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Tendinitis und Tenosynovitis

Von

Joseph J. Biundo

, MD, Tulane Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Nov 2018
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Quellen zum Thema

Bei der Tendinitis handelt es sich um die Entzündung einer Sehne, die sich häufig nach Degeneration (Tendinopathie) entwickelt. Die Tenosynovitis ist eine Tendinitis mit Entzündung der Sehnenscheide. Die Symptome sind üblicherweise Bewegungs- und Berührungsschmerz. Die chronische Reizung oder Entzündung einer Sehne oder Sehnenscheide kann Narben verursachen und die Bewegung einschränken. Die Diagnose wird klinisch gestellt, gelegentlich unterstützt durch Bildgebung. Die Behandlung schließt Schonung, NSAR und manchmal Kortikosteroidinjektionen ein.

Eine Tendinopathie führt in der Regel zu wiederholten kleinen Einrissen oder degenerativen Veränderungen (manchmal mit Kalziumablagerungen), die über Jahre in der Sehne auftreten.

Tendinitis und Tenosynovitis betreffen am häufigsten mit der Schulter assoziierte Sehnen (Rotatorenmanschette), die Sehne des langen Bizepskopfs, Mm. flexor carpi radialis und ulnaris, M. flexor digitorum, die Sehne des M. popliteus, die Achillessehne ( Tendinitis der Achillessehne) und die Sehnen des M. abductor pollicis longus und des M. extensor pollicis brevis, die sich eine gemeinsame Sehnenscheide teilen (die hieraus entstehende Erkrankung ist das De-Quervain-Syndrom).

Ätiologie

Die Ursache der Tendinitis ist häufig unbekannt. Ein Auftreten in mittlerem oder höherem Alter ist die Regel, da die Vaskularisierung der Sehnen in diesem Alter abnimmt; wiederholte Mikrotraumen können dazu beitragen. Wiederholtes oder massives Trauma (nahe der Ruptur), Überlastung und ein exzessiver Gebrauch im untrainierten Zustand spielen vermutlich eine ähnliche Rolle. Einige Fluorchinolone erhöhen das Risiko für eine Tendinopathie und Sehnenruptur.

Das Risiko für eine Tendinitis kann auch im Rahmen bestimmter Systemkrankheiten (am häufigsten bei rheumatoide Arthritis, systemischer Sklerose, Gicht, reaktiver Arthritis und Diabetes mellitus oder sehr selten bei Amyloidose oder deutlich erhöhten Cholesterinwerten im Blut) erhöht sein. Bei jungen Erwachsenen, v. a. bei Frauen, kann eine disseminierte Gonokokkeninfektion eine akute disseminierte Tenosynovitis verursachen.

Symptome und Beschwerden

Betroffene Sehnen weisen gewöhnlich einen deutlichen Bewegungsschmerz auf oder Schmerzen, oder wenn der natürlichen Bewegung widerstanden wird.. Gelegentlich sind die Sehnenscheiden geschwollen und es kommt zur Ergussbildung. In der Regel geschieht dies dann, wenn die Patienten eine Infektion, rheumatoide Arthritisoder Gicht haben. Die Schwellung kann sichtbar oder nur palpabel sein. Entlang der Sehne löst die Palpation lokalisierten Druckschmerz unterschiedlichen Schweregrades aus.

Bei systemischer Sklerose kann die Sehnenscheide trocken bleiben, aber die Bewegung der Sehne in der Scheide verursacht ein Reibegeräusch, das getastet oder mit einem Stethoskop gehört werden kann.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • Manchmal Bildgebung

Normalerweise kann die Diagnose gestellt werden anhand der Symptome und der körperlichen Untersuchung einschließlich Palpation oder spezieller Manöver zur Beurteilung der Schmerzen. MRT oder Ultraschall werden durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Erkrankungen auszuschließen. Im MRT kann man Sehnenrupturen und Entzündungen erkennen (ebenso wie in der Sonographie).

Tendinitis der Rotatorenmanschette

Diese Erkrankung ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen. Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen, dem Supraspinatus, Infraspinatus, Subscapularis und Teres minor. Die Supraspinatussehne ist am häufigsten beteiligt und die Subscapularis am zweithäufigsten. Aktive Abduktion in einem Bogen von 40–120° und Innenrotation führen zu Schmerzen ( Verletzung der Rotatorenmanschette/Subakromiale Bursitis). Die passive Abduktion verursacht weniger Schmerzen, aber die Abduktion gegen Widerstand kann den Schmerz verstärken. Manchmal lassen sich Kalziumablagerungen in der Sehne unterhalb des Akromions im Röntgenbild nachweisen. Sonographie oder MRT können bei der weiteren Abklärung und bei Therapieentscheidungen hilfreich sein.

Bizepitalsehnenentzündung

Schmerzen in der Bizepssehne werden durch Beugung oder Supination des Unterarms gegen Widerstand verstärkt. Der Untersucher kann Druckschmerz proximal über dem Sulcus bicipitalis des Humerus auslösen, indem er die Bizepssehne unter seinem Daumen rollen (schnellen) lässt.

Tenosynovitis der volaren Extensoren (digitale Tendinitis).

Diese häufige muskuloskelettale Erkrankung wird oft übersehen ( Fingerbeugertendinitis und Tenosynovitis (Trigger-Finger)). Der Schmerz tritt an der Handinnenfläche des Daumens oder anderer Finger auf und strahlt nach distal aus. Die Palpation von Sehne und Sehnenscheide löst Druckschmerz aus, gelegentlich sind Schwellung und ein Knoten vorhanden. In späteren Stadien kommt es zum Phänomen des „schnellenden Fingers“ mit Blockade bei Beugung und plötzlicher Freigabe der Streckung mit einem schnappenden Geräusch (Trigger-Finger).

Gesäßmuskel-Tendinitis

Patienten mit Bursitis trochanterica haben fast immer eine Tendinitis des M. gluteus medius. Bei Patienten mit Bursitis trochanterica führt eine Palpation über dem lateralen Vorsprung des Trochanter major femoris zu Druckschmerzhaftigkeit. Bei der Anamnese berichten die Patienten oft über chronischen Druck auf das Gelenk, Trauma, eine Gangveränderung (z. B. aufgrund von Arthrose, Schlaganfall oder Beinlängendifferenz) oder eine Entzündung an dieser Stelle (z. B. bei rheumatoide Arthritis).

Therapie

  • Ruhe oder Immobilisation, Hitze oder Kälte, gefolgt von Bewegungsübungen

  • Hochdosierte NSAR

  • Gelegentlich Kortikosteroidinjektion

Die Symptome werden durch Ruhe oder Immobilisation (Schienung oder Schlinge) der Sehne, Anwendung von Wärme (in der Regel bei chronischen Entzündungen) oder Kälte (in der Regel bei akuter Entzündung) und hochdosierte NSAR (siehe Tabelle: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit NSAR) für 7–10 Tage gebessert. Bei ursächlicher Gicht sind Indometacin oder Colchicin hilfreich. Nachdem die Entzündung unter Kontrolle gebracht ist, sollte die Beweglichkeit durch gezielte Übungen mehrmals täglich verbessert werden, v. a. an der Schulter, da sich hier Kontrakturen rapide entwickeln können.

Die Injektion eines Depotkortikosteroids (z. B. Betamethason 6 mg/ml, Triamcinolon 40 mg/ml, Methylprednisolon 20–40 mg/ml) in die Sehnenscheide kann hilfreich sein. Eine Injektion ist in der Regel angezeigt, wenn der Schmerz stark oder wenn das Problem chronisch ist. Das Injektionsvolumen kann von 0,3–1 ml reichen, abhängig von der Stelle. Die gleichzeitige Injektion der gleichen oder doppelten Menge eines Lokalanästhetikums (z. B. 1–2% Lidocain) stützt die Diagnose, wenn es zu einer sofortigen Schmerzlinderung kommt. Der Kliniker muss sorgfältig darauf achten, nicht in die Sehne selbst zu injizieren (was durch einen deutlichen Widerstand bei der Injektion bemerkbar wird), denn dies könnte zu einer Schwächung der Sehne mit der Gefahr einer Ruptur führen. Den Patienten wird empfohlen, das injizierte Gelenk zu schonen, um das geringe Risiko einer Ruptur zu reduzieren. Manchmal kann es bis 24 h nach Injektion zu einer Verschlechterung kommen.

Wiederholte Injektionen und die symptomatische Behandlung können erforderlich sein. Selten ist bei therapierefraktären Fällen, v. a. bei der Tendinitis der Rotatorenmanschette, eine chirurgische Exploration mit Entfernung von Kalziumablagerungen oder eine Sehnenreparatur, gefolgt von einer gestuften physikalischen Therapie, erforderlich. Gelegentlich müssen Patienten operiert werden, um Narben zu entfernen, die die Funktion einschränken, um einen Teil des Knochens zu entfernen, der wiederholte Reibung verursacht, oder um eine Tenosynovektomie durchzuführen, um chronische Entzündungen zu lindern.

Tipps und Risiken

  • Kortikosteroide dürfen nicht direkt in die Sehne injiziert werden, denn dies könnte zu einer Schwächung der Sehne mit der Gefahr einer Ruptur führen.

Wichtige Punkte

  • Tendinitis und Tenosynovitis beinhalten im Gegensatz zur Tendinopathie (Degeneration der Sehne) Entzündungen.

  • Schmerz, Druckempfindlichkeit und Schwellungen sind entlang dem Sehnenverlauf maximal.

  • In den meisten Fällen wird die Diagnose durch die Untersuchung inkl. sehnenspezifischer Manöver gestellt, gelegentlich erfolgt eine Bestätigung der Diagnose durch MRT oder Ultraschall.

  • Die Behandlung schließt Schonung, Hitze oder Kälte, hochdosierte NSAR und manchmal Kortikosteroidinjektionen ein.

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