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Halitosis

(Foetor ex ore; schlechter Atem, schlechter Mundgeruch)

Von

Bernard J. Hennessy

, DDS, Texas A&M University, College of Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Quellen zum Thema

Als Halitosis oder Foetor ex ore bezeichnet man (unangenehmen) Mundgeruch, der häufiger auftritt oder persistiert.

Pathophysiologie

Am häufigsten führen schwefelige Gase wie (Schwefelwasserstoff-)Sulfid und Methylmercaptan zu Mundgeruch, die sich bei der Zersetzung (Gärung) von Nahrungsbestandteilen durch gramnegative anaerobe Bakterien im Mund bilden. Auch Bakterien in parodontalen Krankheitsherden können der Auslöser sein, besonders wenn es ulzerierte oder nekrotische Bezirke sind. Die verursachenden Erreger befinden sich tief in den parodontalen Taschen um die Zähne. Bei Patienten mit gesundem Parodontalgewebe können sich diese Bakterien hinten auf der Zunge proliferieren.

Zu einer bakteriellen Überwucherung können verringerter Speichelfluss (z. B. bei Parotitis, Sjögren-Syndrom oder Gebrauch von Anticholinergika), Speichelretention und ein erhöhter Speichel-pH-Wert beitragen.

Bestimmte Lebensmittel oder Gewürze geben nach der Verdauung den Geruch dieser Substanzen in die Lunge; der ausgeatmete Geruch kann unangenehm sein für andere. Zum Beispiel wird der Geruch von Knoblauch im Atem durch andere 2 oder 3 Stunden nach dem Verbrauch wahrgenommen, lange nachdem er aus dem Mund verschwunden ist.

Ätiologie

In rund 85% der Fälle liegt die Ursache im Mund, die übrigen sind durch systemische und extra-orale Störungen zu erklären (siehe Tabelle Einige Ursachen von Mundgeruch).

Die häufigsten Ursachen insgesamt sind die folgenden:

Gastrointestinale Störungen verursachen selten Mundgeruch, da sich der Ösophagussphinkter normal schließt. Dass sich im Atemgeruch Verdauungszustand und Darmfunktion widerspiegeln, ist ein Trugschluss.

Andere Atemgerüche

Bei mehreren systemischen Krankheiten können flüchtige Stoffe im Atem nachweisbar sein, die nicht so unangenehm oder stechend riechen, wie man es landläufig unter Foetor ex ore versteht. Eine diabetische Ketoazidose führt zu einem süßlich-fruchtigen (obstartigen) Acetongeruch. Leberversagen führt zu einem modrigen oder zum Teil leicht schwefeligen Geruch. Und Niereninsuffizienz verursacht einen Urin- oder Ammoniakgeruch.

Tabelle
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Einige Ursachen von Mundgeruch

Ursache

Typische Befunde

Diagnostischer Ansatz

Orale Zustände

Bakterien auf Zungenrücken

Übelriechender Zungenabstrich, gesunde Mundschleimhaut

Klinische Bewertung

Gingivale oder parodontale Erkrankungen

Orale Erkrankung, oft einhergehend mit Blutungen und/oder eitrigem Exsudat

Erkennbar während der Untersuchung

Oftmals Ergebnis schlechter Mundhygiene

Klinische Bewertung

Zahnärztliche Untersuchung

Nekrotisches Mundkarzinom (selten—meist diagnostiziert bevor es nekrotisch wird)

Läsion, in der Regel erkennbar bei der Untersuchung

Bei älteren Patienten, die häufig lange Zeit Alkohol, Tabak oder beides konsumiert haben

Biopsie, CT oder MRT

Extraorale Störungen

Nasaler Fremdkörper*

In der Regel bei Kindern

Purulenter oder blutiger Nasenausfluss

Sichtbar bei der Untersuchung

Klinische Bewertung

Manchmal Bildgebung

Nekrotisches Nasopharynxkarzinom*

Beschwerden beim Schlucken

Klinische Bewertung

Nekrotische pulmonale Infektion (z. B. Lungenabszess, Bronchiektasen, Fremdkörper)

