Nichttuberkulöse mykobakterielle Infektionen

Vollständige Überprüfung: Feb. 2026 VonMichael Croix, MD, University of Rochester Medical Center | Peer-Review durchChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Letzte Aktualisierung: Feb. 2026
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Es gibt über 190 anerkannte Mykobakterienarten, die überwiegend in der Umwelt und nicht beim Menschen vorkommen (1). Es werden regelmäßig neue Arten und Infektionen gemeldet. (Siehe auch Tuberkulose.) Viele dieser Organismen kommen ubiquitär in der Erde, im Staub und im Wasser vor.

Andere Mykobakterien als Mycobacterium tuberculosis können beim Menschen pathogen sein, sind jedoch für den Menschen deutlich weniger virulent als M. tuberculosis; daher führen die meisten Expositionen nicht zu einer Infektion und viele Infektionen nicht zu einer Erkrankung. Infektionen, die durch diese Organismen verursacht werden, werden als atypische, umweltbedingte und nichttuberkulöse Mykobakterieninfektionen (NTM) bezeichnet.

Das Auftreten von Erkrankungen durch NTM‑Infektionen erfordert in der Regel einen Defekt der lokalen oder systemischen Immunabwehr. Personen mit dem höchsten Risiko sind solche mit chronischen Lungenerkrankungen (einschließlich Mukoviszidose, Bronchiektasen anderer Genese als Mukoviszidose und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung), Personen mit HIV-Infektion, gebrechliche ältere Menschen und immungeschwächte Patienten; jedoch können auch andere Personen mit weniger offensichtlicher Immunschwäche eine progrediente Erkrankung entwickeln (2).

NTM-Infektionen sind in der Regel nicht übertragbar (d. h. sie werden meist aus der Umwelt und nicht von infizierten Personen erworben); daher sind sie in den meisten US-Bundesstaaten keine meldepflichtigen Krankheiten, was es erschwert, die Inzidenz von NTM-Infektionen genau zu bestimmen. Zudem bedeutet die Isolierung eines NTM-Erregers aus einer Flüssigkeits- oder Gewebeprobe nicht zwangsläufig, dass dieser auch die Ursache der Erkrankung ist.

Dennoch scheint die Zahl der Patienten, die eine behandlungsbedürftige NTM-Infektion aufweisen, zu steigen. Es ist unklar, inwieweit dieser offensichtliche Anstieg auf eine stärkere Sensibilisierung und verbesserte diagnostische Tests zurückzuführen ist und inwieweit es sich dabei um eine tatsächliche Zunahme der Infektionshäufigkeit handelt (3). Das längere Überleben von Patienten mit zystischer Fibrose und Patienten mit anderen prädisponierenden Lungenkrankheiten könnte ein Faktor sein. Da NTM-Erreger relativ resistent gegen die üblichen Chlorgehalte im Trinkwasser sind (4), könnte eine stärkere Exposition gegenüber aerosolierten Wasserquellen durch routinemäßiges Duschen, Wassersprudler oder dekorative Wasserspiele eine Rolle spielen. Auch der Klimawandel könnte eine Rolle spielen, da ein wärmeres und feuchteres Klima den Lebensraum von NTM-Erregern vergrößert. Weltweit gibt es beträchtliche geografische Unterschiede in der Prävalenz von NTM in klinischen Proben und Umweltquellen. In den Vereinigten Staaten gibt es in wärmeren, feuchten südlichen Klimazonen im Allgemeinen mehr NTM-Isolate als in kälteren, trockeneren nördlichen Klimazonen.

Der Mycobacterium avium-Komplex (MAC) umfasst die beiden eng verwandten Arten M. avium und M. intracellulare und ist für den Großteil der NTM-Erkrankungen verantwortlich, obwohl M. abscessus weltweit zunehmend häufiger wird (5). Weitere ursächliche Erreger von NTM-Erkrankungen sind M. kansasii, M. xenopi, M. marinum, M. ulcerans, M. fortuitum und M. chelonae (M. fortuitum und M. chelonae sind mit M. abscessus verwandt). Obwohl man im Allgemeinen davon ausgeht, dass die meisten NTM-Infektionen nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, kann M. abscessus bei Patienten mit Mukoviszidose übertragen werden.

