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Ungleiche Pupillen

(Anisokorie)

Von

Christopher J. Brady

, MD, Wilmer Eye Institute, Retina Division, Johns Hopkins University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2019| Inhalt zuletzt geändert Dez 2019
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Quellen zum Thema

Die Pupille ist der schwarze, zentrale Bestandteil des Auges. Pupillen werden größer (erweitern sich) in dämmerigem Licht, und kleiner (ziehen sich zusammen) in hellem Licht. Normalerweise haben beide Pupillen dieselbe Größe und reagieren gleich auf das Licht. Eine ungleichmäßige Pupillengröße wird als Anisokorie bezeichnet.

Wenn die Größe der Pupillen ungleich ist, kann der Betroffene die Diskrepanz bemerken. Doch in den meisten Fällen werden ungleiche Pupillen erst im Verlauf einer ärztlichen Untersuchung festgestellt. Pupillen von unterschiedlicher Größe allein verursachen in der Regel keine Symptome, doch gelegentlich kann der Patient Schwierigkeiten haben, den Blick auf nahegelegene Objekte zu konzentrieren. Zudem verursacht die zugrunde liegende Erkrankung andere Symptome, wie etwa Schmerzen in den Augen und Rötungen, einen Verlust des Sehvermögens, schlaffe Augenlider, Doppeltsehen oder Kopfschmerzen. Diese auffallenderen Symptome sind oft der Grund, warum Menschen ärztlichen Rat ersuchen, und nicht etwa ungleiche Pupillen.

Ursachen

Der häufigste Grund für ungleiche Pupillen ist

  • eine physiologische Anisokorie

Bei einer physiologischen Anisokorie sind die Pupillen aus natürlichem Grund von ungleicher Größe. Es liegt keine Erkrankung vor. Ungefähr 20 % der Menschen haben diesen lebenslangen Gesundheitszustand, was als eine normale Abweichung betrachtet wird. Bei solchen Menschen reagieren beide Pupillen normal auf Licht und Dunkelheit, und es gibt keine Symptome.

In weniger häufigen Fällen haben Menschen ungleiche Pupillen wegen

  • Augenkrankheiten

  • Erkrankungen des Nervensystems

Je nach Ursache kann entweder die größere oder die kleinere Pupille die abnormale Pupille sein. Oft ist die größere Pupille nicht in der Lage, sich normal zusammenzuziehen. Manchmal ist jedoch die kleinere Pupille nicht fähig, sich zu erweitern, wie etwa beim Horner-Syndrom. Wenn die größere Pupille abnormal ist, ist der Größenunterschied der Pupillen bei hellem Licht ausgeprägter. Wenn die kleinere Pupille abnormal ist, ist der Unterschied bei Dunkelheit größer.

Augenkrankheiten, die ungleiche Pupillen verursachen, umfassen angeborene Defekte und Augenverletzungen. Auch bestimmte Medikamente, die ins Auge gelangen, können die Pupille beeinträchtigen. Solche Medikamente können Augentropfen zur Behandlung von Augenkrankheiten sein (so zum Beispiel Homatropin, das bei bestimmten Entzündungen oder Verletzungen eingesetzt wird, oder Pilokarpin, das bei einem Glaukom Anwendung findet). Oder es kann sich um Medikamente oder andere Substanzen handeln, die zufällig ins Auge gelangen (z. B. Scopolamin, das als Pflaster für Reisekrankheit eingesetzt wird, oder Pflanzen wie etwa Stechapfel, oder bestimmte Insektenvernichtungsmittel). Eine Entzündung der Iris (Iritis) und bestimmte Arten von Glaukom (Grüner Star) können ungleiche Pupillen verursachen, doch dieser Befund wird in der Regel von starken Augenschmerzen überschattet.

Erkrankungen des Nervensystems, die einer ungleichen Pupillengröße zugrunde liegen, sind solche, die den III. Hirnnerv oder bestimmte Teile des sympathischen oder parasymphatischen Nervensystems (des autonomen Nervensystems) befallen. Diese Bahnen übertragen Nervenimpulse an die Pupille und die Muskeln, die Auge und Augenlid kontrollieren. Daher haben Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems, das sich auf die Pupillen auswirkt, oft auch ein schlaffes Augenlid, sehen doppelt und/oder leiden an einer sichtbar asymmetrischen Anordnung der Augen. Erkrankungen des Gehirns können diese Nervenbahnen ebenfalls angreifen, z. B. Schlaganfälle, Gehirnblutungen (spontan oder aufgrund einer Kopfverletzung) und seltener auch bestimmte Tumoren oder Infektionen. Erkrankungen außerhalb des Gehirns, die das sympathische Nervensystem angreifen, umfassen Tumoren und Verletzungen, die den Hals oder den oberen Teil der Brust betreffen. Das Horner-Syndrom beschreibt eine Kombination aus einer zusammengezogenen Pupille, einem schlaffen Augenlid und vermindertem Schwitzen in der Umgebung des betroffenen Auges. Das Horner-Syndrom wird durch eine Unterbrechung der Verbindung der sympathischen Nerven zu einem Auge aus beliebigem Grund verursacht.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale ungleicher Pupillen

Ursache

Häufige Merkmale*

Das Adie-Syndrom (eine Pupille, die sich in Reaktion auf Licht nicht normal zusammenzieht)

Eine oder beide Pupillen sind zu weit oder ziehen sich in Reaktion auf Licht nicht vollständig zusammen und erweitern sich langsam, nachdem sie sich bei Licht zusammengezogen haben

Keine anderen Symptome

Argyll-Robertson-Pupille

Pupille, die sich bei Akkommodation (wenn ein Arzt den Finger zum Auge hinbewegt) besser zusammenzieht als bei Licht

Vorhergehende Syphilis

Angeborener Fehler der Iris

Merkmale, die lebenslang präsent sind

Für gewöhnlich weitere angeborene Fehlbildungen

Chemikalien und Medikamente (einschließlich Scopolamin-Pflaster, Kokain, Pilocarpin, Wirkstoffe in Flohhalsbändern von Haustieren oder in Sprays, bestimmte Arzneimittel in Sprühdosen mit Aerosol gegen Asthma oder COPD, wie etwa Ipratropium oder Tiotropium und Insektenvernichtungsmittel mit Organophosphat), wenn sie mit dem Auge in Kontakt geraten, sowie eine Reihe von Augentropfen

Bei Menschen, die diese Substanzen einsetzen oder mit ihnen in Berührung gekommen sind

Manchmal Schwierigkeiten, den Blick zu konzentrieren, dies vor allem auf Objekte in der Nähe

Horner-Syndrom (die Unterbrechung bestimmter Nervenfasern, die das Auge mit dem Gehirn verbinden)

Ein schlaffes Augenlid, eine kleine Pupille, die sich in Reaktion auf Dunkelheit nur langsam zu weiten beginnt, und reduziertes Schwitzen auf einer Seite des Gesichts

Wenn der Grund des Horner-Syndroms eine Erkrankung (wie etwa Migräne oder ein Lungentumor) oder eine Verletzung ist, andere Symptome

Eine Augenverletzung oder Augenoperation

Bei Menschen, die eine Augenverletzung hatten oder sich einer Augenoperation unterzogen haben

Manchmal Schmerzen beim Kontakt mit hellem Licht und/oder Augenrötung

Physiologische Anisokorie (Pupillen, die von Natur aus ungleich sind)

Schon seit langer Zeit vorhanden

Im Verlauf der Untersuchung wurden keine Abnormitäten gefunden

Ein Unterschied von weniger als 1 mm in der Pupillengröße und Pupillen, die sich in Reaktion auf Licht normal zusammenziehen

Doppeltsehen und ein schlaffes Augenlid

Manchmal bei Menschen, die eine Kopfverletzung erlitten haben oder bei denen eine Vorwölbung (Aneurysma) in einer das Gehirn versorgenden Arterie, eine Gehirneinblutung oder ein Gehirntumor vorliegt

*Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

COPD = Chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Beurteilung

Das erste Ziel des Arztes besteht darin festzustellen, ob die Pupillen immer ungleich waren, oder ob es einen anderen Grund dafür gibt, wie etwa ein Medikament oder eine Erkrankung. Dann versucht er zu bestimmen, ob die größere oder die kleinere Pupille das Problem darstellt. Die folgenden Informationen können helfen zu klären, wann man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Bei Menschen mit ungleichen Pupillen sind bestimmte Symptome oder Merkmale Grund zur Besorgnis. Hierzu gehören

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen, die Warnsignale wahrnehmen, sollten umgehend den Arzt aufsuchen. Menschen ohne Warnzeichen, die jedoch von weiteren Symptomen betroffen sind, sollten sich an den Arzt wenden. Der Arzt kann auf der Grundlage der Symptome entscheiden, wie schnell sie untersucht werden müssen. Menschen, die einfach ungleiche Pupillen bemerkt haben und sich wohlfühlen, können in der Regel eine oder zwei Wochen warten, bevor sie den Arzt aufsuchen.

Was der Arzt unternimmt:

Der Arzt fragt zunächst nach den Symptomen und Vorerkrankungen einer Person, unter anderem auch über die Rauchgewohnheiten. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Befunde aus der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache für die ungleichen Pupillen und die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale ungleicher Pupillen).

Der Arzt fragt, wann der Patient die ungleichen Pupillen bemerkt hat, ob die Sicht bei Licht oder Dunkelheit verschwommen ist, und ob der Patient noch weitere Symptome hat. Andere Symptome, die die Augen betreffen, umfassen ein schlaffes Augenlid, Doppeltsehen, Schmerzen bei hellem Licht, Verlust des Sehvermögens und Augenschmerzen. Andere wichtige Symptome, die nicht die Augen betreffen, sind Kopfschmerzen, Schwindelgefühl oder Verlust des Gleichgewichts, Husten, Schmerzen in der Brust oder Kurzatmigkeit. Der Arzt fragt, ob der Patient vor Kurzem eine Verletzung an Kopf oder Auge erlitten hat, welche Augentropfen er nimmt, und ob der Patient jemals an einer Augenkrankheit gelitten oder sich einer Augenoperation unterzogen hat.

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf den Kopf und die Augen. Der Arzt untersucht die Pupillen des Patienten in einem hellen und einem dunklen Raum. Der Arzt prüft, ob sich die Augen normal bewegen, wenn der Patient mit dem Blick dem Finger des Arztes folgt, der sich nach oben, unten, rechts und links bewegt. Der Arzt untersucht das gesamte Auge, in der Regel mit einer Spaltlampe (ein Instrument, mit dessen Hilfe sich das Auge bei starker Vergrößerung betrachten lässt). Andere die Augen betreffenden Symptome werden, soweit nötig, ebenfalls beurteilt. Der Arzt kann Augentropfen einsetzen, um zu testen, wie die Pupillen auf Medikamente reagieren, die die Pupillen veranlassen, sich zu erweitern oder zusammenzuziehen.

Manchmal sieht sich der Arzt ein altes Foto des Patienten (z. B. auf dem Führerschein des Patienten) an, um festzustellen, ob die Pupillen schon vorher ungleich waren.

In der Regel leiden Menschen mit Symptomen, die die Augen betreffen, wie etwa Schmerzen, Rötungen, verschwommene Sicht oder Lichtempfindlichkeit, an einer Augenkrankheit. Menschen mit einem schlaffen Augenlid, die doppelt sehen, unter Kopfschmerzen leiden und über Gleichgewichtsstörungen klagen, leiden unter dem Horner-Syndrom oder einer Lähmung des III. Hirnnervs (möglicherweise verursacht durch eine Störung im Gehirn). Menschen, deren einziges Symptom eine vor kurzer Zeit aufgetretene verschwommene Sicht ist, dies vor allem bei der Konzentration auf nahegelegene Objekte, könnten eine Pupille haben, die durch ein Medikament erweitert wurde. Menschen, die keine anderen Symptome oder Abnormitäten haben, leiden oft unter chronischen Erkrankungen, wie etwa unter einer Anisokorie, Geburtsfehlern der Iris oder dem Adie-Syndrom (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale ungleicher Pupillen).

Tests

Tests sind normalerweise nicht nötig, es sei denn, der Patient hat weitere Symptome. Patienten mit Horner-Syndrom oder einer Lähmung des III. Hirnnervs müssen sich in der Regel einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) unterziehen. Bei Patienten mit Horner-Syndrom ist möglicherweise auch eine CT des Brustkorbs erforderlich.

Behandlung

  • Behandlung der Krankheitsursache

Eine Behandlung ungleicher Pupillen ist an sich nicht erforderlich. Dennoch kann es sein, dass die zugrunde liegende Krankheit behandelt werden muss.

Wichtigste Punkte

  • Ungleiche Pupillen sind sehr häufig und stellen oft nur eine normale Variation dar.

  • Der Arzt untersucht die Pupille in einem hellen und einem dunklen Raum, um die Diagnose zu erleichtern.

  • Menschen mit einem schlaffen Augenlid oder doppelter Sicht können an einer ernsthaften Krankheit leiden.

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