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Anabole Steroide

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Anabole Steroide werden oft zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zum Muskelwachstum eingesetzt. Bei dauerhafter hochdosierter Anwendung ohne medizinische Überwachung können sie zu Stimmungsschwankungen und irrationalem Verhalten sowie verschiedensten körperlichen Nebenwirkungen führen.

Zu den anabolen Steroiden gehören Testosteron und Substanzen, die chemisch oder pharmakologisch mit Testosteron verwandt sind, das, das Muskelwachstum fördert; es gibt eine große Anzahl an Präparaten im Handel. Anabole Steroide werden klinisch zur Behandlung niedriger Testosteronspiegel bei männlichem Hypogonadismus eingesetzt (Hypogonadismus beim Mann. Weil Anabolika antikatabol sind und die Proteinausnutzung verbessern, werden sie an Patienten mit schweren Verbrennungen, bettlägerige oder anderweitig geschwächte Patienten verabreicht, um den Muskelabbau zu verhindern.

Einige Ärzte verordnen auch Patienten mit AIDS-bedingtem Muskelabbau und Krebspatienten anabole Steroide. Es gibt jedoch nur wenige Daten, die die Wirksamkeit einer solchen Therapie belegen, und kaum Leitlinien über die Beeinflussung der Grunderkrankungen durch Androgen-Supplemente. Testosteron soll die Wundheilung fördern und bei Muskelverletzungen helfen; aber es gibt keine Daten, die diese Theorien stützen.

Anabole Steroide werden illegal dazu verwendet, Muskelmasse und Kraft zu erhöhen; Krafttraining und eine bestimmte Diät kann diese Effekte verstärken. Es gibt keinen direkten Nachweis für die Verbesserung von Ausdauer oder Geschwindigkeit durch anabole Steroide, aber Einzelfallberichte deuten darauf hin, dass Sportler, die Anabolika verwenden, häufiger mit hoher Intensität trainieren können. Die Muskelhypertrophie ist eindeutig.

Nach Schätzungen beträgt die Lebenszeitinzidenz des Anabolikamissbrauchs 0,5–5% der Bevölkerung, mit beträchtlichen Unterschieden in den Subpopulationen (z. B. höhere Raten bei Bodybuildern und Leistungssportlern). Berichten zufolge werden anabole Steroide in den USA von etwa 6–11% der männlichen Jugendlichen im High-School-Alter, einschl. einer unerwartet hohen Anzahl von Nichtsportlern, und etwa 2,5% der weiblichen Jugendlichen verwendet.

Pathophysiologie

Sie wirken androgen (Veränderungen des Haarwuchses oder der Libido, Aggressivität) und anabol (erhöhter Proteinaufbau, Aufbau der Muskelmasse). Androgene und anabole Wirkungen lassen sich nicht voneinander trennen. Um die androgene Wirkung zu minimieren, wurden aber einige anabole Steroide synthetisiert.

Testosteron wird schnell in der Leber metabolisiert; oral verabreichtes Testosteron wird zu schnell inaktiviert, um wirksam zu sein und zur Injektion bestimmtes Testosteron wird modifiziert (z. B. durch Veresterung), um Resorption und Abbau hinauszuzögern. Durch 17-Alpha-Alkylierung modifizierte Analoga sind häufig oral wirksam, haben jedoch stärkere Nebenwirkungen. Es stehen auch transdermale Präparate zur Verfügung.

Chronische Wirkungen

Die jeweiligen Nebenwirkungen sind stark dosis- und substanzabhängig. Die Nebenwirkungen sind bei physiologischen Dosen gering (z. B. Methyltestosteron 10–50 mg/täglich oder ein Äquivalent). Sportler können um das 10- bis 50-Fache dieser Dosis einnehmen. Bei hoher Dosierung sind einige Nebenwirkungen eindeutig belegt, andere sind jedoch zweifelhaft (siehe {blank} Nebenwirkungen von Anabolika). Unsicherheiten entstehen dadurch, dass die meisten Studien auch mit Probanden durchgeführt wurden, die diese Substanzen missbrauchen und die Dosen deshalb nicht unbedingt korrekt angeben. Vielfach werden auch auf dem Schwarzmarkt erworbene Anabolika verwendet, von denen viele gefälscht sind und verschiedenste Dosierungen und Substanzen enthalten, die nicht korrekt in den Produktinformationen angegeben sind.

Tabelle
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Nebenwirkungen von Anabolika

Deutlich gezeigt

Erythrozytose

Abnormales Lipidprofil (verminderte HDL, erhöhte LDL)

Leberanomalien: Peliosis Hepatitis, Adenom

Psychische Störungen (mit hohen Dosen)

Androgene Wirkung: Akne, Haarausfall, Virilisierung und Hirsutismus bei Frauen

Gonadale Unterdrückung (verringerte Spermienzahl, Hodenatrophie)

Gynäkomastie

Vorzeitige Schließung der Epiphysen

Fragwürdig

Hypertonie und LVH

Verschlechterung von Prostatahypertrophie oder vorbestehenden Karzinom

Leberkrebs

Schlecht gezeigt*

Erhöhtes Risiko für plötzlichen Tod bei Sportlern

Signifikante affektive Störung bei niedrigen Dosen

* Überwiegend mit 17-alpha-alkylierten Analoga.