Produktiver Husten

Fieber

Röntgenaufnahme des Thorax

Sputumkulturen

Manchmal CT oder Bronchoskopie

Psychogener Mundgeruch

Schlechter Geruch, der von anderen nicht wahrgenommen wird

Oftmals eine Reihe anderer hypochondrischer Beschwerden

Klinische Bewertung

Sinusitis*

Purulenter Nasenausfluss

Gesichtsschmerzen, Kopfschmerzen oder beides

Klinische Bewertung

Manchmal CT

Regurgitieren unverdauter Nahrung beim Hinlegen oder Vorbeugen

Schlucken von Barium für eine Aufnahme oder obere GI-Endoskopie

Aufgenommene Substanzen

Alkoholische Getränke, Knoblauch, Zwiebeln, Tabak

Gebrauch wird durch Anamnese ersichtlich

Klinische Bewertung

Versuch der Vermeidung

* Übler Geruch ist in der Regel mehr von der Nase ausgehend als vom Mund.

Typischerweise schließt eine Ausschlussdiganose nach einer Untersuchung andere Ursachen aus.

Beurteilung

Anamnese

Der aktuelle Krankheitsverlauf sollte die Dauer und die Schwere des Mundgeruchs bestätigen (einschließlich, ob andere Leute es bemerken oder sich beschwert haben), ob der Patient eine angemessene Mundhygiene betreibt und inwieweit die Aufnahme verursachender Lebensmittel für den Mundgeruch verantwortlich ist (siehe Tabelle Einige Ursachen von Mundgeruch).

Bei der Bewertung von Symptomen sollten Symptome verursachende Erkrankungen, einschließlich Nasenausfluss und Gesichts- oder Kopfschmerzen (Sinusitis, nasale Fremdkörper), produktiver Husten und Fieber (Lungenentzündung) und Regurgitation von unverdauter Nahrung beim Hinlegen oder Vornüberbeugen (Zenker-Divertikel) einfließen. Prädisponierende Faktoren wie Mundtrockenheit, trockene Augen oder beides (Sjögren-Syndrom) sind zu beachten.

Die Anamnese sollte die Dauer und die Menge des Alkohol- und Tabakkonsums erfragen. Eine Medikamentenanamnese sollte speziell Informationen über den Einsatz von Medikamenten, die Mundtrockenheit verursachen können (z. B. solche mit anticholinergen Effekten—siehe Tabelle Einige Ursachen der Xerostomie) erbringen.

Körperliche Untersuchung

Vitalfunktionen werden überprüft, insbesondere auf das Vorhandensein von Fieber.

Die Nase wird auf Ausfluss und Fremdkörper untersucht.

Der Mund wird auf Anzeichen von Parodontitis, dentale Infektionen und Krebs untersucht. Anzeichen offensichtlicher Trockenheit werden festgehalten (z. B. ob die Mukosa trocken, klebrig oder feucht ist, und ob der Speichel von schaumiger, fadenziehender oder normaler Erscheinung ist).

Der Rachen wird auf Anzeichen einer Infektion und Krebs untersucht.

Schnüffeltest

Die Atemluft wird einem Riechtest unterzogen. Ein unangenehmer und stechender Mundgeruch weist im Allgemeinen auf orale Störungsursachen hin, während systemische Erkrankungen subtilere Geruchsveränderungen bewirken. Im Idealfall sollten die Patienten (möglichst schon 48 Stunden) vor der Untersuchung auf Knoblauch und Zwiebeln verzichten und 2 Stunden vor dem Termin nichts mehr essen und trinken, weder Kaugummi kauen noch gurgeln oder den Mund ausspülen und auch nicht rauchen. Beim Exhalationstest atmet der Patient in 10 cm Entfernung zur Nase des Untersuchers zuerst durch den Mund und dann (bei geschlossenem Mund) durch die Nase aus. Übler Geruch, der aus dem Mund wahrgenommen wird, deutet auf eine orale Ätiologie hin, übler Geruch, der aus der Nase kommend wahrgenommen wird, deutet auf eine Nasen-oder Sinus Ätiologie hin. Schlechter Geruch sowohl bei Mund- als auch Nasenatmung lässt eine systemische oder pulmonale Ursache vermuten.

