Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Insomnie und exzessive Tagesschläfrigkeit (ETS)

Von

Karl Doghramji

, MD, Jefferson Sleep Disorders Center, Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Okt 2014
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Zahlreiche Schlafstörungen manifestieren sich in Insomnie und üblicherweise exzessiver Tagesschläfrigkeit (ETS).

  • Insomnie bezeichnet die Schwierigkeit, ein- oder durchzuschlafen, frühes Erwachen oder ein Gefühl von nichterholsamem Schlaf.

  • ETS bezeichnet die Neigung, während normaler Wachstunden einzuschlafen.

Schlafstörungen können durch Faktoren innerhalb des Körpers (intrinsisch) oder außerhalb des Körpers (extrinsisch) bedingt sein.

Unzureichende Schlafhygiene

Der Schlaf wird durch bestimmte Verhaltensweisen beeinträchtigt. Diese umfassen:

  • Konsum von Koffein oder sympathomimetischen oder anderen stimulierenden Medikamenten (typischerweise kurz vor dem Schlafengehen, aber bei empfindlichen Patienten sogar am Nachmittag)

  • Bewegung oder Aufregung (z. B. eine spannende TV-Show) am späten Abend

  • Ein unregelmäßiges Schlaf-Wach-Schema

Patienten, die ihren Schlafmangel durch langes Ausschlafen oder Nickerchen kompensieren, fragmentieren den Nachtschlaf weiter.

Patienten mit Schlaflosigkeit sollten eine regelmäßige Aufwachzeit beibehalten und, unabhängig von der Menge des Nachtschlafs, Nickerchen vermeiden.

Adäquate Schlafhygiene kann den Schlaf verbessern (siehe Tabelle: Schlafhygiene).

Anpassungsinsomnie

Akute emotionale Stressoren (z. B. Verlust des Arbeitsplatzes, Krankenhausaufenthalt) können eine Insomnie verursachen. Die Symptome bilden sich typischerweise kurz nach Verschwinden des Stressors zurück; die Insomnie ist meist vorübergehend und kurz. Trotzdem ist eine Kurzzeitbehandlung mit Hypnotika angemessen, sofern sich Tagesschläfrigkeit und Müdigkeit entwickeln, v. a. wenn sie die Funktionsfähigkeit am Tag stören. Eine persistierende Angstsymptomatik kann eine spezifische Behandlung notwendig machen.

Psychophysiologische Insomnie

Unabhängig von der Ursache kann die Insomnie über die Beseitigung der auslösenden Faktoren hinaus fortbestehen, in der Regel, weil die Patienten eine Erwartungsangst hinsichtlich der Aussicht auf eine weitere schlaflose Nacht und einen darauffolgenden Tag mit Müdigkeit verspüren. Normalerweise verbringen die Patienten Stunden im Bett und konzentrieren sich auf bzw. grübeln über ihre Schlaflosigkeit, und sie haben in ihrem eigenen Schlafzimmer größere Einschlafschwierigkeiten als anderswo.

Eine optimale Therapie verbindet

  • Kognitiv-behavoristische Strategien

  • Hypnotika

Wenn auch kognitiv-verhaltenstherapeutische Strategien schwieriger zu etablieren sind und länger dauern, so sind die Effekte doch dauerhafter und halten bis zu ca. 2 Jahre nach Behandlungsende an. Diese Strategien umfassen

  • Schlafhygiene (insbesondere Beschränkung der Zeit im Bett—siehe Tabelle: Schlafhygiene)

  • Aufklärung

  • Entspannungstraining

  • Stimuluskontrolle

  • Kognitive Verhaltenstherapie

Hypnotika sind für Patienten geeignet, die eine schnelle Linderung benötigen und deren Insomnie sich bereits auf den Tag auswirkt, wie z. B. wie ETS und Fatigue. Diese Medikamente dürfen in den meisten Fällen nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden.

Physische Schlafstörungen

Körperliche Störungen können den Schlaf stören und Insomnie und ETS verursachen. Störungen, die Schmerz oder Unbehagen verursachen (z. B. Arthritis, Krebserkrankungen, Bandscheibenvorfälle), verursachen, v. a. wenn sie bei Bewegung schlechter werden, vorübergehendes Aufwachen und schlechte Schlafqualität. Nächtliche Krampfanfälle können auch den Schlaf stören.

Die Behandlung wird von der zugrunde liegenden Störung bestimmt und zielt auf die Linderung der Symptome ab (z. B. mit abendlicher Analgetikagabe).

Psychische Schlafstörungen

Die meisten bedeutenden psychischen Störungen können zu Insomnie und ETS führen. Ca. 80% der Patienten mit einer Major Depression berichten diese Symptome. Umgekehrt haben 40% der Patienten mit chronischer Insomnie eine bedeutende psychische Störung, am häufigsten eine affektive Störung.

Patienten mit Depressionen können Einschlaf- oder Durchschlafstörungen haben. Manchmal ist in der depressiven Phase bei bipolaren Störungen und bei saisonalen affektiven Störungen der Schlaf nicht unterbrochen, jedoch klagen die Patienten über unüberwindbare Tagesmüdigkeit.

Wenn die Depression von Schlaflosigkeit begleitet wird, können Antidepressiva mit vorwiegend sedierender Komponente (z. B. Citalopram, Paroxetin, Mirtazapin) den Patienten helfen, zu schlafen. Diese Medikamente werden in den regulären, und nicht in niedrigen, Dosierungen gegeben, um eine Verbesserung der Depression zu gewährleisten. Allerdings sollte der Arzt beachten, dass diese Arzneimittel nicht vorhersehbar sedierend sind und aktivierende Eigenschaften haben können. Darüber hinaus kann die gegebene Sedierung den Nutzen überdauern und zu ETS führen, und diese Medikamente können weitere unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme haben. Alternativ kann jedes Antidepressivum zusammen mit einem Hypnotikum verwendet werden.

Wenn eine Depression von ETS begleitet wird, können Antidepressiva mit aktivierender Komponente (z. B. Bupropion, Venlafaxin oder bestimmte SSRI wie Fluoxetin und Sertralin) gewählt werden.

Schlafmangel-Syndrom (Schlafdeprivation)

Obwohl sie die Gelegenheit dazu hätten, schlafen Patienten mit diesem Syndrom in der Nacht nicht genug, um munter zu bleiben, wenn sie wach sind. Die Ursache sind in der Regel verschiedene soziale oder arbeitsplatzabhängige Verpflichtungen. Dieses Syndrom ist vermutlich die häufigste Ursache für ETS. Es verschwindet, wenn die Schlafzeit verlängert wird (z. B. an Wochenenden oder im Urlaub). Nach längeren Zeiträumen mit Schlafentzug werden Wochen oder Monate mit verlängertem Schlaf gebraucht, um tagsüber die Wachheit wiederherzustellen.

Medikamentenbedingte Schlafstörungen

Insomnie und ETS können durch den chronischen Gebrauch von ZNS-Stimulanzien (z. B. Amphetamine, Koffein), Hypnotika (z. B. Benzodiazepine), anderen Sedativa, antimetabolischer Chemotherapie, Antikonvulsiva (z. B. Phenytoin), oralen Kontrazeptiva, Methyldopa, Propranolol, Alkohol und Schilddrüsenhormon-Präparaten hervorgerufen werden (siehe Tabelle: Medikamente, die den Schlaf stören). Gängigerweise verschriebene Hypnotika können Reizbarkeit und Apathie hervorrufen und die geistige Wachheit reduzierten. Viele psychoaktive Arzneimittel können abnorme Bewegungen während des Schlafs induzieren.

Eine Insomnie kann sich auch während des Entzugs von ZNS-dämpfenden Medikamenten (z. B. Barbiturate, Opioide, Sedativa), trizyklischen Antidepressiva, Monoaminoxidasehemmern oder illegalen Drogen (z. B. Kokain, Heroin, Marihuana, Phencyclidin) entwickeln. Der abrupte Entzug von Hypnotika oder Sedativa kann Nervosität, Zittern und Krampfanfälle hervorrufen.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Wie die Untersuchung des Hirnnervs durchgeführt wird.
Video
Wie die Untersuchung des Hirnnervs durchgeführt wird.
3D-Modelle
Alle anzeigen
Hirnhaut
3D-Modell
Hirnhaut

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN