder mit einem Kopftrauma sollten untersucht werden, da sie möglicherweise frühe Interventionen benötigen, wie beispielsweise Sprach- und Ergotherapie.

Manche Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erhalten Medikamente, um den Ausbruch von sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten zu verhindern, was manchmal auch eine HIV-Infektion einschließt. Wird ein Missbrauch vermutet, ist eine sofortige Unterstützung des Kindes erforderlich. Kinder, die sexuell missbraucht werden, werden, auch wenn sie zunächst gleichmütig erscheinen, von Psychologen und Therapeuten betreut, da zukünftige Probleme die Regel sind. Häufig ist über lange Zeit eine psychologische Betreuung erforderlich. Ärzte verweisen anderweitig misshandelte Kinder an Therapeuten, wenn sie Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Störungen entwickeln.

Sofortige Sicherheit des Kindes

Ärzte und medizinische Fachkräfte sind gesetzlich verpflichtet, den Verdacht auf Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern beim zuständigen Jugendamt zu melden. Viele verschiedene Menschen, nicht nur Ärzte und medizinische Fachkräfte, die mit Kindern in ihrer Arbeit oder freiwilligen Aktivitäten in Kontakt kommen, sind meldepflichtig. Dazu gehören Lehrer, Erzieher, Pflegedienstleister sowie Mitarbeiter der Polizei und der Gerichtsbehörden. Medizinische Fachkräfte sollten, müssen aber nicht, in solchen Fällen den Eltern sagen, dass entsprechend dem Gesetz Anzeige erstattet wird und dass sie kontaktiert, befragt und zu Hause aufgesucht werden könnten. Unter Umständen kann auch die örtliche Polizeibehörde eingeschaltet werden.

Nichtmeldepflichtige Personen, die von einer Vernachlässigung oder Misshandlung erfahren oder diese vermuten, sollten dies unbedingt melden, sind jedoch gesetzlich nicht dazu verpflichtet. Eine Person, die aus vernünftigen Gründen und in guten Glauben eine Misshandlung meldet, kann hierfür nicht verhaftet oder bestraft werden. Für Meldungen oder um Hilfe zu erhalten, steht die National Child Abuse Hotline unter 1-800-4-A-CHILD (1-800-422-4453) zur Verfügung.

Gemeldete Fälle werden dahingehend untersucht, ob weitere Ermittlungen notwendig sind. Gemeldete Fälle, die weitere Ermittlungen erforderlich machen, werden vom örtlichen Jugendamt untersucht, das versucht, den Sachverhalt zu ermitteln, und Empfehlungen für das weitere Vorgehen ausspricht. Beispielsweise könnten soziale Einrichtungen (für das Kind und Angehörige), eine vorübergehende Krankenhauseinweisung zum Schutz oder zur Ernährungshilfe, wenn nötig, eine vorübergehende Unterbringung bei Verwandten oder eine zeitlich begrenzte Pflegeunterbringung empfohlen werden. Der Arzt entscheidet auf Grundlage des unmittelbaren medizinischen Bedarfs des Kindes über das weitere Vorgehen, was teilweise von der Schwere der Verletzungen abhängt. Häufig werden diese Ärzte von Sozialarbeitern unterstützt. Vertreter des Jugendamts bestimmen über den Sicherheitsplan oder die Unterbringung des Kindes.

Nachbetreuung

Bei Vernachlässigung oder Misshandlung kümmert sich ein Team aus Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern um die Bearbeitung der Ursachen und Folgen. Dieses Team koordiniert zusammen mit der Justiz die Versorgung des Kindes. Das Team hilft den Angehörigen, die Bedürfnisse des Kindes besser zu verstehen, und vermittelt Hilfe vor Ort. Können sich die Eltern beispielsweise keine Gesundheitsfürsorge leisten, steht dem Kind unter Umständen medizinische Unterstützung durch den Staat zu. Andere lokale oder staatliche Programme bieten Unterstützung mit Essen und Unterkunft. Eltern mit Substanzgebrauchsstörungen oder psychischen Problemen werden an entsprechende Therapieprogramme verwiesen.

In manchen Gebieten werden Elternprogramme und Selbsthilfegruppen angeboten. Für die Familie könnte eine regelmäßiger oder laufender Kontakt mit einem Sozialarbeiter, einem Anwalt für Opfer oder beiden notwendig sein.

Herausnehmen aus dem Zuhause

Das letztendliche Ziel des Jugendamts ist es, die Kinder in eine sichere, gesunde Familienumgebung zu entlassen. Je nach Art der Gewaltanwendung und abhängig von anderen Faktoren, kehren Kinder entweder zu ihrer Familie zurück, oder sie werden bei Verwandten oder Pflegeeltern untergebracht. Hier können die Betreuungspersonen das Kind vor weiterer Misshandlung schützen. Eine solche Unterbringung ist meistens vorübergehend, z. B., bis die Eltern eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz gefunden haben oder bis regelmäßige Hausbesuche durch einen Sozialarbeiter gewährleistet sind. Leider sind Wiederholungstaten bei Vernachlässigung und/oder Misshandlung häufig.

In schweren Fällen von Vernachlässigung oder Misshandlung kann ein langfristiges Herausnehmen aus dem Zuhause erwogen oder den Eltern das Sorgerecht dauerhaft entzogen werden. Das Kind bleibt dann in der Pflegefamilie, bis es adoptiert wird oder erwachsen ist.

Vorbeugung gegen Kindesvernachlässigung und -misshandlung

Kindesmisshandlung und -vernachlässigung lassen sich am besten verhindern, indem man sie stoppt, bevor es dazu kommt. Programme, die Eltern Unterstützung bieten und ihnen positive erzieherische Fertigkeiten mitgeben, sind sehr wichtig und notwendig. Eltern können lernen, wie sie positiv kommunizieren, richtig erziehen und die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder angemessen erfüllen. Programme zur Prävention von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung verbessern zudem die Eltern-Kind-Beziehungen und bieten Eltern soziale Unterstützung.

Diese Programme können zuhause, in der Schule, in Kliniken oder anderen kommunalen Einrichtungen stattfinden. Sie können als Einzel- oder Gruppentermine geplant sein.

Weitere Informationen

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