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Pertussis

(Keuchhusten)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2020| Inhalt zuletzt geändert Feb 2020
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Pertussis ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die durch das gramnegative BakteriumBordetella pertussis verursacht wird. Die Erkrankung führt zu Hustenanfällen, die oft mit einem langen, tiefen Atemzug mit einem charakteristisch hohen Geräusch (dem „Keuchen“) enden.

  • Betroffen sind in der Regel Kinder und Jugendliche.

  • Auf leichte erkältungsähnliche Symptome zu Beginn folgen heftige Hustenanfälle, bevor schließlich allmählich Besserung eintritt.

  • Die Diagnose stützt sich auf das charakteristische Geräusch beim Husten und eine Untersuchung des Schleims in Nase und Rachen.

  • Die meisten Kinder, die an Pertussis erkranken, erholen sich langsam, aber vollständig.

  • Eine Impfung schützt vor dieser Infektion.

  • Sehr kranke Kinder werden ins Krankenhaus eingewiesen und erhalten Antibiotika zur Bekämpfung der Infektion.

Während die Erkrankung in den USA einst weit verbreitet war, ist sie nun besser unter Kontrolle, jedoch nicht ausgerottet. Im Jahr 2018 gab es über 13.000 Fälle von Keuchhusten in den Vereinigten Staaten. Alle 3 bis 5 Jahre kommt es unter nicht geimpften Menschen zu lokalen Epidemien.

In Entwicklungsländern ist Pertussis weiterhin ein großes Problem.

Keuchhusten nimmt an Häufigkeit zu, obwohl er mit einer Impfung verhindert werden könnte. Dieser Anstieg der Fälle könnte folgende Ursachen haben:

  • Nachlassende Immunität bei geimpften Personen

  • Ablehnung einer Impfung ihrer Kinder von manchen Eltern

Bevor Impfungen weit verbreitet waren, war Pertussis eine Krankheit, von der vor allem junge Kinder betroffen waren. Jetzt kann Pertussis bei Menschen in jedem Alter auftreten. Mehr als die Hälfte aller Fälle betrifft Jugendliche und Erwachsene. Am gefährlichsten ist Pertussis allerdings nach wie vor bei Kindern unter 2 Jahren, wobei fast alle Sterbefälle bei Kindern vor dem 1. Lebensjahr auftreten. Die meisten Sterbefälle sind auf eine Lungenentzündung und Komplikationen im Gehirn zurückzuführen. Auch bei älteren Menschen verläuft Keuchhusten gravierender.

Eine Erkrankung bedeutet nicht immer vollständige lebenslange Immunität, doch im Fall einer zweiten Erkrankung ist diese gewöhnlich nur schwach ausgeprägt und wird deshalb nicht immer als Keuchhusten erkannt. So handelt es sich manchmal, wenn bei einem Erwachsenen eine „wandernde Pneumonie“ diagnostiziert wird, um Keuchhusten.

Infizierte Personen sprühen beim Husten die Keuchhustenbakterien in die Luft. Die Ansteckung erfolgt dann über diese Tröpfchen, indem in der Nähe befindliche Personen die Bakterien einatmen. Nach der dritten Krankheitswoche besteht meist keine Ansteckungsgefahr mehr.

Symptome

Die Erkrankung beginnt 1 bis 2 Wochen nach der Exposition. Wenn sich keine Komplikationen ergeben, dauert Keuchhusten etwa 6 bis 10 Wochen und verläuft in drei Stadien:

  • Leichte erkältungsartige Symptome

  • Starke Hustenanfälle

  • Allmähliche Genesung

Zu den erkältungsähnlichen Symptomen gehören Niesen, laufende Nase, Appetitlosigkeit, Lustlosigkeit, trockener Husten in der Nacht und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Es kann Heiserkeit auftreten, Fieber ist aber selten.

Nach 10 bis 14 Tagen treten die typischen Hustenanfälle auf. Sie bestehen aus fünf oder mehr stakkatoartigen Hustenstößen, auf die oft eine lange Einatmung mit einem charakteristischen lauten, hohen Atemgeräusch folgt. Nur etwa die Hälfte der Patienten weist das typische Keuchen auf. Bei geimpften Kindern kommt es mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu diesem Keuchen. Nach einem Hustenanfall normalisiert sich die Atmung wieder, binnen kurzer Zeit folgt jedoch ein erneuter Anfall.

Beim Husten kommen oft große Mengen zähen Schleims hoch, den das Kind wieder hinunterschluckt oder der in Blasen aus der Nase tritt.

Kleinere Kinder erbrechen nach einem langen Hustenanfall häufig. Bei Kleinkindern werden anstatt des charakteristischen Atemgeräuschs oft Erstickungsanfälle und Atemaussetzer (Apnoe) beobachtet, die dazu führen, dass sich die Haut des Kindes bläulich verfärbt.

Etwa ein Viertel der betroffenen Kinder bekommt eine Lungenentzündung mit den daraus resultierenden Atembeschwerden. Auch Ohrinfektionen (Otitis media) sind eine häufige Folgeerscheinung von Keuchhusten. In seltenen Fällen wird auch das Gehirn des Säuglings geschädigt. Eine Hirnblutung, ein Anschwellen und/oder eine Entzündung des Gehirns können Krampfanfälle, Verwirrtheit, Hirnschäden und eine geistige Behinderung verursachen. Krampfanfälle sind bei Kleinkindern häufig, bei älteren Kindern jedoch selten.

Nach etwa 4 Wochen klingen die Hustenanfälle langsam ab, es kann aber noch über mehrere Wochen oder gar Monate weiterhin zu Hustenanfällen kommen.