Wenn die Quelle unklar ist, wird der hintere Teil der Zunge mit einem Plastiklöffel abgeschabt. Nach 5 s wird der Löffel aus einer Entfernung von 5 cm von der Nase des Untersuchers beschnüffelt; ein schlechter Geruch deutet auf Bakterien auf der Zunge als Ursache hin.

Warnzeichen

Die folgenden Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung:

  • Fieber

  • Purulenter Nasenausfluss oder purulentes Sputum

  • Sichtbare oder tastbare orale Läsionen

Interpretation der Ergebnisse

Da orale Ursachen bei weitem die häufigsten sind, kann jede sichtbare orale Erkrankung bei Patienten ohne extraorale Symptome oder Anzeichen als Ursache von Mundgeruch vermutet werden und ein Zahnarzt sollte konsultiert werden. Wenn andere Störungen beteiligt sind, schlagen klinische Befunde oftmals eine Diagnose vor (siehe Tabelle Einige Ursachen von Mundgeruch).

Bei Patienten, deren Symptome in Bezug zur Einnahme bestimmter Lebensmittel oder Getränke stehen und die keine anderen Befunde haben, kann ein Versuch der Vermeidung (gefolgt von einem Schnüffeltest) die Klärung bringen.

Tests

Nur wenn sich aus Anamnese oder körperlicher Untersuchung Hinweise auf eine zugrunde liegende Erkrankung ergeben, sollte eine ausgiebigere Diagnostik erfolgen (siehe Tabelle Einige Ursachen von Mundgeruch). Die Bestimmung der Schwefelkonzentration mit tragbaren Messgeräten, Gaschromatographie und chemische Analysen der Zungenabstriche sollte man besser Forschungsgruppen oder bestimmten Zahnarztpraxen überlassen, die sich auf die Beurteilung und Behandlung von Mundgeruch spezialisiert haben.

Therapie

  • Regelmäßige Mundhygiene und Zahnpflege

  • Ursache behandelt

Die zugrunde liegenden Krankheiten werden kausal behandelt.

Bei einer oralen Ursache sollten die Patienten zum Zahnarzt gehen und eine professionelle Zahnreinigung, Zahnfleisch- und Kariesbehandlungvornehmen lassen. Zu Hause können sie durch richtige Verwendung von Zahnseide und Zahnbürste (Zähne putzen und Zungenbelag entfernen mit der Zahnbürste oder einem Zungenschaber) selbst zu einer besseren Mundhygiene beitragen. Mundspülungen sind nur von begrenztem Nutzen, aber diejenigen, die Oxidantien enthalten (in der Regel Chlordioxid), haben bessere kurzfristige Erfolge gezeigt. Wenn der Patient eine Vorgeschichte des Alkoholabusus hat, sollten nicht-alkoholische Mundspülungen verwendet werden. Bei psychogener Halitosis ist unter Umständen der Rat eines Psychiaters einzuholen.

Grundlagen der Geriatrie

Ältere Patienten nehmen eher Medikamente ein, die einen trockenen Mund verursachen, was zu Schwierigkeiten bei der Mundhygiene (ebenso wie eingeschränkte manuelle Fingerfertigkeit und Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Parkinsonerkrankung) und damit zu Mundgeruch führt, aber ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit einer Mundgeruchsbildung nicht höher. Auch orale Krebserkrankungen treten häufiger im Alter auf und sind bei älteren Patienten öfter ein Grund zur Besorgnis als bei jüngeren.

Wichtige Punkte

  • Mundgeruch ist meist ein Ergebnis aus der Fermentation von Speiseresten durch anaerobe gramnegative Bakterien, die sich um die Zähne und auf dem Zungerücken befinden.

  • Extraorale Störungen können Mundgeruch verursachen, sind aber häufig von suggestiven Befunden begleitet.

  • Dass sich im Atemgeruch Verdauungszustand und Darmfunktion widerspiegeln, ist ein Trugschluss.

  • Mundspülungen bringen nur eine kurzzeitige Besserung.

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