Extrapulmonale Tuberkulose

Vollständige Überprüfung: Feb. 2026 VonMichael Croix, MD, University of Rochester Medical Center | Peer-Review durchChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Letzte Aktualisierung: Feb. 2026
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Die Infektion mit Mycobacterium tuberculosis außerhalb der Lunge entsteht üblicherweise durch hämatogene Dissemination. Gelegentlich geht die Infektion auch direkt von einem benachbarten Organ aus. Die Symptome variieren je nach Organ oder anatomischer Lokalisation, umfassen aber im Allgemeinen Fieber, Unwohlsein und Gewichtsverlust. Die Diagnose stützt sich meist auf Untersuchungen des Liquors oder Urins sowie von Pleura-, Perikard- oder Gelenkflüssigkeit (einschließlich molekularer Diagnostik) und auf Kulturen. Bei Verdacht auf eine Lungeninfektion ist eine Untersuchung auf Lungentuberkulose angezeigt. Die Behandlung erfolgt mit einer Kombination antimikrobieller Substanzen über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten.

Der Begriff Tuberkulose bezieht sich im engeren Sinn nur auf Krankheiten, die durch Mycobacterium tuberculosis (für das Menschen das wichtigste Reservoir sind) verursacht werden. Obwohl die Lunge am häufigsten der initiale Infektionsort ist, kann sich die Erkrankung auf viele Organe ausbreiten. (Für Details über den Organismus, die Pathophysiologie und die Lungenerkrankung siehe Tuberkulose.)

Pleurale TB (TB-Empyem)

Ein Empyem bei extrapulmonaler Tuberkulose entsteht durch eine chronische, eitrige Infektion des Pleuraraums bei Patienten mit einer hohen Konzentration an Tuberkelbakterien. Ein Empyem entsteht häufig durch einen direkten Durchbruch einer angrenzenden Lungenkaverne in die Pleura. 

Das klinische Erscheinungsbild umfasst in der Regel makroskopisch eitrige Pleuraflüssigkeit und eine ausgeprägte Pleuraverdickung in der Bildgebung; aufgrund der Schwere beider Befunde können eine chirurgische Drainage sowie eine prolongierte antituberkulöse Chemotherapie erforderlich sein.

Perikardiale Tuberkulose (TB-Perikarditis)

Eine perikardiale Infektion kann sich ausgehend von Foci in mediastinalen Lymphknoten oder von einer pleuralen Tuberkulose aus entwickeln. In bestimmten Regionen der Erde mit hoher Tuberkulose-Prävalenz stellt eine Tuberkulose-Perikarditis eine häufige Ursache einer Herzinsuffizienz dar.

Patienten können unter einem perikardialen Reiben, pleuritischen und lageabhängigen Thoraxschmerzen oder Fieber leiden. Es kann zu einer Perikardtamponade kommen, die zu Dyspnoe, Halsvenenschwellung, paradoxem Puls, gedämpften Herztönen und möglicherweise auch Blutdruckabfall führen kann.

Tuberkulöse Lymphadenitis (Skrofulose)

Tuberkulöse Lymphadenitis umfasst in der Regel die Lymphknoten in den posterioren Zervix- und Supraklavikulärketten. Es wird angenommen, dass die Infektion in diesen Bereichen auf eine kontinuierliche Ausbreitung von intrathorakalen Lymphgefäßen oder auf eine Infektion der Mandeln und Polypen zurückzuführen ist. Mediastinale und hiläre Lymphknoten sind im Rahmen einer primären Lungenerkrankung, insbesondere bei Kindern, ebenfalls häufig vergrößert (3). Die Kombination aus dem initialen Infektionsherd im Lungenparenchym (Ghon-Herd) und betroffenen Lymphknoten wird als Ghon-Komplex bezeichnet; ein verkalkter Ghon-Komplex wird als Ranke-Komplex bezeichnet.

Die tuberkulöse Lymphadenitis der Zervix ist durch die progressive Schwellung der betroffenen Knoten charakterisiert. In fortgeschrittenen Fällen können sich die Knoten entzünden und druckdolent werden; die darüber liegende Haut kann aufbrechen, was zu einer Drainagefistel führt.

