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Genetische und persönliche Eigenschaften spielen möglicherweise eine Rolle bei der Entwicklung von alkoholbezogenen Störungen.
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Ein zu hoher Alkoholkonsum kann Betroffene schläfrig oder aggressiv machen, ihre Koordinationsfähigkeit und geistige Funktion einschränken sowie die Berufstätigkeit, die familiären Beziehungen und sonstige Aktivitäten beeinträchtigen.
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Der Konsum von zu viel Alkohol über einen langen Zeitraum kann zu einer Abhängigkeit führen und Leber, Gehirn und Herz schädigen.
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Eine alkoholbezogene Störung lässt sich mittels Fragebogen oder über eine Bestimmung des Blutalkoholspiegels diagnostizieren.
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Die Sofortbehandlung einer Überdosierung umfasst Unterstützung bei der Atmung, Flüssigkeitszufuhr, Verabreichung von Thiamin und manchmal anderen Vitaminen (um Mangelerscheinungen aufgrund eines chronischen Alkoholmissbrauchs auszugleichen) sowie Benzodiazepinen bei Entzugserscheinungen.
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Entgiftungs- und Rehabilitationsprogramme können Menschen mit schweren durch alkoholbezogene Störungen verursachten Problemen helfen.
(Siehe auch Substanzmissbrauch und Abhängigkeit.)
Etwa die Hälfte der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten trinkt gegenwärtig Alkohol, 20 Prozent waren einmal abhängig und 30 Prozent bis 35 Prozent verzichten lebenslänglich auf Alkohol. Das Trinken großer Mengen von Alkohol (mehr als zwei bis sechs Gläser pro Tag) über einen längeren Zeitraum kann eine Reihe von Organen, besonders die Leber, das Herz und das Gehirn schädigen. Das Trinken einer mäßigen Alkoholmenge kann jedoch das Risiko verringern, an Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße (Herz-Kreislauf-Krankheiten) zu sterben. Dennoch wird der Alkoholkonsum zu diesem Zweck nicht empfohlen, besonders, da sicherere und wirksamere Vorbeugungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.
Alkoholbezogene Störungen
Die meisten Menschen trinken nicht so viel und nicht oft genug Alkohol, um ihre Gesundheit oder ihr Leben zu beeinträchtigen. Jedoch besteht bei 7 bis 10 Prozent der Erwachsenen in den USA ein Alkoholproblem (Alkoholkrankheit, auch als Alkoholismus bekannt). Für Männer besteht gegenüber Frauen eine zwei- bis viermal so hohe Wahrscheinlichkeit, eine Alkoholkrankheit zu entwickeln. Alkoholismus und andere Störungen durch Substanzgebrauch betreffen Personen, die eine Substanz weiterhin konsumieren, obwohl sie durch deren Gebrauch Probleme haben.
Klassifikation von alkoholbezogenen Störungen
Erkrankung |
Beschreibung |
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Risikotrinken |
Definiert über die Menge und Häufigkeit des Trinkens: |
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Rauschtrinken |
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Alkoholkrankheit |
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*Ein alkoholisches Getränk entspricht etwa 340 ml Bier, etwa 145 ml Wein und etwa 45 ml Hochprozentigem, z. B. Whiskey. |
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Der Alkoholkonsum kann zu vielen zerstörerischen Verhaltensweisen und Auswirkungen führen:
Der Zustand der Betrunkenheit kann Familien und soziale Bindungen auseinanderreißen. Die Scheidungsrate ist um 50 Prozent höher, wenn einer der Ehepartner ein starker Trinker ist. Wegen häufiger Fehlzeiten verlieren Alkoholkranke oft den Arbeitsplatz.
Spezielle Gruppen
Für sehr kleine Kinder, die meist versehentlich Alkohol trinken, besteht ein signifikantes Risiko, einen sehr niedrigen Blutzuckerspiegel zu entwickeln und ins Koma zu fallen.
Frauen können empfindlicher auf Alkohol reagieren, auch aufgrund des Körpergewichts.
Ältere Menschen können empfindlicher auf die Auswirkungen von Alkohol reagieren als jüngere Erwachsene.
Bei Frauen, die während der Schwangerschaft trinken, steigt das Risiko, dass sie ein Kind mit Alkoholembryopathie gebären.
