Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

Lädt...

Übelkeit und Erbrechen während der frühen Schwangerschaft

Von

Geeta K. Swamy

, MD, Duke University Medical Center;


R. Phillip Heine

, MD, Duke University Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen

Bis zu 80 Prozent an schwangeren Frauen leiden bis zu einem gewissen Grad unter Übelkeit und Erbrechen. Übelkeit und Erbrechen treten in den ersten 3 Monaten am häufigsten und am stärksten auf. Auch wenn diese Übelkeit Morgenübelkeit genannt wird, können die Symptome zu jeder beliebigen Tageszeit auftreten. Auch variieren die Symptome von leicht bis schwer.

Unter einer Hyperemesis gravidarum ist eine schwere, anhaltende Form des Erbrechens im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft zu verstehen. Frauen mit einer Hyperemesis gravidarum erbrechen so viel, dass sie an Gewicht verlieren und dehydrieren. Es kann vorkommen, dass die betroffenen Frauen nicht genug Nahrung zu sich nehmen, um ihren Körper mit Energie zu versorgen. Der Körper baut dann Fette ab, was zu einer Ansammlung von Abfallprodukten (Ketone) führt, der sogenannten Ketose. Eine Ketose kann Erschöpfung, Mundgeruch, Schwindelgefühle und andere Symptome verursachen. Frauen mit einer Hyperemesis gravidarum dehydrieren häufig so sehr, dass es zu Störungen des Elektrolythaushalts kommt, der zur Erhaltung der Körperfunktionen nötig ist.

Frauen, die hin und wieder erbrechen, aber an Gewicht zunehmen und nicht dehydriert sind, leiden nicht unter einer Hyperemesis gravidarum. Die Schwangerschaftsübelkeit und die Hyperemesis gravidarum legen sich in der Regel während des 2. Trimesters.

Ursachen

Gewöhnlich sind Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft auf die Schwangerschaft zurückzuführen. In manchen Fällen werden sie jedoch von einer Erkrankung verursacht, die nicht mit der Schwangerschaft zusammenhängt.

Häufige Ursachen

Die am häufigsten auftretenden Ursachen für Übelkeit und Erbrechen sind:

  • Morgenübelkeit (am häufigsten)

  • Hyperemesis gravidarum

  • Gastroenteritis (Infektion des Verdauungstrakts)

Warum die Morgenübelkeit und die Hyperemesis gravidarum in der Schwangerschaft auftreten, ist unklar. Der Grund für das Auftreten dieser Symptome kann ein Anstieg des Hormonspiegels der folgenden zwei Hormone während der Schwangerschaft sein: das humane Choriongonadotropin (hCG), das von der Plazenta in der frühen Schwangerschaft produziert wird, und das Östrogen, das der Aufrechterhaltung der Schwangerschaft dient. Der Östrogenspiegel ist besonders hoch bei Frauen mit einer Hyperemesis gravidarum. Hormone wie zum Beispiel das Progesteron (wird kontinuierlich während der Schwangerschaft produziert) können den Verdauungsprozess verlangsamen, was gegebenenfalls zu Übelkeit und Erbrechen beiträgt.

Psychologische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.

Seltenere Ursachen

Mitunter wird eine Übelkeit von pränatalen Vitaminen mit Eisen verursacht. In seltenen Fällen ist ein fortdauerndes Erbrechen auf eine Blasenmole zurückzuführen (übermäßiges Wachstum von Gewebe der Plazenta).

Zu den Ursachen, die nicht im Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen, gehören Folgende:

Diese Erkrankungen verursachen jedoch gewöhnlich andere, auffälligere Symptome, z. B. Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen.

Beurteilung

Zunächst versuchen die Ärzte festzustellen, ob die Übelkeit und das Erbrechen von einer ernstzunehmenden Erkrankung verursacht werden. Morgenübelkeit oder eine Hyperemesis gravidarum kann erst nach Ausschluss aller anderen Ursachen diagnostiziert werden.

