Überblick über Diabetes mellitus

VonErika F. Brutsaert, MD, New York Medical College
Reviewed ByGlenn D. Braunstein, MD, Cedars-Sinai Medical Center
Überprüft/überarbeitet Geändert Dez. 2025
v104713461_de
Aussicht hier klicken.

Diabetes mellitus ist eine metabolische Erkrankung, die durch erhöhte Blutglukosespiegel und unzureichende Freisetzung von Insulin im Verhältnis zu den Bedürfnissen des Körpers gekennzeichnet ist.

Zwischen 11 und 14% der Erwachsenen weltweit haben Diabetes (1, 2). Es gibt zwei Haupttypen von Diabetes mellitus (Diabetes), Typ-1-Diabetes, der 5 bis 10 % aller diagnostizierten Diabetesfälle ausmacht, und Typ-2-Diabetes, der 90 bis 95 % der Diabetesfälle ausmacht (3). Andere, weniger verbreitete Typen machen den verbleibenden Anteil der Diabetesfälle aus.

Allgemeine Literatur

  1. 1. International Diabetes Federation. About diabetes: Facts and Figures. Accessed November 30, 2025.

  2. 2. World Healh Organization. Diabetes: Key Facts. November 14, 2024. Accessed November 30, 2025.

  3. 3. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(1 Suppl 1):S27-S49. doi:10.2337/dc25-S002

Diabetesformen

Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Typ-1-Diabetes ist in erster Linie durch die unzureichende Insulinproduktion aufgrund einer autoimmunen Zerstörung der Betazellen der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet, während Typ-2-Diabetes in erster Linie durch eine Insulinresistenz und einen relativen Insulin-Mangel gekennzeichnet ist. Die 2 Diabetestypen lassen sich durch eine Reihe von Merkmalen unterscheiden (siehe Tabelle ). Es gibt jedoch eine erhebliche Überlappung zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Begriffe, die das Alter des Krankheitsausbruchs (Jugendlicher oder Erwachsener) oder die Art der Behandlung (Insulin-abhängig oder nicht Insulin-abhängig) beschreiben, werden nicht verwendet, da sich die Altersgruppen und Behandlungen der verschiedenen Krankheitstypen überschneiden.

Prädiabetes, auch als gestörte Glukoseregulierung oder gestörte Glukosetoleranz bezeichnet, ist ein Zwischenstadium – möglicherweise ein Übergangsstadium – zwischen normalem Glukosestoffwechsel und Diabetes mellitus, meist Typ-2-Diabetes (siehe Tabelle ).

Tabelle
Tabelle

Weitere Formen und Ursachen des Diabetes

Andere Formen des Diabetes mellitus machen einen kleineren Anteil der Fälle aus. Zu den Ursachen gehören:

  • Gestationsdiabetes

  • Monogener Diabetes

  • Latenter Autoimmundiabetes bei Erwachsenen

  • Mukoviszidose-bedingter Diabetes

  • Pankreatogener Diabetes (infolge von Zerstörung oder Entfernung des Pankreas, einschließlich chronischer Pankreatitis, manchmal als Typ-3c-Diabetes bezeichnet)

  • Andere Erkrankungen, die das Pankreas betreffen (z. B. Hämochromatose)

  • Diabetes nach Transplantation

  • Mangelernährungsbedingter Diabetes

  • Endokrinopathien (z. B. Cushing-Syndrom, Akromegalie)

  • Medikamente, insbesondere Glukokortikoide, Betablocker, Proteasehemmer, atypische Antipsychotika, Immun-Checkpoint-Inhibitoren und Calcineurin-Inhibitoren

Gestationsdiabetes

Gestationsdiabetes tritt bei einigen Schwangeren auf, weil die Schwangerschaft eine Insulinresistenz induziert.

Monogener Diabetes

Monogene Formen des Diabetes werden durch genetische Defekte verursacht, die die Beta-Zell-Funktion, die Insulinwirkung oder die mitochondriale DNA (z. B. neonataler Diabetes) betreffen.

Latenter Autoimmundiabetes bei Erwachsenen

Latenter autoimmuner Diabetes ist eine Variante, die sich im Erwachsenenalter entwickelt und bei der ein oder mehrere Autoantikörper vorhanden sind. Er ist langsamer progredient als der klassische Typ-1-Diabetes, und einige Erwachsene benötigen bei Erstmanifestation einer Dysglykämie kein Insulin. Diese Form von Diabetes wird häufig als Typ-2-Diabetes fehldiagnostiziert, da sie einen langsameren Verlauf und überlappende klinische Merkmale aufweist.

Diagnose von Diabetes mellitus

Der Diabetes mellitus zeigt typische Symptome und klinische Zeichen und wird durch die Messung der Plasmaglukosewerte bestätigt (1, 2). Er wird häufig durch ein Screening entdeckt.

Diabetes wird diagnostiziert, wenn eines der folgenden Kriterien vorliegt:

  • Glykosyliertes Hämoglobin (HbA1C) ≥ 6,5% (≥ 48 mmol/mol)

  • Nüchternglukosespiegel im Plasma ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l)

  • 2-Stunden-Glukosetoleranztest (OGTT) ≥ 200 mg/dL (≥ 11,1 mmol/L)

  • Zufallsglukose ≥ 200 mg/dL (≥ 11,1 mmol/L) mit Symptomen einer hyperglykämischen oder hypoglykämischen Krise

Die Diagnose von Diabetes wird anhand des Krankheitsbildes sowie genetischer, immunologischer und kontextbezogener Faktoren in Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, Gestationsdiabetes oder andere Diabetesformen unterteilt (1).

HbA1C ist eine Form von Hämoglobin, die chemisch an einen Zucker gebunden ist, der mit dem Blutzucker ansteigt und eine validierte Beziehung zum durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 3 Monate aufweist. HbA1c-Messungen werden in die diagnostischen Kriterien für Diabetes integriert:

  • HbA1C 6,5% (≥ 48 mmol/mol) = Diabetes

  • HbA1C 5,7 bis 6,4% = Prädiabetes oder mit dem Risiko von Diabetes

Der HbA1C-Wert ist jedoch ein indirektes Maß für den Blutzucker; die Werte können falsch hoch oder niedrig sein (siehe Überwachung) und können je nach Rasse oder ethnischer Herkunft variieren. Die Tests müssen in einem zertifizierten klinischen Labor mit einem Assay durchgeführt werden, der für einen Referenzassay zertifiziert und standardisiert ist. Point-of-Care-HbA1C-Messungen mit Fingerstick sollten nicht zu diagnostischen Zwecken verwendet werden, obwohl sie zur Überwachung der Diabeteskontrolle verwendet werden können.

Die Messung nach einer 8- bis 12-stündigen Nüchternperiode (FPG) oder 2 Stunden nach Einnahme einer konzentrierten Glukoselösung (OGTT) wird bevorzugt (siehe Tabelle ).

OGTT beinhaltet die Messung der Plasmaglukose 2 Stunden nach einer in Flüssigkeit gelösten Glukosebelastung von 75 g. Er ist für die Diagnose eines Diabetes mellitus oder einer eingeschränkten Glukosetoleranz sensitiver, ist aber weniger praktisch und reproduzierbar als der FPG. Er ist, außer bei allen Zweifelsfällen, vor allem bei Verdacht auf Gestationsdiabetes sowie für Forschungszwecke indiziert.

In der Praxis wird ein Diabetes mellitus oder eine eingeschränkte Glukosetoleranz oft durch eine routinemäßige Messung der Plasmaglukose oder des HbA1C entdeckt. Ein im Rahmen eines Routinelabors erhobener Glukosewert > 200 mg/dl (> 11,1 mmol/l) kann diagnostisch sein, jedoch auch durch eine nur kurz zurückliegende Mahlzeit hervorgerufen werden und bedarf der Kontrolle. Eine Kontrolle kann bei bereits bestehenden Symptomen eines Diabetes unterbleiben.

Bei kranken, hospitalisierten Patienten kann der Blutzucker infolge einer Stresshyperglykämie erhöht sein. Patienten mit erhöhten Plasmaglukosespiegeln während eines Krankenhausaufenthalts sollten auf Diabetes untersucht werden, sobald sie stabil sind und das Krankenhaus verlassen haben.

Die Messung der Glukosewerte im Urin, eine einstmals sehr verbreitete Methode, wird nicht mehr durchgeführt, da diese Methode sich weder als besonders sensitiv noch als spezifisch erwiesen hat.

Tipps und Risiken

  • Point-of-Care-HbA1C-Messungen mit Fingerstick sind nicht genau genug, um für die Erstdiagnose von Diabetes verwendet zu werden.

Prädiabetes wird diagnostiziert, wenn HbA1C, OGTT oder FPG zwischen dem Normalbereich und dem diagnostischen Bereich für Diabetes liegen. (siehe Tabelle ).

Tabelle
Tabelle
Klinischer Rechner

Diagnosehinweis

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(Supplement_1):S27-S49. doi:10.2337/dc25-S002

Komplikationen von Diabetes Mellitus

Akute Komplikationen des Diabetes umfassen metabolische Entgleisungen wie diabetische Ketoazidose, Hypoglykämie und den hyperosmolaren hyperglykämischen Zustand.

Langzeitkomplikationen, die durch chronische Hyperglykämie bedingt sind, umfassen hauptsächlich vaskuläre Komplikationen, die kleine Gefäße (mikrovaskulär), große Gefäße (makrovaskulär) oder beide betreffen.

Mikrovaskuläre Erkrankung liegen 3 häufigen und schweren Komplikationen des Diabetes mellitus zugrunde:

Eine mikrovaskuläre Erkrankungen kann auch die Wundheilung beeinträchtigen, so dass sich selbst kleine Verletzungen der Haut zu tieferen Geschwüren entwickeln und sich leicht infizieren können, insbesondere an den unteren Extremitäten. Eine intensive Kontrolle des Plasmaglukosespiegels kann viele dieser Komplikationen verhindern oder hinauszögern, sie aber nicht mehr rückgängig machen, wenn sie einmal eingetreten sind.

Makrovaskuläre Erkrankung beinhaltet Atherosklerose der großen Gefäße, die zu Angina pectoris und Myokardinfarkt, transitorischen ischämischen Attacken und Schlaganfällen sowie peripherer arterieller Verschlusskrankheit führen kann.

Eine Störung des Immunsystems ist eine andere schwere Komplikation und entsteht aufgrund direkter Einflüsse der Hyperglykämie auf die zelluläre Immunität. Patienten mit Diabetes mellitus sind besonders anfällig für Bakterien- und Pilzinfektionen.

Besondere Personengruppen

Die Diabetesbehandlung erfordert eine sorgfältige Anpassung an die Patientenfaktoren, einschließlich der Faktoren, die mit dem Alter und dem Lebensstil, den Begleiterkrankungen und der Notwendigkeit der Behandlung anderer akuter oder chronischer Erkrankungen zusammenhängen.

Patienten mit Schwierigkeiten, den angestrebten Blutzuckerspiegel zu halten

Der Ausdruck „Brittle-Diabetes“ bezog sich auf Patienten mit sehr ausgeprägten, wiederkehrenden Schwankungen der Glukosekonzentration, für die es keine offensichtlichen Gründe gibt. Labile Plasmaglukosespiegel traten eher bei Patienten mit Diabetes-Typ-1 auf, da die endogene Insulin produktion fast völlig fehlt und bei einigen Patienten die gegen-regulatorische Reaktion auf Hypoglykämie beeinträchtigt wird. Andere Ursachen für labile Plasmaglukosespiegel sind verborgene Infektionen, Gastroparese (was zu einer unsteten Absorption von Nahrungskohlenhydraten führt) und andere endokrine Störungen (z. B. Morbus Addison).

Patienten mit chronischen Schwierigkeiten, einen akzeptablen Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten, sollten auf situative Faktoren ausgewertet werden, die die Blutzuckerkontrolle beeinflussen. Solche Faktoren sind etwa unzureichende Aufklärung der Patienten oder ein fehlendes Verständnis. Diese Faktoren können zu Fehlern in der Verabreichung von Insulin führen, aber auch zu suboptimalen Ernährungsgewohnheiten und zu psychosozialen Belastungen, die sich in unregelmäßiger Medikamentengabe und Nahrungsaufnahme äußern.

Der initiale Ansatz bei der Therapie in diesen Fällen ist die genaue Überprüfung der selbständig durchgeführten Therapiemaßnahmen, einschließlich der Art der Insulinpräparate, der Injektionen sowie der Glukosemessung. Eine Erhöhung der Frequenz der selbstständigen Blutzuckermessungen kann neue Erkenntnisse hinsichtlich bisher unbekannter Blutzuckerschwankungen ergeben und dem Patienten ein hilfreiches Feedback ermöglichen. Ein genaues Protokoll der Nahrungsaufnahme, einschließlich des Zeitpunkts der Mahlzeiten, kann helfen, auch hier mögliche Ursachen der schlechten Blutzuckerkontrolle aufzudecken. Zugrunde liegende Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom sollten durch körperliche Untersuchung und geeignete Laboruntersuchungen ausgeschlossen werden.

Bei einigen Patienten, die mit Insulin behandelt werden, ist die Umstellung auf ein intensiviertes Schema, das häufige Dosisanpassungen (basierend auf Blutzuckermessungen) ermöglicht, hilfreich. Kontinuierliche Glukoseüberwachung mit Alarmen und sensorgestützte oder hybride Closed-Loop Insulin-Pumpentherapie sind nützliche Hilfsmittel bei Personen, die zwischen Hypoglykämie und Hyperglykämie schwanken.

Kinder und Jugendliche

Diabetes bei Kindern und Jugendlichen wird an anderer Stelle ausführlich erörtert.

Patienten mit Herzinsuffizienz

Patienten mit Typ-2-Diabetes, die wegen Herzinsuffizienz stationär behandelt werden, sollten nach Abklingen der akuten Erkrankung Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmer (SGLT-2-Hemmer) erhalten (1). SGLT2-Hemmer sollten jedoch bei Patienten mit schweren Erkrankungen, bei Patienten, die fasten, sowie bei Patienten mit Ketonämie oder Ketonurie vermieden werden, da diese Zustände das Risiko einer durch SGLT2-Hemmer ausgelösten diabetischen Ketoazidose erhöhen. Thiazolidindione wie Pioglitazon sollten auch bei Patienten mit Herzinsuffizienz vermieden werden.

Hospitalisierte Patienten

Krankenhausaufenthalt aufgrund von Diabetes

Diabetes mellitus kann die primäre Ursache eines Krankenhausaufenthalts sein oder aber als Begleitkrankheit anderer Ursachen stationärer Aufnahme auftreten. Patienten mit durch Sulfonylharnstoffe induzierter Hypoglykämie, schlecht kontrollierter Hyperglykämie oder akuter Verschlechterung diabetischer Komplikationen können von einem kurzen Krankenhausaufenthalt profitieren.

Hospitalisierte Patienten mit vorbestehendem Diabetes

Wenn andere Erkrankungen eine Hospitalisierung erforderlich machen, können einige Patienten ihr häusliches Diabetes-Behandlungsschema fortführen. Die meisten Kinder mit Typ 2 DM sind fettleibig, daher ist die Lebensstiländerung der Eckpfeiler der Therapie. Eine Einschränkung der körperlichen Aktivität und die akute Krankheit verschlechtern eine Hyperglykämie bei manchen Patienten, während andererseits eine Einschränkung der Nahrungszufuhr und Symptome der Begleitkrankheit (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Anorexie) das Auftreten einer Hypoglykämie begünstigen können – besonders dann, wenn die Dosierungen der antihyperglykämischen Medikamente nicht angepasst werden. Es kann auch deshalb schwierig sein, eine angemessene Blutzuckerkontrolle bei stationären Patienten zu erreichen, da die normale Krankenhausroutine (z. B. Zeitpunkt der Mahlzeiten, Medikamentengabe, Durchführung diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen) im Vergleich zu den Therapieplänen des Diabetes in ihrer Zeitgestaltung sehr unflexibel ist.

Bei Patienten, die hospitalisiert werden, müssen orale Antihyperglykämika oft abgesetzt werden. Metformin kann bei Patienten mit terminaler Nierenerkrankung eine Laktatazidose verursachen und muss abgesetzt werden, wenn Kontrastmittel verabreicht werden müssen. Daher wird Metformin nur bei den stabilsten Patienten im Krankenhaus eingesetzt. Sulfonylharnstoffe können Hypoglykämie verursachen und sollten ebenfalls gestoppt werden.

Die meisten stationären Patienten können mit Basal- Insulin ohne oder mit zusätzlichen kurzwirksamen Insulin angemessen behandelt werden.

Gleitendes Insulin sollte nicht die einzige Maßnahme zur Korrektur einer Hyperglykämie sein; es ist eher reaktiv als proaktiv, und führt im Vergleich zu Basal-Bolus-Insulin zu einer schlechten glykämischen Kontrolle. Länger wirkende Insuline sollten zur Vermeidung von Hyperglykämien an die Blutzuckerwerte angepasst werden. Dies ist besser, als nur durch kurz wirkende Insuline auf Blutzuckerspitzen zu reagieren.

Patienten, die Insulinpumpen verwenden, sollten diese im Krankenhaus nach Möglichkeit und sofern angemessen weiter nutzen, wobei zur Bestätigung Blutzuckermessungen durchgeführt werden sollten. Patienten, die ihren Blutzucker bereits mittels kontinuierlicher Glukoseüberwachung kontrollieren, insbesondere solche mit einem Risiko für Hypoglykämie, sollten ihre Geräte weiterhin in Verbindung mit einer Blutzuckermessung per Fingerstich am Behandlungsort nutzen, um eine Hypoglykämie zu bestätigen und für die Insulindosierung (1, 2). Dieser Ansatz kann nächtliche Hypoglykämien verringern (3).

Daten zur Unterstützung des Einsatzes der Glucagon-ähnlichen Peptid-1 (GLP-1)-Rezeptor-Agonist-Therapie in der stationären Umgebung sind begrenzt (1).

Dipeptidylpeptidase-4-Inhibitoren (z.B. Sitagliptin, Saxagliptin, Linagliptin, Alogliptin) sind relativ sicher, selbst bei Patienten mit Nierenerkrankungen (4), und sie können auch zur postprandialen Glukosesenkung eingesetzt werden (1).

Hyperglykämie bei kritischer Erkrankung

Eine stationäre Hyperglykämie ist mit einer erhöhten Infektionsrate und Mortalität assoziiert (1, 5). Eine schwere Krankheit kann auch bei Patienten ohne bekannten Diabetes-mellitus- Insulinresistenz und Hyperglykämie verursachen. Eine solche stressbedingte Hyperglykämie ist mit schlechten Ergebnissen, einschließlich einer erhöhten Mortalität, assoziiert. Insulin-Infusion zur Aufrechterhaltung des Plasmaglukosespiegels zwischen 140 und 180 mg/dL (7,8 und 10,0 mmol/L):

  • verhindert negative Folgen wie Organversagen

  • verbessert möglicherweise die Genesung nach einem Schlaganfall

  • führt zu einem verbesserten Überleben bei Patienten, die eine längere (> 5 Tage) Intensipflege benötigen.

Es scheint, dass die Aufrechterhaltung weniger strenger Insulin‑Zielwerte ausreichend sein kann, um unerwünschte Ergebnisse zu verhindern (1). Schwerkranke Patienten, insbesondere solche, die mit Glukokortikoiden oder Pressoren behandelt werden, und solche, die eine parenterale Ernährung erhalten, können aufgrund einer Insulin-Resistenz sehr hohe Dosen >Insulin ( 5–10 Einheiten/Stunde) benötigen. Bei kritisch kranken Patienten können Insulininfusionsprotokolle und/oder computergestützte Algorithmen verwendet werden, um die Insulin-Infusion so anzupassen, dass eine Euglykämie erreicht wird.

Patienten, die sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen

Ein großer Prozentsatz der Patienten, die sich einer Operation unterziehen, weist einen Diabetes oder Prädiabetes auf (mitunter nicht diagnostiziert). Der physiologische Stress eines chirurgischen Eingriffs kann bei Patienten mit Diabetes den Blutzuckergehalt erhöhen und bei Patienten mit Typ-1-Diabetes eine diabetische Ketoazidose auslösen.

Bei kürzeren Eingriffen kann subkutanes Insulin verwendet werden. Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes kann die Hälfte der üblichen morgendlichen Dosis eines intermediär wirkenden Insulins oder 75 bis 80% der Dosis eines langwirksamen Insulins (Glargin oder Detemir) in der Nacht oder am Morgen vor der Operation verabreicht werden (zum üblichen Zeitpunkt der Verabreichung von langwirksamem Insulin) (1).

Während und direkt nach dem Eingriff sollten die Blutzuckerwerte (und Ketone, falls eine Hyperglykämie dies notwendig macht) mindestens alle 2-4 h gemessen werden (1). Eine Dextroseinfusion oder subkutanes Normal- oder kurz wirkendes Insulin (alle 4 bis 6 Stunden nach Bedarf) kann verabreicht werden, um die Plasmaglukosewerte zwischen 100 und 180 mg/dl (5,5 und 10,0 mmol/l) zu halten, bis der Patient wieder oral Nahrung zu sich nehmen und sein gewohnte Insulin-Behandlungsschema wieder aufnehmen kann. Zusätzlich sollte ein intermediär oder lange wirksames Insulin verabreicht werden, falls es zu einer Verzögerung von > 24 h bis zur Wiederaufnahme des gewohnten Insulinplans kommt. Dieser Ansatz kann auch für insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker verwendet werden.

Einige Ärzte ziehen es vor, am Tag der Operation alle subkutane oder inhalierte Gaben von Insulin einzustellen und Insulin als IV Infusion zu geben. Für Patienten, die sich einem längeren Eingriff oder einer größeren Operation unterziehen müssen, ist eine kontinuierliche Insulin-Infusion vorzuziehen, zumal der Insulin-Bedarf aufgrund der Belastung durch die Operation steigen kann. Eine IV Insulin-Infusion kann gleichzeitig mit intravenöser Dextroselösung verabreicht werden, um den Blutzucker zu erhalten. Ein gängiger Ansatz ist die getrennte Infusion von Insulin und Dextrose. Insulin kann mit einer Rate von 1 bis 2 U/h mit 5% Dextrose Infusion bei 75 bis 150 ml/h infundiert werden. Die Insulin-Rate muss möglicherweise bei Patienten mit eher Insulin-sensitivem Typ-1-Diabetes verringert und bei Patienten mit eher Insulin-resistentem Typ- 2-Diabetes erhöht werden. Eine Infusion von 10 %iger Dextrose kann ebenfalls verwendet werden. Es ist wichtig, insbesondere bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, die Insulin-Infusion fortzusetzen, auch bei niedriger Rate, um die Entwicklung einer diabetischen Ketoazidose zu vermeiden.

Eine Insulin adsorption an Infusionsschläuche kann zu schwer vorhersehbaren Effekten führen. Es empfiehlt sich, die Infusionsschläuche zu Beginn der Therapie mit einer Insulinlösung vorzuspülen. In Deutschland wird den Infusionen ein Albuminzusatz zugegeben. Die Insulininfusion wird bis zur Verlegung auf die Station fortgeführt. Die Insulindosis richtet sich nach den im Aufwachraum erhobenen Blutzuckerwerten. Die Kontrolle der Blutzuckerwerte wird danach in 1- bis 2-h-Intervallen fortgesetzt. Bei postoperativen Patienten auf einer Intensivstation können Insulin-Infusionsprotokolle eingesetzt werden, um eine Euglykämie aufrechtzuerhalten.

Die Insulinverabreichung über Insulinpumpen und automatisierte Insulinabgabesysteme kann während Operationen, die weniger als 2 Stunden dauern, fortgesetzt werden (6). Kontinuierliche Glukosemessgeräte (CGM) können auch während einer Operation weiterbetrieben werden, allerdings kann die Genauigkeit der Messungen durch Fluoroskopie oder Elektrokauterisation in der Nähe beeinträchtigt werden. Das Entfernen von Infusionssets von Insulinpumpen oder kontinuierlichen Glukosemesssystemen (CGM) kann erforderlich sein, wenn sich diese im Operationsfeld befinden. Wenn ein Patient während der Operation von seiner Insulinpumpe getrennt ist, kann intravenöses Insulin oder eine Dosis subkutanes Insulin verabreicht werden, um den Zeitraum abzudecken, in dem der Patient nicht an die Pumpe angeschlossen ist. Die intravenöse oder subkutane Insulin-Verabreichung ist besonders wichtig für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1, bei denen keine Zeiträume ohne Insulin-Abdeckung auftreten sollten.

Nicht-Insulin-Antidiabetika sollten vor einer Operation abgesetzt werden. Metformin erhöht das Risiko einer Laktatazidose und muss am Operationstag abgesetzt werden. SGLT-2-Inhibitoren sollten 3 bis 4 Tage vor der Operation abgesetzt werden, um diabetische Ketoazidose zu vermeiden. GLP-1-Rezeptoragonisten können die Magenentleerung verzögern und das Aspirationsrisiko bei Patienten unter Allgemeinanästhesie erhöhen. Fachgesellschaften empfehlen, dass Patienten tägliche GLP-1-Rezeptoragonisten am Tag des Eingriffs oder der Operation aussetzen (1). Patienten, die einmal wöchentlich einen GLP-1-Rezeptoragonisten einnehmen, sowie Patienten, die einen dualen GIP/GLP-1-Rezeptoragonisten einnehmen, sollten diese Medikamente mindestens 7 Tage vor Eingriffen oder Operationen absetzen (7). Das HbA1C-Ziel für elektive Operationen sollte < 8% (< 64,0 mmol/L) betragen.

Literatur zu speziellen Bevölkerungsgruppen

  1. 1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 16. Diabetes Care in the Hospital: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes Care. 2025;48(Supplement_1):S321-S334. doi:10.2337/dc25-S016

  2. 2. McCall AL, Lieb DC, Gianchandani R, et al. Management of Individuals With Diabetes at High Risk for Hypoglycemia: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2023;108(3):529-562. doi:10.1210/clinem/dgac596

  3. 3. Singh LG, Satyarengga M, Marcano I, et al. Reducing Inpatient Hypoglycemia in the General Wards Using Real-time Continuous Glucose Monitoring: The Glucose Telemetry System, a Randomized Clinical Trial. Diabetes Care. 2020;43(11):2736-2743. doi:10.2337/dc20-0840

  4. 4. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Diabetes Work Group. KDIGO 2022 Clinical Practice Guideline for Diabetes Management in Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2022;102(5S):S1-S127. doi:10.1016/j.kint.2022.06.008

  5. 5. Barmanray RD, Kyi M, Worth LJ, et al. Hyperglycemia in Hospital: An Independent Marker of Infection, Acute Kidney Injury, and Stroke for Hospital Inpatients. J Clin Endocrinol Metab. 2024;109(11):e2048-e2056. doi:10.1210/clinem/dgae051

  6. 6. Cruz P, McKee AM, Chiang HH, et al. Perioperative Care of Patients Using Wearable Diabetes Devices. Anesth Analg. 2025;140(1):2-12. doi:10.1213/ANE.0000000000007115

  7. 7. Kindel TL, Wang AY, Wadhwa A, et al. Multisociety clinical practice guidance for the safe use of glucagon-like peptide-1 receptor agonists in the perioperative period. Surg Obes Relat Dis. 2024;20(12):1183-1186. doi:10.1016/j.soard.2024.08.033

quizzes_lightbulb_red
Test your KnowledgeTake a Quiz!
DE_MSD_Mobile_Pro_326IOS ANDROID
DE_MSD_Mobile_Pro_326IOS ANDROID
DE_MSD_Mobile_QR_Pro_326iOS ANDROID