Obwohl die Empfindlichkeit gegenüber der Alkoholwirkung in jedem Alter unterschiedlich ausfällt, kann eine Alkoholkrankheit bei Menschen jeden Alters auftreten. Der Drogen- und Substanzenkonsum und -missbrauch unter Jugendlichen wird Immer mehr mit besonders verheerenden Konsequenzen in Verbindung gebracht. Kinder, die sehr früh, besonders vor dem Teenager-Alter, mit dem Trinken beginnen, entwickeln viel leichter eine Alkoholabhängigkeit als Erwachsene.
Ursachen
Die Alkoholkrankheit weist eine erbliche Komponente auf. Blutsverwandte von Alkoholikern werden mit größerer Wahrscheinlichkeit alkoholkrank als andere. Leibliche Kinder von Alkoholikern entwickeln mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Alkoholkrankheit als adoptierte Kinder.
Einige Studien geben Hinweise darauf, dass mit dem Risiko einer Alkoholkrankheit behaftete Personen weniger schnell betrunken werden als Personen, die keine Alkoholiker sind. Das bedeutet, dass deren Gehirne weniger empfindlich auf die Wirkung von Alkohol reagieren. Auch Blutsverwandte von Alkoholikern können diese Eigenschaften haben.
Ein bestimmter Hintergrund und bestimmte Persönlichkeitszüge können Personen für eine Alkoholkrankheit prädisponieren. Alkoholkranke kommen häufig aus zerrütteten Familien, die Beziehung zu ihren Eltern ist oft gestört. Sie sind häufig einsam, isoliert, schüchtern, depressiv oder feindselig. Alkoholkranke legen oft selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag und können sexuell unreif sein. Ob diese Charakterzüge die Ursache oder das Resultat der Alkoholkrankheit sind, ist unklar.
Symptome
Alkohol verursacht drei grundsätzliche Problemtypen:
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Probleme, die sofort auftreten, wenn eine Person zu einer bestimmten Zeit zu viel trinkt (Betrunkenheit und Überdosis)
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Probleme, die nach langer Zeit auftreten, wenn jemand regelmäßig zu viel trinkt
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Probleme, die auftreten, wenn starker Alkoholgenuss nach langer Zeit plötzlich unterbrochen wird (Entzug)
Unmittelbare Auswirkungen
Alkohol hat eine beinahe sofortige Wirkung, da er rascher resorbiert wird, als er im Körper verarbeitet (verstoffwechselt) und wieder ausgeschieden wird. Folglich steigt der Alkoholspiegel des Bluts schnell an. Erste Wirkungen können sich bereits nach wenigen Minuten zeigen.
Die Wirkungen sind von Person zu Person stark unterschiedlich. Auf Personen, die beispielsweise regelmäßig zwei oder mehr Gläser pro Tag trinken, wirkt sich eine gegebene Alkoholmenge weniger stark aus als auf Personen, die normalerweise nichts oder nur in Gesellschaft trinken. Diese Tatsache wird als Toleranz bezeichnet. Personen, die eine Toleranz gegenüber Alkohol entwickelt haben, sind vielleicht auch weiteren Substanzen gegenüber tolerant, die die Hirnfunktion verlangsamen, z. B. Barbiturate und Benzodiazepine.
Die Wirkungen variieren in Abhängigkeit vom Alkoholspiegel des Blutes, der normalerweise in Milligramm pro Deziliter (1/10 Liter Blut), abgekürzt als mg/dl, ausgedrückt wird. Der zur Entstehung von Symptomen erforderliche Alkoholspiegel schwankt je nach Toleranz stark, doch bei typischen Konsumenten, die noch keine Toleranz entwickelt haben, sind folgende Symptome üblich:
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20 bis 50 mg/dl: Ruhe, leichte Benommenheit, leichter Rückgang der motorischen Feinkoordination und leichte Einschränkung der Fahrtauglichkeit
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50 bis 100 mg/dl: Eingeschränktes Urteilsvermögen und weiterer Rückgang der Koordinationsfähigkeit
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100 bis 150 mg/dl: Gangunsicherheit, verwaschene Sprache, Enthemmtheit und Gedächtnisverlust
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150 bis 300 mg/dl: Delirium und Lethargie (wahrscheinlich)
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300 bis 400 mg/dl: Oft Bewusstlosigkeit
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≥ 400 mg/dl: Möglicherweise tödlich
Bei moderater bis schwerer Alkoholvergiftung kommt es häufig zum Erbrechen. Da Betrunkene sehr benommen sind, kann Erbrochenes in die Lunge gelangen (aspiriert werden), was manchmal zu Lungenentzündung (Pneumonie) und Tod führt.
In den meisten Staaten der Vereinigten Staaten ist Betrunkenheit gesetzlich definiert als ein Blutalkoholgehalt (BAG) von 80 mg/dl (0,08 Prozent) oder höher.
Überdosis
Bei Personen, die nicht regelmäßig trinken, führt ein Blutalkoholspiegel von 300 bis 400 mg/dl häufig zur Bewusstlosigkeit, ein Blutalkoholspiegel von ≥ 400 mg/dl kann tödlich sein. Die beeinträchtigte Atmung oder die Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie) können zum Tod führen, insbesondere wenn große Mengen in einem kurzen Zeitraum getrunken werden. Ein zu niedriger Blutdruck und Blutzuckerspiegel können durch große Mengen Alkohol verursacht werden.
Die Auswirkungen eines bestimmten Blutalkoholspiegels sind bei chronischen Trinkern unterschiedlich. Auf viele scheint er nicht zu wirken und die Körperfunktionen scheinen selbst mit relativ hohen Spiegeln von 300 bis 400 mg/dl normal abzulaufen.
Auch moderate Alkoholmengen wirken sich auf das Kurzzeitgedächtnis aus und können zu einem zeitweiligen Gedächtnisverlust (Blackout oder Filmriss) führen. Der Betroffene kann gesellig und gesprächig wirken, wird sich aber an diesen Zeitraum nur bedingt erinnern.
Langzeitauswirkungen
Der fortgesetzte Konsum großer Mengen Alkohol schädigt viele Körperorgane, insbesondere die Leber (alkoholbedingte Lebererkrankung). Da sich Alkoholiker oft nicht ausreichend ernähren, entwickeln sie schwere Vitamin- und andere Nährstoffmängel.
Auswirkungen anhaltenden Alkoholkonsums
Art des Problems |
Auswirkungen |
Ernährung |
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Anämie (Erschöpfung, Schwäche und Benommenheit) Geburtsfehler |
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Niedriger Thiaminspiegel |
Neurologische Schädigungen, Demenz, Schwierigkeiten beim Gehen und der Kontrolle der Augenbewegung |
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Niedriger Eisenspiegel |
Anämie |
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Niedriger Niazinspiegel (Niazinmangel) |
Pellagra (Hautschäden, Durchfall, Depressionen) |
Gastrointestinal (Magen-Darm) |
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Speiseröhre |
Krebs Entzündung (Ösophagitis) |
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Magen |
Krebs Entzündung (Gastritis) Geschwüre (Ulzera) |
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Leber |
Blutungsneigung (Koagulopathie) Krebs Entzündung (Hepatitis) Schwere Narbenbildung (Zirrhose) |
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Die Bauchspeicheldrüse |
Entzündung (Pankreatitis) Niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) |
Herz-Kreislauf-System |
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Herz |
Störung des Herzrhythmus (Arrhythmie) Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie |
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Blutgefäße |
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Neurologisch |
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Gehirn |
Verwirrtheit Schlechtes Kurzzeitgedächtnis (schlechte Merkfähigkeit für nur kurze Zeit zurückliegende Ereignisse) Psychose (Realitätsverlust) Verringerte Koordinationsfähigkeit |
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Nerven |
Schädigung der Nerven in Armen und Beinen, die Bewegungen (Schwierigkeiten beim Laufen) und Gefühle kontrollieren. |
Urogenital |
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Geschlechtsorgane |
Vergrößerte Brust, glatte Haut und Hodenverkleinerung bei Männern |
Symptome der alkoholbedingten Lebererkrankung sind Leberentzündung (Hepatitis), Fettleber, Vernarbung der Leber (Zirrhose) und Leberversagen. Eine alkoholgeschädigte Leber kann den Körper weniger gut von toxischen Abfallprodukten reinigen. Dies kann zu einer Funktionsstörung des Gehirns führen (hepatische Enzephalopathie). Personen mit hepatischer Enzephalopathie werden teilnahmslos, schläfrig, stuporös und verwirrt. Sie können auch ins Koma fallen. Ein Leberkoma ist lebensbedrohlich und muss umgehend behandelt werden.
Patienten mit Leberversagen weisen für gewöhnlich auch einen Flattertremor (Asterixis) auf: Werden die Arme und Hände ausgestreckt, fallen die Hände plötzlich herunter und nehmen dann ihre Originalposition wieder ein. Der Flattertremor sieht aus wie das übliche Zittern (Tremor), hat jedoch andere Ursachen.
Die Leberzirrhose verursacht einen Druckaufbau in den Blutgefäßen um die Leber (portale Hypertonie). Dies kann zu einem Anschwellen der Blutgefäße im Magen und der Speiseröhre führen (Varizen). Die geschwollenen Gefäße können reißen und stark bluten, sodass die Betroffen Blut erbrechen. Diese Blutung ist ein besonderes Problem, da eine geschädigte Leber keine ausreichende Menge von Substanzen mehr herstellt, die das Blut gerinnen lassen.
Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) kann durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht werden. Beim Erbrechen haben die Betroffenen starke Bauchschmerzen.
Eine Schädigung der Nerven und Teilen des Gehirns kann ebenfalls Folge eines übermäßigen Alkoholkonsums sein. Betroffene können einen chronischen Tremor entwickeln. Alkohol kann die Gehirnregion (Cerebellum) schädigen, die für die Bewegungskoordination zuständig ist, was zu schlecht kontrollierten Arm- und Beinbewegungen führt. Ein starker Alkoholkonsum über einen langen Zeitraum kann zu irreversiblen Hirnschäden und Psychosen führen. Eine alkoholbedingte Schädigung der Hüllen, die die Nerven im Gehirn umgeben (Myelinscheiden), kann eine seltene Erkrankung, das so genannte Marchiafava-Bignami-Syndrom, verursachen. Menschen mit dieser Krankheit zeigen starke Unruhe, Verwirrung und Demenz. Einige erleiden Krampfanfälle und fallen vor dem Tod ins Koma.
Ein starker Alkoholkonsum über einen langen Zeitraum kann zu einem schweren Thiaminmangel führen. Der Mangel dieses B-Vitamins wiederum kann eine Wernicke-Enzephalopathie verursachen (dabei kommt es zu Verwirrtheit, der Unfähigkeit das Gehen zu koordinieren oder Schwierigkeiten, die Augenbewegungen zu kontrollieren). Wird diese Störung nicht sofort behandelt, kann es zum Korsakoff-Syndrom, Koma oder sogar zum Tod kommen.
Eine bestehende Depression kann durch Alkohol verschlimmert werden. Alkoholiker leiden mit größerer Wahrscheinlichkeit unter Depressionen als Nicht-Alkoholiker. Da alkoholbezogene Störungen, besonders Rauschtrinken, in nüchternen Phasen oft zu tiefer Reue führt, sind Alkoholkranke in diesen Phasen besonders selbstmordgefährdet.
Schwere Schäden beim sich entwickelnden Fötus, darunter geringes Geburtsgewicht, geringe Körpergröße, kleiner Kopfumfang, Herzschäden, Muskelschäden und geringe Intelligenz oder geistige Behinderung können durch Alkoholkonsum bei Schwangeren verursacht werden. Diese Auswirkungen werden als Alkoholembryopathie bezeichnet. Deshalb wird während der Schwangerschaft ein Verzicht auf Alkohol angeraten.
Entzugssymptome
Hört ein Alkoholkranker plötzlich auf zu trinken, treten Entzugserscheinungen auf. Diese Erscheinungen können zum Beispiel während eines Krankenhausaufenthalts im Rahmen eines elektiven chirurgischen Eingriffs auftreten, da der Alkoholkranke dann keinen Alkohol trinken kann.
Die Entzugssymptome schwanken von milden bis schweren Formen. Eine schwere, nicht behandelte Entzugserscheinung kann tödlich verlaufen.
Ein mildes Alkoholentzugssyndrom setzt gewöhnlich innerhalb von 6 Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum ein. Leichte Symptome sind Zittern, Kopfschmerzen, Schwäche, Schweißausbrüche und Übelkeit. Manchmal kommt es zu Krampfanfällen (sogenannte alkoholische Epilepsie).
Eine Alkoholhalluzinose kann bei schwer Alkoholabhängigen auftreten, die aufhören zu trinken. Sie hören Stimmen, die anklagend und bedrohlich scheinen und zu Angstzuständen führen. Eine Alkoholhalluzinose kann Tage dauern und mit antipsychotisch wirkenden Medikamenten wie Chlorpromazin oder Thioridazin behandelt werden.
Ein Delirium tremens (DT) ist die schwerste Form der Entzugssymptome. Normalerweise setzt ein Delirium tremens nicht plötzlich ein. Es tritt meist etwa 48 bis 72 Stunden nach dem letzten Glas Alkohol auf. Die Betroffenen sind zunächst ängstlich. Später werden sie zunehmend verwirrt, schlafen schlecht, leiden unter Albträumen, schwitzen stark und werden sehr deprimiert. Der Puls wird schneller und der Blutdruck steigt. Ein typisches Fieber entwickelt sich. Der Zustand kann sich zuspitzen bis hin zu flüchtigen Halluzinationen, Sinnestäuschungen, die Angst und Unruhe auslösen, und Orientierungslosigkeit mit erschreckenden optischen Halluzinationen. Vor allem im Halbdunkeln wahrgenommene Dinge können Entsetzen auslösen, sodass die Betroffenen extrem verwirrt werden. Das Gleichgewichtsgefühl ist eingeschränkt, der Boden scheint sich zu bewegen, Wände scheinen umzufallen oder ein Raum sich zu drehen. Mit fortschreitendem Delirium beginnen die Hände und manchmal auch der Kopf oder der ganze Körper zu zittern. Die meisten Betroffenen verlieren völlig die Kontrolle über ihre Bewegungen. Das Delirium tremens kann, wenn es nicht behandelt wird, zum Tode führen.
Diagnose
Eine akute Alkoholvergiftung wird in der Regel anhand der Aussagen von Patienten oder deren Freunden dem Arzt gegenüber und anhand der Ergebnisse einer körperlichen Untersuchung deutlich. Falls nicht klar ist, weshalb sich eine Person nicht normal verhält, führen Ärzte vielleicht Untersuchungen durch, um weitere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen, darunter zum Beispiel niedriger Blutzucker oder eine Kopfverletzung.
Unter anderem werden dazu ein Blutalkoholtest, ein Blutzuckertest, Urintests zur Kontrolle bestimmter toxischer Substanzen und eine Computertomographie (CT) des Kopfes vorgenommen. Ärzte gehen nicht davon aus, dass nur, weil ein Patient eine Alkoholfahne hat, keine weiteren Probleme mehr vorliegen.
Aus rechtlichen Gründen, z. B. bei Verkehrsunfällen oder auffälligem Verhalten am Arbeitsplatz, wird der Blutalkoholspiegel bestimmt oder der Alkoholgehalt der Atemluft ermittelt.
Wird bereits seit langer Zeit Alkohol konsumiert, werden Bluttests durchgeführt, um die Leberfunktion zu überprüfen und gegebenenfalls Hinweise auf die Schädigung anderer Organe zu finden. Bei sehr schwerer Symptomatik werden eventuell bildgebende Verfahren wie CT durchgeführt, um eine Hirnverletzung oder Infektion auszuschließen.
Screening auf Alkoholmissbrauch
Manche Menschen wissen vielleicht nicht, dass sie zu viel Alkohol trinken und daraus Probleme entstehen. Andere wissen dies, weigern sich aber zuzugeben, dass sie ein Alkoholproblem haben. Daher warten Ärzte nicht, bis Patienten kommen und um Hilfe bitten. Sie vermuten eine Alkoholkrankheit bei Patienten, deren Verhalten sich auf unerklärliche Weise verändert oder selbstzerstörerische Formen annimmt. Auch wenn medizinische Probleme wie Bluthochdruck und Magenschleimhautentzündung (Gastritis) nicht auf die übliche Behandlung reagieren, liegt der Verdacht auf eine Alkoholkrankheit nahe.
Viele Mediziner prüfen, ob bei ihren Patienten durch Alkoholkonsum verursachte Probleme vorliegen, und fragen sie nach ihren Trinkgewohnheiten. Dabei stellen sie folgende mögliche Fragen:
Vermuten Ärzte eine Alkoholkrankheit, stellen sie ausführlichere Fragen zu den Folgen des Trinkens, zum Beispiel:
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Haben Sie schon einmal gedacht, Sie sollten Ihren Alkoholkonsum etwas reduzieren?
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Ärgert Sie Kritik an Ihren Trinkgewohnheiten?
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Hatten Sie schon jemals Schuldgefühle wegen Ihres Trinkens?
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Haben Sie schon einmal direkt nach dem Aufstehen getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen oder einen Kater zu kurieren?
Zwei oder mehr „Ja“-Antworten auf diese Fragen sprechen für eine Alkoholkrankheit.
Behandlung
Zu einer Behandlung kommt es in folgenden Situationen:
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Patienten werden in die Praxis gebracht, weil auf einen hohen Blutalkoholspiegel zurückzuführende Symptome bestehen.
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Patienten erscheinen in der Praxis, weil sie unter unerträglichen Entzugssymptomen leiden. Jedoch behandeln sich Alkoholiker mit Entzugssymptomen normalerweise selbst durch Trinken.
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Patienten erscheinen in der Praxis, weil sie mit dem Trinken aufhören möchten.
Notfallbehandlung
Eine Notfallbehandlung ist notwendig, wenn der Konsum sehr großer Alkoholmengen oder ein Alkoholentzug mäßige bis schwere Symptome verursacht.
Für eine akute Alkoholvergiftung gibt es kein spezifisches Antidot (Gegengift):
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Kaffee und andere Hausmittel wirken Alkohol nicht entgegen.
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Fallen Alkoholiker ins Koma oder wenn die Atmung unterdrückt ist, muss ihnen eventuell ein Schlauch zur Beatmung in die Luftwege eingeführt werden, damit sie nicht an Erbrochenem und Sekreten ersticken und um die Atmung zu unterstützen.
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Flüssigkeit wird intravenös verabreicht, falls eine Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) oder ein niedriger Blutdruck vorliegt oder verhindert werden soll.
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Zur Vorbeugung einer Wernicke-Enzephalopathie wird Personen, bei denen der Verdacht auf chronischen Alkoholismus besteht, Thiamin gegeben. Oft fügen Ärzte der Flüssigkeit auch Magnesium zur besseren Verstoffwechslung von Thiamin und Multivitamine zur Beseitigung von möglichen Vitaminmängeln hinzu.
Bei Entzugssymptomen wird oft über einige Tage ein Benzodiazepin, d. h., ein mildes Sedativum (Beruhigungsmittel), verschrieben. Es mindert Unruhezustände und beugt Entzugssymptomen, Krampfanfällen und Delirium tremens vor. Da Benzodiazepine zu einer Abhängigkeit führen können, werden sie nur kurzzeitig eingesetzt. Patienten mit Alkoholhalluzinose erhalten manchmal Antipsychotika.
Ein Delirium tremens kann lebensbedrohlich ausfallen und wird aggressiv behandelt, um das hohe Fieber und die starke Unruhe unter Kontrolle zu halten. Die davon Betroffenen werden auf einer Intensivstation behandelt. Die Behandlung umfasst normalerweise folgende Maßnahmen:
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Intravenös verabreichte, hoch dosierte Benzodiazepine und Barbiturate
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Hoch dosierte Vitaminpräparate, besonders Thiamin
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Intravenös verabreichte Flüssigkeit
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Äußerlich angewendete Maßnahmen zur Kühlung, wie eine Kühldecke
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Medikamente zur Regulierung der Herzfrequenz und des Blutdrucks
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Behandlung von Komplikationen (wie Pankreatitis, Lungenentzündung (Pneumonie) und Krampfanfällen)
Mit dieser Behandlung beginnt sich ein Delirium tremens normalerweise nach zwölf bis 24 Stunden aufzulösen, schwere Fälle können jedoch fünf bis sieben Tage lang anhalten. Die Meisten können sich schließlich nicht mehr an die Vorfälle während eines schweren Entzugs erinnern.
Nachdem alle dringenden medizinischen Probleme behandelt wurden, hängt die weitere Behandlung vom Alkoholkonsum sowie weiteren medizinischen und psychischen Erkrankungen des Patienten ab. Falls ein Patient nicht alkoholabhängig wurde, diskutieren Ärzte wahrscheinlich die schwerwiegenden Folgen des Alkoholkonsums mit ihm, empfehlen Maßnahmen, um das Trinken zu reduzieren oder damit aufzuhören, und schlagen Nachbeobachtungsbesuche vor, um Fortschritte zu überprüfen.
Ist der Alkoholkonsum höher, insbesondere wenn zudem medizinische und psychische Krankheiten bestehen, kann ein Entzugs- und Rehabilitationsprogramm empfohlen werden.
Entzug und Rehabilitation
Die erste Phase besteht aus einem vollständigen Verzicht auf Alkohol, und sämtliche Entzugssymptome werden behandelt. Dann müssen Alkoholiker lernen, ihr Verhalten zu ändern. Ohne Hilfe werden die meisten Abhängigen innerhalb von Tagen oder Wochen rückfällig. Rehabilitationsprogramme, die eine Psychotherapie mit medizinischer Betreuung kombinieren, bieten Unterstützung. Den Patienten wird klar gemacht, wie schwer das Aufhören ist. Sie lernen auch, wie sie ihre Motivation, mit dem Trinken aufzuhören, stärken und Situationen meiden, die wieder zum Trinken führen. Die Behandlung muss auf jeden einzelnen Alkoholkranken zugeschnitten werden. Diese Programme binden auch Familienangehörige und Freunde ein. Auch Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker können einen Beitrag leisten.
Manchmal helfen bestimmte Arzneimittel (Disulfiram, Naltrexon, Acamprosat und Clonidin) Alkoholikern, vom Trinken wegzukommen. Medikamente bieten jedoch meist nur Unterstützung, wenn Patienten motiviert und kooperativ sind und die Medikamente Bestandteil einer fortwährenden intensiven Beratungsarbeit sind. Ergebnisse schwanken.
Disulfiram hält vom Trinken ab, da es mit dem Alkoholstoffwechsel verbunden ist. Es führt dazu, dass sich Acetaldehyd, eine Substanz, die beim Abbau von Alkohol entsteht, in der Blutbahn anreichert. Acetaldehyd führt dazu, dass Menschen sich krank fühlen. Wenn Personen, die Disulfiram nehmen, Alkohol trinken, verursacht die Anreicherung von Disulfiram innerhalb von 5 bis 15 Minuten:
Übelkeit und Erbrechen können 30 bis 60 Minuten später folgen. Diese unangenehmen und potenziell gefährlichen Reaktionen ziehen sich über eine bis drei Stunden.
Das Unwohlsein nach dem Konsum von Alkohol und der Einnahme von Disulfiram nimmt solche Ausmaße an, dass es nur wenige Menschen riskieren, wieder Alkohol zu trinken. Sie nehmen dann nicht einmal die in rezeptfreien Erkältungspräparaten oder einigen Lebensmitteln enthaltenen, kleinen Mengen zu sich.
Disulfiram ist täglich einzunehmen. Wenn Disulfiram abgesetzt wird, ist seine Wirkung zur Behandlung einer Alkoholkrankheit begrenzt.
Die folgenden Personen sollten Disulfiram nicht anwenden:
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Schwangere
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Patienten mit schweren Erkrankungen wie Herzinsuffizienz
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Ältere Menschen
Naltrexon verändert die Wirkung von Alkohol auf bestimmte im Gehirn hergestellte chemische Stoffe (Endorphine), die im Zusammenhang mit dem Verlangen nach Alkohol und Alkoholkonsum stehen. Das Medikament wirkt bei den meisten Personen, die es konsequent einnehmen. Das Medikament in seiner lang-wirkenden Formulierung kann durch monatliche Injektionen verabreicht werden. Naltrexon führt nicht wie Disulfiram dazu, dass Patienten sich krank fühlen. Daher kann es vorkommen, dass mit Naltrexon behandelte Patienten weiterhin trinken. Naltrexon sollte nicht von Personen verwendet werden, die unter Hepatitis oder anderen Leberkrankheiten leiden.
Clonidin ist ein Medikament, das sich auf bestimmte Bereiche des Gehirns auswirkt. Es kommt für gewöhnlich bei hohem Blutdruck zum Einsatz, kann aber auch die Auswirkungen eines Alkoholentzugs etwas abschwächen.