Die meisten Kinder, die an Pertussis erkranken, erholen sich vollständig, wenn auch langsam. Einige wenige Kinder, die noch nicht einjährig sind, sterben.

Diagnose

  • Kultur einer Schleimprobe

  • Mitunter andere Tests mit einer Schleimprobe

Der Verdacht auf Pertussis entsteht, wenn ein Kind Husten mit dem charakteristischen Atemgeräusch oder andere typische Symptome zeigt. Zur Bestätigung der Diagnose wird eine Schleimprobe aus der Nase oder dem Rachen entnommen, aus der eine Kultur angelegt wird. Bei Keuchhustenpatienten sind die Kulturergebnisse in den ersten beiden Krankheitsstadien in der Regel positiv, nach einigen Krankheitswochen aber negativ. Die Ergebnisse aus der Kultur liegen nach etwa 7 Tagen vor.

Der PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) an Proben aus Nase oder Hals ist die praktischste Methode. Damit wird die Menge der bakteriellen DNS erhöht, sodass die Bakterien rascher erkannt und einfacher identifiziert werden können.

Vorbeugung

Kinder werden im Rahmen des Standardimpfplans gegen Pertussis geimpft. Die Keuchhusten-Impfung wird in der Regel bei Kindern unter 7 Jahren als DTaP und bei Jugendlichen und Erwachsenen als Tdap mit Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus kombiniert ( Grundimmunisierung von Säuglingen und Kindern). Die mit der Impfung verliehene Immunität schwächt sich 5 bis 10 Jahre nach Gabe der letzten Dosis eher ab.

Experten empfehlen eine einzelne Auffrischungsimpfung mit Tdap für Jugendliche im Alter von 11 bis 12 Jahren und Erwachsene, die nie Tdap erhalten haben. Auch während jeder Schwangerschaft wird eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

Nach Exposition gegenüber Keuchhustenerregern

Nach Kontakt mit einer an Pertussis erkrankten Person werden bestimmten Bevölkerungsgruppen Antibiotka verabreicht – egal, ob sie bereits geimpft sind oder nicht. Diese Antibiotika (sogenannte Postexpositionsprophylaxe) werden den folgenden Personen innerhalb von 21 Tagen nach den ersten Hustenanfällen des Patienten mit Pertussis verabreicht:

  • Haushaltsmitglieder (Menschen, die in derselben Wohneinheit leben) der Person mit Pertussis

Eine Postexpositionsprophylaxe wird innerhalb von 21 Tagen nach dem Kontakt mit einer Person mit Pertussis auch gewissen anderen Risikogruppen verabreicht:

  • Unter 12 Monate alte Säuglinge

  • Frauen im dritten Schwangerschaftsdrittel

  • Alle Personen mit gesundheitlichen Störungen, die sich durch Pertussis verschlimmern könnten (z. B. mittelgradiges bis schweres Asthma, chronische Lungenerkrankungen oder Krankheiten, die das Immunsystem schwächen)

  • Menschen, die engen Kontakt zu unter 12 Monate alten Säuglingen, schwangeren Frauen oder Personen haben, die sich bei einer Infektion eine schwere Erkrankung oder Komplikationen zuziehen könnten

  • Alle Personen in Einrichtungen, die mit unter 12 Monate alten Säuglingen oder Frauen im dritten Schwangerschaftsdrittel zu tun haben (z. B. Kindertagesstätten, Wochenstationen oder Neugeborenen-Intensivstationen)

Das Antibiotikum Erythromycin (oder manchmal Clarithromycin oder Azithromycin) wird als Präventivmaßnahme verabreicht. Bei weniger als 1 Monat alten Säuglingen wird Azithromycin bevorzugt.

Wenn Kinder unter 7 Jahren weniger als vier Impfstoffdosen erhalten haben, aber in engem Kontakt mit einer an Keuchhusten erkrankten Person sind, sollten sie ebenfalls geimpft werden.

Behandlung

  • Bei schwer erkrankten Kleinkindern stationäre Behandlung im Krankenhaus und Isolation

  • Antibiotika

Schwer erkrankte Kleinkinder werden meist im Krankenhaus behandelt, weil sie so starke Atembeschwerden bekommen können, dass sie über einen Beatmungsschlauch künstlich beatmet werden müssen. Bei manchen muss Schleim aus dem Rachen abgesaugt werden. Andere brauchen zusätzlichen Sauerstoff und intravenös verabreichte Flüssigkeiten. Schwerkranke Kleinkinder werden in den ersten fünf Tagen der Antibiotikagabe in der Regel isoliert (um eine Ansteckung weiterer Personen durch das Einatmen virushaltiger Tröpfchen in der Luft zu verhindern – sogenannte respiratorische Isolation). Weil jede Störung einen Hustenanfall auslösen kann, werden diese Kinder in einen abgedunkelten, ruhigen Raum gelegt und so wenig wie möglich gestört.

Ältere Kinder mit leichtem Krankheitsverlauf können zu Hause mit Antibiotika behandelt werden. Zu Hause behandelte Kinder sollten nach Einsetzen der Symptome und bis zu deren Abklingen mindestens 4 Wochen lang isoliert werden.

Die Wirkung von Hustenmitteln ist fraglich; sie sollten in der Regel nicht angewandt werden.

Um die Keuchhustenbakterien zu eliminieren, werden meist die Antibiotika Erythromycin oder Azithromycin als Präparate zum Einnehmen eingesetzt.

Auch Infektionen wie Pneumonie und Mittelohrentzündung, die bei Pertussis als Komplikation auftreten können, werden mit Antibiotika behandelt.

Weitere Informationen

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