Die Lunge ist der häufigste Ort der NTM‑Infektion; die meisten dieser Lungeninfektionen werden durch MAC verursacht, können aber auch durch M. kansasii, M. xenopi oder M. abscessus hervorgerufen werden. Die Lymphknoten, Knochen und Gelenke, Haut und Wunden sind weitere Stellen, die infiziert sein können. Diese Organismen sind in der Regel resistent gegen Tuberkulosemedikamente (mit Ausnahme von M. kansasii und M. xenopi).

Die Diagnose von NTM-Infektionen wird typischerweise mittels Färbung auf säurefeste Stäbchen und Kultur von Flüssigkeits- oder Gewebeproben gestellt. Zwar existieren Nukleinsäureamplifikationstests (NAATs) für die gängigsten NTM-Erreger, in den USA erfolgt die Speziesbestimmung in staatlichen Gesundheitslaboren jedoch zunehmend mittels Gensequenzierung und anderen Verfahren wie der Massenspektrometrie.

NTM‑Infektionen werden am besten von einer Fachperson mit besonderer Expertise auf diesem Gebiet behandelt.

Allgemeine Literatur

  1. 1. Matsumoto Y, Kinjo T, Motooka D, et al. Comprehensive subspecies identification of 175 nontuberculous mycobacteria species based on 7547 genomic profiles. Emerg Microbes Infect. 2019;8(1):1043-1053. doi:10.1080/22221751.2019.1637702

  2. 2. Floto RA, Olivier KN, Saiman L, et al. US Cystic Fibrosis Foundation and European Cystic Fibrosis Society consensus recommendations for the management of non-tuberculous mycobacteria in individuals with cystic fibrosis. Thorax. 2016;71 Suppl 1(Suppl 1):i1-i22. doi:10.1136/thoraxjnl-2015-207360

  3. 3. Prevots DR, Marshall JE, Wagner D, Morimoto K. Global Epidemiology of Nontuberculous Mycobacterial Pulmonary Disease: A Review. Clin Chest Med. 2023;44(4):675-721. doi:10.1016/j.ccm.2023.08.012

  4. 4. Norton GJ, Williams M, Falkinham JO 3rd, Honda JR. Physical measures to reduce exposure to tap water-associated nontuberculous mycobacteria. Front Public Health. 2020;8:190. doi:10.3389/fpubh.2020.00190

  5. 5. Pereira JV, Wong CYX, Sng LH, Low JGH, Ng DHL. Longitudinal epidemiology of pulmonary nontuberculous mycobacteria and tuberculosis in Singapore (2006-2024): Emerging dominance of Mycobacterium abscessusInt J Infect Dis. Published online September 10, 2025. doi:10.1016/j.ijid.2025.108054

Pulmonale Krankheiten

Ein häufiges klinisches Szenario einer Infektion mit dem Mycobacterium avium-Komplex (MAC) findet sich bei immunkompetenten, mittelalten oder älteren weißen Frauen mit niedrigem BMI, die Mittellappen-Bronchiektasen, eine Skoliose, ein Pectus excavatum oder einen Mitralklappenprolaps aufweisen. Diese Patientengruppe leidet typischerweise unter einem chronischen, unproduktiven Husten, ohne dass sonstige Lungenanomalien vorliegen. Dieses Phänomen wird oft als Lady-Windermere-Syndrom bezeichnet und scheint immer häufiger aufzutreten, insbesondere bei Frauen in wohlhabenden Ländern. Die Gründe für diesen Anstieg sind noch nicht vollständig geklärt, könnten jedoch auf das ubiquitäre Vorkommen von NTM-Erregern in der Umwelt und eine erhöhte Anfälligkeit der Wirte zurückzuführen sein. Beide Faktoren führen zu höheren Infektionsraten bei Menschen ohne vorbestehende Lungenerkrankung, insbesondere bei älteren, immunkompetenten Frauen (1). Das beim Lady-Windermere-Syndrom beobachtete Muster scheint auch bei einer Handvoll älterer Männer beiläufig festgestellt worden zu sein.

MAC verursacht auch pulmonale Erkrankungen bei mittelalten oder älteren weißen Männern mit vorbestehenden Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis, Emphysem, ausgeheilter Tuberkulose, Bronchiektasie oder Silikose.

Ob MAC eine Bronchiektasie verursacht oder eine Bronchiektasie zu MAC führt, ist bei einem bestimmten Patienten nicht immer klar; beide Phänomene treten auf.

Eine weitere wichtige Patientengruppe, die anfällig für NTM-Infektionen ist, sind Patienten mit Mukoviszidose (Zystische Fibrose, CF). Dank der besseren Behandlung der Mukoviszidose leben die Patienten länger und entwickeln daher eher Komplikationen wie die NTM-Erkrankung.

Häufige Symptome sind Husten und Auswurf, oft begleitet von Müdigkeit, Gewichtsverlust und leichtem Fieber. Der Verlauf kann über lange Zeit stabil oder nur langsam progredient sein. Es können sich eine Ateminsuffizienz und persistierende Hämoptysen entwickeln.

Fibronoduläre Infiltrate auf dem Röntgenbild des Brustkorbs ähneln denen einer Lungentuberkulose, die Kavernen sind jedoch typischerweise dünnwandig und ein Pleuraerguss ist selten. Sogenannte "tree-and-bud-Inflltrate", die im Brust-CT zu sehen sind, sind auch charakteristisch für eine MAC-Erkrankung.

Um eine MAC-Infektion zu diagnostizieren und von einer Tuberkulose abzugrenzen, werden eine Sputumuntersuchung und eine Kultur durchgeführt.

Eine Bestimmung der Arzneimittelempfindlichkeit kann bei bestimmten Erreger/Arzneimittel -Kombinationen hilfreich sein, ist jedoch nur in hoch spezialisierten Laboratorien durchführbar. Die Empfindlichkeit für Clarithromycin ist ein Prädiktor für die therapeutische Reaktion bei MAC.

Die Behandlung von Lungenerkrankungen bei Erwachsenen richtet sich nach der jeweiligen NTM-Art, dem Schweregrad der Erkrankung und den Ergebnissen der Empfindlichkeitsprüfung (2). Empfohlen wird eine Dreifachtherapie, in der Regel bestehend aus Azithromycin oder Clarithromycin, Rifampin (Rifampicin) oder Rifabutin sowie Ethambutol, manchmal ergänzt durch parenteral verabreichtes Amikacin oder Streptomycin. Die Behandlung sollte mindestens 12 Monate nach der Kulturkonversion fortgesetzt werden. Aufgrund der langen Behandlungsdauer müssen die Therapietreue und das Potenzial für unerwünschte Wirkungen (einschließlich Arzneimittelwechselwirkungen) bei Behandlungsentscheidungen berücksichtigt werden. Die Behandlung von Lungenerkrankungen (in der Regel verursacht durch MAC) richtet sich nach dem klinischen Schweregrad.

Bei nichtkavernöser nodulärer oder bronchiektatischer Erkrankung aufgrund von MAC ist eine Therapie mit 500 mg Azithromycin, 25 mg/kg Ethambutol und 600 mg Rifampin 3-mal wöchentlich oral ein akzeptables Behandlungsschema (2).

Bei schwerer bronchiektatischer oder kavitärer Erkrankung aufgrund einer MAC-Infektion mit positiven Sputumausstrichen und -kulturen sollten Clarithromycin 500 mg oral zweimal täglich oder Azithromycin 250 bis 500 mg oral einmal täglich, Rifampicin 600 mg oder Rifabutin 5 mg/kg (300 mg) oral einmal täglich sowie Ethambutol 15 mg/kg oral einmal täglich (oder 25 mg/kg dreimal wöchentlich) über 12 bis 18 Monate eingenommen werden oder bis die Kulturen 12 Monate lang negativ bleiben (2).

Bei Patienten mit einer trotz sechsmonatiger Therapie anhaltenden pulmonalen MAC-Infektion sollte, sofern verfügbar, eine Amikacin-Liposomen-Inhalationssuspension oder inhalatives Amikacin zusätzlich verabreicht werden (2). Bei Patienten mit einer Makrolid-resistenten MAC-Infektion oder einer kavitären Lungenerkrankung sollte das ursprüngliche Behandlungsschema für einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten um parenterales Amikacin oder Streptomycin ergänzt werden.

M. kansasii- und M. xenopi-Infektionen können mit Isoniazid, Rifabutin und Ethambutol mit oder ohne Streptomycin oder Clarithromycin, verabreicht für 18–24 Monate behandelt werden.

Die pulmonale Erkrankung des M. abscessus-Komplexes ist besonders schwer zu behandeln, da einige Subspezies gegen Makrolide resistent sind. Für die Behandlung sind 3 bis 4 Antibiotika erforderlich, deren Wirksamkeit durch eine Empfindlichkeitsprüfung belegt ist. Die Therapie kann eine Kombination aus Amikacin, Imipenem/Cilastatin, Cefoxitin, Clofazimin, Linezolid, Bedaquilin oder Omadacyclin umfassen.

Alle nichttuberkulösen Mykobakterien sind primär resistent gegen Pyrazinamid.

Nur in Ausnahmefällen wie z. B. gut lokalisierter Krankheit bei jungen, ansonsten gesunden Patienten werden resezierende chirurgische Maßnahmen an der Lunge empfohlen.

Literatur zu Lungenerkrankungen

  1. 1. Parvathaneni A, Malempati SC. Lady Windermere Syndrome: Unravelling an Older Lady's Nightmare. Cureus. 2023;15(10):e47601. Published 2023 Oct 24. doi:10.7759/cureus.47601

  2. 2. Daley CL, Iaccarino JM, Lange C, et al. Treatment of Nontuberculous Mycobacterial Pulmonary Disease: An Official ATS/ERS/ESCMID/IDSA Clinical Practice Guideline. Clin Infect Dis. 2020;71(4):905-913. doi:10.1093/cid/ciaa1125

Lymphadenitis

Bei Kindern von 1–5 Jahren wird eine chronische submaxilläre und submandibuläre zervikale Lymphadenitis häufig durch MAC oder M. scrofulaceum ausgelöst. Sie wird vermutlich durch orale Aufnahme von NTM‑Organismen aus Erde oder Wasser erworben.

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Biopsie.

In der Regel reicht eine Exzision als Behandlung aus, und eine Chemotherapie ist möglicherweise nicht erforderlich; bei Rezidiven oder therapieresistenten Fällen können jedoch Antibiotika (z. B. Makrolide) notwendig sein (1).

Literatur zur Lymphadenitis

  1. 1. Mandell DL, Wald ER, Michaels MG, Dohar JE. Management of nontuberculous mycobacterial cervical lymphadenitis. Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 2003;129(3):341-344. doi:10.1001/archotol.129.3.341

Hautkrankheit

Das Schwimmbadgranulom oder Aquariengranulom ist eine langwierige, aber selbstlimitierende, oberflächliche granulomatöse ulzerierende Erkrankung, die gewöhnlich durch M. marinum verursacht wird und die man sich beispielsweise beim Schwimmen in einem kontaminierten Pool oder beim Reinigen eines heimischen Aquariums zuzieht. Gelegentlich sind auch M. ulcerans und M. kansasii beteiligt.

Erythematöse Läsionen, die sich vergrößern und zu violetten Knötchen werden, treten am häufigsten an den oberen Extremitäten oder Knien auf.

Die Heilung kann spontan erfolgen, aber Minocyclin oder Doxycyclin 100 bis 200 mg oral einmal täglich, Clarithromycin 500 mg oral zweimal täglich oder Rifampin (Rifampicin) plus Ethambutol über 3 bis 6 Monate waren gegen M. marinum wirksam.

Das Buruli-Ulkus (auch bekannt als Bairnsdale‑ oder Daintree‑Ulkus) wird durch M. ulcerans verursacht und tritt in ländlichen Gebieten von über 30 tropischen und subtropischen Ländern auf; die meisten Fälle kommen in West‑ und Zentralafrika vor, und in Gebieten der Provinz Victoria in Australien wurde ein Anstieg der Fälle beobachtet (1). Er beginnt als ein schmerzloses subkutanes Knötchen, eine große schmerzlose Indurationsfläche oder eine diffuse schmerzlose Schwellung der Beine, der Arme oder des Gesichts. Die Infektion schreitet fort, indem sie eine umfangreiche Zerstörung von Haut und Weichgewebe verursacht; große Ulzera können sich an den Beinen oder Armen bilden. Die Heilung kann in einer schweren Kontraktur, Narbenbildung und Deformierung resultieren.

Zur Diagnose sollten molekulare Methoden wie die Polymerase-Kettenreaktion durchgeführt werden.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 8 Wochen einer einmal täglichen Kombinationstherapie mit Rifampicin 10 mg/kg p.o. plus entweder Streptomycin 15 mg/kg i.m., Clarithromycin 7,5 mg/kg p.o. (während der Schwangerschaft bevorzugt) oder 400 mg Moxifloxacin p.o. Streptomycin ist jedoch problematisch, da es parenteral verabreicht wird und toxisch ist. Die WHO stellt fest, dass eine Studie darauf hindeutet, dass die Kombination von Rifampicin (10 mg/kg einmal/Tag) und Clarithromycin (7,5 mg/kg 2-mal täglich) die empfohlene Behandlung ist (2). Derzeit läuft eine randomisierte Studie, in der untersucht wird, ob die Ergänzung dieses Behandlungsschemas um Amoxicillin/Clavulanat zu einer besseren Wirksamkeit und Verträglichkeit führen könnte (3).

Literatur zu Hautinfektionen

  1. 1. Ravindran B, Hennessy D, O'Hara M, et al. Epidemiology of Buruli Ulcer in Victoria, Australia, 2017-2022. Emerg Infect Dis. 2025;31(3):448-457. doi:10.3201/eid3103.240938

  2. 2. World Health Organization (WHO): Buruli ulcer (Mycobacterium ulcerans infection). January 12, 2023. Accessed October 2, 2025.

  3. 3. ClinicalTrials.gov. Beta-Lactam Containing Regimen for the Shortening of Buruli Ulcer Disease Therapy (BLMs4BU). December 1, 2021. Accessed October 29, 2025.

Wund - und Fremdkörperinfektionen

Nichttuberkulöse Mykobakterien bilden Biofilme. Sie können in Wassersystemen in Wohn-, Büro- und Gesundheitseinrichtungen überleben. Sie sind mit gängigen Dekontaminationspraktiken (z. B. bei Verwendung von Chlor, Organomercurials oder alkalischem Glutaraldehyd) schwer zu beseitigen.

Schnell wachsende nichttuberkulöse Mykobakterien (M. fortuitum Komplex, M. chelonae, M. abscessus Komplex) können zu nosokomialen Infektionen führen, in der Regel durch Injektion kontaminierter Lösungen, Wundkontamination mit nicht sterilem Wasser, Verwendung kontaminierter Instrumente oder Implantation kontaminierter Medizinprodukte. Diese Infektionen können sich auch nach kosmetischen Eingriffen, Akupunktur oder Tätowierung entwickeln. M. fortuitum-Komplex verursachte ernste Infektionen penetrierender Wunden der Augen und Haut (insbesondere Füße), an Tätowierungen sowie bei Patienten nach Erhalt kontaminierter Medizinprodukte (z. B. Herzklappen vom Schwein, Brustimplantate, Knochenwachs).

In den USA traten Ausbrüche von M. abscessus- Infektionen in Georgia (2015) und Kalifornien (2016) auf. Diese Ausbrüche traten bei Kindern auf, wenn mit M. abscessus-Biofilm kontaminiertes Wasser während einer Pulpotomie (eines zahnärztlichen Eingriffs) verwendet wurde; es kam zu schweren Infektionen.

Die Therapie erfordert meist ein extensives Débridement und die Entfernung von Fremdmaterial.

Mehrere Medikamente haben sich bei der Behandlung von nichttuberkulösen mykobakteriellen Infektionen der Haut und der Weichteile als wirksam erwiesen (1, 2). Nützliche Medikamente umfassen:

  • Imipenem 1 g IV alle 6 h

  • Levofloxacin 500 mg IV oder p.o. 1-mal täglich

  • Clarithromycin 500 mg p.o. 2-mal täglich

  • Trimethoprim/Sulfamethoxazol 1 Tablette doppelter Stärke oral 2-mal täglich

  • Doxycycline 100 bis 200 mg p.o. 1-mal/Tag

  • Cefoxitin 2 g IV alle 6-8 h

  • Amikacin 10 bis 15 mg/kg IV einmal pro Tag

Eine Kombinationstherapie mit mindestens 2 Medikamenten, die in vitro-Aktivität besitzen, wird empfohlen. Die Dauer der Therapie beträgt im Durchschnitt 24 Monate und kann länger sein, wenn das infizierte Fremdmaterial im Körper verbleibt. Amikacin ist normalerweise für die ersten 3 bis 6 Monate der Therapie enthalten.

Infektionen durch M. abscessus und M. chelonae sind in der Regel gegen die meisten Antibiotika (einschließlich Makrolide) resistent, haben sich als extrem schwierig oder unmöglich zu heilen erwiesen und sollten an eine erfahrene Fachperson überwiesen werden (3).

Literatur zu Wund- und Fremdkörperinfektionen

  1. 1. Shulha JA, Escalante P, Wilson JW. Pharmacotherapy Approaches in Nontuberculous Mycobacteria Infections. Mayo Clin Proc. 2019;94(8):1567-1581. doi:10.1016/j.mayocp.2018.12.011

  2. 2. Griffith DE, Aksamit T, Brown-Elliott BA, et al. An official ATS/IDSA statement: diagnosis, treatment, and prevention of nontuberculous mycobacterial diseases. Am J Respir Crit Care Med. 2007;175(4):367-416. doi:10.1164/rccm.200604-571ST

  3. 3. Nguyen TQ, Heo BE, Jeon S, et al. Exploring antibiotic resistance mechanisms in Mycobacterium abscessus for enhanced therapeutic approaches. Front Microbiol. 2024;15:1331508. Published 2024 Feb 6. doi:10.3389/fmicb.2024.1331508

Disseminierte Erkrankung

Der Mycobacterium avium‑Komplex (MAC) verursacht häufig disseminierte Erkrankungen bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener HIV‑Infektion und gelegentlich bei solchen mit anderen immunsupprimierten Zuständen, einschließlich Organtransplantation und Haarzellleukämie. Bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener HIV‑Infektion entwickelt sich die disseminierte MAC‑Infektion üblicherweise spät (im Gegensatz zur TB, die früh auftritt) und tritt gleichzeitig mit anderen opportunistischen Infektionen auf (1).

Eine disseminierte MAC-Infektion führt zu Fieber, Anämie, Thrombozytopenie, Diarrhö und abdominellen Schmerzen (Charakteristika ähnlich wie bei Morbus Whipple).

Die Diagnose einer disseminierten MAC-Infektion kann durch Kulturen von Blut oder Knochenmark oder durch Biopsie (z. B. perkutane Feinnadelbiopsie der Leber oder von nekrotischen Lymphknoten) bestätigt werden. Die Erreger können in Stuhlproben und respiratorischen Materialien identifiziert werden, Erregernachweise aus diesen Materialien können aber auch eher Kolonisationen als echte Krankheiten darstellen.

Eine Kombinationstherapie zur Beseitigung der Bakteriämie und zur Linderung der Symptome erfordert in der Regel 2 oder 3 Medikamente; eine Kombination ist Clarithromycin 500 mg oral zweimal täglich oder Azithromycin 600 mg oral einmal täglich, plus Ethambutol (EMB) 15 bis 25 mg/kg oral einmal täglich. Manchmal wird auch Rifabutin 300 mg oral 1-mal täglich gegeben. Nach erfolgreicher Behandlung ist die chronische Suppression mit Clarithromycin oder Azithromycin zzgl. EMB notwendig, um einen Rückfall zu verhindern.

Patientinnen und Patienten mit HIV-Infektion, bei denen die Diagnose nicht vor der Vorstellung mit einer disseminierten MAC-Infektion gestellt wurde, können bis zu 2 Wochen eine antimykobakterielle Behandlung erhalten, bevor eine antiretrovirale Therapie (ART) begonnen wird, um das Risiko der Entwicklung eines Immunrekonstitutionssyndroms (IRIS) zu verringern.

Eine primäre Prophylaxe gegen MAC wird für Patienten mit HIV-Infektion, die sofort mit einer ART beginnen, nicht empfohlen (1). Eine Prophylaxe gegen Mycobacterium-avium-Komplex (MAC) ist indiziert bei Patienten mit einer CD4-Zellzahl < 50 Zellen/µl, die keine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten, bei persistierender Virämie unter ART oder wenn aufgrund von Resistenzen keine vollständige Virussuppression erreicht werden kann. Bevor mit der Prophylaxe begonnen wird, sollte eine disseminierte MAC-Infektion klinisch oder durch eine Blutkultur zum Nachweis säurefester Stäbchen ausgeschlossen werden.

Referenz zur disseminierten Erkrankung

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