HDL = High-Density-Lipoprotein, LDL = Low-Density-Lipoprotein; LVH = linksventrikuläre Hypertrophie.

Sportler nehmen Steroide häufig über einen bestimmten Zeitraum ein, setzen sie dann ab, und beginnen erneut mit der Einnahme; diesen Zyklus wiederholen sie mehrmals jährlich (Cycling). Es wird angenommen, dass sich in diesen vorübergehenden Einnahmepausen die endogenen Testosteronspiegel, die Spermienzahl und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse wieder normalisieren. Einzelberichten zufolge vermindert die zyklische Anwendung schädliche Wirkungen und verringert den Bedarf an immer höheren Dosen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Sportler verwenden häufig viele Medikamente gleichzeitig („Stacking“) und applizieren sie auf unterschiedlichen Wegen (oral, i.m. oder transdermal). Die Dosissteigerung während eines Zyklus („Pyramiding“) kann zu Dosen führen, die um das 5- bis 100-Fache höher liegen als die physiologische Dosierung. Durch Stacking und Pyramiding sollen die Rezeptorbindungen erhöht und Nebenwirkungen minimiert werden; hierfür gibt es bisher aber keine Belege.

Symptome und Beschwerden

Das charakteristischste Zeichen ist ein rapider Zuwachs der Muskelmasse. Wie schnell und wie intensiv dieser Muskelaufbau vonstatten geht, ist direkt von der eingenommenen Anabolikadosis abhängig. Bei Personen, die physiologische Dosen einnehmen, kommt es zu einem langsamen und oft kaum merklichen Wachstum; bei den Personen, die Megadosen einnehmen, kann sich die fettfreie Muskelmasse um mehrere Pfund pro Monat vergrößern. Energiespiegel und Libido (bei Männern) können sich ebenfalls erhöhen; diese Wirkungen lassen sich jedoch schwer identifizieren.

Psychologische Effekte (in der Regel nur bei sehr hohen Dosen) werden häufig von Familienmitgliedern bemerkt:

  • Sehr unterschiedliche und erratische Stimmungsschwankungen

  • Irrationales Verhalten

  • Erhöhte Aggressivität

  • Reizbarkeit

  • Gesteigerte Libido

  • Depression

Verstärkte Akne ist häufig bei beiden Geschlechtern; die Libido kann sich erhöhen oder, seltener, abnehmen; Aggressivität und Appetit können zunehmen. Gynäkomastie, Hodenatrophie und verminderte Fruchtbarkeit kann bei Männern auftreten. Einige der bei Frauen auftretenden virilisierenden Wirkungen können irreversibel sein (z. B. Alopezie, Vergrößerung der Klitoris, Hirsutismus, tiefere Stimme). Auch kann sich die Brustgröße verringern; Vaginalschleimhaut wird atrophisch und die Menstruation kann sich verändern oder aufhören. Virilisierung und Gynäkomastie können irreversibel sein.

Diagnose

  • Urinuntersuchung

Der Anabolikagebrauch lässt sich normalerweise mit einem Urintest nachweisen. Die Metaboliten der anabolen Steroide können bis zu 6 Monate nach Absetzen der Substanzen nachgewiesen werden (bei manchen Anabolikatypen sogar noch länger).

Testosteron exogen eigenommen, ist ununterscheidbar von endogenem Testosteron. Wenn jedoch hohe Testosteronspiegel festgestellt werden, wird das Verhältnis zwischen Testosteron und Epitestosteron (ein endogenes Steroid, das chemisch nahezu identisch mit Testosteron ist) gemessen. Normalerweise ist das Verhältnis < 6:01; wenn exogenes Testosteron verwendet wird, ist das Verhältnis höher.

Behandlung

  • Absetzen der Substanz

Die Hauptbehandlung besteht in dem Absetzen der Substanz. Obwohl eine körperliche Abhängigkeit nicht auftritt, kann eine psychologische Abhängigkeit bestehen, insbesondere bei Wettkampfbodybuildern. Eine Gynäkomastie kann eine chirurgische Reduktion erfordern.

Vorbeugung

Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollten Ärzte aufmerksam auf Anzeichen eines Anabolikamissbrauchs achten und die Patienten über die Risiken informieren. Die Aufklärung über anabole Steroide sollte ab einem Alter von 10 Jahren beginnen. Die Anwendung von Programmen, die alternative, gesunde Wege zur Erhöhung der Muskelmasse und zur Leistungssteigerung durch eine gute Ernährung und spezielle Krafttrainingtechniken propagieren, können helfen. Sowohl die Risiken als auch den Nutzen des Gebrauchs von anabolen Steroiden aufzuzeigen, scheint eine effektivere Art und Weise zu sein, um Jugendliche über die negativen Auswirkungen des Gebrauchs von illegalen Steroiden aufzuklären.

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