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Schwellungen

(Ödem)

Von

Andrea D. Thompson

, MD, PhD, Department of Internal Medicine, Division of Cardiovascular Medicine, University of Michigan;


Michael J. Shea

, MD, Michigan Medicine at the University of Michigan

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mai 2018| Inhalt zuletzt geändert Jun 2018
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Quellen zum Thema

Schwellungen entstehen infolge eines Flüssigkeitsüberschusses im Gewebe. Bei der Flüssigkeit handelt es sich vor allem um Wasser.

Schwellungen können ausgedehnt oder auf eine Gliedmaße oder einen Teil einer Gliedmaße beschränkt sein. Häufiger kommen Schwellungen an Füßen und Unterschenkeln vor. Bei längerer Bettruhe entwickeln sich jedoch manchmal auch Schwellungen in den Gesäßhälften, Genitalien und auf der Rückseite der Schenkel. Bei Frauen, die nur auf einer Seite liegen, kann die Brust, auf der sie liegen, anschwellen. Hände oder Arme schwellen nur selten an.

Manchmal schwillt eine Gliedmaße ganz plötzlich an. Häufiger aber entwickeln sich Schwellungen allmählich; sie beginnen mit Gewichtszunahme, aufgedunsenem Augenbereich morgens beim Aufwachen und drückenden Schuhen am Abend. Eine Schwellung kann sich so langsam entwickeln, dass sie von den Betroffenen erst bemerkt wird, wenn sie erheblich fortgeschritten ist. Manche Betroffenen haben ein Enge- oder Völlegefühl. Je nach Ursache der Schwellung können weitere Symptome hinzukommen, z. B. Kurzatmigkeit oder Schmerzen in der betroffenen Gliedmaße.

Ursachen

Am ganzen Körper auftretende Schwellungen haben andere Ursachen als eine Schwellung, die auf eine Gliedmaße oder einen Teil einer Gliedmaße beschränkt ist.

Ausgedehnte Schwellungen haben meist folgende Ursachen:

Diese Störungen führen zu Flüssigkeitseinlagerungen, die die Ursache für die Schwellung sind.

Eine weitere Ursache von Schwellungen an den Unterschenkeln ist die Ansammlung von Blut in den Beinen. Viele übergewichtige Menschen im mittleren oder höheren Alter haben am Abend kleine Schwellungen aufgrund von Blutansammlungen. Diese Art der Schwellung klingt gewöhnlich bis zum Morgen wieder ab. Blut kann sich auch dann in den Beinen ansammeln, wenn die Venenklappen geweitet oder beschädigt sind (chronische Veneninsuffizienz). Das kann beispielsweise bei Personen auftreten, die zuvor Blutgerinnsel in den Beinen hatten. Bei diesen Menschen klingt die Schwellung meist nicht über Nacht ab.

Viele Frauen haben in der fortgeschrittenen Schwangerschaft Schwellungen. Frauen, die sehr viele Schwellungen, insbesondere auch an Händen oder im Gesicht, und Bluthochdruck haben, leiden eventuell an Präeklampsie, was gefährlich sein kann.

Schwellungen, die sich auf eine Gliedmaße oder einen Teil einer Gliedmaße beschränken, haben meist die folgenden Ursachen:

Viele Krankheiten erhöhen das Risiko der Bildung von Blutgerinnseln in einer Vene. Meistens entwickeln sich diese Gerinnsel in einer Beinvene, manchmal aber auch in einer Armvene. Blutgerinnsel in einer Vene können dann gefährlich sein, wenn das Gerinnsel aufbricht, in die Lunge befördert wird und dort eine Arterie blockiert (Lungenembolie genannt).

Bei Cellulitis schwillt meist nur die Haut eines Teiles einer Gliedmaße an. Viel seltener führt eine Infektion tief unter der Haut oder in der Muskulatur zum Anschwellen einer ganzen Gliedmaße.

Die Blockierung eines Lymphgefäßes (wie beispielsweise bei einem Lymphödem) ist eine seltenere Ursache. Lymphgefäße, die es im gesamten Körper gibt, tragen dazu bei, dass Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert wird. Wenn ein Tumor an das Lymphgefäß drückt oder ein paar Lymphgefäße oder Lymphknoten operativ entfernt werden (beispielsweise, wenn bei Frauen mit Brustkrebs Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt werden), kann eine Gliedmaße anschwellen. In vielen tropischen Ländern können bestimmte Parasiten Lymphgefäße blockieren und Schwellungen auslösen (lymphatische Filariose).

Manchmal kommt es aufgrund einer allergischen Reaktion zu einer Schwellung in bestimmten Bereichen, zum Beispiel dem Mund (Angioödem). Angioödeme können auch eine Erbkrankheit sein, bei der die Schwellungen in unregelmäßigen Abständen kommen und gehen.

Beurteilung

Auch wenn eine Schwellung sich vielleicht nur als kleine Reizung darstellt, vor allem, wenn sie keine Beschwerden verursacht und von selbst im Schlaf verschwindet, kann sie ein Symptom einer ernstzunehmenden Krankheit sein. Die folgenden Informationen können bei der Entscheidung helfen, wann eine ärztliche Untersuchung notwendig ist und welche Untersuchungen voraussichtlich durchgeführt werden.

Warnsignale

Bei Schwellungen geben bestimmte Symptome und Merkmale Anlass zur Sorge. Hierzu gehören

  • Plötzliches Auftreten

  • Schwellung an nur einem Bein

  • Erhebliche Schmerzen oder Berührungsempfindlichkeit

  • Kurzatmigkeit

  • Hochhusten von Blut

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Personen mit Warnzeichen sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Personen mit zurückliegender Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankung oder Schwangere sollten innerhalb weniger Tage einen Arzt aufsuchen, auch wenn keine Warnsignale vorliegen. Andere Personen ohne Warnsignale sollten bei nächster Gelegenheit einen Arzttermin vereinbaren. Typischerweise ist ein Zeitraum von einer Woche bis zur Untersuchung nicht mit weiteren Problemen verbunden.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten. Anschließend führt er eine körperliche Untersuchung durch. Häufig geben die Anamnese und die Befunde der körperlichen Untersuchung bereits Hinweise auf eine Ursache für die Schwellung und darauf, welche Tests durchzuführen sind.

Der Arzt erfragt die Lage und Dauer der Schwellung und möchte wissen, ob die Person Schmerzen oder Beschwerden hat und wie stark diese sind. Frauen werden meist gefragt, ob sie schwanger sind oder ob die Schwellung mit der Menstruation zusammenhängt. Außerdem fragt der Arzt nach bestehenden Krankheiten (z. B. Herz-, Leber- oder Nierenkrankheiten) oder ob die Person Medikamente einnimmt (z. B. Minoxidil, nicht-steroidale Antirheumatika, Hemmstoffe des Angiotensin-konvertierenden Enzyms [ACE-Hemmer] oder Amlodipin und andere Kalziumkanalblocker), von denen bekannt ist, dass sie Schwellungen verursachen. Außerdem fragt der Arzt, wie viel Salz die Person beim Kochen und Essen verwendet, da die Aufnahme von zu viel Salz die Schwellung verschlimmern kann, insbesondere bei Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen.

Der Arzt achtet auf Symptome, die einen Hinweis auf die Ursache für die Schwellung geben können. Bei Herzinsuffizienz kann beispielsweise während körperlicher Anstrengung Kurzatmigkeit auftreten, oder die Person wacht nachts mit Kurzatmigkeit auf. Personen, die Schwellungen haben und schnell Blutergüsse bekommen, könnten eine Leberfunktionsstörung haben, und Personen, bei denen vor Kurzem ein chirurgischer Eingriff durchgeführt wurde oder die ein Gipsbein hatten, könnten an tiefer Venenthrombose leiden.

Bei langanhaltenden Schwellungen werden die Betroffenen möglicherweise vom Arzt gebeten, täglich ihr Gewicht aufzuschreiben, um anwachsende Schwellungen schnell zu erkennen.

Während der körperlichen Untersuchung sieht sich der Arzt vor allem die geschwollene Stelle an, aber die betroffene Person wird auch gründlich auf andere Anzeichen untersucht. Da eine Schwellung ein Zeichen für eine Herzkrankheit sein kann, werden Herz und Lunge mit einem Stethoskop abgehört.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale von Schwellungen

Ursache

Häufige Merkmale*

Tests

Angioödem (allergisch, idiopathisch oder vererbt)

Schmerzlose Schwellung, die meistens Gesicht, Lippen und manchmal die Zunge betrifft

Manchmal Juckreiz oder Spannungsgefühl

Schwellungen, bei denen nach dem Eindrücken keine Vertiefung bleibt (nicht eindrückbare Schwellung)

Nur ärztliche Untersuchung

Blutgerinnsel in einer tiefliegenden Vene im Bein (meistens), Arm oder Becken (tiefe Venenthrombose)

Plötzliche Schwellung

Meist Schmerzen, Rötung, Wärme und/oder Berührungsempfindlichkeit im betroffenen Bereich

Wenn das Blutgerinnsel wandert und eine Lungenarterie blockiert (Lungenembolie), meist Kurzatmigkeit und manchmal Hochhusten von Blut

Manchmal bei Personen mit Risikofaktoren für Blutgerinnsel, wie kürzlich erfolgter chirurgischer Eingriff, Verletzung, Bettruhe, Gipsbein, Hormontherapie, Krebs oder Bewegungsmangel über einen langen Zeitraum während eines Flugs

Ultraschall

Chronische venöse Insuffizienz (infolgedessen Blutansammlung in den Beinen)

Schwellungen an einem oder beiden Knöcheln oder Beinen

Chronische, leichte Beschwerden, leichte Schmerzen oder Krämpfe in den Beinen, kein starker Schmerz

Manchmal rötlichbraune lederartige Stellen auf der Haut und oberflächliche wunde Stellen an den Unterschenkeln

Häufig Krampfadern

Nur ärztliche Untersuchung

Medikamente (wie Minoxidil, nicht-steroidale Antirheumatika, Östrogene, Fludrokortison und einige Kalziumkanalblocker)

Schmerzlose Schwellung an beiden Beinen und Füßen

Nur ärztliche Untersuchung

Schmerzlose Schwellung an beiden Beinen und Füßen

Häufig Kurzatmigkeit während körperlicher Aktivität oder im Liegen und während des Schlafs

Häufig bei Menschen, von denen bekannt ist, dass sie an einer Herzkrankheit und/oder Bluthochdruck leiden

Röntgenaufnahme des Brustkorbs

EKG

Meist Echokardiographie

Hautinfektion (Cellulitis)

Unregelmäßiger Bereich mit Rötung, Wärme und Berührungsempfindlichkeit an einem Teil einer Gliedmaße

Schwellungen

Manchmal Fieber

Nur ärztliche Untersuchung

Infektion tief unter der Haut und/oder in den Muskeln (selten)

Tief liegender, konstanter Schmerz in einer Gliedmaße

Rötung, Wärme, Berührungsempfindlichkeit und Schwellung, die sich fest anfühlt

Zeichen einer schweren Krankheit (wie Fieber, Verwirrtheit und schnelle Herzfrequenz)

Manchmal fauliges Sekret, Blasen oder schwarze, tote Hautstellen

Blut- und Gewebekulturen

Röntgenaufnahmen

Manchmal MRT

Nierenerkrankung (vor allem nephrotisches Syndrom)

Ausgedehnte, schmerzlose Schwellung

Häufig Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites)

Manchmal aufgedunsener Augenbereich oder schaumiger Urin

Messung des Proteingehalts in einer Urinprobe

Lebererkrankung, falls chronisch

Ausgedehnte, schmerzlose Schwellung

Häufig Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites)

Die Ursachen werden häufig aufgrund der Vorgeschichte deutlich (Alkoholmissbrauch oder Hepatitis)

Manchmal kleine spinnenartige Blutgefäße, die auf der Haut sichtbar sind (Spinnenangiome), Rötung der Handflächen und – bei Männern – Vergrößerung der Brust und Verkleinerung der Hoden

Messung des Albumingehalts im Blut

Weitere Blutuntersuchung zur Beurteilung der Leberfunktion

Lymphgefäßverschluss aufgrund eines chirurgischen Eingriffs oder einer Strahlentherapie gegen Krebs

Schmerzlose Schwellung einer Gliedmaße

Ursache (chirurgischer Eingriff oder Strahlentherapie), die anhand der Vorgeschichte deutlich wird

Nur ärztliche Untersuchung

Lymphatische Filariose (eine Infektion der Lymphgefäße aufgrund bestimmter Parasitenwürmer)

Schmerzlose Schwellung einer Gliedmaße und manchmal der Genitalien

Bei Personen, die sich in einem Entwicklungsland aufgehalten haben, in dem Filariose verbreitet ist

Untersuchung einer Blutprobe unter dem Mikroskop

Normale Schwellung

Kleine Schwellung an beiden Füßen und/oder Knöcheln, die abends auftritt und bis zum Morgen abklingt

Kein Schmerz, keine Rötung oder andere Symptome

Nur ärztliche Untersuchung

Schwangerschaft oder normales prämenstruelles Symptom

Schmerzlose Schwellung an beiden Beinen und Füßen

Meist etwas Linderung in Ruhe oder durch Hochlegen der Beine

Bei Frauen, von denen bekannt ist, dass sie schwanger sind oder kurz vor der Menstruationsblutung stehen

Nur ärztliche Untersuchung

Schwangerschaft, mit Präeklampsie

Schmerzlose Schwellung an beiden Beinen und Füßen und manchmal den Händen

Bluthochdruck (häufig neu)

Normalerweise während des dritten Drittels der Schwangerschaft

Messung des Proteingehalts im Urin

Druck auf eine Vene (z. B. durch einen Tumor, aufgrund von Schwangerschaft oder extremer Fettleibigkeit)

Schmerzlose Schwellung, die sich langsam entwickelt

Bei Verdacht auf Tumor Ultraschall oder CT

*Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Bei den meisten Betroffenen mit Schwellungen wird ein großes Blutbild erstellt und es werden weitere Blutuntersuchungen und eine Urinuntersuchung (auf Proteine) durchgeführt.

CT = Computertomographie, EKG = Elektrokardiographie, MRT = Magnetresonanztomographie.

Tests

Bei den meisten Betroffenen mit ausgedehnter Schwellung wird mittels Blutuntersuchung die Funktion von Herz, Nieren und Leber beurteilt. Außerdem wird meist eine Urinuntersuchung durchgeführt, um große Proteinmengen zu erkennen, die auf ein nephrotisches Syndrom oder – bei schwangeren Frauen – auf Präeklampsie hindeuten können. Je nach vermuteter Ursache werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Bei Betroffenen mit isolierter Beinschwellung sucht der Arzt mittels Ultraschall nach einer Venenblockierung im Bein.

Behandlung

Bestimmte Ursachen werden behandelt (z. B. erhalten Betroffene mit Blutgerinnseln in den Beinen Antikoagulanzien [Blutverdünner]). Medikamente, die die Schwellung verursacht haben, werden abgesetzt oder, falls möglich, umgestellt.

Da die Schwellung an sich nicht gefährlich ist, erhalten die Betroffenen keine Wasserpillen (Diuretika), es sei denn, diese sind zur Behandlung der Ursache der Schwellung erforderlich (z. B. bei Herzinsuffizienz). Ein paar einfache Maßnahmen wie das Hochlegen der Beine beim Sitzen oder die Reduzierung des Salzgehalts bei der Ernährung helfen jedoch manchmal, die Schwellung zu lindern.

Wichtigste Punkte

  • Die Schwellung kann ausgedehnt sein oder sich auf eine einzelne Stelle beschränken.

  • Nicht jede Schwellung ist gefährlich.

  • Die Hauptursachen ausgedehnter Schwellungen sind Erkrankungen von Herz, Leber und Nieren.

  • Die Hauptursachen für Schwellungen einzelner Gliedmaßen sind Blutgerinnsel in einer Vene oder eine Infektion.

  • Ein plötzliches Auftreten einer Schwellung kann ein Hinweis für eine ernstzunehmende Erkrankung sein. Daher sollten Betroffene sofort zum Arzt gehen.

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