Tendinopathie

Vollständige Überprüfung: Apr. 2026 VonDeepan S. Dalal, MD, MPH, Brown University | Peer-Review durchBrian F. Mandell, MD, PhD, Cleveland Clinic Lerner College of Medicine at Case Western Reserve University
Letzte Aktualisierung: Apr. 2026
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Eine Tendinopathie ist eine schmerzhafte Erkrankung der Sehne, die durch degenerative Veränderungen gekennzeichnet ist. Die Ursache kann in wiederholten mechanischen Belastungen und Überbeanspruchung liegen, sie kann aber auch idiopathisch sein. Die Symptome umfassen in der Regel Schmerzen bei aktiver oder unterdrückter Bewegung und Druckempfindlichkeit bei Palpation. Eine chronische Degeneration der Sehne oder der Sehnenscheide kann zu Vernarbungen führen, die die Beweglichkeit einschränken. Die Diagnose wird klinisch gestellt, gelegentlich unterstützt durch Bildgebung. Die Behandlung umfasst Aktivitätsanpassung und Bewegungstherapie. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Glukokortikoid-Injektionen werden manchmal zur kurzfristigen Schmerzlinderung eingesetzt.

Eine Tendinopathie ist eine chronische Sehnenerkrankung, die durch Schmerzen, Funktionseinschränkungen und eine verminderte Belastbarkeit gekennzeichnet ist und in der Regel auf wiederholte mechanische Belastungen und fehlgeschlagene Heilungsreaktionen zurückzuführen ist (1). Sie ist eher durch degenerative Veränderungen (Disorganisation des Kollagens, Neovaskularisation, veränderte Zusammensetzung der extrazellulären Matrix und erhöhte Zellapoptose) als durch Entzündungen gekennzeichnet.

Eine Tendinopathie betrifft am häufigsten die Schultersehnen (Rotatorenmanschette); den langen Kopf des Musculus biceps brachii (Bizepssehne); den medialen und lateralen Epicondylus des Ellenbogens; die Patellasehne; die Achillessehne (siehe Achillessehnen-Tendinopathie); sowie den Musculus abductor pollicis longus und den Musculus extensor pollicis brevis des Daumens, die sich eine gemeinsame Sehnenscheide teilen (die daraus resultierende Erkrankung ist das De-Quervain-Syndrom).

Allgemeiner Hinweis

  1. 1. Millar NL, Silbernagel KG, Thorborg K, et al. Tendinopathy. Nat Rev Dis Primers. 2021;7(1):1. Published 2021 Jan 7. doi:10.1038/s41572-020-00234-1

Ätiologie der Tendinopathie

Die Ursache der Tendinopathie ist häufig unbekannt. Ein Auftreten in mittlerem oder höherem Alter ist die Regel, da die Vaskularisierung der Sehnen in diesem Alter abnimmt; wiederholte Mikrotraumen können dazu beitragen. Wiederholtes oder massives Trauma (nahe der Ruptur), Überlastung und ein exzessiver Gebrauch im untrainierten Zustand spielen vermutlich eine ähnliche Rolle. Fluorchinolon-Antibiotika können das Risiko sowohl für Tendinopathien als auch für Sehnenrupturen erhöhen, wobei die Achillessehne am häufigsten betroffen ist (1).

Das Risiko für eine Tendinopathie kann auch im Rahmen bestimmter Systemkrankheiten (am häufigsten bei rheumatoider Arthritis, systemischer Sklerose, Gicht, reaktiver Arthritis und Diabetes mellitus oder sehr selten bei Amyloidose oder deutlich erhöhten Cholesterinwerten im Blut) erhöht sein. Bei jüngeren Erwachsenen, insbesondere bei Frauen, kann eine disseminierte Gonokokkeninfektion eine akute migratorische Tenosynovitis in Abwesenheit von lokalisierenden urogenitalen Symptomen verursachen. Nichttuberkulöse Mykobakterien, wie Mycobacterium marinum, verursachen mit Vorliebe lokale chronische Infektionen der peripheren Sehnen, die zu den Symptomen einer Tenosynovitis führen (2).

Die Verwendung von Fluorchinolon-Antibiotika wurde mit Tendinopathien, einschließlich Sehnenruptur, in Verbindung gebracht.

Literatur zu Ätiologie und Risikofaktoren

  1. 1. Alves C, Mendes D, Marques FB. Fluoroquinolones and the risk of tendon injury: a systematic review and meta-analysis. Eur J Clin Pharmacol. 2019;75(10):1431-1443. doi:10.1007/s00228-019-02713-1

  2. 2. Coda R, Waller S, Vopat B. Nontuberculosis Mycobacterium Infections in Orthopaedic Surgery: Review of the Epidemiology, Pathogenesis, Diagnosis, and Treatment Guidelines. J Am Acad Orthop Surg Glob Res Rev. 2025;9(5):e24.00274. Published 2025 Apr 29. doi:10.5435/JAAOSGlobal-D-24-00274

Symptome und Anzeichen der Tendinopathie

Betroffene Sehnen weisen gewöhnlich einen deutlichen Bewegungsschmerz auf oder Schmerzen, oder wenn der natürlichen Bewegung widerstanden wird. Beispielsweise löst bei Patienten mit einer Tendinopathie der Tibialis-posterior-Sehne eine gegen Widerstand durchgeführte Inversion eines plantarflektierten Fußes Schmerzen aus. Gelegentlich sind die Sehnenscheiden geschwollen und es kommt zur Ergussbildung. In der Regel geschieht dies dann, wenn die Patienten eine Infektion, rheumatoide Arthritis oder Gicht haben. Die Schwellung kann sichtbar oder nur palpabel sein. Entlang der Sehne löst die Palpation lokalisierten Druckschmerz unterschiedlichen Schweregrades aus.

Bei der systemischen Sklerose treten Sehnenreibegeräusche auf, wenn sich Sehnen innerhalb ihrer Sehnenscheiden bewegen und dabei einen palpablen oder (mit dem Stethoskop) hörbaren Krepitus erzeugen, typischerweise infolge einer abnormen Bindegewebsinfiltration in der Umgebung der Sehne.

Diagnose der Tendinopathie

  • Primär Anamnese und körperliche Untersuchung

  • Manchmal Bildgebung

Normalerweise kann die Diagnose gestellt werden anhand der Symptome und der körperlichen Untersuchung einschließlich Palpation oder spezieller Manöver zur Beurteilung der Schmerzen. Eine MRT oder Sonografie kann durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen, andere Erkrankungen auszuschließen und Sehnenrisse oder entzündliche Veränderungen zu erkennen.

Tendinopathie der Rotatorenmanschette

Tendinopathie der Rotatorenmanschette ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen. Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen, dem Supraspinatus, Infraspinatus, Subscapularis und Teres minor. Die Supraspinatussehne ist am häufigsten beteiligt und die Subscapularis am zweithäufigsten. Aktive Abduktion in einem Bogen von 40 bis 120° und innere Rotation verursachen Schmerzen (siehe auch Verletzung der Rotatorenmanschette/Subakromiale Bursitis). Die passive Abduktion verursacht weniger Schmerzen, aber die Abduktion gegen Widerstand kann den Schmerz verstärken. Kalziumablagerungen in der Sehne unmittelbar unterhalb des Akromions können bei der kalzifizierenden Tendinopathie gelegentlich im Röntgenbild sichtbar sein. Eine Ultraschall- oder MRT-Untersuchung kann bei der weiteren Untersuchung (z. B. bei unklarer Diagnose) und bei Behandlungsentscheidungen (z. B. bei Vorliegen erheblicher Risse, die einen chirurgischen Eingriff erfordern könnten) hilfreich sein.

Bizepssehnen-Tendinopathie (Bizepssehnenentzündung)

Schmerzen in der Bizepssehne werden durch Beugung oder Supination des Unterarms gegen Widerstand verstärkt. Der Untersucher kann Druckschmerz proximal über dem Sulcus bicipitalis des Humerus auslösen, indem er die Bizepssehne unter seinem Daumen rollen (schnellen) lässt.

Stenosierende Flexortenosynovitis (Triggerfinger)

Die stenosierende Flexortenosynovitis (Schnappfinger) ist eine häufige, jedoch oft übersehene muskuloskelettale Erkrankung. Der Schmerz tritt an der Handinnenfläche des Daumens oder anderer Finger auf und strahlt nach distal aus. Die Palpation von Sehne und Sehnenscheide löst Druckschmerz aus; Schwellung und gelegentlich ein Knoten sind vorhanden. Der betroffene Finger kann in einer gebeugten Position ruhen, und eine passive Streckung verursacht Schmerzen. In späteren Stadien kommt es zum Phänomen des „schnellenden Fingers“ mit Blockade bei Beugung und plötzlicher Freigabe der Streckung mit einem schnappenden Geräusch (Trigger-Finger). Eine akute entzündliche Sehnen- bzw. Faszienentzündung der Handfläche wurde bislang nur selten mit Adenokarzinomen an anderen Stellen des Körpers in Verbindung gebracht (1).

Gesäßmuskel-Tendinopathie

Bei Patienten mit Trochanter-major-Schmerzsyndrom (früher Bursitis trochanterica genannt) liegt fast immer eine Gluteus-medius-Tendinopathie vor. Bei Patienten mit Trochanter-major-Schmerzsyndrom ruft die Palpation der seitlichen Vorwölbung des Trochanter major zu Schmerzempfindlichkeit. Bei der Anamnese berichten die Patienten oft über chronischen Druck auf das Gelenk, Trauma, eine Gangveränderung (z. B. aufgrund von Arthrose, Schlaganfall oder Beinlängendifferenz) oder eine Entzündung an dieser Stelle (z. B. bei rheumatoide Arthritis).

Diagnosehinweis

  1. 1. Manger B, Schett G. Palmar fasciitis and polyarthritis syndrome-systematic literature review of 100 cases. Semin Arthritis Rheum. 2014;44(1):105-111. doi:10.1016/j.semarthrit.2014.03.005

Behandlung der Tendinopathie

  • Aktivitätsanpassung und Übungstherapie

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (= nonsteroidal anti-inflammatory drugs, NSAID)

  • Gelegentlich Glukokortikoid-Injektion

Die Therapie bei Tendinopathien konzentriert sich auf eine Anpassung der Aktivitäten, relative Schonung und den frühzeitigen Beginn von Übungen mit Schwerpunkt auf exzentrischer Belastung (1). NSAR können kurzfristig für Schmerzlinderung sorgen, doch fehlen Belege für ihre langfristige Wirksamkeit (2). Die Hauptindikation für den Einsatz von NSAR besteht darin, die Teilnahme an einer Bewegungstherapie zu ermöglichen, indem Schmerzen reduziert und der Bewegungsumfang verbessert werden, da sie die zugrunde liegende degenerative Pathologie nicht behandeln.

Die Injektion eines Depot-Glukokortikoids (z. B. Betamethason 6 mg/mL, Triamcinolon 40 mg/mL, Methylprednisolon 20–40 mg/mL) in die Sehnenscheide kann eine kurzfristige Schmerzlinderung bewirken, ist jedoch für eine langfristige Besserung nicht wirksam; zudem gibt es Hinweise darauf, dass solche Injektionen das Risiko einer Sehnenruptur erhöhen können (1). Das Injektionsvolumen kann von 0,3–1 ml reichen, abhängig von der Stelle. Die gleichzeitige Injektion der gleichen oder doppelten Menge eines Lokalanästhetikums (z. B. 1–2% Lidocain) stützt die Diagnose, wenn es zu einer sofortigen Schmerzlinderung kommt. Der Kliniker muss sorgfältig darauf achten, nicht in die Sehne selbst zu injizieren (was durch einen deutlichen Widerstand bei der Injektion bemerkbar wird), denn dies könnte zu einer Schwächung der Sehne mit der Gefahr einer Ruptur führen. Den Patienten wird empfohlen, das injizierte Gelenk zu schonen, um das geringe Risiko einer Ruptur zu reduzieren. Manchmal kann es bis 24 h nach Injektion zu einer Verschlechterung kommen.

Tipps und Risiken

  • Glukokortikoide dürfen nicht direkt in die Sehne injiziert werden, denn dies könnte zu einer Schwächung der Sehne mit der Gefahr einer Ruptur führen.

Manchmal kommen auch ergänzende Behandlungsmethoden wie die Low-Level-Lasertherapie und die extrakorporale Stoßwellentherapie zum Einsatz, um Schmerzen zu lindern und die Funktion zu verbessern (1). Patienten sollten über die Kosten dieser Therapien informiert werden. In seltenen Fällen, insbesondere bei persistierenden Fällen der Tendinopathie der Rotatorenmanschette, ist eine chirurgische Exploration mit Entfernung von Kalziumablagerungen oder eine Sehnenreparatur mit anschließender abgestufter physikalischer Therapie erforderlich. Gelegentlich müssen Patienten operiert werden, um Narben zu entfernen, die die Funktion einschränken, um einen Teil des Knochens zu entfernen, der wiederholte Reibung verursacht, oder um eine Tenosynovektomie durchzuführen, um chronische Schmerzen zu lindern.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Irby A, Gutierrez J, Chamberlin C, Thomas SJ, Rosen AB. Clinical management of tendinopathy: A systematic review of systematic reviews evaluating the effectiveness of tendinopathy treatments. Scand J Med Sci Sports. 2020;30(10):1810-1826. doi:10.1111/sms.13734

  2. 2. Malmgaard-Clausen NM, Jørgensen OH, Høffner R, et al. No Additive Clinical or Physiological Effects of Short-term Anti-inflammatory Treatment to Physical Rehabilitation in the Early Phase of Human Achilles Tendinopathy: A Randomized Controlled Trial. Am J Sports Med. 2021;49(7):1711-1720. doi:10.1177/0363546521991903

Wichtige Punkte

  • Eine Tendinopathie ist eine schmerzhafte Erkrankung der Sehne, die in erster Linie auf degenerative Veränderungen und weniger auf Entzündungen zurückzuführen ist.

  • Schmerz, Druckschmerzhaftigkeit und gelegentlich Schwellung sind typischerweise entlang des Verlaufs der Sehne am stärksten ausgeprägt.

  • In den meisten Fällen wird die Diagnose durch die Untersuchung inkl. sehnenspezifischer Manöver gestellt, gelegentlich erfolgt eine Bestätigung der Diagnose durch MRT oder Ultraschall.

  • Die Behandlung umfasst eine Anpassung der Aktivität, Übungstherapie, NSAR und gelegentlich eine Glukokortikoid-Injektion.

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