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Chronische Schmerzen

Von

James C. Watson

, MD, Mayo Clinic

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2018| Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die über Monate oder Jahre andauern oder immer wieder auftreten.

Unter folgenden Bedingungen gelten Schmerzen normalerweise als chronisch:

  • Sie dauern länger als drei Monate an

  • Sie dauern nach einer geheilten Verletzung oder Erkrankung, die die Schmerzen ursprünglich verursacht hat, länger als einen Monat an

  • Sie kommen und gehen über Monate und Jahre hinweg

  • Sie sind mit einer chronischen Erkrankung (z. B. Krebs, Arthritis, Diabetes oder Fibromyalgie) oder einer Verletzung, die nicht abheilt, verbunden

Chronische Schmerzen können dazu führen, dass das Nervensystem schmerzempfindlicher wird. Chronische Schmerzen stimulieren zum Beispiel wiederholt die Nervenfasern und -zellen, welche die Schmerzsignale aufspüren, versenden und empfangen. Durch eine wiederholte Stimulierung kann die Struktur der Nervenfasern und -zellen verändert (Remodeling) oder diese verstärkt aktiviert werden. Infolgedessen können Schmerzen durch einen Reiz entstehen, der normalerweise nicht schmerzhaft sein würde oder ein schmerzhafter Reiz kann als stärker empfunden werden. Diese Wirkung wird Sensibilisierung genannt.

Auch Muskel- oder Bindegewebebereiche können sehr empfindlich und druckempfindlich werden. Diese Bereiche werden Triggerpunkte genannt, da durch die Berührung dieser Bereiche häufig unerklärliche Schmerzen ausgelöst werden, die in andere Körperbereiche ausstrahlen.

Wussten Sie ...

  • Chronische Schmerzen können das Nervensystem physisch dermaßen verändern, dass Schmerzen stärker werden und länger dauern.

Chronische Erkrankungen (wie Krebs, Arthritis oder Diabetes) können chronische Schmerzen verursachen. Chronische Schmerzen können sogar durch eine leichte Verletzung entstehen, bei der Nervenfasern und -zellen sensibilisiert wurden.

Angst und andere psychologische Faktoren können die Erklärung dafür sein, warum manche Menschen Schmerz als schlimmer empfinden als andere und warum die Schmerzen sie stärker in ihren Aktivitäten einschränken. Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, wissen zum Beispiel, dass die Schmerzen wieder auftreten werden und erwarten sie möglicherweise ängstlich und betroffen. Furcht und Angst können die Produktion von Substanzen verringern, welche die Empfindlichkeit der Nervenzellen auf Schmerz mindern. Diese Veränderungen der Schmerzempfindlichkeit erklären teilweise Schmerzen, die weiterhin existieren, obwohl ihre Ursache beseitigt wurde oder Schmerzen, die sich stärker als erwartet anfühlen.

Auch andere Faktoren können die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Wenn Menschen immer wieder beweisen müssen, dass sie krank sind, um medizinische Versorgung oder Versicherungsleistungen zu erhalten oder von der Arbeit freigestellt zu werden, kann sich die Schmerzwahrnehmung unbewusst verstärken. Diese Reaktion ist von der Simulation zu unterscheiden, welche eine bewusste Übertreibung von Symptomen darstellt, um daraus einen Vorteil zu ziehen. Familienangehörige und Freunde können die Schmerzwahrnehmung der Person unbewusst verstärken, indem sie ständig fragen, wie sich die Person fühlt oder indem sie Dinge für die Person machen.

Manchmal ist die ursprüngliche Ursache der Schmerzen bekannt – zum Beispiel, wenn jemand eine Verletzung hatte, die zu chronischen Rückenschmerzen führte. Oder die Ursache kann unbekannt sein – zum Beispiel bei chronischen Kopfschmerzen.

Symptome

Menschen mit chronischen Schmerzen fühlen sich oft müde, haben Schlafstörungen, haben keinen Appetit und/oder das Essen schmeckt ihnen nicht mehr und sie verlieren Gewicht. Möglicherweise kriegen sie Konstipation und ihr Sexualtrieb nimmt ab. Diese Probleme entwickeln sich allmählich. Ständige Schmerzen können dazu führen, dass Menschen nicht mehr das machen, was ihnen für gewöhnlich Spaß macht. Sie können Angstzustände und Depressionen bekommen. Möglicherweise schränken sie ihre Aktivitäten ein, ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück und beschäftigen sich mit ihrer Gesundheit.

Durchbruchschmerz ist ein kurz auftretender, oft starker Schmerzschub, der bei der Behandlung von chronischen Schmerzen auftreten kann. Er wird als Durchbruchschmerz bezeichnet, da er trotz regelmäßiger Schmerzbehandlung durchbricht. Ein Durchbruchschmerz kann individuell variieren und ist oft unvorhersehbar.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Manchmal psychiatrische Beurteilung

Die Person wird gründlich untersucht, um die Ursache für die Schmerzen und deren Auswirkungen auf den Alltag festzustellen. Wenn keine Ursache gefunden wird, konzentrieren sich die Ärzte auf die Schmerzlinderung und helfen dem Patienten, seine Funktionsfähigkeit zu verbessern.

Der Arzt fragt den Patienten, ob er depressiv ist, Angst vor den Schmerzen hat und gut schlafen kann. Die Bestimmung dieser Symptome ist sehr wichtig, da sie die Schmerzen verschlimmern können und, wenn sie vorliegen, eine Behandlung erfordern, wenn die Schmerzen effektiv behandelt werden sollen. Eine formelle Beurteilung der psychischen Gesundheit oder eine Schlafbeurteilung kann notwendig sein.

Behandlung

  • Medikamente zur Schmerzlinderung

  • Körperliche Maßnahmen (wie Physiotherapie)

  • Psycho- und Verhaltenstherapie

Liegt eine Ursache vor, wird diese behandelt.

Die Behandlung chronischer Schmerzen kann Folgendes umfassen:

Wenn die Behandlungen keine Wirkung zeigen, kann der Arzt den Patienten an eine Schmerzklinik überweisen.

Arzneimittel

Je nach Schweregrad der Schmerzen werden folgende Arzneimittel verschrieben:

Bei den meisten Menschen, die Schmerzmittel (Analgetika) gegen chronische Schmerzen einnehmen, variiert die Schmerzintensität im Laufe des Tages. Die Intensität variiert aus verschiedenen Gründen:

  • Merkmale der betroffenen Nerven (z. B. wie schnell diese Signale senden und wo sich die Nerven befinden)

  • Aktivitäten, die Schmerzen verursachen können (z. B. Bewegen oder Berühren des betroffenen Bereichs)

  • Psychologische Belastung

  • Veränderungen des Blutspiegels der Schmerzmittel

Um sicherzustellen, dass der Blutspiegel des Schmerzmittels nicht zu niedrig wird, kann der Arzt die Dosen und die Zeiten, in denen die Arzneimittel eingenommen werden, ändern.

Durch eine Kombination von Arzneimitteln werden die Schmerzen in der Regel effektiver gelindert als mit einem einzelnen Medikament.

Opioide werden meistens eingesetzt, um mäßige bis starke Schmerzen aufgrund von Krebserkrankungen oder anderen Erkrankungen zu behandeln, die die Lebensdauer verkürzen (terminale Erkrankungen). Opioide kommen auch im Rahmen der Hospizpflege zum Einsatz. Sie werden manchmal bei Menschen in diesen Situationen zu wenig eingesetzt, was zu unnötigem Schmerz und Leiden führt.

Dass Opioide möglicherweise zu wenig verordnet werden, liegt daran, dass die Ärzte

Bei Patienten mit Schmerzen aufgrund einer Krebserkrankung oder einer anderen terminalen Erkrankung, sollten Bedenken hinsichtlich Nebenwirkungen den Einsatz von Opioiden nicht einschränken, da Nebenwirkungen in der Regel verhindert oder behandelt werden können und eine Sucht weniger Grund zur Sorge bereitet.

Experten haben kürzlich die Richtlinien überarbeitet, wie Opioide angewendet werden sollten, um chronische Schmerzen zu behandeln, die durch Erkrankungen hervorgerufen werden, bei denen es sich nicht um Krebs handelt und die die Lebensdauer nicht verkürzen. Der Grund für diese Aktualisierung ist das steigende Bewusstsein für opioide Nebenwirkungen, einschließlich Abhängigkeit, Atemdepression und Tod aufgrund einer Überdosis. Infolgedessen verschreiben Ärzte normalerweise nichtmedikamentöse Behandlungen (wie Physiotherapie) und nichtopioide Analgetika (wie NSAR und adjuvante Analgetika) anstelle von Opioiden für Patienten, die an einer dieser Erkrankungen leiden.

Bei mäßigen bis starken Schmerzen aufgrund dieser Erkrankungen können Ärzte jedoch Opioide in Betracht ziehen, wenn alle der folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Trotz anderer Therapien und Arzneimittel halten die Schmerzen an.

  • Die Schmerzen beeinträchtigen die täglichen Aktivitäten.

  • Die Vorteile überwiegen gegenüber den Risiken.

  • Die Person wird den Arzt während der Opioidanwendung wahrscheinlich zur regelmäßigen Nachsorge und Überwachung aufsuchen.

Bei der Entscheidung, ob Opioide für die Schmerzen aufgrund einer Erkrankung, bei der es sich nicht um Krebs handelt und die die Lebenserwartung nicht verkürzt, zum Einsatz kommen sollten, wird der Arzt auch in Betracht ziehen, wie Schmerzen aufgrund einer solchen Erkrankung normalerweise behandelt werden und ob andere Behandlungen helfen können. Es gibt Leitlinien, die den Ärzten helfen können, zu entscheiden, ob eine Opioidtherapie angebracht ist oder nicht.

Bevor Opioide für jegliche Arten von chronischen Schmerzen verschrieben werden, stellen die Ärzte Fragen, um zu bestimmen:

  • Ob der Patient das Medikament möglicherweise falsch verwendet oder missbraucht – zum Beispiel, ob der Patient bereits alkohol- oder drogenabhängig war oder eine schwere psychiatrische Erkrankung wie Depressionen hatte

  • Ob der Patient andere Arzneimittel einnimmt, die das Risiko einer Opioidbehandlung erhöhen (wie angstlösende Arzneimittel oder Schlafmittel)

  • Ob der Patient möglicherweise Nebenwirkungen von einem Opioid bekommt (wie Benommenheit, Übelkeit oder ein erhöhtes Risiko für Stürze)

  • Ob der Patient die Arzneimittel möglicherweise für andere Zwecke verwendet (zum Beispiel, um sie zu verkaufen)

Opioide werden in der Regel zusammen mit anderen Behandlungen eingesetzt, darunter auch nichtmedikamentöse Behandlungen wie physikalische Behandlungen und psychologische Therapien.

Wenn Ärzte ein Opioid gegen chronische Schmerzen verschreiben, geben sie dem Patienten normalerweise schriftliche Informationen zu den Risiken der Opioid-Einnahme. Zudem wird der Patient gebeten, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, in der die Voraussetzungen für die Opioid-Einnahme, wie eine mögliche spezielle Überwachung, beschrieben werden. Zum Beispiel kann in regelmäßigen Abständen ein Urintest durchgeführt werden, um festzustellen, ob das Medikament richtig eingenommen wird, und der Patient kann die Opioid-Rezepte in der Regel nur in einer einzigen Apotheke einreichen.

Wenn ein hohes Risiko besteht, kann der Arzt den Patienten an eine Schmerzklinik oder einen Psychologen überweisen, der auf Substanzmissbrauch spezialisiert ist. Menschen, die bereits süchtig waren, müssen in der Regel überwiesen werden.

Der Arzt erklärt die Risiken und Nebenwirkungen von Opioiden. Dem Patienten wird geraten

  • Bei der Einnahme eines Opioids keinen Alkohol zu trinken oder angstlösende Arzneimittel oder Schlafmittel einzunehmen

  • Die empfohlene Dosis zu den empfohlenen Zeiten einzunehmen und die Dosis nicht zu verändern

  • Das Opioid an einem sicheren Platz zu lagern

  • Das Opioid mit niemandem zu teilen

  • Einen Arzt zu kontaktieren, wenn sie durch das Medikament schläfrig werden oder eine andere Nebenwirkung auftritt (wie Verwirrtheit, Verstopfung oder Übelkeit)

  • Nicht verwendete Pillen wie angegeben zu entsorgen

  • Naloxon (ein Gegengift gegen Opioide) bereitzuhalten und in Erfahrung zu bringen, wie es im Falle einer Überdosierung angewendet wird

Während der Behandlung mit Opioiden überprüft der Arzt regelmäßig, wie wirksam das Medikament ist, ob es die Funktionsfähigkeit des Patienten verbessert und ob Nebenwirkungen auftreten. Viele Menschen entscheiden, dass sie die Nebenwirkungen von Opioiden nicht vertragen oder dass die Erleichterung, die die Arzneimittel verschaffen, ihre weitere Einnahme nicht rechtfertigt. Opioide bieten nur manchen Menschen eine langfristige Erleichterung und lindern die Schmerzen in der Regel nur teilweise.

Opioide werden in der Regel über den Mund eingenommen oder über ein Patch verabreicht, das auf die Haut aufgebracht wird. Falls nötig, können sie mittels Injektion in eine Vene, einen Muskel oder über eine Pumpe direkt in den Raum um das Rückenmark herum verabreicht werden. Eine solche Verabreichung der Opioide wird in der Regel in einem Krankenhaus oder beim Arzt vorgenommen.

Bei einer Depression können Antidepressiva und psychologische Therapien zum Einsatz kommen.

Physikalische Methoden

Physio- und Ergotherapeuten verwenden verschiedene Methoden zur Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Patienten. Wenn Triggerpunkte vorhanden sind, können die Therapeuten ein Spray benutzen, um den Bereich zu kühlen und dann den Muskel zu dehnen. Diese Methode (Sprühen und Dehnen) kann helfen, die Schmerzen zu reduzieren. Manchen Menschen hilft das Tragen einer Orthese (Vorrichtungen, die geschädigte Gelenke, Bänder, Sehnen, Muskeln und Knochen stabilisieren).

Manchmal hilft Sport oder eine erhöhte Aktivität. Zum Beispiel kann regelmäßiges Laufen bei Schmerzen im unteren Rücken effektiver sein als im Bett zu liegen.

Ergotherapeuten können Menschen mit chronischen Schmerzen helfen, Wege zu finden, um ihren täglichen Aktivitäten mit weniger Schmerzen nachzugehen.

Psycho- und Verhaltenstherapie

Verschiedene psychologische Techniken (wie Entspannungstraining, Ablenkungstechniken, Hypnose und Biofeedback) können helfen, Schmerzen zu kontrollieren. Ablenkungstechniken können Fantasiereisen beinhalten. Die Patienten sollen sich zum Beispiel ein Szenario vorstellen, das beruhigend wirkt, wie an einem Strand oder in einer Hängematte zu liegen.

Durch Verhaltenstherapie kann die Funktionsweise der Patienten verbessert werden, selbst wenn sie nicht die Schmerzen reduziert. Um die körperlichen und sozialen Aktivitäten allmählich zu verbessern, können die Ärzte bestimmte Empfehlungen geben. Den Patienten wird geraten, sich durch die Schmerzen nicht davon abbringen zu lassen, an einer besseren Funktionsweise zu arbeiten. Wenn dieser Ansatz verwendet wird, berichten viele Patienten, dass die Schmerzen abnehmen. Die Ärzte loben die Fortschritte, ermutigen die Patienten, sich weiter zu verbessern, und behandeln die Schmerzen weiterhin nach Bedarf.

Die Ärzte können auch mit Familienmitgliedern oder Mitarbeitern reden, um ihnen abzuraten, Dinge zu tun, die dazu beitragen, dass der Patient sich auf die Schmerzen konzentriert. Sie sollten sich zum Beispiel nicht ständig nach der Gesundheit der Person erkundigen und nicht darauf bestehen, dass die Person keine Aufgaben übernimmt.

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