Warnsignale

Bei schwangeren Frauen, die erbrechen müssen, geben die folgenden Symptome Grund zur Besorgnis:

  • Bauchschmerzen

  • Anzeichen einer Dehydratation, z. B. ein verringertes Wasserlassen, verminderte Schweißabsonderungen, verstärktes Durstgefühl, Mundtrockenheit, Herzrasen und Schwindelgefühle beim Aufstehen

  • Fieber

  • Blut im Erbrochenen, schwarzes Erbrochenes, das wie Kaffeesatz aussieht, oder grünes Erbrochenes

  • Keine Bewegung des Fötus, obwohl dieser älter als 24 Wochen ist

  • Verwirrtheit, Schwäche- oder Taubheitsgefühl auf einer Seite des Körpers, Seh- oder Sprechprobleme, oder Trägheit. Diese Symptome lassen auf Gehirnblutungen schließen.

  • Anhaltendes oder sich verschlimmerndes Erbrechen

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Frauen mit Warnsignalen sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, ebenso Frauen mit besonders starkem oder sich verschlimmerndem Erbrechen.

Frauen ohne Warnsignale sollten mit ihrem Arzt sprechen. Ihr Arzt kann ihnen aufgrund der Art und des Schweregrads der Symptome sagen, ob und wie schnell eine Untersuchung erforderlich ist. Frauen mit einer leichten bis mäßig starken Übelkeit und Erbrechen, die kein Gewicht verloren haben und in der Lage sind, einige der zugeführten Flüssigkeiten bei sich zu behalten, müssen wahrscheinlich keinen Arzt aufsuchen, sofern sich ihre Symptome nicht verstärken.

Was der Arzt unternimmt:

Die Ärzte fragen ihre Patienten nach den Symptomen und ihrer Krankengeschichte. Anschließend führen sie eine körperliche Untersuchung durch. Die Befunde in der Krankengeschichte und bei der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache und auf die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle mit einigen Ursachen und Merkmalen von Übelkeit und Erbrechen während der frühen Schwangerschaft).

Fragen zum Erbrechen, die gestellt werden:

  • Wann es angefangen hat

  • Wie lange es andauert

  • Wie oft am Tag das Symptom auftritt

  • Ob es etwas gibt, das zur Erleichterung oder zur Verschlimmerung führt

  • Wie das Erbrochene aussieht

  • Wie viel erbrochen wird

Die Frau wird gefragt, ob sie andere Symptome festgestellt hat, insbesondere Bauchschmerzen, Durchfall und Darmverstopfung, und inwieweit diese Symptome sie und ihre Familie belasten bzw. ob sie arbeiten und ihre Kinder versorgen kann. Auch wird die Frau über ihr Erbrechen bei früheren Schwangerschaften, frühere operative Eingriffe im Bauchraum und die Einnahme von Medikamenten, die zum Erbrechen beitragen, befragt.

Während der körperlichen Untersuchung suchen die Ärzte zunächst nach Anzeichen schwerer Störungen, z. B. ein zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Fieber, Verwirrtheit und Trägheit. Es wird eine Untersuchung des Beckens durchgeführt, um nach Anzeichen für eine Blasenmole und andere Abweichungen zu suchen.

Mit Hilfe dieser Informationen können die Ärzte feststellen, ob das Erbrechen auf die Schwangerschaft oder auf eine andere, in keinem Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehende Erkrankung zurückzuführen ist. Beispielsweise ist die Schwangerschaft womöglich die Ursache des Erbrechens, wenn das Erbrechen

  • Während des 1. Schwangerschaftsdrittels angefangen hat

  • Über mehrere Tage bis Wochen andauert bzw. erneut auftritt

  • Nicht von Bauchschmerzen begleitet wird

Das Erbrechen wird vermutlich von einer anderen Erkrankung verursacht, wenn

  • Das Erbrechen nach dem 1. Schwangerschaftsdrittel angefangen hat

  • Bauchschmerzen, Durchfall oder beides Begleiterscheinungen sind

Tabelle
icon

Einige Ursachen und Merkmale der Übelkeit und des Erbrechens während der frühen Schwangerschaft

Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Im Zusammenhang mit der Schwangerschaft (geburtshilflich)

Morgenübelkeit

Leichte Übelkeit und Erbrechen, vorwiegend während des 1. Trimesters, die Symptome kommen und gehen und treten zu verschiedenen Tageszeiten auf

Ärztliche Untersuchung

Häufige, anhaltende Übelkeit und Erbrechen

Unfähigkeit, ausreichend Flüssigkeit, Nahrungsmittel oder beides aufzunehmen

Gewöhnlich Anzeichen einer Dehydratation, z. B. verringertes Wasserlassen, verminderte Schweißabsonderungen, Mundtrockenheit, verstärktes Durstgefühl, Herzrasen und Schwindelgefühle beim Aufstehen

Gewichtsverlust

Bluttests, um nach Anzeichen einer Dehydratation und eines chemischen Ungleichgewichts zu suchen, indem die Konzentration der Elektrolyte, des Blut-Harnstoff-Stickstoffs (BUN) und des Kreatinins gemessen werden

Urintests zur Messung der Ketone (werden produziert, wenn nicht genügend Nahrung aufgenommen wird und der Körper Fett abbaut, um Energie zu gewinnen)

Wenn das Erbrechen anhält, werden voraussichtlich Bluttests zur Untersuchung der Leber (Leberfunktionstests) und eine Ultraschalluntersuchung des Beckens durchgeführt

Eine Blasenmole (übermäßiges Wachstum der Plazenta)

Eine Gebärmutter, die größer als erwartet ist

Es wird kein Herzschlag oder keine Bewegung des Fötus während des 2. Trimesters festgestellt

Zuweilen ein hoher Blutdruck, ein Anschwellen der Füße und Hände, Scheidenblutungen oder das Passieren eines weintraubenartigen Gewebes

Blutdruckmessungen

Bluttests zum Messen des humanen Choriongonadotropin (hCG – ein Hormon, das von der Plazenta in der frühen Schwangerschaft produziert wird)

Ultraschalluntersuchung des Beckens

Eine Biopsie, wenn die Gebärmutter untersucht und keine Schwangerschaft festgestellt wurde

Steht in keinem Zusammenhang zur Schwangerschaft

Plötzlich einsetzendes Erbrechen, oft von Durchfall begleitet

Manchmal ein kürzlich erfolgter Kontakt mit infizierten Menschen oder Tieren oder kürzlicher Verzehr von halbgaren, kontaminierten Lebensmitteln oder kontaminiertem Wasser

Ärztliche Untersuchung

Manchmal körperliche Untersuchung und Anlegen einer Stuhlkultur

Blockierung im Darm (Darmobstruktion)

Plötzlich auftretende Symptome, gewöhnlich bei Frauen, bei denen ein operativer Eingriff im Bauchraum durchgeführt wurde

Krampfartige Schmerzen und ein geschwollener Bauch

Röntgen und Ultraschall des Unterleibs

Möglicherweise eine CT (wenn aufgrund der Ergebnisse der Röntgen- und Ultraschalluntersuchung keine Diagnose gestellt werden kann)

Eine Harnwegsinfektion oder eine Niereninfektion (Pyelonephritis)

Der Drang, oft zu urinieren (Häufigkeit), ein zwanghafter Harndrang (Dringlichkeit) oder Schwierigkeiten, zu urinieren (Zögern)

Schmerzen in der Seite und Fieber bei einer Niereninfektion

Urintests (Harnuntersuchung) und -kultur

*Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

CT = Computertomographie.

Tests

Häufig wird von den Ärzten ein Doppler-Sonographiegerät verwendet, das auf dem Bauch der Frau positioniert wird, um den Herzschlag des Kindes zu überprüfen. Wird kein Herzschlag festgestellt, wenn das Kind um die 11 Wochen alt ist, kann eine Blasenmole vermutet werden. Muss die Frau häufig erbrechen, sind Anzeichen einer Dehydratation zu sehen oder besteht die Möglichkeit einer Blasenmole, werden in der Regel eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt. Welche Untersuchungen durchgeführt werden, hängt davon ab, welche Ursachen von den Ärzten vermutet werden:

  • Hyperemesis gravidarum: Urintests (zur Messung des Ketonspiegels) und möglicherweise Bluttests (zur Messung der Elektrolyten und anderer Substanzen)

