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Rotes Auge

(Rosa Auge)

Von

Christopher J. Brady

, MD, Wilmer Eye Institute, Retina Division, Johns Hopkins University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Unter einem roten Auge versteht man eine rote Erscheinung des geöffneten Auges, das eine Erweiterung der oberflächlichen Okulargefäße reflektiert.

Pathophysiologie

Eine Erweiterung der oberflächlichen Okulargefäße kann resultieren aus

  • Infektion

  • Allergie

  • Entzündung (infektiös)

  • Erhöhtem intraokularem Druck (weniger häuig)

Mehrere okulare Komponenten können involviert sein, am häufigsten die Konjunktiva, aber auch die Uvea, die Episklera und die Sklera.

Ätiologie

Die häufigsten Ursachen eines roten Auges umfassen

Hornhauterosionen und Fremdkörper sind häufige Ursachen (siehe Tabelle: Einige Ursachen eines roten Auges). Obwohl das Auge rot ist, stellen sich die Patienten in der Regel mit einer Verletzungsbeschwerde, Augenschmerzen oder beidem vor. Bei kleinen Kindern und Säuglingen stehen solche Informationen eventuell nicht zur Verfügung.

Tabelle
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Einige Ursachen eines roten Auges

Ursache

Verdächtige Befunde

Diagnostischer Ansatz

Bindehautkrankheiten und Episkleritis*

Bilateraler, hervorstechender Juckreiz, möglicherweise Vorwölbung der Bindehaut (Chemosis)

Bekannte Allergien oder andere Merkmale von Allergien (z. B. saisonale Rezidive, Schnupfen)

Manchmal Nutzung topischer ophthalmologischer Medikamente (insbesondere Neomycin)

Klinische Bewertung

Konjunktivitis durch chemische (reizende) Substanzen

Die Exposition gegenüber potenziellen Reizstoffen (z. B. Staub, Rauch, Ammoniak, Chlor, Phosgen)

Klinische Bewertung

Unilaterale fokale Rötung, leichte Reizung, minimales Augentränen

Klinische Bewertung

Infektiöse Konjunktivitis

Kratzgefühl, Photosensitivität

Manchmal mukopurulenter Ausfluss, Lidödem oder Follikel auf tarsaler Konjunktiva

Klinische Bewertung

Unilateraler, asymptomatischer fokaler roter Fleck oder konfluierende Rötung

Möglicherweise Trauma oder Valsalva-Manöver in der Vorgeschichte

Oft anamnestische Verwendung von Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer (z. B. Aspirin, NSAR, Warfarin)

Klinische Bewertung

Starker Juckreiz, fadenziehender Ausfluss

Gewöhnlich präpubertäre oder jugendliche Männer

Andere atopische Erkrankungen

Zunahme im Frühjahr und Abnahme im Winter

Klinische Bewertung

Erkrankungen der Kornea

Kontaktlinsen-Keratitis

Längeres Tragen von Kontaktlinsen, Augentränen, Korneaödem

Klinische Bewertung

Auftreten nach einer Verletzung (diese Anamnese tritt bei Säuglingen und kleinen Kindern aber eventuell nicht in Erscheinung)

Fremdkörpergefühl

Läsion durch Fluorescein-Färbung ersichtlich

Klinische Bewertung

Oft graue Trübung auf der Kornea, die von einem sichtbaren Krater (unförmiger Defekt des Hornhautstromas) gefolgt wird

Eventuell Schlafen mit Kontaktlinsen in der Anamnese

Kultur des Ulkus (Abstriche werden von einem Ophthalmologen durchgeführt)

Epidemische Keratokonjunktivitis (adenovirale Konjunktivitis mit Keratitis), falls mittelschwer oder schwer

Reichlich wässriger Ausfluss

Oft Lidödem, präaurikuläre Lymphadenopathie, Chemosis (Vorwölbung der Konjunktiva)

Gelegentlich schwerer temporärer Visusverlust

Punktiertes Muster bei Fluorescein-Färbung

Klinische Bewertung

Auftreten nach Konjunktivitis, Bläschen auf dem Lid

Klassische dendritische Hornhautläsion durch Fluorescein-Färbung ersichtlich

Unilateral

Klinische Bewertung

Viruskultivierung, falls Diagnose unklar ist

Einseitige Bläschen und Krusten auf gerötetem Grund in einem V1-Versorgungsbereich, manchmal ist auch die Nasenspitze betroffen

Lidödem

Rotes Auge

Ist eventuell mit Uveitis assoziiert

Möglicherweise starke Schmerzen

Klinische Bewertung

Viruskultivierung, falls Diagnose unklar ist

Andere Erkrankungen

Schwere Augenschmerzen

Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Halos (Ringe) um Lichtquellen

Undurchsichtige Kornea (durch Ödem verursacht), deutliche konjunktivale Rötung

Verminderte Sehschärfe

Intraokularer Druck in der Regel > 40 mmHg

Tonometrie und Gonioskopie

Augenschmerzen, Photophobie

Ziliare Injektion (Rötung ist am stärksten um die Hornhaut konzentriert und dort oft konfluierend)

Oft ein Risikofaktor (z. B. Autoimmunerkrankung, stumpfes Trauma in den vorausgegangenen Tagen)

Möglicherweise verminderte Sehschärfe oder Eiter in der vorderen Augenkammer (Hypopyon)

Zellen und positiver Tyndall (Flare) bei Spaltlampenuntersuchung

Klinische Bewertung

Starke Schmerzen, die oft als bohrend beschrieben werden

Photophobie, Augentränen

Rote oder violette Flecken unter der bulbären Konjunktiva

Skleralödem

Schmerzempfindlichkeit des Bulbus bei Palpitation

Oft anamnestische Autoimmunerkrankung

Klinische Bewertung

Weitere Tests durch oder in Absprache mit einem Ophthalmologen

* Sofern nicht anders beschrieben, in der Regel durch Juckreiz oder Kratzgefühl, Augentränen, diffuse Rötung und häufig durch Photosensitivität charakterisiert, aber keine Visusänderung und keine Schmerzen oder echte Photophobie.

Sofern nicht anders beschrieben, in der Regel durch Augentränen, Schmerzen und echte Photophobie charakterisiert. Die Sehstärke ist betroffen, wenn die Läsion die Sehachse betrifft.

V1= ophthalmologischer Versorgungsbereich des Trigeminusnervs.

Beurteilung

Die meisten Erkrankungen können durch einen Allgemeinarzt diagnostiziert werden.

Anamnese

Fragen zum aktuellen Krankheitsverlauf sollten den Beginn und die Dauer von Rötungen sowie das Vorliegen einer jeden Veränderung der Sehstärke, eines Juckreizes, eines Kratzgefühls, von Schmerzen oder von Ausfluss feststellen. Art und Schwere der Schmerzen, einschließlich der Frage, ob sich die Schmerzen durch Licht verschlimmern (Photophobie), werden festgestellt. Der Arzt sollte feststellen, ob der Ausfluss wässrig oder eitrig ist. Weitere Fragen beurteilen die Verletzungsanamnese, einschließlich der Exposition gegenüber Reizstoffen und der Verwendung von Kontaktlinsen (z. B. mögliche übermäßige Nutzung, wie das Tragen während des Schlafens). Vorausgehende Episoden von Augenschmerzen oder -rötung und deren zeitlicher Verlauf werden erfragt.

Die Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen suchen, die auf mögliche Ursachen hindeuten, wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Halos (Ringe) um Lichtquellen (akutes Winkelblockglaukom), laufende Nase und Niesen (Allergien, Infekte der oberen Atemwege) sowie Husten, Halsschmerzen und Unwohlsein (Infekte der oberen Atemwege).

Die Anamnese enthält Fragen über bekannte Allergien und Autoimmunerkrankungen. Die Medikamentenanamnese sollte speziell nach dem kürzlichen Einsatz topischer ophthalmologischer Medikamente (einschließlich rezeptfreier Medikamente) fragen, die vielleicht sensibilisierend sind.

Körperliche Untersuchung

Die allgemeine Untersuchung sollte eine Kopf- und Halsuntersuchung auf Anzeichen assoziierter Erkrankungen (z. B. Infekte der oberen Atemwege, allergische Rhinitis, Zoster-Ausschlag) umfassen.

Die Augenuntersuchung beinhaltet eine formale Messung der Sehschärfe und erfordert in der Regel eine Stiftlampe, eine Fluorescein-Färbung sowie eine Spaltlampe.

Die am besten korrigierte Sehschärfe wird gemessen. Die Pupillengröße sowie deren Reaktivität auf Licht werden beurteilt. Echte Photophobie (manchmal auch als konsensuelle Photophobie bezeichnet) liegt vor, wenn ein Licht, das in das nicht betroffene Auge gerichtet wird, Schmerzen im betroffenen Auge verursacht, wenn das betroffene Auge geschlossen ist. Extraokulare Bewegungen werden beurteilt und das Auge sowie das periorbitale Gewebe werden auf Läsionen und Schwellungen geprüft. Die tarsale Oberfläche wird auf Follikel inspiziert. Die Hornhäute werden mit Fluorescein gefärbt und unter Vergrößerung untersucht. Wenn eine Hornhauterosion festgestellt wird, wird das Lid evertiert und auf versteckte Fremdkörper untersucht. Die Inspektion okularer Strukturen und der Hornhaut wird am besten unter Verwendung einer Spaltlampe durchgeführt. Eine Spaltlampe wird außerdem dazu genutzt, die vordere Kammer auf Zellen, positiven Tyndall (Flare) und Eiter (Hypopyon) zu untersuchen. Der Augendruck wird mittels Tonometrie gemessen, obwohl es zulässig sein kann, diesen Test auszulassen, falls es keine Symptome oder Beschwerden gibt, die eine Störung außer der Konjunktivitis nahelegen.

Warnzeichen

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Plötzliche, starke Schmerzen und Erbrechen

  • Zoster-Ausschlag

  • Verminderte Sehschärfe

  • Hornhautkrater

  • Sich verzweigende, dendritische Hornhautläsion

  • Augendruck > 40 mmHg

  • Können nicht durch Phenylephrin-Augentropfen abgeblasst werden

Interpretation der Ergebnisse

Erkrankungen der Bindehaut und Episkleritis werden differenzialdiagnostisch von anderen Ursachen eines roten Auges durch die Abwesenheit von Schmerzen, Photophobie und Hornhautverfärbung unterschieden. Unter diesen Erkrankungen wird die Episkleritis durch ihre Fokalität differenziert und eine subkonjunktivale Blutung wird in der Regel durch das Fehlen von Augentränen, Juckreiz und Photosensitivität differenziert. Klinische Kriterien differenzieren virale Konjunktivitis nicht akkurat von bakterieller Konjunktivitis.

Hornhauterkrankungen werden von anderen Ursachen eines roten Auges (und in der Regel gegeneinander) durch eine Fluorescein-Färbung differenziert. Diese Störungen werden auch oft durch Schmerzen und Photophobie charakterisiert. Wenn die Instillation okularer Betäubungstropfen (z. B. Proparakain-POS® 0,5%), die vor der Tonometrie und idealerweise vor der Fluorescein-Instillation vorgenommen wird, die Schmerzen vollständig lindert, ist die Ursache wahrscheinlich auf die Hornhaut begrenzt. Wenn Schmerzen vorhanden sind und nicht durch ein okulares Anästhetikum gelindert werden, kann die Ursache eine anteriore Uveitis, ein Glaukom oder eine Skleritis sein. Da Patienten eine anteriore Uveitis als Folge einer Hornhautläsion haben können, schließt das Fortbestehen der Schmerzen nach der Instillation des Anästhetikums eine Hornhautläsion nicht aus.

Uveitis anterior, akutes Winkelblockglaukom und Skleritis können in der Regel von anderen Ursachen eines roten Auges durch das Vorhandensein von Schmerzen und fehlender Hornhautverfärbung differenziert werden. Eine Uveitis anterior ist bei Patienten mit Schmerzen, echter Photophobie, fehlender Fluorescein-Färbung der Hornhaut und normalem intraokularem Druck wahrscheinlich und wird endgültig auf Basis des Vorhandenseins von Zellen und positivem Tyndall (Flare) in der vorderen Kammer diagnostiziert. Allerdings sind solche Befunde für einen Allgemeinarzt eventuell schwierig zu erkennen. Ein akutes Winkelblockglaukom kann in der Regel durch das plötzliche Auftreten seiner schweren und charakteristischen Symptome erkannt werden, aber eine Tonometrie liefert eine sichere Diagnose.

Tipps und Risiken

  • Wenn die Schmerzen trotz einer okulären Betäubung bei einem Patienten mit einer normalen Fluoreszeinuntersuchung anhalten, sollten Sie eine anteriore Uveitis, Skleritis oder ein spitzes Winkelschlussglaukom in Betracht ziehen.

Eine Instillation von Phenylephrin 2,5% verursacht ein Abblassen des roten Auges, es sei denn, die Ursache ist eine Skleritis. Phenylephrin wird instilliert, um die Pupille bei Patienten, die eine umfassende Netzhautuntersuchung benötigen, zu erweitern. Es sollte jedoch bei Patienten, die folgende Kriterien erfüllen, nicht verwendet werden:

  • Vermutetes akutes Winkelblockglaukom

  • Ein anamnestisches Winkelblockglaukom

  • Eine verengte Vorderkammer

Tests

Tests sind meist nicht erforderlich. Eine Virenkultivierung kann helfen, wenn Herpes simplex oder Herpes Zoster vermutet werden und die Diagnose klinisch nicht klar ist. Hornhautulzera werden durch einen Ophthalmologen kultiviert. Eine Gonioskopie wird bei Patienten mit Glaukom durchgeführt. Tests auf autoimmune Erkrankungen können bei Patienten mit Uveitis und ohne erkennbare Ursache (z. B. Trauma) angebracht sein. Patienten mit Skleritis unterziehen sich weiteren Tests unter Anleitung eines Ophthalmologen.

Therapie

Die Ursache wird behandelt. Ein rotes Auge an sich muss nicht behandelt werden. Topische Vasokonstriktoren werden nicht empfohlen.

Wichtige Punkte

  • Die meisten Fälle werden durch eine Konjunktivitis verursacht.

  • Schmerzen und echte Photophobie deuten auf andere, schwerwiegendere Diagnosen hin.

  • Bei Patienten mit Schmerzen sind eine Spaltlampenuntersuchung mit Fluorescein-Färbung und eine Tonometrie von besonderer Bedeutung.

  • Das Fortbestehen von Schmerzen trotz eines okularen Anästhetikums bei einem Patienten mit einer normalen Fluorescein-Untersuchung deutet auf eine Uveitis anterior, eine Skleritis oder ein akutes Winkelblockglaukom hin.

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