Die Skrofulose wurde im 13. bis 18. Jahrhundert in England und Frankreich als „Königsübel“ bezeichnet; es bestand die verbreitete Annahme, dass die Läsionen durch die Berührung eines Mitglieds des Königshauses geheilt werden könnten (4).

Miliare Tuberkulose

Die Miliartuberkulose ist eine schwere, potenziell tödliche Form der Infektion mit M. tuberculosis (1). Die auch als generalisierte hämatogene Tuberkulose bekannte Miliartuberkulose entwickelt sich, wenn eine tuberkulöse Läsion in ein Blutgefäß erodiert und so Millionen von Tuberkulosebazillen in den Blutstrom und den gesamten Körper freisetzt. Die Miliartuberkulose ist durch das Vorhandensein von tuberkulösen Knötchen (Tuberkulome) in mehreren Organen gekennzeichnet. Das sogenannte hirsekornartige Aussehen dieser Knötchen in der makroskopischen Pathologie oder Bildgebung wird als „miliär“ bezeichnet. Die Lungen und das Knochenmark sind am häufigsten betroffen, es kann aber jede Region involviert sein. Eine unkontrollierte massive Ausbreitung kann während der Primärinfektion oder nach der Reaktivierung eines latenten Fokus auftreten.

Miliar-Tuberkulose ist am häufigsten unter:

  • Kinder < 4 Jahre

  • Immungeschwächte Personen (insbesondere solche mit einer HIV-Infektion)

  • ltere Erwachsene

Zu den Symptomen der Miliartuberkulose gehören Fieber, Schüttelfrost, Schwäche, Krankheitsgefühl, Gewichtsverlust und häufig fortschreitende Dyspnoe. Die intermittierende Verbreitung von Tuberkelbakterien kann zu einem verlängerten Fieber unbekannter Ursache (FUU) führen.

Choroidea-Tuberkel (kleine, gelbliche entzündliche Läsionen in der Aderhaut des Auges) sind, sofern vorhanden, pathognomonisch.

Eine Knochenmarkbeteiligung kann zu einer Anämie, Thrombozytopenie oder einer leukämischen Reaktion führen.

Bei unbehandelten Patienten mit Miliartuberkulose und Immunsuppression schreitet die Erkrankung oft rasch zu akutem Atemversagen oder akutem Atemnotsyndrom (ARDS) sowie Multiorganversagen fort; die Mortalität kann entsprechend hoch sein.

Meningeale Tuberkulose (TB-Meningitis)

Eine TB-Meningitis kommt oft auch ohne Infektion an anderen extrapulmonalen Stellen vor. In den Vereinigten Staaten tritt die TB‑Meningitis am häufigsten bei älteren Erwachsenen und immungeschwächten Patientinnen und Patienten auf. In Regionen der Welt, in denen Tuberkulose bei Kindern weit verbreitet ist, tritt die tuberkulöse Meningitis in der Regel bei Neugeborenen und Kindern bis zum Alter von 5 Jahren auf.

Die Meningitis ist die schwerwiegendste Manifestation der Tuberkulose und geht mit einer hohen Morbidität sowie einer Mortalität in etwa 29 % der Fälle einher (2). Die tuberkulöse Meningitis ist eine der schweren Formen der Tuberkulose, die bei Kindern durch die BCG-Impfung verhindert werden kann.

Zu den Beschwerden gehören leichtes Fieber, nicht remittierende Kopfschmerzen, Übelkeit und Schläfrigkeit, die bis zu Stupor und Koma fortschreiten können. Kernig- und Brudzinski-Zeichen können positiv sein. Fokalneurologische Symptome weisen auf ein Tuberkulom hin.

Da die frühen Zeichen unspezifisch sind, ist es wichtig, die Diagnose bei allen Patienten mit bekannter TB-Exposition, Infektion oder Erkrankung, einschließlich einer TB-Vorgeschichte, sowie bei allen Personen mit passenden Symptomen aus Regionen mit hoher TB-Prävalenz frühzeitig in Betracht zu ziehen.

Der klinische Verlauf der TB-Meningitis gliedert sich in die folgenden Stadien:

  1. Stadium 1: Klares Sensorium mit pathologischer Untersuchung der Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor)

  2. Stadium 2: Schläfrigkeit oder Stupor mit fokalen neurologischen Zeichen

  3. Stadium 3: Koma

Mögliche Komplikationen umfassen einen Schlaganfall, der durch eine Thrombose eines großen zerebralen Gefäßes entstehen kann, sowie ein Koma.

Gastrointestinale Tuberkulose

Da die gesamte gastrointestinale Mukosa einen Schutz gegen eine Tuberkulose-Invasion darstellt, sind für eine Infektion eine längere Exposition und enorme Inokula - oder ein prädisponierender Immundefekt - erforderlich. GI-TB ist sehr ungewöhnlich in Ländern, in denen Rindertuberkulose selten ist (z. B. wegen der Pasteurisierung der Milch und der routinemäßigen Tuberkulosetests bei Rindern).

Geschwüre im Mund und Oropharynx können sich durch Essen von M. bovis-verunreinigten Milchprodukten entwickeln; primäre Läsionen können auch im Dünndarm auftreten. Eine intestinale Invasion führt meist zu einer Hyperplasie und einem entzündlichen Darmsyndrom mit Schmerzen, Diarrhö, Darmobstruktion und Hämatochezie. Sie kann auch eine Appendizitis imitieren, Ulzerationen und Fistelbildung sind möglich.

Leber Tuberkulose

Eine Lebertuberkulose tritt häufig bei Patienten mit fortgeschrittener Lungentuberkulose und weit verbreiteter oder miliarer Tuberkulose auf. Trotzdem heilt die Leber meist ohne Folgeerscheinungen aus, wenn die zu Grunde liegende Infektion behandelt wird.

Eine Leber-Tuberkulose breitet sich gelegentlich in die Gallenblase aus, was zu Cholestase und Ikterus führen kann.

Urogenitale Tuberkulose

Eine TB-Infektion der Nieren kann sich als Pyelonephritis manifestieren (z. B. mit Fieber, Rücken- oder Flankenschmerzen und Pyurie) ohne Nachweis der üblichen Krankheitserreger in der routinemäßigen Urinkultur (sterile Pyurie).

Die Infektion breitet sich häufig auf die Blase, bei Männern auch auf die Prostata, Samenbläschen oder Nebenhoden aus und kann zu einer skrotalen Schwellung führen. Die Infektion kann sich in den perinephritischen Raum ausbreiten sowie hinunter in die Psoasmuskulatur, was gelegentlich zu einer Abszessbildung in der anterioren Schenkelregion führt.

Bei Frauen kann es nach der Menarche mit Vaskularisierung der Eileiter zu einer Salpingo-Oophoritis kommen. Die Beschwerden umfassen z. B. chronische pelvine Schmerzen und Sterilität oder ektope Schwangerschaft durch Tubenvernarbung.

Peritoneale Tuberkulose (TB-Peritonitis)

Eine peritoneale Infektion kommt durch eine metastatische Ausbreitung von abdominellen Lymphknoten oder einer Salpingo-Oophoritis zustande. TB-Peritonitis tritt besonders häufig bei Menschen mit Alkoholproblemen und Zirrhose auf.

Die Beschwerden können diskret sein mit Ermüdung, abdominellen Schmerzen und Abwehrspannung oder so ausgeprägt, dass sie die eines akuten Abdomens imitieren.

Kutane Tuberkulose

Die Hauttuberkulose kann viele charakteristische Formen annehmen, darunter Skrofuloderma, Lupus vulgaris und Verrucosa cutis (5). Die Symptome reichen von Papeln, Knötchen und warzenartigen Läsionen bis hin zu chronischen Ulzera, Fisteln und Abszessen.

Skrofuloderm entsteht durch direkte Ausdehnung eines zugrunde liegenden TB‑Herdes (z. B. eines regionalen Lymphknotens, eines infizierten Knochens oder Gelenks) auf die darüberliegende Haut und führt zur Bildung von Ulzera und Fistelgängen.

Kutane Tuberkulose (Skrofulose)
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Patienten mit Skrofuloderm weisen schmerzlose, feste, subkutane Knoten (oberer Pfeil) auf, die sich im Verlauf vergrößern und Geschwüre sowie Fistelgänge (unterer Pfeil) bilden.

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Lupus vulgaris resultiert aus hämatogener oder lymphogener Verteilung der Haut durch einen extrakutanen Fokus bei einem sensibilisierten Patienten.

Tuberkulose verrucosa cutis (Prosektorwarze) tritt nach exogener direkter Beimpfung der Mykobakterien in die Haut eines zuvor sensibilisierten Patienten mit mäßiger bis hoher Immunität gegen die Bazillen auf. Hautausschläge sind typischerweise erythematös und papulonodulär.

Selten entwickelt sich bei Patienten mit einer kavernösen pulmonalen Tuberkulose eine Tuberkulose auf erodierter Haut.

Muskuloskelettale Tuberkulose

Am häufigsten sind gewichtsbelastete Gelenke betroffen, die Knochen des Handgelenks, der Hände und Ellenbogen können jedoch auch betroffen sein, insbesondere nach Verletzungen.

Die tuberkulöse Spondylodiszitis (im englischen Sprachraum: "Pott's disease") stellt eine Infektion der Wirbelsäule dar, die in einem Wirbelkörper oder einer Zwischenwirbelscheibe beginnt und sich oft auf benachbarte Wirbelkörper ausbreitet, was zu einer Verschmälerung des Zwischenwirbelraums führt. Ohne Therapie kann der Wirbelkörper kollabieren. Unerwartet selten kommt es selbst bei ausgedehnten Mehretagenprozessen zu Ausfällen an den Nerven. Diese sind aber möglich bis hin zur Paraplegie, wenn pathologische Frakturen auf das Rückenmark drücken. Aufgrund eines (meist prävertebralen) Abszesses kann es zu einer paravertebralen Schwellung kommen. Es kommt zu progressiven oder konstanten Schmerzen in den involvierten Knochen und einer chronischen oder subakuten Arthritis (meist monoartikulär). Bei der tuberkulösen Spondylodiszitis produziert die Rückenmarkkompression neurologische Defizite, einschließlich Paraplegie; eine paravertebrale Schwellung kann aus einem Abszess folgen.

Tuberkelbazillen können sich zu den Sehnenscheiden (tuberkulöse Tendovaginitis) hin per continuitatem von benachbarten Läsionen im Knochen oder hämatogen von jedem infizierten Organ ausbreiten.

Andere Lokalisationen der TB-Infektion

TB kann die Wand eines Blutgefäßes infizieren und eine Ruptur der Aorta verursachen.

Eine Beteiligung der Nebennieren, die zu einer Addison-Krankheit führt, war häufig, ist aber heute selten.

Allgemeine Literatur

  1. 1. Sharma SK, Mohan A, Sharma A, Mitra DK. Miliary tuberculosis: new insights into an old disease. Lancet Infect Dis. 2005;5(7):415-430. doi:10.1016/S1473-3099(05)70163-8

  2. 2. Seid G, Alemu A, Dagne B, Gamtesa DF. Microbiological diagnosis and mortality of tuberculosis meningitis: Systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2023;18(2):e0279203. Published 2023 Feb 16. doi:10.1371/journal.pone.0279203

  3. 3. Mahomed N, Kilborn T, Smit EJ, et al. Tuberculosis revisted: classic imaging findings in childhood. Pediatr Radiol. 2023;53(9):1799-1828. doi:10.1007/s00247-023-05648-z

  4. 4. Grzybowski S, Allen EA. History and importance of scrofula. Lancet. 1995;346(8988):1472-1474. doi:10.1016/s0140-6736(95)92478-7

  5. 5. Nguyen KH, Alcantara CA, Glassman I, et al. Cutaneous Manifestations of Mycobacterium tuberculosis: A Literature Review. Pathogens. 2023;12(7):920. Published 2023 Jul 8. doi:10.3390/pathogens12070920

Diagnose der extrapulmonalen Tuberkulose

  • Mikroskopie auf säurefeste Bazillen (AFB); molekulare Tests (Nukleinsäureamplifikationstests [NAAT]); sowie Mykobakterienkultur von Flüssigkeits- und Gewebeproben

  • Bildgebende Untersuchungen der betroffenen Organe

  • Tuberkulin-Hauttest (TST) oder Interferon-gamma- Freisetzungs-Nachweis (IGRA)

Die Diagnose der extrapulmonalen Tuberkulose erfolgt im Allgemeinen ähnlich wie bei der pulmonalen Tuberkulose (siehe Diagnose der TB) und umfasst Thoraxbildgebung, TST oder IGRA, molekulare Tests, AFB-Mikroskopie und mykobakterielle Kultur (1).

NAAT-Untersuchungen und mikroskopische Untersuchungen von Proben mit AFB-Färbung werden ebenfalls empfohlen, stützen sich jedoch auf Evidenz von geringerer Qualität. In der Regel werden mykobakterielle Kulturen von betroffenen Körperflüssigkeiten (Liquor, Urin oder Pleura-, Perikard- oder Gelenkflüssigkeit) sowie Gewebebiopsien durchgeführt. Bei etwa 50 % der Patienten mit disseminierter (miliarer) Tuberkulose fallen die Blutkulturen positiv aus; diese Patienten sind oftmals immungeschwächt, häufig aufgrund einer HIV-Infektion.

Kulturen und Ausstriche von Körperflüssigkeiten und -geweben sind jedoch oft negativ, da nur wenige Erreger vorhanden sind; in solchen Fällen kann ein NAAT, sofern verfügbar, besonders hilfreich sein. NAAT liefert schnelle Ergebnisse. Diese Testung kann an frischem Flüssigkeits‑ oder Biopsiematerial sowie an fixiertem Gewebe durchgeführt werden (z. B. wenn während eines chirurgischen Eingriffs kein TB‑Verdacht bestand und daher kein frisches Gewebe getestet wurde) (1). Ein positives NAAT-Ergebnis unterstützt nahezu immer die Diagnose einer Tuberkulose, da NAAT eine hohe Spezifität für den Nachweis von Tuberkulose aufweist (in der Regel > 95 %); ein negatives Ergebnis schließt eine Tuberkulose jedoch in den meisten Fällen nicht aus, da NAAT eine geringe Sensitivität besitzt (häufig < 90 %, kann jedoch vom untersuchten Probenmaterial abhängen) (1).

Weitere Befunde in Körperflüssigkeiten lassen sich nur durch mikroskopische oder andere Untersuchungen feststellen. Typischerweise ist eine Lymphozytose in Körperflüssigkeiten vorhanden. Ein Liquorglukosespiegel < 50% des Serumglukosespiegels sowie ein erhöhtes Liquorprotein sind diagnostisch sehr hinweisend.

Wenn alle Untersuchungen negativ ausfallen und immer noch der Verdacht auf eine Miliartuberkulose besteht, werden Knochenmark - und Leberbiopsien durchgeführt. Wenn aufgrund anderer Charakteristika der dringende Verdacht auf Vorliegen einer Tuberkulose besteht (z. B. bioptisch nachgewiesene Granulome, positiver TST oder IGRA plus nicht anders erklärbare Lymphozytose in Pleuraflüssigkeit oder Liquor), sollte die Therapie trotz fehlenden Nachweises von Tuberkulose-Erregern in der Regel fortgesetzt werden.

Die Thoraxradiographie und andere bildgebende Verfahren (z. B. hochauflösende CT) können ebenfalls hilfreiche diagnostische Informationen liefern (2). Im Röntgenthoraxbild können Zeichen einer primären oder aktiven Tuberkulose sichtbar sein; bei Miliartuberkulose (Milia = Hirsekorn) sind Tausende von 2–3 mm großen interstitiellen Knötchen gleichmäßig über beide Lungen verteilt.

Miliartuberkulose (Röntgenaufnahme)
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Diese Röntgenaufnahme des Thorax zeigt Befunde, die auf Miliartuberkulose hindeuten, einschließlich fast unzähliger, winziger (z. B. 2–3 mm), interstitieller Knoten, die über beide Lungen verteilt sind.

BIOPHOTO ASSOCIATES/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Andere bildgebende Verfahren werden auf der Grundlage der klinischen Befunde durchgeführt. Eine abdominale oder urogenitale Beteiligung erfordert in der Regel eine CT oder Ultraschall; Nierenläsionen sind oft sichtbar. Bei Knochen‑ und Gelenkbeteiligung sind CT oder MRT erforderlich; das MRT ist bei Wirbelsäulenerkrankungen vorzuziehen, da eine mögliche Weichteilbeteiligung besser beurteilt werden kann.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Lewinsohn DM, Leonard MK, LoBue PA, et al. Official American Thoracic Society/Infectious Diseases Society of America/Centers for Disease Control and Prevention Clinical Practice Guidelines: Diagnosis of Tuberculosis in Adults and Children. Clin Infect Dis. 2017;64(2):111-115. doi:10.1093/cid/ciw778

  2. 2. Rodriguez-Takeuchi SY, Renjifo ME, Medina FJ. Extrapulmonary Tuberculosis: Pathophysiology and Imaging Findings. Radiographics. 2019;39(7):2023-2037. doi:10.1148/rg.2019190109

Behandlung der extrapulmonalen Tuberkulose

  • Antibiotika

  • Manchmal Glukokortikoide

  • Gelegentlich Operation

Die Behandlung mit Antibiotika richtet sich nach den Standardtherapieschemata und -prinzipien der TB-Behandlung (siehe Medikamente der ersten Wahl gegen TB). Eine Therapiedauer von 6 bis 9 Monaten ist für die meisten extrapulmonalen Manifestationen in der Regel ausreichend, mit Ausnahme der Meningen, die eine Behandlung von 9 bis 12 Monaten erfordern.

Arzneimittelresistenz ist ein großes Problem; sie wird durch schlechte Adhärenz, Anwendung einer Monotherapie und unzureichende Empfindlichkeitstestung verstärkt.

Glukokortikoide werden häufig zur Behandlung der TB‑Meningitis eingesetzt.

Die United States Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen die routinemäßige Anwendung von Glukokortikoiden bei nicht‑konstriktiver TB‑Perikarditis nicht (1). Glukokortikoide können jedoch bei Risikopatienten einer Verengung vorbeugen.

Glukokortikoide können bei Meningitis und Tuberkuloseperikarditis (auch wenn sie nicht konstriktiv ist) bei Patienten mit Immunrekonstitutionssyndrom (IRIS) eingesetzt werden.

Chirurgische Maßnahmen sind erforderlich:

  • Drainage von Flüssigkeitsansammlungen (z. B. Empyem, Herzbeuteltamponade, ZNS‑Abszess)

  • Verschluss von bronchopleuralen Fisteln

  • Resektion von infiziertem Darmgewebe

  • Dekompression von Raumforderungen, die auf das Rückenmark drücken

Bei einer Spondylodiszitis kann gelegentlich ein chirurgisches Débridement notwendig sein, um spinale Deformationen zu korrigieren oder eine Kompression des Rückenmarks aufzulösen, wenn es neurologische Defizite gibt oder Schmerzen persistieren; nur bei den am weitesten fortgeschrittenen Fällen ist eine Fixierung der Wirbelsäule durch geeignete Maßnahmen erforderlich.

Eine Operation ist in der Regel außer für diagnostische Zwecke bei einer Tuberkulose-Lymphadenitis nicht erforderlich. Einerseits besteht ein Risiko für chronische Fisteln, wenn zuvor kein fistelnder Prozess bestand. Andererseits ist die Exsirpation zuweilen die einzige Option, ein persistierendes Skrophuloderm zu sanieren.

Literatur zur Therapie

  1. 1. Nahid P, Dorman SE, Alipanah N, et al. Official American Thoracic Society/Centers for Disease Control and Prevention/Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines: Treatment of Drug-Susceptible Tuberculosis. Clin Infect Dis. 2016;63(7):e147-e195. doi:10.1093/cid/ciw376

Wichtige Punkte

  • Tuberkulose kann sich aus der Lunge über die Blutbahn an viele Stellen ausbreiten.

  • Die Symptome hängen vom betroffenen Organ ab, beinhalten jedoch in der Regel Fieber, Krankheitsgefühl und Gewichtsverlust.

  • TST und IGRA können auf eine extrapulmonale TB hindeuten, sind jedoch kein definitiver Nachweis.

  • Die Diagnose basiert auf dem Nachweis von Bakterien in infizierter Flüssigkeit oder infiziertem Gewebe durch mikroskopische Untersuchung und Kultur und/oder molekulare Methoden (Nukleinsäure-Amplifikationstests).

  • Die Behandlung erfolgt mit mehreren Medikamenten über mehrere Monate und manchmal auch chirurgisch.

  • Arzneimittelresistenz ist ein großes Problem.

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