  • Eine Blasenmole: Ultraschalluntersuchung des Beckens

  • Eine Erkrankung, die nicht im Zusammenhang mit der Schwangerschaft steht: Tests, die speziell bei dieser Erkrankung durchgeführt werden

Behandlung

Kann das Erbrechen auf eine Erkrankung zurückgeführt werden, wird diese behandelt. Steht das Erbrechen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft, kann eine Veränderung der Ernährung oder der Essgewohnheiten hilfreich sein:

  • Trinken und Essen geringer Mengen, aber in kürzeren Abständen (5 oder 6 Mahlzeiten pro Tag)

  • Essen, bevor sich der Hunger einstellt

  • Der Verzehr von Schonkost, z. B. Bananen, Reis, Apfelmus und trockener Toast (BRAT-Ernährungsplan)

  • Das Aufbewahren von Salzkeksen neben dem Bett und der Verzehr von einem oder zwei Keksen am Morgen noch vor dem Aufstehen

  • Trinken kohlesäurehaltiger Getränke (Sodas)

Führt das Erbrechen zu einer Dehydratation, kann der Frau intravenös Flüssigkeit zugeführt werden. Hört das Erbrechen nicht auf, kann die Frau ins Krankenhaus eingeliefert werden. Gegebenenfalls werden ihr Zucker (Glukose), Elektrolyte und mitunter Vitamine intravenös zusammen mit Flüssigkeit zugeführt. Nachdem das Erbrechen aufgehört hat, wird ihr die Flüssigkeit oral zugeführt. Wenn sie die Flüssigkeiten bei sich behält, kann sie vorsichtig damit beginnen, Schonkost in Form von vielen kleine Portionen zu sich zu nehmen. Die Größe der Portionen wird allmählich gesteigert, je mehr Nahrung die Frau bei sich behalten kann.

Bei Bedarf werden brechreizhemmende Medikamente (Antiemetika) verabreicht. Die Ärzte wählen Arzneimittel aus, deren Einnahme während der frühen Schwangerschaft sicher zu sein scheint. Vitamin B6 wird zuerst verabreicht. Hat dieses keine Wirkung, wird ein anderes Medikament (Doxylamin, Metoclopramid, Ondansetron oder Promethazin) verabreicht.

Ingwer (in Form von Kapseln oder Lutschern), Akupunktur, Reisekrankheit-Akupunkturbänder und Hypnose sowie das Umsteigen von pränatalen Vitaminen auf Kautabletten mit Folsäure für Kinder können unter Umständen helfen.

In seltenen Fällen wird der Gewichtsverlust nicht gestoppt und die Symptome bleiben trotz der Behandlung weiterbestehen. Der Frau wird dann über eine Sonde Nahrung zugeführt, die durch Nase und Rachen und Speiseröhre in den Dünndarm führt. Die Sondenernährung wird so lange wie nötig durchgeführt.

Wichtigste Punkte

  • Gewöhnlich verursachen Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft keinen Gewichtsverlust und keine anderen Probleme und die Symptome legen sich vor oder während des 2. Trimesters.

  • Die Hyperemesis gravidarum, eine schwere, anhaltende Form des Erbrechens im Zusammenhang mit der Schwangerschaft, ist weniger verbreitet und kann zu einer Dehydratation und zu Gewichtsverlust führen.

  • Die Übelkeit und das Erbrechen können unter Umständen auf Erkrankungen zurückgeführt werden, die in keinem Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen, z. B. Gastroenteritis, eine Harnwegsinfektion oder in seltenen Fällen auch eine Blockade im Darm.

  • Eine Änderung der Ernährung kann die Symptome Übelkeit und Erbrechen lindern, die mit einer Schwangerschaft im Zusammenhang stehen.

  • Kommt es bei Frauen mit einer Hyperemesis gravidarum zu einer Dehydratation, muss diesen unter Umständen intravenös Flüssigkeit zugeführt werden.

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Stillen
Video
Stillen
Der äußere Teil der Brust besteht aus der Brustwarze und dem Warzenhof (Areola). Die Spitze...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Anatomie des weiblichen Beckens
3D-Modell
Anatomie des weiblichen Beckens

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN