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Kurzes abgeschlossenes unerklärliches Ereignis (BRUE) und ALTE

Von

Christopher P. Raab

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Ein „kurzes abgeschlossenes unerklärliches Ereignis“ (brief, resolved, unexplained event, BRUE) und ein „akutes lebensbedrohliches Ereignis“ (apparent life-threatening event, ALTE) ist keine bestimmte Erkrankung, sondern sind Begriffe, die für das plötzliche Auftreten gewisser beunruhigender Symptome stehen, wie etwa längeres Aussetzen der Atmung (Apnoe), eine Veränderung der Hautfarbe oder der Muskelspannung sowie Husten und Würgen bei Kindern im Alter von unter einem Jahr.

  • Ein Ereignis wird als BRUE eingestuft, wenn nach einer gründlichen Abklärung der bisherigen Krankengeschichte und körperlichen Untersuchung und manchmal auch Tests keine Ursache gefunden wurde.

  • Bekannte Ursachen sind unter anderem Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt, Nervensystem, der Atmung, Infektionskrankheiten, Herz-, Stoffwechselstörungen und traumatische Erkrankungen.

  • Die Diagnose wird auf Basis eines Gesprächs mit den Erziehungsberechtigten, einer körperlichen Untersuchung und der Ergebnisse bestimmter Labortests gestellt.

  • Die Prognose hängt von der festgestellten Ursache des Ereignisses ab.

  • Die Behandlung zielt auf die jeweilige Ursache ab, sofern sie bestimmt werden kann.

Die Begriffe hierzu haben sich kürzlich geändert. Früher verwendete der Arzt den Begriff „anscheinend lebensbedrohliches Ereignis“, um alle Ereignisse zu klassifizieren, bei denen Säuglinge plötzlich alarmierende Symptome entwickelten, unabhängig davon, ob eine zugrundeliegende Ursache gefunden wurde oder nicht. Heute spricht man von einem „kurzen abgeschlossenen unerklärlichen Ereignis“, wenn keine zugrundeliegende Ursache gefunden wurde. Manche Ärzte verwenden immer noch den Begriff „anscheinend lebensbedrohliches Ereignis“, während sie nach einer Ursache suchen und später, wenn eine Ursache gefunden wurde.

Zwar könnte man annehmen, dass diese Begriffe mit dem plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) zusammenhängen, aber es besteht kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem SIDS und einem BRUE oder ALTE.

Ursachen

Eine Ursache für die alarmierenden Symptome kann in mehr als der Hälfte der Fälle nicht festgestellt werden. Diese Fälle werden als kurze, abgeschlossene, unerklärliche Ereignisse bezeichnet.

Liegt eine Ursache vor, dann sind die häufigsten Ursachen

Weniger häufige Ursachen sind

  • Herzkrankheiten

  • Stoffwechselstörungen

  • Verengung oder vollständige Blockade der Atemwege (obstruktive Apnoe)

  • Andere Störungen (z. B. durch Drogenkonsum hervorgerufene Störungen, Kindesmissbrauch oder anaphylaktische Reaktion)

Symptome

Ein kurzes abgeschlossenes unerklärliches Ereignis (BRUE) oder ein akutes lebensbedrohliches Ereignis (ALTE) ist in der Regel durch eine unerwartete, plötzlich auftretende Veränderung in der Atmung eines Kleinkinds gekennzeichnet, die die Eltern oder Betreuungspersonen beunruhigt. Bei einem ALTE können folgende Symptome auftreten:

  • Aussetzen der Atmung für 20 Sekunden oder länger

  • Eine Veränderung der Hautfarbe, in der Regel bläulich oder blass, manchmal aber auch rot

  • Eine Veränderung der Muskelspannung, in der Regel schlaff

  • Erstickungs- oder Würgeanfälle

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Andere Tests auf Basis der Ergebnisse der Untersuchung

Wenn ein BRUE auftritt, stellt der Arzt mehrere wichtige Fragen:

  • Was hat die Betreuungsperson, die das Ereignis miterleben konnte, beobachtet (einschließlich einer Beschreibung von Veränderungen der Atmung, der Hautfarbe, der Muskelspannung, der Augen, Geräusche, die das Baby machte, Dauer der Ereignisses und Symptome, die vor dem Ereignis aufgetreten sind)?

  • Welche Maßnahmen wurden getroffen (Beispielsweise sanfte Massage, Mund-zu-Mund-Beatmung oder kardiopulmonale Reanimation [CPR])?

  • Hat die Mutter während der Schwangerschaft Drogen konsumiert? Gibt es Familienmitglieder, die Drogen, Tabak und Alkohol konsumieren?

  • Welches Schwangerschaftsalter (Verweildauer in der Gebärmutter nach erfolgter Befruchtung des Eis) hat das Kind? Gab es bei der Geburt Komplikationen? Musste das Kind wegen Apnoe nach der Geburt im Krankenhaus bleiben?

  • Würgt, hustet oder erbricht das Kind beim Füttern? Hat das Kind Schwierigkeiten, an Gewicht zuzunehmen?

  • Hat das Kind alle altersgemäßen Entwicklungsschritte durchgemacht?

  • Hatte das Kind schon einmal ein BRUE oder hatte eine kürzlich aufgetretene Verletzung?

  • Sind in der Familie andere ähnliche Ereignisse oder plötzliche Todesfälle aufgetreten?

Der Arzt untersucht das Kind, um sichtbare Defekte festzustellen, insbesondere Anzeichen, die auf eine Verletzung hindeuten, und Anomalien des Nervensystems, wie etwa zu hohe oder zu niedrige Muskelspannung und Anzeichen einer Infektion, Verletzung oder Verdacht auf Missbrauch.

Basierend auf dem Gespräch mit den Betreuungspersonen und der körperlichen Untersuchung kann der Arzt ausreichend Informationen einholen, um sicherzustellen, dass das Kind keine ernsthafte Erkrankung hat. Es können Laboruntersuchungen (Bluttests [einschließlich Tests der Leberfunktion] sowie Stuhl-, Urin- und Rückenmarkflüssigkeitsuntersuchungen) durchgeführt werden; ebenso Tests mithilfe bildgebender Verfahren (wie Röntgenaufnahme des Brustkorbs oder eine Computertomographie [CT] des Kopfes), eine Elektrokardiographie oder, abhängig vom Ergebnis der Untersuchung, eine Kombination verschiedener Tests. Außerdem können weitere Tests (wie etwa eine Elektroenzephalographie) zum Feststellen einer möglichen Anfallsaktivität durchgeführt werden.

Prognose

Die Prognose hängt von der festgestellten Ursache ab. Wenn beispielsweise das Risiko für Tod oder Behinderung größer ist, weil die Ursache eine schwere neurologische Störung ist. Ein BRUE oder ein ALTE selbst scheint sich nicht langfristig auf die Entwicklung von Kindern auszuwirken.

Der Zusammenhang zwischen einem BRUE oder einem ALTE und SIDS ist zwar nicht klar, aber Kinder die mindestens 2 ALTE haben, tragen ein höheres Risiko für SIDS.

Behandlung

  • Behandlung der feststehenden Ursache

  • Manchmal Überwachungsgeräte zu Hause

Wenn eine Ursache festgestellt werden kann, so wird diese behandelt. Kinder, die reanimiert werden mussten, deren Untersuchungs- oder Labortestergebnisse Anomalien zeigten oder bei denen bereits zu früheren Zeitpunkten solche Ereignisse aufgetreten waren, werden zur Überwachung und weiteren Abklärung ins Krankenhaus eingewiesen.

Eltern und Betreuer sollten in Wiederbelebungsmaßnahmen (Cardiopulmonary Resuscitation, CPR) für Kleinkinder sowie im sicheren Versorgen von Kleinkindern geschult werden (z. B. sollten sie beachten, dass Kinder nur auf dem Rücken schlafen gelegt und keinem Zigarettenrauch ausgesetzt werden sollten). Manchmal wird der vorübergehende Einsatz von Geräten zur Überwachung von Atemstillständen empfohlen. Dabei sind Überwachungsgeräte, die Atemrhythmus und Herzfrequenz des Kindes aufzeichnen können, gegenüber solchen, die lediglich einen Alarm auslösen, zu bevorzugen. Überwachungsgeräte, die Aufzeichnungen machen, können dem Arzt dabei helfen, Fehlalarme von tatsächlichen Ereignissen zu unterscheiden.

Weitere Informationen

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